Ausgabe 
23.5.1917
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Gegen den «erlaubten Nahrung;- mitteloerbraucb.

Die Zeit vor der neuen Ernte bringt erfahrungs­gemäß besondere Schwierigkeiten bei der ausreichenden Versorgung der 'minderbemittelten Bevölkerung mit Lebensm'tteln. In diesem Jahre werden die Schwie­rigkeiten verschärft durch das ungewöhnlich späte Früh­jahr und die Schäden, die der besonders kalte Winter an den Vorräten hervorgerufen hat. In solcher Zeit ist eS eine besonders dringliche Aufgabe aller Behörden, dafür zu sorgen, daß die Ernährung der minderbemtt. telten, schwerarbettendenBevölkerung nicht durch Ueber- vjer sorg un g der Pefsergestellten geschmälert wird. Um dies zu erreichen, muß vor allen Dingen der Schleichhandel, durch den noch immer große Mengen von Fletsch, Speck, Butter, Eiern und anderen NahcungS- Mitteln der öffentlichen Verteilung entzogen und zahl- ungSfähigen Kreisen zugefühct werden, auf daS Nach, dcückltchste bekämpft werden. Auch dem übermäßigen Verbrauch von Nahrungsmitteln in Gastwirtschaften muß ebenso wie dem tteberverbrauch der Selbstversorger mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengewtrkt werden. Der Präsident des KriegSernährungSamtS hat durch Rundschreiben an die Bundesregierungen erneut auf diese Notwendigkeiten hingewiesen.

Diese Aufgabe zu erfüllen wird aber nur dann möglich sein, wenn die gesamte Bevölkerung und jeder einzelne verständnisvoll unter Hintansetzung jedes selbst- süchtigen Interesses Mitarbeiten. Die auSführenden Behörden müssen von einsichtigen Vertretern der ver­schiedenen Bevölkerungsgruppen, Männer sowohl wie Frauen, auf jede Weise unterstützt werden, damit die Mtßstände rechtzelttg erkannt und zweckmäßig bekämpft werden können.

In dieser ernsten entscheidungsvollen Zeit muß die Ueberzeugung Gemeingut aller Deutschen werden, daß jedes Pfund Butter, Speck oder Mehl, das sich ein zahlungsfähiger Käufer zu unrecht beschafft, einem RüftungSarbettcc entzogen wird, der seine Kraft braucht, um unseren kämpfenden Brüdern die Waffen zu schmieden.

Jeder bestimmten Mitteilung über greisbare Tat- sachen werden die Behörden gründlich nachgehen. Allgemeine Behauptungen und Eingaben, deren Vec sasser seinen Namen verschweigt, sind nicht geeignet, die Sache zu fördern. Die Mitteilungen zur Sache können auch an die Volkswirtschaftliche Abteilung des KctegSccnährungöamts gerichtet werden, die berufen ist, die örtlichen Behörden bei der Bekämpfung der Miß­bräuche zu unterstützen.

Uklegrpflngslri,,917.

Horch Glockenläuten! 'S ist zum dritten Mal in diesem Weltkrieg, daß sie Pfingsten melden.

Nicht mehr wie sonst der Töne volle Zahl, Einstimmig nur läßt Kriegsnot sie noch gelten.

Doch wie sich hier und da der Klang erhebt, schwingt über deutschen Landen ec zusammen in Harmonien, die der Geist gewebt.

Ein Helmutlenz und Schlachtseld.Fiammen, auü großem Siegeston strömt himmelwärts.

Ein hoher KampfetzprciS ist uns beschieden:

Wir Deutsche stehen freudig Herz an Herz für einen gottgeschenktcn heiligen Frieden.

Der Herr, der Geist ist, schreitet durchs Gefilde der aufgewühlten, blutgetränkten Erde.

Sein Wort klingt durch durch all das wogende, wilde aufschlagcnde Getös und ruft: Es werde!

Durch Brand und Rauch und giftige GascSschwaden dringt doch sein Licht hindurch durch den Sterben-

sden: aus Gnaden!

ES dringt hindurch durch alle MecreSstraßcn der Pftngstgesang bis in des Tauchboots Tiefe: Gott ist getreu! Ec kann uns nicht verlassen 'S ist, als ob Mutter heut zum Kirchgang riefe.

Ein Sang steigt auf zum Flieger in den Lüsten, ein Sang dringt zu den Schläfern in den Grüften. Fest-Pfingsten weckt den reinen Feierklang des Glaubens aus der Zeit Gewtrre.

Der Geist der Wahrheit führt uns aus der Irre des BangenS, ZwcifelnS auf zum Freudendank. Sichst du des Geistes Feuerzangen glühen, weil sie gewaltig um den Erdball ziehen.

Ec rüstet zu dem großen stillen Fest.

wo der Kanonen Donncrschlünde schweigen,

wo Heer und Volk sich vor dem Einen beugen,

der auch aus Trümmern Rosen wachsen läßt.

Psingftsrieden weht um ferne Heldengräbcr,

Psiugsthoffen baut der Brücke Bogenstceben

von Freund zu Feind, vom Haß zum Sich-Verftehn

Pstngstglocke, einsame und traute,

einstimmig rwar tönst du uns starke Laute

von Heimkehr hier und dort vom Wiedersehn!

Kriegswirtfcbaiilicbe;.

Das SleUv. Geueraikomwaudo des 18. Armee- Korps hat eine Bekanntmachung unterm 20. Mai 1917 in den Amtsblättern erlassen betreffend Regelung der Arbeit in Web-, Wirk» und Stickstoffe verarbei- tenden Gewerbrzweigcn.

Herarniehung Wehrpfichliger nun dienst. Das KnegSnunisterium hat ongeordnet, daß alle Mannschaften im wehrpflichtigen Alter, die in der Zeit vom 2. August 1869 bis einschließlich 1899 geboren sind, sowie diejenigen Landsturmpflichttgen deS Jahr­

gangs 1900. soweit fie daS 17. Lebensjahr zuruckgelegt, l sich zum Hilfsdienst zu melden haben. Darnach haben ' stch bet der Bürgermeisterei ihres Wohnorts diejenigen Personen zwecks Eintragung in die Liften zu melden, die den vorgenannten Jahrgängen angehöccn und dir - Entscheidung dauernd kru. (nicht mehr zu kontrollieren), zeitig ktv. und vorläusig zurück erhalten haben

Wachsende Selbstsucht. Exzellenz Michaelis, der oberste Beamte der Brotaetrcideverjorgung. hat von dem Schwinden der wirtschaftlichen Moral der Bevöl- kerungSkreise gesprochen und damit ausgesprochen, daß Erzeuger, Händler, Müller, Bäcker und Verbraucher in der wachsenden Not der Zeit die verständliche Selbst- sucht über das Interesse an der Versorgung unseres Vaterlandes stellen. Was Michaelis hrec im Hinbl'ck auf dos Ganze beklagt, ift^ewiß bedauerlich, aber nicht zu ändern. Man kann reden was man will, es ist jetzt so weit: jeder sieht zu, erst für sich selbst soc- gen.

Viehzählung am 1. Juni. Am 1. Juni soll wieder eine Viehzählung stattfinden. Sie soll die Un terlage zu wirtschaftlichen Maßnahmen bilden.

Weißbrot oder Krirgsbrot ? Diejenigen, die sich an den Genuß von Weißbrot gewöhnt hatten, fühl­ten sich jetzt durch das Verbot des Backens von Weißbrot benachteiligt. Sie sind der Meinung, das jetzige Brot sei für sic nicht bekömmlich. ES scheint ihnen dabei nicht bekannt zu sein, daß daS jetzige Brot zu 25 Teilen aus Weizenmehl besteht Daß das Brot jetzt gröber ist als früher, rührt bekannlich von der stärkeren Ausmahlung des GetceideS her. wobei die Schalen der Körner mit vermahlen werden. Gerade durch diesen Gehalt an Kleie gewinnt das Brot an Nährwert. In oder an den Hülsen deS Getreides ftn- den sich die wichtigsten Stoffe des KorneS. Entgegen der landläufigen Anschauung vermag der Mensch die Kleie gut zu verdauen

Ru; bellen.

Gemüsehöchstpreise in Hessen. In Mainr fand eine Besprechung bei der hessischen Land.Sgemüsestelle statt, zu der Vertreter der Städte und der übrigen Interessen­ten erschienen waren. ES handelte sich um Festsetzung der Höchstpreise für Gemüse für Groß- und Kleinhandel, nachdem die Preise für Erzeuger kürzlich schon festgesetzt wurden. Die Besprechungen ergaben eine Einigung zwischen allen Interessenten, deren einzelne Wünsche aus Preise festgelegt werden konnten, die allseitige Zu ftimmung fanden und auch vom V ccbcaucherstandpunkt gebilligt werden können. Diese Gemüschöchftpcetse gel ten für das ganze Gcoßherzogtum Hessen und stehen unmittelbar vor -der Veröffentlichung. Hessen ist mit diesem Schritt in erfreulicher Selbständigkeit vorgcgan- gen, da die Reichsftelle bte Festsetzung unverständlich lange hinausgezögert und dadurch die Gefahr jiu den Gemüsemarkt wächst.

Milchpreise in Hessen. Der Komiiiunalvoerband für Milch- und Spetsesettversorgung in Hessen hat für die Lieferung von Milch gestaffelte Preise eingesühct, die sich zwischen 80 Pfg Rampenpreis bezw. 26 Pfg. Stallpreis. wenn pro Kuh des Mtlchbeztlks weniger als 1 Liier, und 34,5 Pfg. bezw. 30.5 Pfg., wann pro Kuh des Milchbezirks 6 Liter und m<hc täglig geliefe, t wird, bewegen Wird die Milch nach Fettgehalt bezahlt, so wird frei Rampe ein Grundpreis von 23 Pfg. für den Liter und vom 2,5 Pfg. für jedes Feltpcozent be zahlt. Wird von einem Milchpceis winigcc als 2 Liter pro Kuh abgcliefeit, so ermäßigt sich der Grund­preis um 1 Pfg Tie zu bildenden Milchb.zt ke um­fassen einen oder mehrere Gemeinden, die einem Bee- trauenSmanii unterstellt find, der allmonatlich Rechen schaft über die an den einzelnen Tagen und von den Kuhhaltern abgelieserte Milch abzulcqcn hat.

Kohlenversorgnng Hierzu hat der LandtagSab geordnete Singer bet der Zweiten Kammer folgend u dringlichen Antrag eingereicht:Die Kammer wolle Groß- herzogliche Regi-rung ersuchen, mit möglichster Beschleu­nigung durch Verhandlung mit maßgebenden Stellen für eine sofortige Versorgung der Industrie, Landwirt- schaft und der Familien der hiesigen Gegend mit Kohl n zu wirken." Elnen gleichen Antrag hat auch der Ab­geordnete Etßnert gemacht. Dasclbe stellt folgende Fagcn: WaS gedenkt die Großherzogliche Regierung zu tun, 1. um der Kohlennot für den nächsten Winter vorzubeugen, 2. die VerforgungSgcbiete für Kohlen im Großherzogtum Hessen zu diesem Zwecke zu organisieren?

Der Pfingstverkehr. Vom 26. bis 29. Mai

werden Fahrkarten zu bei, D-Zügen nur verausgabt wenn die zu durchfahrende Streck/ 60 Kilometer über» steigt. Auch die Ausgabe von Person»nzugsahrkactcu kann nur in beschränktem Maße erfolgen und wird eingestellt, falls eine U berlastung der Züge oder Zug. Verspätungen zu befürchten finb.

Zur Erhaltung der ernte Landwirte und Obftzüchter, rettet die diesjährige Obsternte durch Ber ntchtung der massenhaft auftcctenden Raupen Am leichtesten geschieht das am Bormitta . Alsdann sitzen sie am Stamme oder Astgobrlungrn beisammen un" lassen sich leicht mit einem Tuche zerdrücken. Vielleicht könnte die Schuljugend zu dieser baldigst vorzunchmen' den Arbeit zugezogcn werden.

Sponsheim. Vec neckt. Bei der Durchsuchung deS Kellers eines Landwirts wurden unter Futterrüben versteckt zwei Scck Weizen und 60 Zentner Kartoffeln gefunden. Der Kommunalverband hat die Vorräte ent' eignet. Warum wird der Bctr. nicht öffentlich > cnannt ?

Verantwortlich: Albtn Klein in Greßen.

Pfingstverkehr.

Pfingstrosen und Ausflüge müssen in diesem Jahre unterbleiben, weil die Lokomotiven und Wagen für Zwecke des Heeres, der Kriegswirtschaft und Volksernährung gebraucht werde».

Londcrzügc für den Ausflugverkehr werden nicht gefahren. Mit Zurückbleiben beim Reisean­tritt oder unterwegs ist daher zu rechnen. Die Eisen­bahn benutze nur, wer notgedrungen reise» muß. Frankfurt (Main). 15. Mai 1917.

8g!-ifenbabndirekiion Trankfurta. M

Pfingsten.

An den beiden Pfingstseiertageo. sowie w 1 ' am Tage vor- und nachher werden zur Be­nutzung von Schnell-,D > Augen Fahrkarte»

des öffentlichen Verkehrs nur für solche Reisen auS- gegeben, bei denen die im Schnellzug zurück zulegende Strecke 60 km übersteigt.

Auch die Ausgabe von Fahrkarten für Eil- und Personenzüge kann nur in beschränktem Umfange er­folgen. Ter Fahrkartenverkauf für die einzelnen Eil- und Personenzüge wird eingestellt, sobald nach der Zahl der verabfolgten Fahrkarten eine Ueber- lastung der Züge oder eine Gefährdung der pünkt­lichen Zugabfertigung zu befürchten ist. Der Reisende muß daher mit Zurückbleiben beim Reiseantritt oder unterwegs rechnen.

Das Vaterland verlangt, daß nicht unbedingt notwendige Reisen unterbleiben.

Frankfurt (Main), den 80. Mai 1917.

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