Preisergebnisse auf der 1. Reichsnährstandsausstellung in Erfurt.
Preise im Milchwirtschafisverband Hessen.
So wie es seit Jahrzehnten bei den Ausstellungen der Deutschen Landwirtschafts - Ausstellung üblich war, findet auch bei der ersten Reichsnährstandsausstellung in Erfurt eine Prämiierung der Tiere und der landwirtschaftlichen Erzeugnisse statt. Bisher liegen die Prämiierungsergebnisse für einen Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse vor. Davon erhielten aus dem Milchwirtschaftsverband Hessen (wir geben insbesondere die Preisträger aus unserer engeren Heimat wieder) erste Preise:
3m Preisbewerb für Milch:
Molkerei e. G. m. b. H., Alsfeld (Hessen), R. H u w e, Büdingen (Oberhessen), Hch. P. Luft, Düdelsheim (Büdingen-Oberhessen-Land), Molkerei e. G. m. b. H., Echzell, Gebr. Grieb, Gießen, Universitätsversuchsgut Gießen, Karl Knauer, Hühnerhof bei Gettenbach (Büdingen- Oberhessen-Land), Milchzentrale e. G. m. b. H., Rieder-Wöllstadt (Oberhessen), Wilhelm Hartmann Loth, Ossenheim bei Friedberg (Hessen), Molkerei e. G. m. b. Sy, Reichelsheim (Wetterau), Molkerei e. G. m. b. H., Schotten (Oberhessen), Anton Meister, Wetzlar, Wilhelm Neumeyer, Winnerod (Gießen- Land).
Preisbewerb für ungesalzene Butler:
Molkerei e. G. m. b. Sy, Alsfeld (Hessen), Molkerei e. G. m. b. Sy, Groß - Felda (Oberhessen), Molkerei e. G. m. b.H., Riebermoos (Oberhessen).
Maler- und Weitzbindermeister tagen in Gießen
Don dem ersten Jnnungsführer der Pflichtinnung der Maler- und Weißbindermeister Gießen-Stadt und -Land, Pg. Stüh l er, gehen uns aus Anlaß des 7. Landesverbandstages des Rhein-Mainifchen Maler- und Tünchermeister-Derbandes am 2. und 3. Juni in Gießen folgende Ausführungen zu:
Das Handwerk, insbesondere das Malerhandwerk, hat eine jahrtaufende alte Geschichte und Tradition. Schorf bei den alten Aegyptern, vor Christi Geburt, stand die Malerei in hohem Ansehen. Bei den Griechen und Römern, bei allen Völkern, die in dem Altertum Weltruf erlangten, treffen wir immer wieder auf die damals schon hochentwickelte Malkunst. Wenn man bedenkt, mit welch primitiven Mitteln der Mensch in diesen Zeiten arbeiten mußte, keine Chemie und keinerlei Hilfsmittel der heutigen fortschrittlichen und technisierten Zeit kannte, der wird immer wieder erstaunt sein, daß uns ihre Arbeiten bis zum heutigen Tage, wenn auch nur zum Teil Bruchstücke davon, erhalten geblieben sind.
Das Mittelalter, die Zeit der Zünfte, sah das Handwerk.auf seinem Höhepunkt. Richt nur, daß Qualitätsarbeit und" Leistungsprinzip, zwei Dinge, die vielen Handwerksmeistern der heutigen Zeit vollständig fremd find, das Höchste und Heiligste war, nein, auch Standesbewußtsein und Berufsehre waren Dinge, die in dem Leben der Zünfte fest verankert waren. Weh dem, der gegen die einfachsten Gesetze verstieß. Kollegiales Empfinden und Verstehen, Unterstützen und Zusammenarbeiten zwi- sch»n den Mitgliedern, zwischen Meister, Gesellen und Lehrlingen war nie so stark entwickelt, als zu Zeiten der Zünfte. Und wir können mit Recht sagen, die Zünfte waren das Rückgrat der damaligen Städte und Staatengebilde.
Dann kam die Zeit des kapitalistischen Einflusses von außen her und zerstörte langsam aber sicher das feste Gefüge der Berufsgruppen. Denn nur dann, wenn es gelang, die festgefügten Verbände zu zerschlagen, konnte der anderen Weizen blühen. Man sah in den letzten Jahren mit Schrecken, daß dies weitgehendst gelungen war. Roch ein zweites kam hinzu: die schrankenlose Gewerbefreiheit! Was zu Zeiten der Zünfte unmöglich war, wurde nun unter der Auswirkung des Liberalismus zur Tatsache. Ob der eine oder andere diesen oder jenen Beruf gelernt hatte, blieb ganz gleichgültig, jeder konnte ein Geschäft beginnen, das ihm gerade zusagte. Und hier lag die Wurzel allen Nebels. Woher will der Nichtfachmann Qualitätsarbeit kennen? Woher Standesbewußtsein und Berufsehre nehmen, die ihm völlig fremd find? Nur der ist stolz auf seinen Beruf und nur dem sind diese Dinge alle in Fleisch und Blut übergegangen und daher heilig, der eben in seinem Beruf von der Pike auf gelernt und sich weiter gebildet hat. Wir mußten im Handwerk in dem letzten Jahrzehnt sehen und sehen es heute noch, wie Ichsucht und Egoismus sich breitmachten und jeder nur an sich selber dachte. Wir wollen auch im Malerhandwerk den wahren Lebensspruch gelten lassen: „Leben und leben lassen" und zwar denjenigen, der es durch ordnungsmäßige Ausbildung zur Meisterschaft gebracht hat, so, wie dies auch in den idealen Zeiten der Zünfte der Fall war. Das Malerhandwerk war von jeher dazu berufen, durch die Farbe, sei es im Straßenbild, sei es im Jnnenraum, Freude in das irdische Leben seiner Mitmenschen hineinzutragen. Durch den wirtschaftlichen Niedergang während der letzten 15 Jahre ist diese frohe Stimmung durch den Mangel an Arbeitsmöglichkeiten sehr getrübt worden. Aber seit der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus, durch unseren Führer und Dolkskanzler Adolf H i 1- ler, blickt das gesamte Handwerk und nicht zuletzt das Malerhandwerk voll fester Zuversicht in die Zukunft. Und wir wollen alles daran setzen, um der Aufbauarbeit der Regierung zum vollen Erfolg zu verhelfen. Unter diesem Gesichtspunkte sei dem 7. Landesverbandstag des Rhein-Mainischen Malerund Tünchermeister-Verbandes ein voller Erfolg be- schieden.
Für den Landesverbandstag sind folgende Veranstaltungen vorgesehen: Am Samstag, 15.30 Uhr, findet eine Obermeistertagung im Hotel Prinz Carl statt; um 20.30 Uhr finden sich die Kollegen zu einem Begrüßungsabend der Maler-Pflichtinnung Gießen im Cafe Leib ein. Der Sonntag, 3. Juni, bringt um 9 Uhr die Arbeitstagung, den Rhein- Mainifchen Malertag.' Für den Sonntagnachmittag ist die feierliche Lossprechung einer Anzahl Lehrlinge vorgesehen. Ein gemütliches Beisammensein beschließt im Restaurant Liebigshöhe die Tagung.
Gieftener Woche«iinarktp reise
Gießen, 31. Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter das Pfund 145 bis 150, Landbutter 130, Kochbutter 110, Käse das Stück 4 bis 10, Eier Kl. S 10*/2, Kl. A 10, Kl. B 9Vs, Kl. C 9, Kl. D 8, Wirsing, grün, das Pfund 15 bis 20, gelbe Rüben das Bund 20, Spinat das Pfund 10 bis 12, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen, grün, 30 bis 35, Spargel 35 bis 40, Erbsen 35 bis 40, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln 3Vr (Zentner 320 bis 330), Aepfel 20 bis 30, Kirschen 30 bis 40, Erdbeeren 60 bis 70, junge Hahnen das Stück 70 bis 90, Tauben 50 bis 60, Blumenkohl 50 bis 55, Salat (3 Stück) 20 bis 25,
Ober-Kohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Radieschen das Bund 8 bis 10 Pf.
Bornorrzen.
— T a g e s k a l e n d e r für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Der schwarze Wal- isch". — Fachschaft „Höhere Schule, im NSLB., Kreis Gießen, 17 Uhr, Physikalisches Institut des Realgymnasiums, Experimentalvortrag von Dr. Heußel. — Marine-Verein, 20 Uhr, Cafe Leib, Skagerrak-Gedenkfeier. — Zirkus Busch, 15.30 und 20.15 Uhr. Volkshallenplatz, Vorstellungen.
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** Gießener Künstlerin nach Wilhelmshaven verpflichtet. Fräulein Gretel Sälzer, eine Gießenerin, wurde für die kommende Spielzeit als erste Kraft für Oper und Operette an das städtische. Theater zu Wilhelmshaven verpflichtet. Die junge Künstlerin, hervorgegangen aus der bekannten hiesigen Gesangsschule Heermann, begann ihre Laufbahn im vergangenen Jahre am Landestheater zu Neustrelitz mit vollem Erfolg.
** Tödlicher Unfall a u f der Land- i r a ß e. Gestern nachmittaa ereignete sich auf der Landstraße zwischen Klein-Linden und Dutenhofen em verhängnisvoller Verkehrsunfall. Der 28jährige Hans Laberenz, der auf feinem Motorrad zwei Kraftwagen überholen wollte, stürzte dabei o schwer, daß er einen schweren Schädelbruch er- itt und sofort in die Chirurgische Klinik nach Siezen eingeliefert werden mußte. Der bedauernswerte unge Mann erlag bereits eine halbe Stunde nach einer Einlieferung den erlittenen schweren Verletzungen. Der Unfall ist um so tragischer, als der Verunglückte erst vor wenigen Tagen heiratete.
** Unfall im Bahnhof. Im Bahnhof Gie- zen ereignete sich in der vergangenen Nacht ein chwerer Unglücksfall. Der 44 Jahre alte Bauschloser Heinrich Rohn aus Wieseck erlitt bei seiner
Arbeit an einer Lokomotive durch ausströmenden Dampf so schwere Brandwunden am Kopf, am Rücken und an den Armen, daß er sofort in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte.
** Verkehrsunfall. Gestern mittag ereignete sich an der Ecke Frankfurter Straße-Liebig- straße ein Derkehrsunfall, der leicht schlimme Folgen hätte haben können. Ein mit Dielen hochbelade- nes Pferdefuhrwerk wollte aus der Frankfurter Straße in die Liebigstrahe einbiegen, als plötzlich der Wagen, der allem Anschein nach der allzu schweren Last nicht gewachsen war, in sich zusammenbrach, so daß die hohe Ladung auf den Fußsteig fiel. Zum Glück war der Fußsteig gerade frei, so daß Menschenleben nicht zu Schaden kamen. Auch die beiden Pferde sind heil davongekommen.
** Straßensperrungen. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird der Hollerweg zwischen Frankfurter Straße und Bahngelände und der Aulweg zwischen Wilhelmstraße und Leihgesterner Weg vom 31 Mai 1934 ab auf die Dauer von 14 Tagen für jeglichen Fahrzeugverkehr gesperrt.
Schöffengericht Gießen.
Unter Ausschluß der Öffentlichkeit befaßte sich das Gericht mit der E. G. aus Butzbach, die in ihrer Eigenschaft als Wirtin ihre Serviermädchen veranlaßte, mit Gästen unsittliche Beziehungen zu unterhalten. Wegen Kuppelei wurde die Angeklagte zu zwei Monaten zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Die Kosten des Verfahrens trägt die Angeklagte.
Ein Mädchen aus Köln spiegelte ihre Zahlungsfähigkeit vor und mietete in einer hiesigen Pension ein Zimmer, ohne dasselbe zu bezahlen. Bei dieser Gelegenheit nahm sie aus einer Handtasche 5 Mark. Unter Einbeziehung einer Strafe von 6 Wochen erkannte das Gericht auf 5% Monate Gesäng-- n i 5.
Nationalsozialistischer Staat und Fliegerei.
Gedanken zur Lustfahrt-Werbewoche 1. —8. Juni 1934.
Es ist auf der einen Seite eine bezeichnende Er- cheinung, jedes beliebige Thema mit dem National- ozialismus in Verbindung zu bringen, wie es auf )er anderen Seite für die Kraft nationalsozialisti- chen Ideengutes zeugt, daß wenigstens der Ver- uch gemacht wird, die Werte nationalsozialistischen Denkens in allem Geschehen unserer Tage zu erkennen und zu fördern.
Nationalsozialismus unb Fliegerei — das eine eine Weltanschauung, das andere ein Segriff, hat in dieser engen Verbindung eine Berechtigung, wie wohl feiten etwas. Das hat seine natürlichen Gründe. Denn die Fliegerei als solche, baut ihre gesamten Leistungen einzig und allein auf den einzelnen Menschen und in der Zusammenfassung der Cinzelleistung auf der Gemeinschaftsleistung auf. Würde die Luftfahrt wohl je eine solche Entwicklung genommen haben bis zum Kriegsausbruch, wenn es nicht das zähe Ringen der Pioniere der Fliegerei gegeben hätte. Würde wohl je die Kriegsliegerei zu solchen unsterblichen Taten gekommen ein, wenn es anders gewesen wäre? Würde die leutsche Sportfliegerei nach dem Kriege und insbesondere nach der nationalsozialistischen Revolution solche Aufgaben zu lösen in der Lage gewesen sein, wenn nicht der Mensch mit seinen wirklichen Werten ausschlaggebend geblieben wäre?
Gerade hier kann man wohl sagen, daß die Fliegerei vollkommen unbewußt und ohne jede Erkenntnis den Nationalsozialismus vorausgelebt hat.
Nicht allein das Fronterlebnis unserer Kriegsflieger ist dabei das Entscheidende; denn sie standen unseren Brüdern im Schützengraben vollkommen gleich in dem eisenharten Willen, sich und damit Volk und Heimat zu verteidigen. Was ungleich viel wertvoller ist und rückschauend schon als National
sozialismus bezeichnet werden darf, ist, daß die physische Kraft unserer Kriegsflieger zu ihren unsterblichen Taten sich aufbaute auf der sauberen menschlichen Leistung selbst des einfachsten Mannes bei der Vorbereitung neuer Flüge.
Was wäre ein Flieger im Kriege gewesen und was würde ein Flieger heute noch fein, wenn er sich nicht felsenfest darauf verlassen könnte, daß seine Monteure und das sonstige Personal nicht alles getan hätten und tun würden, um einen Flug so sicher zu gestalten, wie es eben möglich ist, um der ewigen Sehnsucht des Menschen, Herr auch der Luft zu sein, zu entsprechen.
Es erscheint die Aufgabe der deutschen Sport- fhegerei im Aufbau der Nation als eine ganz besondere, weil das Versailler Diktat und die späteren Abkommen von London und Paris es jiid)t ermöglichen, daß der Staat eine Fliegerei unterhält, oder auch nur Mittel zur Unterhaltung des Betriebes zuweist. Wenn die deutsche Sportfliegerei den Geist unserer unsterblichen Richthofen und Boelcke tief in die Herzen unserer Heranwachsenden Jugend hineinpflanzen soll, so zeigt sich die Größe der Aufgabe angesichts dieser materiellen Beschränkung erst im rechten Licht. Darum hat der Appell an das deutsche Volk, seine Opferwilligkeit und Opferbereitschaft in der Luftfahrt-Werbewoche zu beweisen, eine ganz große Berechtigung; er gibt aber auch jedem einzelnen für feine Opferbereit* schäft und für seine Opfer das stolze Gefühl, durch seine Hilfe an einer Aufgabe praktisch mitgearbeitet zu haben, die durch ihren hohen Idealismus ein wirklicher Träger nationalfozia list ischeu Denkens, Fühlens und Wollens ist.
Am Mittwochnachmittag fand hier im Matthäus- aal eine Tagung des Evangelischen Männerwerks, Bezirk Oberhessen statt. Die Verhandlungen wurden durch Lied und Gebiet eingeleitet. Dekan Scriba (Nidda) begrüßte als Leiter der Abteilung „Dorskirche" im Evangelischen Männerwerk Oberhessen die erschienenen Obleute und Gäste. Auch aus dem Bezirk Nassau nahmen verschiedene Vertreter teil.
Pfarrer Paluk (Berlin), Reichsführer der Abteilung Bauern- und Landgemeinden im Evangelischen Männekwerk, sprach über die
„Aufgaben der Dorfkirchenbewegung in der Kirche im Rahmen des Evangelischen
Männerwerks".
Der Redner schilderte zunächst das kirchliche Leben in seinem seitherigen Wirkungskreis Ostpreußen, sowie die dortigen kirchenpolitischen Verhältnisse. Er wies insbesondere auf das dort bestehende Vertrauensverhältnis der evangelischen Organisationen hin. Volkstum und Evangelische Kirche seien in Ostpreußen in einer Person vereinigt, was für die Arbeit der Kirche von besonderem Vorteil sei. Zur Dorfkirchenbewegung übergehend, schilderte der Redner die Verhandlungen der letzten Reichstagung, erläuterte dann die Stellungnahme der Dorfkirchenbewegung zur Reichskirche und zum Evangelischen Männerwerk. Auf dieser Reichstagung sei der Eintritt der Dorfkirchenbewegung in das Evangelische Männerwerk beschlossen worden. Das Evangelische Männerwerk sei von der Reichskirche anerkannt, seine gesetzliche Verankerung erfolge demnächst in der neuen Reichskirchenoer- sassung. Die Evangelischen Männervereine der verschiedensten Art müßten unter Ausgabe des Der- einscharakters im Evngelifchen Männerwerk auf» geben, das die Organisation sei, in der sich alle evangelische Männerarbeit vollziehe. Im Evangeli- ichen Männerwerk könnten kirchenpolitische Richtungen nicht aufkommen. Das Männerwerk ver- ankere sich in der Gemeinde. Es käme bei der Be- wegung weniger auf die Zahl, wie auf die Quali» tat der Mitarbeiter an. Die Arbeit des Männerwerks könne nur da gedeihen, wo bibelfeste Gemeinden vorhanden seien.
Im zweiten Teil seines Vortrags sprach der Redner über
Dorfkirchenbewegung und Bauerntum.
Er schilderte kurz die Stellung Luthers zum Bauerntum, sprach dann von der Bedeutung des Letz- teren und der Notwendigkeit, daß die evangelische Kirche die Lage des Bauerntums erkenne. Als Kirche Martin Luthers bestehe für diese die Pflicht, Verständnis für die Lage des Bauerntums aufzu
bringen. Dadurch sei es auch möglich, die Sehnsucht des Bauern nach Gott zu erfassen.
In der Aussprache bat zunächst Dekan Scriba (Nidda) für die Abteilung „Dorfkirchenbewegung Oberhessen" im Evangelischen Männerwerk um treue Gefolgschaft. Verband sfekretär Läufer (Darmstadt) sprach kurz über wichtige Organisationsfragen. In der weiteren Aussprache wurde von einem Vertreter aus der Wetterau auf die innige Verbindung des Landvolkes mit der Kirche hingewiesen. Der Bauer sei standhaft in seinem Glauben. Von anderer Seite wurde $um Ausdruck gebracht, daß es wünschenswert fei, die seitherigen Kirchen- gemeinbeuertreter zur Mitarbeit heranzuziehen. Weiter wurde eine weitgehende Verbreitung des Evangelischen Mänyerwerks und der Zeitschrift „Mann und Kirche" als wünschenswert bezeichnet.
Am Schluß der Tagung wurde folgende Resolu- tion gefaßt:
„Die Obmänner des Deutschen Evang. Männerwerks in der Propstei Oberhessen grüßen den Landesbischof von Nassau-Hessen Lic. Dr. Diet - r i ch und danken ihm. für reges Interesse an der Arbeit des Evangelischen Männerwerks. Sie geloben ihm, in allen Gemeinden treu zu arbeiten für Volk und Kirche, Männer zu gewinnen für den Herrn der Kirche und Gemeinden, den lebendigen Christus, die in Haus, Stand, Nachbar- schäft und Gemeinde ine Kirche bauen aus der Kraft des Evangeliums."
Wollannahmestelleu im Bereich der Landesbauernschast Hessen-Nassau.
Der Landesverband der Schafzüchter in Hessen-Nassau gibt bekannt: Der Landes-, verband hat folgende Wollaufnahmestellen errichtet, in welchen Wolle kleinerer Schafhalter im Bereich der Landesbauernschaft Hessen-Nassau abgeliefert werden kann: Firma Karl Jungbluth, Dierdorf, Kreis Neuwied; Firma Luise C h r i st m a n n, Weilburg a. d. L., Limburger Straße Nr. 6; Firma Karl Hadermann, Butzbach, Hessen; Firma Peter Hoffmann, Steindorf bei Wetzlar; Firma rzr. Sänger, Brandoberndorf, Kreis Ufingen; »i™ und H. Schmidt, Katzenellnbogen, Kreis Limburg; Firma Heinrich B e p p l e r, Lang- Göns, Kreis Gießen; Firma Karl Berg, Lang- Göns, Kreis Gießen; Firma Adolf Godofar, Nordeck; Firma G. A. Marr, Goldmühle bei Frohnhausen a. d. L.; Firma Theodor Weigel, Biedenkopf; Firma R. Ritter, Laubach, Kreis' Schotten; Firma E. Ritsche, Wiesbaden, Marktplatz 5.
Versammlung des Hessen-Nassauischen Gemeindetages in Darmstadt.
LPD. 2) ar m ft a b t, 30. Mai. Der Hessen- Nassauische Gemeindetag hielt heute eine Tagung der ihm angehörenden Großstädte des Rhein-Main-Gebietes ab. Die von Bürgermeister Linder, dem Vorsitzenden des Gemeindetages, einberufene Versammlung wurde von Oberbürgermeister Wamboldt als Leiter der gastgebenden Gemeinde im großen Saal des Darmstädter Rathauses eröffnet.
Oberbürgermeister Wamboldt begrüßte die Vertreter der rhein-mainischen Städte und betonte, daß die Tatsache, diese Versammlung gerade in Darmstadt anberaumt zu sehen, als sinnbildlicher Ausdruck für die Einmütigkeit der Gemeinden des rhein-mainifchen Gebietes angesehen werden dürfe. Es werde heute eine Zusammenfassung der rhein-mainischen Städte ins Leben gerufen, welche sich in der fruchtbarsten Weise zum Segen aller beteiligten Kommunalverwaltungen auswirken solle. Wenn es ohnehin seit der Umstellung der öffentlichen Gebarung durch die nationalsozialistische Revolution auch auf dem Gebiet kommunaler Verwaltung nicht mehr angängig sei, die öffentlichen Geschäfte einfach aus sich selbst gehen und treiben zu lassen, so sei dies um so weniger angängig, nachdem durch den einheitlichen Gemeindetag eine Einrichtung geschaffen sei, welche allen beteiligten kommunalen Verwaltungen die Möglichkeit wechselseitiger Fühlungnahme und wechselseitiger Anregung zu bewußt fortschrittlicher Entwicklung gibt. In diesem Sinne sprach er die Hoffnung auf ein gedeihliches Arbeiten der Tagung aus, welcher er gleichzeitig einen guten Verlauf wünschte.
Bürgermeister Linder- Frankfurt dankte für die gastliche Aufnahme des Gemeindetages im Darmstädter Rathaus. Mit einem Hinweis auf das Gesetz über den Deutschen Gemeindetag. in welchem bereits die Bildung von Kreis- und Bezirksabteilungen vorgesehen sei, begründete er die auch gesetzlich unterlegte Daseinsberechtigung des Hessen-Nassauischen Gemeindetages. Er leitete die eigentliche Tagung sodann mit einem kurzen Vortrag über neue organisatorische Maßnahmen auf dem Gebiet kommunaler Verwaltung ein. Die weitere Tagungsfolge brachte wertvolle fachliche Beiträge zu den verschiedensten Verwaltungszweigen von berufenen Vertretern der einzelnen Gemeinden. Jeder dieser in knapper Zusammenfassung inhalt- reichen Vorträge löste einen lebhaften Wechsel von Meinungsäußerungen und Fragen aus. Die an diesen Erörterungen wesentlich beteiligten Städte Darmstadt, Frankfurt, Kassel, Gießen, Wiesbaden, Mainz und andere waren in der Lage, aus ihrem Erfahrungsreichtum Wertvolles zu Den einzelnen Erörterungen beizutragen.
Die sich vom Vormittag bis in den frühen Nachmittag erstreckende Sitzung bedeutete für alle Beteiligten eine wertvolle Bereicherung, so daß am Schlüsse der Wunsch nach einem bald zu wiederholenden Zusammentritt des Hessen-Nassauischen Gemeindetages laut wurde. Bürgermeister Linder gab der Versammlung mit einem „Sieg-Heil" auf den Führer einen würdigen Abschluß.
Tagung der Gas- und Wafferfachleute in Frankfurt.
LPD. Frankfurt a. M., 29. Mai. Der Deutsche Verein v on Gas - und Wasserfachmännern wählte Frankfurt, feinen Gründungsort, zur Feier des 75jährigen Bestehens. Mehr als 1200 Vertreter der deutschen Wirtschaft waren erschienen. Direktor Hartmann (Breslau) konnte am Dienstag zahlreiche Ehrengäste der Regierung, der Partei, her technischen Verbände, sowie die ausländischen Fachorganisationen begrüßen. Mit besonderem Beifall wurden die Vertreter Oesterreichs und des Saargebiets begrüßt. Direktor Hartmann verkündete die Verleihung der höchsten Auszeichnung des Vereins, der Bunsen-Pettenkofer- Ehrentafel für Direktor Holthusen (Hamburg). Sodann wurde der Jahresbericht erstattet. Für Staatssekretär Feder sprach für Reichsbehörden und Parteileitung der Stabsleiter der Witab, Dipl.- fngenieur Seebauer (München). Wenn am .Juni die organisatorischen Maßnahmen bekannt- gegeben werden, die von der Regierung zum Zwecke einer einheitlichen Führung der Energie- und Verkehrswirtschaft angeordnet sind, so wird damit zugleich mit vielen Befürchtungen in Gasfachkreisen aufgeräumt. Die nationalsozialistische Staatsführung befasse sich nicht nur mit dem Problem der Elektrowirtschaft, sondern auch mit dem Gasfach.
Der Präsident des Deutschen Gemeindetages, Dr. Ieserich, verbreitete sich über die Zusammenhänge von Gas und Elektrizität unter dem Gesichts- punkte einheitlicher Energiebereitstellung. Gas sei alles andere als eine überholte Energie. Vielmehr ständen ihm, in vernünftigem Wettbewerb mit der Elektrizität, aber auch konkurrenslos auf vielen Gebieten, Verwendungsmöglichkeiten zu, die das ganze Gasfach über seinen heutigen Entwicklungsstand hinausheben müssen.
Der Präsident der Internationalen Gasunion, Direktor Escher- Zürich, überbrachte die Einladung an die deutschen Gasfachleute zum internationalen Gaskongreß im September in Zürich. Die Zweigvereine haben ihrem Hauptverein 9000 RM. für die Lehr- und Versuchsgasbacköfen der Bäckereischule Berlin gespendet. Anschließend wurde in die fachliche Tagesordnung eingetreten.
Generaldirektor Dr. Rübling- Stuttgart entwickelte die Gesichtspunkte einer planvollen Energiewirtschaft im Interesse der Gesamtheit. Mit Entschiedenheit sei Front zu machen gegen die Meinungen, die die Aufgaben des Gases als überholt oder grundsätzlich durch die Elektrizität als erfüllt ansähen. Für das Gas beständen ebenso wie für die Elektrizität noch unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeiten, und es komme nur darauf an, eine Regelung zu finden, durch die beide Energiearten sich nicht mehr unnütz bekämpfen, sondern gegenseitig unterstützen.
Die Frage der Tarifreform in der Gaswirtschaft behandelte in einem besonderen Vortrag Direktor Winkler- Frankfurt. Notwendig sei eine gewisse Vereinheitlichung des Tarifsystems mit Preisverbilligung bei steigendem Verbrauch. Dte Preisbildung müsse nicht nur den individuellen Verhältnissen des einzelnen Abnehmers Rechnung tragen, sondern auch dem Verwendungszweck des Gases angepaßt fein.
Direktor Wolff - Essen besprach die Einordnung der Gaswirtschaft in die gesamte deutsche Wärmewirtschaft. Er betonte, daß der moderne Gasofen alle Anforderungen der neuzeitlichen Wärmetechnik erfülle. Ein weiterer Vortrag von Oberingenieur M an ser- Hamburg befaßte sich mit der angestrebten Gasgemeinschaft, den Gasvertrieb durch Gemeinschaftsarbeit und hochwertige Gasgeräte.


