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Ur.1'2 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefien)____________Mittwoch, 16. Mai 1954

DieEntivilklungderfaschistischenBeeinEngland.

Oer ^schwarze Sir^ im Vormarsch.

Don unserem v. U.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) London, Mai 1934.

Die erste faschistische Riesenoersammlung in der Londoner Albert-Halle hat blitzlichtartig die er­staunlich raschen Fortschritte derBritish Union o f F a s c i ft s", der führenden englischen Faschistenbewegung, beleuchtet. Zehntausend Eng­länder der verschiedensten Schichten hörten und sahen mit Erstaunen, welcher Schwung und welche Ueberzeugungskraft dem jüngsten politischen Macht­faktor Englands innewohnt. Man berichtet, daß auch einige englische Regierungsmitglieder der Ler- anstaltung beiwohnten, um sich das Programm des sehr begabten jungen Faschistenführers Sir Oswald Mosley, genanntder schwarze Sir", anzuhören. Die Meinung dieser Regierungsmit- glieder soll geteilt-- gewesen sein, so wird in der englischen Tagespresse mit einem etwas zynischen Unterton berichtet. Die einen sollen den Schluß gezogen haben, daß man Mosley endgültig den Kampf ansagen müsse, während die anderen der Meinung seien, daß der schwarze Sir als P r o - pagandist für die konservative Par­tei geangelt werden müsse.

Sicher ist, daß die Faschistenbewegung Mosleys seit dem vergangenen Sommer einen ständi- gen, ziemlich erheblichen Zuwachs in vielen Teilen Englands und sogar in den englischen Dominien zu verzeichnen hat. Optimisten schätzen die jetzige Mitgliederzahl, die in der Hauptsache 0U5 bester Jugend, aber auch aus vielen alten Frontkämpfern und neuerdings auch A r - b Litern besteht, auf etwa 200 000. Der A n - st o ß für diesen raschen Fortschritt war in erster Linie darüber kann nicht der geringste Zweifel bestehen der Sieg des Nationalsozia­lismus in Deutschland zu Beginn des Jah­res 1933. Der BegriffFaschismus", mit dem der

Durchschnittsengländer auch den deutschen National­sozialismus bezeichnet, war vor dem 30. Januar 1933 für die Briten lediglich ein theoretischer und beinahe unwirklicher politischer Begriff, von dessen möglicher Nutzanwendung auf Großbritannien nie- mand mit Ausnahme von einigen Idealisten träumte. Das hat sich aber nach dem Machtantritt Adolf Hitlers und der Entwicklung im Herzen Europas geändert.. Das WortFaschismus", wo­bei man nunmehF in erster Linie an den deuMen Nationalsozialismus und nicht so sehr an die Welt- anschauung Italiens denkt, hat jetzt auch nördlich des Kanals einen äußerst realistischen Klang erhalten, dessen Schwingungen sich nie­mand entziehen kann.

Bon dieser Einsicht, daß der Faschismus ein mächtiger Faktor in der Geschichte der nächsten Jahrzehnte sein wird, bis zu einer praktischen Nutzanwendung auf das konservativste und über- lieferungsgetreueste aller Länder ist natürlich ein himmelweiter Schritt. Allen Betrachtungen über die Möglichkeit derartiger Revolutionen in Eng­land muß man immer die Tatsache zu Grunde legen, daß vieles, was sich andere Länder erst durch harten Kampf erringen müssen, für England seit Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit ist, daß das in hundert Schlachten bewährte englische Regierungssystem im allgemeinen reibungslos und befriedigend arbeitet und last not least daß sich England gerade im jetzigen Augenblick sowohl wirtschaftlich wie politisch vielleicht in einer glücklicheren Lage befindet als jedes andere Land, wofür der diesjährige Haus­haltsüberschuß im Zeitalter der Defizite ein Be- weis fein dürfte.

Die elementare Schwungkraft, die sowohl dem italienischen Faschismus und vielleicht noch in stär- kerem Maße dem deutschen Nationalsozialismus

Große Tankmanöver in Belgien.

Auf dem belgischen Truppenübungsplatz Beverloo, der noch manchem deutschen Kriegsteil­nehmer als Schießplatz bekannt sein wird, würden Manöver abgehalten. Hierbei wurde namentlich das Zusammenwirken von Infanterie und Tanks geübt.

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infolge ihrer das ganze Volk erfassenden Ziele inne­wohnt, ist den faschistischen Bewegungen oder Par­teigruppen Englands vorerst nicht eigen. Sir Os­wald Mosley ist ohne Zweifel ein geschickter und weitsichtiger Politiker, der sich das Gedankengut der deutschen und italienischen Bewegung zu eigen gemacht und versucht hat, daraus einen typisch englischen Faschismus zu gestalten. Er weiß genau, daß der Engländer wie vielleicht kein anderes Volk der Welt eine starke Abneigung gegen alles Ausländische hat und daher nur zu einer Be­wegung Vertrauen fassen kann, die der englischen Mentalität und der englischen Ueberlieferung cnt- gegenkommt. Es ist daher selbstverständlich, daß Sir Oswald Mosley das Hauptgewicht seines PrvH oramms auf wirtschaftliche Probleme legt. Die englische Industrie muß in großzügigster Weise neuorganisiert, ihre Leistungsfähigkeit nach den modernsten Prinzipien gesteigert, die internationale Finanzkorruption ausgeschaltet werden. Die Pläne für den Aufbau eines britischen Ständestaats leh­nen sich ziemlich genau an das italienische und deutsche Vorbild an.

Mosley ist durch und durch Machtpolitiker,

und dies ist einer der Punkte, die am meisten an das Selbstbewußtsein der Engländer appellieren, das sich durch die internationale Techtel-Mechtel- Politik Macdonalds etwas gekränkt fühlt. Den größten Beifall erntete Mosley in der Albert-Halle, als er erklärte:Es ist das erklärte Ziel der Faschisten unser riesiges Weltreich, das Erbe unse­rer Rasse, das durch die Opfer unserer Väter und Vorfahren erobert wurde, in beide Hände zu nehmen, und eine Zivilisation aufzubauen, die mächtiger ist als alles, was die Welt bis­her gekannt hat." In derselben Rede sagte er: Der Faschismus oder Nationalsozialismus bedeutet nicht Krieg, wie viele Leute glauben, sondern Frieden", und mit einem Hinweis auf Hitler und Mussoliniwenn ihr den Frieden wollt, dann laßt Euch von einem Mann führen, der den Krieg aus eiaenem Erlebnis kennt." Es besteht kein Zweifel, daß die British Union of Fascists bei den nächsten englischen Parlaments­wahlen die größten Bemühungen machen wird, einen Teil der Volksvertretung zu erobern. Ob und wieweit ihr dies gelingen wird, das kann heute noch kein Mensch sagen.

Auftakt herKieler Woche".

Als Auftakt zu der bevorstehendenKieler Woche" fand das Ansegeln der sämtlichen Kieler Seglervereine statt, an dem 150 bis 200 Jachten beteiligt waren.

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Täglich 70000 Telegramme...

Eine Herzkammer des Weltverkehrs.

Don lldo Wolter.

HTA = Haupttelegraphenamt Berlin.

Weit über Deutschland und Eurpa hinaus reicht die engere, bis nach Australien, China, Japan und Amerika die weitere Arbeitsgrenze des von dem Generalpostmeister Heinrich von Stephan aus- gebauten Berliner Haupttelegraphenamtes (kurz auch HTA. genannt). Es ist heute die größte europäische Verkehrsan st alt für Te­legramme überhaupt. Gegen 750 Drahtleibun- gen erledigen den deutschen Telegrammverkehx, gegen 60 Leitungen führen nach dem Auslande. Wurden im ersten Betriebsjahre (1850) täglich kaum mehr als 100 aus- und eingehende Tele­

gramme bearbeitet, so beträgt der gegenwärtige Tagesdurchschnitt über 70 000, für das Jahr also mehr als 25 Millionen Telegramme. Allein diese wenigen Zahlen beweisen die unge­heure Bedeutung und Wichtigkeit dieses deutschen Fernamtes. Em Blick in seine Arbeitsräume ist ein Blick in eine der größten Herzkammern der Welt...

Fingerabdrücke, Schecks, Heirats­kandidaten.

Gleich zu Anfang geraten wir in eine der inter­essantesten Abteilungen des Hauses überhaupt: den

Von Bach bis 2Reger.

Orgelkonzert von Martin Günther Förste­mann in der Stadtkirche.

Die äußere Gestaltung der Orgelmusik von Joh. Seb. Bach ist durchaus zeitgebunden. Aus der Volksmusik heraus entwickelte sich die Kunst für die Orgel zu schreiben erst nach und nach. Zu Bachs Zeiten war. durch seine Vorgänger eine gewisse fest­stehende Form der Choralbearbeitung geschaffen, auch die Quintfuge hatte schon ihre endgültige Prä­gung erhalten. Als der junge Joh. Seb. Bach auf der Schule in Lüneburg war, hörte er den dortigen Organisten Georg Böhm, einen Schüler 'des be­deutenden Hamburger R ei n t e n. Der Einfluß die- fer beiden Männer aus Bachs Schaffen für die Or­gel ist bis auf thematische Einzelheiten deutlich er­kennbar. Als Organist in Arnstadt machte der junge Meister seine berühmte Fußreise nach Lübeck, um die Kunst des dortigen Organisten Dietrich Buxte­hude zu bewundern und von ihm zu lernen. So immer strebend sich bemühend, sog er die Schaffens­art seiner Zeitgenossen und Vorgänger in sich ein, die Form aber durch seine eigene gewaltige Gedan­kenwelt füllend, so daß seine Orgelwerke sich über die seiner Lehrmeister in ungeahnte Höhen erhoben. Aus diesen Zusammenhängen heraus gesehen, ist die Zusammenstellung der Vortragsfolge des Orgelkon­zerts von Martin Günther Förstemann, Leip­zig, als vorbildlich zu bezeichnen. Sie kennzeichnet den denkenden Künstler, der bewußt seinen eigenen Weg geht. Daß Max Reger, der die abgerissenen Fäden aus früheren Jahrhunderten aufgegriffen und der modernen Orgelkunst zu neuer Blüte ver­halfen hat, den Schluß dieses Konzerts mit der be- ,zeichnenden Phantasie und Fuge über den Namen 'B-a-c-h machte, zeugt weiter für den wohldurchdach­ten Aufbau der Darbietungen. Den größten Teil des Konzertes füllten Werke von Joh. Seb. Bach. Umrahmt von den Riesenquadern der Toccaten und 'Passacaglia, drei liebliche Choralbearbeitungen aus idem unschätzbaren Orgelbüchlein. Herr Förste- nie Riesenwerke klar im Aufbau, sfehr klangprächtig aber doch noch maßvoll regi- tftriert, dagegen die Choralbearbeitungen, die in ührer Gedrängtheit Meisterwerke Bachscher Satzkunst fsind, schlicht und einfach, ganz im Geiste des Mei- jsters. Die Werke von Buxtehude und Bohm zeigten, welche Bedeutung auch dem Schaffen der kleineren Meister jener Zeit zukommt, wenn auch Deutlich der Abstand zwischen ihnen und Joh. Seb. ?Bach in Erscheinung trat. Durch charakteristische Registrierung ins rechte Licht gerückt, offenbarte sich fine in den lebensvollen Fugen wohnende Heiterkeit ün vollster Klarheit. Und bann das Werk Regers.

Wie viele Meister haben sich schon mit dem­selben musikalifchen Vorwurf befaßt, unter anderen Robert Schumann und Franz Liszt. Mer kei­nem ist es gelungen, das Thema so in den Bann zu zwingen, wie es Max Reger getan. Mit Recht gilt es als eines seiner besten Werke überhaupt. Es ist für die moderne Orgel mit all ihren dyna­mischen Möglichkeiten erdacht. Don den. Gipfeln eines gewaltigen Fortes gibt es ein Zurücksinken bis zum Piano und Pianissimo. Harmonisch und kontrapunktisch weit ausholend, erreicht das Werk feinen Höhepunkt in der formvollendeten Fuge.

Daß Herr Förstemann dieses Riesenprogramm vollkommen auswendig spielte, ist kaum glaublich. Diese Gedächtnisleistung allein muß Bewunderung erregen. Noch mehr muß man darüber staunen, wie vollendet die Darbietungen waren. Da ist eine Technik, die keine Schwierigkeiten mehr kennt, die aber bescheiden hinter bas Werk zurücktritt. Der Ruf, ber bem Künstler vorausging, hat gewiß nicht zu viel gesagt. Am meisten zu schätzen ist aber bie Tiefe ber Empfindung, mit ber bie einzelnen Werke nachgeschaffen würben. Das kann nur ein innerlich reicher unb begnabeter Mensch. Um so betrüblicher ist es, baß biefe große unb reife Kunst nur so wenige Zuhörer fanb. a

Holländische Miniaturen.

Von 3* O. Bnngezu.

Tulpenblüte.

Erst kommt bie Norbsee, bann kommt ein schmaler, mühselig sanbiger Dünengürtel unb bann, kaum eine Meile vor ber Küste, ber blühende Garten Hollands, dasBloemenland", das Blumenland, die Tulpen, Narzissen unb bie Hyazinthen. Wir wissen es aus : unseren Gärten: eine Tulpe ist rot, violett ober ge­flammt ober von mübem Geld; eine Narzisse ist mattes Elfenbein ober leuchtender Safran, und eine Hyazinthe spreizt ihren Duft aus Dolden in rotem unb blauem Pastell. Wir kennen ihre zärtliche ober fröhliche Buntheit, ihr stilles Leuchten aus ben Ra­batten, eh es Abend wirb, unb bie betaute Blässe ihrer Kelche in ber Frühe. Aber wie ein Land von ihrer Farbigkeit brennen kann, felberroeit in unge­heuren Flächen, oben ber mattschieferblaue Himmel unb unter ihm nichts als lockenbes Rot, gleißenbes Gelb, glühendes Blau, hart an hart gesetzt mit schar­fen Kanten, keine Konzessionen, hier flamme ich, bort brenne bu: biefe strahlenbe Mächtigkeit der Far­ben ist über Holland in diesen Tagen.

Holland ist ein buntes Land, die Häuser sind bunt unb bie Trachten, bas Vieh auf ber Weibe unb die Kähne mit ihrer Fracht auf den Kanälen und

Grachten. Aber die Farbe, bas ist das Blumenland, unb das Blumenland ist ber hollänbische Frühling; zu bem Städte unb Dörfer unterwegs sind, zu Fuß in beängstigender Fülle von Fahrrädern und in Ket­ten von Automobilen, bei denen man Anfang und Ende vergeblich sucht. Es gibt keine Straßen, es gibt an diesen Sonnentagen nur blühende Felder und Ströme von Menschen. Man sieht nichts anderes als Tulpen, Narzissen Hyazinthen, in Girlanden an den Wagen und an den Rädern, in den Händen von Männern und Frauen und Kindern, die für ein Trinkgeld Sträuße von beglückendem Ausmaß ver- kaufen, als schenke der Boden die schlanken Kelche von sich wie ein Tischleindeckdich, das sich nie er­schöpft. Das ganze Land ist ein Volksfest um die Blüte. Und der Rausch ist Schönheit.

Um Mittag brennt das Land, mit dem Tage ver­klingen die Farben. In den Kanälen treiben Boote mit kaffeefarbenen Segeln. Man sieht von ferne nur Mast und Segel und glaubt der Täuschung, daß sie über das Land strichen auf geheimnisvolle Weise. Denn die Abende sind wunderlich. Der Duft von Hyazinthen unb Narzissen, ber tagsüber in ber flüch­tigen Wärme, moussierend fast, verging, sinkt schwer über die glatten Klinkerstraßen, beren flache Krüm­mungen bie Rüster-Alleen scharf in das ebene ßanb zeichnen. Die Luft wirb vom Meere her herb unb bie Dämmerung kühl unb blau. Man hört ben Ruf ber Bootsleute, bie ihre Kähne mit den Blütenlasten dem kleinen Hafen ihres Dorfes zusteuern. Und das Gebell eines Hundes. Und das weiche Lied einer Har­monika, vom Kanal her ober von einer Brücke ober aus einem kleinen, buntgiebligen Hause an der Straße, die leer unb still geworden ist. Unb man glaubt ben Segeln, als seien sie schwärmende Nacht­vögel, bie lautlos über die Felder zu Neste ziehn.

Der Hering.

.. .Dies, Mijnheer, ist ber Hafen von Schevenin- gen", sagte ber Maler mit bem Kinn und der Nase Mephistos und den Augen eines stöhlichen Büßers, ber uns brei Tage lang burch Hollanb lotsen half, eine behenbe Motorjolle, den schweren, breitbugigen Frachtkahn, unb in Scheveningen werben mir den Hering essen."

Er sagteden Hering", und es mar ein Wort, das zu dem Hafen paßte, den wir sahen, wie die blauen und roten Schifferhemden rings um die Kaimauern; das nach Takelage und Seewasser unb brandig nach Teer roch, wie die Planken der Kutter, auf die die Sonne knallte.Den Hering", und wer unter uns geglaubt hatte, daß die Auster das königliche Seetier Hollands fei, sah sie unter dem Wort klein unb schmächtig werden unb als verbrossene Hofschranze in Dem Zuge mitmarschieren, ber bie Großen zu beglei­ten pflegt, wenn sie über das Meer unb über Land reifen.Den Hering", und der kleine prachtvoll bunte

Fischerhafen, der wie ein alter Stich aussieht, unter bem in Schnörkelbuchstaben gemalt stehtFischer­boote im Hasen", dehnte sich unter dem Wort und wurde unermeßlich groß, und der Hering stand in Schwärmen im Meer und blinkte in den Netzen, wie wenn jede Schuppe ein ©ilbergulben wäre. Und die Gulden flössen in den Hafen und aus dem Hafen über das Land, das sie gegen Reichtum und Wohl­habenheit eintaufchte.

Scheveningen hat einen Strand, dessen Sand weich wie Mehl durch die Finger rinnt Es hat einen Boule­vard, in dem sich die Sprachen aller Welt begegnen. Es hat in seinen Hotels allen Prunk, ben bie be­quemen lieben. Und es hatte imZeeruft" ben Hering, den wir aßen, als wir vom Hafen kamen und vom vielen Sehen müde waren.

Man läßt ihm den Kopf und spaltet ihm geschickt den schmalen, silbrigen Leib, so daß der Schwanz als reichgefranster Wimpel die eine Hälfte beendet. Dann breitet man ihn auf der Platte aus, das matte Elfenbein seines Innern dem Boden zugekehrt zu einem schlanken Oval geformt, dessen Mittellinie die hohe Wölbung des Rückens bildet, der stahlblau ist, mit milden, lichtgrauen Reflexen, wie das Meer unter leichtbedecktem Himmel. Die Zartheit feines Fleifches ist unbeschreiblich, unb man sollte nicht sagen, baß man ihn ißt, bie robuste Bürgerlichkeit dieses Wortes würbe ben Genuß mit ihrer Schwere sinnlos zerdrücken. Eher dies, baß man ihn schmeckt mit prüfenber Zunge, unb mit kostenben Lippen, wie ben hellen, fröhlichen Mosel, ben man nicht fehlen lassen soll, unb ben Duft ber Kartoffel, aus deren gebrochener Schale bas gelbliche Fleisch gebtr» gisch auffruftet.Erst kommt bas Reichsmuseum in Amsterdam, Mijnheer, und bann ber Herina", sagte ber Maler unb er war ein wenig mehr Me­phisto als Büßer, wie er babei in vollendeter Kunst mit sensiblen Händen den Rücken eines Herings von der Gräte löste ...

Und am nächsten Morgen hielt er uns vor ben Rembranbts im Reichsmuseum ein dreiviertelstündi- ges Privatissimum, bas ein Semester Kunstgeschichte überflüssig machte.

Sochschulnacbncbten.

Privatdozent Dr. Kurt Schmieden an der Technischen Hochschule in Danzig hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für Mathematik an ber Univer­sität Rostock erhalten.

Der ao. Professor Dr. sc. pol. Hans Weig- mann in R o st o ck hat einen Ruf auf den Lehr­stuhl für Wirtschaftswissenschaften an der Universi­tät Rostock erhalten.