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b' Landkreis Gietzen.

QJ Großen-Linden, 25. Aug. Seit einigen Tagen ist man damit beschäftigt, die Ortsdurch. fahrt der Straße GießenFrankfurt in einen dem starken Verkehr entsprechenden Zustand um- zuwandeln. An den Stellen, an denen es möglich ist, die Straße zu verbreitern so an dem nord, lichen Ausgang ist man eifrig tätig, den Ge­fahren einer unübersichtlichen Kurve entgegenzu­treten. Vielen Arbeitslosen wird durch den Um­bau lohnende Beschäftigung gegeben, ebenso den Landwirten, die Sand und Steine heranbefördern.

y. (Staufenberg, 25. August. Heute feierte unsere Mitbürgerin Anna Maria Schmitt, geb. Kern, Witwe des Kriegsoeteranen I. Heinrich Schmitt II., ihren 9 0. Geburtstag. Es ist wunderbar, d'ie große geistige und körperliche Frische an der Jubilarin zu beobachten. In edlem Wett­eifer und innerer Verbundenheit haben die hiesige Frauenfchaft und die evangelische Frauenhilfe der hochbetagten Jubilarin an ihrem Ehrentag passende Geschenke überbracht und dabei zwei religiöse Lieder gesungen.

A Lumda, 25. Aug. Unser neuer Bürger- meister Eduard Schultheiß wurde jetzt in sein Amt eingefuhrt. Stützvunktleiter Kauß eröffnete die Versammlung, zu der die ganze Gemeinde er- schienen war. Es sprach der frühere Kreisleiter Dr. H a r t h in längeren Ausführungen über Amts- führung und Aufgabe eines nationalsozialistischen Bürgermeisters. Dann ergriff der neue Bürger- meister das Wort. In seiner Ansprache gelobte er, mutig die verantwortungsvolle Aufgabe zu über- nehmen und sie schlicht und gerade im Geiste un­seres großen Führers zu meistern. Mit einem drei­fachen Sieg-Heil auf Führer, Volk und Gemeinde schloß er seine Ausführungen. Anschließend ver­brachten die Versammelten einige gemütliche Stun­den als Gäste des Bürgermeisters.

ch Lauter, 25. Aug. Dieser Tage weilte eine Wanderbühne in unserem Dorfe. Im Saale von Wirt Hock bereitete sie durch ihre Aufführung den Einwohnern einige genußreiche Abende. Durch den Herrn Reichsstatthalter wurde unser Stützpunktleiter Hrch. Schmidt IV. zum kom- missarischen Beigeordneten unserer Gemeinde ernannt. Der seitherige Beigeordnete Hrch. Mahr hatte dieses Amt 15 Jahre inne. Die Dreschmaschine, die seit einigen Wochen in unserem Dorfe weilt, wird diese Woche die Dreschzeit beenden. Der Körnerertrag war zufriedenstellend. Nachdem unsere Kirche außen soweit renoviert worden ist, solle sie jetzt auch im Innern neuhergerichtet werden. Ein Teil der Kosten soll durch eine Haussammlung gedeckt werden.

Kreis Alsfeld.

* Maulbach, 26. August. Hier geriet der 25 Dahre alte Knecht Peter Braunroth mit der Hand in die Häckselmaschine. Der be­dauernswerte junge Mann erlitt dabei eine schwere Sehnenverletzung, die seine sofortige lieber» führung in die Chirurgische Klinik nach Gießen notwendig machte.

Kreis Schotten.

# Vom Vogelsberg, 26. Aug. In Anbe- tracht des günstigen Wetters in diesem Jahre wähnte man, daß der Bestand an Rebhüh- n e r n diesmal sehr gut sei. Dem scheint jedoch nicht so zu fein. Die Zahl der Völker ist in manchen Gemarkungen ziemlich klein. Außerdem trifft man noch ganze Völker an, von denen nur die beiden alten Hühner schußreif sind, während die Jungen noch geraume Zeit der Ruhe bedürfen. Der Ha­se n b e st a n d ist befriedigend.

Preußen.

Kreis Wcklar

O Wetzlar, 26. Aug. Die diesjährige Kern- obsternte kann als gute Mittelernte be- zeichnet werden. Zum ersten Male seit langer Zeit

ist an Aepfeln unb Birnen kaum Schorf zu Ke« merken. Die vielfach durchgeführten Spritzungen haben sich gut bewährt, insbesondere auch bei den Zwetschendäumen. Die Trockenheit hat den Bäumen nicht allzusehr geschadet. Die Qualität des Obstes ist ausgezeichnet. Hinsichtlich des Zeitpunktes der Obsternte hat der Landrat auch in diesem Jahre

<£ Bad-Nauheim, 26. Aug. Unser hessi- sches Weltbad stand am Samstag und' heute im Zeichen des 2 8. Provinzial-Feuerwehr- t a g e s. Die Straßen prangten zu Ehren der aus der Provinz Oberhessen zahlreich herbeigeeilten Feuerwehrleute in reichem Flaggenschmuck. Das Straßenbild wurde von den Wehrmännern im blauen Uniformrock und den messingbeschlagenen Helmen beherrscht.

Die Tagung nahm ihren Anfang mit einer

Abgeordneten-Versammlung

m der Turnhalle der Bad-Nauheirner Turnge- meinbe. Provinz-Verbandsführer, Stadtbranddirek­tor Braubach (Gießen) eröffnete die Versamm­lung und hieß die Kameraden und Ehrengäste herz­lich willkommen. Der 28. Verbandstag, so führte er weiter aus, sei ursprünglich für den 6. bis 8. August festgesetzt worden, habe aber wegen des Ablebens des allverehrten Herrn Reichspräsidenten Generalfeldmarschalls von Hindenburg und wegen der Volksbefragung am 19. August verscho­ben werden müssen. Die Mitglieder des Provinzial­verbandes der Freiwilligen Feuerwehren erblickten in dem verstorbenen Feldmarschall stets das leuch­tende Vorbild eiserner Pflichterfüllung und Treue zu Volk und Vaterland, und sie seien bestrebt, alle­zeit seinem hehren Beispiel nachzueifern. Zum Ge­dächtnis des großen Toten, sowie zum Andenken an die im letzten Jahre verstorbenen Kameraden der Wehr erhoben sich die Versammelten von den Plätzen. Während das alte Soldatenlied vom guten Kameraden erklang, gedachte die Versammlung in ehrfürchtigem Schweigen der Verstorbenen.

In seinen weiteren Ausführungen gab der Pro- vinzial-Verdandsführer Braubach feiner Freude darüber Ausdruck, daß er 156 stimmberechtigte Ver­treter der Kreisfeuerwehrverbände der Provinz Oberhessen begrüßen konnte. Die Tatsache, daß der kreis Gießen 25, Kreis Schotten 5, Kreis Bübingen 10, kreis Friedberg 28 unb der Kreis

Lauterbach 40 Vertreter.

entsandt hatten, dürfe als Beweis dafür angesehen werden, welche Bedeutung die Kameraden dem 28. Provinzialtag in Bad-Nauheim und damit der Feuerwehrsache überhaupt beilegten. Sein weiterer besonderer Gruß galt den Ehrengästen Kreisdirek- tor Dr. Straub (Friedberg), Kreisbirektor B e k - f er (Bübingen), Regierungsrat Schwan (Schot­ten), Regierungsrat und Standartenführer Lut- t e r (Bad-Nauheim), Beigeordneten Kissel (Bad- Nauheim, Stadtbaumeister M a l k m u s (Alsfeld), Vertreter der dortigen Kreisleitung der NSDAP., Bürgermeister unb Major a. D. Moller (Wöll­stein), Branddirektor N o e h l (Mainz), Kreisfeuer- wehrinspektor W e r n h e r (Oppenheim), Kreisfeuer- wehrinspektor Schweighardt (Nieder-Jngel- heim), Kreisfeuerwehrinspektor Kunz (Buchschlag) und nicht zuletzt Kreisfeuerwehrinspektor und Lan­desverbandsführer K n a u p p (Birkenau). Ebenso herzlich begrüßte der Redner die Vertreter der Presse, die die Feuerwehrsache stets mit besonderem Nachdruck unterstützt habe.

Die Taguna sei insofern von besonderer Bedeu­tung, als sie bie erste größere Zusammenkunft der Feuerwehrleute der Provinz seit Errichtung des Dritten Reiches sei.

Der nationalsozialistische Staat habe auch der Feuerwehr die Stellung eingeräumt, bie ihrer Bebeutung für bie Volkswohlfahrt ent-

wieder eine Verfügung erlassen, die sich gegen zu frühes Abernten des Obstes wendet. Kreisoostbau- Inspektor Kilp ist angewiesen, den Ortsbürger- meistern den Zeitpunkt der Obstreife ohne Anfrage mitzuteilen. Gemeindeobstversteigerungen dürfen vor diesem Termin nicht stattfinden.

spreche. Die Eingliederung in bas Dritte Reich habe bie Feuerwehr besonbers freubig begrüßt, weil sie von jeher bie nationalsozialistischen Grundsätze über Gemeinnutz und Volksgemein­schaft praktisch betätigt habe. 3m neuen Staate stehe die Feuerwehr treu zum Führer Adolf Hitler und gelobe, in seinem Sinne zum Dohle des Ganzen Aufbauarbeit leisten zu wollen.

(Lebhafter Beifall.)

Kreisdirektor Dr. Straub (Friedberg) dankte dann im Namen des Kreisamtes für die freund­lichen Begrüßungsworte und gab der Feuerwehr erneut die Versicherung, daß die staatlichen Behör- den und auch die Parteidienststellen stets die Be­lange der Feuerwehr nach besten Kräften fördern wollten. Gerade die Feuerwehr, deren Mitglieder sich aus allen Bevölkerungskreisen zusammensetzten, habe stets den Gedanken der echten Volksverbun­denheit durch die Tat verwirklicht. Heute, unter einer zielbewußten Regierung, werde sich das Feuerwehrwesen noch viel gedeihlicher entwickeln können, weil manche Hindernisse der früheren Zeit nun fortgefallen seien. Mit den besten Wünschen, auch im Namen der Brandversicherungskammer, für einen erfolgreichen Verlauf der Tagung beendete Kreisdirektor Dr. Straub feine Ausführungen.

Im gleichen Sinne sprachen noch Beigeordneter Kissel für die Stadtverwaltung Bad-Nauheim und Major a. D. Moller- Wöllstein, der die Grüße und guten Wünsche der rhein-hessischen Kameraden überbrachte.

Provinz-Verbandsführer Braubach dankte allen Rednern und gab in großen Zügen einen Ueberblick über den Geschäftsbericht. Aus feinen Darlegungen ging hervor, daß die Belange der Wehr innerhalb des Provinzialverbandes erfolg­reich wahrgenommen wurden und daß die einzelnen Wehren mit Stolz auf ihre Tätigkeit im Dienste des Nächsten auch im verflossenen Jahr zurückblicken können.

Branddirektor Fisch- Bad-Nauheim erstattete bann den Rechenschaftsbericht des abgelaufenen Jahres, der ein Bild von der geordneten Finanz­lage des Provinzialverbandes gab; dem Rechner wurde einstimmig Entlastung erteilt. Von der Bei- tragsleistung wurden die Ehrenmitglieder und die inaktiven Mitglieder befreit, von den aktiven Kame­raden wird auch weiterhin ein Betrag von fünf Pfennig innerhalb der Kreisverbände eingezogen. Ferner wurde in der Vorftandsfitzung am Vormit­tag beschlossen, den Kreis-Verbänden eine Unter­stützung durch den Provinzialverband für Instand­haltung und Ergänzung der Geräte zu gewähren. Die Entscheidung über den Tagungsort des nächsten Provinzialtages, der in drei Jahren fällig ist, wurde verschoben, weil man erst die Weiterentwicklung des Feuerwehrwesens abwarten will. Ferner gab Pro- vinz-Derbandsführer Braubach noch einen An- trag des K r e i s v e r b a n d e s Büdingen auf Fortfall der Entschuldigungen bei Dienstversäum­nissen der Hilfswehrleuten bekannt. Der Antrag and in Uebereinftimmung mit den Vorschriften der hessiscken Feuerlösch-Ordnung seine Erledigung. Hin- ichtlich eines weiteren Antrages des Kreisver- bandes Büdingen über die Verwendung von nichtarischen Mitgliedern der Wehr wurde beschlossen, diese wenigen Mitglieder vom Dienste zu beurlauben.

Nunmehr sprach der Verleger der Hessischen Feuer- wehrzeitung, Albin Klein- Gießen über die Zu­

sammenarbeit der Feuerwehrverbande auch deni Verlag und über die Frage des Nachwuchses in den einzelnen Wehren. Seine Ausführungen wurden beifällig ausgenommen.

Kamerad Kunz hielt dann einen kurzen Vortrag über die Methoden zur schwereren Entflammung von Holz bei Dachböden und Speichern, das er noch durch entsprechende Versuche besonders lebendig ge­staltete.

Nachdem Elektro-Jnstallateur N o a ck - Friedberg einen neuartigen Apparat für Feueralarm vorge» führt und erläutert hatte, wurden noch verschiedene Fragen aus dem Gebiet des Feuerlöschwesens und der Katastrophenverhütung behandelt. Den Führer- Kameraden wurde u. a. der Besuch von Luftschutz- kursen, sowie die Teilnahme an den Lehrgängen der Feuerwehr-Fachschule in Friedberg empfohlen.

Ebenso wurde die Rolwendigkeii einer gedeih­lichen Zusammenarbeit zwischen den Dehren und der SA. und SS. betont.

3um Schluß dankte Landes-Feuerwehr-Jnspektor K n a u p p - Birkenau für die Einladung zur Ta­gung und die herzlichen Worte der Begrüßung. Sei­ner besonderen Freude gab er darüber Ausdruck, daß er der verdienten Kameraden Bernhard Klin­kerfuß (Bad-Nauheim), Seif art (Grünberg) und R. Heinrich (Lollar) das Feuerwehr-Ehren­kreuz mit Urkunde überreichen könne; im Namen des Landesverbandes beglückwünschte er sie und bat sie, aucb weiterhin den jungen Kameraden ein leuch- tenbes Vorbild der Pflichterfüllung zu fein. Mit den gleichen Wünschen überreichte er Kamerad Bernhard Krause- Bad-Nauheim das staatliche Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste in der Wehr.

Provinz-Verbandsführer Braubach dankte als­dann allen Kameraden und Ehrengästen für ihre Mitarbeit und ihre anerkennenden Worte und schloß die Sitzung mit einem begeistert aufgenommenen Wehr Heil" auf den Führer Adolf Hitler. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes fand die Tagung ihren Ab­schluß.

Am Abend sand in einem der großen Zelte auf dem herrlich gelegenen Waldfestplatz ein

Festkommers

statt, dessen Besuch leider durch das Gewitter und den heftigen Regen beeinträchtigt wurde. Nachdem die Wehren vom Gerätehaus aus in stattlichem Fackelzug durch die Straßen der Stadt marschiert waren, vereinigten sich alle Teilnehmer zum Frst- Kommers. Die Musik-Kapelle der Bad-Nauheimer Feuerwehr bot durch ausgezeichnete Vorträge den Festgästen eine angenehme, mit herzlichem Beifall bedankte Unterhaltung. Ebenso beifällig wurden die turnerischen und gymnastischen Darbietungen der Bad-Nauheimer Turner und Turnerinnen un­ter Turnlehrer Sinnwells erprobter Leitung begrüßt; auch die Vorführungen der Bad-Nau- heimer Radfahrer-Vereinigung begegneten starkem Beifall.

©er Sonntag.

Der Sonntag wurde mit einer Ehrung der Gefallenen am Ehrenmal eingeleitet. Von 8 bis 10 Uhr wurde am Gerätebaus ein modernes SchnoidgerätErste Hilfe" vorgeführt. In der Zwi- chenzeit wurden die auswärtigen Feuerwehren am Bahnhof empfangen und mit Musik nach ihren Standguartieren geleitet. Von besonderem Inter­esse waren eine Schulübung der Bad-Nauhei­mer Wehr in der Trinkkur-Anlage und ein an­schließend vorgeführter Brandangriff in der Adolf-Hitler-Straße. Beide Uebungen erbrachten den Beweis von der Schlagkraft und umsichtigen Führung der Bad-Nauheimer Freiwilligen Feuer­wehr.

Den Höhepunkt der Sonntagsveranstaltungen brachte der große F e st z u g, der am Nachmittag durch die reichbeflaggten Straßen der Stadt ge­führt wurde. Durch einige Festwagen wurde den

28.provmzial-Feuerwehrtag in

IMMWiglWU

Roman von Anny von panhuys.

Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)

1. Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Er trat an den Schreibtisck und betrachtete das gefundene Handtäschchen. Aus hellgrauem Leder war es und schon etwas abgeschabt. Er öffnete es und entnahm ihm ein noch unbenütztes, schneeweißes Taschentuch, eine winzige Geldbörse mit fünfzig Pfennig Inhalt und zuletzt ein Besuchskärtchen, auf dem gedruckt stand: Marielena Harnischfeger, Spillingsgasse. Die Hausnummer war durch einen Tintenfleck unleserlich geworden.

Er setzte sich und sagte leise den Namen vor sich hin: Marielena Harnischfeger. Ein klangvoller Name war es, und doch schien es ihm, er paßte nicht zu dem schlanken, herben Mädel mit dem eigenartigen Profil. Aber das war natürlich Unsinn, belächelte er feinen Gedanken. Der Name war hübsch und gefiel ihm, und es war eigentlich auch ganz gleich, wie sie hieß, an die er so viel denken mußte.

Er packte die kleinen Gegenstände wieder in das Täschchen zurück und schob es in ein Fach feines Schreibtisches. Dann ging er in das Nebenzimmer und begab sich zur Ruhe. Im Traume fand er sich wieder in den alten Bornheimer Gassen unter nächtlichem Himmel und hörte es Mitternacht schlagen, ein Schrei aus weiblicher Kehle drängte fid) in den zwölften Glockenschlag, und es war, als flüstere es ringsum: Marielena Harnischfeger! Zu­gleich war ihm ein schlankes Mädel nahe mit gemmenfeinem Profil glückselig nahe.

Er dachte im Traum: Neben mir geht ja die Fürstin Leonore, die der deutsche Meister Hartschuh vor dreihundert Jahren gemalt hat. Er wachte auf unb wußte mit einem Male, an wen ihn das Mädel erinnert. An das berühmte Bild der Fürstin Leonore.

Ihr eigenartiges Profil war es, das in dem Profil Marielena Harnischfegers wieder auferstanden war. Das berühmte Bild hing in irgendeiner großen namhaften Galerie, und er kannte es von Repro­duktionen, hatte es oft bewundert. Er lächelte nun froh, weil er nun das Rätsel des Profils gelöst hatte.

Er frühstückte bann unten im Wohnzimmer mit feiner Mutter, bie schon am Tisch saß. Eine frische, große Frau war sie, bie selbst tüchtig in ber Gärt- nerei mitarbeitete. Sie war bie erste unb fleißigste Arbeiterin bes Betriebes.

Sie war heute schon draußen gewesen in dem weiten Garten, hatte Aepfel aufgelesen und Blumen geschnitten, bie auf bem Markt feilgeboten würben.

Auch auf dem Frühstückstisch stand eine hohe

Vase mit leuchtenden Dahlien, und Frau Westkamp lächelte warm:

Ich hab dich ausschlafen lassen, Bub! Bist ja gestern spät genug heimgekommen. Sollst auch was von deinen Universitätsferien haben."

Er biß in ein knuspriges Brötchen.

Wir waren sehr fidel gestern Abend, Muttel! Der Wein war gut es wurde spät."

Na, so schlimm war's schließlich nicht", wider­sprach sie.Wenn dein Vater zum Aeppelwoi ging, wurde es manchmal zwei Uhr und mehr, ehe er den Heimweg fand, unb ein tüchtiger Kerl war er trotzbem. Gott hab ihn selig."

Er sah sie ernst an.

Ein Jammer, baß er so früh fort mußte! Aber du bist auch allein gut mit allem fertig geworden, Muttel: mit der Gärtnerei, mit mir halbwüchsigem Rangen unb mit bem Sonstigen. Du hast unser Lebensschiffchen, trotz ber oft hochgehenben, be- brängenben Wogen, zielbewußt unb nie ermübenb zu jeber Zeit gesteuert. Wir sinb nicht reich, nicht einmal wohlhaoenb, aber so Gott will bleibt uns ber Grunb unb Boben hier, auf bem schon seit Jahrhunberten unsere Vorfahren saßen, unb kann uns erhalten bleiben, bis ich braußen an ber Haustür bas Schilb befestigen barf:

Dr. meb. Detlef Westkamp.

Nur ein Stück Garten soll bann zurückbleiben, der zu unserem Haus gehört und daran erinnert, daß Vater und feine Ahnen bis weit zurück Sachsen, Häuser Gärtner gewesen sind. Vater wird es mir im Jenseits vergeben, daß ich kein Gärtner wurde, weil mich mein Herz zur Medizin zieht."

In feine grauen Augen trat ein Leuchten.

Ich kann mir keinen schöneren und liebens­werteren Beruf denken, als den bes Arztes. Hab bas wohl von beinern Vater mitbekommen, Muttel er war Ja ein so guter Arzt."

Frau Lotte Westkamp nickte.

Er war ein Arzt, wie es nicht allzuviele gibt, unb wie sie eigentlich alle sein sollten. Einer, ber aus reiner Menschen- unb Nächstenliebe feinen Beruf erfüllte unb beshalb" Sie brach ab, unb er vollenbete:Unb beshalb als armer Teufel starb, weil er gelblofe Patienten umsonst behanbelte unb ihnen noch finanziell nach besten Kräften half."

Frau Westkamp holte tief Atem.

Er war glücklich so, wie er war. Aber es schabet nichts, wenn bu später wenigstens ein ganz klein bißchen praktischer bächtest."

Es klopfte. Ein berbes Mäbel mit rotbraunem Gesicht unb fettigem Blonbhaar melbete:

Der Herr Dinges ist bo bärf er net in die Stubb?"

Hinter ihr schob sich schon die kleine, breite Ge- statt von Detlefs bestem Freund vor. Karl Eberhard Dinges, stud. meb., im sechsten Semester wie West- kamp, war ein wohlhaoenber Bauernsohn aus Amorbach im Obemvalb.

Er grüßte unb strahlte über bas ganze Gesicht.

Vater hat bepeschiert, ich soll bich mitbringen, Detlef! Also mach mir bie Freube- begleite mich für eine Woche ober länger. Komm mit nach Amor­bach! Erstens ift's ne famose Rabtour, zweitens lernst bu mal ne anbere Gegenb kennen unb" Frau Westkamp nickte.

Nimm bie Einlabung an, Bub! Ich kann bich jetzt ein Weilchen entbehren unb bir tut Ab- wechslung gut."

Also brachte Detlef Westkamp sein Rab für bie weite Fahrt in Drbnung, unb mit bem Rucksack auf dem Rücken fuhren die beiden jungen Leute los. Aber am sechsten Tage war Detlef schon wieder zurück, mit blassem und traurigem Gesicht, als hätte er Böses erlebt.

Seine Mutter saß allein im Wohnzimmer. Sie rechnete, als er eintrat, unb sah ihn erschrocken an.

Bub, was fehlt bir? Man könnt meinen, bu wärst schwerkrank"

Er versuchte zu lächeln, aber es langte nur zu einem kümmerlichen Verziehen bes Munbes.

Bub! Detlef!" Sie war aufgesprungen unb ftanb nun bicht vor ihm.Rebe boch enblich bie Angst liegt mir ja schon wie eine Zentnerlast auf ber Brust. Was ist benn geschehen um Gottes willen?!"

Er bemerkte, wie es um ihre Munbwinkel zuckte, sah, wie ihre Augen sich mit Tränen füllten. Er mußte benken, wie unmännlich es boch von ihm war, feine geliebte Mutter zu erschrecken, weil ein Erlebnis sein Herz oerwunbet, bas bie meisten Menschen wahrscheinlich nicht einmal als Erlebnis einschätzten.

Er log:Ich bin nur mübe von ber Strampelei auf bem Rab, Muttel! Aber mir fehlt sonst nichts gar nichts. Beruhige bich!"

Charlotte Westkamp strich ihr bunkles, leicht er­grautes Haar zurück, legte ihm bie Rechte auf bie Schulter.

Seit wann belügt mich mein Bub? Solltest aufrichtig unb wahr zu beiner Mutter fein!"

Sie setzte sich auf ben nächsten Stuhl, unb ba brach bie hohe Gestatt bes Sohnes, wie von un­sichtbarer starker Hanb niebergeriffen, vor ihr in bie Knie, unb er brückte seinen Kops in ihren Schoß, wie er es so oft getan als Junge, wenn ihn ein Schmerz zu sehr gequält als ber Vater gestorben, unb als ein böser Nachbar ihm feinen kleinen Dackel erschossen.

Frau Westkamp legte ihm sanft die Hand auf bas Haar, bas so blonb war wie bas seines ver­storbenen Vaters.

Armer Bub!"

Er hob das Gesicht unb sagte leise:Mir ist eigentlich gar nichts geschehen, Muttel, unb jeber nüchtern benfenbe Mensch würbe mich auslachen." Er richtete sich auf.Ich trauere einem Mädel nach, das ich nur ein einziges Mal in meinem

Leben sah, mit dem ich kaum ein Viertelstündchen gesprochen habe." Er machte ein paar Schritte durch das Zimmer.Uederspannt ifts wohl, was ich dir jetzt erzählen will, Muttel! Aber ich kann nichts dafür, gepackt hat es mich, als hätte ich ein Mädel verloren, das ich feit Jahren liebe, und mit dem ich dicht vor ber Hochzeit geftanben, unb bas bann ganz jäh gestorben wäre."

Seine Mutter sprach nicht, sie blickte ihn nur stumm fragenb an.

Er lächelte trübe unb erzählte von seiner Begeg­nung mit bem Mäbchen auf nachtstiller Vorort­straße, fuhr fort:

Gestern mittag las ich bei Karl Eberharbs Ettern eine Frankfurter Zeitung unb fanb barin etwas, was mich so ergriff, baß ich es nicht mehr ertragen konnte in bem frohen Bauernheim, baß ich hierher zurück floh, ohne klar zu wissen, was ich hier wollte."

Er entnahm seiner Brieftasche einen Zeitungs­ausschnitt, reichte ihn ber Mutter.

Charlotte Westkamps Augen fanben eine breit umrartbete Traueranzeige, unb sie las*:

Wir sagen allen, bie unserer geliebten, einzigen, viel zu früh verschiebenen Tochter

Marielena

bie letzte Ehre erwiesen, herzlichen Dank.

Die tiefgebeugten Eltern: Josef Harnischfeger unb Frau.

Bornheim, Spillingsgasse.

Sie las noch bas Datum vom Tag zuvor und gab den Ausschnitt zurück.

Laß gut sein, Bub! Ich verstehe dich aber glaube mir, deine Phantasie läßt dich alles viel stärker empfinden. Du kennst ja das Mädel gar nicht. Wenn du dich ein paarmal mit ihr getroffen unb sie ein bißchen besser tennengelernt hättest, wärest bu ihrer vielleicht sogar schon überbrüffig geworben. Verrenne bich nicht in Einbilbungen, Detlef, es paßt nicht zu bir. Denk an bas Mäbel zurück wie an eine Traumgeftalt." Sie hotte tief Atem.Hab ich mich über bein Aussehen erschreckt, Bub! Ich bin nur froh, baß nichts Schlimmeres geschehen ist."

Er zuckte bie Achseln.Du kannst mich boch nicht verstehen, Muttel! Schau, es ist ja so fonberbar: ba begegnete ich einem Mäbel, bas mich gleich inter­essierte, ohne mir barüber klar zu sein, baß ich sie auf ben ersten Blick liebte. Unb jetzt, nun ich weiß, ich werbe sie nie wiebersehen im Leben, tut mir bas Herz weh, weil ich fühle, sie war mir bestimmt. Sie wäre bie Frau gewesen, bie mir bas ganz große Glück geschenkt hätte, wenn" Er bebte vom Kops bis zu ben Füßen, als er rauh hervor­stieß:Wenn bas Schicksal nicht so erbarmungslos gewesen, so hart! Henkersarbeit hat es getan!"

1 (Fortsetzung folgt.)