Finnlands Wehrmacht ehrt die deutschen Gefallenen.
Lovisa, 12. Aug. (DNB.) Die Enthüllung eines Denkmals für das deutsche Unterseeboot „U. C. 57", das 1917 in den finnischen Schären auf unbekannte Art sank, gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Von allen Richtungen strebten schon am frühen Morgen die schmucken weißen Küstendampfer und schweren Fischerboote trotz steifen Windes und grober See nach Hamnskär, einer kleinen, nur wenige hundert Quadratmeter aroßen Granitklippe, 20 Seemeilen südlich der Einfahrt von Lovisa. Hier war es, wo „U. C. 57", nachdem es feine Waffenladung für die finnische Armee am 16. November 1917 abgeladen hatte, zum letzten Male gesehen wurde. In der Nähe der Hamnskär-Klippe lag wimpelgeschmückt die finnische Kriegsflotte, ein modernes Panzerschiff, -zwei U-Boote und drei Küstenwachtfahrzeuge. Ein Geschwader finnischer Wasserflugzeuge kreuzte über der kleinen Granitklippe, die wohl noch niemals so viele Menschen wie heute — es mögen etwa 2000 gewesen sein — auf einmal gesehen hatte. Auf der äußersten Südspihe der Schären ragte der mit dem eisernen Kreuz geschmückte granitene Obelisk des Gedenksteines empor mit den Namen der 27 Mann der vermißten Besatzung von „U. C. 57".
Abordnungen der finnischen Marine und Armee, des Schutzkorps und des deutschen Segelschulschiffes „Gorch Fock" hatten auf der Klippe Paradeaufstellung genommen, über welcher die finnischen und die halbmastgesetzten deutschen Flaggen wehten. General Valve, der finnische Flottenchef, enthüllte das Denkmal unter dem donnernden Salut der Kriegsschiffe. Der deutsche Ge- andte Büsing dankte in einer auch vom finni- chen Rundfunk übernommenen Ansprache dem innischen Denkmalskomitee, vor allem seinem Vor- itzenden Prof. Gumnieros, und der finni- chen Wehrmacht für die pietätsvolle Ehrung und grüßte die Toten von „U. C 57" im Namen des neuen Deutschland.
Ergreifende Worte des Gedenkens sprach Oberst Hägglund namens der finnischen Jäger. Kriegsminister O k s a l a legte den Kranz des durch Krankheit verhinderten Präsidenten S v i n h u f - v u d nieder, Staatsminister K i v i m ä k i den Kranz der finnischen Regierung, Gesandter Büsing den der deutschen Gesandtschaft, Fregattenkapitän M e - w i 5 Kränze von der „Gorch Fock" und dem Stabe der deutschen Marineleitung. Kränze der finnischen Armee und Flotte, der örtlichen Schutzkorps, der Ortsgruppe der NSDAP. Helsingfors, der deutschen Kolonie und zahlreicher deutscher und finnischer Vereine häuften sich in großer Zahl um den schlanken Obelisk des Gedenksteines.
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Berlin, 12 Aug. (DNB.) Zur gleichen Stunde, in der in Finnland ein Denkmal für die Gefallenen des deutschen U-Bootes „U. C. 57" eingeweiht wurde, legte heute Mittag der finnische Generalmajor Heinrichs in Gegenwart des finnischen Gesandten in Berlin einen mit Blumen geschmück
ten Lorbeerkranz am Ehrenmal Unter den Linden nieder. Auf den blauweißen Kranzschleifen stand die Widmung: „Von der Wehrmacht Finnlands den deutschen Soldaten".
Vier neue Todesurteile in Wien vollstreckt.
Wien, 13. Aug. (DNV.) In dem Prozeß gegen die neun S i ch e r h e i t s w a ch l e u t e der Wiener Polizei, die an dem Sturm auf das Bundeskanzleramt teilgenommen hatten, wurden am Wontagnachmittag vom Militärgerichts- Hof vier Todesurteile gefallt. Zur Hinrichtung durch den Strang wurden verurteilt Iofef Hacker, Franz Leeb, Ludwig M a i h e n und Erich W o h l r a d. Emil Schrott und Johann Dobeck erhielten lebenslängliche Kerkerstrafen. Das Urteil gegen Leopold Steiner und gegen Franz Fröhlich lautet auf 20 Jahre und gegen pangerl auf 15 Jahre Kerker. Alle Angeklagten wurden des Hochverrats, Franz Leeb außerdem der öffentlichen Gewalttätigkeit, begangen durch Freiheitsberaubung an dem Kriminalbeamten Anton Marek, für schuldig erklärt.
Die Todesurteile sind in den späten Nachtstunden des Montags v o l l ft r e ck t worden.
Kerkerurteil in Linz.
Linz, 13. Aug. (DNB.) In Linz trat am Montag der Militärgerichtshof zusammen und befaßte sich mit dem Fall des 24jährigen Gaftwirtssohnes und Zuckerbäckers Felix Urstöger, des Anführers bei den Ereignissen vom 25. Juli in Goisern im Salzkammergut. Urstöger wurde zu 14 Jahren schweren Kerkers, verschärft durch einen Fasttag im Vierteljahr, verurteilt.
Kartelle in Güdslawien verboten.
Belgrad, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Regierung unterzeichnete eine Verordnung, durch die alle Kartelle verboten werden.
Durch eine zweite Verordnung begrenzte die Regierung den Zinsfuß. Geldinstitute und Banken dürfen demzufolge höchstens 4% v. H. über den Diskontsatz der Nationalbank und die übrigen Verleiher höchstens 8 v. H. jährlich fordern. Amerika baut 2-1V0 Marine
stugzeuge.
Washington, 14. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Vorsitzende des Marineausschusses des Repräsentantenhauses, Vinson, der gemeinsam mit dem Marineamt das Flugzeugbauprogramm für die Flotte ausgearbeitet hat, gab bekannt, daß der Bau von 2100 neuen M a - rineflugzeugen beabsichtigt sei. Von den ungefähr 1000 Flugzeugen, die die Marine gegenwärtig besitze, seien nur etwa 400 für den Kriegsdienst tauglich.
Schweres Grubenunglück im Gaß.
Paris, 13. Aug. (DNB.) 3n einem Schacht der Kaligrube von Enfisheim (Elsaß) ereignete sich am Montagnachmittag eine Explosion, die einen Grubenbrand auslöste. Das Unglück hat nach den letzten Nachrichten aus Paris neun Tote gefordert. Drei schwerverletzte Grubenarbeiter liegen noch im Krankenhaus von Mülhausen. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt.
Das Unglück ereignete sich im Schacht St. Terese der Kaligrube gegen 13 Uhr in einer Tiefe von 860 Metern. In dem Stollen arbeiten gewöhnlich 150 Arbeiter an drei Tagen in der Woche. Am Montag waren aber nur 12 Mann in den Schacht eingefahren, um ein Kabel des Förderkorbes auszubessern. Vermutlich infolge Kurzschlusses ereignete
sich eine furchtbare Explosion, die außerhalb des Schachtes in einem Umkreis von mehreren Kilometern gehört wurde. Der Stollen stand im Nu in Hellen Flammen. Nur vier Arbeitern gelang es, sich einen Weg aus diesem Flammenmeer zu bahnen. Sie wurden wenig später von einer Rettungskolonne mit lebensgefährlichen Brandwunden zum Krankenhaus gebracht. Dort ist der Obersteiger Weber bereits gestorben. Trotz aller Mühen und Anstrengungen gelang es der Hilfskolonne nicht, bis zu den übrigen eingeschlossenen Kameraden vorzudringen, die sämtlich in den Flammen umgekommen sind. Nur drei von ihnen konnten in den späten Abendstunden als Leichen geborgen werden.
Aus aller Wett.
Verheerendes Feuer in einem Spreewalddorf.
In einer der letzten Nächte brach in Neuendorf (Kreis Kottbus) ein Feuer aus, das sieben Gebäude in Flammen fetzte. Wassermangel in den Dorfbrunnen erschwerte das Eingreifen der Wehren. Es mußten etwa anderthalb Kilometer Schlauch gelegt werden, um überhaupt Löschwasser zu bekommen. Alle Erntevorräte sind vernichtet, die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte bis zur Unkenntlichkeit zerstört. In den Flammen sind wertvolle Viehbestände umgekommen. Es wird Brand- ft i f t u n g vermutet.
Grohfeuer in einem polnischen Dorf.
118 Gebäude niedergebrannt.
Die Ortschaft M o k r e in der Wojewodschaft Lodz wurde von einem Großfeuer heimgesucht, dem 118 Wohn- und Wirtschaftsgebäude zum Opfer fielen. Insgesamt sind 160 Bewohner des Dorfes obdachlos geworden. Ein Teil des Viehbestandes konnte nicht gerettet werden, obwohl 17 Feuerwehren am Löschwerk beteiligt waren.
Eisenbahnräuber erbeuten 150 000 Zloty.
Auf der Eisenbahnlinie Zyrardow—Warschau wurde der Postwagen eines Eisenbahnzuges beraubt. Die Täter, die 150 000 Zloty (etwa 70 000 Mark) erbeuteten, konnten bisher nicht ermittelt werden.
Sechs Todesurteile in Rußland.
Wie aus Wjatka gemeldet wird, sind sechs Beamte eines Lebensmitteltruftes wegen Massendieb- st a h l s von Lebensrnitteln und staatsfeindlicher Umtriebe zum Tode durch Erschießen verurteilt worden. y
Neuer Finanzskandal in Frankreich. — Landwirtschaftsgesellschaft stellt die Zahlungen ein.
In Vitry-le-Fran^ois (Dep. Marne) hat man einen Riesens kaudal aufgedeckt, in dem eine
große Landwirtschafts- und Jndustriegesellschaft verwickelt ist. Das Unternehmen, das sich mit dem Ankauf und Verkauf von Getreide beschäftigte, hat Plötzlich seine Zahlungen einstellen müssen. Seine Passiven sollen sich auf 15 Millionen Francs belaufen. Zahlreiche Kreditanstalten und Händler sind um Millionenbeträge geschädigt worden.
Felssturz im Niagarafall.
Wie aus Neuyork gemeldet wird, brach mit erdbebenartigem Donner ein Felsstück von 200 Meter Breite und 70 Meter Länge im Niagarafall ab. Der Felssturz ereignete sich am Rande der sogenannten Hufeisenfälle. Der mächtige Felsblock, der 50 Meter hinabrutschte, schleuderte eine riesige Wassersäule in die Höhe. Dies ist der zweite große Felsbruch im Niagarafall in den letzten Jahren.
Wettervoraussage.
Nachdem sich die Skandinavienstörung wesentlich abgeflacht hat und nordöstlich weitergewandert ist, wird sich bei uns das Wetter wieder ruhiger gestalten. Der hohe Druck lagert zwar mit seinem Kern noch im Westen, so daß weiterhin ozeanische Luft nach dem Festland fließt und somit zeitweise gewitterdrohende Bewölkung aufkommt. Im großen ganzen ist aber mit sonnigem und auch wärmerem Wetter zu rechnen.
Aussichten für Mittwoch: Teils auf- heiternd, teils gewitterdrohende Bewölkung, etwas wärmer, meist trocken.
Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellv. Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: I. V.: Ernst Blumlchem, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot. für den vorigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VH. 34: 10100. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei
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