Ausgabe 
23.5.1917
Seite
3
 
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gesetzliche Mndestbetraa betrügt seit dem 1. Novem­ber 1916 für die Ehefrau 20 Mark und für jede sonstige unterstützungsberechtigte Person 10 Mark.

Allgemeine KriegsrrachrichLen.

Neue U-Boot-Erfolge

im Atlantischen Ozean: 20 300 Bruttoregistertonnen. Tie Ladungen -er versenkten Schiffe bestanden größ­tenteils aus Kohlen von England und Eisenerz nach England.

Diie Mineuseuche

Ter Hafen von Portsmouth ist wegen Mnen- gefahr bis aus weiteres geschlossen.

Es handelt sich um einen der wichtigsten englischen Häfen, den eigentlichen Uebersee-Verk^hrshafen Eng­lands für Passagiere, an der Südküste, gegenüber der Insel Wight.

Ter österreichische Degenstoß.

Aus dem Kriegspressequartier wird über den öster­reichischen Gegenstoß, der den Italienern kleine, beim ersten Ansturm errungene Vorteile wieder entriß, ge­meldet:Tie Italiener mußten im Raume Loga

Bodrez, wo es ihnen am 14. Mai geglückt war, einige Abteilungen über den Isonzo zu werfen, dieses schmale Stück wieder räumen, das sie sich unter blutigsten Opfern erkauft hatten. Unsere Artillerie ist es, die die Jtalienernester in diesem Abschnitte des Ifonzoufers zerstörte und den Feind wieder auf bas rechte Ufer zurücktrieb. Mit aller Macht waren die Italiener bemüht, sich hier zu halten und ihre Stellungen zu einem Brückenköpfe auszubauen. Sie hatten eine Rollsähre einzurichten versucht, auf der sie immer inue Verstärkt.igen heranznbringen bestrebt waren Tie Uedergangvsir.le wurde jedoch unter konzentrischem Ärtillerieseuec gehalten, so daß der Feind hier nur nutzlos Menschen und Kriegsgerät opferte. Alenhzeing hielten unsere Schützenlinien die Abtei­lungen, die sich am linken Ufer eingenistet halten, Mit solcher Zähigkeit umklammert, daß ihnen jede Möglichkeit, sich auszubreiten, genvinmen blieb. 'Auf solche Weise einge'tapselt und dem Wirkungsfeuer un­serer Artillerie preisgegeben, blieb den Italienern, um der völligen Vernichtung zu entgehen, nichts anderes übrig, als auf das andere Ufer zurückzuweichen, lln- ftr.? Infanterie,- die ja hart am Gegner klebte, stieß ihm sofort nach und entriß ihm noch Gefangene. So endete das Ringen in diesem Abschnitte, das als eines der erbittertsten und hartnäckigsten in der Riesenschlacht bezeichnet werden kann, mit einem glän zenden Erfolge für unsere Waffen."

dis lO.Jsonzoschlacht.

.Italienischefront am 20.5.1917

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Tie Italiener haben, wie sich immer klarer der- ausstellt, mit dem südlichen Flügel einen vollen Miß­erfolg erlitten. Aus dem nördlichen Flügel hatten sie an zwei Punkten Anfangserfolge. Erstens bei Auzza, wo sie das linke Jsonzo-Ufer gewonnen yar- ten, und zweitens bei Prava am Kukberge. Bei Auzza mußten sie inzwischen wieder die gewonnenen Stel­lungen räumen, dagegen haben sie die Vorteile am Kukberge dehaupter und versuchen, tu südöstlicher dttch- tung über Vobtze gegen den Monte Santo oorzu brechen. Ihre Sibsicht scheint zu sein, das ganze Massiz, das sich vom Kuk bis zum Monte Santo hinzieht, in ihre Gewalt zu bringen.

Es handelt sich dabei nur um eine verkam weitesten nach Westen vorspringenden Stellungen. davon

steigen neue Höhenzüge an, von denen au* starke Artilleriekräfte die neuen Stellungen der StaUerm am Kukberge unter Feuer genommen haben ^.re Be­sitznahme des Kukberges hat daher kerne entscheidendc Bedeutung. Wichtiger ist, daß die und südöstlich von Görz wie öte südliche Hochfläche restlos von unseren Bundesgenossen behauptet wor­den ist.

Rußlands Wahlrechtspl c.

Tie KopenhirgenerPolitiken" meldet aus Pe- tersburq: In Regierungslreisen herrscht d'.e Ansicht, daß die verfassunggebende Nationalversammlung wa- testens am 1. Oktober wird zusammentreten könnew Tie Vorbereitungen sind bereits in vollem Gange und werden von einem Auss^ geleitet, der von der Regierung ernannt worden ist und in dem alle Par- t»iLN vertreten sind. TaS aktive und passive Mahlrecht erhalten alle Bürger über 20 Jahre.

Ties gilt auch für die Fantilie Romanow, doch werden diejenigen Mitglieder des gestürzten Kaiserhauses, die zurzeit gefangen gehalten werden, nur das aktive, aber nicht das passive Wahlrecht erhalten.

Es wäre doch so schön gewesen, den abgesetz­ten Zaren etwa als Präsident der Freiheitsduma wie­derzusehen!:

ES gibt noch Richter sogar in England.

Tas Mitglied des Unterhauses Booth wurde zu einer hohen Entschädigung an einen naturalisier­ten Deutschen namens Gruban verurteilt, den Booth durch betrügerische Erweckung falscher Vorstel­lungen aus seinem Geschäft gedrängt hatte. Hierbei spielten Trohung mit Internierung und Versprechun­gen BoothS, seinen politischen Einfluß bei Lloyd George und dem Munitionsminister zur Geltung zu bringen, eine Rolle.

4 russische Flieger abgcschossen.

Wiederholte Versuche russischer Flieger, von Le- bara auf Oesel aus die Tätigkeit unserer Vorposten­boote zu stören, führte am 18. Mai zu Luftkämpsen, bei denen es zwei unserer Seeflicger gelang je ein feindliches Flugboot zum Absturz zu bringen. Außerdem wurde einwandfrei beobachtet, daß zwei feindliche Flugzeuge sich rammten und senkrecht ab­stürzten.

Eine nördlich der Flugstation Lebara befindliche russische militärische Anlage wurde von einem deut­schen Luftschiffe, als es von dort aus beschossen wurde, mit Bomben belegt.

Nnele San, zum Gruße.

Reuter meldet aus Washington: Amtlich wird bekanntgeaeben. daß 2600 Seesoldaten die erste ameri­kanische Tioision nach Frankreich begleiten werden. Jene Tiviswn wird dem Befehle des Generals Per- sching unterstehen und sobald wie möglich nach Frank­reich gehen. Es werden auch baldmöglichst die neu- angeworbenen Genieregimenter nach Frankreich ab­gehen.

Unsere Helden bei Arras und an der Aisne wer­den diese neuen Söldlinge Englands mit besonderem Interesse begrüßen!

Tie italienischen Schipper dürfen heim.

Um der revolutionären Bewegung Herr zu wer­den. hat die italienische Regierung mit Zustimmung des kriegstollen Teiles ihrer Sozialisten eineAus­hebung" der italienischen Arbeiter für Schipperarbeiten in Frankreich vornehmen lassen. Alles, was revolutio­närer Gesinnung verdächtig war. oder von irgendeinem Schurken verdächtigt worden war. wurde nach Flau dern usw. in den Bereich deutscher Kugeln gesandt. Jetzt wird berichtet: LautMattino" sind von den i0 000 nach Frankreich geschickten italienischen Arbei­tern 8000 wieder zurückgekehrt. Tie ckkbrigen wer­den ebenfalls erwartet. TieGründe" dieser Rück­kehr sind nicht bekannt gegeben worden. Tie Arbeiter sollen nunmehr in der italienischen Etappeirlinie be­schäftigt werden. Offenbar fürchtet man sie noch immer.

Euglnnd und seine Gäste.

Tie englische Regierung hat es abgelehnt, den in England lebenden 500 russischen Schriftstellern und Politikern, meistens politischen Flüchtlingen, die Heim­kehr zu gestatten.

dahingegen ist gegen ca. 60 Russen in England das Strafverfahren eingeleitet worden, darunter yegen 20 loegen Verbreitung englandfeindlicher Flugblätter.

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Da- mlttelamerlkautsche Nepublikletn Nicaragua har die Beziehungen zu Deutschland abgebrochen.

" Der Streik der Munitionsarbeiter ln England ist in einer Besprechung beim Premierminister Lloyd George bei­gelegt worden.

Politische Rundschau.

Major von Olberg, der Chef der Oberzensurstellc im Kriegspostamt, ist durch KabtnettSorder unter Belassung in seiner bisherigen Stellung in den Großen Generalstab versetzt worden.

Ter erste Generalquartiermeistcr Ludendorff ift von der Stadt Insterburg, Ostpreußen, zum Ehrenbürger er­nannt worden.

Am 22. Mai, kann das KriegSecnährungSamt auf ein einjähriges Bestehen zurückblicken.

:: VomBcthmaunblock" der Mittelparteien war in der Presse neuerdings die Rede. Tazu schreibt nun ein nationalliberaler Reichstagsabgeordneter in der TienStag^Rummer derNationalzeitung",daß die gemeinsame Erklärung der Mittelparteien vollständig ohne Mitwirkung derWilhelmstraße" oder irgend­einer anderen Reichsstelle zustande gekommen, vielmehr das ureigenste Werk der Mittelparteien ist. Sie ist angeregt und in ihrer ersten Form entworfen worden zwischen einigen Parteiführern der Mitte zu einer Zeit, da der Reichskanzler im Großen Hauptquartiere weilte."

:: Tic Sozialdemokratie Hessens für Schcidemann. Tie hessische sozialdemokratische Landespartei sprach sich für die Politik der Mehrheit im Reiche aus. In einer Resolution zur Friedenssrage und den Kriegs­zielen schließt sich die Landespartei der Aktion der Reichstagsfraktion an.

:: Landesvcrratsversahren gegen Zehn-Gebote- Hosftna un. Aus die Anfrage (Nr. 155) des Abge­ordneten Haase (Königsberg) Nr. 850 der Reichstags­drucksachen ist folgende schriftliche Llntwort erteilt worden:

Tie im Hauptausschuß von dem Herrn Staats­sekretär des Auswärtigen Amtes am 1. Mai 191.7 ab­gegebene Erklärung, daß den unabhängigen Lozial- demokratcu wegen ihrer Zugehörigkeit zu dieser Frak­tion die von ihnen beantragten Pässe zur Rerte nach Stockholm nicht verweigert werden sollen, wird in vol­lem Umfange auftechterhalten. Tie Beteiligten wer­den sämtlich die Reiseerlaubnis erhalten, mit Aus­nahme des Herrn Landtagsabgeordneten H o f f m a n n. Tiefem wird aber der Patz nicht wegen seiner Zuge- höriakeit zur Fraktion der unabhängigen Sozraldemo- fxattn, sondern lediglich deshalb verweigert werden, weil er nach Mitteilung des Oberreichsanwalts in ein

Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats ver­wickelt ist."

Es handelt sich hier wohl um Nachklänge d»4 Munitionsarbeiterstreihs.

Friede 7hne / Annexionen.

Innerlich hat Rußland mit England gebrochen.

Tie letzten Ereignisse in Rußland lassen ein ge­wisses Wiederaufleben des englischen Einflusses in Rußland erkennen. Rußland hat in dem Lande der erwachenden Kraft eben eine ganze Reihe Eisen im Feuer, so daß. es nach Miljukows Sturze noch lange nicht ausgeschaltet war. Und außerdem sucht Eng­land Rußland mit Gewalt zu zwingen. Das Stockhol­merAftonbladet" bringt eine Nachricht, nach der die

Engländer mit 4000 Mann Akchaugeldk beseht

hätten und nach Verstärkung der Besatzung die Ok- kupierung des ganzen Gebietes zwischen Archangelsk und Petersburg beabsichtigen. Tie Japaner anderer­seits wollen offiziell Eharbin besehen, die Richtigkeit dieser Nachrichten ist augenblicklich nicht nachzuwei­sen. In Petersburg war jedenfalls in der letzten Woche die Ansicht vorherrschend, daß englischerseits ein Schlag vorbereitet wird.

Auf dem Petersburger Frontkongreß sagte der Sozialist Sinowje'ff, die Verbündeten seien jeden -lugcnbtick bereit, der russischen Revolution in den Rücken zu salleu. England verbiete die Veröffent­lichung der Bundesverträge mit der Zarettregierung, die Verbündeten verfolgten heimliche Ziele. Innerlich habe das russische Bolk mit den Verbündeten ge­brochen, und Rußland dürfe auch vor dem äußeren Bruche nicht zurückschrecken.

So streitet man sich allmählich in allen betei­ligten Ländern unter der Formel des Krieges um oder: Friede ohne Eroberungen. Auch die

ftauzösifchcu Sozialisten werden wachgcrüttclt aus ihrem patriottschen Taumel, in den sie irgend­welche Einflüsse seit Kriegsbeginn versetzt haben. So erörtert der radikale 2lbg. Renaudel in derHuma- nite", dem Blatte des zu Kriegsbeginn auf Veran­lassung der französischen Verbrecherregierung im Kafseehause erschossenen Sozialistenführers Jaures:

Alle Erörterungen der letzten Tage im englischen Parlament wie in der Ententepresse zeigten, daß die Regierungen der Entente mehr und mehr gezwungen sind, den Silln ihrer Worte und Beschlüsse zu bestim­men und zu sagen, wie sic Recht und Freiheit der Völ­ker verstehen. . . . Tie ftanzösischen Sozialisten Haber, ihre Mitwirkung an der Landesverteidigung der Re­gierung nur unter der Bedingung zugesagt, daß die französische Regierung keine Eroberungen will. Selbst wenn man heute vom Feinde die Tra­gung aller Kriegskosten verlangt, ist dies töricht, denn man darf das Volk nicht an solche Gedanken gewöhnen. Tie Entente soll frei sagen, was sie will."

So mehren sich bei der Entente die Bedenkt», und Schwierigkeiten.

* * *

Wann kommt der Friede?

Ter bayerische Ministerpräsident, zugleich der Vor­sitzende des deutschen Bundesratsausschusses für aus­wärtige Angelegenheiten, Frhr. v. Hertling, hat eine«, Budapester Zeitungsmanne gesagt:

Meine Ueberzengung ist oie, daß der Krieg bis zum Herbst endet. Unsere Lage ist ausgezeichnet. Wann die Franzosen und Engländer die Folgerungen aus unserer Unbesiegbarkeit ziehen, ist nicht genau ab­zusehen, aber hoffentlich bringt der Herbst den Frie­den. Unsere Marine erfüllte mehr, als sie versprach, mit den U-Boot-Erfolgen sind wir völlig zufrieden. Eine andere Frage ist, welche Wirkung die Versen­kungen auf England haben. Ties können mir von hier nicht beurteilen. Tie nächste Zukunft wird allen­falls Licht in diese Frage bringen."

* * *

T-freie Rußland" will einengerechten Frioden".

Ter neue russische Minister des Aeuhern, Terest- schenko, hat sich ausfragen lassen und dabei folgendes Programm" aufgestellt:

Tie möglichst schnelle Wiederherstellung ernes all­gemeinen Friedens, eines Friedens, der weder das Ziel hat, andere Völker zu beherrschen, noch sie ihres natio­nalen Erbes zu berauben, noch auch gewaltsam ftemde Gebiete wegzunehmen, eines Friedens ohne Annexionen und Entschädigungen, der sich auf das Selbftbestim- mungsrecht der Völker gründet, eines Friedens, der erreicht wird in enger, unlöslicher Vereinigung mit den Temokratien der AUiierten."

Aus aller Welt.

* Aiatu-Weser. Zum ersten Male ist auf der Weser ein bayerischer Schlrppkahn eingetrosfen. Ter Kahn, der den Namen des Oberbürgermeisters von Bamberg ,T)ber- bürgermeister Wächter" führt, ist mit 9000 Zentnern rumä­nischen Weizens beladen und hat die 300 Kilometer lange Sttecke von Bamberg innerhalb drei Wochen zurückgelegt.

* Einheitskleidung in England'? Die englische Zivilbe­völkerung wird demnächst in Uniform gesteckt werden. Ta» geschieht nicht aus besonderer Verehrung für den Militaris­mus, sondern auf den Vorschlag der ofiiziellen Versorgungs­stelle, die in einem Bericht darauf hingewiesen hat. daß Mangel ön Rohstoffen die Einführung einer Einheitsklei­dung nötig macht, um Ersparnisse an Tuchen zu erzielen.

A Tie Abwanderung der .vandwe.kerllhrttugc m die Kriegs-Industrie hat eine.. Umfang angenommen, der Hand­werk und Gewerbe in der Frage des Nachwuchses em­pfindlich trifft. Sie wird begünstigt dadurch, daß es den Eltern oder Vormündern nicht schwer fällt, in der jetzigen Zeit, wo der Lehrjunge den Arbeitslohn des vollwertigen Arbeiters erhält, die im Lehrvertrag vereinbarte Ent­schädigung für den Fall der Auflösung des LehrverhältnisseS infolge Uebertritts zu einem anderen Berufe zu entrichten. Die Bayerischen Handwerkskammern haben deshalb dem Bundesrat den Antrag unterbreitet, eine Verordnung dahin zu erlassen, daß § 127 e der Reichsgewerbeoednung «Ueb»r- triti des Lehrlings zu einem anderen Berufe) für die Zsit des Kriege- außer Kraft gesetzt wird.