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Bombenexplosion im Salzburger Festspielhaus. Keine erheblich Verletzten. Die Tater entkommen.

Wien. IS.Alai. (DNB.) Im Vorsaal des Salzburger Festspielhauses explodierte Freitagabend eine Dynamitbombe. Mehrere Marmorsäulen, kostbare Mosaiksenster und alle Fenster des Festspielhausgebäudes sowie der gegen­überliegenden Gebäude gingen in Tr ü m m e r. Zur Zeit der Explosion waren mehrere Per­sonen in der Kanzlei beschäftigt, die alle Ver­letzungen erlitten. Der entstandene Sachschaden ist groß.

Die Kunde von dem Anschlag im Salzburger .Festspielhaus hat sich blitzschnell in ganz Salzburg «verbreitet und hält die ganze Bevölkerung in Atem. 'Oer Hergang des Anschlages soll sich folgender- imahen abgespielt haben: Um 18 Uhr fuhr in la­ssender Fahrt ein Kraftwagen vor dem ^Festspielhaus vor und stoppte jäh ab. Zwei Männer sprangen aus der Limousine, st ü r z t e n Sn den Vorraum des Festspielhauses und uvarfen den Sprengkörper mitten in Vie Halle. Die Wirkung war außerordentlich Ffart Die großen Marmorsäulen splitterten, die Fenster gingen in Trümmer, und die Mosaikfenster nad) der Straße und dem Theatersaal zu wurden ebenfalls zertrümmert. Die Fensterscheiben in dem Dem Festspielhaus gegenüberliegenden Gebäude gingen in Scherben. Der Sprengkörper war offen­bar für eine kurze Zeitzündung ein- 8 e st e l l t gewesen, denn er explodierte kurz, nach- vem er in die Halle geworfen worden war. Inzwi­schen hatten die Männer den Kraftwagen wieder bestiegen und waren in rasender Ge­schwindigkeit davongefahren. Die Verwundungen !»er zahlreichen Verletzten sind glücklicherweise nur «ichter Natur. hauptsächlich rühren sie von Glas- Iplittern her. Allerdings wurden auch einige per- aonen infolge des Schreckens von schweren Nerven- Irrämpfen befallen. Die Verletzten sind durchweg Beamte des Festspielhauses. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur, lieber den Anschlag wurden amtlich bisher keinerlei Mitteilungen ge­macht.

Ribbentrops Besuch in 2Rom.

Rom, 18. Mai. (DNB.) Am Freitag wurde 'er Beauftragte der Reichsregierung für Abrü- rungsfragen von Ribbentrop von Minister­präsident Mussolini im Palazzo Venezia zu liiner Besprechung empfangen. Nach einer ergän- Lnden Unterhaltung mit Staatssekretär S u v i ch t:m Abend, trat Herr von Ribbentrop am Sams- lagfrüE) den Rückflug nach Berlin an. Im irrsten Gespräch, das in freundschaftlichstem Tone geführt worden ist, wurde der deutsche und der inalienische Standpunkt noch einmal klargelegt. Bon deutscher Seite wurde erneut betont, daß man !en größten Wert darauf lege, zu einem Abkommen zu gelangen, daß aber ande- «rseits die deutschen Forderungen ein Minimum darstellten, das niemals Gegenstand irgend eines Abhandelns !-in könne. Der italienische Standpunkt ist ja aus hm Merneorandurn und besonders aus dem letzten Zeitungsartikel des italienischen Regierungschefs Iskannt. Die Unteredung mit Suvik ergänzte die l nterhaltung mit Mussolini in einigen technischen k inzelheiten.

Oer Reichskanzler empfängt die Führung des deutschen Handwerks.

Berlin, 18. Mai (DNB.) Reichskanzler Adolf Eitler empfing am 17. Mai die Führung des hutschen Handwerks, den Reichshandwerksführer k-chmidt, den Stellvertreter des deutschen hand- r erksführers, Z e l e n y , und den Generalsekretär ! r. Schild. An dem Empfang nahmen Reicbs- rirtschaftsminister Dr. Schmitt, Reichskommissar fi r den Mittelstand, Ministerialdirektor Dr. W i e n - tie ck und Ministerialrat in der Reichskanzlei Dr. N i l l u h n teil.

Der Reichshandwerksführer erstattete seine per- snliche Meldung als gesetzlich berufener Führer des deutschen Handwerks und üoergab die Summe von 200 000 RM. als Grund­stock für die vom Reichskanzler genehmigte Stiftung Adolf-hitler-Wohlfahrtsspende des deeutschen Handwerks". Die Zweckbestim- rrjung dieser Stiftung ist, alten, notleidenden Handwerksmeistern und Gesellen oder biren Hinterbliebenen Ehefrauen Unterstützung zu giwähren. Die Stiftung wird beim Reichsstand bi5 deutschen Handwerks verwaltet.

Der Reichshandwerksführer berichtete dem Reichs- kcmzler über die Leistungen des deutschem hand- in?rks bei dem Winterhilfswerk und bei der Adolf- k tler-Spende der deutschen Wirtschaft. Außerdem I;rach der Reichshandwerksführer seinen Dank aus für die Arbeit der Reichsregierung, insbesondere bs Reichswirtschaftsministers und des Reichs- iiOeitsministers, bei der gesetzlichen Neu- a-ganisation des deutschen Handwerks, die Made am heutigen Tage rechtskräftig geworden vSre. Der Reichshandwerksführer versicherte, auch ir Handwerk eine mustergültige Ord­nung nach dem nationalsozialistischen Zlihrerprinzip herbeizuführen.

Der Reichskanzler dankte für die Spende und fp-ach die Hoffnung aus, daß an dem bestimmt erwartenden allgemeinen Aufstieg der deutschen Wirtschaft auch das Handwerk seinen z bührenden Anteil haben werde.

Kommunistische Seheimdruckerei

in Erfurt ausgehoben.

Erfurt, 18. Mai. (DNB.) Im Anschluß an ixe Aktion gegen die kommunistischen Organisa- icnen in Erfurt gelang es den Beamten der Staats- -cizeiftelle, die Geheimdruckerei der in der die kürzlich zur Verbreitung gelang- et illegalen Flugschriften hergestellt Daren, auszuheben. Die zur Herstellung verwen- teaen Schreibmaschinen, das Druckmaterial, die Jiwbedrucke usw. wurden beschlagnahmt. Weiterhin !» nten zwei Postanlaufstellen der kommu- riüischen Zeitung ausgehoben und das von der K.iD. zu Kurierzwecken verwendete Motorrad mit Ziwagen sichergestellt werden. Insgesamt wur- m; 36 Personen festgenommen.

Lleberraschender Besuch Litwinows in Gens.

Russisch-französische Fühlungnahme. Eintritt in den Völkerbund und Sicherheitspakt siehen zur Erörterung.

Besprechung mit Barthou.

Genf, 18. Mai. (DNB.) Der russische Volks­kommissar Litwinow, der überraschend in Genf eingetroffen ist, hatte am Freitag eine längere Unterredung mit Barthou, ferner mit dem Direktor der Abrüstungsabteilung im Völker­bundssekretariat A g h n i d e s. Don sowjetrussi­scher Seite wird mitgeteilt, Litwinow habe seine Reise etwas vorverlegt, um sich vor Beginn der Konferenz noch einige Tage zu erholen. Er habe seine Durchreise nach Genf dazu benutzt, um sich im Völkerbundssekretariat über die Aussichten der Abrüstungskonferenz zu erkundigen und mit dem französischen Außenminister die französisch­russischen Beziehungen zu erörtern. In Genfer Kreisen wird angenommen, daß Litwinow auch wegen des evtl. Eintritts der Sow­jetunion in den Völkerbund Fühlung genommen habe. Litwinow hat Genf wieder verlassen; er wird gegen Ende der kommen­den Woche wieder hier erwartet. In der Zwischen­zeit wird sich Litwinow voraussichtlich in der Nähe von Genf aufhalten.

Die Pariser Blätter behaupten, d- der Eintritt Rußlands in den Völkerbund und der Plan Ruß­lands, einen europäischen Beistands­vertrag zu schaffen, die Hauptgegenstände der Unterredung zwischen Litwinow und Barthou wa­ren. Litwinow habe seiner Befürchtung Ausdruck gegeben, die Abrüstungskonferenz könne die Be­handlung des gesamten Fragenkomplexes in die Hand des Völkerbundes legen, das prak­tisch zur Folge haben würde, daß weder Ruß­land noch Amerika daran teilnehmen könnten, da sie nicht Mitglieder des Völkerbundes sind. Pertinax weist auf die besonderen Schwierig­keiten hin, die einem Beitritt Frankreichs zu dem von Litwinow gewünschten europäischen Vertrag entgegenstehen. Auf Grund des Locarno-Vertrages Föhnte Frankreich einem angegriffenen Staat näm­lich nur dann Hilfe leisten, wenn dieser Staat Mit­glied des Völkerbundes ist. Im allerbesten Falle könne die Unterredung der beiden Staatsmänner als ein Abschnitt in der Kette der zahlreichen Etap­pen bezeichnet werden, die noch zurückgelegt werden müßten.

Englische Vermutungen.

Eine Konferenz zwischen Rußland und der Kleinen Entente"?

London, 19. Mai. (DNB.-Funkspruch). Das unerwartete Auftauchen Litwinows in Genf ver­anlaßt die englische Presse zu Mutmaßungen über eine Annäherung Frankreich-Rußland. Die Presse glaubt, daß die Pläne für einen gegenseitigen Bürg- fchafts- und Unterstützungsvertrag mit Festlegung Des Begriffes des Angriffes bereits weit gediehen seien.Daily Telegraph" führt ganz unbegründe­terweise das russische Streben nach einem Vertrag auf die angebliche Furcht Rußlands vor einem deutschen Angriff zurück. Inzwi­schen hätten die Juristen am Quai d'Orsay entdeckt,

daß auf Grund des Art 2 des Locarnovertrages Frankreich nicht ermächtigt sei, einem dritten von Deutschland angegriffenen Staat zu Hilfe zu eilen, wenn dieser Staat nicht Mitglied des Völ­kerbundes sei. Das größte Hindernis, das die französische Politik beseitigen müsse, sei Polen, das nicht nur seinerseits einen ftänöigen Ratss ltz verlange, sondern bei erster Gelegen­heit den Schutz für internationale Minderheiten loswerden wolle, um ein etwaiges Vorgehen Ruß­lands, wenn es einmal im Völkerbunde sei, wegen der russischen Minderheiten in Polen zu verhindern.

Daily Mail" saat, es bestehe wenig Zweifel, daß der Litwinow-Besuch denWendepunkt" in der ganzen Linie der europäischen Beziehungen darstelle. In französischen Kreisen habe man den Besuch Litwinows offen dahin gekennzeichnet: Untere englischen Freunde haben uns in her S i ch e r h e i t s f r a g e im Stich g e - lassen. Wir müssen uns daher wo anders hinwenden. Die neue französische Politik gehe

anscheinend darauf hinaus, Deutschland zu ver­einsamen und Gegenmaßnahmen gegen eine deutsche Ausrüstung zu treffen, was nach französischer An« sicht am besten durch den Eintritt Rußlands in den Völkerbund erzielt werden könne.

Hand in Hand hiermit würde eine Verständig gun g Rußlands mit Polen und der Kleinen Entente erfolgen. Es feien Vor­schläge für die Abhaltung einer Konferenz in Montreux gemacht worden, an der Vertreter Rußlands, Rumäniens, der Tschechoslowakei und Südslawiens teilnehmen sollen.

Morning Post" meldet, daß England keine Einwendungen über den Eintritt Rußlands in den Völkerbund machen werde, vorausgesetzt daß dieser den anderen Mächten erwünscht sei. Die französischen Bestrebungen nach einem gegenseitigen Unterstützungspakt zwischen Rußland und Frank­reich würden in der Praxis dasselbe wie e i n französisch-russisches Militärbünd- n i s bedeuten.

Frankreich setzt seine Verschleppungstaktik in der Saarfrage fort.

Genf, 18. Mai. (DNB.) Auch am Freitagabend war noch keinerlei Fortschritt in den Ver­handlungen über die Saarabstimmung zu verzeich­nen. Die Weigerung Frankreichs, einen A b st i m - mungstermin ms Auge zu fassen, macht jedes positive Ergebnis in den politischen Fragen unmög­lich. Auch in Kreisen des Völkerbundes glaubt man daher nicht mehr an einen Erfolg der Verhand­lungen. Von französischer Seite wird geflissentlich die unwahre Behauptung verbreitet, Deutschland habe sick geweigert, Garantien zu geben, und haoe zuletzt überhaupt nicht mehr geantwortet. In Wirklichkeit ist die französische Hal­tung trotz des weitgehenden deutschen Entgegenkom­mens so negativ, daß die italienischen Vermittlungs­versuche auf einen bisher unüberroinbba« baren Widerstand stießen. Es muß daher damit gerechnet werden, daß auf der Samstag-Ta­gung des Völkerbundsrats die entscheidenden politi­schen Fragen, also vor allem der Abstimmungster­min, die Garantiefrage und die Polizeifrage, u n - gelöst bleiben, und daß neben den schon bekann­ten technischen Bestimmungen über die Abstim­mungsmodalitäten nur die Ernennung der Abstim­mungsmodalitäten als Ergebnis übrig bleiben würde.

Aber selbst hier scheint man die Ernennung der Mitglieder nicht sofort durch den Völkerbunosrat vornehmen, sondern sie dem Dreierausschuß Aloisis überlassen zu wollen. Ob in der Frage der Gerichtsbarkeit im Saargebiet während der Abstimmungszeit und hinsichtlich der Größe der Abstimmungsbezirke endgül­tige Entschlüsse gefaßt werden, oder ob auch hier noch vieles offen bleibt, läßt sich zurzeit noch nicht

beantworten. Man nimmt an, daß der Völker­bundsrat am Samstag diese völlig unbefriedigen­den Beschlüsse annehmen und sich bann zunächst vertagen wird. Dann wird eine neue Tagung des Völkerbundsrates während der Ende Mai ober Anfang Juni ftattfinbenben Abrüstungsverhandlun« gen geplant. Man hat ben Eindruck, baß von fran­zösischer Seite planmäßig barauf hingewirkt wirb. Die neuen Verhanblungen über bie Saar in bie Atmosphäre b e r Abrüstungskonfe­renz yineinzuziehen. Dabei hofft man offenbar, bie Stimmungsmache gegen Deutschland wirksamer als jetzt betreiben zu können.

Barthou hat am Freitagabenb ber französi­schen Presse mitgeteilt, baß Samstag bie Schluß­sitzung bes Dölkerbunbsrates über bie Saar ftattfinben werbe. Er habe sich mit Aloifi über einen Bericht an ben Völkerbunbsrat geeinigt, ber bie Frage zufrieben st ek­le n b regele. Barthou soll babei haben durch- blicken lassen, baß Deutschlanb mit bieser Lösung nicht einverstauben sein würbe, unb soll weiter versucht haben, ben Anschein zu erwecken, als ob bie übrigen Mächte unter sich einig wären. Diese Darlegung Barthous stellt na­türlich vor allem eine Stimmungsmache bar, bie ben Fehlschlag ber Verhanblungen über bie Saar verbecken unb ben Einbruck erwecken soll, als ob ber Völkerbunbsrat feine Pflichten gegen­über ber Saar voll erfüllt hat. In Wirklichkeit zweifelt niemanb baran, baß weber bie Frage bes Abstimmungstermins, noch bie Frage ber Garan­tien entfchieben wirb, unb baß auch bie Frage ber Polizei offen bleibt.

Keine neue AbnWlWiniüative Englands

Baldwin kündigt englische Aufrüstung an, falls die Verhandlungen scheitern werden.

ß o n b o n, 18. Mai. (DNB.) In ber letzten Sitzung bes Unterhauses vor Pfingsten eröffnete ber Arbeiterparteiler Cripps bie außenpolitische Aussprache. Er verwies zunächst auf bie Tätigkeit Japans in ben vergangenen Jahren, bie er als eine ernste Gefahr für ben Frieben im Fernen Osten unb ber ganzen Welt bezeichnet. Cripps trat für enges Zusammenwirken zwischen ben drei an der Fernostfrage interessierten Mäch­ten, Amerika, Rußland und Großbritannien, ein. Außenminister Sir John Simon erklärte dann, wohl Mussolini als auch er, Simon, seien der Ansicht, daß eine Hinzuziehung der Völ- iferbunbsreform zu den bereits schwierigen Ab- rüstungsverhandlüngen nicht förderlich für die Erzielung eines Abkommens sein würde.Wenn wir versuchen würden, bas Völkerbunbsstatut ohne Deutschland zu revidieren, bann würden wir immer den großen Nachteil haben, daß eine der Großmächte nicht dazu gehört, und gleich­zeitig würden wir einer außenstehenden Großmacht beinahe unbegrenzte Möglichkeiten geben, einen Druck auszuüben. Das Problem der wirtschaftlichen Sanktionen werde von der Regierung aufs genaueste geprüft. Solche finanziellen und wirtschaft­lichen Sanktionen könnten aber, nicht leicht­fertig ohne d i e G e f a h r ei n e s K r i e g e s angewandt werden. Außerdem müßten etwaige Sanktionen nicht nur auf kleine, sondern auch auf große Staaten anwendbar sein. Der Außenminister lehnte die Ansicht ab, daß man sich jetzt am Ende eines unglücklichen Abenteuers be­finde. Es fei besser, jedwedes Opfer und jede neue Anregung ins Auge zu fassen, als zu glauben, daß nicht Wirkungsvolles in Genf getan werden könne.

Dir gehen nunmehr nach Genf, um dort die Ansichten der anderen zu hören. Wir haben ihnen mehrere Fragen gestellt, unb wir werden natürlich mit sehr großer Geduld auf die Antworten hören. Ich bin nicht ber Ansicht, daß wir in biesem Augenblick selb st eine neue Initia­tive eröffnen sollen. Weiner Weinung nach müssen wir erklären, daß wir unsere Bemü­hungen gemacht haben, unb daß wir es nun­mehr für notwendig halten, bie Ansichten ber anderen zu erfahren und zu hören, welche positiven plane sie Vorbringen können." Oer Präsident des Staatsrats Stanley Baldwin

erklärte zum Schluß ber Aussprache, baß bie eng­lische Regierung alles vorbereite, um nötigenfalls Aufrüstungsmaßnahmen zu ergreifen. Ein Plan für bie Küstenoerteidigung Englanbs zur See unb in ber Luft fei bereits vollständig. Die Durchführung dieser Pläne gehe entsprechend der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage langsam vor

sich. Wenn sie aber von lebenswichtiger Notwendig­keit für bie Verteibigung Englanbs mürben, unb wenn bie Wolken sich sehr verbichten, bann könnten sie mit größerer Geschwindigkeit ins Werk gesetzt werben. Wenn man Sanktio­nen ergreifen wolle, bann müsse man auch b e - reit für einen Krieg fein. Es gebe keine wirksamen Sanktionen, bie nicht ben Krieg bebeuten würben. Kein Krieg könne in einer Demokratie er­folgreich zu Ende geführt werben, wenn bas Volk nicht bahinterstehe. Unb bas Volk würbe nicht ba» hintersteren, wenn es nicht überzeugt wäre, baß es von feinem Stanbpunkt ein gerechter Krieg wäre. Baldwin ließ klar durchblicken, daß die englische Regierung sich insbesondere mit den vorbereitenden Maßnahmen für eine etwaige englische Luftaufrüstung befasse. Eine Be­grenzung der Luftstreitkräfte würde wahrscheinlich die einzig durchführbare Form einer Luftabrüstung sein. Bei einer solchen Begrenzung würde keine einzelne Macht genügend Ueberlegenheit besitzen, um der Versuchung zu einem Angriff zu unter­liegen.

Reichsgrundsätze für den Strafvollzug.

Berlin, 18. Mai. (DNB.) Der Reichsminister ber Justiz hat am 14. Mai 1934 eine Verordnung erlassen, die von Reichs wegen bie Grundsätze für den Vollzug der Freiheitsstrafen und der mit Freiheitsentziehung verbundenen Mah­re geln der Sicherung und Besserung regelt. Sie stellt einen Vorläufer des kommenden Reichsstrafvollzugsgesetzes bar, bas im Zusammen­hang mit der gesamten Neuordnung Des Straf­rechtes bie Angelegenheiten des Strafvollzuges von Reichs wegen regeln wird.

Ueber bie Ziele des Vollzuges dieser Strafen enthält bie Verordnung Grundsätze, die die ent­schiedene Abkehr von der vor der nationalsozialisti­schen Revolution vielfach gehandhabten Strafvoll­zugspraxis kennzeichnen. Nach den neuen Vor­schriften sollen die Gefangenen durch die Ver­büßung der Freiheitsstrafe bas begangene Unrecht sühnen. Die Freiheitsentziehung ist so zu gestalten, daß sie für die Gefangenen eine empfindliche Sühne ist und auch bei denen, die einer inneren Erziehung nicht zugänglich sind, nachhaltige Hemmungen gegenüber der Versuchung erzeugt, neue strafbare Handlungen 3U begehen. Unnötige Härten sind zu vermeiden, das Ehrgefühl der Gefangenen ist zu wecken, zu schonen und zu stärken. Unterricht für Ge­fangene soll sie zu oaterlänbischer unb rechtlicher Gesinnung erziehen. Die bisher beftanbenen be­sonderen Erleichterungen für jugendliche Gefangene sind g e st r i ch e n worden. Für diese jugendlichen I Uebeltäter soll grundsätzlich bas gleiche gelten, wie für Erwachsene.

Der zweite Teil ber Derorbnung enthält bie

Grundsätze für den Vollzug ber von ben Straf­gerichten verhängten Maßregeln ber Sicherung unb Besserung, bie mit Freiheitsentziehung verbunden sind. Nach dem Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher unb über Maßregeln ber Sicherung unb Besserung vom 24. November 1933 sind bi es bie Sicherungsverwahrung, bie Unter­bringung in einer Heil- ober Pflegeanstalt, die Unterbringung in einer Trinkerheilanstalt ober Entziehungsanstalt und bie Unterbringung in einem Arbeitshaus ober Asyl. Bei dem Vollzug der Unterbringung in einer Heil- ober Pflege­anstalt ist nach ber Verordnung sicherzustel - len, daß bie Untergebenen nicht entweichen unb nicht burch neue strafbare Handlungen ber Volksgemeinschaft Schaben zufü­gen können. Daneben ist bas Ziel zu verfolgen, sie, soweit es möglich ist, zu heilen, unb zu befähi­gen, ein gesetzmäßiges unb geordnetes Leben in ber Freiheit zu führen. Von besonderer Bedeutung sind die Vorschriften über den Vollzug ber Sicherungsverwahrung. Durch bie Verbüßung ber Freiheitsstrafe soll ber Verurteilte bie Tat sühnen. Die Sicherungsverwahrung hingegen soll den Ver­urteilten, ber für feine Tat gebüßt hat, aber weiterhin eine Gefahr für bie Allgemein­heit bildet, unschädlich machen, so daß die Volksgemeinschaft vor weiteren Straftaten des Ver­urteilten geschützt wird.

Wettervoraussage.

Da über dem Festlarrde das Barometer weiterhin steigende Tendenz hat, wird über die Pfingstfeier- tage das Wetter vorwiegend unter dem Einfluß hohen Druckes stehen, so daß mit steigender Erwär­mung und auch mit Aufheiterung zu rechnen ist. Eine vom Ozean herannahende Störung dürfte aller- dings maritime Luft zuführen und vorübergehend Bewölkung mit Neigung zu Gewitterstörung veran­lassen.

1. P s i n g ft f e i e r t a g: Teils wolkig, teils auf- heiterckh, wärmer, trocken.

2. Pf ingstf eiert ag: Im ganzen fteünbliches und tagsüber wärmeres Wetter.

Lufttemperaturen. Am 18. Mai mittags: 17,8 Grad Celsius; abends 11,6 Grad. Am 19. Mai morgens: 10,6 Grad; Maximum 18 Grad, Minimum 5,8 Grad; Niederschläge: Keine; Sonnenscheindauer 11,2 Stun­den. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe. Am 18. Mai, abends 18,3 Grad; am 19. Mai, morgens 14,6 Grad Celsius.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber An­zeigen: Theobor Kümmel. DA. IV. 34: 11200. Druck uno Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steinbruckerei R. Lange, K. ©., sämtlich in Gießen.

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der veredelte reine Bohnenkaffee