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Freitag, 25. Mai 1934

Nr. U9 Lrster Blatt

184. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

die Abrüstungsfrage solange z u ,v er­folgen, bis der Völkerbundsrat die Zeit für die Einberufung einer neuen großen Ab­rüstungskonferenz wieder für gekommen erachten 'werde. Auch englischerseits wurde man nichts unternehmen, um eine Fortsetzung der jetzi­gen Abrüstungskonferenz zu bewerkstelligen.

Die Korrespondentin gibt auch Aufschlüsse über den englischen Vorschlag zu einem Luftab- rüstungsabkommen, er sei längere Zeit von

Der Locarno-Pakt ist seinerzeit geschlossen worden, um Frankreich ein gewichtiges Sicherheitspfand in die Hand zu drücken. Doch Paris hat es verstanden, diesen Pakt durch seine enorme Aufrüstung sehr rasch zu entwerten, weil es damit zum Ausdruck brachte, daß es zu seinen militärischen Machtmitteln ein wesentlich größeres Z ut r a u e n habe als zu der feierlich ausgespro­chenen italienischen und englischen Bereitschaft, es sofort zu unterstützen, falls seine Ostgrenze und damit seine Sicherheit irgendwie angetastet oder gefährdet werden sollte. Inzwischen hat sich nun bei den Garantiemächten, also Groß­britannien und Italien, eine zunehmende Locarno- Müdigkeit bemerkbar gemacht. Denn in beiden Staaten ist man zu ber Erkenntnis gekommen, daß dieser Vertrag völlig entwertet wird, wenn Frankreich an seinem Aufrüstungstempo festhält und seinen Rüstungen Spitzen gibt, die nicht nur gegen Deutschland, sondern auch gegen den englischen und italienischen Nachbarn gerichtet sind. Trotzdem haben sich die Regierungen in London und Rom bemüht, dem französischen Sicherheitsbedürfnis noch weiter entgegenzukommen, haben aber damit wegen der unerfüllbaren fran­zösischen Bedingungen Schiffbruch erlitten.

Wie die Stimmung bei den Garantiemächten heute ist, geht wohl am besten aus einem Vortrag des Direktors derTribuna", Senator Davan- z a t i, hervor, den er vor einem ausgewählten Kreis in Brüssel hielt. Davanzati übte an den Genfer Methoden Kritik und warf dem Völker­bund insbesondere vor, daß er in der Vergangen­heit fast ausschließlich ein Instrument von

den zuständigen französischen militärischen Stellen geprüft worden, man halte ihn jedoch in franzö­sischen Regierungskreisen für kaum annehm­bar. Nach dem englischen Vorschlag hatten die Hauptmächte die Verpflichtung übernehmen sollen, sich jedes F l u g z e u g b o m b a r d e m e n t s außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu enthalten, ohne daß jedoch die für den Jnlands- verbrauch bestimmte Flugzeugherstellung einge- schränkt worden wäre.

Versailles gewesen sei. Es sei eine Tatsache, daß die Siegerstaaten weder zu Lande, noch zu Wasser, noch in der Luft abgerüstet hätten. Darum habe Mussolini erklärt, daß man Deutschland eine gewisse Aufrüstung zugestehen müsse. Wenn jetzt ein Avkommen auf dieser Grund­lage nicht zustandekomme, so werde sich Deutsch­land als von jeglicher Verpflichtung entbunden ansehen und werde sich der Fesseln für seine Rüstungsverstärkung entledigen. Die Sicherheitsgarantien, die Frankreich for­dere, könnten nur dann gewährt werden, wenn ein internationales Rüstungsabkommen zustande komme. Im anderen Falle müßten End­land und Italien sich die Frage vorlegen, ob sie die Sicherheitsgarantien, die sie im Locarno- vertrag übernommen hätten, noch weiter gewähren könnten.

Senator Davanzati hat ganz gewiß nicht seinö private Meinung zum Besten gegeben. Infolgedessen kommt seiner Äeußerung besondere Bedeutung zu. Sie zeigt, daß die irrsinnige Aufrüstung Frank­reichs das Gebäude des Locarnopaktes erschüttert hat und daß es durch Frankreichs Schuld nicht mehr als eine Bastion des Friedens angesprochen werden kann. Die Rede des Italieners dürfte ihren Eindruck gerade auf die belgischen Zuhörer nicht verfehlt haben, denn es ist bekannt, daß die bel­gische Außenpolitik in den Locarnoverträgen einen Grundpfeiler der Sicherheit Belgiens erblickt.La Nation Belge" schreibt, diese Erklä­rungen des italienischen Senators seien eine Warnung, deren Ernst man nicht noch besonders zu unterstreichen brauche.

Die Schweiz lehnt einen Eintritt Rußlands in den Völkerbund entschieden ab.

Furcht vor der bolschewistischen Propaganda.

beilsschlacht in den Veschäfkiglenziffera zum Ausdruck. Die Arbeilslosenzahl ist vom Jah­resbeginn bis Ende April um 1 450 000 gesunken, die Veschäftigtenziffer hingegegen um 2 0 3 9 0 0 0 gestiegen. 3n keinem Jahre, auch nicht in dem konjunkturgünstigen Jahr 1929, ist die Be­schäftigtenziffer in den er st en vier Mona­ten des Jahres in einem derartigen Um­fange gestiegen wie im Jahre 1934. Die Zu­nahme der Veschäftigtenziffer war besonders groß im März (plus 720 000) und im April (plus 639 000), in dem die Arbeitslosenzahl um 574 000 und 190 000 gefallen ist. Insgesamt ist die Veschäf­tigtenziffer in diesen beiden Monaten u m 595000 mehr gc(Hegen als die Arbeits­losenziffer zurückgegangen ist.

Oie Fahne der Deutschen Arbeitsfront

Berlin, 24. Mai. (DNB.) Das Propaganda- und Presseamt der Deutschen Arbeitsfront gibt be­kannt: Berechtigt, die Fahne der DAF. mit Spitze und Metallfchild ZU führen, sind bis auf weiteres

spricht das den inneren Anlagen der beiden Völker. Die Ziele, an die sie beide zu gelangen hoffen, dürf­ten nicht weit von einander entfernt liegen.

Oie Zahl der Beschäftigten hat im April um 640000 zugenommen.

Berlin, 24. Mai. (DRV.) Nach den neuesten Ergebnissen der von der Reichsanstalt für Ar­beitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung be­arbeiteten Krankenkassenmitgliederstatistik hat die Beschäftigtenzahl im April um rund 640 000 zugenommen. Damit ist ein Be­schäftigtenstand von 15 326 000 erreicht, der um 2 628 000 über der Vorjahrsziffer vom gleichen Stichtage und von 3 839 000 über dem Tiefstand der Beschäftigung im Januar 1933 liegt

Deutlicher noch als in der Entwicklung der Ar­beitslosenzahl kommt der große Erfolg der Mr-

So n b o n, 25. Mai. (DNB.-Funkbericht.) Das ArbeiterblattDaily H e r a l b" veröffentlicht einen Aufsatz seines in Deutschlanb weilenben biplo- matischen Korresponbenten W. N. Ewer, ber beach­tenswert ist, weil er sich in einem Blatt findet, bas seit 16 Monaten einen ununterbroche­nen Kampf gegen bas neue Deutsch­lanb führt. Gegenstand) bes Aufsatzes bildet bie Frage ber beutschen Rüstungen unb bes soge­nanntenpolitischen Militarismus". Der Verfasser hält es für unzweifelhaft, baß Deutsch­lanb aufrüste, glaubt aber, baß die Rüstungen unge- ähr den Richtlinien der britischen )enkschrift entsprechen. Andererseits tritt der Verfasser der Ansicht entgegen, daß dasDril­len" bei der SS., SA., in den Arbeitslagern und Schulen große militärische Bedeutung habe.

Die Frage, ob Deutschland aus Krieg aus­gehe, verneint er. Als treibende Kraft der gan­zen Wehrpolitik Deutschlands bezeichnet er vor allem den leidenschaftlichen Wunsch nach gleicher Rechts st ellung. Der Durchschnittsdeutsche empfinde die seinem Lande auferlegten Sonderbestimmungen, die es von anderen Rationen unterscheide, als Schmach und habe das Gefühl, wie ein Verbrecher behandelt zu werden.

Ferner fei es klar, daß Deutschland so gut wie wehrlos dastehe, sei es an den Grenzen doch von schwer bewaffneten Nachbarn um­geben. Man rufe Deutschland zu, daß niemand die Absicht habe, es anzugreifen, aber keine andere Regierung gebe sich bezüglich ihrer eigenen Politik mit einem solchen Argument zufrieden. Der Ver­fasser sagt:

Welche britische Regierung würde sich be- , reitfinden, auf den deutschen Stand abzu- rüsten, während die anderen Staaten bewaffnet blieben? Ist es überraschend, daß die Deutschen sich wegen ihrer Verteidigung gegen Luftangriffe aufregen und Zivilflugzeuge bauen?

Schließlich behandelt der Korrespondent noch die Frage der angeblichen riesigen Propaganda für einen Rache- und Rückeroberungs­krieg und sagt, wenn es eine solche Propaganda gebe, dann müsse sie so versteckt und geheim sein, daß sie nicht sehr wirksam sein könne. Er habe eifrig danach gesucht und habe nichts gefun­den. Der Verfasser schließt:

Ich habe keine Spur von wütender und aufwühlender Kriegspropaganda gefunden, ich habe ein Land gefunden, das aufrüstet und das entschlossen ist, aufzurüsten, wenn seine Rachbarn nicht abrü- st e n. Ein schwer bewaffnetes Europa, ein Europa, das sich wieder den alten Wegen der Bündnisse und Intrigen, der Eifersüchteleien und Drohungen zuwendet, ist eine furchtbare Gefahr, aber es ist eine europäische Ge­fahr und ein europäisches Problem oder viel­mehr ein Weltproblem. Wenn wir aber darin ein rein deutsches Problem sehen, wenn wir in deutschen Rüstungen und nicht i n den Weltrü st ungen die Gefahr erblicken, dann werden wir sicher nichts als Ver­wirrung anrichten.

Die Mckverweisuna der Ab- rüsiungssraae an denVölkerbund

Paris, 25. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die außenpolitische Korrespondentin desOeuvre" rech­net damit, daß der Eintritt Sowjetruß­lands in den Völkerbund Ende dieses Monats in Genf für den Herbft angetün-- digt werde, und daß ein Ausschuß des Völkerbundsrates, dem auf alle Fälle Sowjetrußland und die Vereinigten Staaten angehören werden, beauftragt werde.

Frankreichs Mungenbedrohendenlocarnopakt

Oie Sarantiemächte werden stutzig.

fterien unterbreitet werden muß, so läßt sich der außerordentliche regulierende Anteil erkennen, den sich hier die Gesamtheit gegenüber dem Individuum gesichert hat.

Eine Gefahr, die der bisherige syndikalistische Auf­bau manchmal nicht vermeiden konnte, nämlich die der Bürokratisierung, birgt auch die neue Ordnung. Sie besteht hauptsächlich in der außer­ordentlichen Kompliziertheit des Organismus und in den schwierigen Ueberschneidungen, die sich durch das Weiterbestehen der Konföderationen ergeben. Daß man sich auch in Italien darüber klar ist, wie viel vorn gesunden Willen der Beteiligten zu einer wirklich aufbauenden Arbeit abhängt, zeigen so manche Presfekommentare. Es bedarf, möchten wir sagen, eines neuen Menschen, eines neuen wirtschaftlichen Typus, um der korpora­tiven Konstruktion Leben einzuflößen. Die deutsche Arbeitsgesetzgebung hat von Anfang an diese Not­wendigkeit erkannt und versucht, die Grundlagen für ein neues Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu schaffen. Während man in Italien mehr von der logischen Konstruktion ausgeht, hat man in Deutschland mehr Gewicht auf die Revolu­tionierung des Menschen gelegt; und vielleicht ent-

Oie Wahrheit Über Deutschland.

Ein britischer Kronzeuge für die Aufrichtigkeit des deutschen Friedenswillens

Das neue Arbeitsgesetz Italiens.

Von unserem H. M.-Äerichierstatier.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Rom, im Mai 1934. -

Nach dem Korporationsgesetz vom 1 5. Februar, bas nur sehr allgemeine Richtlinien 1 für die Gründung und die Aufgaben der zukünftigen 1 Korporationen gewiesen hatte, war die Umsetzung dieser Richtlinien in die Praxis vom Korporations- ' minifterium in Zusammenarbeit mit anderen Mini- \ fterien und den bestehenden korporativen Organen, 1 die syndikalistischer Natur waren eingehend \ studiert worden. Das Korporationsgesetz überließ die Gründung der Korporationen einem Erlaß Mussolinis, und der jetzt vorliegende Plan, der durch diesen Erlaß in Kraft gesetzt werden wird, ist wiederum ein Werk Mussolinis. Sehr widerstrei- ' lende Interessen hatten sich unterdessen gegeneinan­der gestellt, und auch heute noch ist der Streit zwi- 1 schen den Anhängern des Syndikalismus und ihren Gegnern, zwischen den Befürwortern der Kategorie­korporationen und der Korporation des Produk­tionszyklus keineswegs ausgetragen. 'Entschieden wird er nur durch das Machtwort des Duce.

Der bisherige korporative Aufbau der italieni­schen Wirtschaft, wie er feit 1926 in die Wege ge­leitet war, beruhte im wesentlichen auf dem alten gewerkschaftlichen System. Die Syndikate waren nur faschistisiert worden und die Beziehungen zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitergeber-Syndikaten wur­den zwangsweise vom Staate geregelt. Irgend eine Ueberroinbung bes Klassengegensatzes war im üb­rigen gar nicht versucht worden. Der syndikale Auf­bau gipfelte in den Konföderationen, deren Zahl dreizehn betrug. Bemerkenswert ist nun, daß mit der Gründung der Korporationen die Konföderationen nicht verschwinden wer- d e n, sondern daß lediglich ihre Zahl auf neun ver­mindert wird. Der Grund für ihr Weiterbestehen, das im Rahmen des sehr klaren Korperationspla- nes eigentlich gar nicht logisch ist, dürste einmal im Widerstand der Syndikate selbst gegen eine Auf­lösung zu sehen sein man lese nur die Artikel des syndikalistischen BlattesLavoro Fascista" zum anderen aber in ber Absicht, vorsichtig vorzugehen unb nicht Bestehenbes zu zerstören, bevor bas Neue seine Lebenskraft bewiesen hat. Denn es ist offensichtlich, baß ber bisherigekorpo­rative" Staat in seiner synbikalistischen Form ben hohen Erwartungen nicht entsprochen hatte, bie man an ihn stellte. Er funktionierte nur, weil ber Saat stark war, nicht aber weil aus ben Synbikaten unb Konsöberationen selbst wirkliches Leben strömte. Mit ber ©rünbung ber Korporatio­nen nun soll ein neuer Abschnitt beginnen, ber zwar von italienischer Seite als organisch im Zuge ber Entwicklung liegenb bezeichnet wirb, in Wirklichkeit aber einen anberen, einen neuen Versuch barstellt.

Der Organisationsplan für bie Korporationen, wie er nun vorliegt, ist ohne Zweifel berounbersroert einheitlich unb klar burchaearbeitet. Genau wie wir Deutsche uns verfrühte Kritik an unserer Arbeits­gesetzgebung energisch verbitten mußten, so ist es auch bei ben Korporationen noch nicht an der Zeit, ein Loblieb anzustimmen ober abfällige Kritik zu üben. Es genüge baher bie Feststellung, baß bie kor­porative Konstruktion als solche geschlossen unb or­ganisch auf bem Papier steht. Es wirb freilich sehr viel am guten Willen unb am tieferen Verstanbms ber Mitarbeiter liegen, wenn fruchtbares Leben daraus entspringen soll.

22 Korporationen in drei Gruppen werben gegrun- bet. Maßgebenb ist für bie Zugehörigkeit ble V er- tretung bes Probuktionszyklus, nicht Die Vertretung ber Kategorie, wie bas zuerst vorge- leben war Was bebeutet bas? Orbnet man bie Menschen nach 21 r b e its f a tegor ien, so ver­eint man alle Fachleute unb Facharbeiter ohne Rücksicht barauf, wofür sie ihr Fach ausuben, b. h. lämtliche Chemiker, sämtliche Zmimerleute, samt- lliche Feinmechaniker, sämtliche Klemhanbler usw. Die Ordnung nach dem Produktlonszyk- IIus jedoch umfaßt in einer Korporation alle neue Arbeitnehmer und Ar b e 11 g e b e r, fcie ohne Rücksicht auf ihr eigentliches Spezialfach «oder Handwerk, an der Erzeugung eines bestimmten P r o d u k t e n k r e l f e s mitar» Leiten. So wird ein Chemiker nicht unbedingt xur 10 Korporation, ber ber Chemie, gehören Sten 'er kann ebensogut ber 2. Korporation züge­lst fein bie sich bie bes Garten- Blumen- unb -Fruchtbaues nennt. In ihr ist nämlich auch bie In- tbuftrie ber Derivate unb Essenzen mit je Zwei Ar- Bbeitaebcrn unb Arbeitnehmern vertreten. Also eine ichemische Angelegenheit. Ebenso ist es für mele Uanbwerker, für viele Sozialarbeiter unb vor allem für bKaufleute, bie jeweils ber Korporation ange- liören bie ihren Probuktwnskreis vertritt.

Die' tiefste Bebeutung ber Drbnung nach bem WroduktionMklu- scheint in dem Umstande zu «- qen daß aus diese Weise widerstrebende Intere en innerhalb der Korporationen zus°mm-ng°!°ßt stnd ä B'S'«Ä A » bleicher Zahl vertreten gegenüber, fonbern mieberum Lch Arbeitnehmer mit gegensätzlichen wirtschaft- licken Interessen In der Textilkorporation z. B. sitzen meben ben Vertretern bes Rohstofshanbels b«- Ver­treter ihrer Abnehmer, b. h. ber ^^^warenp Renten, unb die Getreidekorporation.umfaßt den Waner sowohl als seinen Abnehmer, ben Getreibe- tänbler. Da nun jeher ber 22 Korporationen brei -Vertreter ber faschistischen Partei °ugehören mb foer Staat seinen Einfluß baburch sichert, Daß oie Thefs ber interessierten Behörben Äut^ttsrecht h - iben unb bie Tagesorbnung ben betreffenben Mim-

ginn einer großangelegten sowjetrussischen Propaganba in ber Schweiz.

Selbst bie immer franzosenfreunblicheG a zette be Lausanne" gibt ben Franzosen zu bebenfen, baß ein Bünbnis Frankreichs mit Sow- jetrußlanb bie Englänber veranlassen könne, sich Deutschlanb wieber stärker zu nähern, was an sich bem Wunsche Macbo- nalbs entspreche. Auch bie mühsam verbesserten Beziehungen zwischen Paris unb Rom würben baburch von neuem in Frage ge stellt werben.

DasBerner Tageblatt" roenbet sich eben­falls mit großer Schärfe gegen ben Eintritt Sowjet- rußlanbs in ben Völkerbunb unb gegen bie An­erkennung burch bie Schweiz. Es befürchtet, baß man im Bunbeshaus in biefer Frage boch nicht fest genug bleiben werbe. Deshalb erinnert es an bie Gefahren, bie für bie Schweiz erwachsen würben, wenn erst einmal eine sowjetrussische Ver­tretung in Bern vorhanden sei. Die Sowjetge­sandtschaft mit ihrer GPU.-Abteilung könnte in der Schweiz nach Belieben wühlen unb ihre Tätigkeit von hier aus nach anberen ßänbern

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Genf, 24. Mai. (DNB.) Angesichts der Wahr­scheinlichkeit, daß die Anwesenheit des russischen Außenministers Litwinow in Genf in der kom­menden Woche zu Verhandlungen über den Eintritt Rußlands in den Völker- b unb unb über ben russischen Plan eines auf Europa beschränkten gegenseitigen Hilfelei­stungswerkes führen wirb, beschäftigt sich bie schweizerische Presse wieber ausführlich unb zum Teil leibenschastlich mit biefen Fragen unb ihre möglichen Rückwirkungen auf bie Schweiz.

DasJournal de Geneve" läßt sich aus Bern melden, daß man dort wieder von einem diplomatischen Druck auf die Schweiz rede mit dem Ziel, den Widerstand der schweizeri­schen Regierung gegen den Eintritt Rußlands in ben Völkerbunb zu überroinben. Gleichzeitig wünsche man als Voraussetzung für ben Eintritt Ruß- lanbs bie formale Anerkennung Sow - jetrußlanbs burch bie Schweiz. Das Blatt hofft, baß bie Bunbesregierung im Einklang mit ber öffentlichen Meinung ber Schweiz f e st b l e i - ben werbe unb lieber felbft ben Völker­bunb verläßt, als einem berartigen Druck , weicht. Die Errichtung einer russischen Gesanbt-1 ausbehnen. schäft in Bern wäre gleichbebeutenb mit bem Be-1