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Bezugnahme auf üas Genfer Protokoll gewährt. Außerdem wurde der Anschlußverzicht für die ganze Laufzeit des Abkommens, d. h. bis zum Jahre 1952, ausgedehnt. Immerhin hatte es Dollfuß noch nicht aewagt, die fremden Geldgeber mit innerpoli-tifchen Argumenten zu gewinnen.

Aehnlich werden die Bedingungen fein, die man der von Schuschnigg geplanten Anleihe mit auf den Weg geben wird. Eine deutschfeindliche Schweizer Zeitung gibt schon jetzt die Absichten der franzö­sischen Diplomatie wieder, wenn sie schreibt:Falls eine neue Anleihe überhaupt in Frage kommt, muß sie mit o e r st ö r k t e n Garantien für die Unabhängigkeit Oesterreichs und einer klaren Rückkehr zu den Genfer Protokollen von 1922 verbunden sein." Das ist der unauf­haltsame Weg in die Sklaverei, der nur dadurch gelegentlich eine Unterbrechung erfährt, daß die Sklavenhalter sich darum streiten, wer von ihnen die Peitsche gebrauchen darf.

Das einzige Mittel, das imstande wäre, Oester­reich wirtschaftlich auf eigene Beine zu stel­len, und daß damit auch zugleich die wahre innere und äußere Freiheit dieses deutschen Staates garantieren könnte, hat man den Oesterreichern verboten: die gesunde wirtschaftliche Zusammen­arbeit mit den dafür geeigneten Nachbarn und vor allem mit dem Land, das vermöge seiner wirtschaft­lichen, geographischen und bevölkerungspolitischen Struktur am besten geeignet ist, dem Donaustaat auf natürlichem Wege aus dem wirtschaftlichen Elend zu helfen. Als der sachlich und diplomatisch nicht genügend vorbereitete Plan einer Zoll­union zwischen Deutschland und Oesterreich im Jahre 1931 der Öffentlichkeit bekannt wurde, da wurde er umgehend von den Großmächten ver­boten, weil er angeblich dem Genfer Protokoll zuwiderÜefe.

Damit war der letzte Ausweg, der Oesterreich aus der wirtschaftlichen Sackgasse hätte herausführen können, verbaut. Damit war auch das Schicksal Oesterreichs als eines unabhängigen Staates be­siegelt. Will man jetzt einen Weg in die Zukunft finden, der als gemeinsames Ziel das Bekenntnis zum Deutschtum hat, so muß er sehr vorsichtig und behutsam gegangen werden. Die österreichische Re­gierung hat zu erkennen gegeben, daß sie nicht nur bereit sei, die normalen Beziehungen mit dem Deutschen Reick wieder herzustellen, sondern auch eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Ber­lin einzuleiten. Dazu gehört allerdings als erste Voraussetzung das Werk der inneren Versöh­nung mit der nationalen Opposition in Oesterreich. Eine Völkerbundsanleihe kann einer Festigung der österreichischen Verhältnisse aber nur wenig helfen, zumal wenn sie dazu herhalten soll, den Kampf gegen die zu versöhnenden Volksgenossen zu be­zahlen.

Zwischenfall bei -er Wiener Heimwehr.

Wien, 28. Aug. (DNB.) Vor dem Gebäude des ehemaligen Arbeiterheims in der Angerer Gasse in Floridsdorf, das augenblicklich in eine Heim­wehrkaserne umgewandelt ist, fuhren heute in den ersten Nachmittagsstunden zwei lieber» fallwagen der Wiener Polizei vor. Die der Alarmabteilung angehörenden Mannschaften der Polizei drangen in das Gebäude ein und ent­waffneten die dort in Unterkunft befindlichen Formationen des Wiener Heimat­schutzes, mit denen es zu einem Handgemenge kam.

Wie man von verläßlicher Seite hört, haben die Vorfälle folgenden Hintergrund: Zwischen einem Teil der in diesem Gebäude stationierten Heimat­schutzgruppe, zumeist jüngeren Elementen, kam es zu erregten Auseinandersetzungen mit oem kürzlich erst eingesetzten Kommandanten, dem sie vorwarsen, daß er nicht nach dem Heimat­schutzprogramm oorgehe. Eine andere Gruppe von Heimatschützern nahm für diesen Komman­danten Partei. Es kam zu tätlichen Ausein­andersetzungen, die mit Gummiknüppeln und Bajo­netten geführt worden sein sollen, und man hört auch, daß sogar Schüsse gefallen sind. Diesem Konflikt konnte schließlich nur durch das Eingreifen der Polizei ein Ende ge­macht werden, die, wie gesagt, nach kurzem Kampf in das Haus eindrang. Augenblicklich ist das Ge- döude selbst von der Polizei besetzt. Ebenso sind die wichtigsten Punkte um das Gebäude von Polizei gesichert.

Die Amtliche Nachrichtenstelle demen­tiert die Meldungen von Zusammenstößen zwi­schen Heimwehr und Polizei. In Wien sei alles ruhig. Von der B u n d e s f ü h r u n g der Heim­wehren wird auf Anfrage mitgeteilt, daß die Zwischenfälle in Floridsdorf keinerlei poli­tische Hintergründe gehabt hätten. Es habe sich bei den Streitigkeiten darum gehandelt, daß ein Teil der Schutzkorpsleute in dem ehemaligen Arbeiterheim selbst, ein anderer Teil in einer Baracke neben dem Gebäude untergebracht sei. Da die Baracken nicht sehr wohnlich seien, sei es Zu einem Streit um d i e besseren Schlaf­plätze gekommen, der schließlich in Tätlichkeiten ausgeartet fei. Polizei sei vor dem Gebäude er­schienen, habe aber nicht einzugreisen brauchen, da der Führer der Polizeiabteilung zusammen mit einem Vertreter des Wiener Heimwehrkommandos auf gütlichem Wege den Zwist geschlichtet habe.

Ein Bekehrter.

Lieber härteste Strafe, als in Sowjetrutzland leben müssen."

Wien, 28. Aug. (DNB.) Der rote Schutzbund­kommandant des am 12. Februar heiß umstrittenen Karl-Marx-Hofes Ottd Müller hatte sich vor einem Schwurgericht wegen Verbrechens des Auf­ruhres und Vergehens gegen das Sprengstoffgesetz zu verantworten. Er war nach den Februarkämpfen in die Tschechoslowakei geflohen und dann wei­ter in die Sowjetunion gereist. Anfang Juli kehrte er wieder nach Wien zurück. Bei der Der- Handlung erklärte er, daß er lieber jede Strafe auf sich nehmen wollte, als weiter in Sowjetrußland zu bleiben. Die Verhältnisse dort seien so entsetzlich schlecht, daß ihm auch die Gefahr der härtesten Bestrafung von der Heimreise nicht abhalten konnte. Müller wurde zu sechs Jahren schweren Kerkers ver- urteilt. Maßgebend dafür war, daß das neue Ge- setz für Sprengstoffverbrechen rückwirkende Kraft hat. Wäre Müller nicht geflohen, hätte er eine viel mildere Strafe erhalten.

Vor 20 Zähren: Deul

Zwanzig Jahre sind nun vergangen, feit in den letzten Tagen des August und in den ersten Tagen des September 1914 die deutschen Truppen in mächtigem Schwung durch das nördliche Frankreich ausholten und die französischen Armeen bis auf den Festungsgürtel an der Marne z u - rüdbrängten. Es lag ganz im Zuge des Schlieffenschen Planes, mit einem starken rechten Flügel in der Offensive möglichst schnell zu Ent­scheidungen zu gelangen. Die französischen Armeen hatten sich zum Teil auf dem Rückmarsch ausein­andergezogen, zum größeren Teil bildeten sie einen festgekeilten Block, der in seinen Operationen so be­hindert war, daß deutsche Truppen hinter den feindlichen Linien sogar die Marne erreich- ten und überschritten. Der Bogen, den die deutschen Armeen fast im rechten Winkel schlugen, war von gewaltigen räumlichen Ausmaßen. Der Erfolg des gelungenen deutschen Vormarsches ist aber vor allem der deutschen Kavallerie zu danken, die in starken Einheiten besonders in den Verbänden der 1., 2. und 3. Armee eingesetzt wurde.

Den äußersten rechten Flügel hielt die Armee des Generals von Kluck, der mit fünf Armee­korps am Niederrhein nördlich der Linie Köln Düren aufmarschiert war. Einen Versuch der Fran­zosen, in der Flanke anzugreifen, hatte Kluck sieg­reich in der Gegend von Combes abgewiesen. Ge­neraloberst von Bülow hatte den überlegenen Gegner bei St. Quentin entscheidend geschlagen, die Heeresgruppe von Hausen hatte den Feind bei Rethel auf die Aisne zurückgedrängt, die Armee des Herzogs von Württemberg hatte die Franzosen bis über die Maas zurückgeworfen und

In diesen Wochen jähren sich zum vierzigsten Male die Tage der ruhmreichen Kämpfe unserer ehemaligen Schutztruppe gegen die auf­ständischen Hottentotten in Südwestafrika. Die Hottentotten lagen seit vielen Jahren in blu­tiger Fehde mit den Hereros. Was unsere jungen Kolonien aber damals brauchten, war Ruhe und nochmals Ruhe, um durch einen planmäßigen Auf­bau der Wirtschaft des deutschen Mutterlandes so bald als möglich nützlich zu sein. Es waren vor allem die sog. Witboi-Hottentotten, so gekennzeichnet nach ihrem Häuptling Hendrik Witboi, die einen erfolgreichen Kampf gegen die Hereros führ­ten und durch ihre dauernden Raubzüge und lieber« fälle das Land weithin in Unruhe und Schrecken versetzten. Hendrik Witboi war seinem Vater Moses Witboi im Jahre 1888 in der Häuptlingswürde gefolgt und war sofort von Gibeon, dem Stammsitz der Witboi-Hottentotten, nach dem Hoornkrans am Gansberg übergesiedelt, um von hier aus seine Un­ternehmungen gegen die Hereros besser durchzu­führen.

Jnz Jahre 1892 wurden Hendrik Witboi dann von den deutschen Behörden exemplarische Strafen an» gedroht, wenn er nicht mit den Hereros Frieden schließe. Witboi ließ sich zunächst auch zu Waffen- stillstandsverhandlungen bereitfinden, verweigerte aber nach wie vor, die deutsche Herrschaft ohne jede Bedingung anzuerkennen. Da griff die Schutztruppe am 12. April 1893 den schwarzen Häuptling in sei­nem Nest in Hoornkrans an. Das Kommando führte Major von Franxois. Aber es gelang Hendrik Witboi, der deutschen Umfassung zu entkommen und

Deutschland muß seine Handelsbeziehungen mit der übrigen Welt einer Revision unterziehen. Das bedeutet nicht, daß es sich etwa von den Welt­märkten zurückziehen will. Ein Volk von 66 Millio­nen Menschen wird immer Bedarf an fremden Erzeugnissen haben, und Deutschland vermag eben­sowenig wie irgendein anderes Land mit den aus der Eigenerzeugung stammenden Waren aus­zukommen, wenn es nicht zu einer Primitivität der Lebensführung zurückkehren will, die der Führer als falschen Weg ausdrücklich abgelehnt hat. Not­wendig ist aber, daß Deutschland feine Zah- lungs - und Handelsbilanz ins Gleich­gewicht bringt. Zu diesem Zweck muß es ver­suchen, einen größeren Teil feines Rohstoffbedarfs als bisher aus der eigenen Erzeugung zu decken. Denn ohne genügende Rohstoffmengen kann der heutige Umfang der deutschen industriellen Produktion nicht aufrechterhalten werden. Einschrän­kung der Produktion aber würde erhöhte Arbeits­losigkeit bedeuten, also Deutschland wieder in jene Wirtschaftsnot zurückführen, aus der es die natio­nalsozialistische Arbeitsbeschaffung soeben glücklich herausgeführt hat.

Es handelt sich also darum, einen Teil der aus­ländischen Rohstoffe, die die deutsche Industrie bis­her verbraucht hat, durch solche aus inländischer Erzeugung zu ersetzen. In diesem Sinne ist der Ruf nach Ersatzstoffen berechtigt und notwendig. Die inländischen Rohstoffe, die teilweise an die Stelle der importierten treten sollen, sind aber nicht Ersatzstoffe im üblichen Sinne, mit denen noch immer der Begriff Minderwertigkeit verbunden zu werden pflegt. Die diesjährige Leipziger Herb st messe zeigt den Besuchern, in welchem Umfange die deutsche Wirtschaft heute schon im­stande ist, an Stelle ausländischer Rohmaterialien vollwertigen Ersatz zu erzeugen. Das gilt insbesondere für die Textilwirtschaft, deren Bedarf an ausländischen Rohstoffen wohl zahlen­mäßig am schwersten ins Gewicht fällt. Noch im letzten Jahr mußten für 600 Millionen Mark Textil- rohftoffe nach Deutschland importiert werden, ein Betrag, der eine außerordentlich starke Belastung der deutschen Handels- und Zahlungsbilanz bar« stellt. Auf der Leipziger Messe werden neuartige, aus der Kunstspinnfaser hergestellte M i s ch g arne und Mischgewebe gezeigt, deren Verbrauch zu einer wesentlichen Verwinde- rung des Bedarfs an ausländischen Textilrohstoffen führen wird. Denn zur Herstellung dieser Garne wird nur zu 50 Prozent Wolle verwandt, im übrigen aber Baumwolle, Seinen und vor allem K u n st s e i d e. Die Mischgarne sind durchaus vollwertig und ermöglichen eine Beimischung erheblicher Mengen inländischer Kunst­seide auf Gebieten, auf denen bisher nur Wolle und Baumwolle Verwendung finden konnten. Ebenso bedeutungsvoll sind Die aus Kunst» wolle, d. h. aus Abfällen der Wolle hergestellten Gewebe, die in Leivzig gezeigt werden, um den Verbrauchern vor Augen zu führen, daß sie den

sche Heiler vor Paris.

das Fort Les Ayvelles genommen. Auch die Heeres­gruppe des Kronprinzen hatte den Vormarsch über die Maas fortgesetzt, Montmedy war gefallen, und schließlich standen die Armeen des Kron­prinzen von Bayern und des General­obersten von Heeringen in Lothringen in fort­gesetztem Kampfe. Am 2. September fiel Givet, und zwischen Reims und Verdun wurden die Franzosen am gleichen Tage wieder erheblich zuruckgeworfen. Mit dem Fall des Sperrforts Givet, das hoch oben in den Felsen gelegen ist, waren aber sämtliche französischen Sperrbefestigungen im Norden des Landes mit Ausnahme von Maubeuge in deutschen Händen. Ä

In breiter Front wurde der Kampf gegen Reims eingeleitet. An diesem Tage machte unsere Kavallerie wieder ihre ausgedehnten Vorstöße, und die Reiter der Heeresgruppe von Kluck tarnen am Abend des 2. September b i s i n d a s W e i ch b i l d von Paris. Die Franzosen befanden sich vor den Armeen Kluck, Bülow, Hausen und des Herzogs von Württemberg im Rückzug auf und hinter die Marne. Nur der Kronprinz begegnete bei Verdun heftigem Widerstand und konnte den Feind nur im Süden zurückwerfen. Die 1. Armee nahm nun Front nach Süden, die 2. Armee überschritt die Aisne bei Soissons, die 3. Armee ging über Rethel auf Cha- lons s. M. vor, bis ihr am 4. September Reims kampflos in die Hände fiel. Immer wieder aber erschienen in diesen Tagen die deutschen Kavallerie­patrouillen vor den Toren von Paris, nordwestlich in den Niederungen der Seine, und die Kluckschen Reiter waren es, die damals der seindlichen Haupt­stadt am nächsten tarnen.

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mit seinen Kriegsscharen in die unwirtlichen Gebiete der Naukluft zu flüchten.

Jetzt begann der erste große Krieg der Schutztruppe gegen die Hottentotten, der sich über ein Jahr hinzog. Ganz allmählich ge­lang es dann dem Nachfolger von Francois, Major Leutwein, den Häuptling in einen Engpaß der Nau­kluft abzudrängen. Hier kam es in den Tagen des 26. und 27. August 1894 zur entschei­denden Schlacht. Die Naukluft, ein sehr wilder Gebirgsstock und Ausläufer der mittleren Gebirge des Schutzgebietes, bereitete den deutschen Truppen die größten Schwierigkeiten. Die Hottentotten waren mit der Landschaft doch wesentlich vertrauter und paßten sich ihr ungleich besser an, so daß sie trotz der primitiven Bewaffnung zu einem nicht zu un­terschätzenden Gegner wurden. Erst nach langen Mühen und unendlichen Strapazen gelang es, nach­dem auch wiederholt Verstärkungen herangezogen werden mußten, den Häuptling entscheidend zu schlagen, so daß er sich bann am 9. September 1894enbgültig unterwarf. Hendrik Witboi wurde mit feinem Stamme nach Gibeon zurückge­führt, durfte mit feinen Kriegsfcharen die Waffen behalten und erhielt dann von der Regierung ein Jahresgehalt. Von nun an hielt Hendrik Witboi dem Deutschen Reiche lange Jahre die versprochene Treue, und seinem Einfluß war es zu danken, wenn mancher Aufstand unter den eingeborenen Stäm­men niedergehalten werden konnte. So wurde die Schlacht in der Naukluft zu einer wichtigen Etappe in der Entwicklung und in dem Aufbau Deutsch­südwestafrikas.

aus Neuwolle erzeugten Geweben im praktischen Gebrauch vollkommen gleichwertig sind.

Aber auch für andere Industrien gibt cs zahlreiche Möglichkeiten, anstelle der ausländischen Rohstoffe vollwertige, im Jnlande hergestellte Stoffe zu ver­arbeiten. Eine Verbreiterung der deutscken Rohstoff­basis ist auf diesem Wege durchaus möglick. Dabei ist aus psychologischen Gründen ausdrücklich darauf hinzuweisen, daß die aus solchen Ersatzstuffen herge­stellten industriellen Waren ausschließlich für den Bedarf des Binnenmarktes Verwendung finden sol­len. Für die Exportindustrien können bedenkenlos ausländische Rohstoffe zur Verfügung gestellt wer- den, da sie ja in Gestalt von Fertigwaren wieder exportiert werden, und die Preisspanne zwischen Rohstoffen und Fertigwaren Deutschland einen Devisenüberschuß einbringt. Umso wichtiger aber ist es, daß zu der für die Binnen­märkte bestimmten industriellen Verarbeitung in möglichst großem Umfange heimische Rohstoffe ver­wendet werden. Denn dadurch werden nicht nur Devisen erspart, sondern es wird zugleich auch Mehrbeschäftigung für die deutschen Arbeiter geschaf­fen. In den Preisen der inländischen Ersatzrohstoffe ist meist ein sehr hoher Arbeitsanteil enthalten. Kunststoffe pflegen arbeitsintensiver zu sein als die Naturstoffe. Mehrarbeit aber hilft die Arbeitslosigkeit aus der Welt schaffen. Wegen dieser arbeitschaffenden Seite der Ersatzstoffproduktion darf es sogar in Kauf genommen werden, wenn die Her­stellung aus Ersatzstoffen hier und da etwas teurer ist als die aus ausländischen Naturstoffen. Denn die öffentliche Hand, die ja bann Arbeitslosenunter­stützungsgelder einspart, kann die Mehrkosten häu­fig ausgleichen.

So werden durch den Zwang, mehr Rohstoffe im Inland zu erzeugen, neue Industrien und neue Arbeits st ölten ins Leben gerufen wer­den. Man wird auch das Rohstoffproblem in den Dienst der Arbeitsbeschaffung stellen und dadurch den deutschen Arbeitsmarkt systematisch erweitern. Wenn die Rohstoffnot Arbeit schafft, so wird sie der deutschen Wirtschaft mehr nützen als schaden.

Die internationale Konferenz für Agrarwissenschaft.

Die Verhandlungen der internationalen Konferenz für Agrarwissenschaft fanden ihre Fortsetzung mit den Berichten über die Krisenbekämpsung in den landwirtschaftlichen Zuschußländern m i t A n n ä h e - rung an die Selb st Versorgung. Professor Dr. von Dietze (Berlin) gab einen lieb erb lick über die agrarpolitischen Maßnahmen i n D e u t s ch - land seit dem verschärften Ausbruch der Krise 1929. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten erläuterte er bas Erreichen des aerechtenPreises im Bereich des Reichsnährstandes, Der Damit dem nationalsoziali­stischen Gedankengut volle Geltung verschafft habe. Auf derselben Linie liege die antikapitalistische Siche- rung der Bauernwirtschaften. Prof. T a f f i n a r i (Stahen) schilderte die Voraussetzungen der faschisti­schen Agrarpolittk. Es sei undenkbar, daß der wirt­

schaftliche Liberalismus, der fick in den einzelnen Staaten als unhaltbar erwiesen habe, in den Beziehungen zwischen den Staaten zu neuer Bedeutung kommen könne. Es werde sich vielmehr um eine ähnliche planvolle Ord­nung der zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen handeln müssen, wie sie in den meisten Ginzelstaaten für die Binnenwirtschaft durchgeführt werde. Einen historischen Beitrag zu den planwirtschaft­lichen Erörterungen lieferte Frhr. von Fal­ke nh a us e n (Potsdam) mit Ausführungen über die Verwaltungserfahrungen der deutschen Kriegs- ernährungswirtschaft. Die Maßnahmen der Ueber- schußländer mit intensiver Landwirt- schäft erläuterte dann an dem niederländischen Beispiel Prof, de Minderhout (Wegeninger). Die Reihe der europäischen Berichte schloß der ehe­malige südslawische Landwirtschaftsminister Prof, von Frangesch mit einer Darstellung der Er­fahrungen in den kleinen südosteuropäiischen Dau­ernländern.

Bedeutsamer Schritt zur organischen Zinssenkung.

DieBraunschweigischeStaatsbank senkt den Zinsfuß für Ltaats- und Kommunalkredrt.

Berlin, 28. Aug. (DNB.) Die Reichsregierung hat durch eine einschneidende . Maßnahme sofort nach der Machtübernahme den Weg der organischen Zinssenkung beschritten. In erster Linie ist in dieser Richtung des Gemeindeumschul­dungsrecht zu erwähnen und die Konver­sion mehrerer Reichsanleihen zu nen­nen. Auch der Verband Deutscher öffent­lich - rechtlicher Kreditan st alten hat durch seine Pyrmonter Beschlüsse im Vorjahre mit einer Zinsermäßigung begonnen, die durch das Vorgehen der Sparkassen und des Ver­sicherungswesens unterstützt wurde. Die Braunschweigische Staatsbank hat so­eben den Zinssatz für die öffentlich-rechtlichen Kre­dite (Staats- und Kommunalkredite) ab sofort durch einstimmigen Beschluß des Direk­toriums mit einmütiger Zustimmung des Aufsichts­und Verwaltungsrates von etwa 5,8 auf 4 v. H. herabgesetzt.

Die Braunschweigische Staatsbank hat diesen Schritt unternommen, um von sich aus die Be­strebungen der Reichsregierung auf eine organische Zinssenkung energisch und wirkungsvoll zu unter­stützen. Eine eingehende Prüfung des Geschäfts­ergebnisses des ersten Halbiahres Der Braunschwei­gischen Staatsbank hat ergeben, daß- die Staats­bank in der Lage ist, die Einbuße, die durch die Herabsetzung des Zinssatzes hervorgerufen wird, aus eigenen Kräften z u tragen. Im engsten Einvernehmen mit dem braunschwei­gischen Staatsministerium ist es dann zu dem Be­schluß gekommen, die einschneidende Zinsherab­setzung auf dem Gebiete des öftentlich-rechtlichen Kredites vorzunehmen.

Es ist zu erwarten, daß nach diesem Vorgehen einer der ersten deutschen Staatsbanken auch die anderen öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute z u einer sofortigen Nachprüfung b e r Höhe des Zinssatzes kommen, und Daß sich dem Vorgehen auch die sämtlichen übrigen Privat­bankinstitute anschließen, um bald auch zu einer Senkung des Zinssatzes für Wirtschafts- k r e d i t e zu kommen.

Verbot der ZeitschriftAordland"' wegen schwerer Angriffe auf das Christentum.

DNB. Berlin, 28.Aug. Die Pressestelle der NSDAP, teilt mit: In einer Zeitschrift Nordland" hat vor einiger Zeit in der Folge 13 ein gewisser August Hoppe, der sich als Presse­referent der Hitlerjugend bezeichnete, einen Artikel veröffentlicht, der nach Form und Inhalt einen schweren Angriff a u f bas Christen - t u m barstellt und von den zuständigen Stellen schärf st e n s mißbilligt wird. Die Zeitschrift Nordland" ist daraufhin auf einen Monat verboten worden. Der verantwortliche Schrift­leiter wurde gemaßregelt. Eine Untersuchung hat ergeben, Daß der Verfasser des betreffenden Artikels, Hoppe, bereits im Mai wegen eines ähnlichen Vorkommnisses seiner Dienst­stellung als Pressereferent eines Unter­bannes der Hitlerjugend in einer kleinen Stadt Westfalens enthoben worden ist. Er hat sich also fälschlich als Pressereferent der Hitler­jugend bezeichnet. Hoppe ist wegen des genannten Artikels von der Reichsiugendführung aus der Hitlerjugend entfernt worden.

Oer Kampf gegen die Kommunisten in China.

Schanghai, 29. Aug. (DNB. Funkspruch.) In den letzten Wochen sind umfangreiche Operationen gegen die Kommunisten in Kiangsi im mittle­ren China durchgeführt worden. Große kommuni­stische Truppenabteilungen sind nach Fukien, der mittleren Küstenprovinz getrieben und dort geschlagen worden, wobei sich die Ueberbleibfel in in die Berge geflüchtet haben sollen, wo sie um­zingelt worden seien. 5000 Kommunisten sind von Südwest-Kiangsi nach Hunan, also nach Westen, gezogen. Eine weitere Abteilung von 30 000 Kom­munisten soll Vorbereitungen zum Rückzug in der gleichen Richtung treffen. In Kiangsi hat man Blockhäuser längs der Wege errichtet und die Städte befestigt, wodurch die Roten gezwungen waren, sich in einem bestimmten Gebiet zusammen­zuziehen, wo ihre Lebensmittelvorräte bald zu Ende gingen. Auf dem langen Wege nach Kweitschau, einer Provinz westlich von Hunan, wo der berüch­tigte Kommunistenführer Holung sein Haupt­quartier hat, werden sie aber von den verfolgenden Regierungstruppen angegriffen und, wie man hofft, geschlagen werden.

Verschärfung der Lage in der Aordinandschurei.

C h a r b i n, 28. Aug. (DNB.) Die Lage in der Nordmandschurei spitzt sich bedrohlich zu. Bei Haussuchungen bei Sowjetangestell» ten der nordchinesischen Bahn wurde eine Menge von Waffen, Handgranaten und Spreng st offen gefunden. Daraufhin wur­den weitere 70 Sowjetangestellte ver­haftet. Der sowjetrussische Konsul hat gegen die Festnahme der Angestellten P r o t e st eingelegt. Er erklärte, dieses Vorgehen zwänge die Sowjetregie­rung, ihr Heer am Fernen Osten weiter zu ver­stärken. Japanischerseits wurde der Protest nicht beachtet.