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Winzerfest am Rhein.
Von Ilse Schreiber.
Die Ernte des werdenden Brotes löst die Zeit der Weinlese ab. Gott sorgt, daß seinen Menschenkindern das Symbol des Leibes Christi „Brot und Wein" in neuer Fülle zuströmt.
Die Wunderkraft der Sonne hat den Saft in den Beeren der Trauben gekocht. Langsam fangen sie an, gläsern und durchsichtig zu werden. Der Winzer erkennt an diesem Merkmal den Beginn der Reife. Bon den Ortsvorstehern wird jetzt die Schließung des Weinbergs angeordnet. Nicht einmal mehr der Weingutsbesitzer darf seinen eigenen Grund und Boden betreten. Bon der Gemeinde angestellte Hüter verhindern jeden Zutritt.
Diese weise Maßregel der Obrigkeit ist ein echt germanischer Brauch. Gedacht, um in dieser wichtigen Zeit vor der Lese die pflegliche Behandlung des reifenden Weines Zu gewährleisten, seine letzte natürliche Vollendung vor unsachgemäßer, vielleicht egoistischer Maßnahme des Besitzers zu schützen, dessen Eigennutz imstande wäre, den Gemeinnutz zu schädigen.
Sind die Trauben dann völlig reif, wird der bedeutungsvolle Tag zum Beginn der Lese bestimmt. Alter Tradition gemäß künden ihn Böllerschüsse von den Hutzeln herab dröhnend in die lieblichen Rheintäler, läutet ihn Glockenklang aus den kleinen schiefergedeckten Dorfkirchen feierlich ein.
Schnell beginnt ein lustiges Treiben. Das Volk der Winzer steigt hinauf in die Weinberge. „Froh, aber nicht laut!" Wer das glaubt, hat falsche Vorstellungen. Mit angeborenem Geschick lesen die emsigen Hände der Frauen und Mädchen den reichen Behang der Rebstöcke in die Tragkörbe, während Männer und Burschen die ^üße Last hinab auf ochsenbespannten Wagen tragen.
In den Kelterräumen der Winzerhäuser fließt der duftende Saft bald aus den Pressen und bestätigt (wie zu erwarten war nach solchem Sommer) ein hohes Mostgewicht. Diese Feststellung und der herrliche Geschmack des Mostes wird jubelnd und dankbar begrüßt.
Ein einziges Thema mit vielen Variationen begleitet diese fröhliche Arbeit froher Menschen: Wein und Jahrgänge, Ernten und Mißernten, Früher und Jetzt, Wohlstand und Not. Und immer klingt die letzte aus: „Wird das dieses Jahr ein Wein werden!"
Kein Wunder, und es soll auch nicht verschwiegen werden, daß in dieser freudevollen Zeit auch die Liebe zu ihrem irdischen Recht kommt. Die Burschen schwenken die Mützen, wenn sie mit den Tragkörben auf dem Rücken die vielen Stufen des Bergpsades hinab und hinaus eilen. Die Mädchen sind dann noch einmal so vergnügt bei der Arbeit und lachen und fingen Antwort. Angefangen hat es bei diesen und jenen vielleicht schon früher. Nun leistet alter Brauch willkommene Hilfsstellung. Ist sie willig, braucht sie nur eine versteckte Traube am Rebstock zu über-
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Weinjahr 1934. Nur wäre es noch besser für sie, wenn auch die Verbraucher im Reich mehr über den Weinbau und seine Erzeugnisse wüßten. Jm- merhin wird die organische Zusammenfassung im Reichsnährstand auch hierfür Besserung bringen. Das wird besonders für die vielen kleinen Winzer lebenswichtig sein.
Heute gibt es in Deutschland eine Weinbaufläche
Jeder, der einen guten Tropfen liebt, freut sich schon im geheimen auf den 1934er. Bei so viel Sonnenschein in diesem Jahr, wie wir ihn lange nicht gehabt haben, muß das doch ein Wein werden, daß schon heute das Wasser im Munde zusammenläuft.
Aber unsere Winzer an Rhein, Mosel, Ahr, in der Pfalz usw. können es auch brauchen, das gute
Was weißt du vom Wem?
Von Ludger Llpeniiek.
von etwa 72 000 Hektar, die sich aber nicht nur auf das Rheinland, Bayern, Hessen, Baden, Württemberg verteilt; auch im Regierungsbezirk Frankfurt a. d. O., Schneidemühl und Liegnitz werden 118 Hektar mit Wein bebaut, und selbst in den Kreisen Niederbarnim (Brandenburg), Schweidnitz und Wittenberg 11 Hektar. Diese Weinbaufläche verteilt sich auf ungefähr 175 000 Weinbaubetriebe, dre z. T. % bis % Hektar groß sind. Das sind allerdings „Weingüter", die keine selbständige Acker- nahrung bilden und deren Besitzer auf Nebenver- dienst angewiesen sind. Auch im Weinbau hat die unselige Zersplitterung der Betriebe infolge Erbteilung dahin geführt, daß es heute unzählige kleine Wmzer gibt, die von ihrem Besitz allein nicht leben können. Auch hier wird sich im Laufe der Jahre die Erbhofgesetzgebung segensreich aus- wirken.
Immerhin ist der Weinbau im Laufe der letzten 30 bis 40 Jahre durch die Fortschritte im Pflanzen- '£?.UÖ' vuf dem Gebiet der Bodenbearbeitung der Düngung und Rebenzüchtung wesentlich ertragreicher geworden als in früheren Zeiten. Trotz der großen Weinerzeugung Deutschlands werden aber nur 20 v. H. davon nach dem Osten Deutschlands verladen. Woher kommt das?
Der verhältnismäßig geringe Weinverbrauch im Osten Deutschlands liegt nicht etwa in einer mangelhaften Wirtschaftslage der Verbraucher begründet, sondern vielmehr in der geringen Kenntnis eines guten Weines überhaupt. Die Hauptschuld hieran trifft aber die Winzer selbst. Die Werbepokale der einzelnen Gegenden genügen nicht. Der Verbraucher muß vor allem genau aufgeklärt wer- was er trinkt. Der schöne Name besagt zunächst sehr wenig und bürgt keineswegs für Wachstum und Naturreinheit. Nur wenn beides ausdrücklich auf der Flasche steht, ist der Wein unverbessert, naturrein und unbedingt bekömmlich. Selbst „Orwlnalabfülluna" bedeutet nur, daß der Wein im Keller des Winzers auf Flaschen ge-
Musik abholen. In geschlossenem Zuge geht dann die „Kompanie" erst zum Bürgermeister und bann ms Festlokal. Tanz ist die Seele des Festes. Um diese Zeit „schierpst" der Federweiße schon und hat eme erstaunliche Wirkung. Bei dem gemeinsamen Abendessen besteht das Eßgerät wie vor hundert Jahren aus Zinn. Teller und Becher tragen launige Sprüche. Auch vielen von nah und fern zusammen- stromenden Zuschauern wird die Teilnahme am Tanz gestattet. Bei anhaltender Feststimmung dehnt sich das Fest oft über acht Tage aus, sammelt die „Kompanie" jungen Wein weiter und tanzt und trinkt, bis er alle ist.
Wein und Liebe! Glück und Rausch! Wer aber glaubt, das Volk eines Weinlandes überschlage sich dabei vor Uebermut und Ausgelassenheit und ei aus hitzigem Blut heraus zu besonderen Derbheiten geneigt, der irrt. „Froh, aber nicht laut!"
Wohl die meisten wirklich naturreinen Weine werden an der Mosel verkauft. Zum großen Teil gilt das aber auch für die Rheingegenden. Auf jeden Fall ist es aber für den Verbraucher nicht leicht, sich zwischen den zahllosen Lagen und Bezeichnungen zurechtzufmden. Deshalb wird heute mit Recht im- mer mehr die Forderung erhoben, die naturreinen Weine irgendwie in Gruppen aufzuteilen und über diese Gruppen dann den Verbraucher aufzuklären. Mit der Lagen- und Wachstumsbezeichnung müßte er auch sofort von der Flasche ablesen können, ob t3 lA UM süßen, vollen oder herben Wein von der Mittelmosel oder sonst woher handelt. Wenn außerdem dafür gesorgt wird, daß der Verbraucher auch in der großstädtischen Gaststätte guten Wein irelswert kaufen kann, der nicht das Fünffache dessen kostet, was der Winzer bekommt, und wenn I Ach der Wemhandel für eine Aufklärung im obigen ©inne forgt, wird allen geholfen fein, dem Winzer, idem Weinhandel und dem Wein-„Genießer".
sehen, die er sucht und findet. Um daraus das Recht Aves Kusses abzuleiten. Alles weitere hängt vom Kontakt ab. Nur er wird entscheiden, ob das kleine Opfer größere nötig macht und einen scherzhaften Anfang zum vollen Erlebnis rundet.
„Froh, aber nicht laut" find auch die Winzerfeste, die getreu uralter Tradition in guten Weinjahren heute wieder in vielen Rheinorten nach Beendigung der Lese öffentlich gefeiert werden. In den letzten ! Jahrzehnten war diese schöne Sitte, wie so mancher andere alte Dolksbrauch fast verloren gegangen und hatte sich nur noch in einem einzigen Woinort an der Mosel, in Winningen, erhalten. Junge unbescholtene Burschen tragen die Kosten für das Fest bis auf den Wein, der von den Mädchen beschafft wird. Der Verlauf eines solchen Festes beginnt damit, daß die Burschen im schwarzen Anzug mit Zylindern und weißen Handschuhen die weißgekleideten blumengeschmückten Mädchen einzeln mit
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