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Weltbegebenheiten geknüpft ist. Ihr erlebt das Große, daß feit 48 Jahren, seit 1866, zum erstenmal das ganze deutsche Volk, ungeteilt und ungetrennt, auf dem plane erscheint. Ein Volk! Vas tut dem deutschen Herzen wohl, wir und die österreichischen veutschen stehen nicht wie zwei fremde, zeitweilig verbündete Völker da, die zwei Kaiser, die uns führen, nicht als zwei Fürsten, die sich wie unsere Gegner vorübergehend auf Grund gemeinsamen Hasses gegen den gemeinsamen Feind zusammengetan haben. Vies deutsche Volk ist ein Volk und der Herzschlag der beiden Kaiser ist ein Herzschlag, ein deutscher Herzschlag. Und nun der Aufmarsch unserer Truppen, das Geschick unserer Kriegsobersten, der Mut und die Ausdauer unserer Krieger, der Triumph der Wissenschaft und der Technik zu Lande, zu Wasser und in der Lust, unsere bisherigen Erfolge und die Einheit des ganzen Volkes, der gewaltige Idealismus in unserer Zeit, die immateriellen zu ersticken drohte, diese Vaterlandsliebe und dazu diese Gpferbereilschaft und Liebestätig- keit: alles groß, alles erhebend, alles uns mit froher Siegeshoffnung erfüllend, aber vergeht nicht, der Lieg kommt vom Herrn, von ihm allein haben wir ihn zu erwarten, haben ihn in Demut zu erflehen, aus seiner Hand, wenn es sein heiliger Wille ist und gut für uns ist, als ein Geschenk der Gnade hinzunehmen.
Nach diesem Ziege mit seinem Frieden dürfen und sollen wir uns sehnen. Er soll uns dann ein Vorbote jenes großen Friedens und Friedensreiches sein, das verheißen ist, worauf die Völker aller Zeiten, bewußt und unbewußt, gewartet haben, wenn Gott vom Himmel sein Königreich aufrichten wird, und Lhristus als der König aller Könige und der Herr aller Herren, als der ewige Friedensfürst, regieren wird. Zeines Deiches wird kein Ende sein. Und zur Herbeiführung dieses Reiches, zur Hinausführung des Ratschlusses Gottes wird und muß auch dieser Weltkrieg ganz gewiß dienen.
Und nun führt den Krieg und kämpft gegen den Feind, bis ihr ihn niedergerungen habt. Schämt euch des Heimwehs nicht; ihr seid ja deutsche Jünglinge und die haben allezeit in der Fremde Heimweh gehabt, habt Geduld, wenn es mit den Erfolgen und Siegen nicht so schnell geht, wie wir wünschen, und laßt euch die ungeheuren Opfer und Anstrengungen, die ihr bringen und durchmachen müßt, nicht gereuen. Gpfer bringen stärkt den Lharakter.und wer so handelt, wird als Held heimkehren, gestärkt, reif für sein ganzes Leben. Füllt eure Herzen mehr und mehr gegen den Krieg als solchen und schämt euch nicht der Tränen, wenn euch beim Anblick des Elends, bei Freund oder Feind, das Herz brechen will! Bewahrt aber dabei auch euren Humor! Er ist eine Gabe Gottes, die das Schwere und fast Unerträgliche erträglich macht und euch und anderen frisches Wasser sprudeln läßt. Führt den Krieg als einen Gottesdienst, ihr Soldaten! Tut ihr das, so werdet ihr nicht wie ein Fluch über die Erde ziehen, sondern ein Segen sein, ein Segen für euch, ein Segen für eure Kameraden, ein Segen für euer Vaterland und gewiß auch ein Segen für manchen eurer Feinde, wollt ihr eine größere Gnade, einen schönen, hehreren Beruf ? Die Macht eurer Fürbitte und eures Vorbildes wird euch zu Segensspendern machen, wo Gott euch auch immer hinstellen mag.
Und nun, meine Söhne: Das Herz zu Gott und die Faust auf den Feind!
Eure Mutter, eine rechte Soldatenmutter, und eure Schwester, eine rechte Soldatenschwester, denken eurer Tag
und Rächt und befehlen euch dem Schutze unseres himmlischen Vaters. Kehrt gesund und als Sieger heim.
Euer Vater.
ttriegsbil-er aus -er Mainzer Geschichte alter und neuer Zeit.
(Fortsetzung.)
Auch die Einführung der französischen Sprache als Amtssprache, die neuen Straßennamen wurden als lästig empfunden. Das erstere machte Mittelspersonen nötig, denen man auf Gnade und Ungnade ausgeliefert war. Der Greffier (Bürgermeistereischreiber) und huissier (Gerichtsvollzieher), oder wie die Leute sagten ,,das Greffche" und „das hußche", gewannen im Volksleben eine höhere Bedeutung als der Maire (Bürgermeister) und der Richter.
Widerwillen erregte auch die Einführung des neuen Kalenders. Der Sonntag war abgeschafft, statt dessen wurde der zehnte Tag (Dekade) gefeiert. Die Jahre wurden nicht mehr nach Thristi Geburt gezählt, sondern nach der Entstehung der französischen Republik. Die kirchlichen Feste sollten verdunkelt werden durch politische, die mit theatralischem Pomp und mit militärischen Paraden gefeiert wurden, das Fest der Freiheit, der Jugend, der Dankbarkeit, des Feldbaus, der Greise usw. Für die Altäre, die diesen Götzen gebaut wurden, für die Freiheitsbäume und Aufzüge hatte der Mainzer nur Ekel und Spott.
Leichter versöhnte man sich mit der Einführung der Glaubensfreiheit und des neuen französischen Gesetzbuchs, das in der Tat einen großen Fortschritt bedeutete und darum auf dem linken Rheinufer auch nach dem Fall der Franzosenherrschaft noch in Geltung blieb. Run war es möglich, daß 1802/3 in Mainz eine evangelische Gemeinde entstand.
Besser wurde die Stimmung dadurch, daß Mainz einen vorzüglichen Präsidenten erhielt, den später einmal Napoleon einer Hofgesellschaft vorstellte mit den Worten: hier ist der beste Fürsprecher für sein Departement. Er hieß Jeanbon St. Andre, war ursprünglich reformierter Pfarrer gewesen und war unermüdlich für die Hebung der öffentlichen Wohlfahrt tätig. Ihm verdankte es auch die evangelische Gemeinde, daß sie die alte, leer stehende Altmünsterkirche (jetzige evangelische Garnisonskirche) bekam, und als Napoleon ihr diese wieder nahm, als Ersatz die Kapelle des Welschnonnenklosters.
Auch die schamlosen Erpressungen der französischen Generale hörten auf,' doch kam es (nach Börckels Geschichte von Mainz) auch später noch vor, daß höhere Offiziere Schmuggel trieben. Ein Bataillonschef wurde deshalb mit sechs Monaten Festung und Entlassung bestraft. Napoleon selbst, der 1804 die Kaiserwürde annahm, hatte eine große Vorliebe für Mainz. Tr hielt sich oft hier auf, zweimal von seiner ersten, und einmal von seiner zweiten Gemahlin begleitet. Seine Residenz war das „Deutsche Haus", das jetzige Groß- herzogliche Schloß. Er bekümmerte sich um die Festungswerke bis ins Einzelnste, und als sie nach seinen Plänen um- und ausgearbeitet waren, sagte er mit stolzer Genugtuung: Das ist das große Bollwerk Frankreichs. Mainz sollte das starke Ausfallstor, der uneinnehmbare Stützpunkt für seine Unternehmungen nach Osten werden, die feste Zwingburg, von der aus er Deutschland unter seinem Einfluß hielt.
Große Pläne hatte er mit Mainz vor: Eine feste Rheinbrücke, zu der das Modell noch im Mainzer Museum steht, die Umleitung des Mains um Kastel herum, und die Herstellung eines Verbindungsbaus zwischen dem Deutschen


