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Worum es sich handelt.

Das graue Gespenst der inneren Krisis kriecht durch die Räume, in 'denen sonst parlamentarische Geschäftigkeit herrscht, und eine unvollständige sBerichlerstattung aus den geheimen Kommisjionsbe- raruilgen läßt die Aufregung erheblich größer werden, als berechtigt märe. Ta ist es dankenswert, daß eine unantastbare zuverlässige Stelle" imLokal-Anz." fest­stellt, worum es sich eigentlich handelt:

Es ist von Eeiner Seite der Nutzen des U-Boot- Krieges in Zweifel gezogen worden, im Gegenteil wurde allgemein die Notwendigkeit seiner Wei- tersührung anerkannt und dabei von verschie­denen Fraktionsrednern die unerwartete Größe des militärischen Erfolges unterstrichen. Die Zahl der ver­senkten Schiffe sei über die vom Admiralstab bei Be­ginn des Sperrgebietkrieges als wahrscheinlich ange­nommenen Versenkungen wesentlich hinausgcgangen." * . *

Eine Helfferich-Krise?

Das ist das seltsame bei dieser Krise, daß niemand weiß, zu welchem Ziele sie drängt. Es stehen zahl­reiche Hände zum Helfen bereits aber sie alle greifen an verschiedenen Stellen an. Gegen den Kanzler? Zahlreiche Leute sicher! Gegen die eine oder andere militärische Stelle? Auch da sind Kräfte am Werke Jetzt stellt dasB. T." eine andere Vermutung auf:

Es fiel in der Sonnabendsitzung des Hauptaus­schusses allgemein auf. daß der Kanzler die stati stische Beweisführung, die Dr. Helfferich für den Er­folg gewisser Maßnahmen glaubte erbringen zu können, sich in seiner Rede nicht ohne weiteres zu eigen machte, nachdem and) iit Abgeordnetenkreisen diese Art. alles durch bloße zahlen erhärten zu wollen, bemängelt worden war."

In den Auseinandersetzungen haben die statistischen 'Berechnungen Helsferichs eine große Rolle gespielt, umd es scheint, daß der Adg. Erzberger seine Rede zum Teil auf statistische Mißverständnisse aufgebaut hat Was will Erzberger?

DieGermania", die dem Abg. Erzberger beson­ders nahesteht, bringtaus parlamentarischen Krei­sen" die Nachricht, daß die Zentrumsfraktion sichin langen ernsten Beratungen"in überwältigender Mehr­heit" der Aktion Erzbergers angeschlossen habe, und sie teilt überdie Wirkungen dieser Aktion" u. a. fol­gendes mit:

1. Gegenüber der Auffassung des Auslandes, un­sere bisherige Kriegszieler<lärungcn feien Machwerk der preußischen MilitärEastcsoll nunmehr das deut­sche Volk durch den auf Grund des freiesten und demokratischsten Wahlrechts der Welt gewählten Reichs­tag eine unzweideutige Willenskundge­bung für die deutsche Kriegszielpolitik hinausgeben Es wird damit unseren Feinden unzweideutig zum Be­wußtsein gebracht was uns längst schon selbstver­ständlich war. daß sie nicht allein mit dem Kaiser, mil denpreußischen Junkern", mit derMilitärkaste", sondern mit dem ganzen deutschen Volke Krieg führen, und daß dieses Volk entschlossen ist. diesen Kampf um Freiheit und Selbständigkeit bis zum letz­ten Blutstropfen zu führen und alle Beschwernisse und Leiden zu ertragen."

2. Diese Kriegsziclerflärung müsse der Reichs­kanzler akzeptieren.Es soll damit den nichtsnutzigen Versuchen Englands die Spitze abgebrochen werden, seinen Ententefreunden zu suggerieren, daß die deut­sche Regierung schließlich doch mache, was sie wolle, und ihrem Reichstag nicht verant­wortlich sei. Es wird deshalb die Bildung einer Art K o.a l i t i o n s m i n i st e r i u m s vorbereitet, in das führende Parlamentarier aller Parteien eintreten werden. Damit würde die Geschlossenheit und Einig­keit zwischen Volk, Negierung und Kaiser nicht bloß nach außen hin dokumentiert, sondern auch praktisch verwirklicht und aktionsfähig gestaltet."

3. Die Osterbotschaft des Kaisers bedarf ihrer Erfüllung. Da mit einem schnellen Kriegsende nicht zu rechnen ist, so wird es zur gebieterischen Notwendige feit, die innenpolitischen Reformen in Preußen schon jetzt in Angriff zu nehmen. Es soll auch dadurch Den feindlichen Verdächtigungen die Spitze abgebro­chen werden die besonders in Rußland eine große Rolle spielen , als sei die Osterbotschaft ein Verspre­chen. das nachträglich nicht gehalten würde. Deshalb wird in Preußen unverzüglich die Reform des Wahl­rechts einzuleiien sein. Unter den gegebenen Verhält­nissen kann nur das gleiche, geheime und direkte Wahl­recht unter Anpassung an die preußischen Verhältnisse in Betracht kommen. Daraus erwächst die Notwendig­keit, daß auch im preußischen Ministerium eine Homo genität für diese Reform herbeigeführt wird. Das wird auch hier einen Wechsel der Personen zur Folge haben; in welchem Umfange steht noch dahin."

Die 'Wahlrechts-Resolution

des Verfassungsausschusses, die zu Beginn dieser Reichstagstagung die große Rolle spielte, ist eini­germaßen in den Hintergrund getreten. Es verlautet, daß die Resolution Müller (Meiningen)-Junck von den Mehrheitsparteien ohne weitere Beratung unter­stützt werden soll.

Das Ziel derMehrheit

*4

Als Mehrheit im Sinne der Krisenlage sind im Reichstage das Zentrum, die Nationalliberalen, die Volkspartei und die Scheidemannsche Sozialdemokratie anzusehen. Ueber ihre Ziele verlautet aus zahlreichen Quellen allerlei, doch liegt natürlich noch nichts Be­stimmtes vor. Ein Artikel ausparlamentarischen Kreisen" führt über dieseKriegszielerklä­rung" ans:

Dieselbe ist gedacht als erneutes Bekenntnis zu dem Kriegsprogramm vom 4. August 1614, daß uns nicht Eroberungssucht zu diesem Kriege treibt, sondern daß das deutsche Volk nur zu den Waffen gegriffen hat zur Verteidigung seiner Frei­heit und Selbständigkeit und zur Wahrung des terri­

torialen Besitzstandes seines Landes. Es soll ferner in dieser Erklärung zum Ausdruck kommen, daß das deutsche Volk zu einem L e r st ä n d i g u n g S f r i e d e n nach wie vor bereit ist unter Adle h n u n g aller Pläne, die auf wirtschaftliche Absperrungen und Verfeindung der Völker nach dem Kriege abzielen. Solange unsere Feinde einen solchen Frieden zurück weisen, wird das deutsche Volk in unüberwindlicher Einigkeit den Krieg mit ungebrochener Energie fort setzen."

Das ist dasselbe, was von Anfang an ange deutet worden ist. und es dürfte sich auch mit den An und Absichten dieser Gruppen decken. Eine Kund­gebung des Reichstages in diesem Sinne ist also zn erwarten.

Ein Kronrat.

Demission des preußischen Ltaatsminisierinms?

Am Montag abend um 6 Uhr fand ein Kronrat statt, in dem die preußische Ministerkrise behandelt wurde.

Im Reichstage verlautete, das preußische Mini sterium mit Ausnahme des Reichskanzlers und des Ministers der öffentlichen Arbeiten v. Breitenbai' habe seinen Rücktritt beschlossen.

Fliegergewitter über London.

Der größte bisherige Luftangriff.

Unsere Lufthusaren haben soeben einen Besuch in London gemacht und trotz grauenhaften Abwehr­sturms mit dem Verluste nur eines einzigen Appa­rates zu Ende geführt, an den England noch lange denken wird. Reuter meldet: Der Luftangriff aus Lopdon war der größte, der bisher stattgefunden hat. Die feindlichen Flugzeuge näherten sich lang­sam wie in einem feierlichen Auszuge, und bewegten sich symmetrisch fort. Sie schienen den £> a g 1 1 von Granaten, die um sie herum platzten, zu ver­achten. Sie flogen in geschlossenen Gliedern und sehr niedrig. Nur die Flugzeuge in der Mitte warfen Bomben ab. die an der Außenseite dienten zur Deckung. Der Feind blieb 12 bis 15 Minuten über der Dem niedrigen Fluge war er in großer Gefahr. Die Straßen waren voller Menschen; bevor der erste Kanonendonner hörbar wurde, hätte man kaum glauben sollen, daß der Feind im Anzüge sei. Nach­dem die feindlichen Flugzeuge über die City hinweg waren, hörte das Feuer der Abwehrgeschütze auf, und man sah englische Flieger aus verschiedenen Rich­tungen auf den Feind tosgehen. Schließlich verschwan­den die kämpfenden Lustgeschwader im Nebel, und man horte nur noch das Feuer der Maschinengewehre.

* *

Ein englisches Luftschiff »pgeschoffen.

Reuter verschweigt hier etwas Wichtiges: Die eng­lische Bevölkerung hatte das hellbejubelte Vergnügen, einen Flieger ab stürzen zu sehen. Aber er war kein deutscher, sondern ein englischer!

Nach dem deutschen Heeresbericht sind unsere Flug­zeuge sämtlich z urü ck g e ke h r t, bis auf ein auf See notgelandetes, das von unseren Seeftreit- kräften nicht mehr geborgen werden konnte.

Allgemeine Kriegsnachrrchten.

Bon ihren eignen Landsleute« getötet Oder verwundet.

Die Zahl der bei feindlichen Artillerie- oder Flie­gerangriffen getöteten und verwundeten Einwohner der besetzten Gebiete in Frankreich und Belgien hat sich im Monat Juni 1617 wieder beträchtlich erhöht. Es wurden getötet 12 Männer. 24 Frauen und 3 Kinder und verwundet 36 Männer. 26 Frauen und 18 Kinder. Nach den Zusammenstellungen derGazette des Ar- dennes" sind nunmehr seit September 1615. also inner­halb der letzten 21 Monate, insgesamt 3078 fried­liche französische und belgische Einwohner m den von uns besetzten Gebieten Frankreichs und Belgien» Opfer der Geschosse ihrer eigenen Landsleute geworden.

Festhaltung deutscher U-Boote in Holland.

Im Februar und März 1917 sind die deutschen UnterseebooteU-Boot 30" undU-Boot 6" in nieder­ländische Territorialgewässer geraten und dort interniert worden. Die deutsche Regierung ist auf Grund des ihr vorliegenden Materials zu der Ueber- zeugung gelangt, daß in beiden Fällen die Komman­danten die nötige Sorgfalt zur Vermeidung der nie­derländischen Gewässer angewandt haben und nur in­folge einer Havarie oder des Zustandes des Meeres in diese Gewässer gelangt sind. Da in sol­chen Fällen nach Artikel 5, Nr. 1 der niederländischen Neutralitätserklärung das Einlaufen von Kriegsschif­fen Kriegführender ausdrücklich gestattet ist, hat die Deutsche Regierung die Freilassung der Boote ver­langt.

Msssm Terlangen glaubte die niederltn« Oische Regierung nicht entspreche» zu sollen, weil nach ihrer 'Ansicht die U-Boot-Komma danken bei Anwendung der erforderlichen Sorgfalt die nied».-- lündischen Gewässer hätte vermeiden können.

Bei dieser Sachlage sind die beiden Regierungen üdereingekommen, die Tatfrage durch eine internatio­nale Kommission entscheiden zu lassen. Die Kommis­sion wird am 12. Juli im Haag zusammentreten und aus je einem Seeoffizier Deutschlands, der Nieder­lande, Argentiniens, Dänemarks und Schwedens be­stehen.

Kriegsgefangener Sozialist als Friedensuntcrhä»Ldler?

Kerenski, der sozialistische Kriegsminister Ruß­lands. hat nach einer Stockholmer Rteldung dem rus­sischen A- u. S.-Rat milgeleilt, der österreichische Sozialdemokrat Otto Bauer-Wien dürfe nach Peters- bürg kommen. DerRorwärtS" bemerkt dazu:Unser Wiener Genosse Otto Bauer, dessen Name über Oester­reich hinaus den besten Klang hat, geriet vor zwei Jahren in russische Kriegsgefangenschaft und hat sein hartes Los in Sibirien ertragen müssen. Daß er jetzt nach Petersburg gelangt, wird als ein Werk inter­nationaler Brüderlichkeit dem A- u. S.-Rat zu **=> danken ssin."

Gerald predigt Emttäufchuug.

In der LiverpoolerDaily Post" wird aus ameri­kanischer Quelle folgende Aeußerung des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin, Serard. mit geteilt:

Zwei Hoffnungen müssen sich die Engländer in ihren Vorstellungen über Deutschland völlig au» dem Kopfe schlagen. Nämlich die. daß Deutschland je­mals ausgeh uligert werden könnte, und die. daß die deutschen inneren Angelegenheiten wiri schaftlicher und politischer Natur jemals einen derartigen Zustand erreichen könnten, daß Deutschland der inneren Lage nicht Herr bliebe. gendwelche englischen Hoffnungen, die »uf da» Gr' nährungSsystem oder auf politische Umstände stchgrsin den. führen zu einer absolut sicheren Enttäuschung " Anziehende Anregung."

Der Vertreter der australischen Handelskanunern in London. Octavius Charles Beale, macht imDaily Graphic" den Vorschlag, die grausigen Verwüsiungs Methoden deS amerikanischen Generals Sherinan im großen zu wiederholen und die deutschen «älder *u:-> Felder in Brand zu stecken! Ein Viertel deS De«l schen Reiches sei von Fichten- und Tannenwäldern be deckt. Sie stoßen gewöhnlich an Getreidefelder und anderes mit Nahrungsmitteln bepflallztes Ackerland. Im Sommer ist alles trocken und entzündbar. Eine Reihe von Flugzeuggeschwadern mit einer möglichst großen Menge von Brandbomben könne in großer Höhe Deutschland überfliegen usw.

Wie Sherman, dieses Vorbild Beales, der Ahn Herr der heutigen airglo amerikanischen Verfechter der Humanität, während des Sezessionskrieges in Ar lanta und Georgia gehaust hat: Diese Kriegführung mit den Mitteln moderner Brandbomben- und Flug technik zu erneuern und zu übertrumpfen, findet in England freudige Zustimmung und erscheint dem Daily Graphic" als eineanziehende Anregung"!

Die biederen Engländer freilich brauchten nicht aus diesenanziehenden Rat" dieses Nachkommen der australischen Verbrecherkolonien zu warten, durchaus nicht. Sie selbst haben's ja aus eigenem ojt genug versucht, und die Franzosen haben ihnen dabei ge holfen.Genutzt" hat's aber nicht. Getreidefelder, die brennen, werden bei uns nämlich abgemäht. Grüne Felder aber brennen nicht. Und mit den Wäl dern ist'» ebenso.

Kleine Kriegsnachrschten.

" In Spanien ist neuerdings eine sehr scharfe Zen für über Kriegsnachrichten eingesührt worden.

" In Petersburg nahm eine Bolschewicki-Ver- sammlung (Anhänger des Kommunisten Lenin) mit 40 000 Teilnehmern Stellung gegen die russische Of­fensive.

" Die Vereinigten Staaten haben bisher an die Verbündeten 1,3 Milliarden Dollars = 5 Milliar den Mark verliehen, zu »/« an Frankreich.

" In England soll jeder Zeichner von Kriegs anleihe eine Prämie von 1 Pfund Zucker erhalten.

Aus aller Welt.

** Hixrichtuug Auf der Vahrenwalder Heide in Hannover wurde ein Serbe hingerichtet. Er war wegen Vtordes in drei Fällen, begangen an der Dienst­magd Braake und der Ehefrau WachSmuth in Neubur­lage und an dem Schäfer Nee in Papenburg, drei­mal zum Tode verurteilt worden.

** tzi« Weiutraxk für »je Sieger. Die Stadt Aachen erhielt von der Weingesellschaft des Karls­hauses 500 Flaschen edler Neumagener Kelterung, Jahrgang 1915, die dem Regiment 25, das sich bei den verschiedensten Gelegenheiten in diesem Kriege mit Ruhm bedeckt hat. bei der Heimkehr als Ehren­trunk dargeboten werden soll. Die Stiftung wurde angenommen.

** 4GO Warf für de« Zeutuer Echx?eruefleisch.

Schon seit Monaten gingen Gerüchte über den seltsamen Handel mit Schweinen auf dem Gute Düppel bei Wannsee um, das dem Prinzen Friedrich Leopold von Preußen gehört. Die Lerkäufe bildeten schon das Tagesgespräch in der ganzen dortigen Gegend. Der Schlächtermeister Haselo'ff aus Teltow wurde nun ver­haftet. als er eines Morgens früh um Uhr auf zwei Wagen 12 Schweine verladen und dafür 6000 Mavk bezahlt hatte. Der Aufseher, der ihm die Schweine übergab, will lediglich im Aufträge des Administrators v. Eberstein gehandelt haben, der bereits seit etwa fünf Jahren das Rittergut verwaltet. Es besteht die Vermutung, daß seit dem Frühjahr d. I. noch eine größere Anzahl von Schweinen auf diese Weise ver­schwunden ist. Von dem Gut sollen auch an Billen­besitzer Schweine für den Preis von 400 M. sür den Zentner verkauft worden sein. Der Gutsverwalter hat * ohne Wissen des Prinzen g^handest.