mit dem Deutschen Sängerbund entscheiden wird. Diese Entscheidung ist endgültig.
Berlin, am 9. Mai 1934.
gez.: Meister, Bundesführer des DSB.
-Der Präsident der Reichsmusikkammer.
I. 21.: gez. Ihlert.
Mr bringen vorstehende Anordnung hiermit zur Kenntnis der Bundesvereine des Gaues XII des DSB. (Hess. Sängerbund) und ersuchen die Dereins- w alter, unverzüglich den Kreiswaltern die geforderten Angaben zu machen.
Gaugeschäftsstelle des DSB. gez.: Wilk, Gaugeschäftsführer.
Hofstraße, „Früchtchen". — Deutscher Heimarbeiter« und Hausgehilfen-Verband, Zellen Mitte und Nord, 20.30 Uhr, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Zellenabend.
E hr e n v o l le E i n la d u n g. Der Direktor des Umv.-Tierzuchtinstitutes Oberer Haritthof, Prof. Dr. K r a e m e r , wurde von dem Regierungsrat des Kantons Bern und von der Universität Bern zu der vom 1. bis 3. Juni stattfindenden Jahrhundertfeier der Universität Bern als Ehrengast eingeladen. Prof. Dr. K r a e m e r war als Ordinarius während
der Jahre 1900 bis 1908 an der Universität Bern tätig.
** Fällige Stromgelder. Die Direktion der Elektrizitätswerke und der Ueberlandanlage Gießen macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die fälligen Stromgelder für den Monat März noch bis zum 5. Juni ohne Kosten bezahll werden können.
** Feuerwehr-Uebung. Heute morgen klangen die Signale der Feuerwehr in einigen Straßen unserer Stadt. Wie wir auf Anfrage beim Depot erfahren, rückte die Feuerwehr lediglich zu einer Hebung aus.
Freizeit in Zeltlagern der HL.
Aufrufe au die Arbeitgeber.
Landesmusikenschaft Hessen-Nassau des Fachoerbandes B in der Reichsmusikkammer Darmstadt.
gez.: Fichtmüller.
*
Mit Bezug auf die veröffentlichte Vereinbarung, die zwischen dem Deutschen Sängerbund und der Reichsmusikkammer getroffen worden ist, fordern wir sämtliche Berufsmusiker, die gewillt sind, die Leitung eines Männer-Chores zu übernehmen und die die dazu nötige Befähigung nachweisen können, auf, sich sofort bei der unterzeichneten Ortsmusikerschaft zu melden. Geschäftsstelle Hit- I e r w a 11 12.
Arbeitgeber!
Das Gebiet Hesien-Rassau bet Hitlerjugend wird im Laufe dieses Sommers eine große Anzahl von Zeltlagern an den schönsten Punkten des Landes errichten. Sie sollen der Hitlerjugend, besonders den Werktätigen in ihren Reihen, die Möglichkeit geben, in Gemeinschaft der Kameraden ein,
einst an der arbeitenden deutschen Iugend gesündigt wurde, und den Willen, Euren Teil beizutragen an der Heranbildung eines starken Geschlechts.
heil Hitler!
Die Gebietsführung HesfenRafsau der Hitlerjugend, gez.: Kramer.
?brlmgen im jetzigen die Verhältnisse unter
GA.-Ependeiag in Gießen
zwei, drei Wochen in deutschen Augen ein ungebundenes, doch diszipliniertes Jungenleben zu führen, deutsche Landschaft zu erleben, nationalpolitische Schulung zu genießen, bei Ausspannung von harter Arbeit neue Kräfte für ihren Beruf zu gewinnen zur Ehre der Arbeit, zur Ehre des Volkes.
An Euch Arbeitgeber geht darum die Bitte:
dem marxistischen Regime. Sodann überreichte der Obermeister den jungen Gesellen die Lehrbriefe.
Altgehilfe Schermuly gab den jungen Gesellen einige gute Lehren mit auf ihren Lebensweg.
Ich mache mir den vorstehenden Aufruf der Ge- bietsführung der HI. vollund gänz zu eigen und richte die dringende Bitte an alle Führer der Betriebe, an die Eltern und Erzieher, mitzuwirken, daß die Zeltlager allen jungen Deutschen, insbesondere aber der HI., zugänglich gemacht werden. Dort soll ein freis deutsches Geschlecht im n a- tionalsozialislischen Sinne nach den Zielen Hitlers erzogen werden.
Frankfurt a. 211., 24. Blai 1934.
gez. Sprenger.
Ortsmusikerschaft Gießen des Fachverbandes B in der Reichsmusikkammer, gez.: Kasten.
Lossprechung der Friseur-Lehrlinge durch die Innung Gießen.
Im kleinen Saale des Restaurants „Aquarium" fand dieser Tage die Lossprechung der Lehrlinge
,r- - , ri , ~ _ - r - ;(Öebt den Jungarbeitern (Eurer Betriebe, den Jung-
Fr'^gew°rb°s statt Ob°rm°ist°r Schäfer ha^rkern Eurer Werkstätten dle ihnen im na- begrüßte bte Kollegen unb Kolleginnen, insbeonbere
auch die Angehörigen der teilnehmenden Lehrlinge, ^wna sozialistischen Staat zustehende Freizeit, Er wies kurz auf das erfreuliche Verhältnis zwischen ^ami* Zeltlager besuchen können. Bekundet Meistern, Gehilfen und Lehrlirmen im jetzigen damit Eure Bereitschaft, wieder gut zu machen, was Staat hin und erinnerte an -
Er empfahl den jungen Leuten insbesondere, auch einmal in die Fremde zu gehen, Land und Leute kennenzulernen und sich den beruflichen Gesichtskreis zu erweitern. Der junge Gehilfe müsse darauf sehen, daß er mehr und mehr zum Qualitätsarbeiter werde. Mit der vollendeten Lehrzeit sei die Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen. Jeder müsse noch viel lernen.
Der Vorsitzende der Handwerkskammernebenstelle Oberhessen, Pg. S t ü h l e r beglückwünschte die Lehrlinge zu ihrer abgeschlossenen Lehrzeit und empfahl. den jungen Gesellen, sich durch eigenen Fleiß weiterzubilden, damit man auch im Ausland eines Tages wieder von der Qualitätsarbeit im deutschen Friseurgewerbe sprechen könne. Gerade der deutsche Friseur werde im Ausland sehr bevorzugt.
Mit dreifachem „Siea-Heil!" auf unseren Führer und Volkskanzler Adolf Hitler wurde die Feier geschlossen. Geselliges Beisammensein beschloß den Abend.
Daten für Freitag, 25. Mai.
Anläßlich des am 2 6. und 27. 211 a i 1934 slatt- findenden
GA -Gpendeiags
finden in Gießen folgende Deranstallungen statt:
Samstag, 26. Mai 1934:
18—19 Uhr: Platzkonzert des 2Nufikzuges des Reserve-Sturmbanns 1116 in der Plock- straße — Johannesstraße.
20.30 Uhr: Zapfenstreich! Aufstellung: am Standartengebäude (Landgraf-Philipp-Plah). Der Zapfenstreich marschiert durch folgende Straßen: Landgraf-Philipp-Plah, Sonnen- ftcaße, Reuen Bäue, Ludwigslraße, Alicen- straße, Seltersweg, kaplansgasse, Reustadt zum Oswaldsgarten.
Sonntag, 27. Mai 1934:
6.30 Uhr: Wecken.
11—12 Uhr: Platzkonzert des 2irufikzuges des Reserve-Sturmbannes 1116 in der Plock- siraße — Iohannesstraße.
12—13 Uhr: Platzkonzert des Rlusikzuges der Standarte 116 in der Walltorslrahe, Ecke Dammstraße.
14 Uhr: Propagandamarfch durch die Stadt (Aufstellung am Standartengebäude). 17—18 Uhr: Platzkonzert des 2Nusikzuges des Reserve-Sturmbanns I 116 am Selterstor. 18—19 Uhr: Plahkonz ert des 2Nusikzuges der Standarte 116 am Oswaldsgarten.
Volksgenossen!
Bekundet eure innere Verbundenheit mit den braunen Kämpfern durch reichliche Spenden!
Oberheffen.
1015: Grundsteinlegung zum Straßburger Münster. — 1809: Schill besetzt Stralsund. — 1818: geb. der Kunsthistoriker Jakob Burckhardt in Basel (gdft. 1897). — 1855: geb. der Maler Leopold Graf von Kalkreuth in Düsseldorf (gest. 1928). — 1865: geb. Friedrich August III., ehem. König von Sachsen, in Dresden (gest. 1932). — 1932: gest. der Admiral Franz v. Hipper in Altona (geb. 1863).
BornoNzcn.
— Tageskalender für Freitag: 18 Uhr, Hotel Hindenburg, wichtige Besprechung der Führer sämtlicher Gießener Vereine über die am 3. Juni stattfindende große Kundgebung. — Stadttheater, 20 bis 22.30 Uhr, „Tosco". — Lichtspielhaus, Bahn-
53. Hauptversammlung des VHC
rl. Gedern, 23. Mai. Am nächsten Samstag und Sonntag wird sich in unserem Städtchen eine große Anzahl wander- und heimatfroher Menschen zur 5 3. Hauptversammlung des D H C., unseres Vogelsberger Heimatbundes, zusammenfinden. Unter ihnen werden auch, wie schon kurz gemeldet, der Reichsführer des Verbandes der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, Ministerprä
sident a. D. Prof. Dr. Werner, und der Gauführer des Reichsbundes Volkstum und Heimat, Ministerialrat Ringshausen, sein; beide sind langjährige VHC.-Mitglieder. Pros. Werner wird hier die von den Wanderschwestern des Gesamtoereins gestiftete Bundesfahne weihen; fleißige Werber des Bundes werden ausgezeichnet, und auch über den zukünftigen Namen des VHC. wird auf dieser Tagung entschieden werden. Ein Begrüßungsabend am Samstag, Wanderungen in die schöne Umgebung
Nachdruck verboten!
14 Fortsetzung
In seinem kleinen Zimmer sank er auf feinen Schemel und stützte den Kops in die Hand.
„Der Kerl sah fürchterlich aus — fürchterlich! Eine kalte, brutale Natur. Ein ganz hemmungsloser Mensch. Woher kennt er sie? Sie — Ellen — Ellen!? Und mir warst du eine Heilige!!"
Von Zweifeln gequält, fand Bernd Cahler in dieser Nacht keinen Schlaf. Sein Ideal — Ellens reines, leuchtendes Bild war beschattet.
Die ganze Nacht hindurch arbeitete er wie ein Rasender.
In ihrem Zimmer aber schluchzte Ellen wild m die Kissen. . .
Vorhin noch erschien ihre Kameradschaft der einzig ruhende Pol zu fein — jetzt fühlte sie deutlich den Riß, der bitter schmerzte.
Sie sah die Gesichter der drei Manner, die sie so frech und begehrlich angeschaut hatten: Holm, Olsen, Donnert.
Sie fröstelte. Wieder war dos Zittern m allen Gliedern, das sie schon den ganzen Abend über so schwach, so willenlos gemacht hatte.
War sie am Ende ihrer Kraft?
Ein haltloses Schluchzen durchbebte den zarten Körper. Sie war am Ende ihres Wollens, gab sich dem bitteren Schmerze hin, der aus ber Tragik ihrer Schönheit kam und sie zu vernichten drohte.
Muttchen, liebes Muttchen! Du hättest deinem Kinde geglaubt. Gewiß, ich hätte ihnen ein paar erklärende Worte sagen müssen; aber ich dachte, sie müßten mich doch kennen. ..
Schaurig klang das Weinen durch die Dunkelheit ^Jhre^zl'rmarterten Nerven suchten und suchten, aber sie fand keinen Halt Erst als ihre erregte tRhrmtafie Rainer von Rakemus Bild formte, wurde sie ruhiger und ein glückhaftes Lächeln grub sich um ihren Mund. Doch das Lächeln erstarb - sie sah die Frau an seiner Sette. Die schone, mter- essante, elegante Frau!
Zwölftes Kapitel.
Doktor Olsen warf einen sichernden Blick m den Rückspiegel und legte den rassigen Wagen scharf m(Erietannkebie Stelle, an der er die Straße nach Merseburg verlassen mußte. Schattete und fuhr den knirlchenden Kiesweg in Richtung des Ausflugs-
Sommer war der Parkplatz vor den Terrassen besetzt Olaf Olsen kannte ihn wie manchen anderen in Europa.
llnd NUN, Ellen?
Vornan von Käthe Mehner.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlog, Holle (S.)
Noch gähnte der Wächter, zog bann aber schnell bie Mütze.
Olsen ging in bas Lokal. Leere Tische überall... Hilfsbereite Kellner, aber kein Gast.
Er reichte ben runben, hellgrauen Hut hin, ließ sich ben eleganten Staubmantel abnehmen und erhaschte mit Kennerblicken eine verschwiegene Ecke.
„Mokka", sagte er kurz und fuhr glättend über das dichte schwarze Haar.
Er wartete. Ueberlegungen gaben seinem Gesicht einen interessanten Ausdruck.
„Sie wirb kommen — muß kommen."
Olsen kannte feine Wirkung auf Evelyn von Rakenius. Er hatte sich nicht getäuscht.
Ganz in gebämpftes Weinrot gekleidet, der Farbe ihres Wagens haargenau angepaßt, stand sie nach wenigen Minuten mit einem spitzen Lachen vor ihm.
Die beiden Menschen maßen sich einen Blick lang. Jeder versuchte, die Empfindung des anderen zu ergründen.
„Ich hatte nicht die Absicht zu kommen", sagte die Frau mit dem streng nach hinten gekämmten kurzen Haar, bas kastanienbraun schimmerte.
Olsen blieb vollkommen gleichgültig.
„Warum nicht?"
So kalt kam bie Frage, baß schon ber erste prickelnde Reiz im Herzen der Frau aufstieg. Sie wußte ja selber, baß sie diesem Manne nicht widerstehen konnte, nie hatte widerstehen können.
„Du machtest ber Tochter bes Generalkonsuls so auffallend den Hof. Ich sollte annehmen, bu hättest sie hierher gebeten — nicht mich, Olaf."
Die Wirkung war erreicht. Olsen lächelte. Darm sah er bie gepflegte Frau burchbringenb an.
„Eifersüchtig, kleine Ev?"
Evelyn von Rakenius wechsette bie Farbe.
„Egoist", kam es kurz zurück.
Olsen überhörte bie Bemerkung.
„Ich glaube nicht, baß eine glücklich verheiratete Frau eifersüchtig um einen Junggesellen sein könnte."
„Glücklich verheiratet?" Diese Worte allein waren in Evelyn haften geblieben, hatten Wiberspruch ausgelöft.
Fleißige Männer, bie mit allen Kräften ber Erfüllung ihrer Mission zustreben, also schon bie Reife erreicht haben, bie bie Frau nie erreichen will, finb wenig geachtet. Man schätzt sie, aber man liebt sie nicht.
Begehrt finb nur bie Männer, bie täglich ihre Wirkung auf anbere Frauen erproben, die ihre Ehe nur als Ausgangspunkt genießerischer Leichtsinnigkeit ansehen.
Aehnlich dachte wohl in biesern Augenblick auch Evelyn von Rakenius. Ihr Mann schien ihr, an Olsen gemessen, ein Trottel. Nur Arbeit unb wieber Arbeit — fein Verstäubnis bafür, daß das Paradies ber Freuben im Diesseits liegt.
„Ich glaube nicht, baß wir hier zusammengekommen finb, um die mehr ober weniger glückliche Ehe ber. Evelyn von Rakenius zu besprechen. Ich
nahm an, Ev von Ledorque interessiere bich mehr." Das kam allerbings Olsens Wünschen entgegen." „Hast schon recht. Vielleicht ist es tatsächlich noch so. Allerbings habe ich zu bedenken, ob ich auch wirklich Ev von Ledorque vor mir habe."
Ein vielsagender Blick, dann schob sich eine gepflegte Frauenhand kontaktsuchend über ben Tisch.
Der Mann ergriff sie, beugte sich gelassen bar- über. Doch bie Frau entzog sie ihm schnell.
„Du willst spielen, Ev... Ich bin alt geworben." Ein leises, aufreizendes Lachen kam als Antwort. Der schöne, tiefrot geschminkte Munb zuckte nervös. Olsen war vollkommen befriebigt. Das Resultat dieser kleinen Komödie war besser, als er zu hoffen gewagt. Die Frau', die ihm hier gegenüber« saß, gehörte ihm noch immer mit ganzer Seele.
„Die Verhandlungen mit der Chemie-Aktiengesellschaft kommen nicht zu Ende, Ev."
„Um so besser. Um so länger wirst du hierbleiben müssen."
„Liegt dir daran?"
Die Frage klang leidenschaftlich. Sie wurde mit einem Augenaufschlag beantwortet, der Evelyn bildhübsch und begehrlich machte.
Diskret schaltete der Ober den Lautsprecher ein. Melodien übermalten die leise Unterhaltung.
„Ja, mir liegt daran. Ich langweile mich, Olaf. Du mußt es doch sehen."
„Sehen? Oh — ja — das kann ich wohl sagen. Doch bas allein hilft mir nicht weiter. Geschäft!"
Eine Unmutsfalte trat zwischen die braunen Augen ber Frau.
„Geschäft und Olaf Olsen sind untrennbare Begriffe, Ev. Du mußt mir helfen."
Die Leidenschaft der Frau verebbte. Ueberlegungen kamen. Sie erkannte klar, wohin Olaf Olsen steuerte. Es war nicht das erste Mal...
Wenn er wieder irgend eine Forderung stellte? Blitzschnell arbeiteten ihre Gedanken. Sekundenlang tauchte auch die Frage auf, woher es nur komme, daß dieser Mann eine so dämonische Gewalt über sie hatte. Doch bann ging wieber alles unter in bem betörenben Rauschen ihres Blutes.
Damals? Sie hatte Olaf Olfen bie Geheimnisse ber Farbenwerke verraten, benen ihr Vater vor- ftanb. Die Folge war bie katastrophale Nieberlage ihrer Familie — aber auch eine Zeit unsagbarsten Glückes an Olsens Sette.
Olsen schien ihre Gebanken zu erraten:
„Unsere mehrmonatige Schlittenreife burch Schweben, Ev..."
Die Frau neben ihm zuckte zusammen. Dasselbe hatte sie eben auch gedacht. Wie glühenbe Lava floß bas Blut burch bie Abern — tobte — raste — und schwemmte alle klaren Gedanken fort,
„Genug", stieß Evelyn nur hervor. Sie hob ben Blick unb entbeckte wieber jenen brutalen Zug in ben Augen bes Mannes, ben verbissenen Munb, ber gleich wieder zu lachen imstande war.
Gederns am Sonntagmorgen, die eigentliche Haupt- Versammlung, ber Festzug und der daran anschließende Nachmittag bei Musik und deutschem Tanz wollen allen Teilnehmern in anregenden Stunden Kraft und Freude zur neuen Arbeit an Heimat und Volkstum spenden.
Brände in Oberheffen.
Schadenfeuer in Lrtenberg.
* Ortenberg, 25. Mai. Am Mittwoch gegen 22.45 Uhr brach in ber Scheune bes Landwirts Heinrich JünglingII. auf bisher noch ungeklärte Weife Feuer aus. Die Flammen hatten in ben Strohvorräten reiche Nahrung, so daß sie schnell um sich griffen. Die Drtenberger Feuerwehr war rasch zur Stelle unb griff bas Feuer energisch an. Wenn es auch nicht gelingen konnte, bie Scheune selbst zu retten, so konnte doch eine zweite Scheune, die von ben Flammen bereits ergriffen worben war, erhalten werben. Neben den Strohvorräten fielen auch einige landwirtschaftliche Maschinen dem Brand zum Opfer. Nach etwa einstündiger angestrengter Arbeit hatte die Feuerwehr die Gefahr beseitigt. Der durch das Feuer entstandene Schaden ist nicht unbeträchtlich und nur zumTei 1 durch die Versicherung gedeckt.
Scheunen- und Wohnhausbrand in Bernsburg.
* Bernsburg, 25.Mai Gestern erscholl in unterem Dorfe Feueralarm. In der Scheune bes Landwirts Karl Köhler war gegen 1 Uhr Feuer ausgebrochen, das außerordentlich rasch um sich griff. Die in ber Scheune aufbewahrten Heu- unb Strohvorräte gaben den Flammen reiche Nahrung und erschwerten die Löscharbeiten außerordentlich. Es konnte nicht verhindert werden, baß von bem Brande auch das Wohnhaus in Mitleidenschaft gezogen wurde und etwa zur Hälfte ben Flammen zum Opfer fiel. Die Bernsburger Feuer- wehr ging dem Feuer energisch zu Leibe und konnte mit Hilfe des starken Wasserstrahles aus der Hochdruckwasserleitung ein weiteres gefährdetes Gebäude schützen und dem Feuer Einhalt bieten. Der entstandene Schaden ist recht erheblich, da neben den Vorräten in der Scheune auch Maschinen vernichtet wurden. Das Vieh, das sich im dicht dabei liegenden Stall befand, konnte gerettet werden, da ein neues festes Vetondach bem Feuer Widerstand bot. Die Ursache der Entstehung des Brandes konnte bisher nicht ermittelt werden.
VaitDirete O>.*i neu
* Wieseck, 25. Mai. Die Ortsgruppe Wiefeck des Deutschen Stenografenbundes macht darauf aufmerksam, daß am kommenden Dienstag, 5. Juni, ein Anfängerlehrgang beginnt. (Siehe heutige Anzeige.)
00 Klein-Linden, 24. Mai. Am Mittwochabend wurde auf Anregung der NSDAP, im Saale des Gasthofes ,Lur deutschen Eiche" der Film „Kreuzer Emden" vorgeführt. Vorher wurden in der Ufa-Wochenschau wichtige Abschnitte aus dem Leben unseres Volkskanzlers vom verflossenen Jahre gezeigt. Der Film, der von hier und aus der Zelle Mendorf a. d. Lahn außerordentlich stark besucht war, yinterließ tiefen Eindruck bei allen Besuchern des Abends.
T Leihgestern, 24. Mai. Am zweiten Pfingsttag feierten die noch lebenden Männer und Frauen, Die im Jahre 1884 in unserer Kirche konfirmiert wurden, ihr goldenes Konfirmationsjubiläum. Pfarrer R e u s ch hatte jeden der noch Lebenden eingeladen, und alle bis auf zwei, die weit weg wohnen, waren der Einladung gefolgt. Wie einst vor fünfzig Jahren, so gingen beim Auskttngen der Glocken elf der Jubilars mit dem Pfarrer an der Spitze ins Gotteshaus. Pfarrer Reufch hatte als Textwort für feine Predigt dasselbe Bibelwort gewählt, das einst der damalige Seelsorger den Konfirmierten zugerufen hatte. Einer der alten Zeugen, ihr einstiger Lehrer, Rektor i. R. Jung, spielte die Orgel. Am Nachmit-
,Lch verstehe aber nichts von Verhandlungen, will auch nichts verstehen. Begreif doch, Olaf..."
„Du willst es nicht! Sage doch, daß du es nicht willst! Meinetwegen — auch gut. Dann dürsten wir wohl fahren können." Eisiger Ernst lag in den Worten.
Die Frau hiett krampfhaft ben starken Arm des Mannes.
„Bleib, Olaf! Du bist herzlos, manchmal..."
„Herzlos... Vielleicht kommt alles aus meinem Herzen? Vielleicht..."
Ein Aufflammen in Evelyns schönem Gesicht. Olsen nahm es wahr.
„Wenn du diesmal vernünftig wärest, blieben wir für immer zusammen. Ich kann mir nicht denken, daß du an der Sette eines Mannes weiter- lebst, der dir ein Verhältnis zu einer anderen zumutet. Das sieht einer Evelyn von Ledorque wahrhaftig nicht ähnlich."
Evelyn schnellte auf. Ihr Mund stand leicht geöffnet. Erregung zuckte über das brünette Gesicht.
„Rainer — eine andere Frau?" Sie hatte sich von der ersten Ueberraschung erholt. „Ich muß lachen, Olaf — lachen ..."
Olsen hatte den Stolz der Frau geweckt. Das lag in feiner Absicht. Auf dem Wege nach feinem Ziel.
„Ich glaube nicht, daß du mich in solchen Dingen als Witzbold in Erinnerung hast, Ev."
In Evelyn wurde das Mißtrauen wacher. Olsen sprach so ernst. Was wußte er?
Sich selbst, wie alle Frauen ihrer Art, außerhalb aller Konvention glaubend, war sie erbost über ben mutmaßlichen Seitensprung ihres Mannes:
„Du kennst die Frau, Olqf?"
,Zch kenne sie. Doch was hat das damit zu tun? Für mich ist die Sache hiermit erledigt. Vielleicht überhaupt falsch, daß ich dir davon sprach. Aber schließlich" — er kniff die Augen leicht zu und hielt so dem Blick der Frau stand —, „ein bißchen Gefühl für bie einst so pikante Evelyn von Ledorque ist wohl noch immer in mir."
Jetzt war Evelyn wach. Helle Empörung flammte in ihrem Gesicht. Sie begehrte mehr zu wissen, viel mehr — alles. Und wußte doch, baß keine Silbe mehr über Olfens Lippen kommen würbe, wenn sie ihm fein Versprechen gab ...
„Ist es nicht genug, wenn ich meine Ehe aus Prestigegründen aufrechterhatte?" Diese Worte, die ihr Mann damals gebraucht hatte, drangen ihr plötzlich wieder stechend ins Bewußtsein. So also sah es in Wahrheit aus? Hinter Rainers angeblicher Arbeitsüberlastung, hinter seiner Uninteressiertheit an allen Fragen bes gesellschaftlichen Lebens steckte eine Frau. Unb bas mutete er ihr zu?
Nicht eine Sekunbe kam der verwohnten, egoistischen Frau ber Gebaute, wie ihr eigenes Tun unb Treiben auf den Mann wirken mußte. Nur verletzte Eitelkeit stachelte sie auf.
Fortsetzung folgt.)


