befindet.
kreisklasse II.
Gemeinnutz geht vor Eigennutz!
In diesem Sinne arbeitet die NSV.
mag.
Da ist es mehr als verwunderlich, wenn auf einmal eine Kunde kämmt, Daß man den seltensten von allen Rüden wieder einmal hier bei uns gesehen hat, und mancher Zweifel kommt auf, ob sich der Gewährsmann nicht geirrt haben mag. Aber
Der alte germanische Götterbote und Wotans- voael Rabe, unser in Mitteldeutschland feit 3aJjr’ zehnten ausgestorbener Kolkrabe (Corvus corax corax L.) gehört nächst den Raubvögeln zu den imponierendsten Dogelgestalten, die wir haben und ist der stärkste unter den einheimischen Rabenvögeln. Bei uns in Hessen war er einst wert verbreitet, und noch vor einem Menschengedenken hatte jeder Bergwald im hohen Hessengau seinen Rabenhorst. Das ist anders geworden, seitdem die Urnatur zu einer Kulturnatur umgeprägt ward und der Rentabilitätsgrundsatz unserer Forstwirtschaft seinen Einzug selbst in die höchstgelegenen Waldberge hielt. So sind seither die Betrachtungen über den Kolkraben bei uns nichts anders als eine historische Angelegenheit, eine Art Nachruf, gewesen, und wie viele andere Naturdenkmäler aus dem Großvogelreich kennt unsere Generation sie nur von
Mit zwei Spielen wird auch in dieser Klasse am kommenden Sonntag die Ermittlung des Aufstiegs- kandidaten fortgesetzt. In Ruttershausen stehen sich , ,
logg. Ruttershausen — Spvgg. 1900 Gießen II gegenüber. Trotz eignen Platzvorteils glauben wir nicht, Laß es den Platzbesitzern gelingt, die mit solidem Können versehene Elf der Gäste zu bezwim gen. Wir rechnen vielmehr mit einem wenn auch knappen Erfolg der Gästemannschaft, jedoch bedeutet ebenso ein knapper Erfolg der Platzmannschaft keine Ueberrcrschung. — In Dorlar messen die Mannschaften des
To. Dorlar — Io. Lang-Göns.
ihre Kräfte. Dorlar verlor das Vorspiel hoch mit 7:2 Toren. Die Mannschaft wird sich daher mächtig
erschallen lassen.
Zweifellos hat Floericke Recht, wenn er den Kolkraben als den Aristokraten des Rabengelichters bezeichnet, der sich stolz von seinen plebejischen Verwandten der Krähensippe fernhält und darob von diesen gehaßt und befehdet wird, so oft sich eine passende Gelegenheit dafür ergibt: nur dann nämlich, wenn es in der Uebermacht ist und stch stark fühlt, das billige Pack. Im Gegensatz zu den Gassen- und Massengewohnheiten der Krähen, sich herumlungernd wie Zigeuner stets in ganzen Herden zu zeigen, sieht man den Kolkraben immer allein oder paarweise, denn die Kolkraben sind treue und anhängliche Ehegatten für Lebenszeit und halten sich streng an den sonst im Vogelreiche seltenen Grundsatz der Einehe. Auch ihre Jungen, die nach dem Flüggewevden einzeln im Lande herumstreichen und uns ebenso wie ihre Eltern in der Notzeit des Winters nicht verlassen, umsorgen sie mit Zärtlichkeit und Aufopferung, und nirgends hat der Volksmund bei der Gestaltung von Sprichwörtern so weit neben des Nagels Kopf gehauen als damals, als er den Begriff der „Rabeneltern" schuf.
Selbstverständlich — das muß in diesem Zusammenhangs betont werden — genießt der Rabe als einziger des sonst mit Recht verfolgten vermehrungsstarken Rabengelichters, den Schutz des Gesetzes in jener Strenge, wie es einem Naturdenkmal von seiner Seltenheit zukommt, und das ist gut und notwendig, da gerade er verhältnismäßig zutraulich ist, immer wieder an dieselben, ihm gewohnten Oertlichkeiten zurückkehrt, dabei die gleichen
nachdem nun mehrere Beobachtungen in gleichem Sinne vorliegen, kann man öffentlich darüber reden, denn über kurz oder lang hätte man es doch erfahren. Seit den letzten Tagen des April treibt ich nämlich ein regelrechter Kolkrabe in den Büdinger Wäldern herum, der gar nicht cheu tut und sogar bis in die Anlagen des zum Büdinger Fürstenschloß gehörigen „Haines" kommt. Hier ist er öfters von der Fürstin und von Kustos Dr. Welcker beobachtet worden. Da nur immer ein Exemplar zur Wahrnehmung kam, wäre es naheliegend, daran zu denken, daß Der anoere Ehepartner brütet» doch ist mir diese Auffassung viel zu rosig, um sie gleich zu vertreten. Es ist doch zu merkwürdig, wie dieser Glanz auf einmal m unsere Hütte kommen soll. Ich bin daher geneigt anzunehmen, daß es sich hier um einen Jrrgast handelt, vielleicht um einen jener Einzelgänger, die sich als vereidigte Junggesellen benehmen, wie man sie ja auch bei den Störchen findet. Aber immerhin, Denkbar wäre es schon, daß sich einmal ein brutlustiges Paar in die Großforste der Bu- dinger Gegend verzogen hat, denn die Kolkraben lieben dichte Wälder in bergiger Lage, haben es aber auch ganz gerne, wenn in der Nähe Weidewirtschaft und Ackerbau getrieben wird. Dort sieht man sie oft nach Busfardart ihre Kreise ziehen, wobei sie ihren unverkennbaren Ruf „Klang klang
Bekanntmachung.
Die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda erläßt folgende Bekanntmachung:
1. Alle im Sommer 1934 geplanten Theateraufführungen unter ! r e i e m H i m m e l sind gemäß der Anordnung der ReichLtheater- kammer vom 9. Januar 1934 anmeldepflichtig Die Anmeldung ist an die zuständige Landesstelle des Reichsmmisteriums für Volksaufklarung und Propaganda Hessen-Nassau, Frankfurt a. M. Burgerstraße 9/11, zu richten und muß genaue Angaben enthalten, wer der Veranstalter und Rechtsträger der Aufführungen ist, auf welchen a!Xih>ft=
chen Tagen und wie oft gespielt werden soll, ld)I <-ß- lich welche Werke zur Aufführung kommen, ferner ist eine Mitteilung notwendig, wlemel Berufsschauspieler bei den Aufführungen beschäftigt werden. Auf Grund dieser Anmeldung entscheidet die Lan- desstelle Hessen-Nassau, ob die Aufführungen ge- mäß der Anordnung der Reichstheaterkammer zu- aelassen werden können.
2 Die Errichtung von T h i n g st a t t e n ersolgt auf Grund der Vereinbarung zwischen dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und der Reichsleituug des Arbeitsdienstes ausschließlich durch den Freiwilligen Arbeitsdienst. Die Zuteilung der Thingplätze an die einzelnen Gemeinden erfolgt durch die zuständige Landesstelle des Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda und im Einvernehmen mit dem Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger. Die Durchführung der Bauprogramme erfolgt auf Grund dieser Entscheidungen durch den Reichsbund der deutschen Freilicht- und Volksschauspiele Berlm- Südende, der dazu vom Reichsministerium sur Volksaufklärung und Propaganda beauftragt wor- den ist. Alle Anträge betr. Errichtung von Thingstätten sind ausschließlich an die Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Dolksaufklärung und Propaganda zu richten. Thmg- ftätten, die ohne Zustimmung der zuständigen Stelle errichtet werden, werden zur Veranstaltung von Theateraufführungen unter freiem Himmel nicht zugelassen.
gez. Müller-Scheld, Gaupropagandaleiter und Leiter der Landesstette : Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.
in Italien in Frankfurt am Main gegen eine Vertretung des Gaues Südwest antreten.
Für die Opfer von Buggingen wird am kommenden Sonntag bei allen badischen Sportveranstaltungen auf die Eintrittspreise em Zuschlag von 10 Pf. erhoben. Außerdem wird bei allen Veranstaltungen, bei denen Halbmast zu flaggen ist, eine Gedenkminute eingeschaltet.
D i e T e i l n a h m e d e r F r a n z o s e n a n den Olympischen Spielen 1936 m Berlin steht nach Besprechungen des französischen Olympischen Komitees mit dem Ministerpräsidenten Doumergue endgültig fest.
Gibt es wieder Waben in Hessen?
Don Or. Karl Rudolf Fischer.
anstrengen, um dieses Resultat durch einen Sieg zu korrigieren. Bei einigermaßen Gluck sollte ihr dies gelingen, obwohl die Gästeels auch alles daransetzen wird, um ihre Position durch einen -sieg zu verbessern.
Kurze Sportnotizen.
Ein Fußballkamps S ü d d e u t s ch l a n d gegen Westdeutschland wird am 1. Pfingstfeiertag in Saarbrücken stattfinden. Die Gaue Südwest, Baden und Württemberg verkörpern den „Süden", während sich der „Westen" auf die Gaue Westfalen, Niederrhein und Mittelrhein stützen wird.
Schwedens Fußball-Nationalelf wird auf der Rückreise von den Weltmeisterschaftsspielen
Hörensagen.
Im Dagelsberggebiet hat er sich vielleicht noch am längsten zu halten vermocht, bevor er seine unumschränkte Herrschaft über den Bergwald abgab und sie den minderwertigen Nutznießern seiner Sippe, dem Krähenkropvzeug, überließ. Noch 1911 ward aus dem Kreise Alsfeld ein Rabenhorst gemeldet, und in den Ederbergen soll er sogar noch langer gebrütet haben. Sonst aber ist er allenthalben schon viel früher vor der Zivilisation geflohen, und je nach der Frühzeit ihres Einflusses und der Geschwindigkeit ihres Durchbruches, ihrer Ausbreitung und ihrer Vollendung geben uns die Annalen von Förstern, Jägern, Holzhauern und Waldläufern Kunde von der Zeit, da sie ihn zum letzten Male bei sich gesehen. Im Gießener Becken ward das letzte Stück 1884 geschossen, in der Friedberger, Dillenburger, Grünberger und Marburger Gegend, einschließlich des Lahngebietes, wanderte er kurz darauf aus. In den 90er Jahren fallen die letzten Laubacher Raben ausgelegtem Gift auf den Kloster Arnsburger Feldern zum Opfer, kurz vor der Jahrhundertwende nimmt ihm ein Kahlhieb den letzten Horstplatz bei Eisenbach. So ist es ihm rings in den mitteldeutschen Gebirgen ergangen, und selbst dort, wo der Begleiter Odins in grauer Vorzeit noch bis zum heutigen Tag eine letzte Heimstatt fand, in der Lüneburger und Ro- minter Heide, auf der Schwäbischen Alb, den Elch- gründen des Memeldeltas, auf dem pommerschen Darß und in der Schorfheide, kurz, wo es allerorts noch heute sein mag, hat er als unbedingtes Naturdenkmal von erstem Rang zu gelten, und seine Tage sind auch dort gezählt, wenn das preußische JaKfchutzgesetz, das hoffentlich bald Reichstendenz erhält, ihm nicht die letzte Existenz zu sichern ver-
Diente 6:1-Niederlage (Halbzeit 4:0 für Leihgestern) hinnehmen.
Die 2. Mannschaft empfing die 1. Mannschaft von Dillingen und verlor 2:3. Es wgr das schlechteste Spiel, das die Leihgefterner auf eigenem Platze geliefert haben. _
An Himmelfahrt war die Ligareserve vom DfB.- Reichsbahn Gießen in Leihgestern zu Gast und verlor 4:0 (2:0). Die Gäste, die mit einigen Liqaspielern antraten, hatten kaum etwas zu bestellen. In der Leihgefterner Mannschaft klappte es vorzüglich. Dor allem Fischer im Tor war nicht
zu schlagen. Die Gießener hatten zumindesten einen Treffer verdient, aber die Blau-Weißen waren ihren Gästen überlegen, und auch die Hintermannschaft war nicht zu überwinden.
Vorschau für Sonntag:
Nächsten Sonntag erwartet die erste der Spielvereinigung die Reserve des SB. Bao- Nauheim. Die Badestädter, die schon einmal m Leihgestern gastierten, mußten damals eine 4:0- Niederlage hinnehmen. Dieses Ergebnis aber kein Grund, das jetzige Spiel auf die leichte Schulter zu nehmen. Man rechnet mit einem Siege, wenn er auch knapp ausfällt, der Platzbesitzer.
Vorher spielt die Jugendmannschaft der Spiel- Vereinigung gegen die gleiche des FC. Allendorf (Lahn). Das Vorspiel gewannen die Blau-Weitzen 6:2. Auch dieses Spiel dürften die Platzbesitzer für sich entscheiden.
Handball im Gau XII der OT.
Aufstiegfpiele der Preisklasse I.
Die Fortsetzung der Aufstiegspiele sieht für kom- menden Sonntag folgende Paarungen vor: In Lützellinden treffen sich:
Io. Lützellinden — Io. Allendorf a. d. Lumda.
Die Platzbesitzer müssen diesen Kampf unbedingt gewinnen, um für die Entscheidung noch in Frage zu kommen. Auf eignem Platz sollte die Mannschaft gegen die Gäste einen sicheren Sieg herausholen. Während die Platzelf in bezug auf. Technik ihrem Gegner etwas voraus hat, gleicht dieser das Manko durch seine auf Erfolg eingestellte wuchtige Spielweise aus. — Das zweite Spiel führ.t
Io. Garbenteich — Io. Sahenfurt
auf dem Platz der erstgenannten Mannschaft zusammen. Die Platzbesitzer verloren das Vorspiel in Katzenfurt knapp mit 8:7 Toren. Sie haben daher aus diesem Kampf etwas gutzumachen. Auf eigenem Gelände sollte dies bestimmt möglich fein, zumal die Elf sich z. Z. wieder in aufjteia.ender Form
Flugstraßen, Trink-, Nahrungs-, Balz- und Brutplätze oder Schlafbäume benutzt und hierbei trotz seiner Umsicht und Rabenschlauheit verhältnismäßig leicht abzuknallen, oder durch Giftauslegung in Köderform ums Leben zu bringen ist. Besonders in die letztgeschilderte Gefahr ist der Rabe immer wieder gekommen, denn obwohl er, wie seine ganze Familie, ein ausgesprochener Allesfresser ist, so vergreift er sich, seiner Größe entsprechend und seiner Stärke bewußt, leider nicht selten an Federwild und Hafen, er soll sogar Lämmer und Kitze angehen (letztere Angabe scheint mir zum ersten etwas übertrieben, im übrigen aber für unsere Verhältnisse nicht in Frage zu kommen) und geht mit Vorliebe an die auslaufenden Hühner der einzelorts liegenden Gehöfte, wobei er sich alsdann bombensicher den Zorn des Besitzers zuzieht und seinem Schicksal nur in den seltensten Fällen entgeh!
Heute, wo der Kolkrabe bei uns so gut wie nicht mehr anzutreffen ist, fällt ein einzelnes Eremplar hinsichtlich des Schadens gar nicht ins Gewicht, und um der Erhaltung der Art willen ist für diese letzten Zeugen einstmaliger Vogelherrlichkeit unbedingter Schutz erforderlich und gerechtfertigt. „Raum für alle hat die Erde."
Spre^vrttnden ver Redaktion.
1130 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samslaq nodimiftaa aefchlosien
Nachdruck verboten!
4. Fortsetzung.
gewesen. Doch Holm?
Und wenn sie ihren letzten Pfennig hergeben sollte, sie hätte nie geduldet, daß Holm für sie bezahlte.
Auf der Rückfahrt wurde er merkwürdig einsilbig.
„Nun ja, Ellen! Bislang noch sah man dich stets in Gesellschaft von Ernst Holm. Er zieht aus — nicht?"
Ellen Ehlers grub die Zähne sekundenlang in die Unterlippe.
„Ich verstehe dein Interesse nicht, Friedel!" sagte sie schließlich, von diesem Ausfragen peinlich berührt.
„Mein Interesse? Nun, Ernst Holm zieht zu uns. Nett — nicht?"
Die verdutzte Ellen blieb stehen.
„Doch leb wohl, ich muß heim!" Friedel Müller schwang sich aufs Rad, drückte Ellen oberflächlich die Hand und jagte davon.
„Darauf also kam es ihm an!" Ellen Ehlers fühlte, wie die Scham ihre Wangen glühend rötete.
Herz sie zog? ,
Das konnte sie nicht ertragen. Sie mutzte abschreiben.
Gegen" Mittag erklärte sie der Mutter, daß die Chemie-AkUengesellschaft ihre Bewerbung abschlägig beschieden habe.
Es war eine Lüge.
„Abschlägig?" Frau Ehlers erbleichte. „Oh, wie viel Hoffnung setzt der Arme auf die selbstverständliche Dankbarkeit des Reichen!" Sie konnte ihre Enttäuschung in diesem Augenblick nicht mehr zurückhalten.
In Ellen brannten die Worte der Mutter, aber sie sah keinen anderen Weg.
„War es dir denn so leicht, Muttchen, mich in der Hand eines Menschen zu wissen, den ich nicht liebe, vor dem ich eine unerklärliche Angst empfinde?"
„Angst? Alberne Vorstellungen. Ein wenig guter Wille nur deinerseits, und wir hätten das Leben führen können, das uns zukommt. Aber so?"
Ellen traf dieser Vorwurf wie ein spitzer Pfeil. Sie hatte sich daran gewöhnt, daß es in bezug auf Holm zwischen ihr und der Mutter kein Verstehen gab. Jetzt aber sah sie sich plötzlich vor noch schwerere Aufgaben gestellt.
Der Kampf ums tägliche Leben trat an sie heran und forderte ihre ganze Klugheit und Kraft.
Was sollte sie tun?
Sie wußte, es mußte ihr jetzt gelingen, für sich selber und die Mutter eine weitere Existenzmöglichkeit zu finden.
Sollte sie an die Chemie-Aktiengesellschaft schreiben? Ihre Absage rückgängig machen?
Sie zog ihren hellen Sportmantel an und ging die Landstraße ein Stück stadtwärts. Sie mußte allein sein mit ihren Gedanken.
Friedel Müller, ihre einstige Schulkameradin, die mit ihren Elterti das Siedlungshaus nebenan bewohnte, kam ihr auf dem Rad entgegen.
Das dunkelhaarige Mädchen mit Den Glutaugen lachte ihr hell ins Gesicht.
Ellen stutzte. Sie hatten sonst kaum einen Gruß getauscht.
Friedel Müller war andere Wege gegangen als Ellen, die seit ihrer Schulentlassung nichts als Arbeit und Pflicht kannte.
Ellen war enttäuscht, was aus der einstigen Kameradin geworden war. Tanz und Flirt. Es gab keine Berührungspunkte mehr in ihren Gesprächen. Das einst herzliche Freundschaftsverhältnis , war zur bloßen Bekanntschaft erkaltet.
„Einsam und allein, Ellen?"
Die zierlich, kleine Friedel keuchte von schneller i Fahrt.
; „Allein, wie immer, Friedel!"
„Wie immer? Das Dürfte wohl kaum stimmen." Ein tiefer, fragender Blick.
Und nun,Men?
Vornan von Käthe Mehner.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.)
Ernst Holm aber ergötzte sich. Diese Abfuhr gönnte er der schönen Ellen! Gut so! Um so leichter würde sie den Weg zu ihm finden, den bittere Not ihr bald vorschreiben würde.
Und dann fuhren sie wirklich am nächsten Tage durch die herrlichen dunklen Wälder Thüringens.
Ellen saß neben Der Mutter im FonD Des Wagens, Manchmal streiften ihre Blicke Die breiten Schultern Ernst Holms, Der mit sicherer Lässigkeit Das Steuer lenkte.
Was war es nur, Das ihr immer roieDer eine so unerklärliche Vorsicht gegen Diesen Menschen eingab?
In Erfurt hielten sie an.
Ernst Holm schlug vor, Dort Das Mittagessen einzunehmen.
Er bestellte mit großer Geste. WieDer machte alles auf Frau Ehlers Den EinDruck, Den Holm beabsichtigte. Sie begriff Ellen nicht.
Ahnte sie nicht, Daß es Der alternDen Mutter viel Ruhe geben müßte, Das einzige, zärtlich behütete Kind an Der Seite eines gebildeten, wohlsituierten Mannes geborgen unD vor Not geschützt zu wissen?
„Ein sonDerbarer Kauz war es Doch. Ich hatte gleich keine große Meinung für ihn!" sagte Holm während Des Essens.
Ellen wußte sofort, wo er hinaus wollte. Heber ihr Gesicht huschte eine Dunkle Röte.
„Sie haben kein Recht, über Herrn von Rakenius so zu sprechen, Herr Holm. Ich glaubte auch. Sie mürDen mir zuliebe Dieses Thema meiben."
So offen stellte sich Ellen auf Die Seite von Rakenius?
Ein jäher Zorn kochte in Holm auf. Doch er beherrschte sich augenblicklich.
Dich fange ich mir schon, mein Täubchen!, Dachte er überzeugt.
Trotz Des verstänDnislosen Blickes her Mutter zahlte Ellen Die zwei teuren Gehecke selbst. Freilich, sie wären mit einer bescheiDenen Mahlzeit zufrieDen
„Unter höflicher Bezugnahme auf Ihre Bewerbung als Laborantin bitten wir Sie, sich am Dritten Pfingstfeiertay zur persönlichen Besprechung im Direktionsbüro einfinben zu wollen."
Die anfängliche stürmische FreuDe wich mit einem Male Dumpfer Traurigkeit.
In Demselben Betrieb mit Doktor von Rakenius sollte sie beschäftigt sein? Sollte täglich vielleicht Den Mann sehen, zu Dem ihr ganzes Sehnen, ihr ganzes
Wehe, wenn Der arme Mensch an Die Teilnahme Der Reichen an seinem Geschick glaubt. Er wirb immer enttäuscht werben!. Dachte sie bitter, Doch sie hütete sich, ihre GeDanken jetzt auszusprechen.
„Sie tapfer, meine kleine Ellen. Ich weiß ja, Du liebst ihn. Aber hast Du vergessen. Daß er verlobt ist?" sagte sie nur leise mahnenD.
Ellen richtete sich matt auf. Tränen spiegelten an ihren seihigen Wimpern.
„Liebe fragt nicht nach Gegenliebe, Darf nicht nach Gegenliebe fraaen, sonst ist sie egoistisch. Was frage ich Danach, ob er verlobt ist? Meine Liebe war früher Da als Diese Gewißheit. Ich kann Doch unmöglich einen Menschen lieben lernen, wie Du es verlangst, Muttchen."
Frau Ehlers beruhigte. Hier konnte nur Die Zeit helfen. Sie wußte, wie sehr ihr ferneres Geschick von Ernst Holm abhiny, wenn Ellen keine Stellung finben mürbe. Diese Einlabung bürste unter keinen Umftänben abgesagt werben. Die Autotour würbe auch Ellen auf anbere Gebanken bringen, sie ab» lenken.
War es nicht auffallenb, baß Holm seit Ellens Rückkehr nie mehr bie Nächte hinburch ausblieb?
Wie jeben Morgen um Diese Zeit, erwartete Ellen Die Post. Warum? Eine unerklärliche Hoffnung nur, ihr selbst unbegreiflich. Aber sie wartete.
UnD Dann hielt sie ein Schreiben Der Direktion Der Chemie-Aktiengesellschaft in Den HänDen. Es war in formellem. Dienstlichen Ton gehalten.
UnD als man sich Der HeimatstaDt näherte, ließ er wie zufällig Die Bemerkung fallen, Daß er sich mit Der Absicht trage, wieher ganz in Die StaDt zu ziehen.
„Man ist Doch hier Draußen wie vom Leben abgeschnitten."
Frau Ehlers furchte Die Brauen. Ellen aber erkannte Den Trumpf, Den Holm auszuspielen bereit war. Sie haßte ihn in Diesem Augenblick.
Schon eine Woche später tünhigte er offiziell. Die Tage Darauf war er im Hause kaum sichtbar.
Frau Ehlers wich ihrer Tochter aus.
„Du bist an allem schulb. Nun gehen wir Dem ElenD mit Riesenschritten entgegen. Was soll nun roerDen, Ellen?" sagte sie einmal roeinenD.
Daheim fqnD sie Die Mutter mit rotgeweinten Augen vor. Noch nie glaubte Ellen ihre Mutter so lieb gehabt zu haben wie in Dieser StunDe, Da Das kleine, bleiche Altfrauengesicht so ängstlich und versorgt aussah.
„Muttchen! Mütterchen!"
„Verzeih mir, EllenkinD! War ich Denn blinD? Was wollte ich Denn tun? Glaube mir, Ellen, ich wollte ja nur alles Gute für Dich, wie eine Mutter eben immer alles Gute will für ihr KinD!" Selbst- oorroürfe zerfleischten bas Herz her Mutter. Sie wagte nicht, in bie hellen, reinen Kinberaugen zu sehen.
„Muttchen, quäl bich hoch nicht! Sieh, wenn ich ihn geliebt hätte, bann war ja alles gut — aber ich liebe ihn hoch nicht. Wir müssen auch so burch- kommen." Ein ganz starker, reiner Lebenswille straffte bas junge schöne Gesicht.
Die wenigen letzten Tage mit Ernst Holm würben zur Qual.
Mit Dem ewig unDefinierbaren, süßlichen Lächeln nahm er am Abenb an Der kleinen Tafel Platz.
Er plauDerte, als fei nichts geschehen, unD ignorierte völlig, Daß man ihm kaum antwortete.
Einmal schoß er in seiner frechen Art Direkt aufs Ziel los.
„Sie sinD verstimmt? Aber meine Damen, ist es richtig, verstimmt zu sein, nur weil ich eben ausziehe? Ich wollte Doch nur Ihren geheimen Wünschen entgegenkommen..."
„Macht es Ihnen so viel Spaß, auch in Den letzten Tagen Ihre Rolle noch weiter zu spielen, Herr Holm? Vielleicht haben Sie Doch ein wenig Gefühl für Rücksicht — nicht auf mich, nur auf meine Mutter."
„Aber gnähiges Fräulein, so sprechen Sie? GeraDe Sie??" Holms Blicke saugten sich fest an Ellens Gesicht. „Klingt sehr hübsch aus Ihrem schönen MunDe. Ich werhe bie Lehre in Zukunft selbstverstänblich beherzigen." Holms Worte begleitete ein halblautes, überlegenes Lachen.
Kurz nach hem Essen fuhr Holm wie gewöhnlich in bie Stabt. Doch er kehrte früher zurück als sonst unD traf Ellen unvermutet allein auf Der DeranDa.
Frau Ehlers hatte sich aanz besonders zeitig zu Bett gelegt. Sie fühlte sich manchmal so lähmend mühe von all ben Sorgen her Gegenwart unb Der Angst um Die Zukunft, Datz sie nur Den Wunsch hatte, lange, recht lange zu schlafen.
„Noch auf, Fräulein Ellen?"
Breitbeinig wie ein Seemann ftanh Ernst Holm vor Ellen unD lächelte.
„Ja", kam es kaum hörbar zurück.
„Es hätte Doch manches anDers kommen können- Nun zwingen Sie mich zu Schritten, Die mir selbst nicht leicht roerDen."
(Fortsetzung folgt.)


