Ur. 188 Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger lGeneral-Anzeigersür Gberhessen)
Dienstag, 14. August 1934
Vas muß jeder Volksgenosse beachten,
UM Sein Wahlrecht am ^9. August zu sichern?
nach Madras kommen würde. Und gerade das war
Es besteht sonst die Gefahr, daß der Stimmschein
ife er in einer kurzen Entfernung vom Hafen von
ist plötzlich seltsam still geworden in meinem
<1
Traum, man braucht Anstrengung, um ihn im Ge- dächtniß aufzusuchen."
Goethe an der Saar.
Mitgeteilt von ©r. Gori Waldrach.
Oer tote Vogel
Don Jakob Haringer.
Die „Emden" beginnt den Kreuzettrieg
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L SYZnun^vo^ra^^,,o"n Lps^LfsenlWe U die «englische Admira- nicht mehr rechtzeitig zugestelli werden kann. Ich
Als die Franzosen 1918 in dem „befreiten" Straßburg einzogen, hat es ihr Präsident Poinare fertiggebracht, unter Aufwand vieler phrasenhafter Worte an die ins „Vaterhaus heimgekehrten Kinder" der erstaunten Kulturwelt darzulegen, Goethe habe sich während seines Straßburger Aufenthalts zur französischen Sprache und Kultur bekannt und bekehrt. Will man Poincarä keine Böswilligkeit vorwerfen, so bleibt nur festzustellen, daß solches Gerede allein durch mangelnde Kenntnis zu erklären ist. Man braucht doch nur an Goethes Aufsatz Don deutscher Baukunst" aus dem Jahre 1773 zu erinnern und an seine Worte in „Dichtung und Wahrheit", daß er „wieder von der französischen Seite auf die deutsche Seite herübergetreten sei , daß er „an der Grenze von Frankreich alles französischen Wesens auf einmal bar und ledig wurde.
Goethe hat, als er 1770/71 in Straßburg studierte, auch das Saarland kennengelernt. Mit zwei Studiengenossen, Engelbach und Wey land, hat er einen Ausflug zu Pferd über Zabern Pfalzburg und Buchsweiler an die Saar gemacht.
„Wir gelangten", so beschreibt er die Reise, „über Saarqemünd nach Saarbrück, und diese kleine Residenz war ein lichter Punkt in einem so felsigwaldigen Lande. Die Stadt, klein und hügelig, aber
lität den Bericht des Kapitäns der „Sidney",1 Gloffop:
„Auf einer Patrouillenfahrt erhielten wir ein Funkentelegramm von den Kokosinseln, worauf wir sogleich um 7 Uhr mit Bolldampf den Kurs auf die Inseln nahmen. Wir erreichten bald eine Geschwindigkeit von 20 Knoten und sichteten um 9.15 Minuten Land. Wir sahen fast unmittelbar darauf den Rauch der ,Emdens die mit großer Geschwindigkeit auf uns zukam. Sie eröffnete das Feuer um 9.50 Uhr. Ich hielt möglichst großen Abstand, um den Vorteil auszunützen, da ich weltertragende Geschütze hatte. Das Feuer der ,Emden' war zu Beginn des Gefechts sehr genau und schnell, ließ aber bald nach. Alle Äerluste an Bord der ,Sibney' fielen in den Anfang des Gefechts. Der erste Schornstein der ,Emden' war zuerst weggeschossen, darauf der vorderste Mast. An Bord brach ein schwerer Brand aus. Nachdem der zweite und schließlich der dritte Schornstein umgefallen waren, hielt das Schiff auf den Strand zu. Wir gaben noch zwei Salven auf die ,Emden' ab und nahmen dann die Verfolgung eines Handelsschiffes auf, das
sich während des Gefechtes näherte. Es war das erbeutete britische Kohlenboot ,Buresk', welches mit einigen Deutschen und Chinesen bemannt war. Di» Deutschen bohrten ein Leck in das Schiff, das bald sank. Die ,Sidney' kehrte sodann zur ,Emden' zurück und rettete noch die Flagge am Topp. Wir fragten: ,Wollt ihr euch ergeben?', erhielten aber keine Antwort, so daß wir wider Willen genötigt wurden, um 16.30 Uhr das Feuer wieder zu eröffnen. Fünf Minuten später stellten wir das Feuer wieder ein und begannen zu retten, was zu retten war. Am folgenden Tage hatte ein Offizier eine Unterredung mit dem Kapitän der,Emden'. Es wurde beschlossen, die Verwundeten und Gefangenen herüberzubringen, was wegen der starken Brandung schwierig war. Der Zustand der ,Emden' war unbeschreiblich. Die Verluste an Bord der ,Sidney' betrugen 4 Tote und 12 Verwundete. Von der ,Emden' waren acht Offiziere und 111 Mannschaften verwundet worden. 11 Offiziere und 200 Mann wurden gefangen, unter denen sich 54 Verwundete befanden..."
D. Frank.
„Emden" ihre Kaperfahrt an.
Madras lag, und hatte von hier aus feine Boten der Zerstörung in die Stadt gesandt. Eine Granate fiel in das Schlafzimmer des Direktors der Burmah Oil Co. und schlug den Fußboden durch. Er stürzte herunter, um seine Frau und seine Familie in Sicherheit zu bringen, und als er herunterkam, sah er eine Granate in einen der Petroleumtanks schla-
Es ist plötzlich seltsam still geworden m meinem Zimmer, seit die helle Zwitscherstimme meines Vogels für immer verstummt ist.
Ich erschrak ein wenig, als ich meinen langjährigen, buntgefiederten kleinen Freund eines Morgens zusammengekauert auf dem Boden seinesKä- figs entdeckte. Ein Zucken lief von Zeit zu Zeit durch das leichte Körperchen, die kleine Brust atmete stoßweise, das anmutige Köpfchen war halb unter den Flügel gesteckt, die dunkel-glitzernden.
^Zu/'^Ergänzung fei noch -in Stück aus einem Briefentwurf Goethes angefugt, den er am 27 Juni (1770) in Saarbrücken geschrieben hat und der sich im Nachlaß der Frau nun Stein sand:
Gestern waren wir den ganzen lag geritten, die Nacht tarn herbei und wir kamen eben auss (Rebira da die Saar im lieblichen Thale unten ombeisiießt. Wie ich so rechter Hand über die arüne Tiefe hinaussah und der Fluß m hprSäAmei so graulich und still floß und linker Han?die schwere Finsterniß des Buchenwaldes vom Berg über mich herabging, wie um die duntten Keifen durchs Gebüsch die leuchtenden Vögelchen still und geheimnisvoll zogen: da wurds in meinem Kerzen so still wie in der Gegend und die ganze Beschwerlichkeit des Tages war vergessen wie em
Und wenn der Tod nicht Vernichtung, sondern Formwechsel, nicht letztes Ende, sondern Leben in einer anderen Gestalt ist — — dann werden all die süßen Flötentöne, die jubilierenden Triller, die rollenden Läufer, alle die hellen Melodien seiner klingenden Vogelsprache wiedererstehen und in den dunklen Veilchen des kommenden Jahres weiterleben.
Und dann ist ja alles nicht so schlimm.
Der Kampf ums kleine Bier.
Als Johannes Brahms von einem seiner „Heinen Spaziergänge", die er so sehr liebte, zurückgekehrt war, — er hatte so fünfzehn Kilometer in wenig mehr als zwei Stunden bewältigt — ging er durstig in ein Eafe und bestellte ein Glas JBier, wohlegemerkt ein kleines Glas, weil er es so öfters frisch 'vom Faß bekam. Der Kellner brachte ihm aber ein großes Glas. „Tragen Sie das Bier wieder zurück", sagte Brahms schließlich unmutig, nachdem feirf erster Durst gelöscht war. „Ich habe ein kleines Glas Bier bestellt." Nun weigerte sich der Kellner aber, das schon eingeschänkte Bier wieder zurückzunehmen. „Ich sage Ihnen, bringen Sie das auf der Stelle zurück", schrie Brahms nut einer Stimme, daß die Glasscheiben zitterten-. Da eilte der Besitzer des Lokals herbei und fragte, warum denn sein Gast so unzufrieden wäre. „Aber das liebet ist ja nicht so groß", sagte er versöhnlich, als ihm der Sachverhalt klargestellt worden war. „Sie haben ein kleines Glas bestellt, und man hat Ihnen ein großes gebracht. Zweifellos war das ein M'ß- verftändnis, das ich sehr bedauere. Aber da werden Sie nun eben noch einmal ein großes Glas trinken. Es ist ja überdies nur ein Unterschied von ein paar Kreuzern ..." Mit einem Satz war Brahms aufgesprungen, und sein handfester Spazierstock sauste auf das unglückliche große Glas Bier herab, daß es in tausend Stücke zerschmettert wurde, und dann hob ich der Stock noch einmal, sauste durch die Luft und wäre unfehlbar auf das Haupt des Wirtes niedergegangen, wenn der nicht in größter Geschwindigkeit feinen Rückzug angetreten hatte. Hierauf nahm Brahms mit einem erleichterten Aufatmen wieder Platz, zahlte freundlich das große Glas Bier, gab noch ein reichliches Trinkgeld dazu und bestellte' bann, sichtbar bester Laune, noch recht viele kleine Glas Bier. Als Brahms spat abends aufbrach, waren er und der Kellner die besten Freunde geworden, der Wirt aber ließ sich nicht mehr sehen und wagte sich erst wieder in sein ßw kal, als der gewalttätige Spaziergänger nur noch als ein kleines Pünktchen in der Ferne auf der Landstraße zu sehen war
bene Fürst gewesen war: der gegenwärtige befand sich nicht am Orte. Präsident von Günderode empfing uns aufs verbindlichste und bewirtete uns drei Tage Lesser, als wir es erwarten durften. Ich benutzte Hie mancherlei Bekanntschaften, zu denen wir gelangten, um mich vielseitig 3" unterrichten. Das genußreiche Leben des vorigen Fürsten gab Stoff genug zur Unterhaltung, nicht weniger die mannigfaltigen Anstalten, die er getroffen um Vorteile, die ihm die Natur feines Landes darbot, zu benutzen. Hier wurde ich nun eigentlich m das Interesse der Berggeqenden eingewecht, und die Lust zu ökonomischen und technischen Betrachtungen welche mich einen großen Teil meines Lebens beschäftigt haben, zuerst erregt. Wir hörten von den reichen Duttweiler Steinkohlengruben, von- Eisen- und Alaunwerken, ja sogar von einem brennenden Berge, und rüsteten uns, diese Wunder m der Nahe
Vogelaugen geschlossen.
Eine ergreifende Müdigkeit und eine rührende Hingabe an jene dunkle Gewalt, die vor die Git- terftabe seines Käfigs getreten war, lagen über der kleinen, zierlichen Kreatur. Fühlte er erschauernd den kalten Hauch, der sich auf das winzige, bebende Vogelherz legte, das Grauen, das ihm die zarte Kehle zuschnürte? Erschöpft und todesmatt glitt er hinüber in das Dunkel, das sich immer naher über ihn beugte, und in das fein helles, kleines Leben versank wie ein Blütensternchen in einem dunklen Weiher ...
Als ich ihn bekam, lachte ein blauer Maientag Über der Welt. Vor den Fenstern jubilierten die Finken und Amseln in den leuchtenden Frühlingstag hinein, die Sonne sah tief in die Zimmer, und das Leben war hell und voll Süßigkeit.
Was hilft mir dieses Bild, das aus den Tiefen der Erinnerung emporsteigt? Es liegt ein Raum von tausend Jahren zwischen jenem fernen Mai und dem heutigen. .
Durch einen leise fallenden Mairegen grüßen mich heute Baumblüte und erstes Frühlingsgrün: ein fünfter Wind t)at sich aufgemacht und wirbelt Blütenblätter durch die Gartenstille, und das Leben hat mir mehr genommen als gegeben.
Ein zartes Vögelchen starb den Tod alles Lebendigen ...
Eine leise Trauer bleibt und die schmerzliche Erkenntnis, daß eine große unerbittliche Gewalt jedes Sein einmal auslöscht und es versinken läßt in den tiefen, dunklen, traumlosen Schlaf.
Mein kleiner Vogel, mein treuer Begleiter, ist "^Wir^begruben ihn im Garten unter der alten Kastanie, wo vor kurzem die Veilchen noch so verschwenderisch blühten.
weise besonders darauf hin, daß in den großen Gemeinden Anträge auf Stimmscheine am Samstag, dem 18. August, nicht mehr entgegengenommen werden. Der Stimmschein berechtigt den Inhaber, in jedem beliebigen Stimmbezirk seine Stimme abzugeben. In der Oeffentlichkeit wird vielfach die Meinung vertreten, der Stimmschein berechtige auch zur Stimmabgabe auf konsularischen oder diplomatischen deutschen Vertretungen im Auslande. Das trifft nicht zu. Abgesehen von der Möglichkeit, an Bord deutscher Seeschiffe abzustimmen, können Stimmzettel nur innerhalb der deutschen Reichsgrenzen abgegeben werden.
Der Stimmschein berechtigt aber nicht nur zur Stimmabgabe, er verpflichtet auch dazu.
Nur hat der Inhaber die Freiheit, in dem Wahllokal abguftimmen, das für ihn am bequemsten zu erreichen ist. Wer sich aber etroa einen Stimmschein in der Absicht ausstellen läßt, ihn doch nicht abzugeben, der möge bedenken, daß nach der A b - stimmung jederzeit f e st g e st e 11 t werden kann, ob er von dem Stimmschein Gebrauch gemacht hat.
. 2Hit Rücksicht daraus, daß der Abstimmungstag noch in die Hauptreisezeit fällt, sind die Gemeindebehörden angewiesen worden, bei der Prüfung der Stimmscheinanträge großzügig zu verfahren.
Der Reichsminister des Innern hat heute in einem weiteren Erlaß angeordnet, daß selbstverständlich auch Anträge, die von Angehörigen gestellt werden, entgegenzunehmen und sofort zu erledigen sind. Für die Stimmabgabe im Reiseverkehr sind umfangreiche Maßnahmen getroffen worden, um allen auf Reisen befindlichen Volksgenossen die Abstimmung zu ermöglichen. Auf 33 großen innerdeutschen Bahnhöfen und 19 reichsdeutschen Grenzbahnhöfen werden besondere Abstimmungsmöglichkeiten geschaffen. Die Abstimmungszeiten sind dem Fahrplan angepaßt und erstrecken sich über die 24 Stunden des 19. August. Merkblätter, auf denen die Bahnhöfe mit den Ab- stimmungszeiten aufgeführt sind, werden den Reisenden an den Fahrkartenschaltern und in den Fernzügen ausgehändigt. Auf zahlreichen großen deutschen Ueberseedampfern werden Bordabstimmungen stattfinden. Voraussetzung hierfür ist, daß sich mindestens 50 Stimmscheininhaber an Bord befinden. U. a. wird auch auf dem Flugzeugstützpunkt der Deutschen Lufthansa im Südatlantik, dem Dampfer „Westfalen", Bordabstimmung stattfinden. Für die Teilnahme Reichsdeutscher mit
Der Staatssekretär im Reichsinnenministerium, Pf undtner, hielt am gestrigen Montagabend im Rundfunk eine Rede, in der er sagte:
Am 19. August kann jeder abstimmen, der in die <5 t i m m l i ft e eingetragen ist, ober sich auf Grund seiner Eintragung einen Stimmschein hat ausstellen lassen. Die Stimmlisten sind von den Gemeindebehörden von Amts wegen auf Grund der Einwohnermeldelisten aufgestellt worden.
Abstimmungsberechtigt sind alle reichsdeutschen männer und Frauen, die in der Gemeinde ihren Wohnsitz haben, am 19. August minbe- dens 20 Jahre alt und nicht wegen Entmündigung oder Verlustes der bürgerlichen Ehrenrechte vom Stimmrecht ausgeschlossen sind.
Jeder Volksgenosse konnte gestern und vorgestern durch Einsicht in die öffentlich ausgelegte Stimmliste feftftellen, ob sein Name darin verzeichnet ist. Besonders wer in letzter Zeit umgezogen ist, hatte die Pflicht, die Listen einzusehen. Diejenigen, die dies versäumt haben, mögen folgenden Hinweis beachten:
Bei der ßiftenauffteUung gilt alsWohnungs- stand im allgemeinen der Tag vor dem Beginn der ßiftenauslegung, diesmal mithin der 10. August. Wer also bis zu diesem Tage einschließlich ferne Wohnung gewechselt und sich sofort ab- und angemeldet hat, kann damit rechnen, daß er an seinem neuen Wohnort — oder in großen Städten in seinem neuen Wohnbezirk — noch rechtzeitig vor dem Abstimmungstag von Amts wegen in die Stimmliste ausgenommen wird.
Wer aber nach dem 10. August seinen Wohnort gewechselt hat, oder bis zum Abstimmungs- tage noch wechseln wird und indessen seine Aufnahme in die Stimmliste des neuen Wohnortes nicht beantragt hat, der verschaffe sich sofort von der Gemeindebehörde feines bisherigen Wohnortes einen Stimmschein.
Wechselt der Stimmberechtigte in der Zeit vom 11. bis 18. August seine Wohnung lediglich innerhalb einer Gemeinde, so gibt er am 19. August seine Stimme in b e m Stimmlokal ab, das für seine bisherige Wohnung zuständig war, da er dort in der Stimmliste steht.
Wer sich am 19. August auf Keifen befindet und noch keinen Stimmschein beantragt hat, warte damit nicht bis zum letzten Tag.
gen, die auf dem Hofe standen, und wenige Minu- ; ten später entzündete eine andere Granate einen 1 anderen Tank. Die Flammen schlugen in Riesen- ■ garben empor. Einer der Männer, die die Nacht- 1 wache hatten, wurde getötet, ein anderer verwundet. Ebenso wurde ein indischer Polizist am Hafen 1 getötet. Als die Petroleumtanks in Feuer standen, gab die „Emden" noch einige Schüsse auf die Stadt ab, die in verschiedenen voneinander entfernten Teilen trafen. Die Verteidigungsmittel von Madras sind nicht sehr groß, aber es waren doch einige Kanonen da, die nun in Tätigkeit gesetzt wurden. Nach dem dritten Schuß, der von uns abgegeben wurde, ließ die „Emden" ihren Scheinwerfer verschwinden, den sie während der Beschießung angewendet hatte, und verschwand in der Dunkelheit."
Trotz des Schadens, den die Engländer erlitten, waren sie doch gerecht genug, um die Sauberkeit der Mittel anzuerkennen, die Kapitän von Müller im Kampfe anwandte. Ein Offizier schreibt nach der Beschießung von Madras: „Der Kapitän der Jamben' ist ein Sahib (Gentleman). Er wollte ber Stabt Schaben zufügen, aber so wenig Menschen wie möglich opfern. Er hatte Offiziere unb Mannschaften an Borb, bie Mabras ganz genau kennen. Die Schiffe im Hafen, sechs an ber Zahl, boten ein leichteres Ziel als bie Petroleumtanks. Warum schoß er nicht auf bie Schiffe? Er wußte, baß, wenn er einige Petroleumtanks in Branb fetzte, bas brennenbe Petroleum sich in ben Hafen ergießen unb bie Schiffe anzünben würbe. Die Mannschaften ber Schiffe würben bann Zeit gehabt haben, sich vorher zu retten. Aus bie= fern Grunbe sage ich, baß ber Kapitän ber ,Em- ben" ein Sahib ist."
Gerabe biefe gerühmten Eigenschaften bes deutschen Seehelden mußten den sportlich interessierten Engländern, denen ein faires S p i el über alles, ging, gefallen. So wurde auch die Höflichkeit und Menschenfreundlichkeit restlos anerkannt, mit denen ber Kommanbant ber „Emben" bie Mannschaften ber gekaperten Schiffe behanbelte. „Was wollen Sie, Kapitän, es ist Kriegsglück", tröstete er ben Kapitän I. Jsbale von ber „Ribera", als besten Schiff versenkt werben solUe.
Doch als ber kühne Freibeuter immer mehr Schiffen gefährlich würbe, als bie Ausfuhr Jnbiens empfinblich zu leiben begann unb Amerika be- beutenbe Aufträge zurückzog, war bie Gebulb ber Englänber zu Enbe. Nicht weniger als fiebrig Kreuzer würben ausgeschickt, um bas Treiben ber beutschen Schiffe zu unterbinben. Mit beraum bernswertem Geschick, mit kühnen Schachzügen entging aber bie „Emben" noch einige Wochen ben Hänben bes Feinbes. Ja, es gelang ihr noch hier unb ba ein besonbers guter Fang.
Am 28. Oktober lief sie in ben Hafen Pulo Pinang ein, belegte bort ben russischen Kreuzer „Schemtschug" mit Salven unb konnte ihn mit Hilfe zweier Torpebos versenken. Währenb bes Feuerkampfes würbe bie „Emben" von keinem Schuh getroffen. Bei ber Ausfahrt aus bem Hafen begegnete ber beutfche Kreuzer bem französischen Torpeboschiff „Mousquet". Nach längerem Kampfe, aus bem bie „Emben" roieber unbeschäbigt hervor- ging, sackte ber „Mousquet" mit ber Spitze zuerst ab unb verschwanb in ber Tiefe.
Am 10. November fanb bie „Emben" in ber Nähe ber Kokosinseln in bem australischen Kreuzer „Sibne y" ihren letzten Gegner. Ueber biefen für
sogleich einen angenehmen Einbruch roetl bie Hauser alle grauweiß angestrichen sinb unb bie verschie- oene Höhe betreiben einen mannigfaltigen Anblick gewährt. Mitten auf einem schönen, mit ansehnlichen Gebäuben umgebenen Platze steht bie lutherische Kirche, in einem kleinen, aber bem Ganzen entsprechenben Maßstabe. Die Vorberseite bes Schlosses liegt mit ber Stabt auf ebenem Hoben, bie Hinterfeite bagegen am Abhänge eines steilen Felsens. Diesen hat man nicht allein terrassenweise abgearbeitet, um bequem in bas Tal zu gelangen, fonbern man hat sich auch unten einen länglich viereckten Gartenplatz, burch Verbrängen bes Flusses an ber einen unb burch Abschroten bes Felsens an ber anberen Seite, verschafft, worauf benn bie- fer ganze Raum erst mit Erbe ausgefüllt unb bepflanzt worben. Die Zeit biefer Unternehmung fiel in bie Epoche, ba man bei Gartenanlagen ben Architekten zu Rate zog, wie man gegenwärtig das Auge des ßandfchaftsmalers zu Hilfe nimmt. Die ganze Einrichtung des Schlosses, das Kostbare und Angenehme, das Reiche und Zierliche deuteten auf einen lebenslustigen Besitzer, wie der verstör-
Am 14. August 1914 trat bie
Während seit den ersten Augusttagen 1914 in der Nordsee die deutschen und die englischen Kreuzer in offenem und verstecktem Kampf aneinander- gerieten, während die deutschen Unterseeboote kühne Borstöhe zur englischen Küste wagten unb alle Welt von ber Heldentat des „U 9" sprach, das innerhalb zweier Stunden drei englische Panzerkreuzer in den Grund bohrte, vollbrachten unsere braven Auslandskreuzer in den Ozeanen Wunder an Tapferkeit und Ausdauer. Auch hier erging es hauptsächlich den Engländern schlecht, und erst einer ungeheuren Uebermacht — eine Flotte von siebzig englischen, französischen, russischen und japanischen Kriegsschiffen mußte ausgeschickt werden, um acht deutsche Kreuzer einzufangen — gelang es, fast alle unsere Auslandskreuzer zu vernichten ober zu internieren.
Eines jener ruhmvollen Schiffe, bie ber englischen Hanbelsflotte in ben Meeren Sübasiens unermeßlichen Schaben zufügten, war bie „Embe n". Ihre helbenmutige Besatzung erwarb unter ihrem Führer Kapitän von Müller bem beutschen Namen bis zuletzt Ruhm unb Ehre unb bie hohe Anerkennung ber feinblichen Gegner.
Die ßeiftung ber „Emben" läßt sich erst bann voll ermessen, wenn man baran benft, baß sie ohne jede Unter st ützung von anberen Schiffen, ohne Verbinbung mit ber Heimat, vollkommen felbftänbig ihre Unternehmungen aus- führte. Wie ber „Fliegenbe Hollänber" tauchte sie, gefürchtet unb gemieben, halb hier, halb bort auf unb versetzte ber englischen Hanbelsflotte einen gefährlichen Stoß nach bem anberen.
Der 14. August 1914 entschieb bas Schicksal ber „Emben". Gegen 7 Uhr morgens mürbe sie mit bem Signal „Emben betachiert, wünsche guten Erfolg" aus bem Flottenverbanb entlassen unb dampfte, von jetzt ab auf sich selbst angewiesen, in ben Jnbischen Ozean, mit bem Auftrag, bort nach besten Kräften Kreuzerkrieg zu führen. Der Kom- manbant ber „Emben" verabschiebete sich mit folgendem Funkfpruch von bem Geschwaberchef: „Ich danke Eurer Exzellenz für bas in mich gesetzte Vertrauen. Wünsche bem Kreuzergeschwaber glückliche Fahrt unb guten Erfolg."
Daß Kapitän von Müller blefes Vertrauen rechtfertigte, sollten halb bie Schreckensnachrichten beweisen, bie von vielen inbischen Häfen ausgingen. Mabras, Ponbicherry unb anbere Orte würben durch den unerwarteten Besuch der „Emden" überrascht und beschossen. Englische Schiffe, die sich eben noch von der Ungefährlichkeit ihres Weges Überzeugt hatten, sahen plötzlich die Silhouette der „Emden" am Horizont auftauchen und wurden innerhalb kurzer Zeit gekapert. Der englische Seehandel, der gerade mit dem reichen Indien sehr rege war, wurde erheblich gestört, die Schiffahrtsgesellschaften wurden aufs äußerste beunruhigt.
Die Beschießung von Madras in der Nacht vom 22. September kam für die Einwohner völlig unerwartet. „Dichte Wolken bedeckten den Himmel", fo berichtet ein Engländer in die Heimat, „als plötzlich etwa vier Kilometer vom Hafen entfernt ein seltsames ßicht erschien. Es folgte eine Reihe von Erschütterungen, die den Eindruck schwerer Explosionen machten. Einige Augenblicke spater waren an die Stelle des grellen weißen ßidjtes, bas am Himmel aufgeflammt war, rote hochauf- lobernbe Flammen getreten, bie ein mächtiges Knallen unb Krachen begleitete, unb bann war roieber alles still ... Was war geschehen? Wir wußten schon seit einigen Tagen, baß ber beutsche Kreuzer „Smben" im Golf von Bengalen war. Er hatte verschiebene Schiffe im Narben bes Golfs genommen unb zum Sinken gebracht, unb man munkelte bereits, baß er vielleicht zum Schluß
zu schauen."
Im folgenben schilbert Goethe seinen Besuch bei verschobenen Jnbustriewerken unb Bergwerken unb schließt seinen Bericht:
„f)ier, mitten im Gebirg, über einer waldbe- mad)|enen, finsteren Erde die gegen ben Weren Horizont einer Sommernacht "ur noch finsterer er- schien, das brennende Sterngewolbe über mir. ich an der verladenen Statte lange mit mir selbst und glaubte, niemals eine solche ^"s^Eeit empfunden zu haben. Wie lieblich überraschte mich da- her aus der Ferne der Ion von ein paar Wald- fvu.uiyc.i -tui.w. , ------ - ■ ,, hörnern der auf einmal wie em Balsamduft die
durch den letzten Fürsten wohl ausgeziert, macht'ryhiae Atmosphäre belebte. Da erwachte m mir das
-=— n-inhrmf. weil die Hau- 99 IW g 6as Dor ben bunten Ge
stalten dieser Reisetage in den Hintergrund gewichen war; es enthüllte sich immer-mehr und mehr und trieb mich von meinem Platze nach ber Verberge wo ich Anstalten traf, mit dem Frühsten


