Dienstag, 2t-August 1934
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)
Nr. (94 Zweites Blatt
chen festgestellt werden, mit welcher Schiffsarr unsere Vorfahren die Nordsee und die Ostsee überquert haben. Es ist ein Mittelding zwischen Äajat und Kanu, lieber Spanten und Reelinge ist Goldblech gezogen. Also sind es wohl Fell- oder Rindenboote gewesen, die damals die Meere befuhren. Sonnenbilder schmücken diese Schiffe. Sie sind sicherlich der Gottheit geweiht, als Dank für glückliche Meerfahrt oder als Bitte darum.
Neben goldenen Bechern und Schalen und goldenen Schöpfgefähen, die wundervolle in Pferdeköpfe auslaufende Henkel haben, wurden im nordischen Kreis mitunter auch goldene Flaschen gefunden.
Oer „Goldene Kisch" von Dettersfelde.
Einer der seltsamsten Funde ist der „Goldene Fisch" von Vettersfelde. Er erzählt eine ganze Ge-
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler mit seinem Adjutanten Gruppenführer Brückner, Reichspropagandaminister Dr. Goebbels und Reichsminister K e r r l beim Studium der ersten Abstimmungsergebnisse im Garten der Reichskanzlei.
Goldschätze aus Alkerfurche und Moor.
Ein Bericht über die seltsamsten Entdeckungen mit Pflug und Spaten.
vielen Völkern Europas sehr begehrten Bernstein besaßen. Aber auch im Norden hat man das gleißende Gold nicht nur zu Schmuckstücken verarbeitet.
Hundert Goldschiffchen im Moor von Lütland.
Jütland wurde in einem Moor unter einem lachen Stein nur 5 Zentimeter unter der Ober- läche ein Tongefäß gefunden, dessen Inhalt wohl zu dem seltsamsten gehört, das uns aus alter Zeit erhalten ist. Es waren etwa hundert kleine Schiffchen aus Goldbleck, die ineinander geschachtelt in dem Tongefäß lagen. Abgesehen von dem Metall- wert hat dieser Fund einen so außerordentlichen wissenschaftlichen Wert, wie kaum ein anderer; konnte doch aus der Form dieser goldenen Schiff-
Vom neuen belgischen Slralospharenflng.
lieber die Landung der Stratosphärenflieger Cosyns und van der E l st an der Nordwestgrenze Südslawiens bringen die Belgrader Blätter zahlreiche Einzelheiten. Sie berichten, daß der Ballon in einem Maisfeld niedergegangen fei. Die Insassen seien sehr überrascht gewesen, als sie er- uhren, daß sie sich in Südslawien befänden. Sie hätten geglaubt, auf tschechoslowakischem Gebiet gelandet zu sein. Mit den Bauern, die ihnen bei der Bergung des Ballons halfen, verständigten fie sich in deutscher Sprache. Die Flieger übernachteten bei einem Lehrer einer kleinen Dorfschule. Pressevertretern erzählten sie am Sonntag, daß sie nicht genau wüßten, welche Höhe sie erreicht hätten, daß sie aber annehmen, auf 16 0 0 0 Meter gekommen zu sein. Der Höhenmesser befinde sich nämlich in einer geschlossenen Kassette, die erst in Brüssel geöffnet werden soll. Immerhin seien sie hoch genug gekommen, um die angestrebten wissenschaftlichen Beobachtungen durchführen zu können. Die Fahrt sei programmäßig verlaufen, nur der Funkapparat habe plötzlich versagt. — Wie unser Bild zeigt, wurde die kugelförmige Gondel des Ballons bis zu ihrem Abtransport nicht nur von einem Doppelposten, sondern auch von der Bevölkerung liebevoll bewacht.
Nach einer Meldung der „Prawda" blieb Prof. Cosyns bei der Landung nicht in der Gondel, sondern sprang aus einer Höhe von 800 Metern
mit dem Fallschirm ab. Journalisten erklärte er, daß er den Sprung gewagt habe, um bei der Landung des Ballons, die bereits in der Dunkelheit erfolgte, behilflich zu fein, lieber den Flug selbst erzählte er, daß ihm das Versagen seines Funkapparates große Sorgen bereitet habe. Außerdem feien er und van der El st plötzlich von einer solchen Müdigkeit überwältigt worden, daß sie nur mit Aufbietung aller Kräfte einen Ohnmachtsanfall bekämpfen konnten. Sie hätten sich daraufhin zur Landung entschlossen.
Der Ballon ist bereits abmontiert worden und befindet sich mit den Instrumenten unterwegs nach Belgien. Bei der Abfertigung der Fracht stellte sich Übrigens heraus, daß die beiden Stratosphärenflieger vergessen hatten, Geld mit in die Luft zu nehmen. Sie mußten sich schleunigst beim belgischen Konsul in Agram auf telephonischen Wege 2000 Dinar (110 Mark) anweisen lassen, um ihre Auslagen decken und die Fahrkarten nach Agram kaufen zu tonnen, wo sie die für die Rückfahrt nach Brüssel notwendige Summe erhielten.
Professor Cosyns hat am Montag um 17 Uhr in Begleitung seines Mitarbeiters van d e r E l st und des belgischen Konsuls in Laibach das in der Nähe der Landestelle gelegene Dorf Petrovsi verlassen, um sich im Kraftwagen nach Laibach zu begeben.
Von Kurt
Von vergrabenen reichen Schätzen raunen die Märchen in fast allen deutschen Gauen. Von der Krone, die im Rhein liegt, von dem edlen Geschmeide, das von Zwergen bewacht wird, von dem Bauern, der seine Seele dem Teufel verschrieb und darum in seinem Acker Geld sand. Märchen sind Märchen, meint man, aber es steckt doch oft mehr Wirklichkeit hinter diesen uralten Erzählungen, als man glaubt. Hin und wieder bestätigen seltsame Funde die eine ober andere örtliche Sage. Es ist immer ein Ereignis, wenn irgendein goldener Reif ober eine Nabel aus Silber ober Golb, ber golbene Anhänger einer Kette ober ein ähnliches Schmuckstück gefunben wirb, obwohl solche Funbe nicht allzu selten finb.
In allerältester Zeit, als bas Golb mit andern Metallen zusammen noch Nordeuropa im Austausch gegen Bernstein wanderte, vor etwa drei- bis viertausend Jahren, gab man den Toten goldene Schmuckstücke mit ins Grab oder weihte den Göttern goldene Gesäße. Aber nicht nur Schmuck und Becher, auch manche andere seltsame Gegenstände sind damals aus diesem edlen Metall gefertigt und von ihren Besitzern der Erde anvertraut worben, sei es um ben Schatz zu verbergen, sei es als Gabe an bie Gottheit. Meist sinb es ber Pflug bes Bauern ober ber Spaten bes Arbeiters, bie jene uralten merfroürbigen Zeugen ber Vergangenheit ans Tageslicht bringen.__
Paffenod.
Der goldene Hut.
In ber Nähe von Schifferstabt bei Speyer am Rhein fanb ber Besitzer eines Ackers in ber Tiefe von etwa einem Fuß ein mertroürbiges Kunstwerk aus Golb. Es sieht aus wie ein golbener Zuckerhut mit einem sich absetzenben unb nach unten zu oerbreiternben halbkugelartigen Fuß, an bem sich eine breite Krempe befinbet. Seinem Aussehen nach hat man biesen seltsamen Fund den „Goldenen Hut" genannt Der Hut ist etwas mehr als 28 Zentimeter hoch, aber an seiner Krempe nicht breit genug, um auf ben Kopf gesetzt zu werben. Da bie Krempe je zwei einanber gegenüberüegenbe Löcher aufweist, so ist ber golbene Hut irgenbroo braus feftgebunben ober festgenagelt worben. Eine 23er« wenbung als Schmuckstück ober Schilbbuckel ist unwahrscheinlich. Das merkwürbige Stück muß irgenb- wie als Krone eines Fürsten gebient haben. Die älteste Krone, bie wir aus unserer Heimat kennen. Unwillkürlich benft man an bie Sage von der Krone am Rhein. Ein zweites ähnliches Stück ist bei Avanton in Frankreich gefunden worden, aber es ist bei weitem nicht so gut erhalten wie das deutsche Stück.
Der nordische Kreis, also die Lande an der Ostsee unb der Norbsee, sinb in jener Zeit vor drei- bis viertausend Jahren besonders reich an Gold gewesen, eben weil die Bewohner allein den von
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Schaukel, nämlich am Bug des Schiffes, der sich unter der langanrollenden Dünung schwingend um Diele Meter hebt und zitternd steht, wahrend bie Meeresoberfläche tief, tief unter bie Tote Labelinie gesunken ist.-Bis bann bie Woge nach achtern rollt unb ber Bug erst langsam unb bann immer schneller absinkt, wie man stürzt im Traum bis kühler Wassernebel aus bem betäubenben Aufbrausen ber Bugwellen bie Haut überschwemmt, baß das Hemb unter diesem Winbstoß sich bläht, bis ber Schiffsleib von achter her hohl bonnernb ms Zitternd gerat, weil die Schraube aus dem Wasser bricht. Und der Magen, der auf der Höhe der Woge hoch im Hals gesessen l)att ist mit einem befreiendem Gefühl wieder in feine richtige Lage gerückt. Ja, herrlich ist das, unbeschreiblich herrlich.
Und nie kann ich müde werden, an der Bugkante senkrecht hinabzuschauen wie an der Schneide einer gigantischen Axt. Nie kann ich nuibe werden, die Halbmonde des aufgeworfenen Schaums zu beobachten. Wie seine Kaskaden wie aus einem unerschöpflichen Springquell aufwirbeln und Zerspritzen in lange Wasserfahnen. Schwindlig wacht die Sacken in die große Tiefe unb erzeugt eine beinahe unbezähmbare Lust, kopfüber sich hlneinzusturzen. Unb man hebt ben Kopf unb l^t: Dunkel ist es geworben, bie Masten taumeln burd) bie ©terne, unb bie Rauchfahne bes Schlots weht über bem auf« fteigenben Monb. Unb fremb sinb bie Sternenbilber, ber Monb liegt auf bem Rucken, was er in ber Heimat niemals tut, wo doch feine Sichel immer
aufrecht steht. , ,
Unb nun beginnt bas Meer 3» leuchten! Nie werbe ich den ersten Eindruck des ^eresleuchtens vergessen. Seltsamerweise geschah es sozusagen gÄ™annein°®unber ob?r an"eine elektrische Ent- N^ktLigkS fr Meffirbel seiner Fahrt verwandeln sich in riesige Auqen von unerhört leuchtend blauem Manz Tau- send Millionen solcher Augen gl-üen ,n ausender an der Bordwand entlang. Die Schleppe des ^elwasiers gleicht einer Milchstraße wundervoller st^das Mee? ein strahlender unterirdischer Palast, ben nur ein dunkler Vorhang unseren Blicken Der« wende mich um und sehe die mattschimmern- den aelben Lichter von den Bullaugen des Karten« daules wie stille, wachsame Augen, und ich weiß: Dort steht der Kapitän über den Kartentisch ge-
bemächtigt. r
Es ist schwer, die Dinge zu beschreiben, aus denen dies Gefühl erwächst. Man stelle sich vor, auf einem Schiff zu sein, also auf einem großen lebenden Körper, der mit dem starken Schlagen seines Herzens allen auf ihm befindlichen Menschen etwas von seiner Kraft mitteilt. Man stelle sich vor, man hat den ganzen Tag in freier Luft gesunde, nicht zu chwere Arbeit verrichtet. Man hat sich ungewöhnlich wohl gefühlt in der warmen und doch kräftigen Seebrise, man ist federleicht, weil jedes überflüssige Gramm Fett aus dem Körper herausgeschwitzt ist, man ist ganz wunderbar gesund durch ein durchaus geregeltes Leben unb kräftige Kost. Das ßanb mit allen feinen Sorgen liegt gute 2000 Meilen achteraus. Man hat zwar nur eine zerrissene Hose an unb ein ebenso zerrissenes Hemb, aber bie Locher sinb gut zur Lüftung, unb barum, wie man aussieht, braucht man sich nicht zu kümmern
Nun ist bie Woche zu Enbe; man. hat sich gewaschen, hat einen Eimer Sußwasser über den Kopf gestülpt, hat Abenbbrot gegessen hat die ^garette gerollt unb angebrannt, Jetzt ist Feierabenb. Man klettert auf bie Back, betritt bamit bas Reich, das Heizern unb Matrosen gehört. Man spurt bie verdunstete Nässe des Wassers angenehm kühlend auf der Haut. Ganz eingehüllt in Ruhe, Frieden und das große Rauschen der Bugwelle hockt man aus ber Reling unb beobachtet ben Sonnenuntergang.
Zu beschreiben ist bas nicht. Keine Feber unb fein Pinsel kann bie Pracht eines solchen Sonnenuntergangs in ber Passatgegenb beschreiben. Wenn bie Sonne taucht unb die Wolkenbank im Westen ihr entgegenwächst, als wollte sie sie auffangen. Wenn biefe Wolkenbank sich ganz durchgluht unb burch- leuchtet in einem unerhörten Feuerbrama, wenn große Wolkenballen wie brennenbe Ballone in ben Fimmel steigen, sich zerfebern; in milber Glut über bas Schiff Hinwanbern, wenn bie Dunung in großen metallisch aufglängenben tmb zu tiefen Rot erlöschenden Flächen in endloser Prozession oorbeb rollt bann erlebt nym em Hochgefühl, bas einfach sich nicht beschreiben läßt. Eine ganz entfernte Aehn- lichfeit hat dies Gefühl mit der Wonne, die man als Kind im Schwung einer Schaukel erlebte. Und man befindet sich ja auch jetzt auf einer ungeheuren
Glück im Mastkorb.
Aus meiner Matrosenzeit.
Von Heinrich Hauser.
Wenn ber Mensch aus bem Narben zum erstenmal durch tropische Meere fährt, so entwickelt sich in ihm ein ganz unbeschreibliches Glücksgefühl, bas aus bem Körper fommenb sich ber ganzen Person
beugt, ben Zirkel in ber Hand unb bas durchsichtige Dreieck. Ich höre ben tiefen ruhigen Klang ber Schiffsglocke, bie bie Glasen schlägt, wie ich als Kinb bie Kirchenglocken bes fernen Dorfes über die Hügel klingen hörte. Und ich fühle mich geborgen, froh, sicher, wie nie in meinem Leben. Und ich wandere über die dunkle Fläche der Back, sorgfältig Wellenbrecher und Ventilatoren meidend; denn ich kenne ja hier jeden Zoll. Und so gehe ich hin zu den kleinen, roten Funken, die aus dem Dunkel glimmen, denn ich weiß: Da sind die Kameraden, die ihren Smoke nehmen an Deck und plaudern, und ich weiß, jeder einzelne von ihnen ist mir jetzt ein guter Freund.
Ich habe die Wache von 8 bis 12. Am schönsten ind die anderthalb Stunden, die ich im Mastkorb verbringe. Ich klettere die Eisenleiter empor, deren Sprossen unter meinen Schuhen klingen, und spüre das Beben des mächtigen Stahlrohrs, das im Rhythmus der Maschine schwingt. Ich stoße die Klappe des Mastkorbs auf, und wie ich mich hinaufgehoben habe, festgeklemmt bin auf dem kleinen Stück Brett, das wir als Sitz befestigt haben, da bin ich hoch über dem ganzen Schiff und hoch im Himmel und nicht mehr auf der Erde. Diel stärker find hier die Schwankungen des Schiffes, denn der Mast ist ja nichts anderes als ein ungeheures Pendel. Ganz schmal und lang erscheint der Schiffsleib und eingebettet in einen Kranz von Schaum. Nur der wirbelnde Vulkan des Schornsteins ist mir nahe. Ich sehe hinab auf das leuchtende Glasdach des Maschinenhauses. Ich sehe die Lichter unserer Bullaugen sich im Wasser spiegeln; eine leuchtende Aura zieht das Schiff durch seine nächtliche Bahn.
Aber nicht auf das Schiff soll ich achten, sondern auf das Meer und auf den Horizont. Leer ist der Horizont und unendlich weit. Sehr einsam ist das Schiff, ein kleiner Weltkörper für sich. Ganz selten, vielleicht in einer Nacht von dreien kann ich einmal am fernsten Horizont einen winzigen Stern entdecken, der eine winzige Spur von wärmerem Licht enthält als andere Sterne. Dann bekomme ich Herzklopfen vor Erregung, strenge aufs stärkste meine Augen an, damit der Steuermann mit seinem guten Glas mir nicht zuvorkommt, denn das ist eine Schande für den Ausguckmann. Sowie ich die Gewißheit habe, messe ich den Winkel ab zu unserem Kurs, hole tief Atem und rufe im besten Plattdeutsch: „Schipp oörut an Stüerbord, veer Strich." Mit tiefer Befriedigung höre ich die rostige Kehle des Steuermanns sich räuspern und feine Antwort: „Allrigth" und sehe, wie er sein Glas in bie gegebene Richtung führt.
Es ist ein wunbervolles Gefühl, bie Sicherheit eines großen Schiffes ben eigenen Augen unb ihrer
Wachsamkeit anvertraut zu wissen. Nie ist mir bie Zeit im Korb lang geworben. Das beste Nachbenken meines Lebens habe ich bort oben gehabt, 40 Meter über dem Wasser.
Ein Steckbrief gegen Napoleon.
Gegen Verbrecher sind Steckbriefe ein allgemein gebräuchliches Fahndungsmittel, daß aber gekrönte Häupter mit Steckbriefen verfolgt werden, ist zumindest ungewöhnlich. Aber selbst Bismarck hat sich eines Steckbriefes bedient, als er während des Karlistenkrieges im Jahre 1874 gegen ben damaligen Thronprätendenten Don Carlos Vorgehen wollte, um sich für den von den Karlisten getöteten preußischen Hauptmann Schmidt die geforderte Genugtuung zu verschaffen. Dieser Steckbrief, auf Grund dessen Don Carlos bei Betreten des deutschen Gebietes verhaftet werden sollte, hat zwar nicht zur Festnahme des Prinzen geführt, aber doch — wie es beabsichtigt war — ihn eine beträchtliche Einbuße an Ansehen und Achtung gekostet. Auch gegen Napoleon I. ist einmal ein Steckbrief erlassen worden, unb zwar während des russischen Feldzuges. Der Kosakenhetman Platosf, der den Kaiser gefangen nehmen wollte, soll sogar demjenigen, ber ! ihm ben Kaiser lebendig einliefern werde, seine wegen ihrer Schönheit vielbewunderte Tochter zur Ehe versprochen haben: jedenfalls aber ließ er zu ber Zeit, als ber Abmiral Tfchitschagoff bem fliehen- ben französischen Heer ben liebergang über bie Beresina sperrte, eine genaue Personenbeschreibung des Kaisers an seine Untergebenen verteilen unb in allen Ortschaften anschlagen, bie bas französische Heer auf seinem Rückzüge berühren mußte. Dieser Steckbrief lautete: „Die Armee Napoleons befindet sich mitsamt dem Urheber aller Greuel unb Verwüstungen Europas auf eiliger Flucht. Wir sind diesem Menschen auf den Fersen, und es ist nicht unmöglich, daß der allmächtige Gott seinem Wüten I dadurch ein Ende bereitet, daß er ihn uns in die ! Hände liefert. Zu diesem Zwecke mache ich hier- i burch die Persönlichkeit dieses Menschen allgemein bekannt. Er ist von kleiner Statur, ziemlich korpu- lent und hat ein bleiches Gesicht; der Hals ist feist unb kurz, ber Kopf ist außergewöhnlich groß unb mit dichten schwarzen Haaren bedeckt. Um seiner gewiß habhaft zu werden, sollen alle Menschen, die dieser Schilderung entsprechen, eingefangen und mir ausgeliefert werden. Von der Belohnung, die denjenigen erwartet, der den Kaiser gefangen nimmt, will ich hier nicht reden: die weltbekannte Großmut unseres erhabenen Monarchen überhebt mich jeden Derfprechens darüber."


