Einzelbild herunterladen

LinHesse als Apostel derInneren Mission in Hamburg.

Zum 100. Geburtstag Carl Nincks am LS. Mai.

Von Karl Josef Friedrich

Wir müssen uns daran gewöhnen, neben Bodel- schwingh und Stoecker als dritten großen Tatchristen der gleichen Zeit Carl Ninck zu nennen und zu denken. Alle drei waren fast gleich­altrig, Bodelschwingh drei Jahre älter, Stoecker ein Jahr jünger als Ninck, und alle drei waren mitein­ander befreundet. Alle drei Tatmenfchen, sachliche Tatmenschen, deren mächtiger Wille aber aus der Tiefe ihres Glaubens quoll. Wie Stoecker im zer­fallenden Berlin feine Stimme erhob und rettete und half, so Ninck im zerfallenden Hamburg. Nach Wichern sah Hamburg, die schöne, die furchtbare Stadt, keinen liebeglühenderen, keinen erfolgreiche­ren Tatchristen in ihren Mauern als Carl Ninck.

Altes Bauern- und Pfarrerblut schießt in Carl Ninck zusammen, der vor hundert Jahren auf einem nassauischen Dorfe geboren wird und als Pfarrer- junge eine selige Jugend auf dem- Lande genießt. Diese kleine Geschichte ist fast schon unsterblich ge­worden, die Ninck mit folgenden Worten erzählt: Vier kleine Worte sind es, die mir in meinem Leben mehr Gutes getan haben als sonst irgend etwas. Es waren die ersten Worte, die meine Mutter mich lehrte: ,Du, Gott, siehst mich'. Dafür werde ich ihr noch in der Ewigkeit danken." Der Vater bedeutend, streng, tüchtig. Der fromme pol­nische Graf Z a r e m b a , auf Jung-Stillings Pfaden wandelnd, segnet den Knaben wie der alte Apostel Johannes: Kindlein, liebet einander! Pro­fessor Tholuk, der Studentenvater von Halle, er­weist dem jungen Theologen väterliche Liebe. Ein edles Mädchen, das der Student liebt, stirbt plötz­lich, und Carl Ninck erlebt seine große Lebens­wende, aus dem Nichtigen zum ernsten Glauben.

Der junge Pfarrer lernt die lebendige Volks­frömmigkeit kennen und wird mit einem Tropfen pietistischen Oeles gesalbt, zu seinem größten Segen. Auf zwei Pfarrstellen erweist sich Ninck sofort als Tatchrist. Den Leichnahm eines verkommenen Men­schen wäscht und rüstet er eigenhändig zum Be­gräbnis, einen im Straßengraben liegenden Bettler badet er in seinem Hause vom Kopf bis zu den Füßen und rettet ihn. Seiner Braut sagt der junge Pfarrer beim ersten Brautbesuch, es sei sein tiefstes Bedürfnis, den Aermsten, Elendesten und Ver­kommensten zu dienen. Bald wirkt der Dorfpfarrer aber ins Große: er gründet den Nassauischen Col- portageverein, der Zehntausende von guten christ­lichen Schriften durch sechs Wanderverkäufer ins Land trägt und 70 Agenturen beliefert, er geht frei­willig als Helfer, Seelsorger und Bücherverschenker in die Kriege von 66 und 70, er erweitert die lahm­liegende Anstalt Scheuern zu einem bedeutenden Liebeswerk für schwachsinnige Kinder. Kurzum, er ist schon ein Kerl: ein Arbeiter, ein Retter, mit weitem Blick, mit heißem Herzen, mit sachlichem Mut. Da entdeckt ihn ein Hellblickender und ruft ihn 1873 nach Hamburg. Und nun beginnt Carl Nincks große Zeit.

Das riesige unkirchliche Hamburg hat 4OOO Schank­wirtschaften, aber nur 9 Kirchen. Die 300 000 Ein­wohner senden Sonntags kaum 5000 Kirchgänger in die halbleeren Gotteshäuser. Da hat man 1860 die Anscharkapelle gegründet, nicht als Pfarrkirche, sondern als Pflegestätte der Inneren Mission. Carl Ninck wird Pfarrer an dieser Anscharkapelle und predigt bei seiner Einweisung über sein Lebens­wort: Frei von jedermann und aller Knecht. (Unter diesem Titel erschien das Lebensbild Carl Nincks aus der Feder seines Sohnes D. Joh. Ninck im Verlag der Gustav Schloeßmanns Verlagsbuch­handlung [Gustav Ficks Leipzig.) Daß er frei von jedermann sein will, beweist er sofort: die Aus­stattung seines Pfarrhauses durch reiche Gönner lehnt er ab, einen Prinzen läßt er am Samstag,

wo er keine Sprechstunde hat, nicht vor (der Pfar­rer arbeitet seine Predigt, der Prinz kommt wieder). Daß aber Ninck auch jedermanns Knecht ist, das erweisen diese vierzehn Jahre heiligen mörderischen Dienstes in Hamburg, in denen er sich selbst ver­zehrt und sein Leben als ein Ganzopfer dem Dienste Gottes darbringt. Mit gewaltigem Willen, in stren­ger Selbstzucht, bei pünktlichster Tageseinteilung schaffte er Werk um Werk.

In der Anscharkapelle sammelt er bald eine Seel- sorgegemeinde von großem Umfang und feinge­gliederter Tiefe. Ein unbedeutendes Hamburger Volksblatt, Nachbar genannt, das 500 Leser hat, entwickelt er zum verbreitetsten christlichen Wochen­blatt mit 100 000 Lesern. Die Niedersächsische Ge­sellschaft zur Verbreitung christlicher Schriften löst er von England und erhebt sie zu mächtiger Aus­dehnung. Er gründet ein eigenes Kinderblatt, den Deutschen Kinderfreund, der ihm in wenigen Jahren 80 000 Mark einbringt (für seine Liebeswerke, denn er selbst nimmt keinen Pfennig für alle seine Arbeit). So schart er vier gewaltige Gemeinden um sich: die Anschargemeinde, der er mit Predigt, Seelsorge und Gemeinschaftspflege tiefgründend dient, die riesige Nachbargemeinde in ganz Deutschland, ja in der ganzen Welt, die große Lesergemeinde seiner Bücher und Hefte, die er schreiben läßt und zu Hunderttausenden verbreitet, seine Kinderfreundgemeinde in allen Landen, die er durch seine fleißige Feder, durch sein freudiges Herz, durch sein warmes Gemüt um sich sammelt.

Und diesen seinen Gemeinden ist er nicht nur ein Führer, ein Herrscher, sondern vor allem ein Er­zieher: er erzieht sie wie kein anderer zum Geben, zur Mitarbeit am Reiche Gottes. Es ist er­staunlich, es erscheint uns wie ein Wunder, wie dem großen Bettelvogt die Gaben zuströmen. Und mit diesen Gaben gründet er Werk um Werk. Er baut ein Diakonissenhaus Bechlehem, das bald 60 Schwestern beschäftigt und allerlei Gemeinde- und Kinderpflege treibt, er unterstützt mit seinen Schwe­stern sogar die Heidenmission (einen armen jungen Neger Marisi liest er selbst von der Straße auf und hegt ihn jahrelang bis zu seinem Tode), er baut auf der Anscharhöhe ein ganzes Dörslein der Inne­ren Mission, mit einem Mädchenheim, einem Siechen­haus, einem Schwesternheim, einer Kapelle (heute zählt die Anscharhöhe 15 Häuser und eine Kapelle), er gründet den Sophienhof für zu rettende Trinker, er gründet den Luisenhof für gefallene Mädchen, er gründet ein Seemannsheim. Zwischendurch bereist er Palästina und schreibt das VolksbuchAuf bib­lischen Pfaden", das ihm 30 000 Mark einbringt (aber alle feine Einnahmen opfert er sofort dem Reiche Gottes). Er kämpft mächtig gegen die Ent- kirchlichung der Massen in freien Versammlungen, in Evangelisationen. Bei alledem erzieht er ein Häuflein Kinder mit seiner Gattin, von der er sagt: Sie ist eine Sünderin, aber ich weiß keine Sünde von ihr. Bei alledem ist er Tausenden von Menschen ein Rater, ein Helfer, ein Retter. Und bei alledem denkt er nicht an sich, an seine Gesun^eit, an sein Herz. Er rast und schafft und opfert sich: und mit 53 Jahren ist fein Herz verbraucht, er stirbt im Jahre 1887, unendlich betrauert.

Ein Mann des Erfolges ohnegleichen. Ein Füh­rer, ein Herrscher, mit aller Einseitigkeit starker Willensmenschen. Aber zugleich ein Bezauberer, dem die Herzen der Menschen zufliegen, der es ver­steht, alle zunincken", wie es heißt, alle in sei­nes Gottes Dienst zu stellen, mit ihrem Geld, mit ihren Kräften. Wahrhaft ein Schöpfer! Du Deutsch­land Christi, vergiß deiner großen Christen nicht, du Deutschland Christi, gedenke dankbar deines Carl Ninck!

Mittelstreckler- undWerfertag in Gießen

Luche nach dem unbekannten Sportsmann.

Am kommenden Sonntag, 27. Mai, wird be­kanntlich für die Gruppe Gießen der Mittelstreckler- und Werfertag als Suche nach dem unbekannten Sportsmann nachgeholt. Die Bewerber für die aus­geschriebenen Konkurrenzen, nämlich 5OO-Meter- Lauf, lOOO-Meter-Lauf, 15OO-Meter-Lauf, Kugel­stoßen, Steinstoßen, Diskuswerfen, Speerwerfen und auch Weitsprung, haben sich pünktlich 9 Uhr vormittags auf dem Waldsportplatz einzufinden. Meldungen werden dort noch entgegengenommen.

R i ch t b e r g, Kreisleichtathletikwart.

Das 50 Kilometer-Straßenrennen des Bezirks Gießen im DUB.

Am morgigen Sonntag. 27. Mai 1934. findet das 5O-Kilometer-Straßenrennen des Bezirks Gießen im Deutschen Radfahrer-Verband mit Start und Ziel Göbelnrod bei Grünberg statt. Die Strecke führt von Göbelnrod über Reiskirchen nach Gießen (Kaiserallee, Persiluhr, Licher Straße), Steinbach, Sich, Rieder-Bessingen, Münster, Grunberg, Gö­belnrod. Die Fahrer werden gegen 8.30 Uhr unsere Stadt passieren.

2. Bahnveranstaltung des Uadfahr- DereinS von 1885.

Der Radfahrverein von 1885, der erst vor kur­zer Zeit mit einer außerordentlichen und erfolg­reichen Bahnveranstaltung auf dem Sportplatz der Spielvereinigung 1900 an die Oeffentlichke.t trat ricktet am Sonntag, 3. Juni wiederum eine ahn- ÜZe Ver^nstaUun/aus. Im Mittelpunkt der da- -ür vorgesehenen Wettbewerbe steht em Zwei ckunden-Mannschaftsrennen, das wie- »erum nach Sechstageart ausgetragen und von üner Anzahl hervorragender Fahrer bestritten wird. Vor allem treten wieder einige Fahrerauf, L "u'TfXrÄ SB«

$»'"

«eben Der erfolgreiche Gießener Fahrer M o u s wird voraussichtlich mit dem Kölner K o p p das Rennen bestreiten. Verschiedene Fliegerrennen wer ).en das Rahmenprogramm interessant gestatten.

Dom RadklubGermania" 1899 Gießen nehmen dl- Fahrer Faust und Preis di- Fon b-r dem ätzten Rennen angenehm -ussl-len, teil.

Die ersten Hennen der Olympia- Borbereitungsacbter.

Nach dem glänzenden Auftakt der deutschen Ru­derer in Ostende: drei Starts drei Siege, beginnt heute und morgen, am 26. und 27. Mai, die eigent­liche Rennsaison der Ruderer.

In einem Rekordmeldeergebnis, 1400 Ruderer kreuzen die Riemen, haben die deutschen Ruderer ihre Treue und Verbundenheit zum deutschen Schick­salsland der Saar bekundet. Das Haupinteresse der Saarbrücker Regatta wird sich auf den ersten Start der Verbandsachter aus Süd- und Westdeutschland kon­zentrieren, der eine Vorprüfung für die große Ber­liner Regatta am 16. und 17. Juni sein wird, wo bekanntlich alle Derbandsachter zusam- mentref f en. Würzburger Ruderverein 1875 (der vorjährige deutsche Meister), Gießener Ruder- gesellschaft 1 87 7, Kölner Klub für Was­sersport, Mainzer Ruderverein, als Derbands­achter auch der Sieger von Ostende, Wassersport­verein Godesberg, sowie die Ludwigshafener Rude­rer haben gemeldet und werden sich erbitterte Kämpfe liefern. Der Ausgang ist mehr als offen.

Leider kann die Gießener Rudergesellschast 1877 aus rudertechnischen Gründen ihren Start in Saar­brücken nicht verwirklichen und wird erst am 3. Juni in Heidelberg zum ersten Mal starten. Kein Geringerer als der vorzügliche Seniorachter des Ulmer Ruderklub Donau ist der Gegner. Auch hier steht der Sieger noch nicht fest. Jedenfalls dürst ten die beiden ersten Regattasonntage der diesjäh­rigen Rudersaison schon wertvollen Aufschluß geben über das Kräfteverhältnis der süd- und westdeut­schen Achter.

Der Gießener Ruderklub Hassia bei der Saarbrückener Regatta.

Vier Meldungen.

Der Gießener RuderklubHassia" hat für die am heutigen Samstag und Sonntag in Saarbrücken stattfindende große Regatta nicht weniger denn vier Meldungen abgegeben. Gemeldet wurden folgende Boote:

Zweiter Jungmann-Vierer. Beschränkter Jungmann-Dierer. Anfänger-Vierer.

Jungmann-Achter.

Die Mannschaften traten gestern morgen um 5 Uhr die Reise nach Saarbrücken an. Die Gießener Ru- derer werden in Anbetracht der starken Konkurrenz und des außerordentlichen Meldeergebnisses sehr

hart zu kämpfen haben. Hoffentlich gelingen den Mannschaften einige Achtungserfolge.

Gpielveremtgung 1900 Glehen.

Reichsbahn Rol-Deiß Frankfurt I1900 Gießen I.

Im Fußball ist in einigen Wochen Saisonschluß, deshalb tritt die Spielvereinigung 1900 am kom­menden Sonntag nochmals mit einem außerordent­lichen Programm an die Oeffentlichkeit. Für die Ligamannschaft wurde die bekannte Ligaels vom Reichsbahn - Turn - und Sportverein Rot - Weiß Frankfurt am Main zu einem Freundschaftsspiel verpflichtet. Die Fußballabteilung Rot-Weih der Frankfurter Reichsbahn ist die ehemals so berühmte Ligamannschaft vom Sportclub Rot-Weiß. Ein Großteil der damaligen Mannen um Kreß wirkt heute noch in ihren Reihen. Damals lieferten die Frankfurter ein spannendes Kombinationsspiel, das sie sicher mit 4:0 Treffern gewannen. Auch z. Z. befindet sich diese Elf in bester Form. Beim Ab­schluß der Meisterschaftsspiele fand man sie in vor­derster Reihe. Bei dem großen Reichsbahn-Sportfest am 6. Mai im Frankfurter Stadion mußte sich Rot-Weiß nach einem prächtigen Spiel dem vor­jährigen d eutschen MeisterFortuna" Düsseldorf nur ganz knapp mit 3:5 Toren geschlagen be­kennen.

Die Frankfurter nomieren folgende Spieler: Fischer; Mogel, Dietermann; Beck, Scheuermann, Trepte; Winkler, Ditzel, Hermann, Weiß, Quast.

Die Gastmannschaft weilte bereits im vorigen Jahre einmal bei 1900. Die hiesigen haben Der Papierform nach gegen diesen Gegner keine Chan­cen. Tatsächlich macht die Aufstellung dem Spiel­ausschuß Kopfzerbrechen, denn Sonntag für Sonn­tag erfolgt Ausfall. Zum Glück hat 1900 noch Kräfte in Reserve und wird deshalb im Verein mit der Jugend auch diesem Gegner standhaft ent­gegentreten.

Teutonia" Watzenborn-Steinberg1900 Gießen II.

Dem Ligaspiel voraus geht die spannende Be­gegnung der Ligareserve vom Platzverein gegen eine kombinierte Mannschaft der Steinberger. Die Gäste werden sich in der Hauptsache auf ihre bewährten Kräfte aus der 1. Elf stützen, der Rest, der ver­hindert ist, wird durch Spieler der zweiten Mann­schaft ersetzt. Wenn die Gießener zur oftmals ge­zeigten großen Form auflaufen, dann steht ein Sieg Steinbergs keinesfalls fest. Die Blauweißen haben aber auch nicht die beste Vertretung zur Stelle.

Verein für Rafenfpiele Lich II 1900 Gießen III.

Dieses Spiel ist eine noch ausstehende Rückspiel­verpflichtung und findet in Lich statt.

BfD.-Reichsbahn Gießen.

VfB. Liga VfB. Kurhessen Marburg Liga.

Am Sonntag kommt die Ligamannschaft einer Rückspielverpflichtung in Marburg nach. Die Kur­hessen, hohe Sieger des Vorspieles, die aus der Gauliga in die Bezirksliga ab [teig en mußten und nächstes Jahr mit den VfBern in einer Klasse spie­len, sollten auf Grund ihrer größeren Spielerfah­rung und unter Ausnutzung des Vorteiles des eige­nen Platzes auch diesesmal siegen können. Für ein günstiges Abfchneiden der Gießener ist Voraus- ietzung, daß sie in stärkster Ausstellung antreten und hie nötige Kampfkraft aufbringen.

Die zweite Mannschaft will im Samstagabend- spiel für die kürzlich in Leihgestern erlittene Nie­derlage Revanche nehmen. Der Ausgang des Spie­les ist offen. Die dritte Mannschaft folgt einer Ein­ladung nach Ruppertsburg und muß sich sehr an­strengen, wenn sie ehrenvoll abfchneiden will. Die erste Jugend und die erste Schülermannschaft wer­den in Marburg gegen die gleichen Mannschaften des VfB. Kurhessen spielen. Der Ausgang der Spiele ist ungewiß.

Handball der Sp.-Dg. 1900.

1900 In Mainz.

Rach langer Zeit unternehmen 1900*5 Handballer wieder einmal eine größere Reise nach auswärts. Die beiden aktiven Mannschaften fahren nach Mainz, um gegen den dortigen Sportclub anzu­treten. Das Treffen der ersten Garnituren stellt eine Rückspielverpflichtung dar. Das Vorspiel fand im Januar ds. Js. in Gießen statt und endete mit einem 9:3-Sieg der Spielvereinigungsleute. Das Resultat war umso bemerkenswerter, als der Sportclub die beste Mainzer Handballmannschaft stellt. Es ist daher sehr die Frage, ob die Gießener am Sonntag auf fremdem Gelände gleich gut ab­zuschneiden vermögen. 1900 tritt mit stärkster Mannschaft an.

1900's Zweite, die sich seither sehr tapfer ge­schlagen hat, darf mitfahren. Welchen Ausgang das Treffen gegen die gleiche Mannschaft des Mainzer Sportclubs nehmen wird, ist nicht vor­auszusagen.

Handball im Gau XII der OT.

Die Aufftiegspiele der Kreisklasse II.

Am morgigen Sonntag kommen zur Fortsetzung der Aufstiegspiels zur Kreisklasse I folgende Spiele zum Austrag: In Gießen spielt 19 0 0 Gießen II gegen Holzheim. 1900 sollte nach den bisher gezeigten Leistungen einen knappen Sieg landen können.

In Ruttershausen spielt die Tvgg. Rutters- hausen gegen Tv. Dorlar. Die Platzbesitzer haben die erlittene Niederlage aus dem Vorspiel sicher noch in guter (Erinnerung und werden sich anstrengen, besser abzuschneiden.

Holzheim I. Neu Isenburg I. 5:9 (2:6).

Am zweiten Pfingstfeiertage weilte die erste Mannschaft des Turnvereins Neu-Jfenburg in Holz­heim, um ein Freundschaftsspiel auszutragen. Die Gäste waren den Einheimischen stets überlegen. »Schon in der zweiten und dritten Minute rissen die Gäste die Führung an sich und konnten diese auch bis zum Schluß behalten. Der Sturm der Gast­geber spielte zu zaghaft und manche Torchance wurde nicht ausgenutzt. Im allgemeinen kam ein sehr interessantes und vor allen Dingen faires Spiel zustande. Die Gäste haben den Kamps ver­dient gewonnen.

Holzheim I. Ruttershausen I. 12:2 (6:0).

Am ersten Pfingstfeiertage trafen sich beide Mannschaften zum fälligen Aufstiegspiel auf dem Platz in Holzheim. ' Die Einheimischen gingen gleich zum Angriff über, und in der achten Mi­nute fiel das erste Tor für Holzheim, dem in der neunten Minute das zweite folgte. Die Gäste kom­binierten zeitweise ganz gut, jedoch scheiterten alle Angriffe an der Verteidigung der Platzbesitzer. Holzheim kam bis zum Wechsel noch viermal zum Erfolg. Nach Seitenwechsel wurde das Tempo lebhafter. Kurze Zeit darauf erhöhte Holzheim auf 7:0. Die Gäste versuchten dann einen Durch­bruch, der auch gelang, und das erste Tor für die Gäste mußte der Platztorhüter passieren lassen.

Holzheim war während des ganzen Spiels den Gästen bei weitem überlegen. Mit 12:2 für Holz­heim wurde das Spiel von dem Unparteiischen abgepfiffen. Mit diesem Spiel hat sich Holzheim zwei weitere Punkte erobert und sich den ersten Platz in der Kreisklasse II gesichert.

Holzheim II. Tu. Münzenberg 9:2 (6:0).

Anschließend trafen sich die Holzheimer zweite Mannschaft und die Mannschaft vom Turnverein Münzenberg zu einem Freundschaftsspiel. Auch bei diesem Spiel waren die Einheimischen den Gästen überlegen. Münzenberg gab sein bestes her, konnte aber an dem Stand von 9:2 nichts ändern.

Caracciola beim Avusrennen?

Für die Zuschauer beim Training auf der Avus- bahn gab es am Donnerstagmorgen eine große Ueberrafchung, als Rudolf Caracciola erschien und mit einem der neuen Mercedes-Benz-Renn- wagen das Training aufnahm. Caracciola saß erst­mals nach feinem schweren Sturz von Monte Carlo wieder am Steuer eines Rennwagens. Er war aber sehr schnell im Bilde, beherrschte den ihm noch nicht vertrauten Wagen sehr rasch und fuhr in her fünften Runde schon ein Stundenmittel von 233 Kilometern heraus. Man nimmt an, daß Caracciola am Sonntag beim großen Avusrennen einen der Wagen der Untertürkheimer Firma steuern wird.

Der zweite offizielle Trainingstag zum großen internationalen Avus-Rennen brachte am Freitag den größten Teil der beteiligten Fahrer auf die Bahn. In einigen schnellen Runden erprobten die deutschenRennställe" noch einmal ihre Maschinen. Wie schon am Donnerstag, so machten auch diesmal die deutschen Wagen von Mercedes-Benz und der P" der Auto-Union einen vorzüglichen Eindruck. Auch die ausländischen Fahrer waren zur Stelle. So sah man unter denKanonen" auch Veyron, Darzi, Earl Howe, Faggioli, Chiron, Moll und Soyka-Prag.

VomKampf der deutschenStraßenfahrer

Buse und Weiß an der Spitze.

Der deutsche Straßenrennsport steht zur Zeit wie­der in großer Blüte. Die großen Rennen, die sich fast von Sonntag zu Sonntag ablösen und bei denen sich die Schwierigkeiten fast dauernd steigern, haben schon Tausende von Interessenten in ihren Bann gezogen und bald wird der Rennsport auf der Straße wieder die Volkstümlichkeit erreicht haben, wie in den ersten Jahren nach dem Kriege. Wieder stehen wie damals Hunderttausende auf den langen Fahrstrecken und begeistern sich an den gro­ßen Leistungen derGiganten der Landstraße". Es geht aber in diesem Jahre nicht nur um den Sieg in den einzelnen Rennen, sondern um das Abschneiden in der ganzen Serie der großen Fernfahrten. Bei den Amateuren wird nach jedem Rennen die Nationalm c^nnschaft der Straße neu gebildet, während bei den Berufsfah­rern die deutsche Meisterschaft den Fahrern als Anreiz und Endziel winkt. Bisher haben die Berufsfahrer drei Meisterschaftswettbewerbe ausae- fahren, nach denen der Berliner S t ö p e l vor sei­nem Landsmann Buse an der Spitze steht und bei den Amateuren wird die Nationalmannschaft zur Zeit von dem Berliner Weiß vor Kranzer-Nürn- berg angeführt. Den Amateuren winkt als Endziel die Zulassung als Vertreter Deutschlands bei den Weltmeisterschaften in Leipzig.

Bor den Tnrner-Wettmeisterschasten in Budapest.

Das Interesse an den am Monatsende begin­nenden Turner-Weltmeisterschaften steigert sich von Tag zu Tag. Wie jetzt bekannt wird, werden allein aus Deutschland sechs Sonderzüge er­wartet, aus Italien drei, aus Rumänien zwei und aus der Schweiz ein Sonderzug. Oesterreich schickt drei Sonderdampfer nach Budapest, auch Bulga­rien hat einen Dampfer für eine Sonderfahrt nach der ungarischen Hauptstadt eingerichtet. Aus Un­garn selbst laufen während der Kampftage ständig 180 Züge nach Budapest. Alles in allem rechnet man mit über 300 000 Besuchern und 40 000 Teil­nehmern.

Um Frankreichs Tennistitel.

Tüscher zwingk Lefueur zum Dreistundenkampf.

Im Roland Garros-Stadion bei Paris gab es am Donnerstag im Herreneinzel der französischen Tennismeisterschaften einen überaus harten, erbit­tert durchgeführten Kampf zwischen dem Deutschen Tüscher und dem Franzosen L e s u e u r. Erst nach drei Stunden endete das Treffen zu Gunsten des Franzosen, der aber 59 Spiele benötigte, um Tüscher niederringen zu können. Einen Fünfsatz gab es auch bei der Begegnung Artens gegen Ser- torio, die der Oesterreicher für sich buchen konnte. Bei den Damen kam Cilly Äußern zu einem leichten 6:1, 6:1-Siege über I. Gallay.

Der deutsche Tennismeister Gott­fried von Gramm kam bei den französischen Tennismeisterschaften in Paris durch einen Fünf- satzsieg über den Italiener Palmieri mit 5:7, 6:3, 6:3, 5:7, 6:2 eine Runde weiter. Dagegen wurde Denker von dem Engländer Austin mit 6:3, 6:3, 6:3 ausgeschaltet.

Um die Fußball-Weltmeisterschast.

Die Fußball-Weltmeisterschaft kann beginnen: fast alle Teilnehmer an den Rundenspielen sind in Italien eingeiroffen. Die deutsche Mannschaft hat in Cernobbio, nicht unweit von Mailand, Quartier genommen, wo auch die Holländer eingetroffen sind. Die Argentinier, eventuell Deutschlands nächster Gegner, trugen ein Uebungsspiel aus, wobei sie einen ausgezeichneten Eindruck hinterließen. Die Schweden haben ihre letzten Vorbereitungen nun­mehr ebenfalls getroffen und werden noch in dieser Woche in Italien erwartet. In einem letzten Probe- spiel gegen Polen siegten die Schweden in Stock­holm mit 4:2 (2:1).

USA. ist Italiens Gegner.

Vor nur 10000 Zuschauern wurde am Donners­tag in Rom der 16. Teilnehmer für die am Sonn­tag stattfindende Vorrunde zur Fußball-Weltmeister­schaft ermittelt. Die beiden überseeischen Mann- schalen von USA. und Mexiko standen sich gegen­über und lieferten ein recht schwaches Spiel, das die Nordamerikaner auf Grund der größeren Ent­schlossenheit im Torschuß verdient mit 4:2 (2:1) ge­wannen. Besondere Leistungen sah man aber auf keiner Seite und beide Mannschaften reichen nicht an europäische Extraklasse heran. Die Italiener werden am Sonntag in ihrem Dorrundenkampf gegen USA. vor keiner schweren Aufgabe stShen.