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Aus der Provinzialhauptstadt.

Oiepflege der Lippen und des Mundes.

Von Or. med. Gert Losch.

Bei der Lippenpflege ist zunächst daraus zu achten, daß die Lippen ein frisches, rotes, glattes Aussehen haben. Die prophylaktische Lippenpflege hat vor allem das Vermeiden des Aufspringens der Lippenhaut zum Ziel. Schädigend sind: Unbilden der Witterung, scharfe Speisen und Tabak. Man verwendet Lippenpomaden (Mischungen aus Wachs, Walrat und Mandelöl). Diese Pomaden haben nichts mit dem roten Lippenstift zu tun, der ein Kapitel für sich ist.

Zu den wichtigsten Zweigen der Kosmetik gehört die Zahnpflege, weil die Zähne für den ästhetischen Eindruck der Gestalt von ausschlaggebender Wirkung sind. Schlecht gepflegte Zähne verderben jede sonst noch so vorteilhafte Erscheinung. Das Ideal ist: Lückenlosigkeit der Zahnreihe, keine Karies, die zur Zerstörung des Zahnschmelzes führt, und eine reine, weiße Farbe.

Die Karies hat eine der wichtigsten Ursachen des schlechten Mundgeruchs, der in der Kosmetik als gefährlichster Entstellungsfaktor gilt. Menschen mit unangenehmem Mundgeruch leiden unter den schwersten beruflichen und persönlichen Schädigun­gen. Ursachen sind mangelhafte Säuberung, beson­ders bei Vorhandensein von Zahnlücken und kranken Zahngeweben, und Erkrankung des Zahnfleisches. Aber auch eine Anzahl anderer Erkrankungen, vor allem des Magens und des Darms, des Rachens und der Nase mit ihren Nebenhöhlen vermögen einen schlechten Geruch zu erzielen.

Zur wichtigen täglichen Mundpflege gehört das mehrmalige Ausspülen des Mundes und das Gur­geln. Weder zu kaltes, noch zu heißes Wasser soll dabei Verwendung finden, das Wasser muß lau tem­periert sein. Erst nach gründlicher Mundausspü­lung soll die Zahnbürste in Erscheinung treten. Die Bürste darf nicht zu groß sein. Die Bewegungen der Bürste müssen sowohl in horizontaler als auch in vertikaler Richtung und auf der Kaufläche mehr­mals die vorderen und Hinteren Zahnreihen säubern. Die Bürste kann von mittlerer Härte sein. Gesundes Zahnfleisch darf bei der Behandlung mit einer mittelharten Bürste nicht bluten, im Gegenteil wird es durch den Reiz des Bürstens gefestigt und ab­gehärtet. Die Zahnbürsten für Erwachsene sind vier­reihig, die harten aus Schweinsborsten, die weichen aus Dachshaaren.

Eine neue Zahnbürste muß vor Gebrauch gut gereinigt und desinfiziert werden. Nach dem Putzen der Zähne erfolgt nochmals gründliche Waschung der Mundhöhle. Diese Säuberung muß mindestens zweimal täglich erfolgen.

Als Grundsubstanz der Zahnpasten findet man fast immer Schlemmkreide oder gefällten kohlen­sauren Kalk, vermischt mit Glyzerin, Honig oder Tragantschleim, am häufigsten mit Pfefferminzöl aromatisiert. Die Benutzung von Zahnwässern hat außerordentlich zugenommen. Zur Desinfizierung der Mundhöhle ist es empfehlenswert, von Zeit zu Zeit Wasserstoffiuperoxyd (ein Eßlöffel auf ein Glas Wasser) zu nehmen.

Was tatest du für die deutsche Luftfahrt?

Versailles zerschlug die deutsche Fliegerei als Teil der deutschen Waffenrüstung, London und Paris verboten dem deutschen Staat und seinen Regierungen, eine Fliegerei zu betreiben und aus staatlichen Mitteln zu fördern! Wohl wurden 15 700 Flugzeuge und 27 757 Flugzeugmotore vernichtet,

Werde Ühtglltd im deutschen Luftsport-verbooü l

Das Deutsche Volk muß ein Volk f)trmann Goring vonZliegern werden!

aber den Fliegergeist konnte nichts beirren! Unter unsäglichen Mühen und Opfern, getragen vom opferwilligsten Idealismus, erstand die deutsche Segelfliegerei und erobert sich eine Weltstellung!

Einst wird man dich, deutscher Volksgenosse, fragen, was du denn tatest für die deutsche Luftfahrt? Was bedeutet es dann, gemessen an den großen nationalen und sittlichen Aufgaben der deutschen Fliegerei und den Opfern ihrer Träger in den Jahren nach dem Großen Kriege, wenn du sagst, du hättest dann und dann einmal ein Ab- Ä gekauft, hättest auch gespendet! Nein, die

. ,e Fliegerei will mehr von dir! Will, daß der Flieaergeist eiserner Bestand auch deines Den­kens uno Fühlens wird, will, daß auch du zum Träger dieses Geistes wirst, des Geistes, der heute mit seinem Tatwillen auch deine und deiner Kinder Zukunft formt!

Deutscher Volksgenosse! Dein Entschluß, Mit­glied im Deutschen Luftsport-Verband zu wer­den, ist nicht abhängig vonErwägungen"!

Anmeldungen bei: Flieger-Ortsgruppe Gießen (Kreisamt), Fernruf 2951, 2952.

Vereidigung in der Universität.

Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Nach seiner Vereidigung durch Staatsminister Jung vereidigte der Rektor der Landesuniversität Professor O. Bornkamm am Mittwoch, Dem 29. August, 11 Uhr, in der festlich geschmückten Aula der Landesuniverlität die Beamten der Universität mit einer kurzen Ansprache.

NS.<Semeinschaft»Krast durch Sreuöe"

Kreis Gießen.

Ferienfahrt vom 8. bis 16. September: Hamburg mit anschließender Seefahrt mit dem Dampfer Monte Olivia" nach Norwegen. Anmeldungen für diese Fahrt werden noch bis zum Freitag, 31. August, entgegengenommen.

3. Rheinfahrt am Sonntag, 9. September: Für diese Rheinfahrt ist der letzte Anmeldetag Samstag, 1. September.

Tonfilmvorführer! Achtung!

Die Gaufilmstelle Hessen-Nassau der NSDAP., Frankfurt a. M., Kronprinzenstraße 42, ersucht alle Vorführer, die Tonfilmapparaturen besitzen oder erwerben können, sich sofort zu melden.

Frankfurt a. M., 28. August 1934.

i Goufilm stelle Hessen-Nassau.

Presseabteilung.

Auflösung des Evangelisch - kirchlichen Landesjugendamtes in Hessen.

ELP. Die dem Evangelisch-kirchlichen Landes­jugendamt in Hessen nach Der Errichtung des Amtes eines Landesjugendpfarrers der Evangelischen Lan­deskirche Nassau-Hessen noch verbliebenen Aufgaben werden mit Wirkung vom 1. Oktober 1934 ab von dem Landesverein für Innere Mission übernom­men. Das Evangelisch-kirchliche Landesjugendamt der ehemaligen Evangelischen Landeskirche in Hes­sen wird mit dem 30. September 1934 aufgelöst.

Reichlustschuhbund.

Ortsgruppe Gießen.

Wie uns der Reichsluftschutzbund, Ortsgruppe Gießen, mitteilt, werden den Werbern, die zur Zeit mit Anmeldeformularen herumgehen, bei der Zahlung des geringen Jahresbeitrages von nur 1 Mark oft Schwierigkeiten bereitet. Auck bei der Aufforderung zum Beitritt in den Luftschutzbund stoßen die Werber oft auf eine geradezu unver­ständliche Ablehnung, bei der die Grenzen der Höf­

lichkeit zuweilen leider überschritten werden. Von allen Stellen des Reiches und der Länder, sowie der Partei wird stärk- stens die Mitgliedschaft im Reichs­luftschutzbund gefordert, die eine Selbstverständlichkeit jedes deutschen Volksgenossen sein sollte. Es wird in Zukunft erwartet, daß die Werber in ihrer Arbeit für den Luftschutzgedanken höflich empfangen wer­den und das Unterschreiben der Beitrittserklärung sowie die Abführung des Jahresbeitrages als eine nationale Pflicht betrachtet wird. Hierzu fei noch aufklärend bemerkt, daß die Mitgliederbeiträge der Mitglieder, die Ende vorigen und Anfang dieses Jahres beigetreten sind, für das neue Geschäfts­jahr, das ab 1. April 1934 bis 1. April 1935 läuft, kassiert werden. In Anbetracht dieser Neuregelung des Geschäftsjahres und des geringen Beitrages wird erwartet, daß keine Schwierigkeiten bei Der Zahlung gemacht werden.

Beitrittserklärungen werden auch in der Ge­schäftsstelle der Ortsgruppe des Reichsluftschutz- bundes Gießen, Gartenstraße 2 (alte Bürgermeiste­rei), entgegengenommen.

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* Gießen, 30. Aug. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,45 bis 1,50 Mark, Landbutter 1,35 bis 1,40 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inlän­dische), Klasse S 10^, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8, Wirsing, das Pfund (grün) 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 25, Erbsen 40, Tomaten 10 bis 12, Zwiebeln 12, Meerrettich 80, Rhabarber 8 bis 10, Kürbis 8 bis 10, Pilze, 40 bis 60, Kartoffeln 5 Pf., der Zentner 4,50 bis 5 Mark, Frühäpfel, das Pfund 10 bis 20, Falläpfel 3 bis 4, Pfirsiche 20 bis 35, Brombeeren 20 bis 30, Preißelbeeren 35 bis 40, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 8 bis 10, Mirabellen 15 bis 18, Reineclauden 15, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 90, Enten 80 bis 90, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 10, Salat­gurken 15 bis 25, Einmachgurken 1 bis 2, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bund 10 Pf.

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Tageskalender für Donnerstag: NSLB., Geschichtliche Fachschaft, 17 Uhr, Seminar­zimmer der Oberrealschule. Lichtspielhaus, Bahn­hofstraße:Das Schloß im Süden .

** Evangelisch.kirchliche Persona- lien. Uebertragen wurde dem Dsarrperwalter Walter Th. Becker zu Burg-Gemünden die Pfarr­stelle zu Burg-Gemünden, Dekanat Grünberg, mit Wirkung vom 1. Oktober 1934. Ernannt wur­den: Pfarrassistent Wilhelm V e l l e r zu Worms zum Pfarrassistenten in der Schloßkirchengemeinde zu Offenbach a. M. und Pfarrassistent Heinrich S t e i tz zu Offenbach a. M. zum Pfarrassistenten in der Luther- und Magnusgemeinde zu Worms. 3n den Ruhestand versetzt wurden auf ihr Nach­suchen und unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vorn 1. November 1934 ab die Pfarrer Heinrich Brill zu Groß-Steinheim, Ludwig S c r t b a zu Groß-Gerau, Franz Bern- b eck zu Worms und Jakob Biegler zu Metten- heim. Aus dem Dienst der Evangelischen San» oeskirche Nassau-Hessen entlassen wuroe auf seinen Antrag Pfarrer Georg G r ü n d l e r zu Königs- berg, Kreis Biedenkopf, mit Wirkung vom 30. Sept. 1934. Er übernimmt eine Pfarrstelle in Barcelona (Spanien).

** Ernennungen bei der Finanz- Verwaltung. Zum Steuersekretär ernannt wurde der Steuerassistent Heinrich Pfeiffer beim Finanz­amt Nidda; zum Steuerdiätar ernannt wurde der Steuersupernumerar Martin Steiner vorn Finanz­amt Gießen.

"Reichen Ob st fegen kann man gegen­wärtig an den Bäumen unserer Landstraßen und

in den Gärten bemerken. Aepfel und Birnen dürf­ten einen Ernteertrag bringen, der die Odstversor- gung der Verbraucherschaft zu annehmbaren Prei­sen für Verkäufer und Käufer in ausreichender Menge ermöglichen wird. Teilweise ist man zur Zeit mit dern^Pflücken des Obstes beschäftigt, wobei man schöne, gesunde Früchte in den Körben liegen sieht. Der lebhafte Wind in den letzten Tagen hat zum Teil allerlei Fallobst von den Bäumen ge­worfen, das aber verhältnismäßig guten Absatz findet.

** Die Schweinezwischenzählung am 4. September betrifft eine Bekanntmachung

der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigen­teil, aus die besonders hingewiesen sei.

** Eine Obstbaumzählung ist vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft für den Spätsommer 1934 angeordnet worden. In Hessen wird die Zählung vom Landesstatistischen Amt durchgeführt, die örtliche Zählung in den Ge­meinden ist den Bürgermeistereien übertragen wor­den. Ehrenamtliche Sachverständige als Zähler werden in der Zeit vom 5. bis 20. September unter Benutzung von Zähllisten die angeordneten Fest­stellungen vornehmen.

Hier spricht die NSV.

Wenn im nationalsozialistischen Staat der Ge­danke gerade der Müttererholung Wirklich­keit wurde, ja in dem Ausmaß der Verwirklichung neu und einzigartig ist, so ist er nicht nur im Hin­blick auf das Wohl des einzelnen gedacht, sondern die Gesamtheit, die ganze Volksgemeinschaft soll einen Wert davon erhalten.

Um aus diesen Wochen der Erholung nun das Bestmöglichste für Körper und Geist zu erzielen, muß

die Erholungszeit planmäßig und nach gesund- helllichen Grundsätzen gestaltet werden.

Es ist wesentlich, daß die Mütter nicht in Pensio­nen untergebracht werden, die für das leibliche Wohl sorgen, im übrigen aber für die besondere Lage der verschickten Mütter kein Verständnis be­sitzen. Man muß sich vergegenwärtigen, daß die zur Erholung verschickten Mütter in der Regel Frauen sind, die mindestens drei, in den meisten Fällen aber fünf und mehr Kinder haben. Naturgemäß nimmt die Mutter die Gedanken über das Wohl­ergehen der Familie mit in die neue Umgebung. Für ein vollkommenes Ausspannen muß aber ver­sucht werden, auch diese Gedanken auszuschalten. Es kann nur geschehen durch die Betreuung von Menschen, die die Nöte dieser Mütter kennen und durch psychologisches Verständnis und die Einwir­kung ihrer Persönlichkeit versuchen, sie davon los­zulösen.

Um auch der Mutier, die zu Hause nur haus­halt und Kindersorgen kennt und in der Regel für andere geistige Dinge keine Aufnahmefähig­keit besitzt, Anregung zu geben, ist es notwen­dig, daß die Abendstunden ausgefüllt werdet durch Lesen guter, nicht zu schwerer Bucher, Singen, Spiele, Aussprachen über akute Tages­fragen, in Ausnahmen auch einmal Erziehungs­fragen.

Die Erholungszeitgestaltung darf nicht die Kräfte überanstrengen, sie muß Entspannung fein, in die Anregung geschickt verflochten ist. Da­zu muß noch die bewußte gesundheitliche Förde­

rung der verschickten Mutter kommen. Es muffen Hilfsmittel, wie leichtes Turnen, Atemgymnastik, Liegekuren, Sonnenbäder angewandt werden, um auch hier das Bestmöglichste zu gewinnen. Eine in­dividuelle Behandlung auf diesen Gebieten kann aber nur in Heimen geschehen, die vollkommen auf die Eigenart dieser kinderreichen verschickten Mütter eingestellt sind. Die NS. - Volkswohlfahrt ist bestrebt, solche Heime in-s Leben zu rufen. In kleinem Umfang bestehen sie auch schon. Sie wirbt daher um das Interesse aller Volksgenos­sen, vor allem derjenigen, die sich des großen bevöl­kerungspolitischen Wertes der Einrichtung der Müttererholung" bewußt sind.

Die RS.-Volkswohlfahrt bittet um den Eintritt der weitesten Volkskreise in ihre Organisation.

Der Eintritt erfordert ein kleines finanzielles Opfer. Doch Opfer bringen zu dürfen für eine Sache, die so viel Werte für Gegenwart und Zukunft in sich birgt, kann nur Freude, ein großes Maß inne­rer Freiheit und Entfaltung, aber niemals Bela­stung fein.

In unermüdlicher Arbeit erschöpfen sich die Hel­fer und Helferinnen der AbteilungM utter und Kind" in allen Städten und Orten unseres gro­ßen Gaugebietes. In gleicher Weise und mit großer Siebe malten die Helfer in den Heimen der NSB. ihres verantwortungsvollen Amtes. Im Odenwald, im Spessart, im Taunus und an der Sahn und an allen schönen Plätzen unseres heimischen Gaues holen sich deutsche Mütter Kraft und Stärke für den stets neuen Sebensfampf.

Es ist deshalb nicht zuviel, wenn alle Helfer der AbteilungM utter und Kind" an dich mit der Bitte herantreten:

Vulerftuhe auch Du uns in unserer schweren Arbeit. Werde Mitglied der Rationalsozialistt-

schen Volkswohlfahrt."

Kreisamtsleitung der NSV. Gießen.

Willi H a i n b a ch, Kreispropaganda- und Presfewalter der NS.-Volkswohlfahrt.

Kommunalpolitische Tagung in Alsfeld.

& Alsfeld, 28. Aug. Arn gestrigen Montag fand unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. V ö l - fing eine Tagung der Kreisabteilung Alsfeld des Deutschen Gemeindetags, Sandesdien st stelle Hessen, statt, zu der alle Bürgermeister des Kreises Alsfeld erschienen waren. Der Tagung wohnte auch der Geschäfts­führer Dr. ©ob vom Hessen - Nassauischen Ge­meindetag bei.

Nach einleitenden Begrüßungsworten des Vor­sitzenden und verschiedenen dienstlichen Mitteilun­gen des Kreisdirektors Dr. Stammler hielt Dr. G ö b einen Vortrag über das Thema

Der Stand der Gemeindefinanzen".

Er gab in feinem tiefgründigen, ausgezeichneten Referat zunächst einen Ueberblick über den Aufbau des Deutschen Gemeindetags und über dessen Zwecke und Ziele. Der Deutsche Gemeindetag stellt nun­mehr im Gegensatz zu früher eine Einheitsorgani­sation der Städte, der Sandgemeinden und der Provinzen und Kreise dar.

In eingehenden Ausführungen beschäftigte sich der Redner sodann mit dem Gemeindefinanz- Problem. Er bezeichnete es als einen Hauptfeh­ler des früheren Systems, daß es den Gemeinde­finanzen als Grundlage des Staates nicht die er­forderliche Aufmerksamkeit habe zuteil werden las­sen. Die Sage der Gemeinden sei immer schwieri­ger geworden. Bei der Machtübernahme Adolf Hitlers sei die Finanzlage der meisten deutschen Ge­meinden infolge der immer mehr steigenden Ar­beitslosigkeit geradezu trostlos gewesen. Die Regie­rung Adolf Hitler habe in eineinhalb Jahren ge­zeigt, daß sie in der Sage ist, die Gemeinden wie­der zu einem gesunden Eigenleben zu entwickeln. In dem großen Reformwerk Hitlers seien zwei Hauptaufgaben hervorzuheben: die Rettung des deutschen Bauernstandes und die Eingliederung der Erwerbslosen in den Arbeitsprozeß. Hieran hätten die Sandgemeinden ein besonderes Interesse, denn Sandgemeinden und Bauern gehören zusammen. Dr. ©ob warnte die Gemeinden davor, bei der Beschaffung von Arbeitsgelegenheit planlos zu han­deln, vor allen Dingen dürfe keine neue Verschul­dung der Gemeinden eintreten. Die Maßnahmen der Regierung hätten zweifellos schon eine Erleich­terung für die Gemeindefinanzen gebracht.

Der Vortragende ging bann auf Den Neuaufbau des Reiches im Zusammenhang mit der bevor­stehenden Reichsreform ein. Voraussetzung für die Finanzresorm sei zunächst die Reichsreform. Erst wenn die Gliederung des Reiches feftstehe, werde man an die neue Aufgabenoerteilung heran­treten, und erst wenn diese Fragen geregelt feien, könne der Finanzausgleich in Angriff genommen werden. Das Problem der Reichsreform bedürfe einer sehr sorgfältigen Behandlung.

Der Redner gab sodann einen Ueberblick über die Hauptgrundzüge der kommenden Reichs- gemeindeordnung und erläuterte diese. Sie finb: Führerprinzip, Fortfall aller Wahlen, Ein­klang aller Organe der Gemeindeverwaltung mit den Staatszielen. Der BegriffSelbstverwaltung" werde im neuen Staat einen ganz anderen Inhalt bekommen. Gemeinden und Staat werden zusam­mengefaßt auf das große Ziel des Volksganzen. Die Verwirklichung des unbedingten Sparsamkeits­willens werde in erster Sinie zur Geltung kommen müssen.

Von Interesse war die Mitteilung des Referen­ten, daß eine kommunalpolitische Schule im Gau Hessen-Nassau errichtet werden wird, in welcher alle kommunalen Seiter geschult werden sollen.

Als die hauptsächlichsten Ziele der kommenden Finanz- und Steuerreform bezeichnete

Dr. ©ob die Vereinfachung des gesamten Steuer­wesens durch Zusammenfassung der Steuern und die Gestaltung der Steuern derart, daß diese so­zial und wirtschaftlich tragbar wären. Der Redner erläuterte sodann die Grundzüge des Reinhardt» schen Steuerprogramms. Er übte scharfe Kritik an dem seitherigen Finanzausgleich, den er als ver­fehlt bezeichnete. Im neuen Finanzausgleich mürben die Interessen des flachen Sandes besser gewahrt werden als seither. Es sei ein großer Fehler gewe­sen, das Schwergewicht des Finanzausgleichs nur auf das Aufkommen aus der Einkommensteuer zu legen.

Am Schluffe feiner Ausführungen gab der Red­ner eine sehr interessante Uebersicht über den g e genroärtigen Stand der Gemeinde» finanzen und über das Gesamtbild der @e- meindevoranschläge der Rechnungsjahre 1933 und 1934. Hier sei unbestreitbar eine Besserung festzu­stellen. Auch in der Kassenlage der meisten ©e« meinben sei bereits eine Besserung zu verzeichnen.

Als zweiter Redner behandelte der Direktor des Arbeitsamtes Gießen, Regierungsrat Dr. S i ft, das Thema

Arbeitsbeschaffung und Rotstandsarbeiten im kommenden Winter."

Er gab bekannt, daß die Reichsanstalt für Ar­beitslosenversicherung erhebliche Mittel für Not­standsarbeiten für den kommenden Winter zur Ver­fügung gestellt habe. Der Förderungssatz betrage pro Tagewerk 2,50 Mark. Wichtig bei den Not« standsarbeiten sei, so betonte der Redner, daß die Gemeinden nur volkswirtschaftlich wert­volle und rentable Arbeiten ausführen lassen. Als solche bezeichnete er Bodenverbesserun- gen, Bachregulierungen, Wegebauten, Wasserleitun­gen. Es sei Pflicht jeder Gemeinde, xu prüfen, welche Arbeiten sie im Winter in Angriff nehmen könne. Es erscheine notwendig, im kommenden Win­ter Notstandsarbeiten in größerem Umfange durch­zuführen. Dr. S i st gab sodann noch einige Hin­weise über die Restfinanzierung der Notstands­arbeiten durch Gewährung von Darlehen bei dsn in Betracht kommenden Kreditinstituten. Der Red­ner schloß mit einem Appell an die Bürgermeister, sich die Förderung der Notstandsarbeiten im kom­menden Winter besonders angelegen fein zu lassen.

Den dritten Vortrag der Tagung hielt Prokurist P e tz o l d von der Allianz und Dem Stuttgarter Verein Versicherungs-AG. über das Thema

Sauttonsversicherung der Gemeinderechner".

Er wies darauf hin, daß das Interesse an diese? Versicherung überall gestiegen sei. Die Kaution-- Versicherung bedeute für die Gemeinden eine we­sentliche Entlastung.

Aus den Ausführungen von Kreisdirektor Dr. Stammler war zu entnehmen, daß das Kreis­amt in der Angelegenheit bis jetzt noch feine Ent­scheidung getroffen hat.

Infolge der vorgeschrittenen Zeit mußte bas für die Tagung weiter vorgesehene Referat von Bür­germeister Dr. V o l s i n g über das neue Reichs­jagdgesetz vom 3. Juli 1934 für die nächste Ver­sammlung verschoben werden. Bei der

Aussprache über laufende Verwaltungs­angelegenheiten

machte Kreisbauernführer Geiß verschiedene Mit­teilungen über die ungeordnete Fest stellung der Ernte. Er bezeichnete es als unbedingt not­wendig, daß die Feststellungen mit größter Genau­igkeit vorgenommen werden.

Nach Erledigung der Tagesordnung schloß der Vorsitzende die lehrreiche Tagung der Kreisubtei- lung mit einem begeistert aufgenommnen Sieg' Heil auf den Führer und Dolkskanzler.