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Nr. 10. Gießen, Sonntag Lätare, 14. März 1915. 4. Iahrganq.

Vas ttreuz der Herrn.

1. Brief des klpoftels Paulus an die Torinther 1, 18. Vas Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gotteskraft.

Km 10. März waren es 102 Jahre, daß der fromme preußische König Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz gestiftet hat. Tr stiftete es am Todestage seiner Gemahlin, der früh Heimgegangenen Königin Luise,- für Tapferkeit im Felde sollte es verliehen werden. Diese Kuszeichnung entsprach ganz der damaligen Zeit, von Tisen war das Kreuz und nicht aus Silber oder einem anderen Edelmetall, aus dem einfachen Grunde, weil man kein Edelmetall hatte, weil man in einer sehr armen Zeit lebte und das, was man hatte, dem Vater­land zum Opfer brachte, viele Ehefrauen gaben damals ihre goldenen Trauringe hin und erhielten dafür eiserne Trau­ringe, auf denen eingraviert stand: Gold gab ich für Eisen. Gtzern war das Kreuz auch deshalb, weil die Zeit eisern war. 5ie war nicht geschaffen für Spiel und Tanz, sie war eine Zeit, in der es sich für Preußen um Liegen oder Untergehen handelte. Und ein Kreuz war es, daß man damals als Zeichen der Knerkennung an tapfere Feldsoldaten gab, keine Münze, keine Krone,- denn auf das Kreuz des Herrn Jesus waren damals die Kugen unserer Vorfahren wieder gerichtet.

Zn den Jahren 1813 bis 1815 und ebenso in den Jahren 1870 und 1871 hat das Eiserne Kreuz die Brust vieler Tapferen geschmückt, in diesem Weltkrieg ist es aber­mals das Zeichen, mit dem der oberste Kriegsherr, der Kaiser, seine tapferen Soldaten ehrt. Ein hohes und würdevolles Zeichen ist das Eiserne Kreuz, höher aber steht das Kreuz Thristi. Dieses Kreuz hat jetzt in der Kriegszeit erhöhte Be­deutung. vn Uot und Tod, in Kampf und 5turm schauen die Menschen zu ihm auf, sie denken an den, der am Kreuze so unsagbare Oual für sie gelitten, der am Kreuze ihnen die Seligkeit erstritten hat, und da bekennen sie dankbar: Jm Kreuze Thristi finden wir unser heil.

Ende November des vorigen Jahres teilte ein deutscher Major und Bataillonskommandeur der Frau eines Land­wehrmannes mit, daß dieser im Kampfe gefallen sei. Dieser Brief hatte folgenden Wortlaut:

„Ihr lieber Mann, der uns Ende Oktober vom Ersatz- Bataillon zugeführt wurde, ist gestern zwischen 8 und 9 Uhr

vormittags auf einem patrouillengang beim Dorf Klein- Medunischken gefallen. Er erhielt einen Schuß durch die Stirn und sank lautlos nieder, der Tod hatte ihn sofort umfangen, wir haben ihn hierher gebracht und seinen Körper zusammen mit dem eines Wehrmannes, der neben ihm die tödliche Kugel erhielt, unter Tannengrün in das offene Grab gelegt. Ein Ehrenposten steht davor, bis der Pfarrer, den wir in den nächsten Stunden erwarten, die Toten einsegnen und das letzte Gebet am Grabe sprechen wird. Der Grabhügel liegt hier im park unter hohen Tannen, unter deren flüsterndem Bau­schen er im ewigen Schlaf ruhen wird, bis Gott der Herr ihn auferwecken wird zu ewigem und seligem Leben. Ein schlich­tes Kreuz haben die Kameraden auf dem Grabhügel errichtet, auf demselben sind die Worte geschrieben: hier ruhen in Gott die Wehrleute Gefreiter B_ und v., 8. Kom­

pagnie des Landwehr-Infanterie-Begiments . . . ., gefallen auf einem Patrouillengang am 27. II. 1914.

Ihr lieber NIann.war einer unserer besten und tapfersten Patrouillenführer, der sich hierzu stets freiwillig meldete. Ich gab ihm den Kuftrag zu seinem letzten Patrouillengang per­sönlich und habe oft meine Freude an seiner Unerschrocken­heit, seinem frischen,Mut und an seiner steten Bereitwilligkeit gehabt. Tr war zur Verleihung des Eisernen Kreuzes vor­geschlagen. Nun steht das Kreuz, welches aufwärts zum Himmel weist, auf.seinem Grabe! Im Tode und in Gedanken können wir nur noch den Lorbeerkranz, den er verdiente, auf seine bleiche Stirn drücken.

Die Vorgesetzten und Kameraden sind tief ergriffen über den Tod Ihres lieben Mannes, denn er war ja einer unserer Besten, von dessen Tapferkeit wir noch viel erwarten durften, wir gedenken Ihrer und der beiden verwaisten Kinder in herzlicher und aufrichtiger Teilnahme, wir können Sie in Ihrem Jammer nur an das Kreuz auf dem Grabe, welches zur lichten höhe weist, erinnern,- möge Ihnen, liebe Frau, von dort Kraft und Trost gegeben werden. Möge Ihr Schmerz durch den Gedanken gemildert werden, daß Ihr Blann sein Leben für eine große, heilige Sache hingab, und daß aus diesem Liebesopfer ein Segen für Ihre Kinder, für unser Vaterland erwachsen muß."

Dieser Brief des wackeren deutschen Offiziers ist ein schönes Zeichen deutschen Geistes, deutschen Glaubens und