die Ortsgruppen der DAF. und die B e-। triebe über zweihundert Mann. Das schwarze Zahnrad im weißen Feld darf! nicht durchbrochen sein. Genau wie beim Abzeichen der DAF. muß auch das Zahnrad in den Fahnen 14 Zähne haben. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß bis zum 16. Juni, dem Beginn der sechswöchigen Propagandaaktion der DAF., wenigstens die Ortsgruppen unter den Fahnen der DAF. marschieren.
Aufnahmen ehemaliger Freimaurer in die Deutsche Arbeitsfront.
Berlin, 24. Mai. (DNB.) Das Organifations- amt der Deutschen Arbeitsfront gibt bekannt: Ehemalige Angehörige von Freimaurerlogen können als Mitglieder in die Deutsche Arbeitsfront ausgenommen werden, wenn sie schristlich die eidesstattliche Versicherung abgeben, daß sie irgendwelchen Nachfolgeorganisationen der früheren Logen nicht angehören. Die Bekleidung von Führer st ellenin der Deutschen Arbeitsfront durch ehemalige Freimaurer ist unzulässig. Die Anordnung gilt auch für alle bisher schon in die Deutsche Arbeitsfront aufgenommenen Mitglieder.
Keine Lohnzuschüsse aus öffentlichen Mitteln.
Berlin, 24. Mai. (DNB.) In einem Rundschreiben an die Regierungen der Länder wendet sich der Neichsarbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichsmini st er der Finanzen und dem Reichswirtschaftsmini st er gegen die Versuche örtlicher oder regionaler Stellen, Neueinstellungen von Arbeitslosen in der Privatwirtschaft durch Gewährung von Lohnbeihilfen aus öffentlichen Mitteln zu fördern. Durch ein solches Verfahren würden keine zusätzlichen Absatzmöglichkeiten und somit — gesamtwirtschaftlich gesehen — auch keine zusätzliche Arbeitsgelegenheit geschaffen, vielmehr trete nur eine ungesunde Verschiebung der Wettbewerbsgrundlagen zugunsten der mit Zuschüssen bedachten Betriebe ein. Den durch die Lohnbeihilfen ermöglichten Neueinstellungen ständen also Entlassungen in anderen Bezirken, in denen keine Lohnbeihilfen gezahlt würden, gegenüber. Auch sei
es zweifelhaft, ob das Verfahren wirklich eine Entlastung der beteiligten Fürsorgeträger mit sich bringe, da im Einzelfall nicht einwandftei entschieden werden könne, ob die Einstellungen nicht auch ohne die Gewährung von Lohnbeihilfen erfolgt wären. Aus diesen Gründen ersucht der Reichs- arbeitsminister die Regierungen der Länder, Versuchen mit Lohnbeihilfen aus öffentlichen Mitteln in jedem Fall entgegenzutreten.
Gegen den deutschfeindlichen Boykott in USA
Die deutsch-amerikanische Wirtschaftsschutz- allianz fordert Mitarbeit.
Neuyork, 25. Mai (DNB.-Funkspruch). Die Deutsch-Amerikanische Wirtschaftsallianz (DAWA.) hat in einem Telegramm an Roosevelt gegen den deutschfeindlichen Boykott als Verletzung der Antitrustgesetze von 1890 schärfsten Protest erhoben. Auf dieses Telegramm ging von der General st aatsanwalt schäft Washington folgende Antwort ein:
„Bestätigen Erhalt Ihres an Präsidenten gerichteten Telegramms vom 18. Mai. Erhielten bereits früher von Privatseite Beschwerden über erwähnte Angelegenheit. Erbitten Beweis- material über angeblich gesetzwidrige Tätigkeiten und deren Wirkung auf zwischenstaatlichen und Außenhandel."
Die DAWA. bittet nun sämtliche Firmen, Konzerne, Privatpersonen usw., die am deutsch-amerikanischen Handel interessiert sind, ausführliches Beweis- material, aus dem hervorgehen muß, daß der deutschfeindliche Boykott geschäftliche Verluste verursacht hat, daß ferner dieser Boykott als Ergebnis der Tätigkeit der „Antinaziliga" oder dieser nahestehenden Organisationen anzusehen ist, und schließlich, daß die allgemeinen deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen durch diesen Boykott leiden. Die DAWA. legt großen Wert auf die Beifügung von entsprechenden Kunden- b r i e f e n ober ähnlichen Beweisen. Sie erklärt weiterhin, daß die zuständigen Stellen des Staatsdepartements und des Justizdepartements ihre Verwunderung darüber ausgedrückt hätten, daß sie bisher nicht mehr Proteste gegen den Boykott erhalten hätten. Die Anschrift der DAWA. ist: 347 Madison Avenue Neuyork City.
In der eigenen Falle gefangen.
Ein angeblicher Ookumeniendiebstahl im Gaargebiet. — Unterschlagung oder Provokation?
Hitler-Jugend - Das Deutschland von morgen.
Eine Unterredung mit dem Stellvertreter des Reichsjugendführers.
Berlin, 24. Mai (DNB.) Inhaber des Führerausweises Nr. 1 und des goldenen Ehrenabzeichens der Hitlerjugend, bisher Führer des größten Obergebietes mit 1,5 Millionen Jungen und Mädel, jetzt Stabsführer der Reichsjugendführung und Stellvertreter des Reichsjugendsührers, das ist Hartmann Lauterbacher, der, gerade heute 25 Jahre alt geworden, die Verkörperung des Wahlspruches des neuen Deutschland „Jugend soll von Jugend geführt werden" darstellt. Schon als 12jähriger stand er in der völkischen Jugendbewegung seiner Heimat Tirol. Er führte 1924 in Kufstein die erste Hitlerjugendgruppe Oesterreichs und war dann Pionier der HI. in Braunschweig, bis er 1932 als Gebietsführer in sein bisheriges Tätigkeitsfeld nach Westdeutschland berufen wurde. Einem Vertreter des Deutschen Nachrichtenbüros erklärte der neue Stabsführer u.a.:
Wir sehen in den folgenden Jahren den Zeitpunkt, der das Gesicht des nationalsozialistischen Staates in 10 und 20 Jahren bestimmen wird. So ist das Jahr 1934 mit einer ganz intensiven Schulungsarbeit begonnen worden, die in den Führerschulen der Reichsjugendführung sowie auf Heimabenden, Fahrten und Zeltlagern durchgeführt wird. Weil wir wissen, daß die Hitlerjugend das Deutschland von morgen darstellt, erstreckt sich die Schulungsarbeit auf alle Gebiete und umfaßt auch wirtschaftspolitische, sozialpolitische und kulturelle Ausbildung. Der Vermittlung des theoretischen Wissens geht die Erziehung zu einer bestimmten körperlichen Grundhaltung voran. Auf dem Gebiete des Sports werden nicht Höchstleistungen bezweckt, sondern eine durchschnittlich gute sportliche Leistung soll von jedem einzelnen Jungen erzielt werden.
Die grüßte Bedeutung in der Schulungsarbeit messen wir den Heimabenden zu. Auch den Gemeinschaftsfahrten hat die Hitlerjugend eine neue Bedeutung abgewonnen. Wir führen die Großstadtjugend auf das Land und zeigen ihr die Tätigkeit des deutschen Bauern. Wir führen aber auch den Bauernjunaen in die Großstädte, in das Industriezentrum, fahren mit ihm in den Schacht
des deutschen Bergmannes und stärken in ihm so die Achtung vor dem deutschen Handarbeiter. Das. selbe gilt für die Durchführung der Zeltlager, die von 8- bis 14tägiger Dauer sind und an denen jeder Hitlerjunge und jedes BdM.-Mädel einmal im Jahr teilnimmt.
Die ganze Haltung der HI. ist für jeden von uns nichts anderes als die Verfechterin der F r o n t i d e e. Jeder, der uns eine andere Haltung zumutet, kennt den Nationalsozialismus in feiner letzten Konsequenz noch nicht. Es ist deshalb die größte Verleumdung, die man der HI. antun kann, wenn man erklärt, sie stelle sich in Gegensatz zum Frontsoldatenturn. Wir sehen im Frontsoldaten den größten Helden und wir verehren ihn. Wenn wir nun angegriffen werden, so müssen wir diese Angreifer in die Front der augenblicklich von der Be- roegung bekämpften Nörgler und Meckerer ernreihen, die besser täten, die HI. erst einmal kennen zu lernen. Jrn übrigen gibt es in der nationalsozialisti- scheu Bewegung gar keinen Gegensatz zwischen Jugend und Alter. Es gibt nur einen Gegensatz zwischen der HI. und den reaktionären greisenhaften Menschen, die die neue Jugend nicht verstehen wollen. Für den Nationalsozialismus bedeutet „Jugend" nicht ein zeitlich gebundener Begriff, sondern eine ganz bestimmte Lebenshaltung, ein ganz bestimmter Lebensstil.
Ich möchte grundsätzlich betonen, daß die HI. nicht gegen d i e katholische Kirche einge» stellt ist. Für uns gilt das Wort des Führers: „Der Nationalsozialismus steht auf dem Boden des posi. tiven Christentums." „Man gebe der Kirche, was der Kirche ist, und dem Staate, was dem Staate gehört". — Dem Staat gehört aber die körperliche und geistige Erziehung der Jugend, die kirchliche Betreuung ist bann Sache der zuständigen Kaufes, fion. Es muß festgestellt werden, daß große Telle der katholischen Jugend von sich aus bereits zur HI. übergetreten sind. Und zwar sind es Hundert» taufende, die den Weg zu uns gefunden haben. Wir erstreben eine Einigung der gesamten deutschen Jugend in der HI., um die einheitliche Erziehung der Jugend dem Führer und der Zukunft gegenüber |ju garantieren.
Masaryks Wiederwahl zum tschechischen Staatspräsidenten.
Von unserem A.-Äerichterstatter.
Einen Reinsall von seltenen Ausmaßen hat die Pariser Presse in diesen Tagen erlebt. Man kann es vielleicht ohne jede Schadenfreude als „aus- gleichende Gerechtigkeit" betrachten, wenn die unsterbliche Blamage, die sich diese Presse zugezogen hat, dazu führen sollte, daß tms übrige Ausland die üblichen Tatarennachrichten aus Paris etwas schärfer auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht, als das bisher leider der Fall war. Es hat sich heraus- gestellt, daß ein Dokumentendieb stahl aus der französischen Domanialschule von Friedrichsthal im Saargebiet, den die Pariser Pressehyänen mit merkwürdiger Einstimmigkeit als „b e ft e 111 e A r - beit" von Berlin auszuschlachten suchten, von drei naturalisierten Franzosen begangen sein soll. Ehemalige Saarländer also, die um ihres persönlichen Vorteils willen die französische Staatsangehörigkeit erwarben, hätten ' die ihnen von ihren französischen Auftraggebern anver- trauten Dokumente „gestohlen".
Der Tatbestand ist höchst verdächtig; denn die Frage, die sich sofort aufdrängt, lautet: Wer hat Interesse an dem Besitz dieser Dokumente? Von französischer Seite ist gleich behauptet worden, d i e Nationalsozialisten hätten den Einbruch verübt ober verüben lassen, um neue Unterlagen für ben unzulässigen französischen Druck auf deutsche Eltern zu gewinnen. Von deutscher Seite ist eine Beweisführung für einen solchen Druck bereits in einem Umfange erbracht, daß es eines Dokurnen- tendiebstahles gewiß nicht mehr bedurfte. Der große Röchling-Prozeß, der bekanntlich mit dem Freispruch des deutschen Jnduftrieführers von der Hauptanklage endete, hat uns und den Saarländern überwältigendes Material geliefert. Man
soll unsere Volksgenossen an der Saar doch nicht für dümmer halten als sie sind.
Daß aber der Zwischenfall — wenn er sich überhaupt in der Wirklichkeit und nicht nur in dem phantasiebegabten Gehirn eines ftanzösischen Propagandisten abgespielt hat — den Franzosen sehr gelegen gekommen ist, daran ist angesichts der Einmütigkeit, mit der in allen Tonarten die Besetzung des Saargebietes durch internationale (ließ: ftanzösifche) Polizeitruppen gefordert wird, nicht zu zweifeln. Es lag also wirklich ein sehr handgreifliches Interesse vor, zur Erschütterung der unangreifbaren deutschen Stellung einen „Fall" zu schaffen oder auszunützen, der die Genfer Saarverhandlungen und -Beschlüsse im französischen Sinne entscheiden sollte. Daß dieser „Fall" gegen Deutschland sich mit überraschender Schnelligkeit in einen „Fall" gegen Frankreich verwandelt hat, ist auch darum besonders interessant, weil von ihm auch Zeitungen wie das „Echo de Paris" und der „Petit Parisien" betroffen werden, die zu den amtlichen Pariser Stellen in aüerengfter Beziehung stehen. Es wird den Franzosen nicht gelingen, durch solche Provokationen die erhofften Unruhen in der deutschen Saarbevölkerung hervorzurufen. Die unerschütterliche Disziplin der Saardeutschen, die auch fernerhin jedem Vorwand zum Eingreifen fremder Polizeikräste den Boden entzieht, ist erst jetzt wieder in wunderbarster Weise in Erscheinung getreten: Das von der Saarregierung geduldete rote Pfing st treffen in Saarbrücken ist von der Bevölkerung mit eisigem Stillschweigen ertragen worden, und ben französischen Stubenten, bie in Saarlouis mit dem Deutschlandlied begrüßt wurden, wurde kein Haargekrümmt.
Weiter Frauenfeld-Wien berichtet der presse über die tage in Oesterreich.
München, 24. Mai (DNB.) Gauleiter Frauenfeld-Wien gab Vertretern der Münchener Presse eine Unterredung über seine Tätigkeit in Wien sowie insbesondere über seine „Flucht" in Gemeinschaft mit seinem Stellvertreter nach Deutschland. Grundsätzlich müsse er sagen, daß bas in der Presse gebrauchte Wort „Flucht" in keiner Weise zutrifft. Er habe sich auf freiem Fuß befunden, fei zu keiner Strafe verurteilt, sondern habe lediglich die Stabt nicht verlassen dürfen und ein Verbot jeglicher Parteitätigkeit gehabt. Vom 10. Januar an sei er in Wollersdorf gewesen. Dort sei er wie alle Insassen feinet; Baracke an der Ruhr erkrankt. Als letzter sei er nach zwei Monaten aus dem Spital entlassen worden mit dem Befehl, kein Telephon und fein Auto zu benutzen sowie jedes Verlassen seiner Wohnung der Polizei mitzuteilen, also eine nach der österreichischen Verfassung völlig ungesetzliche Behandlung. Er habe sich deshalb entschlossen, Oesterreich zu verlassen. Nochmals betone er, daß er nicht geflohen sei, da er ja n i ch t verhaftet gewesen sei; er habe nur vergessen, sich bei der Polizei abzumelden.
„Dir beide, Neumann und ich, sind ziemlich offen durch Oesterreich gereift, an vielen Orten erkannt und gerade deshalb nicht selten unterstützt worden. Denn die Regierungsleute in Oesterreich reifen, bann müssen 300 Beamte zu ihrem Schuh aufgeboten werden, während
-ro i r höchstens einen Schuh vor der Begeisterung unserer Anhänger brauchen. Ich hoffe, in nicht allzuserner Zeit nach ' Oesterreich zurückzukommen; denn schließlich
sind doch wir Nationalsozialisten mit unseren 70 bis 80, ja in manchen Gegenden sogar bis zu 90 v. H. Anhängern allein berechtigt, die Regierung in die Hand zu nehmen."
Die Sozialdemokratie, so erklärte Frauen
feld weiter, werde jetzt wieder ganz anders von der Regierung behandelt. Es werde ihr alles wieder zurückgegeben, was man beschlagnahmt habe, mit Ausnahme der Waffen. Alle sportlichen Einrichtungen, sogar ihre Hütten im Gebirge, habe die Partei wieder erhalten. Man sage, es sei dies geschehen mit Rücksicht auf den Bundespräsidenten Miklas, der der Sozialdemokratie freundlich gegenübergestanden habe, wegen ihrer Haltung bei feiner Präsidentschaftswahl.
Das tägliche Leben im Lager Wölkersdorf
muß für den, der kein Nationalsozialist ist, ein unerträgliches Leben der Qual sein. Uns wurde es erträglicher durch unsere unzertrennliche Kameradschaft. Die Zustände selbst sind dort geradezu scheußlich. Anfänglich haben die Häftlinge beim Betreten der Baracken nur wüste Schutthaufen vorgefunden. Es mußte alles selbst beschafft werden, damit man sich überhaupt aufyalten konnte. Später hat dann jeder von uns selbst seinen Platz ausgestattet, so etwa, wie man es im Felde im Unterstand getan hat Wir waren lediglich auf das uns gelieferte Essen angewiesen, das oft in ungenießbarem Zustande verabreicht wurde. Beispielsweise wurden einmal im Fleisch Maden vorgefunden. Dies gab nicht selten Anlaß zu Hungerstreik. Die Ruhrerkrankungen wurden zuerst einfach damit erledigt, daß die Erkrankten nacheinander ins Spital eingeliefert wurden. Ein Amtsarzt, der nach einer Pause von drei Wochen wieder einmal ins Lager kam, wies von 300 Untersuchten 30 ins Spital ein, von denen aber eine Anzahl keine Aufnahme finden konnte und deshalb zurückkam. Man hat ja Leute wegen ihres Austritts aus der katholischen Kirche in die psychiatrischen Kliniken eingeliefert. Erst dann, als die Massenaustritte aus der Kirche erfolgten, konnte man selbstverständlich nicht mehr zu diesem Täuschungsmittel greifen.
präg, 24. Dai. (DNB.) Die tschechoslowakische Nationalversammlung wählte T. G. Masaryk zum drittenmal zum Präsidenten der Republik. Von 420 anwesenden Mitgliedern der Nationalversammlung wurden bereits im ersten Wahlgang 418 gültige Stimmen abgegeben. 327 Stimmen lauteten auf den Namen T. G. Masaryk. 38 Stimmen lauteten auf den Kommunisten Gottwald. Da bei der ersten Abstimmung für die Gültigkeit der Wahl die Dreifünftelmehrheit der Stimmen aller Anwesenden erforderlich ist, ist prof. T. G. Masaryk mit einer überwältigenden Mehrheit neuerdings zum Präsidenten der tschechoslowakischen Republik gewählt.
Die Tschechoslowakei hält sich etwas darauf zugute, inmitten des Wandels der Zeiten — der Staatsformen und Menschen um sie herum — eine Insel zu bleiben. Sie nennt sich zwar eine Insel der DemokraKe, in Wirklichkeit aber ist es eine Insel des äußer st en Konservativis- m u s ! Denn es gibt außer ihr keinen Staat der Welt, in dem seit 1918 die bestimmenden Personen der Staatsführung, der Staatspräsident und der Außenminister, stets dieselben geblieben sind. Das hat gewiß Vorteile — die Minister Barthou bei seinem letzten Prager Besuch in liebenswürdigster Form hervorhob —, weil scheinbar dadurch eine gewisse Konstante in der Slaats- führung gewährleistet erscheint. Aber auch nur scheinbar, denn auch eine Insel kann sich dem Einfluß der Sturme nicht entziehen, die um sie herum in den Meeren toben. Aus der anderen Seite legt ein solches starres System die Gefahr nahe, daß neue, Heranwachsende Kräfte nicht beachtet werden und daß die eines Tages doch unvermeidliche Aenderung zugunsten der jungen Generation dann explosivartiger erfolgen könnte, als es anderswo der Fall ist...
Es bestand von vornherein gar kein Zweifel, daß am 24. Mai der bisherige Staatspräsident Masaryk in Wirklichkeit zum vierten Male, verfassungsmäßig aber zum dritten Male auf eine Periode von sieben Jahren wiedergewählt wurde. Die erste Staatspräsidentschaft war, solange die sogenannten Friedensverträge der Pariser Vororte noch nicht abgeschlossen waren, eine vom rechtlichen Standpunkt nicht ganz feststehende Tatsache. 1920 und 1927 wurde Masaryk jedoch, jedesmal im ersten Wahlgang, von der tschechoslowakischen Nationalversammlung gewählt, die aus einer gemeinsamen Sitzung der Mitglieder des Senates und der Abgeordnetenkammer besteht. Die tschechoslowakische Verfassung besagt ausdrücklich, daß ein und dieselbe Persönlichkeit, mit Ausnahme des „S t a a t s g r ü n d e r s" Prof. Th. G. Masaryk, nicht zweimal hintereinander zum Staatspräsidenten gewählt werden kann. Masaryk wurde durch einen Sonderartikel der Verfassung das Recht zu- erkannt, bis an sein Lebensende immer wiedergewählt zu werden. Die Prager Nationalversammlung hat von dieser Möglichkeit tatsächlich Gebrauch gemacht. Die Mehrheit, die der Präsident Masaryk diesmal erhielt, ist weit größer, als er sie jemals früher bekam. Es wäre allerdings ein Irrtum, daraus allein schon auf eine stärkere Konsolidierung der Tschechoslowakei schließen zu wollen. Es hat nur auch das frühere demokratische System solche Wandlungen durchgemacht, daß es sich heute in Wirklichkeit um eine absolute Herrschaft der Mehrheitsparteien handell, die von den ihnen zugestandenen Ermächtigungsgesetzen nach jeder Richtung Gebrauch machen kann. Ste ist daher imstande, jede Opposition, auch wenn es eine solche ernsthaft geben würde, auf dem Wege der Gesetzgebung mundtot zu macyen, wie es mit den nationalen sudentendeutschen Parteien im Vorjahre geschehen ift.
Man kann nicht sagen, daß der Einfluß des Präsidenten Masaryk praktisch auf die Staatsgeschäfte besonders groß ift. Es wäre vielleicht für den tschechoslowakischen Staat vielfach besser ge
wesen, wenn dem Präsidenten Masaryk mehr Macht zugetellt worden wäre. Dennoch gilt er, wie etwa der alte Kaiser Franz Joseph im alten Oesterreich, als das Symbol des Staatswillens, als das „Väterchen Masaryk". Man weiß sehr genau, daß er, wenn auch nicht direkt, so doch durch vielfache Beziehungen und durch gelegentliche öffentliche Kundgebungen sich immer wieder bemüht, Fehler auszugleichen, die zweifellos durch das in der Tschechoslowakei herrschende System verursacht werden. Er hat sich noch vor kurzer Zeit bitter über bie Mißstände in der Verwaltung und über die ungeheure Korruption ausgesprochen, die bis in die höchsten Stellen reiche. Daß er, als er zum erftenmaZe nach Friedensschluß tschechoslowakischen Boden betrat, gleich 1919 als erste Begrüßungsworte dem tschechischen Volke zurief: „Nichts fürchten und nichts stehlen!", hatte zweifellos feine besondere psychologische Bedeutung. Ebenso seine wiederholte
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Mahnung: „Demokratte ist Diskussion, aber auch Arbeit, vor allen Dingen Arbeit!" Es hat nicht den Anschein, als ob in den bisher sechzehn Iah« ren des Bestandes der Tschechoslowakei diesen Mahnworten des greifen Staatsoberhauptes stets die rechte Würdigung zuteil geworden wäre .. -
Die Tschechen verstehen sich auf historische Schauspielkunst. Aus der Tradition und aus der Erkenntnis, ja aus dem lebendigen Gefühl für ihre historische Vergangenheit entsprang ihr Nationalismus, entsprang die Kraft zur sogenannten „Wiedererweckung". Die Tschechen sind ein Beispiel für die alte Lehre, daß jedes Volk zu großen Taten befähigt ist, das die Geschichte seiner Ahnen richtig in sich aufgenommen hat, sie versteht und sie im gleichen Sinne fortzusetzen sucht. Das sind übrigens Gedankengänge, die den Tschechen unmittelbar von Arndt, Körner, F. L. Jahn und den deutschen Romantikern vermittelt wurden. Vor allen Dingen aber von Herder, dessen Geschichte Philosophie so viel dazu betgetragen hat, daß gerade die schon fast verschollene Geschichte der Sla* wen wieder lebendig wurde. Anknüpfend an iij* alte Geschichte, die vor allem im Kampfe um Die Freiheit gegen die Habsburger bestand, haben sich die Tschechen den historisch denkwürdigen Saal als Schauplatz der Präsidentenwahl auserkoren, den t» den Jahren 1493 bis 1502 König Wladislaw II., öe Jagellone, auf der Prager Burg, dem HradfchA im spätgotischen Stil erbauen ließ. Der Saal w keineswegs nur ein Repräsentationsraum JJ Prager Burg und der Ort von Hoffesten. Er w


