rechte der deutschen Minderheit zu brechen. Der Raub der deutschen Domkirche in Riga, dieses wundervollen Zeugen deutscher Kultur und ragenden Males deutscher Kolonisation, durch die überhaupt erst Kultur in jene Gegenden gebracht wurde, war eine Barbarei und ein Rechtsbruch, dem diese Marxisten jauchzend zustimmten. Sie waren auch die Urheber jener wirtschaftlichen Boykottbewegung gegen deutsche Einfuhr, die von der deutschen Regierung mit der Verhängung der Sperre über die lettische Butter, dem Hauptausfuhrartikel des Landes, beantwortet worden ist.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes wurden verstärkt durch die Notwendigkeit, ein unverhältnismäßig starkes Heer aufrechtzuerhalten, und die Agrarkrise traf die lettischen Bauern besonders hart. Während immer wieder der Marxismus durch Streiks die Schwierigkeiten vergrößerte, war das lettische Parlament eigentlich fast arbeitsunfähig. Die Regierungskrisen wurden zu einem Dauerzustand und in der Saeima kam es zu turbulenten Szenen. Anfang März stürzte das Ministerium Blodneek, das die Parteien der Neusiedler, des fortschrittlichen Verbandes, der Klerikalen und des Christlich-sozialen Arbeitsblocks gestellt hatten. Dieses Kabinett zerfiel, weil die eigene Koalition gegen die Minister stimmte. Die Ursache lag in den Parteigegensätzen, aber auch in den verschiedenen Interessen der Neusiedler und der von Karl U l • manis geführten Bauernpartei, die das Programm eines autoritären Staates, der Beseiti- aung der Parlamentsmißwirtschaft forderte und die Unterstützung der vaterländischen Verbände und der Frontkämpfer fand.
Mitte März übernahm Ulmanis die Regierung. Er verkündete, daß die extremen politischen Richtungen bekämpft werden sollten und daß eine Verfassungsänderung notwendig fei. Diese hatte zum Ziel, dem Staatspräsidenten das Recht zuzuerkennen, das Parlament aufzulösen, ferner sollte der Staatspräsident aus einer Volkswahl heroor- gehen, nicht mehr, wie bisher, vom Parlament zu wählen fein. Bei der Volksabstimmung ging die Dolkswahl des Staatspräsidenten durch, die andere Forderung aber fiel und im Parlament selbst kam es zu schweren Kämpfen, wobei die Marxisten offen mit dem Generalstreik drohten. Die Deutschen sind als Deutsche Fraktion im Parlament für die Aende- rung der Verfassung eingetreten.
Sehr schnell spitzten sich sodann die Dinge zu. Der Marxismus rüstete zum Aufruhr, die demokratischen Mittelparteien waren ebenfalls gegen jede Derfassungsreform und so blieb der Regierung Ul- manis nichts anderes übrig, als die Staatsgewalt gegen den Marxismus anzuwenden und an das lettische Volk zu appellieren.
Riga im Flaggenfchmuck.
Kein Widerstand gegen die Maßnahmen der Regierung.
Riga, 16. Mai. (DNB.) Die Verhängung des Ausnahmezustandes in Lettland hat so gut wie keinen Widerstand gefunden. Polizei und Schutzwehr brauchten nirgends Waffengewalt anzu- wenden. In Riga haben alle Häuser Flaggen- schmuck angelegt. Das Strahenbild zeigt eine ?ewisse ungewohnte Bewegung. Patrouillen durch- treifen die Stadt. Alle wichtigen Regierungsund Verwaltungsgebäude stehen unter besonderer Bewachung. In der Stadt herrscht Ruhe; das Arbeitsleben nimmt feinen gewohnten Verlauf. Zahlreiche Mitglieder der Legionärstruppe wurden unter Der Beschuldigung, einen bewaffne- ten Aufstand versucht zu haben, verhaftet, ebenso eine ganze Reihe von Sozialdemokraten, die mit Generalstreik und bewaffnetem Widerstand gegen die Staatsgewalt gedroht hatten. Beim Parlamentspräsidenten Dr. K a l n i n wurden bei der Haussuchung 123 Revolver, 10 Gewehre, 1 Maschinengewehr und ein großes Munitionslager gefunden. Bei zwei sozialdemokratischen Abgeordneten wurden zusammen 47 Revolver gefunden. Die übrigen Verhafteten sind zum größten Teil sozialdemokratische Parlamentsabgeordnete; ferner wurden 7 österreichische Schutzbündler eingeliefert, die nach den Wiener Ereignissen nach Riga gekommen waren. Der Innenminister hat mehrere Verfügungen erlassen, von denen die wesentlichsten ein Betätigungsverbot für die Parteien, ein Verbot von Versammlungen und Umzügen und die Pressevorzensur sind.
Aus aller Wett.
(Ein Dergwerksdireklor ermordet und beraubt.
In einer der letzten Nächte wurde nach einer Meldung aus Köthen (Anhalt) der Direktor der Grube „Leopold", Diplomingenieur Bruno W jeder h o l d aus Bitterfeld, ermordet und beraubt. Die Leiche wurde in einem Straßengraben zwischen den Dörfern Oppin und Niemburg unter einer Decke aufgefunden. In der Nähe lagen eine Aktentasche, lose Papiere und eine goldene Brille. Dem Ermordeten wurde eine Brieftasche mit 500 RM. Inhalt, Kraftwagenpapiere, fein Paß und feine goldene Uhr entwendet. Wiederhold ist durch einen Schuß unter der rechten Brustseite getötet worden. Er hatte sich mit seinem eigenen Wagen zu einer Besprechung, die bis gegen abend gedauert hatte, nach der Grube „Leopold" in Edderitz begeben. Dann war er allein mit dem Wagen über Köthen zurückgefahren, um nach Bitterfeld zurückzukehren.
Man nimmt an, daß Wiederhold 6*toeber in Köthen oder auf dem- Wege dorthin von dem noch unbekannten Täter oder den Tätern angehalten worden ist, mit der Bitte, ihn oder sie mitzunehmen. Anscheinend hat man ihn dann sofort erschossen. Wahrscheinlich ist die Leiche bann mit dem Kraftwagen nach dem Fundort gebracht worden. Der Wagen wurde in Köthen herrenlos aufgefunden.
Schachturnier
um die ».Meisterschaft von Deutschland 1934“.
Am zweiten Turniertag um die „Meisterschaft von Deutschland 1934“ in Aachen haben sich gleich die jüngsten Teilnehmer in den Vordergrund geschoben. Nach dem vorläufigen Stand der zweiten Runde, von der allerdings noch einige Partien hängen, hatten die jungen Meister Lange und Heinrich mit je IVi Punkten die Führung; erst in der dritten Runde wurden sie von Altmeister Carls überholt, der jetzt mit 2 Punkten an der Spitze steht. Am Dienstag gab es lebhafte Angriffe. Nachdem bei der ersten Runde die sizilianische Verteidigung überwog, rückte in der zweiten Runde an sieben von neun Brettern der Damenbauer vor. Bisher hat in der zweiten Runde noch kein Sieger der ersten Runde gewonnen. Um für die Folge die Runden am Nachmittag beginnen zu fönnn und die Hängepartien auf den Vormittag zu verschieben, wurde am Dienstag die zweite und dritte Runde in Angriff genommen. Aus der zweiten Runde sind am heutigen Mittwoch noch fünf und aus der dritten Runde noch sechs Partien zu beenben.
Neuer Kreisleiter in Bingen.
LPD. Bingen, 16. Mai. Als Nachfolger des als Oberbürgermeister nach Gießen berufenen seitherigen Kreisleiters Heinrich Ritter wurde Kreisdirektor Peters ernannt. Der neue Kreisleiter war früher Rechtsanwalt in Alzey, dann Kreisdirektor in Oppenheim und wurde Anfang April d. I. zum Kreisdirektor des Kreises Bingen ernannt.
Spatenstich zum Neubau eines Windkanals der Technischen Hochschule Darmstadt.
LPD. D a r m ft a M, 16. Mai. Irn Rahmen einer schlichten Feier wurde heute auf dem Darm- ftäbter Flugplatz burch Ministerialrat Ringshausen in Verhinberung bes Herrn Reichsstatthalters in Hessen ber e r ft e Spaten- ft i ch zum Neubau eines Windkanals ber Technischen Hochschule Darm ft a b t vollzogen. Professor S ch e u b e l erläuterte bie Forschungen, bie in biesern Winbkanal für bie Messung
von Luftwirkungen an Flugzeugmodellen getrieben werden sollen. Die Neueinrichtung, die der For. fchungsarbeit des Darmstädter Lehrstuhls für Luftfahrt und des Deutschen Instituts für Segelflug zugute kommt, wurde auf Betreiben des Herrn Reichs ft atthalters in Heffen jetzt in Angriff genommen, wofür ihm von dem Regierungsvertreter und dem Rektor ber Technischen Hoch- schule, Busch, in herzlichen Worten Dank ausge- sprachen würbe. Ministerialrat Ringshausen hob in seiner Ansprache ben beutschen Forschungs- brang hervor, ber bei allen Neuerscheinungen sich nicht mit ber glanzvollen Wirkung nach außen begnüge, sonbern bie Gesetze unb bas Wesen ber Sache zu ergrünben suche unb baburch technische Sicherheit schaffe. Dem anroefenben Professor Georgii würbe bei bieser Gelegenheit von bem Regierungsvertreter, Regierungsrat Köhler, für bie großen flugsportlichen, wissenschaftlichen und nationalen Erfolge herzlicher Dank ausgesprochen, bie bie beutsche Segelflugexpebition unter feiner Leitung in Südamerika errungen habe. Die Feier, währenb ber über ber Baustelle Segelflugzeuge ihre Kreise zogen unb eine Motorflugstaffel kreuzte, klang aus in ein Sieg-Heil auf ben Führer unb bem Gesang ber beiben beutschen Hymnen.
Wettervoraussage.
Die Norbseestörung veranlaßt weiterhin Zufuhr kühler Westluft nach Deutschlanb, bie bei bem Zusammentreffen mit ber wärmeren fontinenalen Luft zu wechselhafter Bewölkung führt. Da zwischen- burch auch Aufheiterung einsetzt, finb bie Temperaturen gewissen Schwankungen unterworfen, bürsten aber vorerst keine sonberlich hohen Werte erreichen. Mit Nieberschlägen ist kaum zu rechnen, es müßte benn fein, baß ganz vereinzelt leichte Schauer aufkommen.
Aussichten für Freitag: Wechselnb wolkig mit Aufheiterung, Temperaturen schwankend, im allgemeinen aber nur mäßig warm, meist trocken.
Aussichten für Samstag: Weitere Beruhigung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 16. Mai: mittags 20,4 Grad Celsius, abends 12,5 Grad; am 17. Mai: morgens 9,6 Grad. Maximum 21,7 Grad, Minimum 4,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Mai: abends 17,8 Grad; am 17. Mai: morgens 13 Grad Celsius. — Sonnenscheinbauer 13,4 Stunben.
Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friebrich Wilhelm Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber An- zeigen: Theobor Kümmel. DA. IV. 34: 11200. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steinbruckerei R. Lange, K. G., sämtlich in Gießen.
Statt Karten
Frau Hermine Graef
München (HohenstaufenStraße 3), den 16. Mal 1934
Die Einäscherung erfolgte in aller Stille
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Am 13. Mal (Muttertag) verschied nach kurzer, schwerer Erkrankung, jedoch völlig unerwartet meine liebe, lebensfrohe Frau, unsere treusorgende Mutter
Dr. Heinrich Graef
Provinzialdirektor 1. R.
Ilse Graef Alice Graef
geb. Kathreiner
In tiefem Schmerzt
Die unterzeichneten Geldinstitute geben hiermit bekannt, daß ihre Kassen und sämtlichen Geschäftsräume am
Dienstag, dem 22,Mail934
(Pfingstdienstag)
geschlossen sind, während sie am Pfingstsamstag wie üblich (von 8 — 13 Uhr) geöffnet bleiben
Commerz- und Privatbank, Aktiengesellschaft
Filiale Gießen
Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft
Zweigstelle Gießen
Dresdner Bank
Zweigniederlassung Gießen
Handels- und Gewerbebank e. G.m.b.H., Gießen
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DANKSAGUNG
Für die überaus zahlreichen und wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen, für die vielen Kranz- und Kartenspenden sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen'
Lina Hahn, geb. Erb, und Kinder
Gießen, den 17. Mai 1934.
DANKSAGUNG
Für die mir anläßlich des Ablebens meines lieben Mannes erwiesene Anteilnahme und für die Spenden danke ich auf diesem Wege herzlichst. Ebenfalls herzlichen Dank dem Herrn PfarrerSchultheiß für seine trostreichen Worte im Hause und am Grabe, seinen lieben Stahlhelm- Kameraden, für die überaus zahlreiche Teilnahme und für die aufrichtenden Worte des Kameraden Schäfer sowie all denen, die ihm das letzte Geleit gaben.
Frau Heinrich Magnus Wwe., geb. Volk
Großen-Linden, den 17. Mai 1934.
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