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Nachdruck verboten!

8. Fortsetzung.

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Fräuleinchen, für den leg ich alte Frau meine Hand ins Feuer. Und doch, ich bin Mutter. Er wird Sie in meinem Zimmer zeichnen, in meiner Gegen­wart. Sie sollen sich durch nichts beunruhigen.

Ellen Ehlers entschuldigen Sie, Frau Zim­mermann", sagte das junge Mädchen hastig.

Der Name paßt zu Ihnen. Er klingt wie eine edle Münze", sagte Frau Zimmermann versonnen.

Jetzt, im Hellen Licht, sah sie zum ersten Male Ellens volle Schönheit, und ihre Augen wurden groß, voll ehrlicher Bewunderung.

Gedankenlos hatte Ellen ihre schwarze Trauer­kappe vom Kops genommen. Ihr Helles Haar leuch­tete in der Sonne wie mattes Gold.

Sie sind schön, schön wie die Morgensonne aber Sie werden es deshalb schwerer haben im Leben als andere sehr schwer. Schönheit ist Schicksal." In ihrer ehrlichen Art konnte Frau Zimmermann ihre Begeisterung für das schöne Mädchen nicht zurückhalten.

Frau Zimmermann!" In Ellens Gesicht stand

Uebrigens, Sie haben Trauer?"

Ueber Ellens Erzählung verging die Zeit. Frau Zimmermann lauschte tief erschüttert. Tränen kamen ihr.

Armes, liebes Kind... Ich danke Gott, daß er Sie mir schickte. Mütter in meinem Alter sind ohne Sorgen wie alte Ruinen. Nur wenn wir für andere, Jüngere sorgen können, scheint uns der Rest unseres Lebens noch wertvoll. Bleiben Sie bei mir! Ihre Sachen werde 'ich vom Spediteur besorgen. Bleiben Sie! Gott segne Ihr Kommen!"

Ergriffen senkte Ellen Ehlers den Kopf. Alles, was bis jetzt an Schmerz und Weh in ihrer Brust mühsam zurückgedrängt war, brach gewalt­sam durch. Es war, als ob alle künstliche Starre in ihr sich löse unter den mitfühlenden Worten dieser einfachen, fremden Frau.

Tränen weihten die Stätte, die ihr von nun an Heimat sein sollte. Tränen ...

Siebentes Kapitel.

Unmöglich, Herr Doktor! Ein idealeres Frauen­bildnis konnte von anderer Seite nicht geliefert werden."

Bernd Caßler war rührend in feiner Begeisterung.

Der Reklamechef lachte etwas überlegen.

Nach Ihrer Ansicht vielleicht. Ausgerechnet Sie wollen den idealsten Typ gefunden haben, nachdem Sie Wochen vorher Zeit genug hatten. Doch wie gesagt, ich kann Ihnen nur den Gefallen tun, vor­sichtig anzufragen. Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Mal sehen, ob ich Herrn Doktor von Rakenius erreiche."

Bange Minuten.

Was bedeutete diese Entscheidung jetzt für Bernd Caßler?

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Ja, wo sie in dieser Nacht schlafen würde, wußte sie im Augenblick noch nicht. Diese Zimmersuche! Sie stellte ja gar keine Ansprüche, konnte keine stellen.

Nur ein kleines, sauberes Stübchen und eine Wirtin, die nicht nur Zimmervermieterin, sondern vielleicht manchmal, nur manchmal auch ein ganz klein wenig Mensch war...

Dctmals war sie ja auch unter Fremden gewesen, doch des Sonntags daheim wartete immer noch die Mutter. Jetzt jetzt wartete keiner mehr. Keiner.

Bernd Caßler hatte Ellens plötzliches, ernstes Schweigen mit keinem Worte zu unterbrechen ge­wagt. Nun, da sie sekundenlang ihre Augen in rührender Hilflosigkeit auf ihn richtete, fragte er leise:

Sie sind fremd hier, gnädiges Fräulein?"

Ellen strich sich über die Stirn, als wolle sie einen bösen Traum verwischen, dann sagte sie:

Ja. Ich wollte mir eben ein billiges Zimmer suchen. Hab auch schon viele angesehen aber ich weiß nicht, es müßte doch auch ein bissel wie Heimat sein."

Gnädiges Fräulein, ich bin so tief in Ihrer Schuld. Dürfte ich Ihnen hier wohl helfen? Ziehen Sie zu Frau Zimmermann."

Jetzt mußte Ellen doch wider Willen lächeln.

Was weiß ich denn von Frau Zimmermann?"

Auch Caßler lächelte, aber gleich wurde er wieder eifrig:

Frau Zimmermann? Ach, das ist die beste Wir­tin, die man sich denken kann. Erkundigen Sie sich in der ganzen Nachbarschaft. Ich wohnte bei Gott nicht dort, wenn es nicht eine einwandfreie und gütige Heimat wäre."

Auf der halbdunklen Treppe des Miethauses in der Nordstraße stutzte Ellen doch ein wenig. Bernd Caßler nahm ihr die Furcht. Seltsam, welche Ruhe und Sicherheit von diesem Menschen ausging!

Sie brauchen sich nicht zu ängstigen, gnädiges Fräulein. Frau Zimmermann weiß, daß ich keiner­lei Damenbekanntschaft unterhalte oder irgend jemand auf der Straße anspreche, um ihr Zimmer zu vermieten. Nur bin ich dieser guten Frau wirklich zu Dank verpflichtet. Aber hier sind wir schon..."

Eine große, massige Frau öffnete die Tür. Ihr Gesicht war offen und gütig. Ihre Stimme dunkel und mütterlich.

Verehrte Frau Zimmermann, lassen Sie uns doch mal in Ihr neutrales Zimmerchen kommen. Ich muß Ihnen erzählen ..."

Ach je, der liebe, besorgte Herr Caßler. Bitte, mein Fräulein, treten Sie näher! Wenn Herr Caßler Sie mir empfiehlt, dann hab ich Sie schon gern, bevor wir uns kennen. Bitte schön!"

Ellen trat in ein sauberes, kleines Zimmer mit einfachen, altertümlichen Möbeln. Aber eine Behag­lichkeit ging von diesen Möbeln aus, daß Ellen zum ersten Male ein wenig freier ums Herz wurde.

Ja, hier konnte man ausruhen.

Bernd Caßler erzählte. Schnell, überstürzt. Freude klang aus feinen Worten.

Sonst war Ihr Entwurf abgelehnt?" Frau Zimmermann unterbrach teilnahmsvoll.

Ja", kam es kurz zurück. Bexnd Caßler dachte an die längst fällige Monatsmiete und schwieg.

Ich habe doch immer gesagt, diese abgeschmackten Filmstars passen nicht auf eine zugkräftige Reklame. Die kennt doch schon Hinz und Kunz... Und nun will er Sie abklatschen?"

So urwüchsig traf diese Frage Ellens Ohr, daß sie unvermittelt herzlich auflachte.

Ja, Frau Zimmermann, es ist merkwürdig. Man geht einfach mit einem fremden Menschen mit und..."

Tja, mein liebes Kindchen. Es sind ja immer nur die wahren, reinen Menschen, die sich auf den ersten Blick finden. Das wundert mich alte Frau durchaus nicht. Weiß auch nicht, warum ich so an Herrn Caßler hänge. Als ob er mein Junge wäre..." Die Augen der alten Frau feuchteten sich plötzlich. Manchmal dank ich immer wieder dem lieben Herrgott, daß er mir den Herrn Caßler ins Haus geschickt hat, wo ich doch im Kriege meine beiden prächtigen Jungens verloren hab ..."

Das gerade, einfache Gesicht hatte sich verdüstert, bann aber raffte sich Frau Zimmermann auf und wurde schnell wieder heiter:

Auch mich hat er mal gezeichnet, aber meine Visage reichte eben gerade nur für eine Erbswurst- Reklame. Als fette Köchin in weißer Schürze und Haube."

Das herzliche Lachen der drei jungen Menschen knüpfte schneller ein Band, als viele Worte es hätten tun können, und half über die erste Scheu der jungen Bekanntschaft hinweg.

So kämpft er sich eben durch, der tapfere Junge", nahm Frau Zimmermann das Gespräch wieder auf, nachdem Bernd Caßler sich für kurze Zeit mit tiefer Verbeugung entschuldigt hatte.

Dann führte sie Ellen ins Nebenzimmer. Die blitzende Sauberkeit, die auch hier herrschte, hatte nichts Kaltes, Pedantisches, weil über allem ein Hauch von Gemütlichkeit und stiller Fröhlichkeit lag.

Es steht schon seit langem leer. Zuletzt wohnte eine Dame hier, die ich nach zwei Tagen hinaus­bitten mußte, Fräulein ..."

Seine Gedanken weilten bei dem Mädchen, das ihm ein glücklicher Zufall so überraschend in den Weg geführt hatte.

Zufall? Schicksal! Bestimmung...

Zum ersten Male in seinem Leben fühlte er, wie fein Herz nicht ruhig bleiben konnte, wenn er des schönen jungen Mädchens gedachte.

Ja immer klarer war ihm die Erkenntnis geworden. Mit aller Leidenschaft seiner jungen Künstlerseele liebte er dieses kluge, tapfere Mädchen, und doch wurde diese Leidenschaft durch den Ver­stand beherrscht. Mußte es.

Ellen Ehlers durfte nie etwas über fein Inneres erfahren. Das war ihm klar. Nie wenn ihre köstliche Gegenwart ihm nicht genommen werden sollte.

Als der Reklamechef wieder eintrat, war er Der- legen.

Gehen Sie, bitte, durch diesen Gang hier. Ganz rechts im letzten Zimmer finden Sie Herrn Doktor von Rakenius selbst."

Mit einem Sprung war Bernd Caßler draußen.

Ellen! Ellen! Ich werde durch Sie siegen!"

Hinter einem massigen, kostbaren Schreibtisch er­hob sich ein Herr. Jung noch, wie Caßler zu seinem Erstaunen feststellte.

Mit freundlichem Lächeln trat er auf den jungen Künstler zu.

Sie sind Herr Caßler?"

Jawohl, Herr Doktor. Sagen Sie, bitte, habe ich Glück?"

Es kam voreilig. Caßler bereute es schon.

Doch Herr von Rakenius schien nichts gehört zu haben. Er hatte sich niedergelassen und deutete mit der Hand nach dem leeren Stuhl, während seine Augen an der Unzahl von Reagenzgläsern vor ihm hingen.

Das, was Sie einreichten", hörte Caßler eine dunkle, warme Männerstimme wie von weitem, suche ich, verstehen Sie suche ich!"

Ein tiefes Aufleuchten ging über das junge Gesicht des Künstlers. Er öffnete den Mund; aber so groß waren die Spannungen in ihm gewesen, daß er jetzt nicht eines Wortes mehr fähig war.

Doktor von Rakenius aber schien kaum darauf zu achten, welchen erschütternden Eindruck seine Worte bei dem anderen auslösten.

Es ist gut. Ich entscheide mich für Ihren Ent­wurf", sagte er leise, mit abgewandtem Gesicht, auf dem eine sonderbare Wehmut lag.

Sekundenlang war Schweigen in dem hohen Raum.

Doktor von Rakenius schien mit irgend etwas innerlich stark beschäftigt, und auch Caßler mußte erst fein Wück ganz erfassen.

Da geschah etwas gänzlich Unerwartetes.

Wer diente Ihnen als Modell? Können Sie mir die Adresse der jungen Dame nennen?"

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