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Bilder aus Alt-Giehen.

(Fortsetzung.)

Mit vielen anderen Predigern seiner Zeit teilt Engel die Gepflogenheit, datz er in seinen predigten auf die bib­lischen Wahrheiten selten eingeht. Merkwürdige Stoffe hat beispielsweise ein Thüringer Landpfarrer, dessen predigten aus dem Jahre 1834 mir handschriftlich vorliegen, behan­delt. Oer sehr fleißige und gewissenhafte Mann hat alle seine predigten bis in das einzelste ausgearbeitet, in sehr sorgfältiger Handschrift niedergeschrieben und zu einem Lande vereinigt. Aber man erstaunt, wenn man liest, wie er mit den Libelstellen, die ihm als Text dienen sollen, umspringt. Am Neujahrstage führt er aus, daßTätigkeit und Genuß in der engsten Verbindung miteinander stehen", das tut er auf Grund des Textes Prediger 5, 17So sehe ich nun das für gut an, wenn man isset und trinket und guten Mutes ist in aller Arbeit,' denn das ist sein Teil." Fast unfaßlich ist es, daß derselbe Prediger am I. Weihnachtstage das Weihnachts­evangelium zur Grundlage seiner Ausführungen über das Thema macht:Was haben wir zu tun, um das Leben unter jedem Verhältnisse froh und würdig zu genießen?" Sogar der sonst sehr tüchige Pädagoge Schlez in Schlitz hat im 18. Jahr­hundert, als er noch Pfarrer zu Ippesheim in Franken war, landwirtschaftliche Fragen auf der Ranzel behandelt. Zur Entschuldigung kann hier allerdings dienen, daß damals sonst niemand da war, der der Landbevölkerung Wissenswertes über den Ackerbau mitteilte. Immerhin hätten die Pfarrer, die ihren Gemeindegliedern durch diese Belehrung dienen wollten, ihre landwirtschaftlichen Vorträge nicht unbedingt auf der Ranzel und im Sonntagsgottesdienste zu halten brauchen. Engel hat nun zwar in der hiesigen Stadtkirche keine landwirtschaftlichen Vorträge gehalten, wiewohl damals in unserer Stadt jeder Bürger neben seinem Geschäfte oder Handwerke noch Ackerbau trieb, aber er hat sich doch auf der Ranzel in seltsamen Ausführungen ergangen. So predigte er am 2. Weihnachtstage 1822 über das Thema,daß die Erscheinung Jesu unsere Hoffnung auf das Fortschreiten des Menschengeschlechtes herrlich stärke und erhebe". Die Rirche, so schreibt er an seinen Gnkel Göbel, sei so gefüllt gewesen wie am Tage ihrer Einweihung. Mithin ist damals das kirchliche Leben in Gießen recht rege gewesen.

Uebrigens wäre Engel beinahe einmal seiner Vaterstadt genommen und nach Amerika verpflanzt worden. Am 14. März 1827 meldet er in einem Briefe:vor einiger Zeit wurde bei mir angefragt, ob ich Lust hätte, unter sehr vor­teilhaften Bedingungen als virector eines homiletischen Semi­nars nach Amerika zu gehen, ich sagte aber quod non; denn die leidlichen Sessionen Abends hier treffe ich in ganz Eu­ropa nicht, geschweige denn in Amerika."

Was Engel im letzten Grunde an Gießen festband, war der Umstand, daß er ein Rind der Stadt war und sie augenscheinlich niemals auch nicht während seiner Studien­zeit verlassen hatte, varum hat er vernünftig gehandelt, daß er den Ruf nach Amerika nicht annahm,' denn in der neuen Welt hätte sich der kindlich fröhliche Mann sehr un­glücklich gefühlt. (Schluß folgt.)

Sin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Als ich von meiner Reise in die Heimat wieder nach Fürfeld zurückgekehrt war, fand ich eine Rarte von Wil­helm Hinkel vor. Tr fragte bei mir an, ob ich ihm nicht

einige Tage beim Reitern von Obstwein und beim Rartoffel- ausmachen helfen wolle, sein Rnecht sei im Anfang des Ok­tober zu den weißen Dragonern in Darmstadt eingerückt und Ersatz könne er für ihn einstweilen nicht finden. Gern kam ich diesem Wunsche nach, umso mehr, als ich mich freute, mit meinem früheren Dienstherrn, der längst mein väter­licher Freund und Berater geworden war, wieder einige Tage zusammen zu sein. Ich hatte jetzt auch im herbste und Winter mehr Zeit als früher, da ich keinen Musikunter­richt mehr erteilte und nicht mehr bei Bällen und Tanz- oergnügungen spielte.

So half ich acht Tage lang die Früchte des herbstes ein­heimsen. Mit langen Stangen schlugen wir die Birnen von den Bäumen, füllten sie in Säcke und zermalmten sie dann unter der Obstkelter,- daß der trübe Most in die davor aufgestellte Bütte lief. Es braucht keinen Wunder zu nehmen, daß wir diese Birnen mit Stangen von den Bäumen herunterholten. Es ist wahrlich keine Edelsorte' wer in eine derartige Birne beißt, dem zieht sich der ganze Mund vor Bitterkeit zusammen. Diese Sorte kann wahrlich einen Schlag mit der Stange vertragen.

Schwerer schon fiel mir das Rartoffelausmachen,' denn wenn der Musikantenberuf auch sehr mühsam ist, so verlangt er doch keine große körperliche Anstrengung. Run tat mir doch der Rücken weh, wenn ich den ganzen Tag im Acker stand und Rartoffeln ausgrub. Aber ich handelte nach dem Wort eines mir bekannten Landwirtes, der seinem fünf­zehnjährigen Rnechte beim Rornladen zurief:Rur keine Schwäche gezeigt!" Solche herbstarbeit gibt auch Genug­tuung. Wenn man bei einem einzigen Rartoffelstocke acht oder zehn vollausgewachsene, reife Rartoffeln findet, so freut man sich über den Segen, den Gott spendet.

Abends saß ich mit Wilhelm Hinkel zusammen. Wir rauchten die kurze pfeife, hatten einen Rrug vierundacht- ziger vor uns stehen und sprachen hauptsächlich über meine Angelegenheiten. Hinkel war außer meiner Frau der einzige, dem ich Mitteilung über meine Einnahme gemacht hatte. Ich wußte zu genau, daß ich mir im anderen Falle vor Leuten, die von mir hätten Geld leihen wollen, nicht hätte helfen können. So sprach ich an diesen Abenden mit ihm auch darüber, wie ich mein Rapital am besten anlegen solle.

Hinkel riet mir dazu, daß ich mir Aecker anschaffen solle.

Eine Rasse," meinte er,kann verkrachen, und wenn du Geld an Privatleute leihst, so Hilst dir auch der Schuld­schein nichts, wenn die Leute alles verwirtschaftet haben. Wo nichts ist, hat selbst der Raiser das Recht verloren. Aber Aecker, Peter, kann dir niemand nehmen, wenn du keine Schulden machst, hier in unserer fruchtbaren Gegend gibt es keine Mißjahre, und Rorn kann man immer zu Geld machen."

Vas ist alles recht," erwiderte ich,aber, Herr Hinkel, wer baut mir die Aecker, wenn ich vom Frühjahre bis in den herbst hinein weg bin?"

Hinkel stieß einige Rauchwolken aus seiner pfeife und sagte dann:Vas ist allerdings zu bedenken. Fremde Leute kannst du dir nicht halten, die wissen nicht, was sie fordern sollen, und machen die Arbeit so schlecht wie möglich. Im vorigen Jahre, als ich Rheumatismus hatte, hatte ich mir zwei junge Burschen zum Wingerthacken genommen. Ich konnte die beiden nicht beaufsichtigen und habe später gehört, daß sie nachmittags, wenn sie im Wingert angekommen waren, zuerst ihr vieruhrbrot verzehrt und ihren Birnen­wein getrunken haben. Dann haben sie sich in die Sonne