Ausgabe 
21.4.1917
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(Neueste Nachrichten)

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Kerlag derGicßeuer Zeitung", Gießen.

Expedition: Züdanlage 21.

(Gießcuer Tageblatt)

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Druck der Gießcncr BerlagSdruckerei, Albin Mein.

Nr. 37.

Telephon Nr. 362.

Samstag, den 21. April 1917.

Telephon Nr. 363.

29 Jahrg.

Die Riesenschlacht von -er Oise bis in die Champagne die größte Schlacht -er Weltgeschichte.

Der französische Durchbrnchsversuch gescheitert.

Amtliche deutfcbe Cagcsberidm.

wtb Großes Hauptquartier, 15. April.

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

.Bei Dirmude und südlich von Upern zeitweilig rege FlKrtätigkeit. Auf dem Schlachtselde von Arras kam ks infolge Verschiebung unserer Kampflinie nördlich der Ccarpe nur zu kleinen, für den Feind verlustreichen Ge­fechten. Von der Scarpe Nicdcrung bis zur Bahn Anos-Cambrai wurde gestern vormittag heftig gekämp,.. In dichten Massen griffen englische Divisionen mehr­mals an. Stets wurden sie unter blutigsten Verluden zurückgeworfen. Außer seinen großen Opfern vüßt 5 der Engländer durch Nachstoß unserer Truppen noch 300 Gefangene und 20 Maschinengewehre ein.

Heeresgruppe deutscher Kronprinz.

Von Soiffons bis Reims und in der westlichen Champagne tobt die Artillerieschlacht weiter. Fran­zösisches schweres Flachfeuer zerstörte in Laon mehrere Gebäude.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Herzog Albcecht von Würtemberg.

In wenigen Abschnitten lebhaftes Geschützfeuer. Eigene Unternehmungen an der Nordostfront von Verdun und bei Bau de Sapt in den Vogesen brachten Gefan­gene und Beute.

Im Artois, an der Aisne, in der Champagne und » südlich der Vogefcn sehr rege Fliegertättgkeit. Eng­länder, Franzosen und Amerikaner verloren im Luftkampf 17, durch Abschuß von der Erde 4 Flugzeuge, außerdem 2 Fesselballons. Rittmeister Freiherr von Richthofen UM seinen 44., Leutnant Schäfer, seinen 18. und 19. GeMer ab. Aus drei Fluggesch wadern, die gestern Fretburg angriffen, wurden 3 englische Flieger zum Ab» stutz gebracht.

Oestlicher Kriegsschauplatz: lDie Lage ist unverändert.

Mazedonische Front.

Mutzer Zerstörungsfeuer im Cecnabogen keine wesent­lichen Ereignisse.

Der Erste Generalquartiecmeister: Ludendorff.

O

0 wtb Berlin, 15. April, abends. An der Scarpe gexiyge, nordöstlich der Straße Bapaume-Cambcai leb­hafte Gcfcchtstätigkeit. Der zeitweilig zu äußerster /AheftMeit gesteigerte Artilleriekampf längs der Aisne M/ und im Westteil der Champagne dauert an.

Km Osten nichts Wesentliches.

>fl| Großes Hauptquartier, 16. April.

W Westlicher Kriegsschauplatz.

'Mk * Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

V Muf bcm Nordufer der Scarpe hielt unser Vernich- M ungsfemr cnglitfe Angriffswellen ni-.d-r so daß der W LwM nicht zur Durchführung kam. - Auch nordöstlich i bon ÜToiffcnoS brachte unser Feuer einen starken Augriff der Engländer zum Scheitern. Nördlich der Straße Acias- Sambrut warf ein Vorstoß unserer Truppen den Feind auf Lagnicourt und Boursies zuruck. Zu den blutigen Verlusten der dort kämpfenden Australier kommt die Einbuße von 475 Gefangenen und fünfzehn Maschinen- z-lvehcen, die eingcbracht, sowie von 22 Geschützen,

zenommcn und durch Sprengung unbrauchbar gemacht

wurden. Bei St. Quentin nahm das Arttllertefeuer lvftder zu.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Zwischen Oise und Aisne sind gestern durch starkes

H F,uer vorbereitete Angriffe der Franzosen b^t Vav^atllon W uinb Chlvrcs gescheitert. Von Soiffons bis Reims " md im Westteil der Champagne hat der Feuerkampf bit stärkstem Einsatz der Arttllcr.le und Minenwerser aiigehalten. - Nach Scheitern feindlicher Erkundungs- dorstöße am 1b. April ist heute morgen in breitem Ab. schnitt die Jnfanterieschlacht entbrannt.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

In dex lothringischen Ebene und burgundischen

Pforte blieben Unternehmung französischer Sturmtrupps gegen unsere Stellung ohne jeden Erfolg.

Ein einheitlicher Angriff feindlicher Flieger gegen unsere Fesselballons längs der Aisne war ergebnislos. Die Gegmx haben zwischen Soiffons und Verdun gestern 11 Flugzeuge verloren, deren Mehrzahl Maschinen neuester Bauaxt (Spads) sind.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Im allgemeinen geringe Gefechtstätigkett. Nur an der Bahn Kowel Luck verfeuerte die russische Artil­lerie etwa 10 000 Schuß gegen unsere Stellungen. Bor- dringende Strcifabteilungen wurden abgewiesen.

Mazedonische Front

Keine besonderen Ereignisse.

Der Erste Generalquartie meister: Ludendorff.

»

Berit,., 16. April, abends. Bei ArraS geringe Gefcchtstättgkeit. An der Aisne hat der große französische Durchbruchsstoß mit weit gestecktem Ziel nach zehntäg­igem Massenfeuer begonnen. Auf der 40 Kilometer breiten Angriffsfcont ist der erbitterte Kampf um unsere vor- berste St llung tm Gange.

Im Osten nichts Wesentliches.

Der Erste Generalquartiermetster: Ludendorff.

*

wtb Hauptquartier, 17. April.

Heeresgruppe Kronprinz

An der Aisne ist eine der größten Schlachten des gewaltigen Krieges und damit der Weltgeschichte tm Gange. Seit dem 6. April hielt ununterbrochen die Feuervorbereitung mit Artillerie und Minenwerfern an, durch die die Franzose« in noch nie erreichter Dauer, Masse und Heftigkeit unsere Stellungen sturmreif, unsere Batterien kampfunfähig, unsere Truppen mürbe zu machen suchten. Am 16. April früh morgens setzte von Sou- pir an der Aisne bis Betheny nördlich von Reims, der auf einer Front von 40 Klm. mit ungeheurer Wucht von starken Jnfanteiiekcäften geführte und durch Nach­schub von Reserven genährte, tiefgegliedecte französische Durchbruchsversuch ein. Am Nachmittag warf der Fran­zose neue Massen in den Kampf und führte starke Neben- angriffe gegen unsere Front zwischen Oise und Conde sur Aisne. Bei dem heutigen Feuerkampf, der die Siel- lungen einebnet und breite Drichterseider schafft, ist eine starre Verteidigung nicht mehr möglich. Der Kampf gehl nicht mehr um eine Linie, sondern um eine ganze, tiefgestaffelte Befestigungszone. So wogt das Ringen um die vordersten Stellungen hin und her mit dem Ziele, selbst wenn dabei Kciegsgerät verloren geht, lebendige Kräfte zu sparen, den Feind durch schwere blutige Verluste entscheidend zu schwächen. Diese Auf­gaben sind, dank der vortrefflichen Führung und der glänzenden Tapferkeit der Truppen erfüllt. Am gest. rigen Tage ist der große französische Durchbruchsversuch, dessen Ziel sehr weit gesteckt war, gescheitert, sind die blutigen Verluste des Feindes sehr schwer, über 2100 Gefangene in unserer Hand geblieben! Wo de: Geg­ner an wenigen Stellen in unsere Linie cingedrunqen ist, wird noch gekämpft; neue feindliche Angriffe und zu erwarten. Heute morgen ist der Kampf in o: Champagne zwischen Prunay und Auberive entbrannt. Das Schlachtfeld dehnt sich damit von der Oise bis in die Champagne au?! Die Truppe sieht den kommen- den schweren Kämpfen voll Vertrauen entgegen. Von den übrigen Kriegsschauplätzen im Westen, Osten und Balkan ist nichts zu melden.

Der Erste Generalquartiecmeister: Ludendorff.

wtb Berlin, 17. April, abend?. Nach dem verlust­reichen Scheitern ihres Ducchbcuchstoßes haben die Fran­zosen an dex Aisne den großen Angriff nicht erneuert. - In

der Champagne wird den Tag über beiderseits von Auberive erbittert gekämpft. An den übrigen Fron- ten nichts Wesentliches.

* .

wtb Große Hauptquartier, 18. April.

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Auf dem Kampffelde von Arras hat in einzelnen Abschnitten die Artillerietätigkeit wieder lebhafter eingesetzt. Im Vorfeld unserer Linien beiderseits der Somme spielen sich täglich Gefechte unserer Posten mit Vortruppen des Gegners ab: das Feuer nahm auf St. Guentin, dessen Kathedrale mehrere Treffer erhielt, zeitweilig zu.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Auf dem Schlachtselde an der Aisne ruhte gestern vormittag der Kampf; der Franzose führte seinen Durch- bruchsstoß nach dem Mißerfolg an den Vortagen unter Wirkung der erlittenen Verluste mit den abgekämpften Divisionen nicht fort. - Erst in den Abendstunden setzten Teilangriffe des Gegners ein. Auf dem Beaulner-Rücken, auf den Höhen von Craonne und nordwestlich des Wal- des La Dille aux Bois brachen seine Sturmwellen im Feuer zusammen oder wurden im Nahkampf zurückge­worfen. - Auch bei Le Godat und Eoucy am Aisne- Marnekanal sind feindliche Angriffe abgewiesen worden. - Die am frühen Morgen einsetzenden Angriffe der Fran­zosen in der Champagne brachen nach stärkster, seit Tagen bereits gesteigerter Feuerwirkung in etwa 20 Km. Breite vor; der auch dort vom Feinde erstrebte Durchbruch wurde in unseren Riegelstellungen ausgefangen. Im Gegenangriff wurden den dort kämpfenden französischen farbigen Divi­sionen bereits erreichte Waldstücke zwischen Moronvillers und Auberive wieder entrissen und ihnen an 500 Gefan­gene und eine Anzahl Maschinengewehre abgenommen.

Bei den Kämpfen am 16. April sind von den viel­fach vom Gegner verwendeten Panzerkrastwagen 26 durch unser Feuer zerstört worden. Am gleichen Tage wurden in Lustkämpfen und durch Abwehrkanonen 18 feindl. Flugzeuge abgeschossen. An mehreren Stellen griffen Flie­ger durch Bombenabwurf und Maschinengewehrfeuer in den Infanteriekampf ein. Die Gefangenenzahl hat sich auf über 3000 erhöht.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Auf dem linken Mofelufer und südwestlich von Mül­hausen vorübergehend rege Feuertätigkeit. Nördlich von Münster in den Vogesen holten Stoßtrupps 10 Gefangene aus den französischen Gräben.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert,

Mazedonische Front.

Westlich von Monastir warf kraftvoller Angriff unserer Truppen die Franzosen aus den Stellungen auf dem Er- vena Stena, die etwa in 1 Km. Breite bei den März­kämpfen in Feindeshand geblieben waren. Gegenstöße wurden abgewiesen, über 200 Gefangene mit mehreren Maschinengewehren und Minenwerfern eingehalten.

Der Erste Generalquartiermeister:

Ludendorff.

'

wtb Berlin, 18. April, abends. Bei Arras nichts Neues. - An der Aisne-Front brachte ein Nachtangriff dem Feinde einigen Geländegewinn bei Braye. Beiderseits von Graonne ist nach Scheitern eines französischen Mor­genangriffes ein zweiter im Gange. Auch in der Cham­pagne haben mittags neue Kämpfe begonnen.

»

Ereignisse zur See.

Wien Eines unserer Seeflugzeuge wurde bei einer gelungenen Ausklärungsunternehmung in der Nordadria von mehreren feindlichen Flugzeugen angegriffen und mußte wegen Beschädigung im Luftkampf niedergehen. Drei italienische Flugzeuge, die sich des Unsrigen bemäch­tigen wollten, sielen in die Hand unserer Torpedoemheüen, welche den eigenen Flieger wohlbehalten bargen und vier italienische Flieger, drei Offiziere und einen Unteroffizier, gefangen nahmen.