Einzelbild herunterladen

Nr. M Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 17. Blai 1934

Kreisbeauftragter des Michssport- führers für den Kreis Gießen.

Die Werbewarte der Leibesübung treibenden Vereine der Stadt Gießen werden hiermit zu einer Besprechung auf Freitag, 18. Mai, 19.15 Uhr, Restaurant Boller, Bahnhof­straße, eingeladen. Dauer der Besprechung eine Stunde. Erscheinen ist Pflicht.

Mohr, Kreisbeauftragter.

Oer Saarland-Treuelauf der NT.

Mit einer gewaltigen Kundgebung für die Ein­heit zwischen Saar und Reich tritt die Deutsche Turnerschaft hervor. In der Zeit vom 2 4. bis 2 6. August wird nach dem Vorbild des im Jahre 1925 veranstalteten Hermannslaufes, an dem beinahe 150 000 Turner und Turnerinnen be­teiligt waren, eine große Saarland-Treue- st a s f e l durchgeführt. In tausenden von Reben- und Anschlußstaffeln, die in neun Hauptstaffeln münden, werden Treuebotschaften aus allen Teilen des Reiches nach dem Ziel am Deutschen Eck in Koblenz getragen. Hunderttausende von Turnerinnen und Turner wollen auf diese Weise die innerliche Verbundenheit zwischen Reich und Saar, zwischen den deutschen Volksgenossen hier und dort zum Ausdruck bringen. Die Aus­gangspunkte der neun Hauptläufe befinden sich in Ostpreußen, Oberschlesien, Sachsen, am Königssee bei Berchtesgaden, am Bodensee, im südlichen Schwarzwald, im Münsterland, auf Helgoland und bei Flensburg. Der längste Weg ist der aus Ost­preußen. lieber Allenstein, Tannenberg, Marien­werder führt die Strecke im ersten Abschnitt. Dann

geht es auf dem Seeweg zur Vermeidung des Korridors weiter. Berlin, Magdeburg, Goslar und Kassel werden als nächste Stäote vor dem Ziel in Koblenz berührt.

Nas dritteLehrspiel" - eine Niederlage

Die deutsche Rational-TNannschaft unterliegt in Düsseldorf mit 0:1.

Das dritteLehrspiel" gegen die englische Berufs­spieler-Mannschaft von Derby County hat dem Deutschen Fußball-Bund am gestrigen Mittwoch­nachmittag im Düsseldorfer Rheinstadion die erste Niederlage gebracht. Es muß vorweg gesagt wer­den, daß die knappe 0:l-Niederlage unserer Els verdient ist. Die diesmalige deutsche Mannschaft konnte nicht im entferntesten an das taktisch kluge und technisch elegante Spiel ihrer beiden Vorgänge­rinnen heranreichen.

Während die Engländer in der angekünüigten starken Aufstellung antraten, mußten im deutschen Sturm einige Umgruppierungen vorgenommen wer­den. Für den fehlenden Conen spielte der Mann­heimer Siffling in der Mitte, Roack stürmte halb­links, während den Posten des Rechtsaußen Lehner einnahm. Der Sturm war sehr schwach, lediglich der rechte Flügel ging an. Siffling trat nur als Einzelspieler in Erscheinung. Die Läuferreihe war in der Abwehr annehmbar, von den Verteidigern war Schwarz vor und Haringer nach der Halbzeit be­sonders gut und Kreß im Tor spielte ohne Tadel. Der einzige Treffer der Engländer fiel schon in der 17. Minute durch den Rechtsaußen Wildman.

Schiedsrichter Birlem (Berlin) leitete vor 20 000 Zuschauern zufriedenstellend"

Die Meldungen gehen an die von den Verbänden bei den einzelnen Sportarten aufgeführten Meldestellen, die sie gesam­melt und geordnet dem Sonderbüro der Deutschen Kampfspiele Nürnberg 1934 zuleiten. Meldeschluß für alle Sportarten in Nürnberg am 10. Juli 1934 mittags, für die Teilnehmer in den einzelnen Sport­arten bei den angegebenen Meldestellen zu den an- gesetzten Zeitpunkten. Jeder Teilnehmer hat für seinen Wettkampf einen Einsatz von 2 Mark zu zahlen. Für jeden weiteren Wettkampf muß ein Zuschlag von 50 Pf. entrichtet werden.

Preiswerte Unterkunft.

Jeder aktive Teilnehmer erhält einen nicht über­tragbaren Ausweis der für die Veranstaltung und zur Erlangung der Vergünstigungen gilt. Die Fragen der Unterkunft, Verpflegung usw. sind von dem Dorbereitungsausschuß in denkbar groß­zügiger Weise gelöst worden. Den erwarteten ins­gesamt 5000 aktiven Teilnehmern wird Unterkunft in Massenquartieren schon von 40 Pf. an bis zum Preise von 4 Mark in einem guten Hotel geboten. Die Zuschauer werden als Höchstsatz in einem Groß­hotel 6 Mark für ein Zimmer zahlen. Weiterhin stehen 21 000 Privatquartiere zur Verfügung. Für die Teilnehmer am Reichsjugendtreffen, für das 30 bis 40 000 Jungen und Mädels erwartet wer­den, wird auf der Ruffenwiefe, in unmittelbarer Nähe des Stadions, eine riesige Zeltstadt errichtet. Unterbringung und Verpflegung wird hier für einen Tagessatz von 1.50 Mk. pro Kopf und Tag gegeben.

Die Ausschreibungen

für die Kampfspiele sieht folgende Sportarten vor: Handball, Hockey, Fußball, Schlagball, Faustball, Wasserball, Rugby, Tennis, Turnen, Fechten, Rei­

ten, Boxen, Kraftsport (Ringen, Gewichtheben, Jiu- Jitsu), Schießen, Leichtathletik, Radfahren, Motor­radsport, Kanu und Faltboot, Schwimmen, Rudern, moderner Fünfkampf und Kegeln. Sportarten, deren Durchführung in Nürnberg nicht möglich ist, z. B. Rudern, Kanu, Segel- und Motoryachtsport, sowie Rckd- und Tennissport werden gleichfalls als Kampf­spielwettbewerbe in Verbindung mit den Deutschen Meisterschaften nur an anderen Orten, die eine einwandfreie sportliche Austragung gewährleisten, durchgeführt. Im Rahmen der Kampfspiele kom­men Rollfchuhwettbewerbe, Kanu-Kurzstreckenregat­ten und eine Autozielfahrt zum Austrag.

kampfspielmeisterschaflen außerhalb Nürnbergs.

Die Tenniswettbewerbe werden in Ver­bindung mit den Nationalen Meisterschaften des Deutschen Tennisbundes auf den Hartplätzen des Münchener Tennis- und TurnierelubsJphitos" in der Zeit vom 24. bis 28. Juli ausgetragen.

Die Kampfspielruder m ei st erschaften finden gleichzeitig mit den deutschen Rudermeister­schaften vom 21. bis 22. Juli in Mainz statt. Die Deutsche Kampfspielmeisterschaft im Kanu­sport über die lange Strecke in Faltbooten wird am 22. Juli auf dem Starnberger See ausgetragen; die Meisterschaft auf der kurzen Strecke und im Kanusegeln werden am 11. und 12. August in Ham­burg dürchgeführt. Im Segeln finden die Kampf­spielwettfahrten im Rahmen der Kieler Woche in der Zeit vom 17. bis 23. Juni statt. Im Motor­bootsport werden die Kampfspielwettfahrten am 1. bis 3. Juni auf dem Templiner See bei Pots­dam im Rahmen der Internationalen Motorboot- Regatten ausgefahren. Die Radfportmei ft er­schaften der Amateure auf der Bahn kommen am 22. Juli in Halle a. S. zum Austrag.

Oberheffeu.

Oie Prüfungen zum SA.-Sport­abzeichen in vollem Gange.

Der zweite Teil der Prüfungs-Bestimmungen.

Wenn das SA.-Sportabzeichen, dessen Schaffung der Stabschef Reichsminister Ernst Röhm vor einigen Monaten verfügte, seinen Zweck voll erfüllen soll, wenn es ein Gradmesser für den ßeiftungsftanöarb der gesamten deutschen Jugend, nicht nur einiger weniger Einzelkönner werden soll, so bedurfte es dazu einer Organi­sation, die nicht nur den fernsten Winkel im Reich erfaßte, sondern auch in ihren Zentralstellen, also bei den Inspekteuren und beim Chef des Ausbil­dungswesens der SA., bis in die geringsten Ein­zelheiten durchdacht und aufgebaut ist. Schon heute, nach wenigen Monaten, steht diese Organisation fix und fertig da, und nun beginnen im ganzen Deutschen Reich die Prüfungen. Wie gewaltig der Ansturm der deutschen Jugend ist, die dieses Ehren­zeichen der SA. erwerben möchte, zeigen die Zah­len, die man bei einem Besuch in der Zentralstelle zu hören bekommt.

Bisher sind über 80 000 Meldekarten ausge­füllt worden, und jeder Tag bringt neue Hun­derte, neue Taufende.

Die Prüfungen, denen sich die Bewerber um das begehrte Abzeichen unterziehen müssen, sind einfach und geradlinig. In ihnen fall sich erweisen, was der Bewerber mit dem aufgenommenen Lehrstoff anzu- fangen weiß. Die der Öffentlichkeit bereits bekann­ten Prüfungsbestimmungen der Gruppe Leibes­übungen erfahren ihre Ergänzung in der Gruppe IIG r u n d ü b u n g e n" und in Gruppe IIIGeländespor t". Sie bauen sich sinnvoll und zweckmäßig auf. Während die Gruppe I von den Bewerbern rein körperliche Leistungen verlangt, findet man in

Gruppe IIGrundübungen"

Prüfungen, die vor allem Härte, Ausdauer, Zusam­menhalt sowie eine sichere Hand und ein sicheres Auge erfordern. So wird beim 25-Kilometer-Gepäck- marsch, der ausschließlich in geschlossener Kolonne durchgeführt wird, nicht nur die Marschzeit gewer­tet, sondern auch die Marschdisziplin und die Lei­stungsfähigkeit nach dem Marsche. Diese Forderun­gen entsprechen vor allem der Erkenntnis, daß der Mannschaftssport Eigenschaften entwickeln hilft, die in der Turnhalle und auf der Aschenbahn vielfach zum Verkümmern verdammt sind. Auch der Klein­kaliberschießsport findet sich in dieser Gruppe. Der KK.-Schütze muß ein gutes Auge, eine sichere Hand haben, seine Körperbeherrschung muß vollendet sein. Der große Aufschwung, den der Schießsport in den letzten Jahren in allen Ländern der Welt genom­men hat, beweist am besten, welche Werte ihm innewohnen. Wer seinen Körper nicht unter Kon­trolle hat, wird nie ein guter Schütze sein, umge­kehrt sind fast alle erfolgreichen Schützen auch erfolg­reiche Sportsleute. Die Bewertung des Schießspor­tes führt schließlich auch dazu, daß seine Aufnahme ins Programm der Olympischen Spiele erwogen wird. Als Erfüllung der Prüfung zum SA.-Sport­abzeichen wird eine Durchschnittstrefferzahl von 5 bis 6 Ringen auf der 12er-Scheibe gefordert. Die Grunddifziplin aller Wurfübungen, ein Keulenwer­

fen auf markierte Punkte, vervollständigt die Gruppe Grundübungen.

Gruppe IIIGeländefport".

Der Sport des liberalistifchen Zeitalters stand im Zeichen des Individuums, Leistung war alles, Masse nichts.Einer läuft, 50 000 sehen zu, das ganze nennt man dann Sport". Dieses Wort einer damaligen Größe traf den Nagel auf den Kopf. Diese Art, Sport aufzufassen, dieser Asphaltsport gedieh in der schwülen Atmosphäre einerZivili­sation", die von ihren Errungenschaften sprach und den Zusammenhang mit der Natur verloren hatte. Dann kam der Wandel: Der Mann der Faust, der einfache, unverbildete, gesund empfindende SA.- Mann erkämpfte sich zuerst die Straße und dann die Macht. Seine Revolution fegt in letzter Kon­sequenz die Scheinblüten der individualistischen Epoche hinweg und ersetzt sie durch die Begriffe vom Blut und Boden, der Weg führt von der Zi­vilisation zurück zur Kultur, von der Aschenbahn zurück ins Gelände.

Die erste Form dieser neuen Entwicklung ist der Geländesport. Nicht was man im Gelände treibt ist wichtig, sondern daß man seinen Körper in engster Verbundenheit mit der Natur stählt! Un­bewußt schlummerten solche Gedanken von jeher in den Herzen wirklicher Sportler. Beweis: Der Leichtathlet nimmt als Wintertraining mit Vor­liebe den Waldlauf, also die Auseinandersetzung mit dem Gelände ober das Skilaufen und das ist im Grunde genommen gleichfalls Gelände- fport. Warum aber, wenn das unbewußt geschieht warum es dann nicht mit aller Konsequenz in die Tat umsetzen?

Unter solchem Gesichtspunkt sind die Bedingun­gen der Gruppe III (Geländesport) für das <521.- Sportabzeichen zu sehen. Sie dienen restlos dazu, den jungen Menschen, und damit den werdenden Sportsmann, mit dem Gelände vertraut zu machen, ihn in dieses Gelände hineinwachsen zu lassen und ihm damit den Weg zu einer natürlichen Körper­stählung (natürlich, weil im Zusammenhang mit der Natur) zu geben. Restlos dienen sie diesen Zwecken! Sei es Gelände sehen ober Orientierung, Gelänbe beurteUung ober -Ausnutzung. Aus allerengste Verbundenheit mit bem Gelänbe zielen bie Forderungen hin. Die Selbstoerstänb- lichkeit, mit ber sich jeber im Gelänbe bewegt, muß so groß werben, baß sie bie Konzentration auf Nebenaufgaben, wie bie Durchführung bestimmter Aufträge, gestattet, baß bie Anpassung an bas Gelände in kürzester Zeit durch richtige Tarnung, ermöglicht.

Aus der so geschulten Masse neuer deutscher Jugend wird dann mit Sicherheit überall ber große überragenbe Einzelkönner wachsen. Wie hätte bas kleine Finnland so hervorragende Sportsleute her­vorgebracht, wenn sich biese Einzelkönner nicht mit bet Masse zusammen im Gelänbe geschult hätten. Bisher hat man biese Zusammenhänge vielleicht ge­ahnt. Jetzt wissen wir um sie. Wir gehen ben richtigen sportlichen Weg. Die Bedingungen zum S2l.-Sportabzeichen beweisen es.

Dasdeutsche Olympia" in Aümberg.

Die Kampfspies-Ausschreibung erschienen.

Schon dreimal feierten wir die Deutschen Kampf­spiele- zum ersten Male im Jahre 1922 in Berlin, 1926 in Köln und 1930 in Breslau. In diesem Jahre werden sie vom 23. bis 29. Juli in Nürn­berg zum vierten Male veranstaltet. Noch nie wurden bei den früheren Spielen die großen, in sie gesetzten Voraussetzungen erfüllt. Erst die bevor­stehende Feier in Nürnberg wird als die erste der neuen Zeit das bisher noch nicht verwirklichte n a - itionale Hochfest der turnenden und [fporttreibenben deutschen Jugend sein, iein Bekenntnis zu Volk und Vaterland. Nach dem Willen des Führers sollen die IV. Deutschen lKampfspiele Ausdruck deutscher Volkseinheit, deut- fscher Sitte, deutschen Fühlens und der leiblichen Kraft und Gesundheit deutscher Jugend fein.

Ein Glied in der Kette der gewaltigen Organisa- cionsarbeit ist die soeben erschienene Ausschrei­

bung. Die Einzelaufführung ber Wettbewerbe zeigt, baß zum ersten Male in allen Sportarten, bie überhaupt Meisterschaften haben, bie Austra­gung ber beutschen Meisterschaft mit ben Kampf­spielen verbunden ist.

Leiter der kampfspiele

ist ber Reichssportführer, ber an letzter Stelle in allen Streitfragen entscheibet. Für bie Durchführung ber Kampfspiele ist von ber Stabt Nürnberg im Auftrag des Reichssportführers ein örtlicher Vorbe­reitungsausschuß gegründet worben, ber die Verant­wortung trägt.

Die veranstaltende Stadt Nürnberg gewährt allen Teilnehmern ein Erinnerungszeichen. Die Sieger ber Wettkämpfe erhalten bie für bie Deutschen Kampfspiele geschaffene Plakette mit einer Urkunde. Weitere Auszeichnung behält sich der Kampfspielausschuß vor.

Landkreis Gießen.

u. Klein-Linden, 17. Mai. Eisenbahn­bremser i.R. Johann Friedrich Eckhardt feiert heute Donnerstag in geistiger und körperlicher Frische seinen 8 6. Geburtstag. Der alte Herr, der aus dem benachbarten Dorlar stammt, hat seine sämtlichen Geschwister und Kinder überlebt.

CO Klein-Linden, 16. Mai. Am Montag­abend wurde in unserer Kirche durch die Missiona­rin, Fräulein R e y e r (Burg im Spreewald), von der Dr.-Lepsius-Deutschen-Orientmission ein Film über die M i s s i o n s a r b e i t in Armenien ge­zeigt. Der Film hinterließ tiefen Eindruck bei den Besuchern, Die Kollekte des Abends und der Erlös aus den verkauften Missionsschriften find für die Deutsche Orientmisfion bestimmt.

wg. Großen-Buseck, 16. Mai. Am Montag­abend veranstaltete bie hiesige Ortsgruppe ber NSDAP, im Saale bes Gastwirts Wilhelm Wagner einen Schulungsabenb, an bem sämtliche Organisationen ber Bewegung und die übrigen Einwohner von Großen-Buseck und der Nachbarorte teilnahmen. Die Versammlung stand unter der Leitung des Ortsgruppenleiters Pfeif- f e r. Schulungsleiter Dr. Schmidt sprach in ein­drucksvollen Darlegungen über das Wesen und die Ziele des Nationalsozialismus, ferner über das Erbhofgesetz, die Judenfrage und über außen­politische Angelegenheiten. Zum Schlüsse sprach er noch über die Stellung zur Religion und zur Kirche, ferner betonte er, daß das deutsche Volk Gott dank­bar sein müsse dafür, daß er unserem Deutschland in seiner tiefsten Not den Führer Adolf Hitler gesandt habe. Die Rede wurde oft von lebhaftem Beifall unterbrochen und am Schlüsse wiederum mit starkem Beifall belohnt. Mit einem Treue­bekenntnis zum Führer und Vaterland, mit drei­maligem Sieg-Heil und dem gemeinsamen Gesang

des Horst-Wesfel-Liedes wurde die Versammlung geschlossen.

Kreis Alsfeld.

8 Ober-Ohmen, 16. Mai. In der Nacht zum Mittwoch trat im oberen Ohmtal recht emp­findlicher Nachtfrost in Erscheinung. Der Frost hat stellenweise ansehnlichen Schaden hervor- gerufen. Während auf den Höhen nur leichter Reif konstatiert wurde, konnte man im Tal von regel­rechtem Frost sprechen. In den Gärten in der Nähe ber Ohm unb anberen Wasserläufen finb bie Früh­kartoffeln schwarz gefroren. An zugigen Stellen im Dorf haben auch bie Topfpflanzen vor ben Fenstern gelitten.

ll. Atzenhain, 15. Mai. Die hiesige Milch­absatzgenossenschaft hielt ihre erste Gene- ralDerfamlung ab, in ber nach der Rechnungsablage dem Rechner Entlastung erteilt wurde. An Stelle von zwei ausgeschiebenen Vorstandsmitgliedern wur­den bie Herren Wilhelm Le n z IV. und Rudolf Lenz in ben Vorstanb entfanbt. Weiter wurde ber Beschluß gefaßt, biejenigen Genossenschaftsmitglieder mit 10 Mark Geldstrafe zu belegen, bie bis zum 1 Juni keine Milch abgeliefert haben, unb sie aus­zuschließen, wenn sie ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.

Kreis Schotten.

)( Ulrichstein, 15. Mai. Die Anfahrt- st raße zur Rennbahn bei Schotten von bem etwa 2 Kilometer von hier entfernten Wiesen­hof aus wirb auf eine Länge von etwa 3 Kilometer bis an bie Poppenstruth inftandgefetzt. Damit wird einem Wunsche weiter Kreise, die an dem Zustand ber vom Durchgangsverkehr LauterbachSchotten stark in Anspruch genommenen Straße interessiert sind, Rechnung getragen.

WeZchrten aus ber neuen Vogelsberg-Siidbahn

Wächtersbach, 16. Mai. (LPD.) Die neuer­baute Bahn st recke von Birstein nach Hartmannshain ist jetzt fertiggestellt. Damit ist die von der Bevölkerung des oberen Vogelsber­ges langgewünschte Querverbindung und ein neuer Schienenweg nach dem Vogels­berg geschaffen. Obwohl die dauernde Inbetrieb­nahme erst in einigen Wochen möglich sein wird, hat sich bie Kleinbahnbirektion nach Bestimmung der Aufsichtsbehörde entschlossen, über bie Pfingst- feiertage, unb zwar von Samstag, 19., bis Diens­tag, 22. Mai, einen Zugverkehr auf ber neuerbauten Strecke im Anschluß an bie schon bestehenbe Linie Wächtersbach Sir ft ein einzurichten. Die Züge sind so vorgesehen, daß sie an bie fahrplan­mäßigen Züge ber Reichsbahn sowohl aus Rich­tung Frankfurt, wie aus Richtung Fulda unmittel­bar Anschluß haben.

Der erste Zug, der am 19. Mai über Birstein hinaus bis Hartmannshain durchgeführt wird, ist der Personenzug, der um 18 Uhr in Wächtersbach abfährt. Für den 20 und 21. Mai sind in jeder Richtung zwei Züge vorgesehen, und zwar Wäch­

tersbach ab 8.50 unb 14.20 Uhr; für bie Rückfahrt Hartmannshain ab 10.50 unb 18.20 Uhr. Die Fahrt­zeit von Wächtersbach bis Hartmannshain beträgt anderthalb Stunden. Für Dienstag, 22. Mai, ist nur je eine 'Fahrt vorgesehen, und zwar in Rich­tung Hartmannshain: Wächtersbach ab 8.50 Uhr und in ber Gegenrichtung ab Hartmannshain ab 18.20 Uhr.

Um einen besonderen Anreiz zum Besuch des Vogelsberges mit der Vogelsberg-Südbahn über Pfingsten zu geben, hat sich die Kleinbahn­direktion entschlossen, für die einzelnen Fahrten (sowohl Hin- und Rückfahrt) nur die halben Fahr­preise zu berechnen. Es kostet sowohl die Hin- und Rückfahrt an diesen vier Tagen von Wächtersbach nach Hartmannshain nur 1.80 Mark.

Es ist zu hoffen unb zu wünschen, baß mit ber Vogelsberg-Südbahn AG., die aus Mitteln des Reiches, Staates, Kreises und der Gemeinden er­baut worden ist, die Schönheit des Vogelsberges weiten Kreisen der Bevölkerung leichter zugänglich gemacht wird.

Preußen.

Wiedersehensfeier

des Res.-Znf.-^giS. Nr. 441 (KampfgruppeHudolph)rn Gelnhausen

Am 5., 6. und 7. Mai feierten die Angehörigen des R.-J.-R. 4 41, bem auch sehr viele Hessen an- gehörten, in Gelnhausen bas erste Wieder- sehensfest. Ergreifenb war es, bie Begrüßung ber einzelnen Karneraben, bie im Weltkriege einst durch Blut unb Eisen zusammengeschweißt worden waren, am Bahnhof beim Eintreffen der Züge zu sehen.

Am Samstag (5. Mai) nachmittags bewegte sich unter Vorantritt ber SA.-Kapelle, Stanbarte 61, ein stattlicher Zug burch bie Straßen ber Stabt. Auf bem Obermarkt würben bie alten Kämpfer bes Weltkrieges burch ben Bürgermeister ber <5*abt aufs herzlichste begrüßt. Es schloß sich ein Stand- konzert ber SA.-Kapelle an. Abenbs war Be- grüßungsabend in ber Turnhalle. Ueberall sah man frohe Gesichter. Kriegserlebnisse würben wie- ber aufgefrischt.Weißt bu noch?? . . . weiht bu noch??" Schneidige Märsche ber SA.-Kapelle, Chöre ber Sängerschaft Gelnhausen, Reigen ber Turnerinnen u. a. m. sorgten für Abwechslung. Auch ber bekannte Heimatdichter G g. Heß (Leih­gestern) ließ es sich nicht nehmen, seine alten

Regimentskameraden mit seinem so sinnvollen Humor zu erfreuen.

Am Sonntag (6. Mai) fand vormittags !n der Marienkirche Gottesdienst für die Regimentsange- hörigen statt, in dem Kreispfarrer Falk (ehemali­ger Divifionspfarrer) eine eindrucksvolle Predigt hielt. Anschließend fand eine Gefallenenehrung statt, bei der Kamerad Pfarrer König (Groß- Eichen) sprach. Nach dem gemeinsamen Mittag­essen (Feldküchenkost!) marschierte ein stattlicher Festzug, an dem außerdem noch SA., Stahlhelm und Kriegerverein der Stadt Gelnhausen ieilnah- men, durch die festlich geschmückte Stadt nach dcm Obermarkt, wo Exzellenz General von Quentin als Vertreter der alten Wehrmacht die Parade ab­nahm. Dann ging es wieder in die Turnhalle, wo bei frohem Zusammensein die Stunden nur zu schnell dahinflogen.

Am darauffolgenden Montag wurde noch ein Ausflug nach dem Demobilmachungsort des Regi­ments, dem nahen Bieber, unternommen. Etwas schöneres als eine solche Wiedersehensfeier kann es für einen alten Soldaten gar nicht geben'

Das Ref.-Jnf.-Rgt. 441 ist im Jahre 1916 in ben Argonnen aus 14 Snfanterieregimentern zusammen» gestellt worben: es war also ein echtes Kriegs­regiment. Der Kommanbeur, Oberst Rudolph, der leider bereits zur großen Armee abgerufen