Einzelbild herunterladen

Nr. 198 viertes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 25. August 1934

-

-

.

-

M

L fl

Ml

(H WM W W

Üs6#SB8^^Ik? ,/.»>^- - <»>

- - , .

I

. W

M 'Jäte

U

»,3

s*®*- » IZI <W>W %

.

Der Wochenmarki für Stadt und Land

Viele Gurken! 100 Stück 95 Pfennig.

Verkehrs der

Beim Einkauf.

berg, wie auch die wuchtige Zeughauskaserne, bilden

aus-

lA 144 v 4 l luyit lly IVUP U I t. VV 4444*4

Jahreszeit den Menschen zu geben weiß.

auf Säcke gelegt, auf der ebenen Erde. Der Span-! korb birgt die Beerenernten, der Weidenkorb das

dem

Der Wochenmarkt aus der Vogelschau.

des Ar- der

Der Wochenmarkt ist etwas Alltägliches, etwas Notwendiges, Praktisches und doch auch etwas Gemütvolles. Wer sich bei seiner Betrachtung von der nüchternen Seite abwendet und das Leben und Treiben auf dem Markt einmal als unbeteiligter Zuschauer an sich vorüberziehen läßt, für den wird der Wochenmarkt mit einem Male zu einer quick­lebendigen Angelegenheit. Sicherlich wird Altmeister Goethe nicht ungehalten darüber sein, wenn man das Wort aus seinemFaust"

Greift nur hinein ins volle Menschenleben!

Ein jeder lebt's, nicht jedem ist bekannt, Und wo ihr's packt, da ift's intressant."

An den Tagen (Dienstag, Donnerstag und Sams­tag) des Wochenmarktes wird die Verbindung zwi­schen Stadt und Land enger. Immer wieder freut sich der Städter darüber, wenn er die eine oder andere Bäuerin in heimatlicher, alter Tracht hinter den Körben stehen sieht. .

LPD. Marburg, 24. Aug. Aus bisher unge­klärter Ursache brach heute Nacht in dem Anwesen des Landwirts L e i s g e in Reddehausen bei Marburg Großfeuer aus, dem trotz des foforti- gen Eingreifens der Ortsfeuerwehr, der Wehren der Umgegend und der Stadt Marburg das Wohn­haus, die beiden je 50 Meter langen Stallun- gen und die beiden Scheunen zum Opfer fielen Aus den Stallungen konnte nur das Groß-

Gemüse und der Sack die Kartoffeln. In großen Walzen liegt die frische, goldgelbe Landbutter zum Verkauf aus, sorglich umhüllt von festem Papier. Sehr gut sind die Fleischwaren in den kühlen, stets schattigen Marktlauben untergebracht An Stangen

Auf wie vielfältige Weise werden die Waren an­geboten. Gurken liegen in hohen Haufen, säuberlich

Aus dem Tlationaliozialistischen Arbeitsdienst.

Durchstich der Nidda in Dickstadt.

kannte und unterhält sich gern mit ihnen einige für den Wochenmarkt einen prächtigen Hintergrund. Minuten lang oder mehr, auf dem Wochenmarkt Der Wochenmarkt ist aber auch in wirtschaftlicher hört man hin und wieder auch etwas Neues, lernt! Hinsicht nicht bedeutungslos für unsere Stadt. An Menschen kennen und kann sich außerdem laufend Marktstandgeld und Wiegegebühren sieht der £y darüber unterrichten, was die Natur je nach der Haltvoranschlag der Stadt Gießen für das Rj

Das Alte Schloß als schöner Hintergrund für unseren Wochenmarkt.

. , - -ßen für das Rj. 1934

eine Einnahme von nicht weniger denn 7500 Mark vor, für die Vermietung der Plätze unter den Marktlauben und für die Vermietung der Keller unter dem Turmhaus am Brandplatz erwartet die Stadt Einnahmen in Höhe von 4280 Mark. Der Gesamtsumme der Einnahmen in Höhe von 11 780 Mark stehen Gesamtausgaben im Betrage von 8755 Mark gegenüber, aus denen einer Reihe von Volks­genossen Verdienstmöglichkeit ersteht.

Der Wochenmarkt ist also in vielfacher Hinsicht ein bedeutsames Stück städtischen und ländlichen Daseins.

Unsere Bilder zeigen den Gießener Wochenmarkt, wie er sich an den drei Markttagen der Woche Beschauer darbietet.

* Wickstadt, 25. Aug. Am Nachmittag bedeutungsvollen Tages versammelten sich die beitsmünner mit ihren Führern, der Träger Arbeit, die bauleitenden Herren der Niddaregulie- rung vom Kulturbauamt und Einwohner der um­liegenden Orte an der Durchstichstelle. Herr Lohr- berg, als Bürgermeister der Gemeinde Wickstadt, forderte dann Truppsührer M e i ß und den Schacht­meister Umsonst, die beide auch vor etwa andert­halb Jahren den ersten Spatenstich an dieser Ar­beit vollzogen hatten, auf, auch jetzt den Durch- st i ch z u v o l! z i e h e n. Schon nach wenigen Spatenstichen schoß das Wasser der Nidda in sein neues Bett und bald hatten die ältesten Arbeits­

und Schnüren sind die Würste aufgereiht und locken die Käufer.

Neben den Händlern aus unserer Stadt, die neben ihren ständigen Verkaufsläden auch den Wochen­markt beschicken, sind es insbesondere die Bauern des Kreises Gießen, die den Markt mit ihren Er­zeugnissen besuchen. Viele Bäuerinnen und Bauern kommen auch aus dem Preußischen, insbesondere aus dem Kleebachtal (Hochelheim, Hörnsheim usw ), da ihnen der Gießener Markt günstiger gelegen ist als der Wetzlarer

In vielen mittleren Städten ist der Markt in­mitten der Stadt gleichzeitig das Herzstück des Gemeinwesens. Die Stände stehen oftmals im Schatten ältester würdiger Bauten, im Schatten von Rathaus und alten Bürger- oder Patrizier­häusern. Wie oft schon hat der Anblick des vielfar­bigen äußeren Bildes des Wochenmarktes die Künstler zu schönen Werken angeregt und begeistert. Auch unser Gießener Wochenmarkt auf dem Brand- vlatz und in den Marktlauben spielt sich in einer Umgebung ab, die des historischen Charakters nicht entbehrt. T)as Alte und das Neue Schloß, das ehe­

schluß erreicht, die schon seit Jahrzehnten geplant war, aber erst der Deutsche Arbeitsdienst mußte erstehen, um diese volkswirtschaftlich so be­deutsame Arbeit zur Tat werden zu lassen. Die Ge­meinschaft habe das erreicht, was der Einzelne nicht schaffen konnte. Ein großer Schritt sei vorwärts ge­tan auf dem Gebiet des großen Entwässerungs­programms für Oberhessen. Mit einemSieg-Heil!" auf unseren Führer fand die eindrucksvolle Feier ihren Abschluß.

Eine der unzähligen Arbeiten, die der NS.-Ar- beitsdienst im gailzen Reich in Angriff genommen hat, ist damit seiner Bestimmung übergeben. In Zukunft braucht der Bauer im Niddatal bei Wick­stadt sich nicht mehr zu sorgen, wenn die Schnee- jchmelze im Frühjahr oder Gewitterregen im Som­mer vom hohen Vogelsberg große Wassermassen bringen, und das Wasser im Bett der Nidda immer höher steigt. Das neue Flußbett bewahrt seine Wiesen und Felder in Zukunft vor Ueberschwemmungen und seine Ernte vor der Vernichtung.

Unsere Arbeitsmänner aber, die zur Vollendung dieser Arbeit beigetragen haben, sehen voll Stolz auf ihr Werk, denn im Erfolg sehen sie die Größe ihrer Arbeit und erkennen, daß es eine Tat ist, im Deutschen Arbeitsdienst mit Hand anzulegen am Wiederaufbau des Reiches zum Nutzen des gesamten Volkes.

Bauemgärten

Bist du auf deiner Wanderung durch deutsche Dörfer nicht auch schon staunend stehengeblieben an einem blühenden Bauemgärten?

Umgeben von einem alten' wackeligen Holzzaun, auf dessen Latten Milchtöpfe hängen, schmiegt er sich eng an das schöne Fachwerkhaus. In der Ecke steht ein breiter Holunderstrauch, dessen Beeren sich eben röten. Im Garten selber aber, welche Pracht und welches Farbenwunder!

Nelken schwelgen darin wie drängendes Herzblut, hellrote Rosen nicken im Wind, und Frauenherzlein erglühen im Winkel. Die Grillen zirpen ihren ewi­gen Gesang: Still! Still! Plötzlich halten sie ein, weil ein Wagen vorüberfährt oder weil sich Schritte nähern. Dann geht der Gesang wieder weiter.

Wer kennt die Blumenspräche, wer kennt alle herrlichen Farben, die hier aufleuchten? Astern, Löwenmäuler, Dahlien, Nelken, Georginen, Bren­nende Liebe, Männertreu, Rittersporn und Phlox, alle wetteifern im Darbieten von Glanz und Farbe. Ein großes Blütenmeer! Das Wort Gottfried Kel- lers:Trinkt, o Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Ueberfluß der Welt!" wird hier zur Wahrheit.

Unendlicher Zauber geht von den blühenden Blumen aus. Die Sehnsucht nach den Wundern der Farbenpracht zeigt sich nirgends stärker, als in diesen Bauerngärten. Wir sehen wohlgepflegte Vor­gärten, mir freuen uns an den schönen Blumen­beeten in den Anlagen. Aber überwältigender wir­ken diese schlichten Blumen in den Bauemgärten. Scheinbar wähl- und planlos stehen sie da und blühen nur. Die Wege sind kaum zu erkennen, so reich sind sie Überdeckt mit Blüten.

Wir stehen still vor dem Blütenwunder, das uns entgegenleuchtet. Farbe zu Farbe gesellend, durch­rankt vom dunklen Grün der Blätter, so grüßen wir die Kinder des Sommers. Ein Märchenzauber geht von ihnen aus. Wenn uns Blumen entgegen­nicken, werden wir schon froher. Sie trösten und besänftigen auch das wildeste Herz. Und wie wirken diese Bauerngärten mitten in den Dörfern! Da liegt vielleicht gleich daneben ein großer Misthaufen, da stehen leere Wagen, Ackergeräte aller Art. Mitten im Alltag, mitten aus dem Arbeitsreich des Bauern heraus grüßen sie uns, diese schlichten Bauern­gärten.

Hier in diesen Gärten haben schon Großmutter und Urahne ihre Blumen gepflanzt und gepflegt. An diesem Garten hängt das Herz der Hausfrau. Er ist ihr Reich. Noch in den spätesten Abendstun­den, nach mühevollem Tagewerk, wird hier ge­graben, gesät, gepflanzt, und Ableger werden in das Erdreich eingesenkt. Ohne die Hilfe des Gärt­ners, ohne fremden Samen. Wie es die Mutter machte, so macht es die Tochter. Und die Blumen gedeihen, blühen und erfreuen alle.

Kaum einen Blick wirft scheinbar der Hausherr auf den Garten. Und doch freut auch er sich daran. Vom Felde heimkehrend grüßen ihn die Blumen, und abends wenn er plaudernd mit den Nachbarn am Zaune steht, dann find es doch die Blumen, die ihm das Herz erleichtern, und in der Nacht strömt ihr Duft durch die geöffneten Fenster zu ihm.

Wenn die Bäuerin Sonntags zur Kirche geht, noch ehe es läutet, dann schreitet sie einmal wie prü­fend durch ihren Garten und bückt sich hier und bückt sich dort, richtet da eine Blüte auf, und bricht dort ein welkes Blatt ab. Die jungen Mädchen aber holen sich hier ihr Sträußchen, vielleicht auch eins für den Herzallerliebsten . .

So spendet der Garten Segen für alle. Der kranke Nachbar erhält sein Teil, der abschiednehmende Sohn wird mit den Blumen aus dem Garten ge­schmückt. Und wenn er dann müde in der Bahn oder gar auf dem Schiff sitzt und die welken Blu­men betrachtet, bann hat er das ganze Bild seines Vaterhauses vor sich ...

So lange es deutsche Bauernhäuser mit den schonen Gärten davor gibt, so lange ist die Poesie noch nicht ausgestorben. ' P.

Die Verzinsung

Links oben: Blick über den Markt. Rechts oben: Der Kauf ist abgeschlossen. Links unten: Rechts unten: Am Fleischerstand.

auch einmal mit unserem Gießener Wochenmarkt in Verbindung bringt.

Wie vielfältig erscheint uns hier das Bild des Verkehrs der Menschen untereinander? Der Bauer und die Bäuerin, der Händler und die Händlerin, sie loben ihre Ware mit mehr oder weniger großen Worten, während die Hausfrau kritisch prüfenden Blickes, ganz gespannte Aufmerksamkeit, das An­gebotene mit den Augen, mit den Händen und wenn es sich um Obst handelt auch mit der Zunge prüft. Wie kritisch werden die Preisforde- rungen gehört und mit anderen verglichen. Wie vielfältig ist die Situation zwischen Verkäuferin und Käuferin von der anfänglichen Unentschlossenheit der Käuferin bis zur geschäftigen Tätigkeit der Händ- lerin beim Abwiegen von Kartoffeln, Obst und Ge­müse!

Und wie befreiend ist es für den unbeteiligten Zuschauer, wenn dann endlich in der unter der Schürze hervorgeholten großen Geldtasche der Händ­lerin der Kaufpreis der Ware in barer Münze klimpert!

Jeder Kauf vollzieht sich anders, denn die Haus­frau geht nicht immer mit klar gefaßtem Plan auf den Wochenmarkt. Sie weiß wohl so ungefähr, was sie braucht, sie läßt sich aber auch bei ihren Käufen davon leiten, was es auf dem Markt gerade gibt. Wie oft wird erst auf dem Wochenmarkt die Frage entschieden:Was soll ich heute mittag kochen?!" Es soll gelegentlich auch Vorkommen, daß eine Haus­frau auf den Markt geht, um Kartoffeln und Ge­müse zu kaufen, schließlich Pfirsiche und einen Blu­menstrauß mit nach Hause bringt, die Kartoffeln und das Gemüse aber beim Händler kauft, der gleich gegenüber seinen Laden hat..

Auf dem Wochenmarkt trifft man fast stets Be-

utaliZe Unioersitätsgebäude (das jetzige Botanische, »«.m ... wuucu \ycit?Htni= ।mijcn Lutajajmcn rouroen emjtaub Der flammen

Snftihxt m jmer Karen Schönheit, tue fdjonen alten beit, auf die Bedeutung des Durchstiches bin.,Uwei- Eben,° wurde die gesamw Ernte md das Mab" ar Fachwerkhau,er der SonnenftraBe und am Sanjlei.1 [en: Eine Arbeit habe hiermit einen gewi[,en Ab-'des Wohnhauses durch den Brand vernichtet

staatliches Kautgeststordemnaen.

Bei Verzinsung von Kaufgeldforderungen aus Verkäufen staatlicher Gebäude und Grundstücke, ein­schließlich des dem Siedlungsunternehmen gehörigen Besitzes ist, wie der Hessische Staatsminister in einem Erlaß an die unterstellten Behörden mitteilt, vom 1. Juli 1934 ab ein Zinssatz von 5 Prozent in Anrechnung zu bringen. Dieser Zinssatz gilt auch für Verträge, die vor dem 1 Juli 1934 abge­schlossen sind

Großfeuer vernichtet bäuerliches

Anwesen.

männer den Durchstich so verbreitert, daß das Was­ser in stetigem Lauf das neue Flußbett füllte und an dem gleichzeitig unterhalb geöffneten Durchstich fielen. Aus Den Stallungen konnte nur das w'eder'in sein altes Bett eintrat. viel, gerettet werden Das Federvieh und die in de"n

, Enge b ach , als Vertreter des Trägers 1 Schunnen untergkstellten Geräte und landwirtichast. der Arbeit nahm dann in kurzen Warten Gelegen-i lichen Maschinen wurden ein Raub der Flammen