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Brauche sofort Erdbeben 1023!" Tausche Mädchenlachen gegen Löwengebrüll.'' Oer Keller der 86000 Geräusch -Kuliffen.

In dem Keller eines riesigen Gebäudes von neu­zeitlichster Bauart befindet sich eine seltsame Bi­bliothek. Es ist wohl die eigenartigste Berlins. Große Regale bedecken die Wände bis zur Decke. Quer gestellte hohe Metallschränke von allermodernster Konstruktion teilen den Raum in lauter Einzel­räume. Alles ist angefüllt mit vielen Tausenden gleichförmigen, sauber geordneten schwarzen Bän­den, deren Rücken kleine weiße Namensschilder auf­geklebt sind. Neugierig greift man sich einen Band heraus: Schweinegrunzen, sagt das Schild­chen. Der Blick fliegt zum nächsten: Mädchen­lachen heißt es. Ein drittes verkündet: platzen­des Dampfrohr! Zögernd dreht man den un­verhältnismäßig schweren Band in den Händen hin und her, dann öffnet man ihn Grammophon­platten.

Weitläufige Kellereien im Hause des Rund­funks in der Masuren-Allee enthalten das Schallplattenarchiv, das bereits heute die ansehnliche Zahl von 86 000 Schallplatten umfaßt. Es ist das größte seiner Art in Deutschland. Das ungeheure Gewicht dieser Plattensammlung von fast 500 Zentnern macht seine Unterbringung im Keller notwendig.

Ich bin ein hartnäckiger Mensch", bekennt Herr von Brauchitsch, der Leiter des Archivs lä­chelnd.Ich hänge mich sozusagen überall da an, wo ich für meine Sammlung eine möglichst kosten­lose Neuanschaffung wittere. Wenn z. B. für eine Gelegenheit, wie den 1. Mai vom Rundfunk alles zur Uebertragung vorbereitet wird, die Kabel ge­legt, der Kaoelschutz und alle übrigen technischen Einrichtungen aufgestellt worden sind, fahre ich hin­terher und benutze alle die Anlagen für meine eige­nen Zwecke. Ich kriege die Stimme des Füh­rers, den Volksjubel, Versammlungs- und andere Geräusche, ohne daß ich dafür Geld ausgeben muß. Oder es findet die Uebertragung einer Kirmes statt. Da wird an Ort und Stelle aufgepaßt, wo sich in der Nähe etwas findet, was wir hier noch nicht haben, und flink nutzen wir die Gelegenheit aus und nehmen einen rauschenden Bach oder einen Hühnerhof oder anderes auf. So stellen wir im An­schluß an einen Hauptzweck der gerade arbeitenden Apparatur nebenher unsere Geräuschkulissen her, die dann in den Hörspielen aller deutschen Sender Verwendung finden."

Herr von Brauchitsch erklärt, warum die Industrie keine Geräuschplatten und nur einen klei­nen Teil historisch wertvoller Platten anfertigt. Die Aufnahmekosten sind so hoch, daß eine fertige Platte nicht weniger als 60 bis 80 Mark kosten müßte.

Das Archiv sammelt seine Stücke aus historischer Verpflichtung heraus und kommt fast umsonst zu seinen Schätzen. Alle Sender Deutschlands sind in­teressiert an der Erweiterung des Geräuscharchivs und liefern ihre Beiträge. Sie stehen in lebhaftem Austausch untereinander.

Wie gut diese Geräuschaufnahmen gelungen sind, kann man daraus ermessen, daß der Mensch durch sie unabhängig vom Auge wird, welches im Allge­meinen unbewußt beim Erkennen von Geräuschen eine wichtige Rolle spielt. Herr von Brauchitsch gesteht jedoch, daß nicht alle Naturgeräusche zur Wiedergabe durch das Mikrophon geeignet sind, sondern durch künstliche Kompositionen ersetzt wer­den müssen, um den richtigen Eindruck zu ver­mitteln.

Neben der Plattensammlung liegt der A b h ö r - raum, in dem alle Platten auf ihre Eignung zur Einverleibung ins Archiv geprüft werden. Der Vor­führer schaltet den riesigen Apparat ein. Auf zwei nebeneinanderliegenden Scheiben laufen nacheinan­der die Platten ab.

Die erschütternde Lebensklage eines wachsenden Grashalms, vieltausendfach verstärkt, summt als deutlich wahrnehmbarer Ton zitternd und wim­mernd durch den Raum und hinterläßt einen tie­fen Eindruck.

Danach wird die Luft von dem atemlosen Schreien eines menschlichen Säuglings zerris­sen, und man fühlt sich wieder daheim auf der Erde. Kuhbrüllen und Schweinegrunzen zaubern schnell ein Lächeln auf die Lippen. Ein Hahn kräht, seine Hennen gackern, ein Täubchen gurrt und ein Hund bellt von fern, worauf ein anderer wütend aus der Nähe antwortet. Hinter einem rauschenden Bächlein kollert ein Birkhahn seinen Liebeswalzer.

Dann klopfen, elektrisch verstärkt, ruhige und gestörte Herztöne durch den Raum. Gleich dar­auf platzen Schrappnells mit ungeheurem Lärm, Maschinengewehre knattern, singend sausen totbringende Kugeln durch den Aether. Flugzeuge fahren ab, fahren an und fahren vorüber. Motore rattern, und Autos zischen dahin, Bahnhofslärm mit Abschiedsrufen und Geschrei von Verkäufern, dumpfes Stöhnen der anziehenden Lokomotive brei­ten sich aus. Dann eine Weile nur das eintönige Rollen des fahrenden Zuges. Anscheinend ist man in Hamburg angekommen, denn Schiffsglocken er­tönen, Brandung peitscht den Kiel eines Schiffes; hallend mischt sich der Motor im Innern des Schif­fes in die Geräusche. Gewitter, Donner, Re­gen ziehen auf. Die Feuerwehr rast durch die Straßen, von fern läutet eine wunderbare Kirchen­

glocke, ein ganzer Chor fällt ein. Und irgendwo läßt jemand in einem Badezimmer Wasser in die Wanne laufen. Mädchenlachen klingt auf, in das viele an­dere Stimmen einfallen, man lacht, lacht bis man einfach nicht mehr kann. Ein Erdbeben macht allem ein Ende, und ganz benommen von all den Eindrücken verläßt man den tonreichen Raum.

Dies sind nur ein paar von weit über 3000 Geräuschen, die von den Geräuschjägern des Rundfunks eingefangen worden sind.

Außerordentlich interessant geht es in einem klei­nen Raum des Kellers zu, in welchem die großen schweren Wachsplatten, die zur Aufnahme dienen, nachdem sie vier- bis fünfmal abgespielt sind, abae- schliffen werden. Ein feinkonstruierter Apparat führt ein zweigegabeltes Instrument über die sich drehende Wachsplatte. Der vordere Teil der Gabel läßt, nach der Methode der Grammophonnadel, eine Stahl­schneide die in die Schicht eingegrabene Schrift ab­kratzen. Während ein Diamant, der an dem gleich dahinter angebrachten Gabelteil hinterher läuft, der Schicht ihren alten Glanz verleiht und sie vollkom­men glättet. Die Späne werden durch die Schläuche eines Staubsaugers, die unmittelbar an den beiden Schneide angebracht sind, aufgefangen, so daß kein Stäubchen daneben fliegen kann. In. großen Wasch­körben stehen sie und harren ihrer Wiederverarbei- tuna.

Was für ein Zeitalter, in dem man im Schlaf­zimmer Löwen brüllen hören kann, in Nacht und Eis am hohen Nordpol Nachtigallen schlagen lassen und am Aequator das Krachen eines Eisberges hervorzaubern kann! R. H.

Oer große Hessische Eoldatentag vom 9. bis 11. Juni.

Der Deutsche ReichsbundKyffhäuser", Landes­verband Hessen-Darmstadt (Kriegerkameradschaft Hassia), schreibt uns:

Die Teilnahme an der großen Wiedersehensfeier in Darmstadt ist eine gewaltige. Es ist mit Sicher­heit mit einer Beteiligung von 50 000 biS 60 000 Frontkämpfern und Kameraden zu rechnen. Der Hessische Soldatentag wird die größte Wiedersehens­feier aller Frontsoldaten und Kameraden sein, die ehemals in hessischen Regimentern gedient und im Felde Schulter an Schulter gekämpft haben. Nicht nur aus Hessen, sowie Hessen-Nassau, sondern aus dem Ruhrgebiet, dem Rheinland, der Pfalz, Bayern, Franken und Baden haben sich zahlreiche Vereine und Kameraden angemeldet. Dieser große und ge­waltige Appell ist nicht nur eine Jubelfeier der Kameradschaft, sondern ein machtvolles Bekenntnis zum Dritten Reich und seiner Regierung. Die Ein­mütigkeit und die Geschlossenheit findet ihren Aus­druck in dem großen historischen Festzug am Sonn­tag, 10. Juni, in dem Volk und Wehr verherrlicht werden. Von Seiten der Regiments- und Krieger­vereine, sowie Kolonialtruppen wird in nicht weni­

ger wie 30 Prunk- und Festwägen, sowie Festgrup« pen die Geschichte der ruhmreichen Vergangenheit der alten Regimenter dargestellt. In engster Ge. meinschaft mit dem schaffenden deutschen Volk wich deutscher Fleiß und deutsches Können im Handwerk von den Innungen in weiteren 10 Festwagen und Gruppen veranschaulicht werden. Unsere Verbun­denheit mit der deutschen Saar findet ihre Dar­stellung in einem besonderen Prunkwagen. Dis Frontkämpfer des Weltkrieges und die Kameraden des Kyffhäuserbundes rechnen es sich zur besonderen Freude an, mit den Kameraden der SA. und SS« Schulter an Schulter im Festzuge zu marschieren« Nicht weniger als 35 Trommler- und Pfeiferkorps und 40 Musikkapellen lassen ihre alten Militär, märsche im Festzuge erschallen. Die Liebe zur Hei, mat und zum Volk findet ihren Ausdruck in mehre, ren überaus sinnvoll zusammengestellten Trachten­gruppen aus dem Odenwald, Oberhessen, Schlitzerland und Bayern. Der Hessische Sänger, bunt), sowie Schützenvereine und Darmstädter Turn- und Sportvereine beteiligen sich aufs zahlreichste. Tausende und aber Tausende deutsche Soldaten und Männer werden im Gleichschritt marschieren, und ihr Losungswort heißt nur: Deutschland und nur Deutschland. Die Geschäftsstelle der Festleitung be­findet sich in Darmstadt, Ahastraße 5, Fernruf 3574«

Amtsgericht Gießen.

Der Viehhändler Isidor Wolf aus Ockenheim (Kreis Bingen) erhielt einen Strafbefehl in Höhe von 2 0 Mark, weil er außerhalb des Viehmarktes Käufe abschloß. Der Angeklagte legte gegen diesen Strafbefehl Einspruch ein mit dem Ziel des Frei, spruches. Die Beweisaufnahme ergab jedoch ein­wandfrei die Schuld des Angeklagten. Das Gericht verurteilte ihn zu der im Strafbefehl festgesetzten Strafe von 20 Mk. Außerdem trägt der Angeklagts die Kosten des Verfahrens.

Talsperrenbau auf dem Westerwald.

W e st e r b u r g, 22. Mm. (LPD.) Auf dem o b ei ren Western) ald bei den Dörfern Rehe, Made­mühlen und Driedorf ist man mit dem Bau einer großen Talsperre beschäftigt, bei der rund 700 Arbeiter Brot und Beschäftigung finden. Der sich durch den Wiesengrund schlängelnde R e h b a ch wird in einem gewaltigen Stauwerk eingesam- rnelt. Jrn Winter werden die Wasser des Rehbaches in dem Staubecken gesammelt, um im Sommer nutz­bar gemacht zu werden. Die neue Talsperre wird eine Länge von 700 und eine Breite von 400 Meter haben. Das Fassungsvermögen des großen Stau­beckens beläuft sich auf eine Million Kubikmeter. Der Staudamm erhält eine Stärke von 60 Metern. Die Arbeiten an der Talsperre sollen so gefördert werden, daß die Fertigstellung am 1. Oktober er­folgt ist.

Wir geben die Verlobung un- sererTochter Anneliese mit Herrn Rudolf Hassemer bekannt

Johann Wilhelm Harth und Frau

Mainz, Walpodenstraße 1, im Mai 1934

Meine Verlobung mit Fräulein Anneliese Harth beehre ich mich anzuzeigen

Rudolf Hassemer

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Bekanntmachung.

Betr.: Reichserbhofgesetz.

Das gerichtliche Verzeichnis der Höfe in der Ge­meinde Gießen, deren Eintragung in die Erbhöfe­rolle in Aussicht genommen ist, wird in der Zeit vom 23.7Nai bis 20. 3uni 1934 durch Aushang an der Ortstafel im Stadthaus, Gießen, Bergstraße 20, zu jedermanns Einsicht offengelegt.

Es wird darauf hingewiesen, daß jeder Eigen­tümer, dessen Hof zu unrecht eingetragen ist, binnen zwei Wochen nach Beendigung der Offenlegungsfrist beim Anerbengericht Einspruch erheben kann.

Gießen, 23. Mai 1934. 3093D

I. A. des Anerbengerichts Gießen. Ortsgericht Gießen.

S o l d a n , Vorsteher.

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