lk. 202 Zweiter Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)Donnerstag, 30. August (93^
19 Uhr: Aufstellung der 50 000 Hitlerjungen im Stadion.
20.30 Uhr: HI.-Großkundgebung. Der Reichsjugendführer Baldur von Schirach spricht. 1000 HJ.-Fahnen werden geweiht. Großer Zapfenstreich der 1000 Spielleute.
22.30 Uhr: Rückmarsch der 50 000 mit Fackeln zum Lager.
21 Uhr: Große Abendfeier der 50 000 Pimpfe im Jungvolklager.
23 Uhr: Der Reichsjugendführer im Jungvolklager.
Sonntag, 2. September:
7 Uhr: Die ersten der 100 000 eröffnen den Vorbeimarsch vor dem Reichsjugendführer am Eisernen Steg.
Ab 16 Uhr: Besichtigung der Ausstellung und Beginn des Rücktransportes.
An alle Arbeitgeber der Hitler-Jugend des Gebiets 13.
Die Gebietsführung der Hitlerjugend veröffentlicht folgenden Aufruf:
„Am kommenden Samstag und Sonntag werden 100 000 Hitlerjungen in Frankfurt a. M. zu ihrem ersten Gebietstreffen aufmarschieren. Bereits am Freitag müssen die Jungens sich in Marsch setzen, um dem Aufmarschbefehl gemäß einzutreffen.
Jeder der Jungens brennt darauf, an diesem einzigartigen Erlebnis teilzunehmen. Roch nie hat Deutschland einen derartigen Aufmarsch erlebt.
Es darf keinen Arbeitgeber geben, der seinen Lehrlingen die Möglichkeit nicht gibt, nach Frankfurt zum Gebietstreffen zu kommen, auf daß die Losung des Tages der 100 000 in die Tat umgesetzt werde:
Marschierender Wille! Junge Kraft! Sozialistische Tat!
Wir erwarten, daß jeder Arbeitgeber seinen Lehrlingen für die Teilnahme an dem großen Gebietstreffen ausreichend Freizeit gibt. Denn keiner darf fehlen an dem lag des großen Bekenntnisses zur deutschen Schicksalsgemeinschaft." Den 100000 zum Gruß!
LPD. Frankfurt, 29. Aug. Zum Gebiets- aufmarsch der HI. am kommenden Samstag und Sonntag erläßt Präsident Dr. Carl L ü e r folgenden Aufruf:
Euch, Hitler-Jungens, die Ihr von nah und fern zur alten Reichs- und Krönungsstadt geströmt seid, rufe ich ein herzliches Willkommen zu. Das Wort von Pg. Dr. Goebbels: „W er die Zukunft hat, der hat die Jugend!" stellt Ihr durch Eure Tagung, die mir zu diesem Gruße Anlaß gibt, von neuem eindrucksvoll unter Beweis. Dafür gebührt Euch der Dank aller schaffenden Volksgenossen. Vermag doch keine Kraft der deutschen Wirtschaft stärkeren Auftrieb zu verleihen als die Gewißheit, daß die Besten unserer Jugend am Werke sind, des Reiches Neubau fortführen zu helfen und dereinst zu vollenden!
Gez. Prof. Dr. Carl L ü e r ,
Präsident des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages, Reichsführer des Handels.
Geleitwort
des Landesbauerniührers.
LPD. Frankfurt a. M., 29. August. Landesbauernführer Dr. Wagner veröffentlicht zum Gebietsaufmarsch der HI. folgenden Beitrag:
In diesen Tagen, am 1. und 2. September 1934, wird die altehrwürdige Stadt Frankfurt widerhallen von den Marschtritten unserer Hitlerjugend. Disziplinierte Jugendkrast, beseelt von einem großen nationalen und sozialen Willen wird am Tage der Hunderttausend uns allen das stolze Bewußtsein geben, daß die deutsche Jugend aller Schichten und Stände aus Stadt und
Land zum Segen unseres Vaterlandes den Weg zu der großen Gemeinschaft aller derer gefunden hat, die in starkem Verantwortungsbewußtsein heute das Schicksal der Ration auf den Schultern tragen.
Noch nie hat im Laufe unserer deutschen Geschichte unsere Jugend so fest und so geeint dagestanden. Noch nie ist ihr junger Lebenswille so sehr über sich selbst hinausgewachsen zu dem Willen einer großen Schicksalsgemeinschaft, welcher als bewuhtgewordenes deutsches Blutsgefühl das Leben der Nation mit dem eigenen Leben auf immer verbinden und verketten will.
Daß diese Kraft und dieser Wille nie mehr aus- sterbe, daß er vielmehr stets bewußter und überzeugender werde, möge allen denen, die am Tage der Hunderttausend das Gemeinschaftserlebnis deutscher Jugend haben dürfen, zum innersten und besten Eigentum werden. Der in den marschierenden Kolonnen verkörperte Gedanke von Blut und Boden als höchster symbolischer Ausdruck unseres Volkseins soll uns allen eine Mahnung sein, in gleichem Geist und gleicher Disziplin di- Mission unseres Volkes mit erfüllen zu helfen: Den Ausbau unseres nationalsozialistischen Dritten Reiches.
Nie Ausstellung -er HZ.
Frankfurt a. M., 29. Aug. (LPD.) Noch acht Tage wird auf dem Frankfurter Messegelände die große Ausstellung „Kampf und Sieg der H I." gezeigt. Aus der Gemeinschaftsarbeit von 30 Hitlerjungen entstanden, vermittelt die Schau einen überwältigenden Eindruck von dem unbedingten Willen zum Aufbau des neuen Reiches. In Geschlossenheit und Disziplin hat sich die Hitlerjugend hier ein beispielhaftes Zeugnis ihres Kampfes um die Gewinnung der ganzen deutschen Jugend geschaffen.
lieber die Ausstellung urteilt der Gaupropagandaleiter Müller-Scheid: „Die Ausstellung „Kampf und Sieg der HI." habe ich mit wachsendem Interesse besichtigt. Die Ausstellung muß als mustergültig und erzieherisch unerhört wertvoll bezeichnet werden. Ich habe mit Staunen und tiefster innerlicher Genugtuung festgestellt, wieviel Fähigkeiten und schöpferische Kräfte in unserer Jugend lebendig sind. Ich beglückwünsche sie von ganzem Herzen zu diesem großen Erfolg."
Gaupresseamtsleiter W o w e r i e s sagt: „Niemand komme und sage: „Ich weiß, was die HI. will!" oder „Ich kann mir denken, was eine Ausstellung der Hitler-Jugend bietet!" Lieber Volksgenosse! Nicht ich will deine bequeme Haltung und leichte Auffassung charakterisieren, denn du selbst wirst dich schämen und dein pharisäerhaftes Urteil bereuen, wenn du einmal durch die feierlichen Hallen dieser Ausstellung geschritten bist. Daß Jugend immer von himmelstllrmender Begeisterung erfüllt ist, gilt seit je für ihr gutes Privileg, daß eine Jugendgeneration aber ihre Ziele so fest völkisch-nationalpolitischer Zielsetzung stellt und sie zugleich so unübertroffen hoch in den Himmel eines neuen Volkes hängt, das ist neu, das ist das große Erlebnis dieser eindrucksstarken, von Fleiß und Fähigkeiten errichteten Sammlung des Gestern, Heute und Morgen unserer vom Verrat befreiten und durch solche ßeiftuna positiv denkbaren Jugend Adolf Hitlers. Zugleich spricht aus jeder Abteilung unbeabsichtigt, aber dem Einsichtigen erkenntlich, eine verdiente Anerkennung des rührigen Gebietsführers Kramer. Wohl tritt die Partei als Wegbahnerin zu all diesen herrlichen Möglichkeiten des neuen Jugendstrebens nur wenig in Erscheinung, fast etwas zu wenig, aber der Geist des Ganzen, der Gesamteindruck dieser nicht nur mit Fleiß und Fähigkeit, sondern auch mit Mut und Kraft zusammengestellten Sammlung ist eine erhebende Garantie des sicheren Weiterwachsens der Idee über Gräber und Generationen."
Hiiler-Iugen- zeliei.
„Prellen" — ein viel und gern geübtes Spiel.
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In diesem Sommer konnte man überall in deutschen Gauen die Zelte b er Jugend sehen. In schönen und schönsten Gegenden unseres deutschen Vaterlandes waren die braunen Spitzzelte errichtet, an Plätzen, wo die Hitlerjugend frisch und froh ihr Spiel trieb in körperlicher und geistiger Schulung. Diese Großtat sozialistischen Geistes der Reichsjugendführung, den deutschen Jungen für längere ober kürzere Zeit das Leben draußen in freier Natur zu ermöglichen, dieses Leben mit all feiner Schönheit, vermischt mit etwas Romantik, unabhängig von der Arbeit des Alltags, bot in
diesem Jahr Tausenden und aber Tausenden deutscher Jungens Erholung. Der Lagerbetrieb wickelte sich in Zelten ab, denen selbst der stärkste Sturm oder Regen nichts anhaben konnte, die der nächtlichen Kälte widerstanden und gegen Bodennässe durch eine dicke Zeltplane geschützt waren. Die Zeltlager der Hitlerjugend bleiben noch bis in den Spätherbst hinein errichtet, die Lagermannschaft wird nach einer bestimmten Zeit abqelöft, so daß immer wieder anderen Jungens die Möglichkeit gegeben ist, in einem Zeltlager der HI. Erholung zu finden ober ben Urlaub unb bie Ferien zu verbringen.
Eine wichtige Beschäftigung. Aufnahmen: Bildstellenleiter ber HI.
Der Tag -er Hun-erttausen-.
Am fommenben Samstag unb Sonntag steht Frankfurt im Zeichen ber Jugenb. 50 000 Jungvolk- jungen unb 50 000 Hitlerjungen kommen zusammen, um in einem riesigen Aufmarsch ber Welt bie Größe unb bie Macht ber deutschen Jugendbewe- gung zu zeigen, um im frieblichen Wettkampf bes Sports bie Kräfte zu messen, um in einer großen Kulturveranstaltung, an ber 2800 Jungen mitwir- fen, bie Schulungsarbeit ber HI. unter Beweis zu stellen unb um ben Reichsjugendführer Baldur von Schirach unb Gebietsführer Walter Kramer sprechen zu hören.
Zwei Tage lang sieht Frankfurt einen Zelltagerbetrieb von solchen Ausmaßen, wie er im Gebiet Hessen-Nassau noch nicht beobachtet werden konnte.
3m Rahmen dieser ganzen Veranstaltung, dieses Bekenntnisses der Jugend an den Führer, dessen Namen sie trägt, sieht man auf dem Frankfurter Messestände die Ausstellung der jungen Generation: „Kampf und Sieg der Hitlerjugend", ein Argument des Kampfes, Den auch bie Hitlerjugend unter schweren Opfern ■ geführt hat. Reichsstatthalter Sprenger prägte : einmal das Wort: „Don ber Jugenb hängt es ab, □b bas ganze Volk, ob feine Besten als Ncllmnal- ivzialisten leben werden." Wir nehmen diese Worte auf als Symbol und Ausdruck unserer Haltung unb unseres Kampfes, immer eingebenf ber großen Aufgaben, bie uns gestellt find unb bie wir i,u erfüllen haben. Aus biefem Grunde wirb biefe Demonstration ber Jugenb am 1. unb 2. Septem
ber burchgeführt, um zu zeigen, baß wir zu arbeiten verstehen, in Treue zum Führer.
Deshalb fordern wir auch von jedem deutschen Volksgenossen, daß er dieser deutschen Jugend Verständnis entgegenbringt, daß er ihre Arbeit anerkennt und daß er mit ihr denkt und fühlt und dies darin zum Ausdruck bringt, daß er nächsten Sonntag in Frankfurt anwesend ist.
Wer sich zur Jugend bekennt, bekennt sich auch zu Deutschland unb kommt beshalb zum „Tag ber Hunberttausenb", um sich ben Lagerbetrieb in ben beiben Zeltlagern am Ostpark unb Huthpark cmzu- sehen, um bie HI. zu sehen bei Spiel unb Sport im Stabion unb beim großen Fackelzug am Sarns- tagabenb.
Die Führung bes Bannes 116.
I. A.: Gez. Waag.
Aufmarsch-Zolge
für Öen Tag der 1OOOOO.
Samstag. 1. September.
6 Uhr: Großes Wecken burch 3000 Spielleute in allen Stadtteilen.
8—11 Uhr: 1000 Hitlerjungen bei Sportwettkämpfen im Stadion.
11 Uhr: Eintreffen und Empfang des Reichsjugendführers
12.30 Uhr: 50 000 Hitlerjungen marschieren in drei Marschsäulen durch Frankfurt a.M.
16 Uhr: HJ.-Massensportfest im Stabion. Im Jungvolklager. Lagerleben ber 50 000 Pimpfe.
Perfonaiveränberungen beim Gießener Gta-ttheater.
Eine kleine Vorschau auf die kommende Spielzeit.
Da in vier Wochen bie neue Spielzeit bes Gießener Stadttheaters beginnt, dürfte es interessieren, chon heute etwas über bie inzwischen eingetretenen Seränberungen im Ensemble unserer Bühne zu erfahren. Auf Grunb unserer persön- üchen Informationen bei ber Intendanz bes Stadt- ityeaters ergibt sich bas folgenbe Bilb:
Der Spielkörper bes barstellenben Personals wirb durch eine Anzahl neuengagierter Kräfte lirgänzt, unb zwar würben verpflichtet: als Tenor jüir ben ausfcheibenben Herrn Fierment Herr Heinz Weiser vom Stabttheater Hanau für Oper unb Operette; an Stelle von Fräulein Maria Beling, He inzwischen zum Film überging, als Tanzsou- Hette Fräulein Hansi Salzmann vom Schu- nanntheater in Frankfurt a. M.; als Bariton für Oper unb Operette, sowie für bas Fach bes fingern ien Komikers Herr Franz V a 1t e n b e r g aus SBiesbaben; Fräulein Luise Decker aus Gießen, zuletzt in Heilbronn, für Oper unb Operette; als Bariton Herr Karl Tank aus Gießen, ber bereits in ber vorigen Spielzeit verschiebentlich im hiesigen Cnfemble mitwirkte
Für bas Schauspiel würben neu verpflichtet: als jigendlicher Helb unb Liebhaber an Stelle von $ errn Michel Herr Will Q u a b f 1 i e g; als Bonvi- mnt an Stelle von Herrn Marcks Herr Karl Lud- dig ßinbt aus Schneibemühl, ber ein gebürtiger 2 armftäbter ist unb früher bereits an ben Bühnen im Darmftabt unb Frankfurt tätig war; als jugend- licher Komiker unb Chargenspieler Herr Heim Q ö b e l vom Schauspielhaus in Frankfurt a. M. Mrsatz für Herrn Förderer); an Stelle von Frau Maria Koch als Charakterspielerin unb Helbin Frau ’Jiofe Stir! vom Schauspielhaus in Dresden; Frl. Lorie Pflug vom Schauspielhaus Frankfurt am Main, bie bereits in ber Freilichtaufführung von „ffias ihr wollt" als Viola auftrat, als muntere L ebhaberin unb Nawe.
Bon ben aus bem alten Ensemble ausschei- benben Kräften würben verpflichtet: Frl. Sibylle Flemming nach Dresben; Fräulein Erna Renz nid) Berlin; Fräulein Hansi Stäbler nach Heil- bhonn; Herr Alfreb Fierment nach Neustrelitz; fi»rr Walter Michel nach ßanbsberg a. b. W.; fi-rr Heinz-Albrecht Marcks als Operettenbuffo mch Mainz unb Herr Dsmalb Förberer nach Ratibor.
«Born alten Stamm werben demnach bie folgen
den Darsteller auch in ber neuen Spielzeit tätig sein: Maria Perry, ßiesel Wiel and er, ßuise Schubert-Jüngling. Karl V o l ck, Wolfgang Kühne, Heinrich Hub, Gert Geiger, Kurt ß ü p k e, Karl ß ö \ e r , Peter Schorn, Anton Neuhaus Wilhelm Dieten, Paul Wrede, ber zum Oberregisseur für Oper und Operette ernannt wurde; ferner als Dramaturg Paul Nieren, als Jnspi-icnten bie Herren Wahlen unb Seitz, als Souffleure Frau Matzinger-Kar- b e n unb Herr Banbis; als Bühnenbildner mtrb wie bisher Herr Karl ß ö f f l e r tätig sein, wäh- renb Herr ßubroig Keim ben Beleuchtungsapparat betreut. — Das Stadttheater-Orchester ist etwas vergrößert worben unb umfaßt jetzt im ganzen 22 Personen.
Als erste Vorstellung ber neuen Spielzeit 1934/35 ist angesetzt für Sonntag, 30. September, „Krach um Jolanthe" von August Hinrichs unter ber Spielleitung von Kurt ßüpfe; in dieser Aufführung wird sich bereits ein Teil der neu verpflichteten Kräfte vorstellen. Als erste Abonnementsvvr- stellung folgt am Dienstag, 2. Oktober, bie Operette „Der Zigeunerbaron".
Günther und Ulla.
Don Ernst penzolöt.
Als Günther noch keine Sätze reben konnte unb alles, was sanft und zärtlich war (Watte, Febern unb vor allem Haare) summarisch „Häwi" nannte, pflegte er jeden Morgen stillvergmigt die neuen Worte wie memorierend vor sich yinzuplappern, ja sich sogar zu verbessern, wenn ihm eines nicht gelang. Denn er liebte wunderlicherweise besonders lange und schwierige Klanggebilde und zog Ausdrücke wie eventuell ober Oppositionsgeist schlichteren deutschen Worten vor. Früh schon erkürte er sich ein absonderliches Schimpfwort, nämlich: „Du Alkohol", worunter er etwas besonders Kränkendes empfinden mochte.
Eines Sommernachmittags, da er mit der Gießkanne spielend im Garten saß, deutete er auf einmal nach oben unb sagte ganz beseligt: „Nane, Nane!" Wir konnten uns nicht denken, wo er plötzlich Bananen sehen wollte. Vielleicht war em Blatt über ihm im Baurn ungefähr so geformt. „Ja, ja, mein Bübchen, Nane", nickten wir freundlich. Aber er war es nicht zufrieden. „Nane", rief er beharrlich, „da oben Himmel dran", und nun sahens auch wir, hauchzart und weiß hing im Blau die frühe Frucht des Mondes. Denn nun sieht er Die Worte leibhaftig und spricht, als von einem Windhund die Rede war, im Bilde bleibend von einem ßuft- hund unb beim Anblick bes ersten Schmetterlings
I feines ßebens ruft er: „Da fliegt ein Blümchen!" Er gibt ben Tannenbäumen die Hand unb fragt, auf eine Pfütze zeigend, ernsthaft: „Wird da einmal ein Ammersee braus?" Denn bie Natur, Gott, ja der Tob machen ihm zeitig zu schaffen. Er tröstet sich mit ber Ausflucht, baß bie tote Meise, bie wir im Garten begruben, sicher im Frühjahr roieber wachsen würde. Aber er fragt auch (und es ist nicht so leicht, ihm darauf zu antworten): „Wer hat den lieben Gott gemacht, und warum ist er lieb?"
Das Märchen vom Storch, womit großmütterliche Schicklichkeit ihn zartfühlend auf die baldige Ankunft der kleinen Schwester vorbereitet, beschäftigt ihn sehr. „Ach, Mama", meint er sichtlich beunruhigt, „roenns bloß kein Störchle wird."
Günther weiß, wie aus Sonne und Wasser der Regenbogen entsteht, er hat es an der Fontäne oft mit Entzücken beobachtet. Bald darauf finden wir ihn, wie er nackend im Sonnenschein mitten in der Stube steht, ein lebendes Brünnlein, fein sträfliches Tun mit den Worten erklärend: „Ich wollte einen Regenbogen machen, ist aber keiner worden".
Auch nennt er das kochende Wasser zornig, und mein neuer Bademantel, darauf sich schwarze, braune und weiße Streifen kreuzen, ist für ihn ein Friedhof.
Später, als er in die Schule geht, ungern, wie er uns täglich versichert, weil er nun keine Zeit xum „Arbeiten" mehr habe, belauschen wir ihn und seinen Freund, wie sie vor bem ßeiterroagen knien unb laut Gott anrufen, baß er ihnen beistehe, das zerbrochene Rad wieder fest zu machen. Und es gelingt ihnen zum Glück.
Was soll man aber sagen, wenn er, als mir ihm für den ßehrer einen Blumenstrauß aus dem Garten mitgegeben hatten, ahnungslos erzählt, der liebensroüroige Fritz habe ihm die Mühe abgenommen und dem Herrn ßehrer die Blumen überreicht!
Besonders schöne Schokoladentiere kann er sich lange nicht entschließen aufzuessen, und einmal weigert er sich, zu hygienischen Zwecken ein Papier zu benutzen, well darauf zufällig kleine Mädchen abgebildet waren.
Seine kleine Schwester liebt er innigft.
„Sie ist meine herzige Frau", sagt er, „können tut sie ja nicht viel, aber sie ist halt ein reizendes Ding." Er hält feine Kameraden an, ihr die Hand zu küssen. Denn er ist ebenso Kavalier, wie Ulla ein echtes Weibchen.
Sein erstes Wort war das zärtliche „Häwi", fein erster Satz ein männliches: „Ich machet!" (das habe ich gemacht). Ihr erstes Wort war: „Nein". Ihr erster Satz: „Hofe hängt runter." Früh schon. fragt sie: „Was darf ich heute anziehen?" und als ihr Bruder zum erstenmal den kleidsamen Etonboy- >
anzug anhat, meint sie bewundernd: „Du bist ein schicker Bursch!" Und einmal steht sie vor bem Spiegel unb ruft selig: „Mama, ich liebe mich!" Auch sie griff in bie weite Welt, als gäbe es keine Entfernungen: „Haben", sagt sie und meint ben Mond ober ben Flieger, ber über ben Garten zieht. Auch ein Kruzifix ist für sie ein Flieger.
ßeiber fürchtet sie sich sehr vor Mäusen unb Gewittern. Das laute Donnern ist ihr arg, unb sie verlangt nachbrücklich: bie Frau liebe Gott soll doch ihrem Manne sagen, daß er mit dem Gerumpel aufhört. Die Frau soll ihrem Manne sagen, daß...! Ein anderes Mal erklärt sie: Nicht wahr, die Sonne ist der liebe Gott! womit sie auf ihre Weise den Ursprung ber Religionen zu deuten sucht.
Recht bedenklich aber ist ein Gespräch zwischen den beiden, das wir durch Zufall erlauschen. Denn der Achtjährige sagt allen Ernstes: „Ich wäre froh, wenn ich nicht auf der Welt wär', erstens wegen ber Schul' und zweitens komm ich ja doch in die Höll'", worauf die Kleine elegisch antwortet: „Ich möcht' schon brav sein, aber es glückt mir halt nicht."
Diese Worte bewegten die Eltern in ihren Herzen.
Oochschulnacö richten.
Als Nachfolger bes verstorbenen Professors Dr. Hans Seibel würbe ber Privatbozent und Oberassistent Dr. Hans Fliege zum ordentlichen Professor ber Zahnheilkunde unb Direktor bes zahnärztlichen Instituts an ber Universität Marburg ernannt.
Das Extravrbinariat für vergleichend Religions- geschichte unb Religionsphilosophie in ber evangelisch-theologischen Fakultät ber Universität M a r - bürg ist mit Wirkung vom 1. Oktober b. I. ab in bie Philosophische Fakultät ber Universität Greifs- wa 1 b verlegt unb bem planmäßigen Extravrbina- rius unb persönlichen ordentlichen Professor Dr. Friebrich Heiler übertragen worden, der es bisher auch schon in Marburg innegehabt hat.
Der Reichsstatthalter in Bayern J)at den o. Professor für Botanik an der Universität München Dr. Fritz v. Wettstein auf sein Ansuchen mit Wirkung vom 1. Oktober d. I. unter Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung aus dem bayerischen Staatsdienst entlassen, dem ao. Professor für Zeitungswissenschaft an der Universität München Dr. Karl d ' E st e r die Amtsbezeichnung und die akademischen Rechte eines o. Professors verliehen, und den ao. Professor Dr. Hermann Groll in München zum o. Professor für allgemeine Pathologie und pathologische Anatomie an der Universität Würzburg ernannt; Professor Groll wirb dort Nachfolger von Geh. Hofrat Professor Martin Benno Schmidt.


