regelmäßig der Versammlungsort des ölten Böhmischen Landtages, der „Böhmischen Stände", die darin oft und oft von der revolutionären Erhebung der Tschechen gesprochen und Be-schlüsse gefaßt haben. Der Prager Fenstersturz, der den Dreißigjährigen Krieg einleitete und bei dem die tschechischen protestantischen Stände die kaiserlichen Räte Martinitz und Slawata sowie den Gerichtsschreiber Fabri- cius hinauswarfen, wobei diese auf einem Misthaufen landeten, hat sich i-m jagellonilchen Saale abgespielt. Die Berufung Friedrichs V. von der Pfalz, des „Winterkönigs , als tschechischen Gegenkönig, wurde hier beschlossen, ebenfalls die Wahl des Wittelsbachers Karl VII. als Gegenkönig Maria Theresias. Es muß auf die interessante Tatsache hingewiesen werden, daß es keine Tschechen, sondern deutsche Fürsten waren, die bei diesen Gelegenheiten von den Tschechen zur Erhaltung ihrer Freiheit auf den böhmischen Thron erhoben wurden. Alle diese Versuche endeten für die Tschechen tragisch.
Diesmal aber hinderte sie nichts an der Wiederwahl jenes Mannes zum Staatsoberhaupte, den sie immer schon für den geeignetsten und besten unter sich hielten. Diesmal bedrohte die Tschechen keine Gefahr, wenn sie ihren Freiheitswillen, ihren Wunsch nach Selbstregieren, in dieser Form zum Ausdruck brachten. Niemand aus der Welt hat etwas dagegen, wenn sich die Tschechen chren eigenen Staat so einrichten, wie sie wollen. Wenn es den Tschechen gelingt, Sie aus der Geschichte erklärliche Angstpsychose zu überwinden, daß in der Zukunft abermals ihre Selbständigkeit von irgend jemandem bedroht werden könnte, wenn sie erkennen, daß alle ihre Nachbarn mit chnen in Frieden leben wollen, weil sie selbst den Frieden wünschen, werden sie ihre Zukunft und die Zukunft ihres Staates am besten sichern!
Me feierliche Vereidigung.
Der deutsche Gesandte überbringt die Glückwünsche des Diplomatischen Korps.
Prag, 24. Mai. (DNB.) Nach dem Wahlakt wurde die Sitzung der Nationalversammlung durch die feierlich^Einholung des Präsidenten unterbrochen. Dom Vorsitzenden der Regierung geleitet, erschien der wiedergewählte Präsident im Wladislaw- Saal, von stürmischen Kundgebungen begrüßt. Der Vorsitzende der Versammlung Dr. Stanek begrüßte den wiedergewählten Präsidenten als Haupt des durch seine Führerkraft wiedergeschaffenen Staates. Der Präsident des Abgeordnetenhauses richtete hierauf an den Präsidenten die Bitte, den verfassungsmäßigen Eid zu leisten. Der Präsident, die Hand auf der Versassungsurkunde haltend, leistete den Eid und verließ hierauf in Begleitung der Vorsitzenden der beiden Kammern der Nationalversammlung, des Ministerpräsidenten sowie seines Gefolges den Wladislaw-Saal.
Als Präsident Masaryk den Burghof betrat, verkündeten 21 Kanonenschüsse der Bevölkerung die Wahl. Gegen Mittag trat der Präsident mit seinem Gefolge und begleitet von berittener Polizei und zwei Kavallerie-Eskadronen die Fahrt zum Altstädter Rathaus an, wo er im Namen der Wehrmacht vom Nationalverteidigungsminister, dem General-Truppeninspekteur und dem Generalstabschef, sowie im Namen der Bevölkerung vom Bürgermeister der Haupt- st a d t begrüßt wurde. Nachdem der Präsident am Grabe des unbekannten Soldaten einen Kranz niedergelegt hatte, trat er eine Rundfahrt durch die festlich geschmückte Stadt an, von der Bevölkerung jubelnd begrüßt. Am Nachmittag beglückwünschte das Diplomatische Korps auf der Prager Burg den Präsidenten zu seiner Wiederwahl. Der Gesandte des Deutschen Reiches D r. Koch als Doyen richtete an den Präsidenten eine Ansprache, in der er auf die unermüdlichen Bemühungen Masaryks um das Glück und die Wohlfahrt feines Volkes und auf die Früchte dieser ununterbrochenen und uneigennützigen Arbeit, die den Blicken der ganzen Welt offenbar sei, hinwies. Präsident Masaryk dankte für diesen Beweis der Sympathie der Vertreter der fremden Staaten. Er versprach, in der Innenpolitik für die Zusammenarbeit der einzelnen sozialen Klaffen und in der Außenpolitik für eine friedliche und freundschaftliche Zusammenarbeit mit allen Völkern ohne Unterschied zu wirken.
Erzherzog Eugen in Wien.
Wien, 24. Mai. (DNB.) Der über 70 Jahre alte Erzherzog Eugen, Vetter des Kaisers Franz Josef, ist nach läjährigem Aufenthalt in Basel Donnerstag vormittag in Wien e i n g e t r o f f e n. Der ursprüngliche Plan, nach den in FeDkirch, Innsbruck und Salzburg B e g r ü ß u n g s fei erlich keilen der Landeshauptleute und Bischöfe und der Legitimistischen Verbände stattfinden sollten, war auf den besonderen Wunsch der Regierung au'f gegeben worden. Zn Wien hatte sich auf dem Westbahnhof der Heeresminister Fürst Schönburg - Harten st ein mit mehreren Offizieren zum Empfang eingefunden. In einer Ansprache sagte der Minister u. a.: „Von ganzem Herzen heißt deute ganz Oesterreich Eure Kaiserliche Hoheit in der Heimat willkommen. Mit jubelnder Freude sehen besonders mir alten Kriegssoldaten ihren verehrten und geliebten Feldmarschall wieder. Ew. Kaiserlichen Hoheit glückliche Rückkehr soll uns am heutigen Sage ein Symbol bedeuten, daß m dem erneuten Vaterland Oesterreich alle Ungerechtigkeiten getilgt und wieder gutgemacht werden sollen.' Sodann entbot der Landesverteidigungsminister den herzlichen Willkommensgruß des Bundeskanzlers Dr. Doll
fuß.
qu '^eitunasberichterstattern äußerte sich Erzhe^ zog Eugen nach seiner Ankunft folgendermaßen: Ich bin als Privatmann in die Heimat zuruck- aekehrt. Ich bin glücklich, meinen Lebens- abend in Ruhe in der Heimat zu verbringen. Der erste Gang des Erzherzogs war sodann in die Stephanskirche, wo er einer Messe bei- wohnte. Nach der Messe stattete der Erzherzog,dem Kardinal Innitzer einen Besuch ab. Nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Wien wirb der Erzherzog ^sodann endgültig im be5,
scheu Ordens in Gumpoldskirchen in der Umgebung von Wien Wohnung nehmen.
Bolivien meldet großen Sieg
im Gran 6haco.
LaPaz (Bolivien), 25. 2Hai. (Associated Preß.) Die Regierung gibt bekannt, daß die Bolivianer Hn einem scharfen Gegenangriff bei For Bathoias tetroa 6000 Paraguayaner töteten und etwa 12 000 nrerwundeten. Die zweite bolivianische Division hat wie zweite paraguayanische Division vernichtens »geschlagen. Außerdem soll die Vereinigung der jsiebentea mit der achten paraguayanischen Division
verhindert worden fein. Der linke Flügel der paraguayanischen Strafexpedition im Abschnitt von Lanad soll völlig umzingelt sein und die iebenle Division sich im Rückzug besinden.
Kleine politische Nachrichten.
Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichsminister des Auswärtigen Freihern von Neurath zum Vortrag.
*
Ministerpräsident Göring ist, von Athen kommend, auf dem Flugplatz Matyasföld in Budapest gelandet. Zu feinem Empfang hatten sich der ungarische Handelsminister, der Staatssekretär im Ministerpräsidium und eine Reihe Offiziere der ungarischen Fliegertruppe eingefunden. Ferner waren der deutsche Gesandte von Mackensen und Militär- attachö General Fischer erschienen.
♦
Nachdem der Kreisverbandsführer des NSDFB. । Stahlhelm), Janecke, eine Erklärung darüber
abgegeben hat, daß er die Verantwortung dafür übernimmt, daß der Kreisoerband des NSDFB. Frankfurt a. M. sich genau an die in den Anordnungen des Bundesführers enthaltenen Kompetenzen halten wirb, hat Polizeipräsident Beckerle das für den Polizeibezirk Frankfurt a. M. verhängte Verbot des Auftretens des NSDFB. in der Oeffentlichkeit ober in Versammlungen sowie bes Tragens ber Bunbesuniform mieber aufgehoben.
♦
Auf ber im Kapellensaal des Schweriner Doms abgehallenen b ritten ordentlichen Tagung ber mecklenburgischen Lanbessynobe würbe Oberkirchenrat Schultz zum Landes- d i s ch o f gewählt.
Als Nachfolger des nach Berlin versetzten Botschafters Suritz in Ankara wirb der ehemalige Stellvertreter des Außenkommiffars K a r a ch a n genannt, für den ein Agreement bei ber türkischen Regierung nachgesucht morden ist.
Kunst und Wiffenschast.
Abschluß des Deutschen Geographentages in Dad-Rauheim.
Die dritte Sitzung des 2 5. Deutschen Geo - graphentages in Bad-Nauheim befaßte sich mit den Bildungs- und Erziehungsaufgaben der Erdkunde im neuen Staate. Es behandelten: Pro- effor Dr. M e ck i n g - Münster „Die Aufgaben der Hochschule", Dberftubienrat Heck- Köln „Die Auf- Saben ber höheren Schule" unb Lehrer Volten- orn-Wuppertal-Barmen „Die Aufgaben ber Volksschule". Aus allen Vorträgen unb aus ber regen Aussprache klang die Forderung nach Erneuerung des erdkundlichen Unterrichts aus dem Geiste des Nationalsozialismus heraus.
Es mürbe folgende Entfchließung einstimmig angenommen: „Der Deutsche Geographentag erhebt auch auf seiner 25. Tagung in Bad-Nauheim erneut seine Stimme für eigenen deutschen Kolonialbesitz in Uebersee."
Die einstimmig vorgenommenen Neumahlen ür den Zentralausschuß hatten folgendes Ergebnis: Jäger, Mecking, Mortensen (als Vorstandsmitglieder des Verbandes ber Hochschullehrer ber Geographie), drei Herren des Verbandes der Deut« chen Schulgeographen nach dessen Vorschlag, $ r e b 5, Machatschek, Haushofer (Ge- chäftsführer). Den Vorsitz im Zentralausschuß übernimmt Professor Mecking.
Nach Schluß ber Tagung begab man sich zum Ehrenmal der Stabt Bad-Nauheim, wo Professor Dr. Mehrmann einen Lorbeerkranz niederlegte, dabei der Toten des Weltkrieges und der Bewegung gedenkend.
Luringers „Deutsche Passion 1933“ in Heidelberg.
Richard E u r i n g e r, dessen „Deutsche Pas - ion 19 3 3" von Reichsminister Dr. Goebbels mit dem Stefan George-Preis ausgezeichnet wurde, ist zur Zell damit beschäftigt, die Thingplatz-Fassung des Spieles fertigzustellen, bas mährenb ber .Reichsfestspiele in Heidelberg zur Einweihung ber Thingstätte auf dem Heiligen Berg uraufgeführt wird. Bei biefer Aufführung werben etwa 1000 Personen als Darsteller in ben Sprechchören unb im Orchester mitwirken. Die künstlerische Oberleitung hat Ministerialrat Otto fiaubinger, bie Spielleitung führt Dr. Hanns Niebecken-Gebharbt, bie Musik schreibt Herbert W i n b t. Auf ber Thingstätte findet am 30. Juli eine große Kundgebung zum Besuch dieses Spiels statt, zu der etwa 30 000 Hitler-Jungens und Mädels aus ganz Süddeutschland erwartet werden. Der Arbeitsdienst wird mit 18 000 Mann ebenfalls einer Aufführung beiwohnen. Insgesamt werben nach den bisherigen Verhandlungen etwa
100 000 Besucher in fünf großen Aufführungen auf ber Thingstätte auf bem Heiligen Berg bas Werk Richard Euringers sehen.
Maffen-Gimultanjpiel der beiden Echachgroßmeister in Nürnberg.
Arn Donnerstag gaben Weltmeister Dr. Aljechin und der deutsche Schachgroßmeister Bogoljubow im Rahmen des Wettkampfes um die Schach- weltmeisterfchaft zu Nürnberg eine Masfen- simultanvorstellung. Der Kampf ber bei- ben Meister, bie bie weißen Steine führten, ging über 95 Bretter; Dr. Aljechin kämpfte gegen 50 und Bogoljubow gegen 45 Spieler. Bogoljubow beendete von den 45 Spielen 30 siegreich unb 11 unentschieden; 4 Begegnungen nahmen für ben zweimaligen deutschen Meister einen ungünstigen Verlauf. Dr. Aljechin konnte von seinen 50 Partien nicht weniger als 36 gewinnen. 5 Gegnern gelang es, remis zu erzielen, währenb 9 Partien für ben Weltmeister verloren gingen. Bogoljubow benötigte für feine Spiele, bei benen er ebenso wie Dr. Aljechin eine ganz vorzügliche Leistung zeigte, genau 5 Stunben, wahrend Dr. Aljechin 1V< Stunde mehr an Zeit benötigte. — Am Samstagabend wirb ber Kampf um die Weltmeisterschaft mit ber 19. Partie feine Fortsetzung finden.
Das Schachturnier um die Deutsche Meisterschaft in Aachen.
Das Aachener Schachturnier um die Meisterschaft von Deutschland 1934 steigt allmählich auf seinen Höhepunkt. Immer deutlicher treten die Meister hervor, die alle Aussichten haben, an die Spitze zu kommen. Im bisherigen Verlauf hat sich gezeigt, daß zwar Überraschungen nicht ausgeschlossen sind, immerhin sind doch bie alten Meister vorwiegend in Führung geblieben. Die Tabelle zeigt jetzt folgenden Stand: (bie eingeklammerten Zahlen geben die Hängepartien an) IVt Punkte: Lange, Carls (2); 7 Punkte: Reinhardt, 6% Punkte: John (1), Dr.Antze; 6 Punkte: Dr. Rodl (1), Krause, 5% Punkte: Heinicke (1), Elstner (1); Punkte: Weißgerb er (1), Engels (2), Lachmann (1), Grohmann, Heinrich (1); 4 Punkte: Hahn; 3 Punkte: BongardS, Wae ch ter (1); 2% Punkte: Schmitt.
Jochen Hauer gehl nach Berlin.
Jochen Hauer, der früher längere Zeit als erster schwerer Held am Gießener Stadttheater wirkte unb gegenwärtig am Hessischen Landestheater in Darmstadt engagiert ist, wurde für die kommende Spielzeit an das Berliner Staatstheater verpflichtet.
Aus aller Wett.
Zurchtbares Omnibusunglück in USA. Acht Tote, 40 Verletzte.
3n Richmond im Staat Virginia ereignete sich ein furchtbares Verkehrsunglück. Ein vollbesetzter Omnibus stieß in schneller Fahrt mit einem sog. Trecker zusammen. Der Anprall mar so heftig, daß sich der ganze Vorderteil des Treckers in den Omnibus hincinbohrte. Beide Fahrzeuge gingen sofort in Flammen auf. Bisher werden acht Tote und mindestens 40 Verletzte gemeldet.
Große Korruptionsaffäre in Kiew.
Wie aus Moskau gemeldet wird, ist auf Veranlassung des Obersten Staatsanwaltes Akulow, des Chefs der OGPU. Jagoda und des Justiz- kommissars Krylenko ein Ausschuß zur Untersuchung einer großen Korruptionsaffare in Kiew eingesetzt worden. In diese Angelegenheit sind zahlreiche Staatsanwälte, Wirtschaftler und OGPU.- Beamte verwickelt. Bisher sollen über 120 Persone n verhaftet worden sein Wie verlautet, sind auch Beamte ber Konsumgenossenschaften, bes Verkehrskommissariats und der Staatsorgane, die mit ber Lebensmittelverteilung betraut waren, in die Angelegenheit verwickelt. Die Mitglieder des Sonderausschusses, die bereits in Kiew eingetroffen sind, erklärten, ber Prozeß werbe öffentlich stattfinden. Man wolle e i n Exempel flatuieren, um in Zukunft solche Affären unmöglich zu machen. Die Verluste des Staates durch diese Korruptionsafsäre werden auf zwei bis drei Millionen Rubel geschätzt. Das Ansehen ber OGPU. hat durch bie Angelegenheit stark gelitten. Die verhafteten OGPU.-Beamten werden durch ein Sondergericht der GPU. abgeurteilt werden. Ihnen droht die T o b e s ft r a f e.
Faschistenslagge auf dem Londoner Rathaus.
Zum großen Erstaunen ber Frühaufsteher weifte am Donnerstagmorgen vom Flaggenmast des ßonboner Rathauses gegenüber bem Parlament eine Fafchistenflagge. Drei Mitglieder der brttischen Faschistenliga hatten in ber Nacht bie Fahne, bie aus einem Union-Jack mit einem großen Hakenkreuz auf weißem Grunbe in ber Mitte besteht, aufgezogen. Erst als bie Arbeit in den Büros begann, bemerkten städtische Beamte die Flagge. Sie holten sie herunter und zogen an ihre Stelle die englische Flagge auf. Don ber Faschistischen Liga, bie übrigens in keinem Zusammenhang mit der Faschistischen Partei des Sir Oswald Mosley steht, wurde später erklärt, daß das Aufziehen ber Faschistenflagge ein Protest gegen ben jüdischen Einfluß im
Londoner Stadttat sei. Pressemeldungen zufolge hatte der seit den letzten Wahlen überwiegend s o - zialistische Londoner Stadtrat ursprünglich die Absicht, am „Weltreichstag" zum erftenmale die englische Flagge nicht aufgu» ziehen. Der Stadtrat hatte neulich beschlossen, daß der Empire-Tag in den Londoner Schulen nicht mehr als „Weltreichstag", sondern als „Tag des englischen Gemeinwesens" ohne bie üblichen Feierlichkeiten begangen werden solle.
Kurzschluß als Ursache des Bugginger Unglücks. — Bergung der Toten nicht vor Juni.
Don zuständiger Seite wirb uns mitgeteilt, daß ein Vorbringen in den Unglücksstollen bes Kalibergwerks Buggingen vorläufig nicht möglich ist, da die dieser Tage vorgenommenen Wetterproben gezeigt haben, daß sich in bem abgeriegelten Teil bes Stollens noch Kohlenvxydgafe befinden. Die Wetterproben werben nun täglich abgenommen unb die chemischen Untersuchungen vom Chemischen Institut ber Freiburger Universität durchgeführt. Als Ursache bes Unglücks ist einwandfrei Kurzschluß feftgeftellt worben. Die Bergung ber 86 toten Bergknappen ist vor Anfang Juni nicht möglich.
20 Jahre Zuchthaus für einen Reger in USA.
In Atlanta (Georgia) verurteilte der Oberste Gerichtshof in der Revisionsverhanblung ben Neger Angelo Herndon wegen Aufreizung zum Aufruhr zu zwanzig Jahren Zuchthaus unter Zubilligung mildernder Umstände. Der Neger hatte kommunistische Flugblätter verteilt, in denen Propaganda für bie Errichtung eines Negerstaates im Süden der Vereinigten Staaten gemacht worben war. Der Negerstaat sollte von den Vereinigten Staaten abgetrennt werben.
Der berüchtigte „Spritweber" in Berlin verhaftet.
Die überraschende F e st n a h m e des berüchtigten Spritweber gelang in Berlin einem Beamten ber Zollfahndungsstelle. In ber Zeit, als Berlin noch ben traurigen Ruhm hatte, als Paradies ber Schieber zu gelten, spielte ber jetzt 40jährige Hermann Weber, ber sogenannte „Sprittveber“, in jenen Kreisen, die im Trüben fischten, eine ganz besonders fiihrende Rolle. Der große Sprit- weber-Prozeß vor mehreren Jahren beleuchtete damals deutlich die Verhältnisse in ber Reichs- Hauptstadt. Im Jahre 1932 machte Spritweber noch einmal von sich reden, als er Millionenwerte in Effekten im Auftrag eines holländischen Konsortiums ins Ausland verschob. Das Berliner Schöffengericht verurteilte Spritweber deshalb wegen Devifenvergebens 1932 zu der milden Strafe von einem Jahr Gefängnis und ließ sogar den Angeklagten nach Schluß der Verhandlung auf freien Fuß. Gegen bas unverständlich milde Urteil
hatte ber Staatsanwalt Berufung eingelegt. Während der Frist bis zur neuen Verhandlung zog es Spritweber vor, nach Holland zu entfliehen. Jekt erkannte ihn ein Beamter der Zolls ah ndungsstell* an einer Straßenbahnhaltestelle. Weber warf ihm feine Aktentasche vor die Füße unb versuchte zu entfliehen. Es gelang jedoch, ihn zu stellen und in Untersuchungshaft zu bringen.
Selbstmörderin verursacht folgenschwere Gasexplosion.
Als Folge eines Selbstmordes ereignete sich in ber französischen Domanialschule in Dudbweiler (Saar) eine Gasexplosion, die ein Menschenleben forberte. Der Schuldiener Wagner stellte starken Gasgeruch in der Wohnung fest unb fand im Pförtnerzimmer feine Frau auf bem Boden liegend auf. Als er das elektrische Licht einschaltete, erfolgte eine heftige, Explosion, die im ganzen Ort zu hören war. Am Schulhaus gingen Die Fenster in Trümmer, auch einige Türen wurden eingedrückt. Wagner lief, am ganzen Körper brennend, aus bem Pförtnerzimmer auf den Hof zum Brunnen, wo er versuchte, bie Flammen mit Wasser zu ersticken. Ihm kam der Direktor der Schule zu Hilfe, ber auch ben Gashahn zudrehte. Polizei konnte ben Brand im Zimmer schnell löschen. Der Schuldiener ist feinen Verletzungen im Krankenhaus erlegen. Die Frau war nach den Feststellungen ber Äerzte bereits vor ber Explosion an Gasvergiftung gestorben. Wagner konnte vor feinem Tobe noch angeben, baß seine Frau schwer nervenkrank gewesen sei und bereits vor drei Jahren einen Selbstmordversuch unternommen hatte.
Sprengsloffexpiosion in Frankreich. — Zwei Tote, ein Schwerverletzter.
In St. Genies-le-Bas ereignete sich in einem Wohnhaus eine furchtbare Spreng st offex- p l o f i o n, die mehrere Kilometer zu hören war und drei Wohnhäuser zerstörte. Unter ben Trümmern fanb man eine alte Frau unb ihren Sohn t o t. Der Besitzer eines ber brei Häuser war so schwer verletzt, baß er bisher noch nicht vernommen werben konnte. Die Bewohner bes brüten Hauses konnten sich rechtzeittg in Sicherheit bringen. Ein Hausbesitzer hatte, wie sich herausstellte, eine Kiste mit Sprengstoff zu Steinbrucharbeiten in ben Keller seines Hauses gestellt.
Feuer auf einem algerischen Militärflugplatz.
In einer ber großen Flugzeughallen des algerischen Militärflugplatzes von La Senin bei Dran ist in ber Nacht Feuer ausgebrochen. Da bie Feuerlöschmannschaften nicht ausreichten, um ben Brand zu bekämpfen, griff bie Feuerwehr aus Dran ein. Trotzdem wurde die größte ber Flugzeughallen unb das Darin befindliche Automobilmaterial e i n Raub ber Flammen. Der Sachschaden soll sich auf mehrere Millionen belaufen und würde noch größer sein, wenn nicht ein Teil des Flugzeug- unb Automobilmaterials zurzeit im Manöver gestanden hätte.
Englisches Militärflugzeug abgeftürzt. — Zwei Tote.
Am ersten britischen Preislufttag hat sich in Andover (Hampshire) ein schwerer Unfall ereignet. Dor ben Augen einer großen Zuschauer - menge stürzte ein Militärflugzeug ab und verbrannte. Die beiden Insassen, ein Offizier unb ein Unteroffizier, fanden ben Tod. Dies ist ber neunte schwere Unfall der britischen Luftstreitmacht seit dem 1. Januar b. I. Seit diesem Tage haben 15 Offiziere und Mannschaften ber britischen Luftstreitmacht bei Unfällen ben Tob gefunben. Im vergangenen Jahre waren 38 schwere Unfälle zu verzeichnen, bei Denen 52 Mitglieder dieser Truppe den Tod fanden.
Gefchwindigkeitsrekord eines französischen Fliegers.
Der französische Flieger Delmotte stellte eine neue Welthoch st lei st ung im Geschwindig- feitsflug über 100 Kilometer auf. Delmotte erreichte einen Stundendurchschnitt von 431,646 Kilometern. Er verbesserte damit Den bisher von dem Amerikaner E d e 11 gehaltenen WeltrekorD von 428,138 Kilometern, der seit Februar 1928 bestand.
Sandsturm über Persien.
Persien wurde, wie aus Teheran gemeldet wird, von einem derartig heftigen Sandsturm heim- gesucht, wie er seit Jahrzehnten nicht vorgekommen ist. Große Bäume und Telegraphenstangen wurden umgerissen. Der Fernsprechverkehr ist unterbrochen.
Amerikanisches Verbrecherpaar von der Polizei erschossen.
Wie aus Shreveport (Louisiana) gemeldet wird, ist dort einer ber bekanntesten amerikanischen Schwerverbrecher namens Clyde Narrow zusammen mit seiner Gefährtin auf der Landstraße überraschend erschossen worben. Barrow würbe von ben Behörden in Derdinbung mit etwa einem Dutzenb Mordtaten, mehreren Entführungen unb zahlreichen Banküberfällen gesucht. Die Polizei beobachtete ihn in Begleitung seiner Gefährtin in ber Nähe Des Hauses seiner Verwandten, wo er sich seit etwa sechs Wochen aufhielt; sie eröffneten sofort auf beibe bas Feuer, ehe sie ihrerseits von ben Waffen Gebrauch machen konnten. Der Verbrecher unb seine Gefährtin waren gerabe mit bem Ber- laben von Waffen beschäftigt.
Wettervoraussage.
Deutschlanb liegt immer noch im Bereich hohen Druckes, wodurch bei abfintenber Luftbewegung weiterhin vielfach heiteres unb trockenes Wetter vorherrschen wird, lieber Irland ist jedoch flache Storungstätigkeit zu erkennen, Die unter UmftänDen auch bei uns späterhin Anlaß zu Gewitterbildungen geben Dürfte.
Aussichten für Samstag: Heiter mit zeitweiser HaufenwolkenbilDung, warm Und trocken.
Aussichten für Sonntag: Im wesentlichen Fortdauer der Schönwetterlage.
Lufttemperaturen am 24. Mai: mittags 17 Grad Celsius, abends 9,6 Grad; am 25. Mai: morgens 8,9 Grad. Maximum 18,6 Grad, Minimum 5,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. Mai: abends 19,8 Grad, am 25. Mai: morgens 14,8 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 131/« Stunden.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 34: 11 200. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.
Kaffee IDEE
ärztlich empfohlen


