M- Jahrgang
Gießener Anzeiger
Nr. 201 Erstes Blatt Jahrgang Mittwoch, 29. August 1934
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Paris im Sommerschlaf
Don unserem v. G.-Äerichierstaiier.
(Nachdruck, auch .mit Quellenangabe, verboten!)
Paris, August 1934.
Paris ist wie ausgeftorben: alles, was sich irgendwie freimachen konnte, ist in die Ferien gegangen und bevölkert die zahlreichen französischen Badeorte im Norden, Westen und Süden. Auch in politischer Hinsicht herrscht gewisse Ferienstimmung. Eine Reihe von Ministerien wird von Stellvertretern verwaltet, die Kammern sind in tiefen Sommerschlaf versunken, die großen Versammlungslokale, in denen noch vor nicht langer Zeit die Leidenschaften aufeinanderplatzten, haben ihre Tore geschlossen. Ueberall ist Ruhe eingezogen. Und in dieser Stille hofft so mancher, die von der Sonne gebieterisch geforderte Pause möge beruhigender auf die französischen Gemüter wirken, als der vielgepriesene „Burgfriede der nationalen Einigung". Gewiß weiß man, daß Frankreich innerpolitisch krank ist; aber sind nicht schon viele Leiden durch Schlafmittel wesentlich gebessert worden?
Es besteht kein Zweifel darüber, daß die sogenannte nationale Einigung zu Beginn dieses Sommers mehrfach einer ernsten Auseinander-
Saarländer!
30. August letzter Termin Eurer Meldung!
setzung hatte weichen müssen, wenn außenpolitische Geschehnisse nicht aufschiebend gewirkt hätten. In der Stunde der Not versteht man es hier meisterlich, äußere Gefahren an die Wand zu malen, um die widerstrebenden Kräfte zusammen- z u h a l t e n. Wie lange freilich die Außenpolitik die irmerpolitische Gärung mildern kann, ist eine Frage, zumal selbst die wilden Kriegsprophezeiungen schon reichlich abgedroschen sind, da sie ja bei jeder Gelegenheit vorgebracht wurden. Immerhin ist augenblicklich eine gewisse Ruhe festzustellen, nachdem die verschiedenen kritischen Stichtage des Frühsommers überstanden sind. Aber der Frieden scheint trügerisch, die Unzufriedenheit zieht weitere Kreise ...
Die Rechte schließt sich immer mehr zusammen. Die Linke hat eine Rote Front durch die Einigung der Kommunisten und der Sozialisten errichtet. Nur die Mitte ist sich offenbar noch nicht über ihre Haltung im klaren. Zahlenmäßig am stärksten stellt sie auch geographisch das größte Gebiet dar. Heute läßt sich Frankreich in drei Zonen aufteilen: das reaktionäre Paris, der rote Gürtel um die Hauptstadt und die gemäßigte Provinz. Natürlich gilt dieses Schema nur in großen Linien, es gibt aber die Grundstimmung der Bevölkerung einigermaßen richtig wieder.
Parteipolitisch gesehen liegt ein großer Teil der Entscheidung über die weitere Gestaltung der französischen Innenpolitik bei den Radikalsozialisten. Nach dem letzten Zusammenstoß zwischen ihrem Fraktionsführer Chautemps und dem Staatsminister ohne Portefeuille T a r d i e u bei der Vernehmung des letzteren durch den Stavisky- Untersuchungsausschuß, schien der Bruch unvermeidlich und eine Abkehr von der Zusammenarbeit mit der Rechten gegeben. Aber Tardieu behielt recht, als er sagte, man solle sich keiner Täuschung hingeben: die Radikalsozialisten würden bestimmt im Kabinett bleiben. Die endgültige Beschlußfassung ist dem Landesparteitag der Radikalsozialisten überlassen worden, der im Oktober in Nantes stattfindet. Bis dahin muß die Mitte sich klar darüber geworden sein, ob sie stark genug ist, den Kampf gegen Rechts und Links aufzunehmen oder ob fie versuchen soll, die unabwendbaren Reformen des heutigen Systems auf später zu verschieden, indem sie unter der Flagge Doumergues weiter im Zug der nationalen Union marschiert.
Gegen eine Verlängerung dieses Zustandes sprechen die zunehmenden Zwiespälte innerhalb der Regierungsparteien und die Unzufriedenheit weiter Kreise über die Passivität der Radikalsozialisten, dafür aber spricht die augenscheinliche Ratlosigkeit der Parteiführer über den selbständig einzuschlagenden Weg. Zudem werden die Drahtzieher der jetzigen Regierung bestimmt nicht verfehlen, beizeiten in alarmierenden Tönen vor einer inneren Zersplitterung kurz vor der Volksabstimmung im Saargebiet zu warnen ...
Die Führer der verschiedenen Gruppen der Mitte haben während der Sommerferien genügend Gelegenheit, sich über die Stimmung im Lande zu unterrichten und ein Bild darüber zu gewinnen, ob es ratsamer ist, den anderen die Initiative zu überlassen oder die Zügel Frankreichs rechtzeitig in die Hand zu nehmen,' um die Wahlen und die Reform im eigenen Interesse richtig beeinflussen zu können. Gegenwärtig ist viel von der Gründung einer dritten Front, der „Front de r Mitte" die Rede. Aber es ist noch nicht ersichtlich, auf welcher Grundlage sie erfolgen könnte. Die Interessenten sehen ein, daß mit einer negativen Einstellung etwa gegen Peches und gegen Links der Zukunft nicht geholfen ist, obwohl die Linksradikalen mit ihrem Schlachtruf gegen den angeblichen Faschismus und.-die Rechtsradikalen mit ihrem Zusammenschluß gegen die rote Gefahr ein Beispiel für den negativen Start gaben.
Wer findet ein zugkräftiges Rahmenprogramm? Es gibt schon soviele „Pläne": die Kriegs teil-1
Große Flottenschau vor Warnemünde.
Eindrucksvolle Bilder von dem Wirken unserer Reichsmarine.
Sonderberichi des von Bord des Flotientenders „Hela".
Oie Parade der Flotte.
Dienstagnachmittag um 15 Uhr stand die g e - s a m t e deutsche Flotte außer dem Panzerschiff „Deutschland", dem Kreuzer „Köln" und den Minensuchverbänden zur Flottenschau zwischen der dänischen Insel L a a l a n d und dem Ost- jeebad Warnemünde. Es herrschte herrliches sonniges Wetter, als die grauen Leiber der Schiffe matt am Horizont auftauchten, um dann in Kiellinie vor den Zuschauerdampfern langsam vorüberzugleiten. In Führung lag der Kreuzer „Königs- b e r g", in dessen Topp die Konteradmiralsflagge, das schwarze Kreuz mit mit zwei Bällen, flatterte: er hatte den Befehlshaber der Aufklärungsstreit- kräfte, Konteradmiral Kolbe, an Bord. Gleich hinter der „Königsberg" folgte der Kreuzer „L e i p- z i g". Ueberall standen die Besatzungen in Paradeaufstellung nach Steuerbord zu den Dampfern aus- gerichtet in leuchtendem Weiß auf Deck.
Hinter der „Leipzig" folgte die Führung der Torpedoboote auf dem Torpedoboot „ß e o p a r d", sodann die erste und zweite, in Swinemünde stationierten und die dritte und vierte, in Wilhelmshaven stationierten Torpedobootshalbflottille n. Eine Abwechslung für das Auge boten die sich anschließenden massigen Linienschiffe, die „Veteranen" der Flotte: „Schlesien, Hessen" und „S ch l e s w i g - H o l st e i n". Das Flottenflaggschiff „Schleswig-Holstein" hatte den Flottenchef Vizeadmiral Förster an Bord. Auf dem Linienschiff „Schlesien" befand sich der Befehlshaber der Linienschiffe, Konteradmiral Bastian. Den Abschluß der Vorbeifahrt bildeten die flinken vier kleinen Schnellboote der Reichsmarine, die in Pfeilgeschwindigkeit die Wogen durchschnitten.
In langer Kiellinie zog die Flotte westwärts. Die Zuschauerdampfer hängten sich alle der langen Linie an, ebenso der Flottentender „H e l a" mit etwa 30 Pressevertretern aus den verschiedensten Teilen des Reiches und das Torpedoboot 157 mit den Filmoperateuren, denen der Tag eine Fülle interessanter Aufnahmen bescherte.
Aachlgesecht in der Kieler Bucht.
Die Flottenparade wird jedem, der dabei war, in steter Erinnerung bleiben. Mit dem gleichen Interesse folgte man dem Taggefecht der Schiffe und den Durchbrüchen der schwarzen Gesellen, der Torpedoboote, durch die eigene Linien- schiffskette, ein Manöver, das viel Geschicklichkeit verlangt. Bald richten sich alle Gläser auf eine künstlich erzeugte Nebelbank, unter deren Schutz sich die flinken Torpedoboote vor den Rohren der Linienschiffe bergen.
Langsam senkt sich der Abend auf die Ostsee. Die Schiffe sind nördlich der Insel Fehmarn vorübergefahren und haben die Kieler Bucht erreicht. Bald sind die mit abgeblendeten Lichtern fahrenden Schiffe den Augen ganz entschwunden. Nur die Positionslaternen der Linienschiffe und die zahlreichen Lichter der Zuschauerdampfer leuchten. Nachtge - fecht! Angriffe der Schnellboote, der Torpedoboote und Kreuzer auf die Linienschiffe! Kaum ist das Zeichen zum Gefechtsbeginn gegeben worden, da spielen die Scheinwerfer der Linienschiffe über die weite Wasserfläche. Zunächst ist der Feind nicht
sichtbar. Doch da trifft ein Lichtkegel ein heranpirschendes Schiff, aus dem Scheinwerferlicht aufleuchtend. Im Nu blitzt es aus den Rohrmündungen der Linienschiffe, Donnergrollen erfüllt die Luft. Ueberall wird es jetzt lebendig, auf allen Seiten greifen die schnellen Torpedoboote an.
Für den Zuschauer entwickelt sich das Bild eines Riesenfeuerwerks. Leuchtraketen in grünen und roten Farben, die die Schifte der gegnerischen Torpedoboote kennzeichnen, blitzen auf — Leuchtgranaten verlassen surrend die Rohre der Linienschiffe und gehen viele Seemeilen entfernt, grell aufflammend, auf die See nieder. Ueber eine Stunde lang find Ohren und Augen in kaleidoskopartigem Wechsel der Eindrücke gefangen genommen. Dann wird auf Kommando das Feuern eingestellt. Das Gefecht, das von den vielen Zuschauerdampfern verfolgt werden konnte, hat sein Ende erreicht. Die gesamte Flotte kehrt kurz nach Mitternacht in den Kieler Hafen zurück, wo sie festmacht.
Zehntausend Zuschauer aus dem ganzen Reich.
Die Flottenschau hat einen prächtigen Verlauf genommen. Etwa 10 0 0 0 Volksgenossen aus allen Teilen des Reiches waren auf den großen Dampfern der Hamburg-Süd „Monte Pascual", Monte Olivia" sowie dem Urlauberschiff der NSG. „Kraft durch Freude" „Der Deutsche" sowie zahlreichen kleineren Schiffen auf dem Schauplatz erschienen und verfolgten die Vorführungen der Reichsmarine mit regstem Interesse. Der Tag gestaltete sich für sie zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Am Mittwoch wird der Kieler Hafen im Zeichen des traditionellen großen Flottenwettruderns stehen, bei dem in Gegenwart des Flottenchefs Vizeadmirals Förster die Kutter, Jollen und anders Boote der Reichsmarine um wertvolle Preise kämpfen werden.
MdOestemichumemeneueVölkechundsauleihe
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Goldene Gklavenketten.
Das Oesterreich, das die Urheber des Friedens- Vertrages von St. Germain auf die europäische Landkarte zeichneten, war nach ihrem eigenen -Willen kein lebensfähiger Staat, sondern das, was man unter normalgestalteten Menschen einen Krüppel zu nennen pflegt. Von 6,5 Millionen Einwohnern leben allein 2,5 Millionen in Wien. Diese Hauptstadt aber, ein Wasserkopf auf einem unförmigen Körper, liegt am schmalen Ende des eingeengten Landes, in Reichweite der tschechischen Kanonen. Die wirtschaftliche Einheit wurde Zerstört durch das Zurücklassen einer hochentwickelten, aber beschäftigungslos gewordenen I n - buftrie, der man den wichtigsten Rohstoff, die Kohle, und die weiten Absatzgebiete des ehemaligen Kaiserreiches entrissen hatte. Die Nachfolgestaaten aber fperrtensich durch hohe Zollmauern gegen die unerwünschte Konkurrenz. Die dadurch verursachte Verarmung der österreichischen Städte hatte die Verarmung der Bauern zur Folge, deren Produkte der Arbeiter und Angestellte nicht mehr bezahlen konnte. Der große Holzreichtum — 40 v. H. des Landes sind von Wald bedeckt — konnte nicht verwertet werden, weil der billige russische Wettbewerb alle Berechnungen über den Hausen warf. Eine riesige Pensionslast für die militärischen und zivilen Beamten des alten Reiches, die in ihre kleingewordene Heimat zurückfluteten, drückte auf die Staatskassen. Das Oesterreich von St. Germain war und ist ein wirtschaftlicher Krüppel, der nur am Leben erhalten werden kann durch die selbstlose und dauernde Unterstützung des helfenden Arztes, nicht aber durch die teuren Mittelchen profitgieriger Kurpfuscher.
Dieser Zusammenhänge wird sich auch der Bundeskanzler Dr. Schuschnigg bewußt sein, wenn er jetzt — wie in Genf behauptet wird — um
eine neue Völkerbundsanleihe zu bitten beabsichtigt. Um so bezeichnender wäre es, wenn er seine Bitte mit der Begründung vorbringen sollte, die Anleihe müsse einem innerpolitischen Zweck dienen, nämlich der Deckung der für die blutige Niederschlagung der Aufstände vom Februar und Juli aufgewendeten Kosten. Das wäre keine schöne Rechnung. Nur die Sklaven des Altertums pflegten sich ihre Gesinnung bezahlen zu lassen, nur «die Landsknechte des Mittelalters kämpften für fremdes Geld gegen die Angehörigen des eigenen Volkes. Allerdings konnten auch die römischen Kaiser sich zuletzt nur deshalb auf wankendem Throne halten, weil sie ihre Heere mit germanischen Söldnern uufüllten...
Anders wäre es, wenn die gewünschte Anleihe für rein wirtschaftliche Maßnahmen gedacht wäre. Zwar wird die Medizin auch in diesem Falle das Siechtum des kranken Volkskörpers kaum aufhalten können, aber sie würde wenigstens frei sein von dem tätlich wirkenden Gift der nationalen Unehre. Allein, eine solche Möglichkeit scheint ausgeschlossen. Die Anleihen, die Oesterreich seit seiner Verstümmelung vom Völkerbund erhielt, hatten jedesmal einen politischen Sinn. Sie dienten nicht der wirtschaftlichen Erholung, sondern sie zerstörten Schritt für Schritt die Freiheit und Unabhängigkeit des Staates, die die Friedensverträge scheinheilig gefordert hatten.. Auf der Grundlage von St. Germain wurde die Vevsklavungspolitit weiter ausgestaltet durch das sogenannte Genfer Protokoll von 19 2 2, das die Gewährung einer 500- Millionen-Anleihe mit der noch über den Friedens- Vertrag hinausgehenden Bedingung verband, daß Oesterreich auch weiterhin keine wirtschaftlichen Bindungen eingehen dürfe, die geeignet seien, diese Unabhängigkeit zu beeinträchtigen. Die Lausanner Anleihe von 300 Millionen Schilling, die Dollfuß 1932 erbettelte, wurde ebenfalls nur unter ausdrücklicher
nefjmer haben einen ausgestellt, sind aber im Begriff, sich zu spalten; die marxistischen Gewerkschaften haben die mit dem klingenden Namen belegten „Generalstände der Arbeit" zur Annahme eines anderen Planes veranlaßt, find aber dabei, sich mit den kommunistischen Gewerkschaften über einen Zusammenschluß zu unterhalten. Diese Ereignisse drohen natürlich die Voraussetzungen der „Pläne" umzustoßen. Die Jungen haben sich in der Vorbereitung für die im Herbst zusammentretenden „Generalstände der Jugend" zunächst auch nicht sehr weit über die Verneinung des Bestehenden hinausgewagt. Und der neueste, unter der Schutzherrschaft des Schriftstellers Jules Romain zuftandegekommene „Plan des 9. Juli hat noch keinen begeisterten Widerhall gefunden, obwohl er die Zusammenfassung der verschiedensten Wünsche ist. £ , ,, . ...
Immerhin ist das Parlament sich klar darüber, daß es auf die Dauer die W a h l r e f v r m ebensowenig wie die Staats- und Verwaltungsreform verschieben kann, und so sucht man besonders bei den Mehrheitsparteien - nach dem Stein der Weisen. Viele pochen auf den konservativen Geist der Franzosen, die nur ungern eine Neuerung vornehmen, die nicht unumgänglich notwendig ist. Aber wie lange noch wird sich die Unruhe, von der gegenwärtig jeder denkende Franzose in feinem Innern ergriffen ift, durch ein väterliches Lächeln des Ministerpräsidenten meistern ^Zunächst schläft die Stadt des Lichtes der Schauplatz vieler politischen Auseinandersetzungen von größter Tragweite, ihren Sommerschlaf; und man hat den Eindruck, daß Paris während dieser Pause der ungelösten Zeitprobleme müde ift. Im Herbst aber wird es ein unsanftes Erwachen geben wenn die berufenen und unberufenen Wortführer all der mannigfachen Gruppen und Bewegungen ihre in sommerlicher Beschaulichkeit gereiften Pläne anzupreisen beginnen.
Keine Abwertung des Francs.
Paris, 28. Aug. (DNB. Funkfpruch.) Im „Ex- celfior" spricht sich Finanzminifter Germain Martin erneut gegen die Entwertung des Francs aus und erklärt, daß seine Haushaltspolitik die D e - f I a t i o n zur Richtlinie habe. Frankreichs Sicherheit fei mit seinem Goldvorrat verbun- d e n. Der Block der Länder mit Goldwährung müsse gefestigt werden. Ein entwerteter französischer Franc würde in die Abhängigkeit des Pfund Sterling geraten. Man möge sich doch einmal vorstellen, was das für ein Sturz für Frankreich wäre, gerade vor der Saarabstimmung. Habe nicht erst jetzt wieder Reichswirt- schaftsminster und Reichsbankpräsident Dr. Schacht in Leipzig hie Unantastbarkeit der Mark gegenüber jeder Jnflations- oder Abwertungsdrohung betont? Es wäre paradox, wenn Frankreich, das über einen Goldbestand van 80 Milliarden Francs verfüge, van einer Abwertung spreche, während Deutschland es energisch ablehne, ein solches Abenteuer zu unternehmen.
3nterejfante Nachträge zum Separattstenlreffen von Sulzbach
Saarbrücken, 28. Aug. (DNB.) Der sogenannte „Tränengasanschlag" bei der Separatistenkundgebung in Sulzbach klärt sich mehr und mehr als eine der in den Kreisen der Separatisten üblichen Provokationen auf. Die beiden Haupttäter, Altmeyer und Heidemann, gehören nicht der Deutschen Front, sondern dem s e - parati st ischen Lager an. Altmeyer trug sogar die grüne Uniform. Heidemann, der übel zugerichtet wurde, hat am Montag ausgesagt, ihm sei eine Tränengasbombe in d i e Tasche ge st eckt worden, obwohl er völlig unbeteiligt und nichtsahnend gewesen sei. Lediglich ans Angst fei er da-
Dongerannt. Man habe ihn eben als Sündenbock benutzt. Es handelt sich, wie bei allen Anschlägen in der letzten Zeit, immer um dasselbe Ziel, nämlich Zwischenfälle in den eigenen Reihen zu schassen, um der Deutschen Front Terror und Provokationen vorwerfen zu können. Aber die Herrschaften haben in dieser Beziehung ein seltsames Pech. Die Wahrheit kommt regelmäßig schon nach kurzer Zeit an den Tag.
Die Saarbrücker Landeszeitung schreibt u. a.: Die große Attraktion von Sulzbach war ein katholischer Geistlicher, der dort auch gesprochen hat. Er war schon vorher, in wohlige Anonymität gehüllt, als Redner angekündigt worden, und es war immerhin eine Sensation für unsere Kommunisten: Einmal einen katholischen Geistlichen, von freundlichen Sympathien getrieben, bei sich begrüßen zu können, einen Mann also, dessen priesterlichen Stand sie in Rußland bis auf den Tod verfolgt und tatsächlich auch so gut wie ausgerottet haben. Wir hatten eigentlich die Absicht, diesen tiefbeschämenden Vorgang zu übersehen. Aber zahllose Anfragen aus unserem Leserkreise legen es uns nahe, einige ausklärende Worte zu sagen. Es handelt sich um einen Ordensgeistlichen namens Dörr. Herr Dörr ist weder der Diözese Trier, noch der von Speyer zugehörig und untersteht also auch nicht den bischöflichen Behörden der beiden Diözesen. Er gehört einem Missionsorden an und befindet sich zur Zeit außerhalb der Ordensgemeinschaft und hat schon länger durch seine franko» philo Einstellung den Unwillen der Bevölkerung erregt. Für sein unqualifiziertes Auftreten können also weder unsere kirchlichen Behörden, noch seine Ordensoberen, noch die saarländische Pfarrgeistlichkeit verantwortlich gemacht werden. Sowohl der Inhalt seiner Rede als auch die Tatsache, daß er wegen seines Geisteszustandes bereits einige Zeit in einer Heilanstalt verbringen mußte, lassen es als zweifelhaft erscheinen, baffer sich der Tragweite seiner Handlung voll bewußt gewesen ist.


