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großen Sack Briefe und Karten und immer bei Stearinkerzen und Bauch und schlechten Adressen. Aber wir tun es gern, haben wir es doch besser als die Kameraden draußen, die nur kaltes Essen und Kaffee bekommen und jede Bacht sechs Stunden wachen müssen, ob es regnet oder friert. Vas brau­chen wir nicht,' wenn unsere Arbeit fertig ist, können wir ruhig schlafen. Ueber meinem Lager sind zwei Stellen, wo es tropft, wenn es regnet, wie in den letzten Tagen. Im Wasser liegen wir aber nicht,- denn mein Lager wird bei Tag sorgsam zugedeckt. Buch frieren wir nicht,- denn die Beine stecken in einem postsack, die Knie werden mit dem Bock und der ganze Kerl mit Mantel und wollenen vecken zugedeckt. Vas Kopfkissen besteht aus einem Bündel Wäsche, vaß ich es nicht vergesse: wenn irgendwo wieder ein Waggon Liebesgaben gesammelt werden soll, dann sagt, sie sollen das lassen und einen Waggon vachpappe schicken, das kostet vielleicht die Hälfte und hat hier den zwanzigfachen Wert. Und dann sollten die Leute überhaupt weniger Liebesgaben schicken und lieber das Geld sparen und für die Hinterbliebe­nen der Gefallenen anlegen. Verhungern tut hier keiner und, wenn die Leute trotzdem abnehmen, so ist das die Folge der andauernden Bnstrengung. ven Franzosen muß es aber viel schlechter gehen,- denn die meisten Gefangenen, die ich in der letzten Zeit sah, strahlten vor Freude, vor unserer Front ist es wieder ruhiger geworden- denn die Bothosen haben, wie mir scheint, ihr nutzloses Beginnen eingesehen, nachdem das vor ihnen liegende Gelände strichweise mit Toten bedeckt ist. Sch hoffe zuversichtlich, daß wir Sieger bleiben,- denn unser alter Gott lebt noch.

Gestern bekam ich Kuchen und Bauchwaren mit Brief von vir. Ich danke vir, daß vu vir immer wieder die viele Arbeit machst, um mich zu erfreuen, hoffentlich kommt auch wieder die Zeit, wo vu nicht mehr so viel zu packen brauchst, vie Büchse, in der vu mir das Kotelett geschickt hast, wollte ich vir wieder schicken, sie geriet aber unter die Füße von fünf Mann Besuch, so daß ich sie nicht mehr retten konnte. Za, fünf Mann, M. und ich, also sieben Leute, schliefen in meinem neuen Hause, in dem sich auch ein Thristbaum, Postsäcke, Tornister und eine große Kiste aufhielten. Lin seines Haus ist es, mit schrägem Vach, der Baum innen ist wohl 5 Meter lang und 2,30 Meter breit. In der Mitte ist ein vertiefter Gang, in dem man fast gerade stehen kann und an dessen Ende sich der Kamin befindet. Bus beiden Seiten des Ganges befinden sich die Galerien, ver die Füße am nächsten bei dem Feuer hat, das bin ich. Vas Vach besteht aus nebeneinander gelegten Stämmchen mit grünen Beisern, dann mit umgedrehtem Basen und ist weiter mit Postsäcken und altem Stroh gedeckt. Boden und Wände sind vollständig trocken und werden nur, wenn es regnet, von oben an­gefeuchtet. Die ganze Bnlage liegt am oberen Ende einer 'kleinen Schlucht und gefällt allen, die sie sehen. Könntest vu sie nur einmal begucken!

Weihnachten haben wir gefeiert mit fröhlich-wehmütigem Herzen. Wir haben ein Kiefernbäumchen geschmückt und unsere Behausung rein gemacht. Ls wird dämmrig und der heilige Bbend, den wir so oft und ich immer zu Hause gefeiert haben, ist da. Lin Heller, klarer Sternenhimmel ersetzt uns reichlich den gewohnten großen Thristbaum. Draußen tönt es von nah und fern, vielfach von Kapellen begleitet:Stille Bacht, heilige Bacht", in weiter Lntfer- nung von uns brennt im Freien ein großer Weihnachtsbaum. Still hören wir zu und weilen mit lebhaften Gedanken zu Hause bei Tuch, Ihr Lieben, vie ganze Feier, wie ich sie

von dem Llternhause her gewöhnt bin, zieht an mir vorüber. Deutlich sehe ich den Vater am Klaviere stehen und höre ihn verkünden: Luch ist heute der Heiland geboren, und wie höre ich der Mutter Helle Stimme heraus: Ls ist ein Bos' entsprungen.

Ls ist kalt, wir gehen in unser heim, bringen noch die Lichter in Ordnung und erwarten vier zur Feier ein­geladene Kameraden. Bach der Begrüßung lassen wir unser Bäumchen brennen und singen:Stille Bacht, heilige Bacht". dann lese ich die passende Stelle aus Deinem Weihnachts­brief vor. Geröstete Kartoffeln, Kaffee, Gebäck sowie Bauch­waren bringen uns wieder in Fluß. Bach dem Lfsen lese ich aus dem WeihnachtsheftchenWeihnachten vor Beifort 1870" vor, so daß wir am Schlüsse zufrieden und unter herzlichen Glückwünschen auseinandergehen mit der Erkennt­nis, daß man auch im Kriege Weihnachten feiern kann. Bm ersten Feiertag hatten wir herrliches Wetter mit Frost, wäh­rend wir dann bis heute wieder Begen hatten. Wenn Gott will, feiern wir in ähnlicher Weise Neujahr. Nun wünsche ich vir und dem ganzen Hause von ganzem Herzen ein ge­segnetes neues Zahr, hoffend, das nächste Weihnachtsfest durch Gottes Gnade wieder mit allen meinen Brüdern und Luch zusammen feiern zu können. Zwei Kameraden, L. aus Elpenrod und S. aus Frankfurt, die oft bei mir übernachten, lassen Dich grüßen und hoffen, uns später in Gießen be­suchen zu können.

Das Leben in Giehen vor und während der Volks­bewegung in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

von h. hr.

(Fortsetzung statt Schluß.)

Lin Vorfall, der leicht zu schwerwiegenden Folgen hätte führen können, muß noch erwähnt werden, ver Bedakteur und einige Mitarbeiter vomjüngsten Tag" mochten die Grenzen des Erlaubten wohl zu weit überschritten haben,- denn sie wurden eines Tages ganz stillschweigend in Unter­suchungshaft genommen und in dem neuen Brresthause fest- gehalten. Da verbreitete sich eines Sonntags das Gerücht, die verhafteten sollten zur Bburteilung nach varmstadt ver­bracht werden. Um dieses zu verhindern und wenn möglich bei dieser Gelegenheit die Gefangenen zu befreien, hatten ihre treuesten Bnhänger vor dem Brresthaus Posten gefaßt.

von dem ganz in der Bähe wohnenden Kreisrat Küchler wurde das bemerkt und beobachtet. Sei es nun, daß dieser ernstliche Busschreitungen befürchtete und glauben mochte, daß die Bürgerwehr hierbei versagen könne, kurzum er ließ die Butzbacher Theveauxlegers nach Gießen kommen und vor der Stadt halten.

Bn diesem Sonntage war in Klein-Linden Kirchweihe, und Leute, die des Bbends von dort zurückkehrten, brachten die Kunde mit, daß auf der Thaussee nach Klein-Linden unter den Pappelbäumen Kavallerie hielte.

Noch unter dem Eindruck des in Frankfurt ausgebroche­nen Septemberaufstandes und in der Bnnahme, daß das Militär zum Kampfe gegen die Bürger herangezogen sei, entstand unter den aus dem Seltersberg angesammelten Leu­ten eine furchtbare Bufregung. Man schritt sofort zur Errich­tung einer Barrikade, die an der katholischen Kirche quer über die Straße aus umgestürzten Wagen aufgebaut wurde.

Einige Leute liefen in die Stadt und holten die zu einem Balle imPrinz Karl" versammelten Turner zu Fjilfe, andere schlugen Alarm, erbrachen den Turm und läuteten Sturm.