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eine kleine Besserung, die auch anhielt und einen langsamen, aber recht erfreulichen Fortgang nahm.
Die Entwicklung unserer Stadt zu ihrer heutigen Blüte ist, abgesehen von ihrer günstigen Lage, nicht zum geringsten Teil dem Fleiß, der Intelligenz und der Strebsamkeit ihrer Bürger zu verdanken.
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
In der Ladentllr stand meine Frau und hatte den Kleinen auf dem Arm, als ich mein Hauswesen verließ, um wieder auf die Reife zu gehen. Lina weinte, aber unser Sohn lachte mich an und fuhr mit dem Aermchen durch die Luft, als ich ihn küßte und den Meinen Lebewohl sagte. Traurig ging ich meine Straße nach Kreuznach, wo ich mich mit den Leuten meiner Kapelle vereinigen wollte. Es war ein lichter, schöner Frühlingstag, Hpfel= und Birnbäume waren niit roten und weißen Blüten überdeckt, die Lerchen jubilierten über den frisch gepflügten und eingesäten Feldern, und fröhlich taten die Leute ihre Arbeit. Als ich sie sah, kam etwas wie Leid über mich. Sie konnten zu Hause sich des Frühlings freuen und gemächlich ihre Arbeit besorgen. Sie brauchten sich auch im arbeitsreichen Frühling nicht zu überarbeiten, ich sah die Männer mit langsamen Schritten über das Feld gehen und die kurzen pfeifen rauchen, wenn die Elf-Uhr-Glocke oder die Feierabendglocke läutete, so konnten sie nach Hause gehen und hatten die Freude, mit Weib und Kindern zusammen zu sein. Ich mußte in die weite Welt, in das fremde Land ziehen, um den Unterhalt für mich und meine Familie zu erwerben. Auf dieser Frühlingswanderung kam ich mir recht als ein armer Musikant vor.
wir fuhren über Köln und Ueuß und erreichten bei venlo das holländische Gebiet, wo mir gleich anfingen, Musik zu machen. Durch die Provinzen Limburg und Uordbrabant ging unser Marsch, und wieder wie im Jahre zuvor, hatte ich einen guten Verdienst.
Auch in Holland hatten wir im Anfang unserer Wanderung das schönste Frühlingswetter, Ende April aber wurde es empfindlich kalt,' Sturm und Uegenschauer wechselten miteinander ab. wir verfolgten die große - Straße, die über Tongelre, Best und Boxte! nach herzogenbusch führt. Zwischen Lest und Boxte! ging ein gewaltiger Legen auf uns nieder, wir fanden kein Haus, in dem wir Zuflucht hätten finden können, und kamen, naß wie die Mäuse in einem Legensommer, am Abend in die Herberge. Leider waren wir schlecht aufgehoben. Ich hätte gern eine warme Suppe gehabt oder wenigstens etwas warmes getrunken, da es mich so fror, daß ich zitterte. Aber es gab nur Bier und Genever, den bösartigen Schnaps, den die Holländer gern trinken. Beides sagte mir nicht zu. Nach einer kargen Abendmahlzeit gingen wir zur Luhe. Betten gab es nicht, wir lagen in einem großen, schlecht gelüfteten Zimmer auf Strohsäcken und deckten uns mit dünnen Wolldecken zu.
Ich schlief sogleich ein, wurde aber schon um 12 Uhr wach und fühlte, daß ich einen heißen Kopf hatte. Daher rührten auch wohl die gräßlichen Kopfschmerzen, die mich plagten. Ich versuchte, wieder einzuschlafen, aber es gelang mir nicht. Stunde um Stunde verrann, ich hörte die Turmuhr schlagen und meine Kameraden schnarchen, hörte, wie Nikolaus Janson im Schlafe sprach und wie Sebastian Wolf sich unruhig hin- und herwälzte.
Darum war ich froh, als das Tageslicht durch die Fenster hereinschien, wir hatten am Abend zuvor beschlossen, recht früh aufzubrechen, um bei guter Zeit nach herzogenbusch zu kommen. Deshalb weckte ich beizeiten meine Leute und bestellte bei der Wirtsfrau Kaffee. Die dicke Holländerin wollte uns zuerst keinen Kaffee kochen, sie meinte, die Gäste, die in ihrem Hause übernachteten, tränken alle frühmorgens Genever, der die Eigenschaft habe, den Körper zu erwärmen. Ich hatte jedoch keine Sehnsucht nach diesem Heizmittel, sondern drang in die Frau, daß sie meinen Wunsch erfüllte. Brummend ging sie in die Küche, polterte eine weile mit Töpfen und Topsdeckeln, schließlich hatte sie den Kaffee fertig.
Der weg von Boxte! nach herzogenbusch beträgt 3 bis 4 Stunden. In der frischen Morgenluft, nachdem ich den warmen Kaffee getrunken hatte, war es mir zuerst etwas besser zu Mut, aber ich war entsetzlich müde. Es war mir, als ob ich Bleigewicht in meinen Beinen hätte, mühsam setzte ich die Füße vorwärts. Sonst war ich aus leicht begreiflichen Gründen auf unseren Märschen der vorderste, heute blieb ich ganz zurück, so daß meine Leute sich verwundert nach mir umsahen. Niemals in meinem ganzen Leben ist mir ein ü>eg so sauer geworden wie dieser weg auf der langweiligen holländischen Landstraße.
Ich hatte die Absicht, mehrere Tage in herzogenbusch zu bleiben, darum suchte ich mit meiner Kapelle gleich das Gasthaus auf, in dem wir übernachten wollten. Ich ließ meinen Leuten zu essen geben, dann wollten wir auf den Straßen Musik machen. Aber ich selbst fühlte mich außerstande dazu. Ich glühte im Fieber und fühlte beim Atmen heftige Schmerzen zwischen den Schulterblättern. So sagte ich den Musikanten, sie sollten ohne mich gehen und Sebastian Wolf sollte das Geld einsammeln.
Trübselig saß ich in der Ecke des Wirtszimmers, eine weile hörte ich noch die Klänge meiner Kapelle von der Straße her, aber so sehr ich sonst Musiker mit ganzer Seele war, diesmal tat mir jeder Ton weh. Ich war so müde, daß ich gern zu Bett gegangen wäre, aber es war erst Mittag, und ich wollte die Lückkehr meiner Leute abwarten. Mein Zustand verschlimmerte sich immer mehr, plötzlich fing ich heftig an zu zittern, meine Zähne schlugen aufeinander, ein Zucken ging durch meinen ganzen Körper, und ich sank rücklings auf die Bank, auf der ich gesessen hatte.
Leute sprangen herzu und hoben mich aus, aber als sie mich auf die Füße gestellt hatten, sank ich in mich zusammen, und inan mußte mich stützen, daß ich nicht zu Boden fiel.
„Der Mann ist krank," hörte ich die Leute auf holländisch sagen.
„Ja, der Mann ist sehr krank," sagte der Wirt, „wir können ihn nicht hier behalten, er muß sofort in das Krankenhaus."
Ein Mann war schon vor dir Tür getreten, und ich sah, wie er mit den Armen winkte. Kurz darauf kam eine Kutsche vorgefahrea, ohne daß man mein Einverständnis abwartete, wurde ich hineingeschoben, die mitleidige Wirtsfrau umwickelte mich mit einigen Decken, und der Wirt setzte sich zu mir, um mich zu stützen.
Der wagen rollte über das holprige Pflaster dahin, so daß mir jeder Stoß die größten Schmerzen verursachte, was der Wirt auf dieser Fahrt zu mir gesprochen hat, das weiß ich nicht mehr. Ich habe in meiner Fieberhitze und Schwäche kaum aus seine Worte gehört, doch war ich ihm dankbar, daß er mit mir fuhr.


