w An« alten hessischen Forstmannsfomille entstammt. Der überaus glücklichen Ehe entstammen drei Söhne und eine Tochter. Mit Weber ist ein vortrefflicher Forstwirt und Gelehrter, ein ausgezeichneter Mensch und ein treuer Sohn Oberhessens dahingegangen.
Die Uebertragung der Jührer-Nede von Koblenz.
Am gestrigen Sonntagnachmittag hörten die Gießener SA.-Reserve unter dem Kommando des mit der Führung des SA.-Reserve-Sturmbanns Gießen zur jeit beauftragten Truppführers 5) e ß und eine stattliche Menschenmenge vor dem Kreis- amtsgebäude auf dem Landgraf-Philipp-Platz die Uebertragung der Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler bei der Saar-Treuekundgebung in Koblenz-Ehrenbre-itstein. Mit großem Interesse lauschte die Versammlung zunächst der fesselnden Reportage von diesem gewaltigen Erlebnis am deutschen Rhein, anschließend wurde mit größter Spannung die eindrucksvolle Rede des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler angehört. Der während dieser Rede in Ehrenbreitstein sehr häufig einfetzende stürmische Beifall fand in den Herzen der Gießener Zuhörer lebhaftesten Wider- hall, wie man an Mienen und Gebärden der Volksgenossen und Volksgenossinnen deutlick erkennen konnte. Nach der Rede des Führers, Die in einwandfreier Uebertragung überall auf dem Plaüe klar zu hören war, huldigte die Menge — die SA. stillgestanden — freudig dem Führer und Reichskanzler und dem deutschen Vaterlande beim Gesang des ersten Verses des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes. Hierauf rückte die SA.- Reserve geschlossen ab, auf dem Kreuzplatz erhielt der Sturmbann das Kommando zum Wegtreten. Die Menschenmenge brachte auch bei diesem Aufmarsch der SA. starke'Sympathie entgegen.
NS.-Irausnschatt Äießen-Mitte.
Erstmalig nach den Ferien hatte die NS.-Frauen- schast Gießen-Mitte ihre Mitglieder am Freitagabend in das Haus der Deutschen Arbeitsfront zusammengerufen. Für die zur Zeit beurlaubte Ortsfrauenschaftsleiterin Pg. Frl. H o ch st ä t t e r begrüßte die mit der Vertretung beauftragte Pg. Frau D i n g l e r die Erschienenen und betonte, daß die Frauenschaft nach wie vor vor große Aufgaben gestellt sei, die nur restlos gelöst werden könnten durch Einigkeit in den eigenen Reihen, Hilfsbereitschaft und kameradschaftliche Zusammenarbeit mit den Schwesterortsgruppen des Kreises Gießen. Ihre weiteren Worte galten dem Andenken unseres großen Toten, des allverehrten Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg, dessen Gedenken der Abend in Ehrfurcht, Dankbarkeit und Stolz gewidmet sein solle.
Hierauf erklang unter Leitung von Frau Minna Schäfer, vom Frauenchor gesungen, das von echter Vaterlandsliebe getragene Lied:
„Vaterland, du magst wohl gleichen deinen sturmgewohnten Eichen, die im Wetter nur noch fester wurzeln in der Erde Grund."
Der trostreiche und hoffnungsfreudige Schlußvers: Mag noch manche Wolke dräuen, Gott, der Herr, wird sie zerstreuen. Dann vor allen wirst du strahlen, heißgeliebtes Vaterland"
leitete über zu dem von Pg. Frl. Gisela Fritz gehaltenen Vortrag „Aus dem Leben Hindenburgs". Die Vortragende ließ noch einmal die unvergeßlichen Ereignisse der letzten Wochen an unserem geistigen Auge vorüberziehen, gedachte der erhebenden Trauerseier, die der Deutsche Reichstag dem Gedächtnis des toten Präsidenten hielt und der Beisetzung im Tannenbergdeükmal, wo er inmitten seiner schlummernden Grenadiere seine letzte, wohlverdiente Ruhe gefunden hat. Wenn wir noch einmal kurz den Lebensweg dieses getreuen Ekkehard unseres Volkes überschauen, so war es nicht allein das Gefühl der Bewunderung für diesen großen Feldherrn und die Dankbarkeit für den Retter des Vaterlandes, sondren auch sein einfaches, gerades, sich selbst immer treubleibendes Wesen, das die Herzen aller Deutschen und der ganzen Welt ihm in Liebe und Ehrfurcht entgegenfchlagen ließ. Um» rahmt und durchdrungen von tiefer Frömmigkeit,
Oer Benzingast.
Von Martha von Zobeltih.
„Hier steht: Benzingast gesucht. Was ist ein Benzmgast?" fragte mich jüngst eine blaublonde Unschuld.
„Der Benzingast, mein Kind", erwiderte ich, ,chat nichts mit der eigentlichen Gastfreundschaft zu schaffen, der die Befriedigung des Magens und fein endlicher Ruin obliegt. Er ist überhaupt kein Gast. Er genießt weder das Recht der Wegbestimmung, noch der Zeiteinteilung. Er ist praktisch ein Autozubehör, psychologisch die Folge unzureichender Geldmittel des Kraftwageneiaentümers, und nicht etwa seines Geselligkeitsbedürfnisfes.
Unsere Zeit ist in die Schnelligkeit verliebt und deshalb vom Tausendpferdiaen machtvoll angezogen, teils ohne ihn erwerben, teils ohne den einmal Angezahlten ausreichend ernähren zu können. Was liegt näher, als die Schöpfung eines Ausgleichs, einer Stelle, wo Kraft und Stoff sich treffen, wo also der Benzinwirt seinen „zahlenden Gast" findet? Eine ganz simple geschäftliche Angelegenheit an sich und dennoch voller romantischer Möglichkeiten."
„Warum?" fragte Blaublond.
„Ja, nehmen Sie mal an, ein Jüngling möchte sich seine Fahrt nach Aachen verbilligen, und es findet sich dazu eine Maid, die in Köln für eine Mark Johann Maria Farina kaufen will. Da ist doch mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß die beiden bereits in Halle befreundet, in Kassel so gut wie verlobt sind. Zwischen Olpe und Kreuztal gibt es den ersten Streit und kurz vor Mühlheim Versöhnung. Es ist anzunehmen, daß nunmehr auch der Jüngling in Köln Station macht."
„Warum?" fragte die Unschuld.
„Wahrscheinlich wegen des Doms. Oder jemand muß schnell nach Bremen, ohne den Mann an der Bahnsperre zu bemühen. Eiaenlich muß er noch viel weiter, aber das braucht der andre, der seinen Wagen nach dem Weserhafen steuert, nickt zu wissen. Dieser andere sitzt mit genau den gleichen Hintergedanken am Volant, und deshalb reden die beiden von Norderney, was auaenblicklich keinen von beiden interessiert. Sie drücken sich vor dem Ratskeller abschiednehmend die Hand — und treffen sich an Bord des Uebersees unerwartet wieder. Aber da erkennen sie einander nicht."
„Warum nicht?"
„Sie sind weitsichtig geworden, Fräulein Blaublond! Oder nehmen wir mal an, der fremdsprachig stark behinderte Herr Schnurz hat in Livorno Wich-
Hochbetrieb im Gießener Bahnhof
3m Dienste der Saarkundgebung passieren 38 Sonderzüge unseren Bahnhof.
Die große Saarkundgebung in Koblenz wirkte beim Verkehrswesen in weitem Kreise. Viele Verkehrsmittel mußten eingesetzt werden, um den Zu- trom der deutschen Volksgenossen nach Ehrenbreit- tein zu bewältigen. Der Gießener Bahnhof hatte ein gerüttelt Maß im Rahmen dieser Arbeit zu bewältigen. Als Knotenpunkt der Reichsbahn in unserem heimatlichen Raume waren die Anforderungen, die gestellt wurden, so groß, wie kaum jemals bisher.
Schon am Samstag, 25. August, begann die außerplanmäßige Arbeit. Zunächst mußten fünf Güterzüge, die sonst auf der Rheinstrecke verkehren, über die Umgehungsbahn bei Klein-Linden geführt werden. Drei Sonderzüge fuhren am Samstag bereits nach Koblenz. Zwei „Kraft-durch-Freude"- Züge passierten ebenfalls den Gießener Bahnhof.
Den hauptsächlichen Ansturm brachte aber der gestrige Sonntag. In den ersten Stunden des gestri
gen Tages fuhren 18 Sonderzüge mit je 12« bis 1500 Volksgenossen nach Koblenz. Die Sonderzüge verkehrten sämtlich über Gießen. Die Züge hatten zum großen Teil Aufenthalt, damit den Fahrtteilnehmern Gelegenheit zur Verpflegung gegeben war.
Diese Sonderzüge fuhren gestern abend und in den Nachtstunden zum Montag wieder zurück. Eine zusätzliche Belastung bedeutete für den Gießener Bahnhof die Umleitung von 32 Güterzügen, die über die Umgehungsbayn über Siegen nach Köln und in das Ruhrgebiet geführt werden mußten. Es galt, die Strecken nach Koblenz für den Personenverkehr freizuhalten.
Am heutigen Montagvormittag wurden drei Zuge von der Rundfunkausstellung über Gießen nach Wiesbaden bzw. Frankfurt a. M. zurückgeführt. Weitere sieben Sonderzüge von Koblenz werden am 31. August und am 1. September über Gießen zurückfahren.
Schlichtheit und Bescheidenheit hat er feine Mannen- treue auch in Deutschlands schicksalsschwerster Stunde niemals preisgegeben und in seinem festen, unerschütterlichen Glauben an Deutschlands Wiedergeburt unser Volk auch in seiner tiefsten Not niemals verlassen. Er soll uns in allen Zeiten ein Symbol der Treue sein, denn „Wer seinem Volke so die Treue hielt, soll selbst in Treue nie vergessen sein!".
Nachdem der Frauenchor das Lied: „Ich halt' einen Kameraden" und alle gemeinsam „Ich hab' mich ergeben" gesungen hatten, las Pg. Frl. Fritz nach einer kurzen Pause noch das Vermächtnis Hindenburgs vor.
Sodann gab Pg. Frau Dingler bekannt, daß am Montag, 3. September, 20 Uhr, im Caf6 Leib zusammen mit der Ortsgruppe Nord ein Verpflichtungsabend der NS.-Frauenschaftsmitglieder stattfinde. Mit einer dringlichen Aufforderung, sich recht rege an den für das Winterhilfswerk vorgesehenen Näharbeiten, die jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr in der Alten Klinik, Liebigstraße, ausgegeben werden, zu beteiligen, dem Deutschlandlied und einem dreifachen Sieg-Heil! auf unseren Führer Adolf Hitler klang der Abend aus.
Appell des NSOFB. (Stahlhelm).
Don der Pressestelle des NSDFB. (Stahlhelm) in Gießen wird uns berichtet:
Am Freitag fand im Caf6 Leib der erste Appell des NSDFB. (Stahlhelm), Ortsgruppe Gießen, nach dem Sommerurlaub unter Leitung des Ortsgruppenführers, Kamerad Oberstleutnant a. D, Loppe, statt. Der große Saal vermochte kaum die sehr zahlreich erschienenen Kameraden zu fassen, die froh waren, nach dem Sommerurlaub wieder zu gemeinsamem Dienst zusammen sein zu können.
Der Kamerad Ortsgruppenführer L o p p e ging in seiner Ansprache auf die großen Ereignisse ein, die in den letzten Wochen für unser Volk und Vaterland von einschneidender Bedeutung gewesen sind. Er würdigte in zu Herzen gehenden Worten den Lebensgang und das Wirken des verewigten Generalfeldmarschalls und Reichspräsidenten von Hindenburg, des hochverehrten ersten Ehrenmitgliedes des Stahlhelm B. d. F., des großen preußischen Soldaten und Feldherrn, des weisen Staatslenkers, des Mannes, dem Pflichterfüllung für fein Vaterland bis zum letzten Atemzuge eine Selbstverständlichkeit war. Kamerad L o p p e ging näher auf die Beteiligung des NSDFB. (Stahlhelm) an den Trauerfeierlichkeiten für den großen Toten ein und berichtete, daß an dem einstigen Gefechtsstand des Generalfeldmarschalls in der Tannenbergschlacht, bei Frögenau, die Bundesführung mit den Landesführern und ein starkes Ehrenbataillon den Trauerzug erwarteten, daß bei der Beisetzung im Tannenberg-Denkmal das Ehrenbataillon im Ehrenhof mit dem linken Flügel am Eingang zum Feldherrnturm stand, in dem das deutsche Volk dem Generalfeldmarschall von Hindenburg fein würdiges Grab bereitet hat.
Kamerad Gauführer Dr. Dehner sprach dann eingehend über die Abstimmung am 19. August.
tiges persönlich zu erledigen. Auf Inserat meldet sich Doktor Achso, der Gegend und Sprache voll beherrscht und bald auch Herrn Schnurz. In einem Lande, wo die alten Meister nur so über- und untereinander hängen, wird man doch nicht die bemalte Leinwand wegen der gewebten, die Schnurz in Hemdenform verkaufen möchte, unbesichtigt lassen! Herrn Schnurz fallt es auch nicht weiter auf, daß man zwischen Mailand und Livorno auf Florenz stößt, er nimmt diese Stadt, sowie den Rückweg über Rom als gegeben hin und ist schließlich noch stolz darauf, daß er auf einer gewinnbringenden Geschäftsreise so viele alte Klamotten, die irgendwie mit Kunst bezeichnet werden, mitnehmen kann. Fragen Sie bloß nicht wieder: Warum? Fräulein!
Kennen Sie Lappke, den Sohn vom alten Lappke aus Schöneberg? Nein? Schade. Also der hat mit seinem Benzingast richtiges Pech gehabt. Nichts war ihm recht. Es zog, und das Chassis wackelte. Mal gmgs um die Kurven zu schnell, mal in der Geraden zu lanasam. Und kriegte ihr Ducklackhand- kaffer keine Schrammen! Und wo würde endlich Kaffee getrunken? Schließlich passierten sie Jngol- stadt. ,Em greulicher Wagen!' sagte die Dame laut, als sie vor dem »Hotel grüner Bär' hielten. Der Portier, der Hausknecht, der Liftjunge, der Ober, der Unter und sieben tatenlose Fremde hörten es Da ergrimmte Lappke junior. Er fuhr seinen be- schimpften Liebling zur Tankstelle und auf der andern Seite wieder hinaus und los wie Blücher auf das Salzburgifche zu. Und wenn sie nicht ge- ftorben ift, fitzt die Meckerliese noch heutigen Tages im ,Grünen Bären' zu Ingolstadt und wartet."
Fräulein Blaublond öffnete ihr unschuldiges Mäulchen zu einer Frage, aber ich winkte ab und fuhr eilig fort.
, /-Sie sehen, wieviele romantische Möglichkeiten in solchem Benzingasttum liegen. Es vereint auf Tage und Wochen Menschen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hatten und die fick nie wieder zu sehen wünschen. Da gibt es Mitfahrer, die sich bloß mal dick tun wollen, und andere, die sich bescheiden in Öen Fond verkriechen, obwohl sie bezahlt haben, und dabei noch den empfindlichen Photokasten des Benzinwirts auf den Knien schaukeln. Mitfahrer, die sich nach Marke und Geschwindigkeit, Preis und Rollsckeiben erkundigen, nur nicht nach dem Menschen, dem sie sich anoertrauen."
,Zch möchte mal nach Köln mitfahren!" bemerkte die blaublonde Unschuld träumerisch.
„Warum?" fragte ich. Aber sie schwieg.
Es fei für jeden Kameraden des NSDFB. (Stahlhelm) eine Selbstverständlichkeit gewesen, daß er dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler fein freudiges „Ja" gegeben habe. Der Führer verkör- pere ja im besten und wahrsten Sinne die hohen Ideale des Nationalfozialismus, dessen Ziele mit denen des früheren Stahlhelm B. d. F. und jetzigen NSDFB. (Stahlhelm) voll übereinftimmten. Daß die Kameraden unseres Bundes unentwegt im Sinne des Führers handeln würden, fei eine Selstverständ- lichkeit. Die 10 Prozent Neinstimmen, fo geringfügig sie an sich feien, bedeuteten aber eine ernste Mahnung an jeden, der im öffentlichen Leben an führender Stelle zum Wirken berufen fei, fein Handeln in jeder Hinsicht nach dem Willen und Beispiel Adolf Hitlers einzurichten.
Zum Schluß des dienstlichen Teils nahm der Kamerad Ortsgruppenführer die feierliche Verpflichtung einer großen Anzahl neuer Kameraden, darunter der Stahlhelmkapelle, vor. Sie leisteten ihren Eid der Treue für den Führer Adolf Hitler, den Bundesführer, den nationalsozialistischen Staat und unseren Bund angesichts der Bundesfahne, die mit einer Trauerschleife versehen bleibt, solange bis die uns durch das Schanddiktat von Versailles entrissenen deutschen Gebiete wieder in das Reich zurückgekehrt sein werden.
Dem dienstlichen Teile des Appells folgte noch ein kurzes kameradschaftliches Beisammensein. Die bei einem derartigen Appell unvermeidlichen Pausen wurden durch musikaliscke Darbietungen unserer trefflichen Stahlhelmkapelle ausgefüllt.
Samifienfonferetw des Bezirks Gießen-Land des NSLB.
Am Samstagnachmittag fand auf der Bergschenke eine Familienzusammenkunft der Lehrer des Bezirkes Gießen-Land mit ihren Angehörigen statt, die sehr gut besucht war. Rektor Siegfried- Grotzen-Linden, der Obmann des Bezirkes, sprach herzliche Begrüßungsworte, in denen er auf die Bedeutung solcher Familientage hinwies. Nach schwerer, aufopferungsreicher Arbeit sollten alle für einige Stunden im geselligen Kreise sich finden und näher kennenlernen. Die Ausführungen klangen in einem „Heil!" auf den Führer des Dritten Reiches aus. Darauf wurden die beiden Nationallieder gesungen. In einer späteren Ansprache gedachte Rektor Siegfried sodann besonders der Frauen im Lehrerhaus. Aus der Fülle der Darbietungen seien besonders heroorgehoben die Lieder, die Lehrer Kraushaar - Heuchelheim, begleitet von Chormeister Blaß- Gießen, vortrug. Alle Zuhörer waren begeistert von der schönen Stimme des Sängers. Für den Humor sorgte der bekannte Heimatdichter Georg Heß- Leihgestern. Er trug eigene Gedichte in oberhessischer Mundart vor und erntete reichen Beifall. Bei gemeinsamen Gesang und Tanz verliefen die Stunden in angenehmster Unterhaltung.
Bornoti,r.en.
Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstr.: „Bei der blonden Kathrein".
Wer hat die Photographie erfunden?
Seit am 7. Januar 1839 der französische Astronom A r a g o seinen berühmten Vortrag über Daguerre und dessen Vorläufer und Mitarbeiter N i e p c e gehalten hat, gilt der französische Maler Daguerre als der Vater einer Erfindung, die wir uns längst als selbstverständlich anzusehen gewohnt sind. Wie so oft in ähnlichen Fällen hat ein anderer Mann um dieselbe Zeit auf verwandten Wegen das gleiche Ziel erreicht: der englische Phy. fiter Talbot. Seine Verdienste um die Lichtbild- kunst würdigt Dr. Egon Caesar Conte C o r t i in einer umfangreichen und mit Inkunabeln der Photographie geschmückten Abhandlung, die V e l - Hagen & Klasings Monatshefte im Septemberheft veröffentlichen. Als Talbot Aragos Rede las, beschloß er, vor Erregung zitternd, die Ergebnisse seiner Untersuchungen der Königlichen Sozietät in London vorzulegen. Gleichzeitig richtete er bezüglich der von Daguerre angekündigten Erfindung eine förmliche Prioritätsreklamation an die Pariser Akademie. Er konnte dies noch mit Aussicht auf Erfolg tun, denn Daguerre und Arago hatten nur von der Tatsache der Erfindung, nicht aber von dem Wie und Warum und von dem Wege gesprochen, der dazu führte. In der nach Paris gesandten Prioritätserklärung bemerkte Tal- bot, daß er damit insbesondere die Erfindung der zwei Hauptpunkte meine, nämlich Fixierung der Bilder der Camera obscura und die nachfolgende Erhaltung der Bilder, so daß sie das volle Sonnen- licht vertragen. Talbot machte sich augenblicklich daran, diesen Bericht an die Königliche Sozietät mit gleichzeitiger Schilderung feines Verfahrens ab- zufassen. Er schilderte genau, wie er auf feinem durch chemische Einwirkungen höchst lichtemvfindlich gemachten, einfachen Schreibpapier auf dunklem Grunde weiße Bilder der Gegenstände herstelle, die die Negative bildeten, von denen auf dem heute noch geübten Wege beliebig viele Positive genommen werden konnten. Er legte gleichzeitig feinem Berichte eine große Anzahl von fo erzielten Bildern bei und bewies damit, da ja das Geheimnis des Daguerreschen Verfahrens noch nicht veröffentlicht war, daß feine Forschungen gänzlich unabhängig von jenen in Paris erfolgten. Dies betonte er auch in einem neuerlichen Briefe an die Pariser Akademie, welche auf das Prioritätsverlangen, das Talbot an sie gerichtet hatte, scharf anmortete. Arago batte Talbots Brief der Pariser Akademie vorgelegt und betonte, das Niepce schon 1826 Bilder her- gefteUt habe, die in gewissem Maße der ferneren Einwirkung der Sonnenstrahlen nach der ersten
*♦ Dom Skadkkheakör. SybMe Evelyns Flemming verläßt — wie man uns schreibt — nach Ablauf dieses Monats das Gießener Stadttheater, dem sie zwei Jahre angehörte. Sie ist als Erste und Singende Salondame und Liebhaberin nach Dresden (Albert-Theater) verpflichtet. Ihrs Dresdner Antrittsrolle ist die Lotte Lenz in „Dis Frau ohne Kuß".
** Das Fest der silbernen Hochzeit feiert am Dienstag, 28. August, das Ehepaar Bahnarbeiter August Sauer, Friedensstraße 28.
** Unglücklicher Sturz. Das fünfjährige Söhnchen des Straßenwärters Werner Klos von hier, Ludwigstraße 47, kam fo unglücklich äu Fall, daß es einen Oberschenkelbruch erlitt und durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz der Chirurgischen Klinik zugeführt werden mußte.
** Kinderfest im Walde. In der Waldeslust am Flughafen fand dieser Tage ein öffentliches Kinderfest statt. Bei großer Beteiligung nahm es den besten Verlauf. Die Veranstaltung wurde ein- geleitet durch einen Aufmarsch der Kinder unter Dorantritt der Musikkapelle. Dann nahmen die Kleinen am Kasperltheater Platz, und es war eine Helle Freude zu sehen, wie die Kinder die Vorführungen miterlebten. Sackhüpfen, Reigen, Spiele, Eierlaufen usw. hielten die Kleinen in Atem bis das Wurstschnappen mit feinen drolligen Szenen den Abschluß bildete. Mit vergnügten Gesichtern, den Luftballons in den Händen, machten sich die Kleinen auf den Heimweg.
** Sonntagsrückfahrkarten gum Deut- scheu Pfarrertag in Frankfurt. Zu dem in der Zeit vom 4. bis 6. September in Frankfurt a. M. stattfindenden Deutschen Pfarrertag gibt die Reichsbahnverwaltung von allen Bahnhöfen im Umkreis von 200 Kilometer um Frankfurt a. M. Sonntagsrückfahrkarten gegen Vorlage einer Teilnehmerkarte aus. Die Karten gelten zur Hinfahrt vom 4. September 0 Uhr bis 6. September 12 Uhr und zur Rückfahrt vom 4. September 12 Uhr bis 6. September 24 Uhr (spätester Antritt der Reise).
Oberbeffen.
Eine Dorfschulwoche in Kaulstoß bei Schotten.
In der Zeit vom 16. bis 22. September d. I. findet in Kaulstoß (Kreis Schotten) eine Dorf- schulwoche statt. Daran nimmt aus jedem Kreis der Kreisfachschaftsleiter oder an dessen Stelle ein für Dorfschulfragen besonders interessierter Kollege teil. Die Kollegen aus dem preußischen Teil des Gaues werden dringend gebeten, die Teilnahme ebenfalls zu ermöglichen. Urlaub für diese Zeit ist bei dem zuständigen Schulamt zu erwirken. Die Teilnehmer finden bei der Bevölkerung Unterkunft. Die Gebühren, die sich zusammensetzen aus 10 Mk. für Verpflegung und Bahnfahrt, gehen zu Lasten des betreffenden Kreises. Kollegen, die Musikinstrumente besitzen, werden gebeten, diese mitzubringen. Bis spätestens 10. September sind von den Kreisfachschaftsleitern Namen und Anschrift der Teilnehmer dem Gaufachschaftsleiter, Pg. Schäfer (Offenbach, Hindenburgring 55), zu melden. Fehlbericht (betr. nur den preußischen Teil) erforderlich. Kaulstoß, am Fuß der Herchenhainer Höhe, liegt etwa anderthalb Stunden von der Bahnstation Gedern an der Strecke Frankfurt—Vilbel—Stockheim —Lauterbach entfernt.
Die Arbeit gliedert sich folgendermaßen: An ber konkreten Situation eines kleinen Vogelsbergbauern- dorfes mit einer einklassigen Schule sollen die Fra- aen der Landschulreform aufgerollt werden. An den Nachmittagen wird der Versuch der Gesamtdarstellung des Dorfes Kaulstoß geaeben. Die Vormittage gehören der Schule mit anschließenden Besprechungen. Begonnen wird morgens mit Frühsport. Die Abende vereinigen die Teilnehmer zum Teil mit der Bevölkerung, zum Teil dienen sie der Pflege der Musik und des Kameradschaftsgeistes. Außer einem Märchen» abend ist ein kleines Freilichtspiel geplant. In einem leeren Bauernhaus wird für die Dauer der Woche eine Ausstellung der einschlägigen Literatur stattfinden; eingehende Kenntnisnahme ist dadurch gesichert.
Belichtung durch entsprechende Behandlung entzogen wurden. Die großen Verbesserungen Daguer- res, welche insbesondere in der Schnelligkeit des ganzen Vorganges beständen, und die Bilder, die er jedermann gezeigt habe, bewiesen genug die Priorität der in Frankreich gemachten Erfindung. Man antwortete also seitens der Akademie auf die Reklamation, daß Daguerre bereits seit mehr als vierzehn Jahren unausgesetzt mit diesen Forschungen beschäftigt sei und Herrn Arago schon seit Jahren unter Vorzeigung von Bildern in seine Untersuchungen eingeweiht habe.
Wie Rembrandts „Nachtwache entstand.
Das weltberühmte Meisterwerk Rembrandts wurde von ihm für das Zunfthaus der Schützen, die sich nicht des Bogens oder der Armbrust, sondern der Gewehre bedienten, geschaffen worden. Das Schützenhaus, das neuerbaut worden war, sollte einen reichen Bilderschmuck erhalten, und fo erging an eine ganze Reihe von Malern der Auftrag, Porträtgruppen der Schützen zur Ausschmückung des Hauses zu schaffen. Unter diesen Meistern befand sich auch Rembrandt, der damals schon „einer der berühmtesten Maler des Jahrhunderts" genannt wurde. Die von ihm gemalten Schützen stammen alle aus dem zweiten Stadtteil unter den zwanzig Bezirken, in die Amsterdam damals eingeteilt war. Der Hauptmann, der sie anführte, und dessen Gestalt mit der des Leutnants zusammen die Mitte des Bildes darstellt, war Franz Bannig Coua, ein angesehener Mann, der später den Bürgermeisterposten von Amsterdam bekleidete; der Leutnant führte den Namen Wilhelm von Ruytenburch. Der Preis, den den Maler für das Bild erhielt, wird in späteren Urkunden gelegentlich erwähnt; Rembrandts Frau Saskia starb nämlich im Jahre der Vollendung des Werkes (1642) und im Verlaufe der Verhandlungen über den Nachlaß kommt auch der Preis der „Nacht- w°che" zur Sprache. Im Prinzip sollte jeder der sechzehn porträtierten Schützen hundert Gulden beitragen, doch richtete sich der Preis in der Praxis oanach, was für einen Platz der einzelne auf dem 451106 erhielt; diejenigen, die in ganzer Figur abge- bildet wurden, mußten mehr zahlen als die, von denen nur die Gesichter zu sehen waren. Der Preis betrug im Ganzen 1600 Gulden, eine Summe, die im zserbaltnis zu anderen Honoraren Rembrandts ziemlich gering war.


