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Mittwoch, 15. August 1934

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)

Kr. 189 Drittes Blatt

Klasse III.

gaben, liegt sehr viel an Ihrem Auge und an Ihren Handgebärden. Ihr Auge ist gleichsam mit Händen |

bahn Gießen, 46,2 Sek.; 2. Turn- und Sportverein

Uly, J.VVO puillic. Viit/Ii -xxi.u, wi., W. ' ---'T----------

g : 1. Feller, Frankfurt a. M., 6,23 Mainz, 47,6 Sekunden; 3. Reichsbahn-Turn- und mAöf Offrhnffonhitrn 5 77 Mk>tk>r- Snartnerein Frankfurt. 48 Sekunden. Die Gießener

LVÄ Ä SÄToie lene 20ten' L

bringen.

Vor zwanzig Jahren ging mit dem Aufblitzen der ersten Schüsse zwischen den europäischen Völkern eine Epoche der abendländischen Geschichte zu Ende, und das Morgenrot einer neuen Zeit stieg blutig herauf. Zwanzig Jahre, das ist vor dem Antlitz der Welt­geschichte nur eine kleine Spanne Zeit; ihr Atem­schlag geht nach anderen Maßen als der des ein­zelnen Menschen. Für uns aber bedeuten sie fast schon eine Hälfte des Weges, der uns auf dieser Erde beschieden ist.. Kann das denn wahr sein, fra­gen roiv uns, die wir dabei sein durften, daß so viele Zeit schon vergangen ist? Wjx sind ja doch oftmals, im Wachen und im Träumen, mit unseren Kameraden im grauen Kleid oder im Leinenrock des Verwundeten oder im Elendskittel des Gefangenen zusammen, und sie haben noch immer alle das gleiche Gesicht. Vieles zwar vergaßen mir schon: wie der oder jener Ort geheißen, und ob eine Leuchtkugel blaues oder grünes Licht gehabt; das Rollen der Schüsse hallt uns oftmals nur wie aus einer Sage her, und an manchen einstmals vertrau­ten Griff an Gewehr oder Geschütz bewahrt der Kopf nicLjt mehr, nur noch die Hand eine tastende Erinnerung. Aber die Angesichter, die Stimmen der Kameraden sind uns noch immer gegenwärtig. Zu­weilen wohl zieht uns das Leben, das uns geblie­ben ist, von ihnen fort; aber es währt bei keinem lange, so treten sie wieder hervor, am unvermute­ten Ort oftmals und zur unvermuteten Stunde. Und dann werden wir inne, daß wir Umgang mit Toten haben, und daß wir niedersitzen zu ihnen und Ver­gessenheit trinken; dann sind die zwanzig Jahre nicht gewesen und Hand in Hand und Blick in Blick mit den Unvergessenen, Getreuen und Geliebten ist es immer noch heut, was einstmals heute gehei­ßen hat.

Wie kann denn aber, fragen wir uns, vom Toten solche Gewalt ausgehen und soviel Liebe erweckt werden, die wir ja nicht einmal den Lebendigen entgegenbringen? Denn es leben ja noch viele, Hun­derttausende leben noch in ihres Lebens Mittag, die es überstehen sollten gleich uns und sollten sie uns

eine viel tiefere staatsbildende Anlage ist. Des Deutschen Organisationstalent ist jedenfalls unüber­troffen (siehe Kiautschou!) und seine wissenschaftliche Befähigung bleibt unerreicht: darauf habe ich meine Hoffnungen aufgebaut in meiner SchriftPolitische Ideale". Das Ideal der Politik wäre, keine zu haben. Aber diese Nicht-Politik müßte freimütig bekannt und mit Macht der Welt aufgedrungen wer­den. Nichts wird erreicht, solange das parlamenta­rische System herrscht; für dieses haben die Deut­schen, weih Gott, keinen Funken Talent! Sein Ob­walten halte ich für das größte Unglück, es kann nur immer und immer wieder in den Sumpf füh­ren und alle Pläne für Gesundung und Hebung des

Sportverein Frankfurt, 48 Sekunden. Die Gießener in der Aufstellung Siegmund, Rodriquez, R. Fi­scher, O. Luh. Hier endlich zeigt Rodriguez was er kann. Er hält in der Staffel den Meisterläufer Mährlein glatt. Luh am Schluß tut mit einem

9Beitfprun(,._ v

Meter; 2. Spitznagel, Aschaffenburg, 5,77 Meter;

3. Sauer, VfB -Reichsbahn, 5,76 Meter.

Hochfprung: 1. Pieh, VfB.-Reichsbahn, 1,57 Meter; 2. Heinzelmann, Mainz, 1,55 Meter; 3. Best, Darmstadt, 1,55 Meter. Schlechte Absprunganlage verhinderte hier bessere Leistungen.

K u g e l st o ß e n: 1. Luh, VfB.-Reichsbahn, 13,59 Meter; 2. Baß, Frankfurt a. M., 13,16 Meter; 3.

Vaterlandes zu Fall bringen.

Aber, ich weiche ab von meinem Thema, denn ich wollte nur von Ihnen sprechen. Daß Sie mir Ruhe

Dreikamps: 1. Luh, VfB.-Reichsbahn, 2008 Punkte; 2. Best, Darmstadt, 1625 Punkte; 3. Spitz­nagel, Aschaffenburg, 1608 Punkte.

schon einem armen geplagten Geist Ruhe spenden!

Und nun gar, wenn er dem Dienste des Vaterlandes gewidmet ist.

verweile er sehr gern an einem solchen Ort. Eine große Freudigkeit sei dann in ihm, aber von besonderer Art, die sich mit keiner Freude über das Lebendige vergleichen ließe. Er fühle ganz deutlich, daß die mächtige Empfindung der Liebe zu diesen unbe­kannten Kameraden von einst nicht ins Leere ver­ströme, sondern von diesen mit herzlicher Begierde ausgenommen, ja zurückgegeben werde. Da aber der Tod nichts sei, fügte er hinzu, und also auch nichts nehmen und geben könnte, so sei er für feine Zerson von ihrer unsterblichen Gegenwart über­zeugt.

Möchte ein solches Wort manchem anderen und wohl auch gewichtigeren, das in diesen Tagen der Erinnerung gesagt werden muß und gesagt wird, nicht unebenbürtig zur Seite stehen. Dann feiern wir, wie es sein soll, in dem Vergangenen das immer Gegenwärtige, und an den Gräbern, welche der erneuerte Lorbeer schmückt, erneuern wir den Kameraden das Gelöbnis, ihres Opfers niemals un­würdig zu fein.

Spitznagel, Aschaffenburg, 11,19 Meter. Luh ge­winnt zum zweitenmal gegen den bekannten Baß.

Speerwerfen: 1. Pieh, VfB.-Reichsbahn, 49,90 Meter; 2. Jakob, VfB.-Reichsbahn, 46,07; 3. Reinmann, Mainz, 43,05 Meter. Diesmal ge­winnt Pieh sicher. Zu bemerken ist, daß Jakob auch weiterhin für den DfB.-R. starten wird.

Keulenwerfen: 1. Luh, VfB.-Reichsbahn, 67,70 Meter; 2. Lortzer, Franksurt, 64 Meter; 3. Habich, Aschaffenburg, 56 Meter.

10 0 Meter: 1. Mährlein, Mainz, 11,5 Sek.; 2. Rodriguez, VfB.-Reichsbahn, 11,6 Sek.; 3. Koch, Frankfurt, 11,8 Sekunden. Rodriguez muß sich nur knapp dem bekannten Mährlein beugen.

200 Meter: 1. Mährlein, Mainz, 23,6 Sek.; 2. Rodriguez, VfB.-Reichsbahn, 24 Sek.; 3. Loh­rum, Mainz, 24,4 Sekunden. Hier hätte Rodriguez eine Chance gehabt, aber er läuft zu leichtsinnig und kämpft nicht bis ins Ziel.

400 Meter: 1. Koch, Frankfurt, 54 Sek.; 2. R. Fischer, VfB.-Reichsbahn, 56,7; 3. Bongartz, Frankfurt, 57 Sekunden.

1500 Meter: 1. Bergmann, Berlin, 4:27,2 Min.; 2. Sobezak, VfB.-Reichsbahn, 4,30 Min.; 3. Margus, Bad Homburg, 4,39 Minuten. Sobezak ist dem Endspurt des erstklassigen und bekannten Berliners nicht gewachsen.

5000 Meter: 1. Wied, Frankfurt, 16:56,1 Mi­nuten; 2. Pfaff, VfB.-Reichsbahn, 17:29,2 Min.; 3. Bergmann, Berlin, 17:33,2 Minuten. Pfaff vollbringt das Wunder und schlägt den kräftigen Berliner in einem langen Endspurt.

4X100-Meter-Staffel: 1. VfB.-Reichs-

tung in diesem Film, der auf das landläufige happy end der Operette verzichtet und stellenweise sogar an eine der interessantesten und glücklichsten Schöpfungen der stummen Produktion erinnert, an den FilmCasanova", der vor Jahren auch hier gezeigt wurde. E. W. Emo leitet die Inszenierung mit Geschmack und Stilgefühl, mit gutem Tempo, geschickten Steigerungen und einer klaren und sicher geschnittenen Photographie. Den faszinierenden Geiger und abenteuerlichen Liebling schöner Frauen gibt Ivan Petrovich, den man aus manchem Film von ähnlich romantischem Charakter kennt. Ec 'betont in seiner Darstellung mehr die künstle-

Keulenwerfen: 1. Jakob, VfB.-Reichsbahn, 64,60 Meter; 2. Lukas, Mainz, 62,10 Meter; 3. Franz, Mainz, 54,95 Meter. Jakob siegt mit guter Leistung.

Kugelstoßen: 1. Kerrl, Frankfurt, 11,02 Me­ter; 2. Schubert, Mainz, 10,80 Meter; 3. Pieh, VfB.-Reichsbahn, 10,77 Meter.

D r e i k a m p f: 1. Feller, Darmstadt, 1732 P.; 2. Schneider, Frankfurt, 1650 P.; 3. Jakob, VfB.- Reichsbahn, 1597 Punkte.

10 0 Meter: 1. Lohrum, Mainz, 11,9 Sek.; 2. Siegmund, VfB.-Reichsbahn, 12,2 Sek.; 3. Geb­hardt Dillenburg, 12,5 Sekunden.

4 0 0 Meter: 1. Traudt, Frankfurt, 57,5 Sek.; 2. Schön, VfB.-Reichsbahn, 58 Sek.; 3. Hattemer, Mainz, 58,1 Sekunden. Der erstmalig startende Schön überrascht durch schönen Stil und kraftvollen Endspurt.

1500 Meter: 1. Pfaff, VfB.-Reichsb., 4:28,2 Minuten; 2. Darr, Dillenburg, 4:38,1 Minuten; 3. Bendel, Limburg, 4:38,4 Minuten. Pfaff ist in großer Form. Ein glänzender Endspurt von 300 Meter läßt ihn mit etwa 80 Meter Vorsprung siegen. Bei diesem Endspurt geriet selbst das ver­wöhnte Frankfurter Publikum in Begeisterung.

Jugend, Klasse A.

4X100-Meter-Staf sel: 1. Reichsbahn- Turn- und Sportverein Frankfurt, 49,7 Sekunden; 2. VfB.-Reichsbahn Gießen, 52 Sek.; 3. Reichs- bahn-Turn- und Sportverein Limburg, 52,1 Sekun­den. VfB.-Reichsbahn in der Aufstellung: Huppert, Möll, Weber, Schneider.

1500 Meter: 1. Weber, VfB.-Reichsbahn,

prachtvollen'Lauf das Uebrige.

Schweden ft affel (400, 300, 200, 100 Me­ter): 1. VfB.-Reichsbahn, 2:10,8 Min.; 3. Reichs-

Nach zwanzig Jahren.

Von Paul A verdes.

Stille Worte der Liebe zu den Toten des Weltkrieges find es, die A l v e r d e s, Kriegs­freiwilliger vom August 1914, dem August­heft der von ihm herausgegebenen Zeitschrift Das Innere Reich" voranfetzt, und die wir mit Erlaubnis des Dichters zum Abdruck

Oie schöne Ohnmacht.

In der Mannheimer Theatergeschichte spielt der Intendant Graf Luxburg eine nicht unbedeutende Rolle. Er war ein recht beleibter Herr, dazu ein Grandseigneur alten Schlages, der an den patri­archalischen Sitten festhielt und deshalb manchen Schauspieler und manche Schauspielerin ohne wei­teres mitDu" anredete, wenn sie ihm schon seit längerer Zeit bekannt waren. Das mußte sich auch die damalige Liebhaberin des Theaters Lisetts Kinkel wohl oder über gefallen lassen. Als die Schauspielerin im Jahre 1835 in einem Stück der Birch-PfeiferDie Günstlinge" auftrat, faßte der Herr Intendant nach dem vierten Akt, wie Caro­line Bauer in ihren Erinnerungen erzählt, fein Ur­teil in die ebenso aufrichtigen wie gemütvollen Worte zusammen:Kinkele, Du hascht im ganzen ziemlich schlecht gespielt, bischt aber schön in Ohn­macht g'falle."

Die vom Reichsbahn-Turn- und Sport­verein Frankfurt am vergangenen Sonntag veranstalteten leichtathletischen Wettkämpfe waren für den Veranstalter in jeder Beziehung ein großer Erfolg. Für' die leichtathletischen Wettbewerbe waren Teilnehmer aus Berlin, Stuttgart, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Aschaffenburg, Limburg usw. erschienen. Natürlich war auch Frankfurt mit großem und gutem Aufgebot zur Stelle. Die Orga­nisation klappte sehr gut, so daß beste Wettkampf- ftimmung aufkam. Durch die gleichzeitige Austra­gung der Deutschen und Kampfspiel-Meisterschaft im 20-Kilometer-Gehen war ein weiterer günstiger Moment geschaffen. In diesem glänzenden Rahmen wuchsen auch die VfB.-Reichsbahner über sich hin- aus. Der vielbeachtete Kampfgeist der Gießener erwachte im richtigen Augenblick. Jedermann gab sein Bestes und so kam eine Anzahl Siege zu­stande, wie sie der VfB.-Reichsbahn noch nie bei einer offenen und dazu so guten Veranstaltung er­ringen konnte. Mit 12Ersten", 14Zweiten" und 7Dritten" war der VfB.-Reichsbahn bester Ver­ein. Leiter und Trainer der Abteilung erhalten in diesem Jahre für ihre mühevolle und langjährige Aufbauarbeit den wohlverdienten Lohn. Erwähnens­wert ist noch, daß der VfB.-Reichsbahn beide Staffeln gewann.

Die Ergebnisse der Gießener Teilnehmer.

Stoffe I.

Mein Glauben an das Deutschtum hat nicht einen Augenblick gewankt, jedoch hatte mein Hoffen ich gestehe es eine tiefe Ebbe erreicht. Sie haben den Zustand meiner Seele mit einem Schlage um­gewandelt. Daß Deutschland in der Stunde seiner höchsten Not sich einen Hitler gebiert, das be­zeugt sein Lebendigsein; desgleichen die Wirkungen, die von ihm ausgehen; denn diese zwei Dinge die Persönlichkeit und ihre Wirkung gehören zu­sammen ...

Ich durfte billig einschlafen und hätte auch nicht nötig gehabt, wieder zu erwachen. Gottes Schutz fei bei Ihnen!

Houston Stewart Chamberlain.

beaabt es ersaßt den Menschen und hält ihn fest, bahn-Turn- und Sportverein Frankfurt: 2,11 Mm.; und es ist Ihnen eigentümlich, in jedem Augenblick 3. Turn- und Sportverein Main 212 Knuten Die Rede an einen Besonderen unter Ihren Zu- VsB.-Reichsbahn mit R. Flscher 400), Rodnguez börern zu richten, das bemerkte ich als durchaus (300), Luh (200) und Siegmund (100) laufen ©er- ckarakteristisch Und was die Hände anbetrifft, sie einsrekord. Besonders Luh und Siegmund stellen sind so ausdrucksvoll in ihren Bewegungen, daß sie durch glanzende Laufe den Sieg sicher. In beiöen hierin mit Augen wetteifern. Solch ein Mann kann Staffeln siegte der Mannschaftsgeist der Gießener.

Große Erfolge des VsV./Reichshchn Gießen in Franksurt a. M.

12 erste, 14 zweite und 7 dritte Siege.

unser Leben lang.

freilich: brüderlich- Schuldner. Schuldner nicht aus Rechnung, fondern Schuldner wiederum aus aus Liebe. Ein Mann, der im Kriege gewesen ist, erzählte jüngst, daß er auf feinen Wanderungen an keinem dörflichen Friedhaf varubergehen könne ahne einzutretcn. Es fei ihm, als rufe es ihn und zöge ihn herbei mit Fr-und-sgewalt, und er folge dieiem Ruf freudig wie zu einem ersehnten Wieder- seh n. Er suche dann fagleich die Sedachtn.skreuz- d-r toten Soldaten auf, d.e dort überall errichtet feien, als lägen sie wirklich dort begraben Oftmals eien fi- mit ihrem Bildnis oerfehen ,n ländlicher Trackt oder auch in Uniform. Er lefe dann ihre Namen und auch das Jahrihrer Geburt, und den Ort und den Tag ihres Todes; be, jedem einzelnen tue er das, und auch das hier landesübliche ehrenge- achteter Jüngling l-f-er mit und bas bunte ihn em herrlich wahres Wort. Es erscheine ihn bann auch der Ort ihres Tobes weber in Frankreich noch im ost. licksten Ruhland wirklich entfernt und die Bergan- "eit von fünfzehn oder zwanzig Jahren gar

4:51,7 Min.; 2. Grünewald, Mainz, 4:51,9 Min.;

3. Stumpf, Frankfurt, 4:52,9 Minuten. Weber siegte tm Endspurt knapp.

Weitsprung: 1. Bongartz, Frankfurt, 5,61 Meter; 2. Weber, VfB.-Reichsbahn, 5,10 Meter; 3. Pech, Darmstadt, 5,09 Meter.

Kugel st oßen: 1. Rahn, Frankfurt, 12,08 Me­ter; 2. Laudon, VfB.-Reichsbahn, 11,69 Meter; 3. Bauer, Frankfurt, 9,42 Meter.

Keulenwerfen: 1. Stumpf, Frankfurt, 51,60 Meter; 2. Brötz, Limburg, 50,50 Meter; 3. K. Rinn, VfB.-Reichsbahn, 50 Meter.

Jugend, klaffe B.

100 Meter: 1. Möll, VfB.-Reichsbahn, 13,1 Sekunden; 2. Lohrum, Mainz, 13,6 Sekunden; 3. Rieß, VfB.-Reichsb., 13,9 Sekunden. Ein Doppel­erfolg der Gießener.

Kugelstoßen:!. Möll, VfB.-Reichsbahn, 9,92 Meter; 2. Nieß, VfB.-Reichsbahn, 9,90 Meter; 3. Grötz, Limburg, 9,48 Meter. Auch hier Möll und Nieß voran.

W e i t f p r u n g : 1. Grötz, Limburg, 5,64 Meter;

2. Möll, VfB.-Reichsbahn, 5,38 Meter; 3. Schnei­der, Limburg. 5,29 Meter. Für die Z-Klaffe sehr gute Leistungen aller drei Sieger.

Dreikampf: 1. Schneider, Limburg, 2208 P.;

2. Möll, VfB.-Reichsbahn, 2191 P.; 3. Brötze, Lim- bürg, 2037 Punkte.

3 tauen:

Diskuswerfen: 1. Wolf, Frankfurt, 19,90 Meter; 2. Kreicker, Frankfurt, 17,76 Mtr.; 3. Heinz, VfB.-Reichsbahn, 17,41 Meter. _

Hochsprung: 1. Beuer, Frankfurt, 1,23 Me­ter; 2. Bürner, Darmstadt, 1,23 Meter; 3. Fischer, VfB.-Reichsbahn, 1,17 Meter.

Die nach drei Jahren erstmalig wieder startenden Frauen und Jugendlichen kamen gleich zu schönen Erfolgen.

Ja, sie sind wohl auch dabeigewesen, und es ver­bindet uns mit einem jeden von ihnen unserer aller so veränderten Gestalt große Freundschaft. Gibt stch einer dem anderen als Soldat des großen Krieges zu erkennen, wo immer es fein mag, so geht ihnen beiden das Herz auf, mögen sie sonst getrennt sein voneinander wie sie wollen, und im Geheimen sucht Hand nach Hand, über die zwanzig Jahre hinweg, auch wenn sie> von außen gesehen, just in der Tasche behalten wird. , ......

Aber so geliebt mit ewiger Liebe wie die Toten ist von den Ueberlebenden nicht einer. Das kommt daher, daß wir ihre Schuldiger bleiben unser Leben lang, und daß wir diese Schuld nur abzutragen ver­mögen mit dem höchsten, dessen der Mensch über- Haupt fähig ist, mit unvergeßlicher unverbrüchlicher Liebe. Denn sie haben für den Olauben, der auch unser Glauben gewesen ist, sie haben für das Vater­land noch mehr getan als alle Ueberlebenben; sie haben getan was schwerer zu tun ist, As alle gute Tat und schwerer wiegt als alle Redlichkeit und aller guter Wille, sie haben den Tod auf sich ge­nommen. und das letzte, das Opfer ihres einzigen einmaligen Lebens gebracht. Mögen dazu auch mtr andern bereit gewesen sein, - Bereitschaft allem sti keinem schon als ein besonderes Verdienst angerech­net. Auch unsere Söhne werden bereit sein für ihren Glauben das letzte Opfer zu bringen und von unseren jüngeren Brüdern hat es mancher wie­derum bewiesen, indem er sein Leben für die Er­neuerung Deutschlands willig hingegeben hat. Von jenen aber wurde es damals angenommen an unse- jerer statt, und darum bleiben wir ihre Schuldner

wort von Ihnen.

Es hat meine Gedanken beschäftigt, wie gerade Sie, der Sie in so seltenem Grade ein E r w e ck e r der Seelen aus Schlaf und Schlendrian sind, mir einen so langen erquickenden Schlaf neulich schenkten, wie ich einen ähnlichen nicht erlebt habe seit dem verhängnisvollen Augusttag 1914, wo das tückische Leiden mich befiel. Jetzt glaube ich einzu­sehen, daß dies gerade Ihr Wesen bezeichnet und sozusagen umschließt: der wahre Erwecker ist zu­gleich Spender der Ruhe.

Sie sind ja gar nicht, wie Sie mir geschildert worden sind, ein Fanatiker, vielmehr möchte ich Sie als den unmittelbaren Gegensatz eines Fanatikers bezeichnen. Der Fanatiker erhitzt die Köpfe, Sie er­wärmen die Herzen. Der Fanatiker will überreden, Sie wollen überzeugen, nur überzeugen, und darum gelingt es Ihnen auch; ja, ich möchte ebenfalls Sie für das Gegenteil eines Politikers dieses Wort im landläufigen Sinne aufgefaßt er­klären, denn die Achse aller Politik ist die Partei­angehörigkeit, während bei Ihnen alle Parteien verschwinden, aufgezehrt von der Glut der Vater­landsliebe. Es war, meine ich, das Unglück unseres großen B i s m a r ck , daß er durch den Gang seines Schicksals beileibe nicht durch angeborene An­lagen ein bißchen zu sehr mit dem politischen Leben verwickelt ward. Möchte Ihnen dieses Las erspart bleiben!

Sie haben Gewaltiges zu leisten vor sich, aber trotz Ihrer Willenskraft halte ich Sie nicht für einen Gewaltmenschen. Sie kennen Goethes Unterscheidung von Gewalt und Gewalt! Es gibt eine Gewalt, die aus Chaos stammt und zu Chaos führt, und es gibt eine Gewalt, deren Wesen es ist, Kosmos zu gestalten, und von dieser sagte er:Sie bildet regelnd jegliche Gestalt und selbst im Großen ist es nicht Gewalt."

In solchem kosmosbildenden Sinne meine ich es, wenn ich Sie zu den auferbauenden, nicht zu den gewaltsamen Menschen gezählt wissen will.

Ich frage mich immer, ob der Mangel an politischem Inftinkt, der an den Deutschen so allgemein gerügt wird, nicht ein Symptom für

Houston Stewart Chamberlain, der Seher und Prophet, der glühends«n Bekenner einer für bas Deutschtum, der Schwiegersohn Richard Wag­ners hat den Tag der Machtergreifung nicht mehr erleben dürfen. Um so großartiger, um so genialer scheint es uns, daß er den Menschen und Staatsmann Adolf Hitler als einer der ersten überhaupt in feiner ganzen Tiefe erkannt und er­messen hat. Er, der in seinem Epoche machenden WerkDie Grundsätzen des XIX. Jahrhunderts" die Bedeutung des arischen Geistes für die Kultur­geschichte dargestellt und ergründet hat, er, der den großen Deutschen Wagner, Kant und Goethe in feinen Biographien unsterbliche Denkmäler gesetzt hat, er war es auch, dem es wie Schuppen von den Augen fiel, als er dem Führer begegnete.

Wenn wir uns auf Chamberlain berufen, dann beschwören wir einen der größten Geister des Deutschtums unserer Tage herbei, darum sei aus seinem Briefwechsel mit Adolf Hitler heute ein schmuckloses und um so tiefer ergreifendes Dokument herausgestellt, zu dem jeder Kommentar sich erübrigt, wenn wir wissen, daß es bereits vor 11 Jahren niedergelegt wurde. Das Schreiben lautet:

Bayreuth, den 7. Oktober 1923.

Sehr geehrter und lieber Herr Hitler!

Sie haben alles Recht, diesen Ueberfall nicht zu erwarten, haben Sie doch mit eigenen Au^en erlebt, wie schwer ich Worte auszusprechen vermag. Jedoch ich vermag dem Drange, einige Worte mit Ihnen zu sprechen, nicht zu widerstehen. Ich denke es mir aber ganz einseitig d. h. ich erwarte keine Ant-

Zeugnis eines Toten.

Ein Dries Houston Stewart Chamberlains an Adolf Hitler vom 7. Oktobers 923

rische als die abenteuerliche Seite der Rolle und trifft in Maske und Haltung recht wohl das Bild, das die Vorstellung des Beschauers und Hörers sich von dem genialischen Kavalier der napoleoni­schen Zeit machen mag. Das Interesse des Gieße­ner Publikums konzentriert sich naturgemäß auf Maria Geling, die die junge Schauspielerin Bella Manzetti spielt und zwar auf eine Weise, die ihren natürlichen Anlagen die anmutigste Ent­faltung geftattet; abgesehen von der liebenswürdi­gen musikalischen Ausgestaltung der Partie be­stätigt diese neue Filmrolle, daß Fräulein geling mit entschiedenem Talent aus der reinen Operetten­sphäre auch in das ernsthaftere dramatische Gebiet hinüberzuwechseln vermag. Aus alter Anhänglichkeit kam Fräulein Geling zugleich mit dem Film wieder einmal nach Gießen und wurde mit herz­lichem Beifall von der anhänglichen Gemeinde ihrer einheimischen Verehrer und Verehrerinnen auf der Bühne begrüßt; sie ist in jeder Vorstellung persönlich anwesend, singt ihr Auftrittslied und gibt sogar Autogramme. Von der übrigen Be­setzung, um noch einmal zum Film zurückzukehren, sind neben den bereits genannten Hauptrollen die pikante und rassige Herzogin von Lucca der Eliza I l l i a r d , Theo Lingen und Adele S a n d r o ck in den komischen Chargen, außerdem die von Aribert Wäscher, Erika Gläßner und Veit Harlan hübsch ausgestattete Wanderkomödianten­gesellschaft zu nennen. Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus. Im Beiprogramm findet man u. a. einen interessanten Bildbericht von den Südamerikafahrten desGraf Zeppelin" und einen Vorspann zumAbenteuer im Südexpreß".

Sern hab ich die Frau'n geküßte

Lehar schrieb die schnell populär gewordene Musik zu der Operette von Knepler und Jen- b a ch, die sich das Leben des berühmten Geigers Nicolo Paganini zum Vorwurf nahm. Der Film (Produktion: Neues Deutsches Lichtspiel-Syndikat) hat das gleiche Thema auf feine Art gestaltet; zwar blieb der Grundcharakter, musikalisch und yandlungsmäßig, gewahrt, aber das Drehbuch von Georg Zoch hat dem Ganzen eine Wendung ge­geben, die den Film aus der herkömmlichen Ope­rettenschablone löst und mehr ins Schauspielhafte verlegt. Bei einer Fabel wie dieser versteht es sich freilich von selbst, daß das Dramatische an den Höhepunkten des Spiels melodramatisch gesteigert und lyrisch-musikalisch untermalt und aufgelockert wird; aber auch die große repräsentative Theater­szene, eine glanzvolle Ausstattung, Kostüm und Milieuschilderung, dazu das immer gern gesehene und wirksame komische Beiwerk kommen zur Gel-