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Das Vermächtnis.

Jeder Mensch hinterläßt ein Vermächtnis, wenn er stirbt: eine große Not oder viel Lonne, und dann die Früchte seines Schaffens.Ihre Werke folgen ihnen nach." Ls ist aber auch ebenso wahr, daß diese Werke einen Schein aus die Zurückbleibenden werfen, ihr Leben erhellen, ihren Tag bereichern und wertvoll machen. Der gegenwärtige Krieg gibt uns ein heiliges kostbares Vermächtnis: die Blüte unserer Jugend, die sich auf dem Schlachtfeld freiwillig für das Vaterland hingeopfert hat. Iammert und klagt nicht, ihr Väter und Mütter! Seid vielmehr stolz, solche Söhne besessen zu haben! Nicht die Länge des Lebens, nein der Inhalt be­stimmt den wert des Menschen. Diese Jünglinge sind ein leuchtendes Vorbild, es strahlt dem nachwachsenden Geschlecht, zu Taten anspornend und zu Taten begeisternd.

In dem Hinterraum eines Linrahmgeschäfts sah ich ein Bild an der wand lehnen im goldenen Nahmen, ein Stück Heimat, ein kleiner Ausschnitt des deutschen Vaterlandes auf die Leinwand gebannt, von dem Blick eines Menschen geschaut, eingefangen und mit dem Pinsel sestgehalten.

Das Bild fesselte mich, so daß ich mich bei der Besitzerin des Ladens erkundigte, wer es gemalt habe. Die Burg, der Wald, der schmale Pfad mit dem Holzgeländer, all diese Dinge, die so einfach und anspruchslos aus dem Nahmen blickten, waren mir gleich vertraut, als wäre ich schon oft den weg hinangeschritten, als hätte ich schon oft von der Burg über den Wald fort in die grüne Niederung mit ihren Bergzügen im Hintergrund, ihren Dörfchen im Schoße, geblickt. Die Farben des Bildes waren warm und hell. Der Goldschem eines Sommertags leuchtete aus dem Grün des Waldes,' er glänzte in den Fenstern der Burg und aus den Wölkchen des Himmels, die sich wie ein Heiligenschein um die Giebel und Zinnen legten, weiß und duftig.

Die Frau nannte mir den Maler, aber ein Schatten flog über ihre hübschen, freundlichen Züge. ,,Tr ist in der Weih­nacht in Nußland gefallen!" Nun muß ich immer an den jungen Mann denken, wenn ich das Bild anschaue. ,,Nch, er war solch ein talentvoller Mensch. Nlles, was er anfaßte, geriet ihm." Ich betrachtete das Gemälde nun gleichsam mit anderen Nugen, mit gänzlich verwandelter Empfindung: Ihre Werke folgen ihnen nach." Es ist aber ebenso wahr, daß sie einen Schein werfen auf die Lebenden. Das Bild des Gefallenen war von einem festlichen Glanz übersponnen und durchdrungen. Es war am Mittag eines Menschenlebens gemalt, an einem jener Nosentage vergangenen Jahres, die auch noch nicht der Schatten einer trüben Nhnung verdüstert hat! Eine urdeutsche Burg in urdeutschem Walde, und der Maler ein Kind seiner schönen Heimat. Da war er hinaus­gewandert an stillen Sonntagnachmittagen, sinnend und frei atmend, Kraft und Freude sich schöpfend für die Nrbeitstage der Woche, der junge Lehrer. Traum und Wahrheit, Mär­chen und Wirklichkeit, Liedseligkeit und Gedankenspiel leite­ten ihn hinaus und wurden eins mit der Natur, wuchsen ihm aus dem Sinn und glitten ihm von den Schultern, aus den winkeln seiner Seele hinein in die Blumenkelche, hinein in die wogenden Halme, in die wellen des Bächleins und in das verschlungene Laub über ihm. Da wurde ihm leicht und froh zu Mut, dem Dorflehrer, und heim trug er eine Garbe von Zweigen und Blumen. Daß er schwer zu tragen hatte, was schadete es. Dieselbe Märchenwelt und Wirklichkeit, dieselbe ganze Glückseligkeit, fortgeglitten und ausgeslogen, duftete und grünte und läutete ihm aus seinem Strauß entgegen, neu verklärt, angesllllt von Gottessegen. Und er, der junge

Lehrer, durfte von seinem Schatz austeilen, so viel er konnte, an die Kinder, die Schönheitsempsänglichen, die ewig willigen und Legeisterungssähigen.

In Nußland ist er gefallen in der Thristnacht! wo mag sein Grab sein? In dem Herzen des deutschen Volkes, sein Denkmal aber in den Sinnen, die immer wieder zu den Helden dieses unbeschreiblichen Kampfes zurückkehren werden. In einer deutschen Stadt gedenken die Litern des einzigen Sohnes. Lin Lichtschein geht von dem Bilde im Laden aus: der Gruß eines Sommertages im Frieden. Lin Klingen zieht durch die Herzen der einsamen Litern: das alte liebe Weih­nachtslied: Stille Nacht, heilige Nacht! vielleicht klang es auch in der Brust des Sohnes, als die tödliche Kugel kam durch das Dunkel der Nacht, seiner letzten, vielleicht war sein letzter Ntemzug ein Bitten und Trösten für die noch kämpfen­den Kameraden und für die daheim: vergeht uns Tote nicht, klagt nicht um uns, seid aber eingedenk, daß der alte Gott noch lebt und Deutschland nicht verloren geht, so lange ihr an seine Macht glaubt! h. K.

Lin pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

Ich fand, daß es nicht damit genug war, daß ich meine neu angenommenen Musikanten Kleider und Schuhe aus­bessern und die haare hatte schneiden lassen, es war auch sonst noch sehr viel an ihnen zu bessern. Mit Ausnahme des Georg Dackermann, in dem ich mich nicht getäuscht hatte, waren sie leidenschaftliche Kartenspieler. Kaum saßen sie irgendwo, so zog ganz sicher einer unter ihnen ein schmieriges Kartenspiel hervor, mischte, gab aus, und nun spielten die Leute so leidenschaftlich und so interessiert, daß sie nichts mehr von dem wahrnahmen, das rings um sie vorging. Ich hatte mir eine Bibel gekauft und saß, in ihr lesend, oft in dem Zim­mer, in dem ich schlief. Wenn ich dann herunter in die Gast­stube kam, um nach meinen Musikanten zu sehen, so gewahrte ich nichts als hoch erhobene Hände, sah die Kartenblätter niederfallen und hörte, wie nach echt pfälzischer Sitte mit schweren Fäusten auf den Tisch aufgeschlagen wurde. Zu oft gab es bei diesem Spiel Streit. Der eine beschuldigte den an­deren, ihm in die Karten geguckt oder ihn betrogen zu haben. Buch bekam ich bald durch Dackermann heraus, daß die Leute, als sie noch mit Peter Katzenbach durch die Welt zogen, jeden Abend mit fremden Leuten gespielt und dabei viel Geld verloren hatten. Darum erklärte ich ihnen eines Abends, wer noch einmal von mir beim Kartenspiel betroffen werde, brauche nicht darauf zu rechnen, in meiner Kapelle zu bleiben. Das half, das leidige Spielen hörte bald auf.

Bei einer besonderen Gelegenheit mußte ich einen aller­dings nicht unberechtigten Wutausbruch meiner Neuen dämp­fen. Wir spielten auf der Insel Feijenvoord dort, wo die großen Auswandererdampser anlegen. wir wollten den ab­fahrenden Deutschen eine Freude machen. Mit ihren Kisten und Kasten stiegen sie die breite Treppe zu dem mächtigen Schiffe Adrian van der werff" hinauf. Einige sangen und waren vergnügt, andere ließen die Köpfe hängen, wir fanden unter ihnen Leute aus Hessen, die zu wohlhabenden ver­wandten im nordamerikanischen Westen gehen wollten, wir spielten wie gewöhnlich in solchen Fällen einige deutsche Volkslieder und ließen, als die Treppe weggezogen wurde und überall auf dem Schiffe die Sirenen schrillten und das Abfahrtssignal gaben, den ThoralBefiehl du deine Wege" erklingen.