Ausgabe 
14.3.1915
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zu verbreiten mir heilige Pflicht sepn wird. ® könnten Sie uns in unserem Sepn und wirken beobachten, Sie würden uns gewiß als seelige Menschen finden."

Interessant ist aus dieser Mitteilung, zu sehen, wie ein­fach damals die Verhältnisse waren, Daß man Hochzeiten oft in der bescheidenen, einfachen weise gefeiert hat, wie es hier geschildert ist, scheint sicher zu sein. Man lebte eben in einer armen Zeit,- die Napoleonischen Kriege waren vorausgegan­gen, 1813 und 1814 hatte die Kriegspest in ganz Deutsch­land große Verheerungen angerichtet, da ist es zu verstehen, daß es bei Familienfesten nicht üppig zuging und daß außer dem jungen Ehepaare, wie es hier der Fall war, nur zwei Gäste aus dem allernächsten Verwandtenkreise zugegen waren.

Dieangeketete, himmlische" Luise entpuppte sich leider bald als ein sehr zänkisches Wesen. Allgemein ist heute noch bekannt, daß sie dem heiter und frohsinnig angelegten Männ­chen das Leben recht verbittert hat. wenn in seinem Hause eine scharfe Luft wehte, so pflegte Engel seinen Freunden zu sagen:Es weht heut ein scharfer wind aus Bromskirchen." Daraus hat man gefolgert, daß Frau Engel aus Bromskirchen im damaligen hessischen Hinterlande gebürtig gewesen sei. Das war jedoch nicht der Fall, sie war die Tochter eines Lehrers aus Heuchelheim, Bremskirchen war als einer der rauhesten Grte Hessens bekannt, daher der Ausspruch Engels, der sich mit Humor über sein wenig erfreuliches Familien­leben hinwegzufinden wußte. Dem Einflüsse der sehr energi­schen Frau war es auch zuzuschreiben, daß das gemeinsame Kapitalvermögen, das 20 000 Gulden betrug, einer ihrer verwandten, die mit einem nassauischen Pfarrer verheiratet war, durch das Testament zufiel. Dadurch waren die Gießener nach dem Tode des Geheimen Kirchenrates vr. Engel, der zehn Fahre nach seiner Frau, am 24. März 1864, starb, sehr enttäuscht,- denn man hatte erwartet, daß das vermögen des kinderlosen Ehepaares städtischen Einrichtungen zufallen piürde. Die Beliebtheit, der der langjährige Gießener Geist­liche sich ln der Stabt erfreut hatte und die bei seinem Be­gräbnisse durch eine außergewöhnliche, noch nie dagewesene Beteiligung zum Ausdrucke gekommen war, schlug dadurch rasch in das Gegenteil um.

(Fortsetzung folgt.)

Cm pfälzischer Musikant.

Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.

(Fortsetzung.)

In den ersten Wochen nach meiner Entlassung aus dem Krankenhause mußte ich mir noch Schonung auserlegen, ich fuhr deshalb mit der Eisenbahn, während meine Musi­kanten zu Fuß gingen, auch stand ich zunächst noch davon ab, selbst Musik zu machen.

Als wir aber nach Notterdam gekommen waren, war ich wieder so gesund wie früher,- neue Lebenslust erfüllte mich, und ich konnte mich wieder von früh bis spät meinen Geschäften widmen, wir spielten in allen Teilen der Stadt auf den Straßen und bekamen auch Aufträge, bei Hochzeiten und anderen Festlichkeiten mitzuwirken.

wir wohnten in einem bescheidenen, viel von Schiffern besuchten Gasthause in der Nähe des Hafens. Tags über lagen wir unserer Tätigkeit ob, abends ruhten wir in dem geräu­migen Gastzimmer aus und unterhielten uns mit den hollän­dischen Schiffern, die so weite Hosen anhaben und kleine Ohr­ringe tragen.

Eines Abends, als wir vom Musizieren zurückkamen, waren in dem Gastzimmer ganz andere Gestalten neben den

breiten, schwerfälligen Schiffern zu sehen. Ls saßen Leute da, die graue Nocke mit grünen Aufschlägen trugen und uns sofort, ehe wir noch ein Wort aus ihrem Munde gehört hatten, so heimatlich vertraut vorkamen. Als ich mich staunend nach ihnen umsah, stand Georg Dackermann von einem Tische, der hinter dem Ofen stand, auf und sagte:Guten Tag, Meister, gelt ich habe Tuch in herzogenbusch gesagt, daß Ihr noch von mir hören sollt."

Ueber diese Begegnung war ich nicht allzu sehr erfreut, so gern ich auch sonst mit pfälzern im fremden Lande zu tun hatte. Mit einem raschen Blicke hatte ich die Landsleute ge­mustert und dabei festgestellt, daß sie nicht so aussahen, wie Musiker aussehen sollen, die vor elegantem Publikum spielen. Alle waren unrasiert, die schwarzen, blonden, grauen und roten haare sproßten üppig um Kinn und Wangen, das Haupthaar war seit langer Zeit nicht mehr geschnitten worden und senkte sich tief auf den Nacken herab. Einige von den Leuten trugen hohe Schaftstiefel, die meisten hatten Schnür­schuhe an, einer war mit holzschuhen versehen, als ob er ein richtiger Holländer wäre. Alle sahen verhungert aus, und ich gewahrte, wie sie keinen Blick von den Schiffern wandten, die am Nebentische vor gefüllten Schüsseln saßen.

Ich ließ mir indessen meinen Unmut nicht anmerken und reichte dem Georg Dackermann freundschaftlich die Hand.

Ach Meister," sagte er,das war eine Hetzjagd bis ich diese Burschen hier wieder gefunden hatte, von herzogenbusch aus zog ich los nach Norden bis nach Utrecht; denn ich hatte angenommen, daß meine Kameraden nach Amsterdam gereist seien. Das war ein schlechter Marsch, die Trompete unter dem Arm und kein Geld in der Tasche, wenn ich mir in den Ort­schaften nicht manchmal ein Stück Brot gebettelt hätte, so wäre ich verhungert. Mein Nachtlager hatte ich in alten Schuppen, wo mir die Mäuse über das Gesicht liefen, und !unter den Brückenbogen der großen Kanäle, wo mir Leute begegnet sind, habe ich sie gefragt, ob sie keine Musikanten in grauen Nöcken mit grünen Aufschlägen gesehen hätten, aber alle haben den Kops geschüttelt. Endlich in Utrecht hörte ich in dem Gasthause, wo wir früher immer gewohnt haben, daß die Kapelle dagewesen sei und sich nach Notterdam begeben habe. Drei Tage bin ich in der großen Stadt kreuz und quer gegangen, da dachte ich: ich will es einmal bei dem deutschen Konsul probieren, und richtig, wie ich vor das Haus mit dem deutschen Wappen komme, steht hier der Karl Mandel vor der Tür und bläst nicht Klarinette, sondern Trübsal, weil man ihm auf dem Konsulate gesagt hatte, man habe kein Geld, um reisende Musikanten zu unterstützen. Da bin ich mit dem Karl gegangen und habe die anderen auf einem Zimmerplatze vor der Stadt getroffen, wo sie gerade ihr Geld zusammen­legten, um Brot zu kaufen."

habt ihr denn keine Musik gemacht?" fragte ich die hungrigen und verwahrlosten Leute.

Ach, Musik haben wir schon gemacht," lautete die Ant­wort, die mir ein alter Musikant gab,aber wenn kein Meister dabei ist, der Ordnung hält, so ist Gift in dem ganzen Geschäft, wenn der eine auf einem freien Platze spielen will, will der andere vor einer Wirtschaft blasen, wenn der eine einen Ländler vorschlägt, so will der andere den Jäger aus Kurpfalz gespielt haben, und dann gibt es Streit und Geschrei, der eine rennt dahin und der andere dorthin. Ich muß es Euch eingestehen, Meister, in Geuda haben wir einander geprügelt, daß die Fetzen geflogen sind, sind von der Polizei eine Nacht lang eingesteckt worden, wie kann da Geld ver­dient werden? Dann haben wir auch Burschen unter uns,