Nr.M Drittes Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 23. Mai
SJL-tfpoit
Bezirksklaffe, Gruppe Oberheffen.
Zur Zeit tragen die vier Gruppenersten der 1. Kreisklasse im Kreise Gießen: SV. 20 Heuchelheim, TuSpV. 20 Bissenberg, SV. Schotten und TuSpV. Naunheim die Aufstiegsspiele in die Bezirksklasse aus. Aus diesen Spielen wird wohl der TuSpV. Naunheim als Sieger hervorgehen. Das beweisen die erzielten Resultate, gegen Heuchelheim 6:2 und 4:0 gegen Schotten. Im Kreise Friedberg steht der Kreismeister Viktoria Oberroßbach bereits fest. Der Kreismeister des Kreises Marburg wird in die Gruppe Dill eingereiht werden.
Wenn nun VfB. Kurhessen Marburg aus der Gauliga in die Bezirksklasse absteigt und der SV. Naunheim in die Gauliga aufsteigt, so gleicht sich die Gruppe Oberhessen wieder aus und für die Spielzeit 1934/35 ergibt sich folgende Zusammenstellung:
VfB. Kurhessen Marburg | Germania Marburg >
FD. Ockershausen I
Spielvereinigung 1900 Gießen VfB. Reichsbahn Gießen SV. 05 Wetzlar
FC. Teutonia W.-Steinberg
TuSpV. Naunheim
SV. Groß-Karben ) Viktoria Ober-Roßbach |
Sollte allerdings SV. Naunheim nicht aufsteigen, so müßte Groß-Karben oder Ober-Roßbach aus dem Kreise Friedberg zur Gruppe Hanau geschlagen werden.
BfB.-Reichsbahn Gießen.
Vahnstaffellag mit Schlageler-Gedächtnisfeier.
In Verbindung mit dem „Tag des Mittelstrecklers und Werfers" veranstaltet die Leichtathletikabteilung des VfB.-Reichsbahn auch den Bahn
staffeltag mit der Schlageter-Gedächtnisfeier. Die Veranstaltung ist offen für alle Vereine (auch DT.) des Kreises Gießen. Als Wettkämpfe kommen folgende Staffeln zum Austrag: Männer: 4 mal 100, 4 mal 1500, 10 mal 200 Meter; Frauen: 4 mal 100 und 10 mal 50 Meter. Jugend: 10 mal 100 Meter.
Um außerdem dem Zuschauer und besonders den unbekannten Sportlern im Können bereits fortgeschrittene Aktive vor Augen zu führen, sollen folgende Rahmenwettkämpfe eingelegt werden: 100 Meter, 200 Meter, Kugelstoßen, Diskuswerfen, Hammerwerfen und Weitsprung. Meldungen an W. Rinn, Gießen, Löberstraße 19.
Suche nach dem unbekannten Sportler. — „Tag der Mittelstreckler und Werfer".
Der Leichtathletikabteilung des VfB.-Reichsbahn, Gießen, ist vom Kreisleichtathletikfachwart auch die Ausrichtung dieser Veranstaltung übertragen worden. Sie findet am Sonntag, 27. Mai, statt. Als Wettkämpfe kommen zum Austrag: 500 Meter, 800 Meter und 1500 Meter Laufen, Kugelstoßen, Speerwerfen, Diskuswerfen, Hammerwerfen, Steinstoßen. Startberechtigt ist jeder Deutsche, der in obigen Konkurrenzen noch keinen Preis (also 1. bis 3. Platz) errungen hat. Meldungen an W. Rinn, Gießen, Löberstraße 19. Meldungen können auch noch vor Beginn der Kämpfe auf dem Platz abgegeben werden.
Deutscher Rudersieg in Ostende.
Einen schönen Sieg feierte am ersten Tage der internationalen Ruderregatta in Ostende Gebrüder Arenz vom Wasser-Sport-Verein Godesberg. Das deutsche Meisterpaar siegte im Doppelzweier ganz überlegen in 9:05 vor der Mannschaft des Kgl. Ruder-Clubs Brügge, die 9:23 benötigte.
Kreis Marburg
Kreis Gießen
Kreis Friedberg
Die Reichsschwimmwoche in Gießen
17. bis 24. Juni 1934.
2m Einvernehmen mit dem ReichsminPerium für Volksaufklärung und Propaganda, dem Reichs- fportführer und der Führung der in Betracht kommenden Sportverbände wird im gesamten Reichsgebiet in der Zeit vom 17. bis 24. Juni an allen größeren Plätzen die Reichs-Schwimm- Woche durchgeführt.
Auf Anordnung der Reichsorganisationsleitung für diese Schwimmwoche hat sich unter Führung der Ortsoertretungen des Deutschen Schwimm- Verbandes, der Deutschen Turnerschaft sowie der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft der Ortsausschuß zur Organisation dieser Werbewoche für Gießen gebildet und seine Arbeiten bereits ausgenommen.
Im Haus der Deutschen Arbeitsfront fand dieser Tage die erste Sitzung der erweiterten Arbeitsgemeinschaft statt, die der Ortsausschuß einberufen hatte, und an der sich etwa 50 Vertreter der Behörden, der parteiamtlichen Stellen, der SA. sowie der Sportvereinigungen beteiligten. Rechtsanwalt Dr. K r ä m e r als Leiter des Ortsausschusses wies .zunächst auf den Zweck der Reichs-Schwimm-Woche und die für die örtliche Durchführung geplanten 'Veranstaltungen hin. Er betonte, daß es bei dieser ivon der Reichsregierung ausgehenden großangeleg
ten Werbung sich nicht um die Verfolgung sportlicher Ziele im besonderen, sondern um die Verbreitung des Schwimmens als Grundlage für die Lebensrettungsarbeit handle. Nicht darauf komme es an, daß eine große Zahl von sportlich durchgebildeten Schwimmern gewonnen würde, sondern daß das seit langem angestrebte Ziel
„Jeder Deutsche ein Schwimmer, Jeder Schwimmer ein Reiter!" durch die Reichs-Schwimm-Woche nunmehr auch auf Betreiben der Regierung der Verwirklichung nähergebracht werde. In diesem Zeichen gehe es darum, überall, insbesondere durch die Sportorganisationen, die weitesten Volkskreise für das Schwimmen zu gewinnen.
Nach der Darlegung dieser Ziele wurden die Vertreter der Arbeitsgemeinschaft in die einzelnen Aufgabengebiete eingeweiht, in deren Mittelpunkt in erster Linie die Mitwirkung bei den Werbeveranstaltungen sowie die Verbreitung einer Aufklärungsschrift über das Schwimmen „Schwimme richtig" stehen wird. Die Schrift stellt eine auf engstem Raum untergebrachte außerordentlich lebendige und leicht faßliche Schilderung aller Schwimmarten unter besonderer Berücksichtigung des Ret
Ltnd nun, Men?
Vornan von Käthe Mehner.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)
H2 Fortsetzung Nachdruck verboten!
Bernd Caßler deutete diese Tränen im Augenblick »alsch. Seine Hand griff nach der feinen, schmalen Les Mädchens und hielt sie mit scheuem, leisem Druck.
„Habe ich Ihnen damit weh getan, Ellen? Liebes Aräulein Ellen? Das wollte ich doch nicht..."
„Nein — nein." Ellens Augen leuchteten in die Les Mannes. „Ich danke Ihnen herzlich, Herr Caßler. Es war nur die Freude nach so langem, Hoffnungslosem Suchen." Sie schwieg. Sie wollte stich nicht schwach zeigen vor diesem Menschen, der, elternlos gleich ihr, das Leben so tapfer und beherzt □npatfte.
„Ich bin in Ihrer Schuld. Warum gaben Sie mir nicht einmal die Gelegenheit, für Sie einzutreten? Ach, wenn Sie wußten, wie ich in diesen Tagen und Wochen voll innerer Unruhe war um Sie. Ihr Schicksal ist zu dem meinen geworden, Ellen Ehlers. Ich habe es kaum ertragen, Sie so • eiben zu sehen. Täglich nun prangt Ihr Bild in Riesengroße an allen Anschlagsäulen der Stadt nls Symbol herrlichster Schönheit, und der Gegen- ttand dieser Verehrung des Schönen steht abseits, io ganz abseits."
Bernd Caßler hielt ein. Doch als aus Ellens Mund keine Erwiderung kam, fuhr er tapfer fort:
„Warum verfallen Sie immer in diese bittere Resignation, Ellen Ehlers? Haben Sie doch Vertrauen zu mir. Zwischen Menschen, wie wir sind, izebührt sich ein offenes Wort — ober halten Sie mich dessen nicht für würdig?"
„Herr Caßler" — das Mädchen schaute gequält ]iuf — „Sie verstehen mich nicht! Sprechen Sie ■licht so.. v „
Ellen ahnte die innere Stimmung des Mannes, !<er sich all die Wochen hindurch in so selbstloser Kameradschaft an ihre Seite gestellt hatte. Und och bangte sie vor dem, was Bernd Caßler im lächsten Augenblick aussprechen würbe.
„Warum barf ich nicht sprechen? Warum wollen Sie mich nicht verstehen?"
„Ich höre nur immer Lob über mich. Lob über mein Aeußeres, für bas ich nichts kann. Warum hann ich nur bie schöne, nicht bie tapfere Frau fein? Warum bin ich unfähig, mir eine Stellung selbst ju erringen?"
„Sie finb zu schön. Es ist kein Lob, nur eine schliche Feststellung in biefem Augenblick. Die machen alle Männer auf ben ersten Blick. Setzen Sie sich über bie Konsequenzen hinweg, unb Sie haben Stellungen über Stellungen. Aber diese Konsequenzen können Sie gar nicht ziehen, weil föie rein finb — rein bleiben wollen..Das ist bie Tragik, bie Sie zur nicht tapferen Frau in den lugen des anderen macht..
Mit großen Augen lauschte Ellen. Bernd Caßler hatte ihr eine furchtbare Erkenntnis eröffnet. Es war vielleicht an dem? Vielleicht...
„Und doch muß ich arbeiten, bitter nötig arbeiten", stammelte sie hoffnungslos.
„Nein." Zum ersten Male begehrte der Mann neben ihr auf. Seine Augen blitzten unter den buschigen Brauen hervor. Seine Hand tastete voll Scheu nach bet bes Mädchens.
„Sie haben es nicht nötig — niemals. Sehen Sie benn nicht, Ellen Ehlers, baß ich arbeite — baß ich oerbiene? Warum nahmen Sie nicht einen Teil bes Gelbes, anstatt Ihre letzten Notgroschen zu verbrauchen? Warum barf ich nicht für Sie sorgen?"
Ellen Ehlers lag eine abroeifenbe Antwort auf ber Zunge. Doch bie feurige Art Bernb Caßlers, bie sie an biefem sonst so beherrschten Menschen nicht kannte, verschloß ihr ben Munb.
Hier war echte, ehrliche (Empfinbung. Hier war eine gute, feste Hanb, bie Hilfe bot — Schutz.
Sie würbe unsicher in ihren Bewegungen und spürte in ihrer Brust eine seltsame Traurigkeit.
Caßler aber fuhr etwas behutsamer fort, während sich sein blasses Gesicht mit leichtem Rot färbte:
„Sie kennen mich, Ellen Ehlers. Ich bin dem Leben gewachsen. Ich habe bessere Möglichkeiten denn je. Warum laufen unsere Wege nebeneinander — könnten wir zwei nicht miteinander gehen?"
Er machte erschöpft eine kleine Pause, und während feine Augen noch immer den Blick ins Leere richteten, fuhr er fort:
„Sehen Sie nicht, daß ich Sie liebe? Liebe — Ellen. Nein, wehren Sie sich nicht! Es ist ja nicht das Uebliche. Pfui, nein! Es ist die Achtung, die tiefste Verehrung — verstehen Sie mich..."
Aus Ellens Gesicht war jeder Blutstropfen gewichen. Schnell ging ihr Atem. Das Herz schlug fast hörbar laut bis zum Halse. Zitternd lagen ihre Hände neben denen des Mannes und schienen feine Nähe zu atmen.
„Bernd Caßler — das sagen Sie? Sie..."
Unter dem entsetzensstarren Blick des Mädchens zuckte der junge Künstler zusammen.
„Es mußte wohl einmal so kommen. Einmal mußte die Welle der Empfindung durch die feste Barriere des Verstandes bringen. Ich bangte feit Wochen barum. Nun ist es gut so. Entfchulbigen Sie..."
Eine stille, ehrliche Entschulbigung. Ellen verstand. Dieser Gefühlsausbruch war lange zurückgedämmt gewesen. Vielleicht war es besser so. Fast hatte sie biese Aussprache in ben letzten Tagen geahnt.
Das Mäbchen roanbte ben Kopf bem Fenster zu unb sah auf bie Straße. In ben reinen, märchen- blauen Augen war ein feuchter Glanz.
„Ich ahnte es, baß einmal so etwas kommen würbe. Deshalb suchte ich mich selbstänbig zu erhalten. Traurig. Dieselben Konsequenzen, vor benen Sie mich warnten ..."
„Ellen — nicht so, Ellen — nicht so!" Fast heiser stieß Bernb Caßler biese Worte heraus. ,Zch habe Jhnest weh getan? Bitter weh..
tungsschwimmens bar; sie ist geeignet, jebem Volksgenossen in kürzester Zeit bie erforderliche theore- (jsche Grunblage für bas Schwimmen im Sinne bes Vertrautseins mit bem Wasser zu vermitteln.
Soweit bie Folge ber Veranstaltungen ber Reichs- Schwimm-Woche burch ben Ortsausschuß bereits festgelegt ist, würbe beren Durchführung in größeren Zügen besprochen: Die Woche wirb burch eine große Kundgebung mit einem Werbeumzug eingeleitet. An mehreren Tagen werben schwimmerische Veranstaltungen in ben Lahnbäbern ftattfinben, an benen bie Schuljugenb, bie Jugenbverbänbe, bie Reichswehr, bie SA., Sportvereinigungen usw. mitwirken werben. Besonderer Wert wirb babei stets auf bie Ausbilbung in ben Grundlagen bes Rettungsschwimmens unb auf bie Ausbilbung geeigneten Lehrperfonals für bas Schwimmen gelegt werben.
Es ist selbstversiändlich, daß alle Darbietungen und Veranstaltungen der Reichs-Schwimm-Woche für Jedermann kostenlos geboten werden.
Beschlossen wird die Schwlmrnwoche durch eine interessante Schau am Sonntag, 24. Juni, bei der Militär, SA.- Formationen, Sportvereinigungen, Sanitätskolonne, Feuerwehr in Verbindung mit der Deutschen Lebens - Rettungs - Gesellschaft eine große Rettungsübung durchführen werden. Volkstümliche Schwimmbarbietungen, eine Auffahrt ber Pabbler unb Ruberer werben bie Veranstaltung umrahmen, bie an einer Stelle ber Lahn aufgezogen wirb, wo bie Besichtigung burch eine möglichst große Zuschauerzahl gewährleistet ist.
Nach reger Aussprache konnte ber Leiter ber Sitzung feststellen, baß bie tätige Mitarbeit aller in ber Arbeitsgemeinschaft einbezogenen Behörben, Parteistellen unb Organisationen für bie Durchführung ber Reichs-Schwimm-Woche gesichert ist. Die Reichs-Schwimm-Woche wirb auch in Gießen, wo bas Schwimmen sich feit jeher besonberer Pflege erfreut hat, einen würbigen Rahmen finben, unb wirb in unserer engeren Heimat bazu beitragen, bie großen Ziele, ber sie bient, zu verwirklichen.
Gießener Erfolge bei den Nassauischen Kampfspielen.
(Spieloereinigung 1900 Gießen.
Bei ben 4. Nationalen Kampfspielen des Sportvereins „Nasiovia" - Nassau stießen die 1900er Leichtathleten auf die erwartet starke Konkurrenz. Da das gesamte Programm einschließlich der Vorkämpfe in den Nachmittagsstunden abgewickelt wurde, mußten die Spielvereinigungs-Leute auf eine Beteiligung in einigen Wettbewerben verzichten, zumal Bepperling und Baumstie - g e r nicht mit von der Partie waren. Bei der Bewertung der ßaufergebniffe muß berücksichtigt werden, daß sie auf außerordentlich weicher Bahn erzielt wurden.
Im 200 - Meter-Lauf, Klasse I, ging Franz Koch an den Start. Er wurde hinter dem bekannten westdeutschen Sprinter und früheren deutschen Meister im Weitsprung Molle (KBC.) und Schmid (Postsporto. Frankfurt) Dritter in 25,4 Sekunden. — Auf denselben Platz kam P e - t e r 5 im 800-Meter-Lauf ein. Während hier Kaufmann (Poftfportv. Frankfurt) sicher gewann, ließ sich der 1900er, dem die weiche Dahn gar nicht zusagte, im Ziel noch von Krämer (Diez) abfangen. — Eine feine Leistung vollbrachte wieder Jung im Stabhochsprung. Er ließ seine keineswegs schlechten Mitbewerber weit hinter sich und siegte mit 3,40 Meter. An 3,50 scheiterte er nur ganz knapp. — Im Kugelstoßen und Diskuswerfen ließen sich die 1900er Vertreter durch den gut aufgelegten Schneider (Polizei Darmstadt) auf den zweiten Platz verweisen. Utfro. Gugel (1. Komp. J-Rgt. 15) erzielte im Kugelstoßen 13,90 Meter gegenüber Schneider 14,32 Meier. Im Diskuswerfen gefiel Kilo durch technisch schone und beständige Würfe. Während Schneider ein 42-Meter-Wurf glückte, blieb es bei dem 1900er bei einer Leistung von 40,65 Meter.
In der Leistungsklasse I I bestritt Franz Koch ebenfalls die 200 Meter. Er lieferte hier dem Frankfurter Kauppe (Postsportv.) einen äußerst scharfen Endkampf und mußte sich um Brustbreite geschlagen bekennen. Zeit 25,1 Sek.
In der Olympischen Staffel mußte Peters Kaufmann vom Frankfurter Postspopt- oerein abermals ziehen lassen, wenn auch ber Ab
stanb geringer war. — bie 200-Meter-Leute Franz Koch und Tietz hielten sich tapfer und büßten nichts ein. — Als 400-Meter- und Schlußmann war wieder Jung eingesetzt. Dieser kam in bravourösem Lauf stark an die führenden Frankfurter heran, die mit nur wenig Metern Vorsprung das Ziel passieren konnten.
VfB.-Reichsbahn.
Am ersten Pfingstfeiertag starteten die früheren OSCer erstmalig als Leichtathleten des VfB. Reichsbahn bei den 4. Nationalen Nassauischen Kampfspielen in Bad-Nassau. Trotz stärkster Konkurrenz aus Köln, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Koblenz, Darmstadt usw. errangen die VfB.-Reichs- bahner einen „Ersten", zwei „Zweite" und fünf „Dritte". Eine Ueberraschung erlebten die VfBer bereits am Bahnhof, als sie durch den Bürgermeister von Nassau, den früheren VfB.-Fußballer Werner Barth begrüßt wurden. Nachstehend die Rtz- fultate der VfB. -Reichsbahner:
Speerwerfen Kl. I: 1. Jakob, VfB. Reichsbahn, 49,70 Meter; 2. Pieh, VfB. Reichsbahn, 48,80 Meter; 3. Dr. Schlotthauer, Fritzlar, 46,20 Meter. Die beiden Gießener erzielten schöne Weiten und ist besonders die Leistung von Jakob als hervorragend anzusprechen.
4 mal 200-Meter-Staffel Klasse I: 1. Postsportverein Frankfurt a. M., 1:41:6 Minuten; 2. VfB.-Reichsbahn Gießen, 1:42:8 Minuten; 3. Turn- u. SpV. Fritzlar, 1:48:6 Minuten. Hier vollbrachten die Gießener in der Aufstellung Siegmund, Rödriguez, R. Fischer, O. Luh ihre beste Tagesleistung. Jeder der vier lief gut und mußten sich die als sehr gut bekannten Frankfurter mächtig strecken, um mit zirka 5 bis 6 Meter Vorsprung nach hartem Kamps zu gewinnen.
4X100-Meter- Staffel, Kl. I: 1. KBC. Köln 45,8 Sek.; 2. Post Frankfurt a. M. 46,2 Sek.; 3. VfB.-Reichsbahn 47 Sek. Nach gewonnenem Vorlauf belegten die VfB.-Reichsbahn im Endlauf einen ehrenvollen dritten Platz. Die Zeiten sind infolge der sehr weichen Dahn nur relativ zu werten. Auch hier in der Aufstellung: Siegmund, Rodriguez, R Fischer, Luh.
Kug e l st o ß e n, Kl. I: 1. Schneider, Polizei
„Ja. Ich hatte es von Ihnen nicht erwartet. Ich dachte, Sie wären einmal anders, Bernd Caßler. Nun sehe ich ..."
Caßler unterbrach sie schnell:
„Nichts dürfen Sie sehen. Ich verstehe Sie jetzt. Ach, mein Gott, war ich denn nur blind? Ich begehre Sie nicht mehr. Nein, Ellen Ehlers — jetzt versteh ich Sie... Torheit*von mir — Torheit ... Wahren Sie mir Ihre Hochachtung, haben Sie noch einmal Vertrauen! Ich will ja weiter schaffen. Arbeiten... Es liegt ja irgendwo noch Schmerz in Ihnen."
Da streckte sich ihm eine weiche, schmale Hand entgegen, die Bernd Caßler ehrfürchtig an seine Lippen führte.
„Wir wollen Kameraden fein, Bernd Caßler. Kameraden im Leben und in der Arbeit. Ich darf keine Hoffnung iif Ihnen nähren, die ich niemals erfüllen kann. Ich bin innerlich feftgelegt — fragen Sie niemals!"
Fast hörbar laut atmeten die zwei Menschen.
„Das wußte ich nicht, Ellen Ehlers. Nein, ich will kein Andenken schänden — niemals! Wie eine Heilige erschienen Sie mir. Ich wollte Sie in die Niederung des Alltags herabziehen — es war schändlich."
„Sie haben keinen Grund, sich Vorwürfe zu machen, Bernd Caßler. Wir sind doch alle nur Menschen, in denen die Stimme des Blutes manchmal so stark wird, daß sie alle Vernunft übertönt. Doch sie muß nun schweigen. Kann sie das?"
„Sie wird es immer können, Ellen Ehlers. Immer! Mein Wort darauf."
„Mein Kamerad!" Ellens Stimme war weich. Mühsam drängte sie die Tränen zurück. Sie war erschüttert von so viel Seelengröße dieses heimatlosen Menschen.
„Ihr Kamerad — immer Ihr Kamerad!" Bernd Caßler saugte die Worte in sich auf. „Nun ist alles gut." -.
Caßler zahlte.
Minuten später gingen sie in der drückenden Wärme des Julinachmittags.
Bernd Caßler fühlte die sengende Glut nicht. In stolzem Selbstbewußtsein schritt er neben dem Mädchen, das er wie eine Göttin in seinem Herzen verehrte, und über dessen Leben er wachen wollte wie ein Ritter.
Zehntes Kapitel.
An allen Litfaßsäulen, in allen Auslagefenstern der Friseurgeschäfte prangte seit einigen Tagen Ellen Ehlers Bild...
„Eos!" „Eos!"... Der griechische Name für die Göttin der Morgenröte flammte in allen Frauenseelen. Höchste Frauenschönheit durch „Eos", die neue ideale Tagescreme.
Und wie die griechische Göttin selber, lächelte das wundervolle Mädchenbildnis auf den Beschauer herab ... Kein bekanntes, tausendmal auf der Leinwand des Kinos geschautes Gesicht, sondern ganz reine, unangetastete Schönheit.
Doch Ellen Ehlers? Es' ahnte niemand', daß sie in d?n frichen Plorgenstunden am Fenster des
kastellartigen Miethauses in der Nordstraße stand und sehnsüchtig in die Ferne schaute. Eine kleine Ruhepause schien ihr das Schicksal zu gönnen. Doch würde sie es nicht wieder in den harten Kampf reihen, der unheimliche Kraft forderte, und dem sie damals bald zu erliegen schien?
Gegen Mittag klopfte sie dann wohl leise an bje Tür Bernd Caßlers, der feit jenem Tage in dem kleinen Cafs sich feiner Arbeit mit einem Eifer und einer Regelmäßigkeit hingab wie nie zuvor.
„Bernd Caßler?"
In seinem weißen Kittel, mit glückstrahlenden Augen, schob sich der junge Künstler durch die Tür.
„Sie wollen mir sagen, daß Sie heute wieder Abenddienst haben? Ich bin natürlich mit von der Partie, aber heute einmal auf Reklamekarten. Keinen Vorzug mehr. Ich zahle meinen Eintritt. Wir nehmen Muttchen Zimmermann mit."
„Was wird denn gegeben, Kinder?"
Ellen fuhr erfreut herum.
„Sie wollen mitgehen?"
„Ach — ich bin ja in meinem Leben nicht so viel ins Kino gekommen wie jetzt in den paar Wochen. Natürlich!"
Frau Zimmermann strahlte.
„Es gibt »Sehnsucht der Nachtt mit ersten Kräften." Frau Zimmermann machte so drollig-begeisterte Augen, daß Ellen sie übermütig neckte.
Wie so oft, fühlte Ellen auch diesmal in ihrem Herzen, wie sehr ihr die kleine Wohnung in der Nordstraße schon Heimat geworden war.
Die Tür zu Bernd Caßlers Zimmer stand weit offen. Man sah den kleinen Zeichentisch, auf dem ein wüstes Durcheinander von Papier und Entwürfen lag.
Zur ersten Abendvorstellung stand Ellen Ehlers mit ter weißen Schürze und dem weißen Häubchen, das sie so schön machte, im Halbdunkel des großen Raumes und wies den Eintretenden die Plätze an.
Mancher heiße Männerblick streifte im Vorübergehen die herrliche Erscheinung, Doch unnahbar, wie eine Königin, schritt Ellen durch die Dämmerung.
Bald kamen Frau Zimmermann und Bernd Caßler. Es war wie eine Selbstverständlichkeit, daß diese sich an den Eingang der ersten Reihe setzten, in dessen Nähe sich Ellen gewöhnlich aufzuhalten pflegte. Doch diesmal sahen sie zu ihrer Ueberraschung ein fremdes, gleichgültiges Gesicht.
Caßler mußte fragen.
„Wo ist Fräulein Ehlers?"
Die fremde Platzanweiserin zeigte auf die höfliche Frage ein beinah spöttisches Lächln.
„Die ist heute oben, in der ersten Etage. Hat plötzlich die Logen bekommen."
Wieder das vielsagende Lächeln.
Bernd Eaßler hatte eine wütende Bemerkung auf der Zunge, aber er schluckte sie schnell hinab.
Oben ging Ellen gerade vor einigen Damen her und wies ihnen eine Seitenloge an.
Der erste Gongschlag ertönte.
Langsam erstarb die halbe Helligkeit. Weiches Dunkel erfüllte den großen Raum.
i V- (Fortsetzung folgt.)


