scheu ... Dann steigen wir den Basaltfelsen, der die Burg trägt, hinunter, schlendern hügelab durch den Schloßpark mit den Lindenalleen, die vielleicht so alt sind wie das steinerne Bauwerk, das seit dem 17. Jahrhundert immer wieder zerstört und dann neu aufgebaut wurde. Heute schaut es immer noch so trotzig wie einst ins Tal, als könnten ihm auch kommende Zeiten nichts anhaben.
Die Landstraße führt an der Parkmauer entlang. Dann kommen wieder Wiesen, teppichbunte Frühlingswiesen. Etwas abseits fließt die Lahn, ein schmales Flüßchen. Um den Bewohnern des Städtchens und den Kurgästen, die in dem schönen Schloßhotel oder den bescheideneren Gasthöfen des Ortes wohnen, den weiten Weg zum Bade zu sparen, hat man im Tal mitten. in einer Wiese ein Schwimmbad aus blauen Kacheln mit Hilfe eines Baches angelegt. Die schönste Badestube mit dem noch blaueren Himmel darüber, der Sonne zum Trocknen und dem nahmen Wald zum Abkühlen der Schwimmer ...
Wer Lust hat, weiter zu wandern, begegnet den zahmen Rehen und Hirschen im Wildpark auf dem benachbarten Waldhügel, und noch weiter abseits auf den Hängen des Westerwaldes findet er manche kleinere Burg, wenn auch oft in Trümmern liegend. Die Dianaburg und die Ruinen der ebenfalls Solmsschen Burg ©reifen ft ein mit der schönen gotischen Kapelle, deren Stuckornamente aus dem 17. Jahrhundert stammen. Lahnab, lahn- auf ragen bekanntere Schlösser und Burgen aus dem Waldgebirge auf, aber nichts ist so schön wie der Wald selbst. Nichts ist köstlicher als Baum und Strauch, die die Gebilde aus Menschenhand grün verhüllen — nichts kann schöner sein, als frisch- grüner Buchenwald zu Pfingsten! Leuchtend wie Glas, durchsichtig und doch den Blick nicht weiter durchlassend als bis zum nächsten Baum — ohne Himmel, ohne Erde —, grünes, ewig junges Leben ... Urian.
Orten weist der handliche Führer mit den Preisen für Unterkunft und Verpflegung nach.
Heifetmnfe.
Bad Camberg.
Camberg im Goldenen Grund liegt am Oberlaufe des nordwestlich zur Lahn abfließenden Ems- baches in einer Höhe von 220 bis nahezu 500 Meter. Das alte Städtchen, das z. Zt. 2500 Einwohner zählt, erhielt feine Stadtrechte 1273 von Rudolf von Habsburg, und mancher Fachwerkbau hält die Erinnerung an feine Blütezeit im Mittelalter und an feine wechfelvollen Geschicke unter der Herrschaft der Erzbischöfe von Trier und der Herren von Nassau-Diez wach. Das Städtchen ist von einem Kranze von Villen und Obstgärten umgeben, und das alte Festungsgelände ist mit Geschick in einen schattigen Kurpark verwandelt. Vom Park führen schattige Wege zum nahen, wildreichen Mischwald des hohen Taunus, von dem 2000 Hektar der Stadt gehören und durch bequeme Waldwege erschlossen sind. Camberg besitzt ein Kneippbad; eine Aerztin und drei Aerzte leiten die Badekuren und auch neuzeitliche Diätkuren. Camberg ist Station der Bahnlinie Limburg—Frankfurt, hat alte Gaststätten und moderne Hotels und Pensionen.
Barockschloß am Main.
Von Emil Baader.
Ziele der Mütterschulung
Geschichten aus aller Welt
* der
Dolden
muß, wenn er die Heilbäder, Luftkurorte und Sommerfrischen dieses jahrtausendalten kattischen Stammlandes aufsuchen will. Das landschaftlich reizvolle Erholungsgebiet im Herzen Deutschlands liegt zentral, ist leicht erreichbar und verfügt über gute preiswerte Gaststätten.
Sommerfrischen im romantischen Zauber der Hochtäler des Schwarzwaldes, zwischen Bergen, Wald und Wasser, unter kraftspendender Höhenluft und Höhensonne. Rund 1800 Gaststätten in etwa 200
stattfinden. Alle früheren Lehrer und Schüler der Vorschule, Realschule und Oberrealschule werden zu der Feier erwartet. Bis dahin aber ist noch viel Kleinarbeit zu leisten. Deshalb werden alle ehemaligen Angehörigen der Anstalt zur Mitarbeit aufgerufen und gebeten, ihre Anschrift und die ihnen bekannter Schulkameraden schon jetzt an Studienrat Dr. Gieße, Michelstadt (Odenwald), zu melden.
Wenn man aber den Nachwuchs des deutschen kes schulen und bilden will, so muß man bei Müttern anfangen.
Lahrhundertfeier der Oberreakschule Michelstadt.
perforiert ist neben ihrer persönlichen Eignung und Lebensreife das Bekenntnis zum nationalfozialisti- schen Staat.
Der bereits fertiggestellte Musterlehrplan für Mütterschulung umfaßt drei Hauptteile: einen allgemeinen weltanschaulichen Lehrgang, praktische Ausbildung in der Haushaltführung und spezielle Schulungskurse. Die letzteren umfassen insbesondere die Gebiete „Mutter und Kind", „Ge- sundheits- und Krankenpflege", sowie „religiös-sittliche Erziehung". In dem allgemeinen Lehrgang werden u. a. die Aufgaben der Frau im neuen Staate, die Grundbegriffe der nationalsozialistischen Weltanschauung, die Erblehre und Erbpflege als mütterliche Aufgabe, deutsches Brauchtum und deutsche Feste behandelt werden. Zur Haushaltführung wird die gesamte praktische Ausbildung der Mütter und Hausfrauen gehören. Es wird z. B. gelehrt werden, wie man mit beschränkten Mitteln ein gesundes und nettes Heim schafft, wie man Kinderkleidung billig anfertigt und ausbessert, wie man das Wirtschaftsgeld richtig einteilt- und über die Ausgaben regelmäßig Buch führt. In den Sonderkursen werden die Mütter auch in der zweckmäßigen Betreuung und Beschäftigung der Kinder jeden Alters geschult werden.
Die Parole des Reichsmütterdienstes heißt: Durch M ü t te r s ch u l u n g zu einer ge.sünderen und politisch reifen deutschen Jugend!
Michelstadt (Odenwald), 25. Mai. Hier tagte ... Ausschuß für die Vorbereitung der Jahrhundertfeier der Oberrealschule. Am 1. und 2. September d. I. sollen die Festlichkeiten
(Nachdruck auch mit Quellenangabe, verboten!)
Glücksspielautomaten für die Fische.
- (th) Neuyork.
Sie waren einst die große Sensation von Neuyork. Die Ursache vielen Unheils für manchen jungen Menschen, der hier fein eigenes und oft auch fremdes Geld vertat: die Spielautomaten. Die „Bibabo" oder wie sie sonst hießen, die auf dem Prinzip der Geschicklichkeit oder des Zufalls, der meist für den Automateninhaber zu entscheiden pflegte, aufgebaut waren.
Seit Jimmy Walker verschwand, machte sich eine starke Bewegung gegen diese Automaten geltend. Jetzt führte diese Gegenbewegung zum Erlaß eines Gesetzes, das alle derartigen Automaten zum Tode verurteilt. Zehn Minuten nach Ausfertigung des Gesetzes brausten elf Lastwagen mit 40 Mann Besatzung los und luden — genau nach Stadtvierteln verteilt — die Automaten auf. Immer höher türmten fick die Maschinen auf den Wagen. Erstaunt standen die Neuyorker dabei, um zu sehen, was daraus werden sollte. Nachträglich noch um manches 10,Cents-Stück trauernd, das der unersättliche Schlund dieser Automaten verschlungen hatte.
Die Lastwagen mit 2000 Glücksspielen fuhren zum Meer hinaus; dort kippte man die Unheils- maschinen ins Meer. Die Fische werden sich gewundert haben — als sie Bibabo und Fixlifax, auf den Grund sinken sahen. Wenn die Fische Centstücke hätten und zu spielen verstünden — man müßte Angst um sie haben . . .
Kem Schutz am Thronbesteigungstag.
. (—) London.
Dian beging in England den vierundzwanzigsten Thronbesteigurtgstag. An sich eine festliche Sache. Diesmal fiel kein Schuß, dröhnte kein Salut. Totenstill ging der Tag vorüber. Erschütterter Thron? Verschwindende Tradition? Aber keineswegs! Es war Sonntag in England. Und ?.ara” können weder ein Königs-Geburtstag noch Die höchste Staatserinnerung etwas ändern. Am Sonntag darf eben nicht geschossen werden.
Der stille englische Sonntag in seiner Langweiliq- feit und Ruhe ist weltbekannt. Aber man hatte nie geglaubt, daß diese Sonntagsstille auch über den König hinweggehe. Und doch ist es so.
In den Königlichen Vorschriften heißt es unter „QJeburtstage, Thronbesteigungen,. Krönungen: An den (Erinnerungstagen werden Salutschüsse abge- geben. Fallt der Erinnerungstag aber auf einen toonntag, dann haben die Schüsse nicht zu erfolgen Sie können bei Bedarf am Nachmittag des folgenden Tages nachgeholt werden."
So donnerten denn auch diesmal die 21 Schüsse im Long Walk-Windsor und im Hydepark 24 Stunden spater über das Land.
Lachen, ärztlich verordnet!
(z) Paris.
(Eine Kur bei dem Pariser prakt. Arzt Dr. med. Dachet muß ein geradezu paradiesisches Vergnügen bereiten. Er hat nämlich seine ganze Heilkunst auf die biologische Wirkung des — Lachens eingestellt. Daß man im Wartezimmer eines Arztes häufig Witzblätter vorfindet, ist nichts Neues mehr. Bei Dr. Dachet allerdings findet man keine Witzblätter im Warteraum. Dafür aber ist fein Behandlungszimmer als wahres Lachkabinett eingerichtet. Einer seiner — erfolgreich behandelten und geheilten — Patienten erzählt in einer französischen Zeitschrift eine derartige Konsultationsstunde:
Man leidet beispielsweise, wie es mir erging, an chronischer Schlaflosigkeit. „Lieber Herr Doktor, ich habe schon alle marktgängigen Pulver dagegen eingenommen und auch Hausmittel gebraucht, aber alles war vergeblich. Ich magere von Tag zu Tag mehr ab und bin fein rechter Mensch mehr. Können Sie mir wohl helfen?"
Der Doktor, eine joviale Erscheinung, nötigte mich in einen tiefen, weichen Sessel, nahm an feinem Tische Platz, zog ein dickes Buch hervor und begann — kaum traut man feinen Augen und Ohren — eine nette kleine Geschichte vorzulesen. Sie war so reizend und auch so liebenswürdig von dem Arzte vorgetragen, daß ich ganz vergaß, wegen eines hartnäckigen Leidens vor einem Mediziner 3U sttzen. Als das Geschichtchen zu Ende war, beginnt der Doktor alle möglichen luftigen und oft auch derben Anekdoten und Schnurren zu erzählen, von denen er einen unerschöpflichen Vorrat im Kopf haben muß. Und wenn ich auch anfangs nur verlegen gelächelt hatte, bald lachte ich aus vollem Halse laut heraus und mußte mir die Augen trocknen, weil mir vor lauter Lachen Tränen (jefommen waren. Dann erhob sich der Doktor ühlte meinen Duls und erklärte, die Kur lasse ich vielversprechend an. Worauf er — eine Grammophonplatte aufzog. Waren seine Schnurren schon zum Totlachen, so konnte man beim Anhören der Platten, die der Doktor sich von einer Schallplattenfabrik eigens hat zusammenstellen lassen, vor Gelächter fast aus der Haut fahren. Ich geriet in Schweiß, fühlte mit hinterher wohlig ermattet und wurde nun mit der Aufforderung entlassen, am nächsten Tage wiederzukommen. Und o Wunder: ich schlief in der nächsten Nacht zum ersten Male seit so vielen qualvollen Monaten wie gewiegt. Die Kur hatte angeschlagen, und der Doktor Dachet hat recht: „Lachen heilt!" Auf diese amüsante Weise, — der sicherlich psychoanalyti che Erwägungen zugrunde liegen — rückt Dr. Dachet der übrigens riesigen Zulauf hat, allen neurotischen Erkrankungen wie Schlaflosigkeit, Migräne. Ma- genverstimmungen usw. zu Leide w
Ein gesundes Volk erfordert körperlich uni) seelisch tüchtige Mütter. Sie erwachsen dem deutschen Volke nicht von selbst, sondern müssen zur Erfüllung ihrer Pflichten ausgebildet werden. Fünf Spitzenverbände haben sich daher zu einer Reichsarbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, deren Aufgabe die Mütterschulung sein soll: die NS.-Frauen- schaft, der Evangelische Mütterdienst, die Reichs- gemeinschaft Deutscher Hausfrauen, die Deutsche Vereinigung für Säuglings- und Kleinkinderschutz, sowie der Deutsche Fröbelverband. Die örtlichen Gruppen dieser fünf Frauenverbände werden künftig die Mutterschulung in ganz Deutschland organisieren. Die zuständigen kommunalen und kirchlichen Stellen, außerdem auch die Träger der freien Wohlfahrtspflege sollen zur Mitarbeit herangezogen werden.
Die Ausbildung der Mütter wird teils in geschlossenen Mütterschulen, teils in Mütter- schulungskursen erfolgen. Nötigenfalls wird man sich auch darauf beschränken, den Müttern während der Erholung und Freizeit die nötige Schulung zu vermitteln. Am erstrebenswertesten sind natürlich richtige Mütterschulen, in denen auch Außenstehende einzelne Kurse belegen können. In allen größeren Städten werden daher solche Schulen errichtet werden. Auf dem Lande wird man sich zunächst mit Wand er kur sen begnügen, in denen die Mütter jeweils auf einem bestimmten Teilgebiet der Mütterschulung ausgebildet werden. Der Unterricht in den Schulen, wie in den Kursen wird von wohlausgebildeten Fachkräften geleitet werden. Voraussetzung für die Zulassung der Lehr-
vom Wallfahrtskloster Engelberg. Weithin beherrscht dieses uralte Kloster mit Mauern und Türmen das fränkische Land. Man muß an einem Frühsommertag die sechshundertundzwölf „Engelstaffeln" emporsteigen, vorbei an ungezählten Ba- rockkapellen, Bildstöckchen und Maoonnensäulen. Man muß vom (Engelberg hinausschauen in die Lande am Main. Die Berge sind blau. Barocke phantastische Berge. Die Steinbrüche glühen rot. Wolken stehen weiß und üppig darüber wie in Gemälden barocker Kirchen. Litaneien werden gebetet. Wallfahrer ziehen durch das Tal.
Zum Schönsten in dieser barocken Engelberg- Landschaft gehört das fürstlich Löwen st einsche Schloß zu Kleinheubach, das in einem schattigen Parke am Main dem Wallfahrtsberg gegenüber liegt. Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll: diesen reichen Park mit seinen Goldregen- und Fliederbüschen, seinen Magnolienbäumen, seinen Blutbuchen, Platanen und Kastanien, seinen exotischen Baumgruppen, seinem Vogelsang — nirgends hört man die Nachtigall inbrünstiger und süßer singen — oder das Schloß selbst: mit seiner schönen von Eduard v. S t e i n l e ausgemalten Schloßkapelle, seinen hohen Pavillons, seinen riesigen Portalen, seinen Wappen und barocken Figuren, seinen prunkvollen Sälen. Das ist ein Klang: Schloß und Schloßpark, wie Strom und Berg, wie Wolke und Wald. Natur und Kultur, Menschen- werk und Gotteswerk wirkten hier zusammen, etwas Großes zu schaffen.
Wenn man in der Chronik dieses Schlosses blättert, so erfährt man bald, daß es in der baufreu- digsten Zeit der deutschen Geschichte, dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts, erbaut wurde, jener Zeit, wo Fürsten und Siebte und wer es sich nur irgendwie leisten konnte von einer uns heute kaum begreiflichen Bauluft besessen waren. Gebaut mußte werden, das lag in der Luft. Versailles erstand damals, Sanssouci und Favorite, die Schlösser von Würzburg, von Bruchsal, von Ansbach und Bayreuth: die Gotteshäuser von Vierzehnheiligen, von Amorbach und Walldürn.
Es war im Jahre 1721, da Fürst Dominikus Marquard zu Löwen st ein-Wertheim-Ro- f e n b e r g vom Grafen Friedrich Franz von E r - b a ch um den Preis von 108 000 Gulden Dorf und Schloß Kleinheubach erwarb. Er hätte sich bescheiden können mit dem alten Schloß, das um 1580 vom Grafen Georg von Erbach erbaut worden war. Aber Fürst Dominikus Marquard baute. Baute mit der Selbstverständlichkeit jener Zeit. Er baute sich einen stolzen Herrschaftssitz. Es ist bis jetzt nicht völlig klargestellt, ob Johannes Dien« zenhofer, der „hochfürstliche Bambergische Baumeister", oder Louis Remy de la Posse die Pläne zum neuen Barockschloß geschaffen. Nach den Bauakten im fürstlich Löwensteinschen Archiv wurde Posse am 2. November 1723 die „Ober« Inspektion" über den Bau übertragen. Am 11. November wurde ebenfalls ein Vertrag mit Dien« zenhofer abgeschlossen. Als Dienzenhofer 1726 starb, wurde der Mannheimer Baumeister R i - s ch e r fein Nachfolger. 1732, nach neunjähriger Bauzeit, war das neue Barockschloß am Main vollendet.
Wer immer die Pläne geschaffen haben möge: es ist die baufrohe Barockzeit, die hier am Werk war. Das Kleinheubacher Schloß — die roten (Steine, aus denen es erbaut, stammen aus den Steinbrüchen des Maintales; sie leuchten in der Sonne — ist ein gewachsenes, ein organisches Bauwerk. Der (Erbauer war ein Meister. Meister waren auch die Maler, die im Schloßinnern am Werke waren. Ambrosius Reith sei besonders genannt. Er schuf die barocken Deckengemälde im Marmorsaal. Von intimer Wirkung sind die klassizistischen Malereien im Speisesaal. Die freundlichste Ueberraschung aber für den kunstsinnigen Besucher sind die Bilder Eduard v. Steinles, denen wir in den Gemächern dieses Schlosses begegnen. In den Jahren 1869 bis 1872 war es, wo der damals 50jährige Künstler von Frankfurt am Main nach Kleinheubach kam, die Schloßkapelle mit Bildern zu schmücken. Das Schönste aber, was Steinke damals schuf, ist der Zyklus Aquarelle zum Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot". Diese Märchenbilder find so bezaubernd innig, so erfüllt von dem, was wir „deutsche Seele" nennen, daß man beim Namen Kleinheubach äu allererst an diese Bilder denken muß. Das barocke Schloß atmet französischen Geist. Die Gobelinbilder künden von antiker Sage und Geschichte, die allegorischen Gemälde der Prunksäle sind unserem heutigen Empfinden fern. Unvergeßlich aber sind uns Steinles Märchenbilder „Schneeweißchen und Rosenrot", so unvergeßlich wie bas Blühen des Flieders und des Goldregens, wie der Gesang der Nachtigall, wie das Rauschen der alten Parkbäume und das Rauschen des Mainstromes. So wohnt — durch Steinles Märchenbilder — deutscher Geist im fränkischen Barockschloß am Main.
Reiseliteratur.
— Der Landesverkehrsverband Hefsen-Waldeck in Kassel hat einen neuen amtlichen Führer herausgegeben; er enthält alles, was der Fremde wissen
Franken ist das Land des Barocks. Am Main stehen die schönsten Barockkirchen und Barockschlösser Deutschlands. (Eine Ueberschwänglichkeit, eine phantastische Fröhlichkeit ist in der Atmosphäre von Würzburg und Veitshöchheim, von Banz und Vierzehnheiligen. Weinberge leuchten auf hinter den Fassaden der bctrocken Klöster, Schlösser und Wallfahrtskirchen.
Eine beschwingte Barockstimmung liegt auch i" jener Mainlanoschaft zwischen Spessart und Odenwald, die majestätisch gekrönt wird
— Der Wegweiser und Hotelführer „Badner- land — Schwarzwald" wurde für 1934 in über neuer Auflage herausgegeben. Die südwestdeutsche ~ ~ *■ Grenzmark mit ihren günstigen klimatischen Verhältnissen besitzt eine große Zahl reizvoll gelegener, berühmter .Heilbäder und Kurorte und zahlreiche
Zwei Telephongespräche.
D. Berlin.
Herr Dr. Fr. und seine Gattin machten eine Auto» fahrt; derweil hütete Anna, die neue Hausange» stellte, die Wohnung. Am Nachmittag klingelte bas leie» phon. Es melbete sich bas Urban-Krankenhaus. Anna ließ vor Schreck beinahe den Hörer fallen. „Ja, ist denn etwas passiert — mit dem Auto?" — „Ja» wohl, Fräulein," kam die Antwort. „Herr und Frau Doktor sind mit dem Auto gegen einen Baum gefahren und wurden hier bei uns eingeliefert. Es sieht ziemlich bös bei den beiden aus. Bitte suchen Sie die Pelzmäntel heraus. Die Herrschaften brauchen Wärme, besonders Pelzwärme wird ihnen gut tun. Der Stationsarzt wird gleich bei Ihnen mit unserem Auto vorfahren und die Pelze, abho- len. Und dann, Fräulein — Herr Doktor hatte nur ein paar Mark bei sich, es wäre uns ganz ange« nehm, wenn wir heute schon ungefähr zwanzig, drei- ßig Mark als Anzahlung bekommen konnten. Vielleicht geben Sie unserem Stationsarzt das Geld gleich mit?" Ja natürlich, Anna versprach, während sie an allen Gliedern zitterte, den Auftrag sofort auszuführen. Die Pelze waren noch nicht eingemottet, das Geld — du liebe Zeit, wo sollte sie das Geld hernehmen? Die Wirtschaftskasse war grabe leer, aber sie konnte bie Summe ihrer Sparbüchse entnehmen. Unb als bas Auto vorfuhr, ftanb Anna bereits vor ber Haustür unb übergab ben Insassen getreulich bie Pelze unb 35 Mark — benn fünf Mark mehr konnten doch sicher nicht schaden. Als sie noch viele Grüße an die Herrschaften bestellte unb recht gute Besserung gewünscht hatte, ging sie wie- ber hinauf und kam gerade zu einem zweiten Te- lephongespräch zurecht. Anna nahm den Hörer ab, und diesmal war der Schreck beinahe noch größer, als sie die Stimme von Frau Doktor vernahm. Frau Doktor bestellte aus Rheinsberg warmes Abendbrot für acht Uhr, da sie sich verspätet hätten. Das bestürzte Stammeln des Mädchens konnte Frau Doktor überhaupt nicht begreifen, und so hängte sie kurz entschlossen den Hörer an, da ja Ferngespräche schließlich nicht ganz billig sind. „Denk dir nur," sagte sie lachend zu ihrem Manne, „die Anna glaubt, wir wären verunglückt, woher sie das bloß hat!" Und kopfschüttelnd schaltete Herr Doktor den Motor wieder ein ...
Der Hochzeitsmonat von Turin.
(d) Rom.
Die Standesbeamten in Turin bereiten sich schon heute auf die schweren und arbeitsreichen Zeiten vor, die ihnen im Monat Juni bevorstehen. Wenn man nämlich die jährliche Bevölkerungsstatistik dieser italienischen Industriestadt studiert, macht man die überraschende Entdeckung, daß der Monat Juni derjenige ist, in dem die meisten Eheschließungen zu verzeichnen sind. Nun ist ja der „Rosenmond", wie sein Name schon sagt, dazu geeigneter als jeder andere, da das aber für alle Städte zutrifft, diese aber gerade im Juni keine besonders hohe Eheschlie- tzungsziffer aufweisen, muß die Sache in Turin doch wohl eine andere Bewandtnis haben. Und ein italienisches Blatt ist nun auch dahinter gekommen. Wer jedoch hinter der Angelegenheit ein besonderes poetisches Geheimnis vermutet, wird bitter enttäuscht, denn die Rekordziffer der Turiner Heiraten im Juni ist lediglich die Folge ausgesprochenen Eigennutzes. —
Vor einem Jahrzehnt nämlich starb in Turin ein Wohltäter feiner Vaterstadt, der in feinem Testament der Stadt eine Stiftung hinterließ, nach deren Bestimmung das schönste, gesündeste und verträglichste Ehepaar, das zuerst in jedem Jahr zwischen seinen Todesgedenktagen (er starb am 2. Juni) vor den Altar getreten sei, eine jährliche Rente von 600 Lire (nach dem Goldstandard) erhalten solle. Seitdem die Bestimmungen dieser Stiftung bekannt geworden sind, können die Turiner Brautpaare, namentlich der ärmeren Bevölkerungskreise, das Datum des 2. Juni kaum abwarten, um dann ja die erftei) zu fein. Denn auch im Lande Mussolinis mahlt zuerst, wer zuerst kommt. Und daß ausgerechnet sie das schönste und gesündeste und verträglichste Paar der Welt sind, das bilden sich bekanntlich die Brautpaare der ganzen Welt ein.
Die Rache des Diebes.
D. Prag.
In der Straßenbahn erhob sich ein Getümmel. (Eine hübsche, junge Dame schrie: „Meine Handtasche ist weg, Hilfe!" Sofort wurde der Wagen an« gehalten, man lief durcheinander, und es war ein ziemlicher Krach. In dieser Aufregung gelang es Dem Dieb leicht, mit der Handtasche zu entkommen, und jede Untersuchung verlief ergebnislos. Die Dame war untröstlich, aber nicht nur wegen des Geldes, das sie verloren hatte. Am nächsten Tag bestätigten sich ihre Besorgnisse. Wutentbrannt kam ihr Gatte in ihr Zimmer gestürmt und schwenkte einen Brief in der Hand. Ein Schreiben auf nicht sehr feinem Papier, von nicht sehr geübter Hand. Der Inhalt war vernichtend. Der Dieb schrieb an den Mann der bestohlenen Dame: „Sehr geehrter Herr, ich habe mir gestern erlaubt, die Handtasche Ihrer Gattin zu stehlen. Ihre Gattin erhob ein solches Geschrei, daß ich nur mit Mühe entkommen konnte. Das war nicht sehr edelmütig von ihr. Wo sie doch nur ein paar Mark verlor. Ich war jedenfalls nicht sehr gut auf sie zu sprechen, und da fand ich einen Brief in der Tasche, den ich Ihnen hiermit ausliefere." Der Brief, den der Dieb in der Handtasche gefunden hatte, war in der Tat so niederschmetternd für den Gatten, so kompromittierend für die Frau, daß es zwischen ihnen weiter keiner Wort bedurfte. Nach einigen Tagen standen sie vor dem Scheidungsrichter.
Das Kassenbuch als Lebensretter.
(hk) Sofia.
Immer wenn Iwan Karamanoff von diesem Abend spricht, streichelt er dankbar sein dickes Kassenbuch: „Bitte übersehen Sie nicht die vier kleinen Löcher, die von der Rückseite bis zur Seite 100 gehen . . ."
Hier trug er alle Einnahmen aus seinem gutgehenden Krämerladen sorgsam ein. Er war auch an diesem Abend damit beschäftigt, als ein alter Freund in den Laden trat. Er hatte gerade eine Auseinandersetzung mit Karamanoff gehabt, wegen irgend einer lächerlichen kleinen Sache. Aber als er jetzt Karamanoff in feiner Hauptbuchbefchäfti- gung störte, wurden die Worte hitziger. Der Freund schrie, Iwan brüllte. Die Situation sah bedenklich aus.
Da sah Iwan, wie sein Freund eine riesengroße Pistole zog und auf ihn anlegte. Er riß das Kassenbuch hoch. Vier Schüsse krachten, Iwan stand noch immer auf feinen Beinen, er lugte vorsichtig über das Kassenbuch hinweg und sah, wie sein Freund entsetzt die Pistole fallen ließ. Die Schüsse hatten ihn wohl zur Besinnung gebracht.
Iwan besah' sein Buch. Vier Schußlöcher, aber alle nur bis zur Seite 1Ö0. Sein Freund kam auf ihn zu, umarmte Iwan und das Buch und erbot sich, ein neues Kassenbuch zu taujew


