Nr. 15. Gieren, Sonntag Misericordias Domini, 18. April 1915. 4. Jahrgang.
Durch Zefur getrost.
Evangelium de; Sohannes 16, 33. In der Welt habt ihr Hngft, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.
Dieses Wort des fterrn aus seinen Rbschiedsreden hat sich im Leben seiner Jünger oft bestätigt. Sie sind oft in angst gewesen, sie waren in Rngst, als der Wirbelwind über den See Genezareth daherfuhr und das Schiff, in dem sie saßen, unterzugehen drohte, sie waren besonders in angst, als ihr fterr und Meister am Kreuze gestorben war und sie stündlich erwarteten, daß ihnen das gleiche Schicksal drohe. Gerade jetzt ist viel angst in der Welt. Der Krieg stellt an die Kervenkraft der Kämpfenden wie der Zurückgebliebenen die größten anforderungen. Sm südlichen Kheinhessen hat inan um die Dsterzeit aus der Ferne von Derdun und pont- ä-Mousson her den Kanonendonner gehört, das mag manchem Menschen ganz interessant erscheinen, viele werden dabei von angst und Entsetzen ersaßt. Manche Frau und manches Mädchen ist über den ausbruch des Krieges jäh erschrocken, mancher Kranke hat in dem hinter uns liegenden Winter schlaflose Nächte gehabt, weil er unaufhörlich an den Krieg dachte, angst ist jetzt da, wo man sich um das Los eines Gefangenen oder vermißten grämt und an die denkt, die sich in irgend einem weit entlegenen Lazarette befinden. Der deutsche Soldat kennt gewiß beim Vorgehen keine Furcht, aber auch den Tapferen beschleicht das Entsetzen, wenn er verwundet nicht weiter gehen kann und in dieser Lage von den platzenden Granaten bedroht wird. Wie hat die angst unsere Landsleute im Gsten erfaßt, als sie von dem Einfall des grimmigen Feindes betroffen waren.
Jesus sagt: Sn der weit habt ihr angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Er, der Herr, ist durch viel angst und Kot hindurchgegangen, am Kreuze hat er das erschütternde Wort ausgerufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Sn aller angst aber blieb er still und seinem himmlischen Vater gehorsam. Er wußte, daß sein Vater im ftimmel ihn noch liebe, auch wenn er ihn am Kreuze zwischen zwei Uebeltätern sterben ließe, und daß sein Reich wachsen werde, auch wenn sein Werk scheinbar zusammenbreche. Jesus hat die angst der Welt überwunden. Kachdem er aber auferstanden und zur Rechten des Vaters erhöht ist, hilft er allen denen, die im Glauben seine ftand
erfassen, daß sie die Welt mit ihrer Rngst überwinden. Durch ihn werden sie gewiß, daß die Erde mit ihrem Glück und Leid, mit ihrem Siegen und Unterliegen nicht das letzte und beste ist, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum besten dienen, daß die Wege des fterrn eitel Güte und Wahrheit denen sind, die seinen Rund und Zeugnisse halten, und daß denen, die hier überwunden haben, die Verheißung gilt: Wer überwindet, der wird mit weißen Kleidern angelegt werden, und ich werde seinen Kamen nicht austilgen aus dem Buche des Lebens, und ich wifl seinen Kamen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln. ft. R.
Gefangen.
Der tvert unseres Lebens liegt nicht in seinem äußeren Verlauf; dieser ist nur Mittel zum Zweck. Es kommt darauf an, was wir werden durch freundliche und widrige Geschicke, durch Kämpfe und Siege ; denn das bleibt in Ewigkeit.
Sch war gerade dabei, über dies eine Wort „gefangen" etwas zu schreiben, um die Verbindung mit meinen Freunden im „Sonntagsgruß" wieder herzustellen, als man mir den Zettel mit den neuesten Berichten unserer fteeresverwaltung neben mich auf den Tisch legte. Bei der momentan größeren Ruhe an beiden Fronten glaubte ich nur flüchtig darauf Hinsehen zu müssen, um besonders auch meine Gedanken von dem vor meinem inneren Empfinden stehenden Bilde nicht abzulenken, als mein Rüge auf die Worte fiel: K 29 nicht wieder zurückgekehrt usw. Das gab nun meinen Gedanken eine ganz andere Richtung, und es bedurfte einer längeren Zeit, mich von dem Eindruck zu erholen, den diese Kachricht in mir hervorrief. Sch hatte das Empfinden, als senke ein schwerer Schleier sich auf mich und die ganze Katur. Sn dieser schweren, oft entsetzensvollen Zeit, obwohl sie uns schon so viel des Schreckens brachte, trifft doch diese Kachricht ein jedes deutsche fterz ganz besonders tief und schmerzlich. Der junge Kapitän war trotz der kurzen Zeit seiner erfolgreichen Tätigkeit eine volkstümliche Persönlichkeit geworden, die Kation sah mit vertrauen auf ihn als einen unermüdlichen und kühnen ftelfer in dem schweren und langwierigen Kampfe unserer Befreiung von britischer Willkür und Gesetzlosigkeit, jedermann wußte, daß man noch viel von ihm zu


