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schaffen. Die Bekleidung bestand aus einem dunkelgrünen wasfenrock mit blanken Knöpfen, dunkelgrauer Hose, dunkelgrünem Tuchkäppi mit schwarzem Lederbesatz, schwarzem haarschweif und Kokarde. Zur Busrüstung gehörte ein Kommißgewehr, ein schwarzer Ledergurt mit anhängender Patronentasche und Bajonettscheide.
Die gesamte Bürgerwehr war eingeteilt in vier Korn- pagnien, jede Kompagnie in zwei Züge und jeder Zug in Botten von etwa 20 Mann. Jede Kompagnie führte ein Hauptmann, jeden Zug ein Leutnant und jede Botte ein Bottenführer (Korporal).
Die erste Kompagnie war zusammengestellt aus den Bewohnern des Seltersweger Viertels, ihr Hauptmann war Professor Zimmer: zur zweiten Kompagnie gehörten die Bewohner des Beustädter Viertels, ihr Hauptmann war Heinrich Werber,' zur dritten Kompagnie gehörten die Bewohner des Walltors, ihr Hauptmann war Kaufmann Roloff; die vierte Kompagnie mit einem Schützenzug bildeten die Bewohner des Beuenwegs, ihr Hauptmann war Büchsenmacher Großmann. Die Schützen trugen anstatt des Käppis schwarze Filzhüte und waren mit Büchsen und Hirschfängern ausgerüstet. Bußerdem hatte noch jede Kompagnie einen Fourier, welcher mit den Befugnissen eines Kompagniefeldwebels betraut war. wer ein Pferd besaß und reiten konnte, ging zur Kavallerie, viele Beiter waren es nicht, jedoch sahen sie mit ihren roten Käppis, weißen haarschweifen und roten Satteldecken sehr schmuck aus. Den Beiterzug führte der Bereiter Bauch (Forts, folgt.)
Lin pfälzischer Musikant.
Erzählung von Heinrich Bechtolsheimer.
(Fortsetzung.)
Bls unser Sohn getauft war und der Pfarrer uns wieder verlassen hatte, setzten wir uns zum Taufkaffee an den Tisch. Ich hatte mich neben Herrn Hinkel gesetzt, da ich ihn lange Zeit nicht gesehen hatte und mich freute, wieder den Ton seiner Stimme zu hören. Sein Bart war nun ganz grau, aber er war immer noch ein Mann von großer Büstigkeit.
vor ihm hatte ich keine Geheimnisse, und so erzählte ich ihm, während die anderen auf einen Bericht des Sebastian Wolf über unsere hollandreise lauschten, von dem Gewinn, den ich von meiner ersten Busfahrt als selbständiger Musikmeister mitgebracht hatte.
Hinkel hörte ruhig zu und stieß dicke Tabakswolken aus seiner kurzen Pfeife, von der er sich nicht trennte, dann fragte er: „was willst du mit diesem Geld jetzt anfangen?"
Ich muß gestehen, daß ich mir diese Frage seither noch nicht vorgelegt hatte. In der Freude über meinen Besitz hatte ich an seine Verwendung noch nicht gedacht, darum wußte ich meinem Gevattermann keine Bntwort zu geben.
„Ich hätte einen plan für dich," sagte Hinkel, als er meine Batlosigkeit wahrnahm, „du wohnst hier bei deinen Schwiegereltern und hast recht wenig Platz, wer weiß, wie lange dieses Zusammenwohnen gut tut. wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich mir ein eigenes Haus anschaffen."
„Bber Herr Hinkel," erwiderte ich darauf, indem ich lachte, „mit meinen 1500 Mark kann ich doch kein Hausbesitzer werden."
„wer sagt denn, daß du gleich die ganze Summe beisammen haben mußt. Du kannst dir ja, was du nicht hast, leihen."
„wer wird einem Musikanten, der mit seiner Trompete die Welt durchzieht, auch nur hundert Mark leihen?"
„Na, Peter, wenn du so fragst, so will ich dir sagen, daß ich dir, sobald du ein Haus in Bussicht hast, sofort das ganze Geld vorstecken werde."
Ts durchfuhr mich wie ein Blitz, als ich das hörte. Mit einem Male stand ein schönes Ziel vor meinen Bugen: ich sollte ein Mann werden, der auf eigenem Grund und Boden wohnt und den Seinen ein eigenes heim verschafft, wo sie allezeit vor der Unrast des Lebens geborgen sind. Freudig erregt drückte ich meinem väterlichen Freunde die Hand.
Dann besprachen wir noch miteinander, wie ich am besten in den Besitz eines eigenen Hauses gelangen könnte. Hinkel riet mir von einem Neubau ab. Tr sagte: „Peter, du bist den größten Teil des Jahres weg, da machen die Maurer und Tüncher, wenn niemand sie beaufsichtigt, was sie wollen. Sieh zu, daß du dich gleich meldest, wenn hier eine hofreite feil wird, und wenn du etwas in Bussicht hast, so komme gleich zu mir, daß wir über die Sache sprechen."
So verlief der Tauftag unseres Sohnes in der schönsten weise. Bls alle Taufgäste am Bbend weggegangen waren, stand ich mit Lina an der wiege des Kleinen, und indem ich die Hand meines Weibes festhielt, sagte ich: „Bis ich dich im vorigen Jahre bei dem großen Brande in Kreuznach zum erstenmale gesehen habe, da betete ich am Bbend zu Gott, daß er unsere Wege zusammenlenken möge. Diese Bitte hat der Bllmächtige erfüllt, er hat uns seither in unserer The gesegnet und uns Glück und Frieden gegeben. Möge er uns alle drei in Zukunft beschützen!"
15.'
Das erste, was ich nach diesem Tage tat, war, daß ich mein Geld nach Kreuznach zur Sparkasse brachte, damit es mir Zinsen tragen sollte. Ich wollte es nicht machen wie inancher pfälzischer Musikant, der im Winter in fauler Buhc und gemütlichem Wohlleben den ganzen Verdienst der guten Jahreszeit aufzehrt und dann im Frühjahr so arm ist wie eine Kirchenmaus, was ich den Winter über mit meiner Familie brauchte, das wollte ich mir erwerben, indem ich wieder in Kreuznach und auch in Fürfeld Musikstunden gab und in der Kapelle des Eduard Wolf mitspielte.
Bber niemand in der Welt erlebt ungetrübtes Glück. Ts ging mir gut in meinem Berufe und in meiner Familie, da traf mich ein schweres Leid. Bn einem frostklaren, Hellen Dezembermorgen erschien Gottfried Keiper im Buftrag meines Bruders Fritz und brachte, mir die Trauerkunde, daß meine Mutter plötzlich gestorben sei. Sie war bei der Taufe unseres Kindes noch so munter gewesen, und nun weilte sie nicht mehr unter den Lebendigen. Tin Schlag hatte sie getroffen. Sie war über den Hof gegangen, um im Stalle etwas zu besorgen, da war sie zusammengesunken. Bachbarsleute hatten sie aufgehoben und in das Wohnzimmer gebracht, da war sie unter ihren Händen verschieden. Im 90. Psalm steht von Gott geschrieben: Der du die Menschen lässest sterben nnd sprichst: kommet wieder, Menschenkinder. Bn dieses Wort mußte ich in jenen Trauertagen immer wieder denken. Mein Kind war zur Welt geboren, und meine Mutter war kurz darauf aus der Welt geschieden.
Bls ich am wintertage nach Ruppertsecken zum Begräbnis ging, da dachte ich, wie ich vor Jahren als halbes Kind den schweren Gang zu dem Sterbebette des Vaters hatte tun müssen, wenn ein Mensch sich von seiner Heimat losgelöst hat und älter wird, so kehrt er zur Stätte seiner KindhBt meist nur dann zurück, wenn er an offene Gräber gerufen wird. Das ist ein wehmütiges Wiedersehen der alten Bekannten, wenn man sie auf dem Kirchhofe wiedersieht. (Forts, folgt.


