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Eröffnung der Reichsiheaierwoche in Dresden in Gegenwart des Führers.

Stürmische Begrüßung des Führers bei seinem Einzug in Dresden.

Dresden, 27. Mai. (DNB.) Am Sonntag be­gann in Dresden die erste Reichstheaterfest- woche. Die Stadt hatte zu diesem Tage ein festliches Gewand angelegt. Besonders eindrucks­voll war das Rathaus mit großen roten Teppichen, goldenen Hakenkreuzen und Lorbeerkränzen ge­schmückt. Auch der Monumentalbau des Opern­hauses, in dem die Theaterfestwoche eröffnet wer­den wird, bot ein festliches Bild. In den Abend­stunden des Samstags wurden die hauptsächlichen und schönsten Gebäude der Residenz, das Schloß, die Oper, die Hofkirche, das Rathaus usw. be­leuchtet und boten ein entzückendes Bild.

Am Sonntag war Dresden schon frühzeitig auf den Beinen, nachdem sich als sicher herausgestellt hatte, daß der Führer kommen werde. Erst im Laufe des Sonntags hatte sich der Führer ent­schlossen, die Fahrt von Berlin nach Dresden nicht wie vorgesehen im Flugzeug, sondern im Kraft­wagen zurückzulegen. In Dörfern und Städten standen überall große Menschenmengen. Im letzten Augenblick waren die Häuser beflaggt worden, Blumen wurden auf den Weg gestreut, und man sah es manchem an, daß er unvorbereitet im letzten Augenblick auf die Straße geeilt war, um einen Blick vom Führer zu erhaschen. Gauleiter Reichs­statthalter M u t s ch m a n n war zusammen mit Gruppenführer Schuhmann bis zur Stadtgrenze dem Führer entgegengefahren. Am äußersten Flü­gel des SA.-Spaliers stand der Führer der SA.- Gruppe Sachsen, Gruppenführer Hayn, und brachte dem Führer den Gruß der sächsischen SA. Hinter dem SA.-Spalier drängte sich viele Glieder tief

die Menschenmenge. Alle Dächer waren besetzt. Auch auf die Dachsimse hatte man sich gestellt. Stellenweise war der Weg mit Blumen übersät. Selbst alte Mütterchen hatten sich auf die Straße gestellt und stundenlang im kalten Winde verharrt. Sie waren nicht zu bewegen, in ein Haus zu gehen, weil sie Angst hatten, den Füh­rer zu verpassen.Einmal will ich den Führer vor meinem Tode sehen", sagte ein altes Mütterchen und hielt standhaft die Stellung.

Vor dem Hotel Bellevue stieg der Führer aus und schritt die Front der Ehrenformation der SA. ab. Er begrüßte den Ministerpräsidenten Obergrup­penführer d. Dillinger, den Generalintendanten der Sächsifchen Staatstheater Geh. Rat Dr. Adolph und die anderen Anwesenden.

Die Feier im Opernhaus.

Kurz vor 20 Uhr begab sich der Führer am Spa­lier der Menschenmenge vorbei in das Opern­haus. Der Führer begrüßte auf dieser Fahrt ganz besonders die Kriegsoerletzten, die sich in langer Reihe auf dem Adolf-Hitler-Platz eingefunden hat­ten. In der Staatsoper wurde der Führer von Reichsminifter Dr. Goebbels in die große Mit­telloge geleitet. Neben dem Führer nahmen die Reichsminifter Dr. Goebbels, o. Blomberg und G ü r t n e r Platz, ferner Reichsftatthalter Mutschmann und Ministerpräsident v. K i l l i n- ger. Unter den Gästen bemerkte man den Leiter der Theaterabteilung im Propagandaministerium, Ministerialrat L a u b i n g e r, und den Reichsdrama­turg Dr. Rainer Schlösser. Das Publikum be­grüßte den Führer mit Händeklatschen. Reichs­minister Dr. Goebbels nahm sodann das Wort zu seiner großen Rede, an deren Schluß er die Reichs- theaterfe st woche in Dresden für eröffnet erklärte.

Vekenntms zu Richard Wagner heiß! Bekenntnis für die deutsche Kunst der Töne.

Die Eröffnungsansprache des Reichspropagandaministers.

Jede Revolution, die vor der Geschichte Bestand hat, ist ein g e i ft i g e r A k t. Hinter jeder Re­volution steht eine Idee, und es ist ihr Sinn, daß diese Idee auf allen Gebieten des öffentlichen und vrivaten Daseins zum Durchbruch kommt. Unter oiefem Gesichtswinkel gesehen, ist die Revolution eine geistige Auseinandersetzung, die an der Kunst und an der die Kunst nicht teil­nahmslos Vorbeigehen kann. Eine Umwälzung von der dynamischen Gewalt etwa der deut­schen Revolution macht deshalb vor den Toren der Theater nicht halt, ihr Rhyth­mus klingt unüberhörbar auch in die geheiligten Tempel der Muse hinein.

Das bedeutet nicht, daß die Träger dieser Re­volution die Absicht hätten, die Kunst und den Künstler unter ihre parteimäßige Bevormun­dung zu stellen. Sie wissen zu gut, daß sie da­mit beiden Zwangsgesehe aufzwingen würden, die sehr bald den schöpferischen Genius ersticken und das organische Wachstum künstterischen Schaffens zum Erliegen bringen müßten. Ls ist vielmehr so, daß die Revolution nicht nur das politische Recht, sondern auch die geistige ' Pflicht hat, die Kunst und den Künstler i n d i e richtige Winkel st ellung sich selb st < und dem Volk gegenüber zu bringen. . Don hier ab haben beide volle Betätigungs­und Entfaltungsmöglichkeiten. Denn die Gesetze, nach denen sie schaffen, sind ewig und können durch keine machtpolitische Umwälzug geändert werden. Wandelbar sind die Stoffe, deren sie sich bemächtigen, ist Gesinnung und Haltung, die sie den Stoffen unterlegen, ist der Lharak- ter, mit dem sie den Stoffen ewiges Leben einhauchen.

Das ist auch das Moment, das uns bewegte in

unserem Bestreben, die Kunst und den Künstler i n ein lebendigeres Verhältnis zu Staat und Volk zu bringen, als das im liberalen Zeit­alter eines überspitzten Individualismus überhaupt möglich war. Der Nationalsozialismus kennt nur eine deutsche Kunst, die an keine Stadt- und Län­dergrenzen mehr gebunden ist. Seine Fürsorge gilt einem deutschen Theater, daß seine Impulse weder von preußisch, noch bayerisch, noch württem- bergisch bedingten Eigensüchten, sondern lediglich vom deutschen Charakter in seiner Ganzheit emp­fängt. Es ist kein Gegensatz dazu, wenn der Natio­nalsozialismus Mittelpunkte kulturellen Schaffens, die sich aus der Entwicklung unseres deutschen Lebens gebildet haben, mit Eifer und Be­dacht aufrechter hält und in ihrer Existenz- fähigkeit pflegt und fördert. Denn so gewiß es ist, oaß der deutsche Charakter auch im Künstlerischen sein einmaliges, bestimmtes und scharfprofiliertes Gesicht trägt, so gewiß auch ist es, daß dieses Gesicht unverkennbar die Züge der Mannifaltigkeit und Vielgestaltig- feit hineingeschrieben sind, und gerade diese ihm für uns selbst und für die ganze Welt die feit Jahrhunderten bewährte magische Anzie­hungskraft verleihen. Es ist deshalb kein Zufall, daß die erste, unter dem Schutz der tatkräftigen Förderung des Reiches veranstaltete deutsche Thea­terwoche, die zueröffnen ich heute die Ehre habe, gerade in Dresden, der in Deutschland fast ein­zigartigen Stadt musischen Schaffens und künstle­rischen Gestaltens, vonstatten geht.

Hnb es ist weiterhin kein Zufall, daß zu ihrem Beginn und zu ihrem Ende jener unsterbliche Weister zu Wort kommt, von dem der Sah stammt, daßDeukschsein heiße, eine Sache um ihrer selbst willen tun" und der es wie kein anderer vor ihm und nach ihm verstand, mensch­liches Leid und menschliches Glück in die All­

gewalt der Töne hereinzubannen. Wit den rau­schenden Jubel seines Bekenntnisses zur deut­schen Kunst wird diese Theaterwoche am kom­menden Sonntag ausklingen. Wit dem starken, herben und blühenden Zauber seines die Her­zen erschütternden Liebesliedes soll sie heute be­ginnen. So lange die Allgewalt der Liebe die Wenschen in ihren Bann zwingt, werden diese Töne weiter erklingen. Sie sind der letzte mu­sikalische Ausdruck tragischer Leidenschaft und zeitentrückter Sehnsucht, hier hat der Welten­geist einen Genius begnadet und ihm in über­schwenglicher Gebefreudigkeit Töne in die Feder gelegt, die für alle Zeiten die Herzen der

Wenschen erheben und erschüttern werden.

Wenn wir mit WagnersTristan und Isolde" die Reichstheaterwoche eröffnen, um sie mit seinenM e i st e r s i n g e r n" zu beschließen, so huldigen wir damit dem großen deutschen Genie, das unserer Zeit am nächsten steht und deshalb auch von der wertearmen und pietätlosen Vergangenheit, die wir überwanden, am heftigsten begeifert und befehdet wurde. Wie turmhoch er­hebt sich seine ewige Kunst über den nörgelnden Besserwissereien einer sederaewandten kritischen Gilde, die während der Verfallszeit des November in Deutschland das große Wort führen durfte! Wie weit läßt feine Meisterschaft der Tone, seine Klar­heit der Linienführung, seine Ueberfüüe echtesten Musikantentums, seine dichterische Gestaltung und Ballung des dramatischen Stoffes all die überheb­lichen und in ihrer Talentlosigkeit geradezu aufrei­zenden Banalitäten moderner Atonalität hinter sich! Wie-modern wirkt Wagner heute noch in sei­ner virtuosen Beherrschung der technischen Mittel und in der glanzvollen Durcharbeitung des musi­kalischen Stoffes bis in die letzte blühende und singende Melodienführung hinein! Zu ihm sich be­kennen, das beißt Bekenntnis ablegen für die deut­sche Kunst der Tone. Das in dieser festlichen Stunde zu sagen, waren wir dem großen Genius schuldig. Von ihm kann man wie von keinem anderen behaupten, daß er die Menschen glücklicher gemacht habe. Das neue Reich erfüllt nur eine selbstverständliche Dankespflicht tiefgeneigter Ehr­furcht, wenn es in Richard Wagner feinem un­sterblichen Genius huldigt.

Erneute stürmische Huldigungen für den Führer.

Dank an die Künstler.

Nach der Ansprache des Reichspropagandamini­sters begann in dem festlich gestimmten Hause die erste Vorstellung der Theaterfestwoche,T r i st a n und I s o l d e". In der Pause nach dem zweiten Akt begab sich der Führer auf den Balkon des Opernhauses. Als die Menschenmenge den Führer erkannte, überflutete ein gewaltiger Menschenstrom die Sperrketten, nach wenigen Minuten war der ganze Platz vor dem Opernhaus ein brodelndes Menschenmeer, aus dem immer wieder begeisterte Heil-Rufe emporstiegen. Der Führer grüßte immer wieder die Bevölkerung, deren Begeisterung keine Grenzen mehr kannte. Als der Führer sich dann anschickte, den Balkon wieder zu verlassen, stieg aus der Menschenmenge niemand weiß, wer es be­gann urmächtig das Deutschlandlied empor und dann das Horst-Wesiel-Lied.

Inzwischen nahm die OperTristan und Isolde" mit dem dritten Akt ihren Fortgang. Am Schluß spendete der Führer, der der ganzen Vorstellung mit sichtlichem Interesse gefolgt war, den Künstlern lebhaften anhaltenden Beifall, dem das gesamte Haus folgte. Sodann begab sich der Führer trotz der späten Stunde es war schon 1.30 Uhr nachts noch auf d i e Bühne des Dresdener Opern­hauses, um allen Mitwirkenden herzlich für das Zustandekommen dieser einzigartigen Borstel- hing z u danken. Der Führer unterhielt sich so­wohl mit den Hauptdarstellern als auch mit Büh­nenarbeitern. Unter den Heil-Rufen des Bühnen­personals verließ der Führer das Opernhaus und fuhr die dicht gedrängte Menschenmenge entlang, die trotz der vorgerückten Stande und des un­freundlichen Meters den Adolf-Hitler-Platz in dich­ten Reihen umschlossen hielt.

Auftakt in Genf.

Franzosen und Muffen wollen den Hilfeleistungspakt vorschieben.

Genf, 28. Mai. (DNB.) Im Vordergrund des internationalen Interesses in Genf steht heute vor allem das Schicksal der Abrüstungskon- ferenz, während die am 30. Mai beginnende neue Tagung des Völkerbundsrates vorläufig noch weniger beachtet wird, obgleich sie die Aufgabe hat, nun endlich die Vorbereitung für die Abstimmung im Saargebiet in Gang zu bringen Und vor allem den Abstimmungs- termin festzusetzen.

Der Zustrom ausländischer Staats­männer wird diesmal ungewöhnlich stark sein. Der amerikanische Abrüstungsdelegierte Norman Davis ist ebenso wie der russische Außenminister Litwinow und der englische Lordsiegelbewahrer Eden schon in Genf eingetroffen. Der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson hatte am Sonntag schon verschiedene Besprechungen. Man nimmt an, daß noch einmal versucht werden soll, die Konferenz, wenn auch mit beschränktem Ziel, wieder in Gang zu bringen. Die Engländer und Italiener empfinden aber wenig Neigung da­zu. Man spricht aber davon, daß die Russen mit französischer Unterstützung ihren neuen Plan, der einen gegenseitigen Hilfeleistungspakt vorsieht, unterbreiten wollen, und daß man die Konferenz veranlassen will, sich diesmal mit der Kontrolle des Waffenhandels und der Massenfabrikation zu befassen, wo­für angeblich die Amerikaner einen Antrag vorbereitet haben. Vor allem wird das Lieblings­themaRückführung Deutschlands in die Abrüstungskonferenz" eifrig weiterdiskutiert. In Wirklichkeit ist alles noch völlig unsicher. Im übri­gen muß auch von italienischer Seite mit Überraschungen gerechnet werden.

Europa am Scheidewege.

Eine Warnung Mussolinis.

Rom, 26. Mai. (DNB.) Mussolini hielt vor der Abgeordnetenkammer eine Rede, in der er sich mit der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Lage Italiens beschäftigte. Die letzten Kürzungen der Beamtengehälter seien leider notwendig gewesen. Für die Marine und die Luftfahrt würde eine Milliarde Lire (etwa 213 Millionen Mk.) in den Haushalt eingesetzt werden, die sich auf sechs Jahre verteilten und zur Erneuerung des Linienschiffs­und Flugzeugmutterfchiffsmaterials dienten. Der Wirtschaftskrieg, in dem man sich augen­blicklich befinde, werde durch die vielen politischen Reibungsflächen verstärkt. Europa stehe am Scheidewege. Entweder es treibe eine prak­tische Politik oder es gebe das Steuer aus der Hand. Der Krieg mache erst den Mann, wie das Mutterwerden die Frau. Er glaube nicht an die Möglichkeit eines ewigen Friedens, der auf die Grundtugenden des Mannes, die sich nur im blu­tigen Ringen entfalten, verschlechternd und ver­nichtend wirken würde. Das italienische Volk werde in der Aristokratie des Liktorenbündels Zusammen­halten.

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Die italienische Presse sagt zur Rede des Duce: xßerin das Geschick Europa noch Jahre des Friedens schenke, dann werde Italien seine Arbeit des inneren Wiederaufbaues fortfetzen, menn aber die Zukunft den Krieg bringe, dann roeröe ihm das italienische Volk, belebt und geführt ourch die Aristokratie des Faschismus mit Diszi­plin und unbezwingbarem heroischen Willen gegen- überfteben DieGazetta bei Popolo" überschreibt ihren KommentarM afjnung an Europa" Die wirtschaftliche Krise, schreibt sie, finde Aspekte, die einen Aufschwung erhoffen lassen können, aber

dieser Aufschwung sei abhängig von der politischen Frage: Krieg oder Frieden? Die italieni­sche Doktrin halte den ewigen Frieden für ausge­schlossen, und wenn sie auch den Frieden erhoffe, so sei man doch gerüstet zum Kriege. Die Mahnung für das alte Europa sei, eine einheitliche und kontinentale Politik zu treiben, oder aber das Bollwerk der internationalen Politik werde sei­ner Hand entgleiten und an die Vereinigten Staa­ten oder Japan übergehen.

Skepsis in England.

Versäumte Gelegenheiten.Dre Initiative liegt bei Frankreich.

London, 28. Mai (DNB.-Funkspruch).Daily Telegraph" sagt, mit der Umwandlung der Ab­rüstungskonferenz in eine Sicherheits­konferenz, in der hauptsächlich solche Nationen vertreten seien, denen daran liege, Verbündete gegen Japan oder ein wiederbewaff­netes Deutschland zu finden, werde Groß­britannien keineswegs einverstanden sein. Die Vereinigten Staaten würden ab­seits bleiben und keine Verpflichtung übernehmen. Außerdem würde es sogar dann nicht einmal eine Abrüstung und allem Anschein auch keine Begren- zuna der Rüstungen geben. Durch eine Beteiligung würde Großbritannien seine Verpflichtungen und Verbindlichkeiten unbegrenzt vermehren, ohne etwas dafür zu erhalten, am wenigsten Sicherheit. Mussolinis letzte Rede zeige, daß er, der wäh­rend der ganzen Konferenz einer der energischsten Befürworter der Abrüstung oder im Notfall wenig­stens der Rüstungseinschränkung gewesen sei, jetzt der Ueberzeugung sei, daß im Augenblick b i e Gelegenheit verpaßt worden sei. Sein Lob­lied auf die erfrischende Wirkung von Kriegen sei zu bedauern. Wenn die von ihm erwähnte Gefahr eines ewigen Friedens bestünde, so sei daran er­innert, daß der jetzige Friede erst 15 Jahre a 11 sei. Mussolinis Ankündigung neuer Kriegs­schiffbauten folge der ähnlichen Ankündigung des Präsidenten Roosevelt. Seine Rede habe die Wirkung eines Pfeiles, der auf eine Konferenz abgefchoffen werde, die enttäuscht habe.

Time s" spricht von der Möglichkeit, Deutsch, land die Rückkehr zur Konferenz dadurch zu er- leichtern, daß die Fünfmächte - Erklärung über Deutschlands Gleichberechtigung in einem System der Sicherheit von der gesamten Konferenz angenommen werde; doch beurteilt das Blatt die Aussichten sehr pessimistisch. Es sei schmerzlich, jetzt an den Mangel an Entge- gentommen zurückzudenken, das zu Beginn der Abrüstungskonferenz die Ansprüche Deutschlands mit ihrem Verlangen nach einigenMusterwaffen" gefunden hätten. Es sei beinahe gewiß, daß eine energische Anstrengung der anderen Mächte 1932 ein Ergebnis hätte zeitigen können. Es sei auch während der letzten Wochen eine andere Gelegen­heit verpaßt worden, als Hitler Vorschläge ge­macht habe, die auf jeden Fall ihrem Wesen nach vernünftig gewesen seien. Jedenfalls sei es un­erklärlich, daß sie keine angemessene Ant. wort gefunden hätten.

S u n d a y Times" wirft der französischen Re­gierung vor, daß sie darauf bestehe, die Abrüstungs- frage in dievier Ecken des Völkerbundes" zurück- zuzwingen.Die französische Politik ist zum Fehlschlagen verurteilt, weil sie klaren Tatsachen den Rücken dreht. Es ist bestimmt besser für Frankreich, wenn Deutschlands Wiederaufrüs^en unter einer Konvention kontrolliert und beschrankt wird, die Deutschland einschließt, statt daß die beut« sche Nation außerhalb jeder Vereinbarung Frank­reich und seinen Nachbarn zum Trotz aufrüftet. Die Hauptinitiative liegt jetzt bei Frankreich. Es ist sich und der Zivilisation schuDig, eine Vereinbarung möglich zu machen..."

Frankreich macht inSaar­propaganda".

Paris, 26. Mai. (DNB.) Im großen Amphi« theater der Sorbonne fand eine Hauptversammlung der französischenS a a r d e r e i n i g u n g" statt. Die Versammlung stand unter dem Ehrenvvrsitz des Ministerpräsidenten Doumergue. Zur Aus­schmückung des Theaters hatte man die Wappen der saarländischen Städte mißbraucht. Zu7 erst ertönte die Marseillaise. Dann sprach Jaques Bardoux, der sich in Redensarten, wiedas franzö­sische Volk wolle unerbittliche Gerechtigkeit", erging und sich bitter über den Empfang der französischen Studenten auf ihremgeographiegefchicht- lichen" Ausflug in Saarlouis beklagte. Diese Franzosen hätten in Saarlouismit derselben Höf­lichkeit empfangen werden müssen, wie die deut­schen Studenten in Frankreich". Der Redner spielte dann weiter auf die bekannte Dokumenten- Unterschlagung durch naturalisierte Franzosen an, die er dem Deutschtum in die Schuhe schieben wollte. Aus allen diesen geflissentlichen Verdrehun­gen leitete er die Forderung ab, daß die französische Kolonie im Saargebietzu ihrer Vertretung und zu ihrem Schutze" einen Konsul haben müsse, der seine Fahne neben der des italienischen Konsuls aufpflanzen müsse.

Der Abgeordnete Fribourg erklärte dann: Die Saar sei der Zufluchtsort derer, die die neue Herr­schaft in Deutschland mit Zähigkeit verfolge. Daß Fribourg nicht nur für die Abstimmungsberechtig­ten, wie es mit dem Versailler Vertrag wohl zu vereinbaren ist, schützende Garantien verlangte, son­dern auch für Ortsfremde und Emigran- t e n, ist bei der starken Aufmunterung, die gerade er diesen Kreisen zuteil werden läßt, nicht ver­wunderlich, hat aber mit Recht und Vertrag nichts zu tun.

Hundert Frauen von der Saar beim Führer.

Berlin, 26. Mai. (DNB.) Der Führer empfing in der Reichskanzlei einhundertFrauenaus V ö k l i n g e n, die auf Einladung der NS.-Frauen- schäft in der Reichshauptstadt weilen. Die Führerin der Abordnung überreichte dem Reichskanzler eine prachtvolle Vase mit einem Rosenstrauß. Die Vase ist von den Heimarbeitern in Wadgassen hergestellt worden und war ein besonderer Gruß der NS.- Frauenschaft dieses uralten Glasschleiferdörfchens. Der Kanzler begrüßte alle Teilnehmerinnen durch Händedruck und unterhielt sich u. a. mit einem 70- jährigen Mütterchen, ferner mit einer Mutter von 13 Kindern und der jungen Frau eines Arbeitslosen, die sich das Geld zu der Reise nach Berlin durch Singen verdient hatte. Abschließend erklärte der Führer, ganz Deutschland sehne mit ebenso heißem Herzen wie die Saarländer den Augenblick herbei, in dem das Saargebiet wieder dem deutschen Mut­land angegliedert werde.

Sie belgische Sondermission in Berlin

Berlin, 26. Mai. (DNB.) Der Herr Reichsprä­sident empfing den Königlich Belgischen Botschafter in besonderer Mission BaronHolvoetzur Ent­gegennahme der Notifizierung des Ablebens des Königs Albert und der Thronbe- befteigung feiner Majestät des Königs Leopold. Der Botschafter brachte den Dank des Königs für die ihm bekundete Teilnahme zum Ausdruck und versicherte den Herrn Reichspräsidenten des lebhaf­ten Wunsches seines Souveräns, die guten, zwischen beiden Ländern bestehenden Beziehungen zu wcchren und zu festigen. Der Herr Reichspräsident übermit­telte seiner Majestät dem König seine besten Wünsche für eine erfolgreiche Reaierungstätigkeit und ver« icherte, daß der Wunsch des Königs nach einer en­geren Gestaltung der guten Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien von ihm auf das lebhaf­teste geteilt werde. Die Sondermission begab sich odann zum Ehrenmal Unter den Linden, wo sie vom Kommandanten der Stadt Berlin Ge­neralmajor Schaumburg begrüßt wurde. Dor dem Ehrenmal hatte die Ehrenkompagnie des Wach- regiments Aufstellung genommen. Nach Nieder- legung eines Kranzes nahm die Sondermission mit dem Stadtkommandanten den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie ab.

Wechsel in der Leitung der Deutschen Gtudentenschast.

Berlin, 26. Mai. (DNB.) Der Reichsminister ür Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust, hat den Führer der Reichs schäft der Studierenden In den deutschen Hoch- und Fachschulen Dr. S t a e b e l empfangen, der ihm den Wunsch unterbreitete, von der Führung der deutschen Studentenschaft b e f r eit zu werden. Reichsminister Rust hat diesem Wunsche e n t f pr o cken. Der Reichsschaftsführer Dr. Staebel hat entsprechend der Verfassung der deutschen Reichs­schaft (Studentenschaft) Dipl.°Jng. Zarenger mit der kommissarischen Leitung der Deutschen Studen­tenschaft beauftragt. Dr. Staebel behält die Führung der Reichsschaft der deutschen Studierenden inne.