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Samstag,2f>.lHai 1954
Nr. 120 vierter Blatt
Mehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)
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Wandern und OReifen • Bäder und Sommerfrischen.
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Wanderfahrten
bürg. Unterwegs versäumen wir nicht, dem etwas
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WOCHENEND UND FERIEN IN Ja, g^**S5‘
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Dauer der Stunden.
Kloster
Arnsburg bei Lieh Angenehme Sommerfrische
UNS, neues Land taucht auf. Wir werden andere Luft atmen, andere Mundart hören, zwischen neuen Gesichtern auf neuem Boden stehen. Wenn wir klug sind und etwas vom Reisen verstehen, werden wir uns willig der anderen Art, dem neuen Takt des Lebens anpassen, werden spüren, wie man in anderen deutschen Gauen lebt und denkt. So gewinnen wir Abstand von dem lieben kleinen „Ich" mit seinen Röten und Sorgen und lernen manches Ding von einer anderen Seite ansehen. Richt nur der Körper, auch der Kopf braucht andere Kost und andere Luft.
samer fahrenden Güter- uni) Personenzüge so zu legen, daß sie in einer Station von den schneller fahrenden D= und Eilzügen überholt werden können. Auch dies ergibt sich aus dem graphischen Fahrplan mit größter Genauigkeit nicht nur für die regelmäßigen Eisenbahnzüge, sondern auch für zeitweise eingelegte Sonderzüge, die bei der Fahrplan-Herstellung noch nicht berücksichtigt waren. Ein schneller und vorteilhafter Verkehr wird nur durch gute Anschlüsse von einem zum anderen Zuge an den Kreuzungsstationen gesichert, wozu man aus dem bildlichen Fahrplan genau die Ankunft- und Abfahrt eines Zuges ersehen und somit die Züge der Anschlußstrecken entsprechend legen kann. Die graphischen Fahrpläne werden aber nur im Dienstgebrauch verwendet, für die Allgemeinheit müssen sie erst sozusagen „übersetzt" werden, d. h. aus der fertigen bildlichen Darstellung müssen die Fahrzeiten in Tabellenform hinter den entsprechenden Stationen eingetragen werden. Von jedem Fahrplan muß gefordert werden, daß er leicht benutzbar und in der Gesamtordnung auch für Nichteingearbeitete übersichtlich ist, wie man es jetzt in den üblichen Kursbüchern findet.
Haben Sie sich schon einmal mit den Fahrplanen eines Kursbuches beschäftigt? Für viele Menschen ist das Kursbuch lediglich ein abstrakter Begriff eines Gewimmels von Zahlen, Zeichen und Buchftaben, und es ist für viele unendlich schwer, sich in das Wesen des Kursbuches hmem- zufinden. Andererseits aber darf man in der heutigen verkehrsreichen Zeit dem Kursbuch nicht so teilnahmslos gegenüberstehen, sondern man muß versuchen, durch eingehende Beschäftigung mit diesem und durch das Lesen der Fahrpläne dem Inhalt
näherzukommen. Was wjll das Kursbuch überhaupt und was gibt es uns? Man kann wohl sagen, daß es hauptsächlich zwei Zwecken dienen soll, einmal ist der Fahrplan ein Werbemittel der Eisenbahn, er soll den „Kunden" zeigen, was ihnen an Verkehrswegen geboten wird und welche Reise- und Be- förderungsgelegeuheiten gegeben sind. Zweitens ist er eine Notwendigkeit für das gesamte Wirtschaftsleben, denn zur Erledigung der Geschäftsvorgänge in Handel und Industrie sowie auch zur Erledigung notwendiger Reisen im Privatleben findet man häufig ein Sichrichten nach den Beförderungsmöglichkeiten und Beförderungsgelegenheiten. Weiterhin ermöglicht der Fahrplan das Zurechtlegen von Reiseplänen von Dergnügungs- und Erholungsreisen, deren Zeiteinteilung größtenteils vom Fahrplan abhängig gemacht werden. Wir sehen also, daß der Fahrplan im heutigen Wirtschafts- un& Privatleben ein wichtiger Faktor und die Kenntnis des Kursbuches gewissermaßen zur Notwendigkeit geworden ist. Der für die Allgemeinheit bestimmte Fahrplan bringt die Leistungen der Eisenbahn in Form von Tabellen mit dazugehörigen Linienskizzen, an denen angeschriebene Zahlen das Auf- suchetz der betreffenden Strecken erleichtern. Aus den Erläuterungen ist ersichtlich, in welcher Weise die Zugarten, wie Personen-, Eil- und D-Züge kenntlich gemacht sind und welche Bedeutung die in Tabellen erscheinenden Zeichen und Abkürzungen haben. Weiterhin ist bei den Schnellzügen zu erke-nen, welchen Zuglauf sie hoben, welche Kurs-, Speise- bzw. Schlafwagen sie führen, so daß man auf jedem Haltepunkt dieser Züge feststellen kann, welche Strecken man direkt, d. h. ohne Um« fteigen .zurücklegen kann. Gewiß ist es interessant durch die verschiedenen Fahrplanabteilungen den Zug lauf eines Zuges zu verfolgen und seine Anschlüsse an Knotenpunkten festzustellen. Im Anhang der Kursbücher befinden sich meistens noch Angaben über Preise und Bestimmungen für den Eisenbahnverkehr, mit deren Hilfe man auf Grund der im Fahrplan verzeichneten Entfernungskilometer
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herrliche Ausblicke bietet und schlagen von hier aus den mit blauen Kreuzen bezeichneten Weg, der
Misefieber
Don peter Cäriin
Blätter und Blüten sprießen in der warmen Frühlingssonne und im milden Regen. Der Himmel ist höher und sein Blau heller und fröhlicher. Die Wolken ziehen wieder, sie jagen fast und hängen nicht mehr grau und tot droben wie in den langen Wintertagen und -wochen. In der späten Dämmerung flöten die Amseln, den Hals lang vorgestreckt hasten die Wildenten mit peitschendem Flügelschlag. Auf der großen Schaubühne der Natur gibt es wieder muntere Stücre. Und wir spielen selbst mit. Traurig, wer sich nur als Zuschauer fühlt und unbeteiligt ist. Dem kann kein heißes Blut in den Adern pochen. Ist es nicht greulich und nachgerade unerträglich — ewig der gleiche Trott, die gleichen Wege, die gleichen Gesichter? Haben wir es nicht satt, uns immerfort im gleichen Kreis zu drehen? Fort wollen wir — auf und davon! 500 Millionen Quadratkilometer stehen uns zur Verfügung auf diesem Erdball. Für wen sonst als für uns?
Fahren wir also zunächst einmal in die Umgegend, „ins Grüne". Treiben uns einen ganzen Sonntag lang draußen herum. Wie gut es die Landleute draußen haben trotz ihrer schweren Arbeit! Sie brauchen am Abend nicht wieder zurück in die enge Stadt. Ist der muntere Kerl, den wir da auf der Landstraße treffen, der Tippelbruder,
sich Sie Fahrpreise errechnen kann.
Braunfels.
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Diez — Schloß Schaumburg — Kloster Arnstein — Nassau.
Eine lohnende Wanderung im schönen Lahntal ist die folgende: Mit dem Frühzug fahren wir nach Diez (Sonntagskarte Limburg, von da bis Diez nachlösen). Von hier folgen wir roten Strichen, die uns auf aussichtsreicher Straße über Birlenbach nach dem prachtvollen, hoch über der Lahn gelegenen Schloß Schaumburg bringen, von dessen Turm wir eine unvergleichlich schöne Rundschau haben. Von hier gehen wir dem L des Lahnhöhenwegs nach über den Talhof und das Dörfchen Steinsberg, stets prächtige Ausblicke genießend, das tiefein- ge schnitte ne Rupbachtal überschreitend, nach Lauren-
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Wenn wir dann zurückkehren, hat auch die alte Welt ein neues Gesicht bekommen. Nicht nur mit neuer Kraft und mit neuem Schwung werden wir wieder an unsere Arbeit gehen, sondern mit neuen Einsichten und neuem Wissen um die Vielheit allen Seins. Wir sind ein Stück tiefer hineingewachsen in die heimatliche Erde und in die große Gemeinschaft ihrer Bewohner, unserer deutschen Volksgenossen.
Auf, folgen wir dem Ruf. Geben wir dem Drängen unseres Herzens nach. Machen wir uns auf. Reisen wir, wandern wir durch unser herrliches Vaterland, das unsere Heimat ist. Es erwartet uns!
Lahn entlang, über Berg-Nassau nach Nassau ein. genußreichen Wanderung etwa fünf
Gießen — Grünberger Straße — Eiche am Verg- wald — Grohen-Vuseck.
Eine empfehlenswerte Wanderung nach Großen- Buseck, die höchstens zwei Stunden umfaßt, ist die folgende: Wir gehen die Grünberger Straße entlang, am Wasserbehälter vorbei, vor dem wir einen hübschen Blick über das Lahntal haben, bis zur Straße Annerod—Rödgen. Hier wenden wir uns links, gehen den Telegraphenstangen nach bis zur vielhundertjährigen mächtigen Eiche am Bergwald, die unter Naturschutz steht, um nunmehr am Waldrand entlang bis zum Hochwald aufwärts zu gehen. Bald darauf gelangen wir an eine Waldlichtung, wo wir einen entzückenden Blick über das Busecker- und Lahntal mit verschiedenen Ortschaften bis zu den Burgen und dem Dünsberg genießen. In dankenswerter Weise hat hier die Gemeinde Rödgen drei Bänke errichtet, auf denen es sich köstlich ruhen läßt. Am Ende der Waldschneise bietet sich wieder ein malerischer Blick auf Grohen-Buseck, das wir auf einem Feldweg erreichen.
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Wie entsteht em Eifenbahnfahrplan?
Was wissen Sie vom Kursbuch?
Pfingsten ... Wie grünes Glas leuchtet der Buchenwald. Durchsichtiges Laub am Unterholz, schimmernde Fülle über silbrigen Stämmen. Kein Himmel ist zu sehen, nur Sonnenstrahlen, die von oben schüchtern zwischen den Zweigen hindurchhuschen und das rote, welke Laub am Boden vergolden ... Und plötzlich teilt sich die grüne Wand: wir stehen auf einer Wiese mit tausend und aber tausend Blumen. Der schönste Teppich der Welt mit weißen Margareten, rotem Sauerampfer, blaßlila Schaumkraut und dunkelblauem Storchschnabel bestickt, breitet sich sanft über einen Hügel, der auf dem gerundeten Gipfel fein und zart, wie den köstlichsten Scherenschnitt, eine Burg trägt. Ein Zauberschloß, das sich dunkel, aber durchaus nicht düster vom gelblich strahlenden Abendhimmel abhebt. Kein Märchen ist das, kein Phantasiegebilde, sondern jeder Wanderer, der vom Taunus herüberkommt, erlebt dieses Wunder: Braunfels an der Lahn! Vieltürmig, reichgegliedert steht dort plötzlich ein Schloß vor uns, wir glauben, die Wartburg im Thüringer Wald zu erblicken. Einsam anscheinend, wenn wir noch fern sind, doch beim Näherkommen sieht man ein Städtchen mit spitzgiebeligen Fachwerkbauten, das sich um den Fuß seiner Burg drängt. Ein Stück Mauer führt hügelan, dann stehen wir auf dem behäbigen, weiten Marktplatz mit dem stattlichen Eingangstor der Burg, über dem das Wappen der Fürstlich Solmsfchen Familie hängt, die die Veste heute noch bewohnt. Doch wir dürfen einen Teil des Schlosses besichtigen, über den Wehrgang mit den alten Geschützen zum Turm hinaufsteigen und einen Blick über die breitgelagerten Taunusberge werfen, die der Feldberg überragt, und jenseits des Lahntales die lange Kette des Wefterwaldes bis zum Rothaargebirge und der Rhön entlang zu schauen. Dunkelgrün wogen die Berge, wo Tannen und Fichten stehen, lichtgrün schäumt das junge Laub der Buchenforste dazwi-
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Wenn man heute nach dem Kursbuch, seinen Reisezug gewählt hat und dann im D-Zug durch Deutschland fährt, ist man sich nicht bewußt, welche ungeheure Arbeit von der Reichsbahnverwaltung bei der Festsetzung des Fahrplans geleistet wird. Ist es nicht erstaunlich, mit welcher Pünktlichkeit und Sicherheit bet dem täglich so großen Eisenbahnverkehr — vor allem auf einigen Hauptdurchgangsstrecken — die von allen Richtungen kommenden Hüge stets nach ihrer Bestimmungsstation geführt werden? Schon lange vor Beginn des geplanten Eisenbahnverkehrs trifft die Reichsbahn besondere Maßnahmen und Vorbereitungen, um die Möglichkeit der Ueberficht über alle Verkehrsstrecken zu gewährleisten. Zu diesem Zwecke ist von jeder Reichsbahndirektion für die Strecken ihres Bezirks ein besonderer graphischer Fahrplan, d. h. also eine bildliche Darstellung, entworfen, in welchem die Zugläufe durch gerade Zeitweglinien in ein aus Rechtecken bestehendes Grundnetz eingetragen werden, bei dem die senkrechten Linien die Stationen nach Abständen in Kilometern, die waagerechten Linien die Stunden- und Minuteneinteilung bedeuten. Wenn man dann zwischen den einzelnen Stationen zu bestimmten Zeiten sozusagen .den Gleisen entsprechende" Verbindungslinien 'zieht, ersieht man aus dieser geometrischen Zeichnung sofort ganz deutlich durch ihren Schnittpunkt mit dem Grundnetz, wo sich zu jedem Zeitpunkt der Zug befindet und somit auch die Kreuzung, Ueber- holung und Anschlüsse zwischen den einzelnen Zugen. Für die Herstellung eines richtigen Fahrplans ist' es nicht allein erforderlich, daß die Züge besonders auf eingleisigen Strecken nicht Zusammenstößen, sondern es ist auch notwendig, die lang-
nicht über die Maßen beneidenswert? Sicher ist er kein hervorragend nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft: heute sind wir geneigt, darüber „
milde zu urteilen. Sicher ist er arm am Beutel, abseits liegenden Gabelstein (eine Tafel weist darüber sein Herz schlägt fröhlich, denn er kann laufen, auf hin) einen Besuch abzustcitten, um uns an dem wohin er will. Ist bas nicht wichtiger als alles an- großartigen Lahnblick zu erfreuen. Pon Lauren- bere? Und diese Landstraßen, diese Bahndämme, bürg, wo wir uns erholen können, benutzen mir die sich über Berg und Tal, durch Wald und Feld, zweckmäßig die Bahn bis zur nächsten Station durch Schatten und Sonnenschein ziehen, sind sie! Obernhof, steigen von hier zum Kloster Arnstein nicht alle für muntere Wanderburschen bestimmt? j empor, das eine Besichtigung lohnt und ebenfalls Die Wirtshäuser mit ihren schattigen Gärten unb 'Anc
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in den Häusern der Badeverwaltung, im Kurpark gelegen.
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Kegelbahnen, sind die nicht für uns da, locken sie nicht? Wovon sollen die denn leben, wenn wir nicht kommen? Sollen die vielen, die durch sie ihr Brot verdienen, nichts vom allgemeinen Aufschwung der neu-m Zeit haben?
Was kennen wir denn eigentlich von unserer Heimen, unserem deutschen Vaterland, von dem wir so viel reden? Was liegt nicht alles zwischen dem Bodensee und Tilsit, zwischen dem Rhein und dem Bayerischen Wald, den die meisten deutschen Volksgenossen kaum dem Namen nach kennen, zwischen dem Allgäu und der Wasserkante. Herrliche, gott- gesegnete Landstriche! Manche sind darunter, die außer ihrer Schönheit nicht viele Reichtümer aufzuweisen haben und deren Bewohner auf Zuspruch aus reicheren Gegenden angewiesen sind. Auch so kann man Gemeinschaftsgeist zeigen, das Angenehme mit dem Nützlichen aufs glücklichste verbindend: Wie soll wahre Volksgemeinschaft wachsen, wenn wir unsere deutschen Stämme, die Leute hin- term Berg, nicht kennen lernen? Wirklich kennen lernen aber kann man sie nur dort, wo sie ihre Wurzeln haben, wo sie zu Hause sind.
Tief sitzt uns die Wanderlust im Blut, und der Frühling bringt all die sehnsüchtigen Gedanken an Urlaub und Ausspannung! Wir entwerfen viele schöne Pläne. E« ist eine besondere Lust in den Reisebüros, und loserem unruhigen Herzen ist es wohl zwischen den bunten Bildern' und Karten, bei den Regalen voll Prospekten und den dickleibigen Kursbüchern, bei den gewandten Leuten, die alles wissen und uns gerne suchen lassen unter den tausend aufgestapelten Reiseplänen, in die wir neugierig unsere Nase stecken.
Die Zugvögel sind schon Lange in der Heimat: bald haben wir den längsten Tag. Und wir sitzen immer noch in der Stadt mit dieser verfluchten Unruhe im Leibe. Sie mahnt zum Entschluß und der lautet: Fort und auf zur Fahrt! Wenn sich bie Räder unter uns im fröhlichen Tatt drehen, wenn wir der blauen Ferne zueilen, dann haben wir Frieden mit uns selbst, dann fühlen wir uns ems mit der gesegneten Gotteswelt. Bekanntes bleibt hinter
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