Bombenexplosion im Salzburger Festspielhaus. Keine erheblich Verletzten. — Die Tater entkommen.
Wien. IS.Alai. (DNB.) Im Vorsaal des Salzburger Festspielhauses explodierte Freitagabend eine Dynamitbombe. Mehrere Marmorsäulen, kostbare Mosaiksenster und alle Fenster des Festspielhausgebäudes sowie der gegenüberliegenden Gebäude gingen in Tr ü m m e r. Zur Zeit der Explosion waren mehrere Personen in der Kanzlei beschäftigt, die alle Verletzungen erlitten. Der entstandene Sachschaden ist groß.
Die Kunde von dem Anschlag im Salzburger .Festspielhaus hat sich blitzschnell in ganz Salzburg «verbreitet und hält die ganze Bevölkerung in Atem. 'Oer Hergang des Anschlages soll sich folgender- imahen abgespielt haben: Um 18 Uhr fuhr in lassender Fahrt ein Kraftwagen vor dem ^Festspielhaus vor und stoppte jäh ab. Zwei Männer sprangen aus der Limousine, st ü r z t e n Sn den Vorraum des Festspielhauses und uvarfen den Sprengkörper mitten in Vie Halle. Die Wirkung war außerordentlich Ffart Die großen Marmorsäulen splitterten, die Fenster gingen in Trümmer, und die Mosaikfenster nad) der Straße und dem Theatersaal zu wurden ebenfalls zertrümmert. Die Fensterscheiben in dem Dem Festspielhaus gegenüberliegenden Gebäude gingen in Scherben. Der Sprengkörper war offenbar für eine kurze Zeitzündung ein- 8 e st e l l t gewesen, denn er explodierte kurz, nach- vem er in die Halle geworfen worden war. Inzwischen hatten die Männer den Kraftwagen wieder bestiegen und waren in rasender Geschwindigkeit davongefahren. Die Verwundungen !»er zahlreichen Verletzten sind glücklicherweise nur «ichter Natur. hauptsächlich rühren sie von Glas- Iplittern her. Allerdings wurden auch einige per- aonen infolge des Schreckens von schweren Nerven- Irrämpfen befallen. Die Verletzten sind durchweg Beamte des Festspielhauses. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur, lieber den Anschlag wurden amtlich bisher keinerlei Mitteilungen gemacht.
Ribbentrops Besuch in 2Rom.
Rom, 18. Mai. (DNB.) Am Freitag wurde 'er Beauftragte der Reichsregierung für Abrü- rungsfragen von Ribbentrop von Ministerpräsident Mussolini im Palazzo Venezia zu liiner Besprechung empfangen. Nach einer ergän- Lnden Unterhaltung mit Staatssekretär S u v i ch t:m Abend, trat Herr von Ribbentrop am Sams- lagfrüE) den Rückflug nach Berlin an. Im irrsten Gespräch, das in freundschaftlichstem Tone geführt worden ist, wurde der deutsche und der inalienische Standpunkt noch einmal klargelegt. Bon deutscher Seite wurde erneut betont, daß man !en größten Wert darauf lege, zu einem Abkommen zu gelangen, daß aber ande- «rseits die deutschen Forderungen ein Minimum darstellten, das niemals Gegenstand irgend eines Abhandelns !-in könne. Der italienische Standpunkt ist ja aus hm Merneorandurn und besonders aus dem letzten Zeitungsartikel des italienischen Regierungschefs Iskannt. Die Unteredung mit Suvik ergänzte die l nterhaltung mit Mussolini in einigen technischen k inzelheiten.
Oer Reichskanzler empfängt die Führung des deutschen Handwerks.
Berlin, 18. Mai (DNB.) Reichskanzler Adolf Eitler empfing am 17. Mai die Führung des hutschen Handwerks, den Reichshandwerksführer k-chmidt, den Stellvertreter des deutschen hand- r erksführers, Z e l e n y , und den Generalsekretär ! r. Schild. An dem Empfang nahmen Reicbs- rirtschaftsminister Dr. Schmitt, Reichskommissar fi r den Mittelstand, Ministerialdirektor Dr. W i e n - tie ck und Ministerialrat in der Reichskanzlei Dr. N i l l u h n teil.
Der Reichshandwerksführer erstattete seine per- snliche Meldung als gesetzlich berufener Führer des deutschen Handwerks und üoergab die Summe von 200 000 RM. als Grundstock für die vom Reichskanzler genehmigte Stiftung „Adolf-hitler-Wohlfahrtsspende des deeutschen Handwerks". Die Zweckbestim- rrjung dieser Stiftung ist, alten, notleidenden Handwerksmeistern und Gesellen oder biren Hinterbliebenen Ehefrauen Unterstützung zu giwähren. Die Stiftung wird beim Reichsstand bi5 deutschen Handwerks verwaltet.
Der Reichshandwerksführer berichtete dem Reichs- kcmzler über die Leistungen des deutschem hand- in?rks bei dem Winterhilfswerk und bei der Adolf- k tler-Spende der deutschen Wirtschaft. Außerdem I;rach der Reichshandwerksführer seinen Dank aus für die Arbeit der Reichsregierung, insbesondere bs Reichswirtschaftsministers und des Reichs- iiOeitsministers, bei der gesetzlichen Neu- a-ganisation des deutschen Handwerks, die Made am heutigen Tage rechtskräftig geworden vSre. Der Reichshandwerksführer versicherte, auch ir Handwerk eine mustergültige Ordnung nach dem nationalsozialistischen Zlihrerprinzip herbeizuführen.
Der Reichskanzler dankte für die Spende und fp-ach die Hoffnung aus, daß an dem bestimmt erwartenden allgemeinen Aufstieg der deutschen Wirtschaft auch das Handwerk seinen z bührenden Anteil haben werde.
Kommunistische Seheimdruckerei
in Erfurt ausgehoben.
Erfurt, 18. Mai. (DNB.) Im Anschluß an ixe Aktion gegen die kommunistischen Organisa- icnen in Erfurt gelang es den Beamten der Staats- -cizeiftelle, die Geheimdruckerei der in der die kürzlich zur Verbreitung gelang- et illegalen Flugschriften hergestellt Daren, auszuheben. Die zur Herstellung verwen- teaen Schreibmaschinen, das Druckmaterial, die Jiwbedrucke usw. wurden beschlagnahmt. Weiterhin !» nten zwei Postanlaufstellen der kommu- riüischen Zeitung ausgehoben und das von der K.iD. zu Kurierzwecken verwendete Motorrad mit Ziwagen sichergestellt werden. Insgesamt wur- m; 36 Personen festgenommen.
Lleberraschender Besuch Litwinows in Gens.
Russisch-französische Fühlungnahme. — Eintritt in den Völkerbund und Sicherheitspakt siehen zur Erörterung.
Besprechung mit Barthou.
Genf, 18. Mai. (DNB.) Der russische Volkskommissar Litwinow, der überraschend in Genf eingetroffen ist, hatte am Freitag eine längere Unterredung mit Barthou, ferner mit dem Direktor der Abrüstungsabteilung im Völkerbundssekretariat A g h n i d e s. Don sowjetrussischer Seite wird mitgeteilt, Litwinow habe seine Reise etwas vorverlegt, um sich vor Beginn der Konferenz noch einige Tage zu erholen. Er habe seine Durchreise nach Genf dazu benutzt, um sich im Völkerbundssekretariat über die Aussichten der Abrüstungskonferenz zu erkundigen und mit dem französischen Außenminister die französischrussischen Beziehungen zu erörtern. In Genfer Kreisen wird angenommen, daß Litwinow auch wegen des evtl. Eintritts der Sowjetunion in den Völkerbund Fühlung genommen habe. Litwinow hat Genf wieder verlassen; er wird gegen Ende der kommenden Woche wieder hier erwartet. In der Zwischenzeit wird sich Litwinow voraussichtlich in der Nähe von Genf aufhalten.
Die Pariser Blätter behaupten, d-aß der Eintritt Rußlands in den Völkerbund und der Plan Rußlands, einen europäischen Beistandsvertrag zu schaffen, die Hauptgegenstände der Unterredung zwischen Litwinow und Barthou waren. Litwinow habe seiner Befürchtung Ausdruck gegeben, die Abrüstungskonferenz könne die Behandlung des gesamten Fragenkomplexes in die Hand des Völkerbundes legen, das praktisch zur Folge haben würde, daß weder Rußland noch Amerika daran teilnehmen könnten, da sie nicht Mitglieder des Völkerbundes sind. Pertinax weist auf die besonderen Schwierigkeiten hin, die einem Beitritt Frankreichs zu dem von Litwinow gewünschten europäischen Vertrag entgegenstehen. Auf Grund des Locarno-Vertrages Föhnte Frankreich einem angegriffenen Staat nämlich nur dann Hilfe leisten, wenn dieser Staat Mitglied des Völkerbundes ist. Im allerbesten Falle könne die Unterredung der beiden Staatsmänner als ein Abschnitt in der Kette der zahlreichen Etappen bezeichnet werden, die noch zurückgelegt werden müßten.
Englische Vermutungen.
Eine Konferenz zwischen Rußland und der „Kleinen Entente"?
London, 19. Mai. (DNB.-Funkspruch). Das unerwartete Auftauchen Litwinows in Genf veranlaßt die englische Presse zu Mutmaßungen über eine Annäherung Frankreich-Rußland. Die Presse glaubt, daß die Pläne für einen gegenseitigen Bürg- fchafts- und Unterstützungsvertrag mit Festlegung Des Begriffes des Angriffes bereits weit gediehen seien. „Daily Telegraph" führt ganz unbegründeterweise das russische Streben nach einem Vertrag auf die angebliche Furcht Rußlands vor einem deutschen Angriff zurück. Inzwischen hätten die Juristen am Quai d'Orsay entdeckt,
daß auf Grund des Art 2 des Locarnovertrages Frankreich nicht ermächtigt sei, einem dritten von Deutschland angegriffenen Staat zu Hilfe zu eilen, wenn dieser Staat nicht Mitglied des Völkerbundes sei. Das größte Hindernis, das die französische Politik beseitigen müsse, sei Polen, das nicht nur seinerseits einen ftänöigen Ratss ltz verlange, sondern bei erster Gelegenheit den Schutz für internationale Minderheiten loswerden wolle, um ein etwaiges Vorgehen Rußlands, wenn es einmal im Völkerbunde sei, wegen der russischen Minderheiten in Polen zu verhindern.
„Daily Mail" saat, es bestehe wenig Zweifel, daß der Litwinow-Besuch den „Wendepunkt" in der ganzen Linie der europäischen Beziehungen darstelle. In französischen Kreisen habe man den Besuch Litwinows offen dahin gekennzeichnet: Untere englischen Freunde haben uns in her S i ch e r h e i t s f r a g e im Stich g e - lassen. Wir müssen uns daher wo anders hinwenden. Die neue französische Politik gehe
anscheinend darauf hinaus, Deutschland zu vereinsamen und Gegenmaßnahmen gegen eine deutsche Ausrüstung zu treffen, was nach französischer An« sicht am besten durch den Eintritt Rußlands in den Völkerbund erzielt werden könne.
Hand in Hand hiermit würde eine Verständig gun g Rußlands mit Polen und der Kleinen Entente erfolgen. Es feien Vorschläge für die Abhaltung einer Konferenz in Montreux gemacht worden, an der Vertreter Rußlands, Rumäniens, der Tschechoslowakei und Südslawiens teilnehmen sollen.
„Morning Post" meldet, daß England keine Einwendungen über den Eintritt Rußlands in den Völkerbund machen werde, vorausgesetzt daß dieser den anderen Mächten erwünscht sei. Die französischen Bestrebungen nach einem gegenseitigen Unterstützungspakt zwischen Rußland und Frankreich würden in der Praxis dasselbe wie e i n französisch-russisches Militärbünd- n i s bedeuten.
Frankreich setzt seine Verschleppungstaktik in der Saarfrage fort.
Genf, 18. Mai. (DNB.) Auch am Freitagabend war noch keinerlei Fortschritt in den Verhandlungen über die Saarabstimmung zu verzeichnen. Die Weigerung Frankreichs, einen A b st i m - mungstermin ms Auge zu fassen, macht jedes positive Ergebnis in den politischen Fragen unmöglich. Auch in Kreisen des Völkerbundes glaubt man daher nicht mehr an einen Erfolg der Verhandlungen. Von französischer Seite wird geflissentlich die unwahre Behauptung verbreitet, Deutschland habe sick geweigert, Garantien zu geben, und haoe zuletzt überhaupt nicht mehr geantwortet. In Wirklichkeit ist die französische Haltung trotz des weitgehenden deutschen Entgegenkommens so negativ, daß die italienischen Vermittlungsversuche auf einen bisher unüberroinbba« baren Widerstand stießen. Es muß daher damit gerechnet werden, daß auf der Samstag-Tagung des Völkerbundsrats die entscheidenden politischen Fragen, also vor allem der Abstimmungstermin, die Garantiefrage und die Polizeifrage, u n - gelöst bleiben, und daß neben den schon bekannten technischen Bestimmungen über die Abstimmungsmodalitäten nur die Ernennung der Abstimmungsmodalitäten als Ergebnis übrig bleiben würde.
Aber selbst hier scheint man die Ernennung der Mitglieder nicht sofort durch den Völkerbunosrat vornehmen, sondern sie dem Dreierausschuß Aloisis überlassen zu wollen. Ob in der Frage der Gerichtsbarkeit im Saargebiet während der Abstimmungszeit und hinsichtlich der Größe der Abstimmungsbezirke endgültige Entschlüsse gefaßt werden, oder ob auch hier noch vieles offen bleibt, läßt sich zurzeit noch nicht
beantworten. Man nimmt an, daß der Völkerbundsrat am Samstag diese völlig unbefriedigenden Beschlüsse annehmen und sich bann zunächst vertagen wird. Dann wird eine neue Tagung des Völkerbundsrates während der Ende Mai ober Anfang Juni ftattfinbenben Abrüstungsverhandlun« gen geplant. Man hat ben Eindruck, baß von französischer Seite planmäßig barauf hingewirkt wirb. Die neuen Verhanblungen über bie Saar in bie Atmosphäre b e r Abrüstungskonferenz yineinzuziehen. Dabei hofft man offenbar, bie Stimmungsmache gegen Deutschland wirksamer als jetzt betreiben zu können.
Barthou hat am Freitagabenb ber französischen Presse mitgeteilt, baß Samstag bie Schlußsitzung bes Dölkerbunbsrates über bie Saar ftattfinben werbe. Er habe sich mit Aloifi über einen Bericht an ben Völkerbunbsrat geeinigt, ber bie Frage zufrieben st ekle n b regele. Barthou soll babei haben durch- blicken lassen, baß Deutschlanb mit bieser Lösung nicht einverstauben sein würbe, unb soll weiter versucht haben, ben Anschein zu erwecken, als ob bie übrigen Mächte unter sich einig wären. Diese Darlegung Barthous stellt natürlich vor allem eine Stimmungsmache bar, bie ben Fehlschlag ber Verhanblungen über bie Saar verbecken unb ben Einbruck erwecken soll, als ob ber Völkerbunbsrat feine Pflichten gegenüber ber Saar voll erfüllt hat. In Wirklichkeit zweifelt niemanb baran, baß weber bie Frage bes Abstimmungstermins, noch bie Frage ber Garantien entfchieben wirb, unb baß auch bie Frage ber Polizei offen bleibt.
Keine neue AbnWlWiniüative Englands
Baldwin kündigt englische Aufrüstung an, falls die Verhandlungen scheitern werden.
ß o n b o n, 18. Mai. (DNB.) In ber letzten Sitzung bes Unterhauses vor Pfingsten eröffnete ber Arbeiterparteiler Cripps bie außenpolitische Aussprache. Er verwies zunächst auf bie Tätigkeit Japans in ben vergangenen Jahren, bie er als eine ernste Gefahr für ben Frieben im Fernen Osten unb ber ganzen Welt bezeichnet. Cripps trat für enges Zusammenwirken zwischen ben drei an der Fernostfrage interessierten Mächten, Amerika, Rußland und Großbritannien, ein. Außenminister Sir John Simon erklärte dann, wohl Mussolini als auch er, Simon, seien der Ansicht, daß eine Hinzuziehung der Völ- iferbunbsreform zu den bereits schwierigen Ab- rüstungsverhandlüngen nicht förderlich für die Erzielung eines Abkommens sein würde. „Wenn wir versuchen würden, bas Völkerbunbsstatut ohne Deutschland zu revidieren, bann würden wir immer den großen Nachteil haben, daß eine der Großmächte nicht dazu gehört, und gleichzeitig würden wir einer außenstehenden Großmacht beinahe unbegrenzte Möglichkeiten geben, einen Druck auszuüben. Das Problem der wirtschaftlichen Sanktionen werde von der Regierung aufs genaueste geprüft. Solche finanziellen und wirtschaftlichen Sanktionen könnten aber, nicht leichtfertig ohne d i e G e f a h r ei n e s K r i e g e s angewandt werden. Außerdem müßten etwaige Sanktionen nicht nur auf kleine, sondern auch auf große Staaten anwendbar sein. Der Außenminister lehnte die Ansicht ab, daß man sich jetzt am Ende eines unglücklichen Abenteuers befinde. Es fei besser, jedwedes Opfer und jede neue Anregung ins Auge zu fassen, als zu glauben, daß nicht Wirkungsvolles in Genf getan werden könne.
„Dir gehen nunmehr nach Genf, um dort die Ansichten der anderen zu hören. Wir haben ihnen mehrere Fragen gestellt, unb wir werden natürlich mit sehr großer Geduld auf die Antworten hören. Ich bin nicht ber Ansicht, daß wir in biesem Augenblick selb st eine neue Initiative eröffnen sollen. Weiner Weinung nach müssen wir erklären, daß wir unsere Bemühungen gemacht haben, unb daß wir es nunmehr für notwendig halten, bie Ansichten ber anderen zu erfahren und zu hören, welche positiven plane sie Vorbringen können." Oer Präsident des Staatsrats Stanley Baldwin
erklärte zum Schluß ber Aussprache, baß bie englische Regierung alles vorbereite, um nötigenfalls Aufrüstungsmaßnahmen zu ergreifen. Ein Plan für bie Küstenoerteidigung Englanbs zur See unb in ber Luft fei bereits vollständig. Die Durchführung dieser Pläne gehe entsprechend der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage langsam vor
sich. Wenn sie aber von lebenswichtiger Notwendigkeit für bie Verteibigung Englanbs mürben, unb wenn bie Wolken sich sehr verbichten, bann könnten sie mit größerer Geschwindigkeit ins Werk gesetzt werben. Wenn man Sanktionen ergreifen wolle, bann müsse man auch b e - reit für einen Krieg fein. Es gebe keine wirksamen Sanktionen, bie nicht ben Krieg bebeuten würben. Kein Krieg könne in einer Demokratie erfolgreich zu Ende geführt werben, wenn bas Volk nicht bahinterstehe. Unb bas Volk würbe nicht ba» hintersteren, wenn es nicht überzeugt wäre, baß es von feinem Stanbpunkt ein gerechter Krieg wäre. Baldwin ließ klar durchblicken, daß die englische Regierung sich insbesondere mit den vorbereitenden Maßnahmen für eine etwaige englische Luftaufrüstung befasse. Eine Begrenzung der Luftstreitkräfte würde wahrscheinlich die einzig durchführbare Form einer Luftabrüstung sein. Bei einer solchen Begrenzung würde keine einzelne Macht genügend Ueberlegenheit besitzen, um der Versuchung zu einem Angriff zu unterliegen.
Reichsgrundsätze für den Strafvollzug.
Berlin, 18. Mai. (DNB.) Der Reichsminister ber Justiz hat am 14. Mai 1934 eine Verordnung erlassen, die von Reichs wegen bie Grundsätze für den Vollzug der Freiheitsstrafen und der mit Freiheitsentziehung verbundenen Mahre geln der Sicherung und Besserung regelt. Sie stellt einen Vorläufer des kommenden Reichsstrafvollzugsgesetzes bar, bas im Zusammenhang mit der gesamten Neuordnung Des Strafrechtes bie Angelegenheiten des Strafvollzuges von Reichs wegen regeln wird.
Ueber bie Ziele des Vollzuges dieser Strafen enthält bie Verordnung Grundsätze, die die entschiedene Abkehr von der vor der nationalsozialistischen Revolution vielfach gehandhabten Strafvollzugspraxis kennzeichnen. Nach den neuen Vorschriften sollen die Gefangenen durch die Verbüßung der Freiheitsstrafe bas begangene Unrecht sühnen. Die Freiheitsentziehung ist so zu gestalten, daß sie für die Gefangenen eine empfindliche Sühne ist und auch bei denen, die einer inneren Erziehung nicht zugänglich sind, nachhaltige Hemmungen gegenüber der Versuchung erzeugt, neue strafbare Handlungen 3U begehen. Unnötige Härten sind zu vermeiden, das Ehrgefühl der Gefangenen ist zu wecken, zu schonen und zu stärken. Unterricht für Gefangene soll sie zu oaterlänbischer unb rechtlicher Gesinnung erziehen. Die bisher beftanbenen besonderen Erleichterungen für jugendliche Gefangene sind g e st r i ch e n worden. Für diese jugendlichen I Uebeltäter soll grundsätzlich bas gleiche gelten, wie für Erwachsene.
Der zweite Teil ber Derorbnung enthält bie ।
Grundsätze für den Vollzug ber von ben Strafgerichten verhängten Maßregeln ber Sicherung unb Besserung, bie mit Freiheitsentziehung verbunden sind. Nach dem Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher unb über Maßregeln ber Sicherung unb Besserung vom 24. November 1933 sind bi es bie Sicherungsverwahrung, bie Unterbringung in einer Heil- ober Pflegeanstalt, die Unterbringung in einer Trinkerheilanstalt ober Entziehungsanstalt und bie Unterbringung in einem Arbeitshaus ober Asyl. Bei dem Vollzug der Unterbringung in einer Heil- ober Pflegeanstalt ist nach ber Verordnung sicherzustel - len, daß bie Untergebenen nicht entweichen unb nicht burch neue strafbare Handlungen ber Volksgemeinschaft Schaben zufügen können. Daneben ist bas Ziel zu verfolgen, sie, soweit es möglich ist, zu heilen, unb zu befähigen, ein gesetzmäßiges unb geordnetes Leben in ber Freiheit zu führen. Von besonderer Bedeutung sind die Vorschriften über den Vollzug ber Sicherungsverwahrung. Durch bie Verbüßung ber Freiheitsstrafe soll ber Verurteilte bie Tat sühnen. Die Sicherungsverwahrung hingegen soll den Verurteilten, ber für feine Tat gebüßt hat, aber weiterhin eine Gefahr für bie Allgemeinheit bildet, unschädlich machen, so daß die Volksgemeinschaft vor weiteren Straftaten des Verurteilten geschützt wird.
Wettervoraussage.
Da über dem Festlarrde das Barometer weiterhin steigende Tendenz hat, wird über die Pfingstfeier- tage das Wetter vorwiegend unter dem Einfluß hohen Druckes stehen, so daß mit steigender Erwärmung und auch mit Aufheiterung zu rechnen ist. Eine vom Ozean herannahende Störung dürfte aller- dings maritime Luft zuführen und vorübergehend Bewölkung mit Neigung zu Gewitterstörung veranlassen.
1. P s i n g ft f e i e r t a g: Teils wolkig, teils auf- heiterckh, wärmer, trocken.
2. Pf ingstf eiert ag: Im ganzen fteünbliches und tagsüber wärmeres Wetter.
Lufttemperaturen. Am 18. Mai mittags: 17,8 Grad Celsius; abends 11,6 Grad. Am 19. Mai morgens: 10,6 Grad; Maximum 18 Grad, Minimum 5,8 Grad; Niederschläge: Keine; Sonnenscheindauer 11,2 Stunden. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 18. Mai, abends 18,3 Grad; am 19. Mai, morgens 14,6 Grad Celsius.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. DA. IV. 34: 11200. Druck uno Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steinbruckerei R. Lange, K. ©., sämtlich in Gießen.
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