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Sonntaasgruf;

Gemeinüeblatt für die evangklischk Kircbengkmeinöe

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Nr. 19. (Bicken, Sonntag Exaudi, 16. Mai 1915. 4. Jahrgang.

An meine drei 5öhne im Zelde?)

I- Brief der Apostels Paulus an die Korinther 16, 13. wachet, stehet im Glauben, seid männlich und seid stark!

Was ist einem christlichen Soldaten not, was ist sein Schmuck? Felsenfestes vertrauen auf Gott, stetiger Umgang mit ihm im Gebet und Gewißheit der Vergebung der Sün­den, haß und Lkel vor jedem Unrecht und vor aller Gemein­heit, völliger Friede mit allen Menschen, völliger Bruch mit allem verkehrten, was dahinten liegt, Tapferkeit und Mut vor dem Feind, Ehrfurcht, Gehorsam und vertrauen zu den Oberen, Milde und Zartheit gegen die Schwachen und hilf- losen und Uchtung vor dem Feind. Macht eure Kerzen groß, seid vornehm und voll Edelsinn und macht euch frei von dem kleinlichen hasse und der Geringschätzung des Feindes. Vas ist nicht nur unchristlich, sondern auch undeutsch. Unsere Vor­fahren haben den Feind nicht verächtlich gemacht und ge­haßt, sondern sie haben ihn geachtet und dann mit aller Tapferkeit und Klugheit auf ihn geschlagen und ihn zer­schlagen. Vas ist deutsch. So machts auch. Uls einer von euch neulich sein Stück Brot mit dem besiegten Feind geteilt hat, da habe nicht nur ich mich gefreut, sondern auch der Vater im Fimmel. Und hütet euch auch vor knabenhafter Tollkühn­heit, die wohl Oberflächlichen gefällt, dem Vaterland aber annötige Verluste bringt. Der Kriegsdienst ist ein Krieg ern­ster Männer und die Schlacht wird nicht durch jungenhafte Tollkühnheit, sondern durch Tapferkeit und Weisheit ge­wonnen. Und nehmt von Herzen teil an der allgemeinen Buße, die wir als Volk um unserer Volkssünden willen tun und immer mehr tun müssen. Bei einer so schweren Heimsuchung, wie sie ein Krieg über ein Sand bringt, handelt es sich nicht um die Sünden des Einzelnen, sondern vor allem um die Er-

*) von einem Arzt in Gießen ist uns nachfolgende Ansprache, die ein verwandter von ihm (Nichtpfarrer) als väterliches INahnwort seinen drei Söhnen mit in den Krieg gegeben hat, zum Abdruck in unserem Gemeindeblatt übergeben worden. Der älteste der drei jungen Krieger ist Privatdozent der Physik an einer norddeutschen Universität und dient dem tseere als Ballonfahrer im Aufklärungsdienst, der jüngste ist canci. ing. und war als Pionier bei den Kämpfen in Flandern beteiligt, bis er vor kurzem von dort zurückgezogen wurde, um in der Heimat zum Offizier ausgebildet zu werden, ver mittlere, ein cand. phil., hat inzwischen vor einigen Wochen als Artillerist den Heldentod in Nordfrankreich erlitten.

Kenntnis und Buße für Sünden, die wir als deutsches Volk, wir und unsere Väter, auf uns geladen haben. Mut und vemut!

von diesem allen gebe euch Gott ein reichliches Teil. Dann ist euer Kriegsdienst ein Gottesdienst und bei all seinem Schrecklichen ein seliger Dienst, selig, fürs Vaterland, für seinen König, für sein heim und sein Liebstes daheim zu kämpfen, zu siegen und, wenn es sein muß, zu sterben.

Wäre Fallen das größte Unglück? Manche denken das, und manche Mutter hat nur das eine Gebet, um Heimkehr des Sohnes, und so erklären sich die geradezu entsetz­lichen Vorgänge, die sich hier und da abgespielt haben, bei der Botschaft, daß der Sohn oder der Gatte gefallen sei. Lenore in dem Gedichte Bürgers furcht­baren Ungedenkens. Nein, meiye Söhne, zu fallen ist nicht das größte Unglück, wenn ihr innerlich alles in Ordnung gebracht habt mit eurem Gott, ver Heide sagt: vuleo et decorum est pro patria mori, und der Thrist: Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde." Sterben, sterben mit Tausenden, sein Leben hingeben als Opfer für das Vaterland, im Frie­den mit Gott und den Menschen, vom Schlachtfeld in den Himmel eilen: So furchtbar schmerzvoll das auch einerseits ist, es hat doch etwas Großes, etwas Schönes, und das größte Unglück ist es nicht, ver ehrliche Soldatentod hat zu allen Zeiten und bei allen Völkern, vor allem bei uns Deutschen, bei Heiden und auch für den Thristen als etwas Großes, Erhabenes gegolten. Er wird im Lied verherrlicht,' er ist das größte Unglück nicht. Vas größte Unglück und das möchte ich allen Müttern zurufen ist, wenn ein braver Sohn als Lump heimkehrt, wenn er nicht sein Leben, wohl aber seine Ehre, seine Bravheit, seine Reinheit, seinen Tharakter verloren hat. Vas kommt auch vor, und in dem rauhen Kriegsleben, wo das Menschenleben nichts gilt, wo die schützenden Lande der Heimat und der bürgerlichen Ordnung nicht umgeben und sich so viele Bande lösen, leider nicht selten. Gott bewahre euch vor Verrohung und Schlech­tigkeit und einen jeden unserer braven Soldaten!

Ihr habt die Ehre, eine große Zeit mitzuerleben und zwar als mithandelnde Personen, als solche, deren persön­liches Schicksal an das Schicksal des ganzen Volkes und an