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Aus Natur und Technik.

Erfreuliche Seefahrt.

Von £)r. Franz Kitt.er.

Der Kampf gegen die Seekrankheit, die für Emp­findliche manche Schiffsreife so unangenehm machen kann, wurde zunächst von der Medizin allein ge­führt. Seit einiger Zeit hat ihn auch die Technik ausgenommen. Mit anerkennenswertem Bestreben setzt sie die verschiedenartigen Hilfsmittel ein, um den Gang der Schiffe zu einem ruhigen zu machen. Neue Scyiffsformen wurden geschaffen, bei denen tiefe, im Schiffsrumpf angebrachte Furchen, die von vorne bis hinten durchgehen, in Verbindung mit Schlingerkielen dazu dienen, die Schiffsbe- wegungen im Wasser abzudämpfen. Der Schiffs­kreisel beeinflußt durch das Beharrungsvermögen seiner Achse auch die Bewegungen des Schiffs und beruhigt seinen Gang. *

Diesen Maßnahmen haben sich dieSchlin­gertanks" hinzugesellt. An beiden Schiffswan­dungen liegen Behälter, die nach außen zu mit Oeffnunaen versehen sind. Je ein Behälter an der rechten Schiffswand ist mit je einem an der linken durch einen Kanal verbunden. Das von einer rechts ankommenden Welle getroffene Schiff neigt sich nach links und pendelt wieder zurück. Es schlingert also. Sind aber im Schiff Schlingertanks ange­bracht, dann hat sich der Behälter, gegen dessen Oeffnung die Welle prallt, schon in dem Augenblick erheblich mit Wasser gefüllt, in dem sich das Schiff zu neigen sucht. Er ist schwerer geworden als der an der anderen Schiffswand, mit dem er durch einen Kanal verbunden ist. Seine Schwere wirkt dem Stoß der Wellen entgegen und richtet das Schiff auf. Der Kanal führt' den nötigen Ausgleich zwischen rechts und links herbei.

An diesen Schlingertanks hat man bei dem vor kurzem in den Dienst gestellten deutschen Motor­schiffKönigin Luise" eine neuartige Steue­rung angebracht. Die Wassermassen, die der Nei­gung des Schiffs dadurch entgegenwirken, daß sie sich in-den Tanks hin- und herbewegen, sind, wie aus einem Bericht von Oberingenieur B l e i ck e n in derZeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure" hervorgeht, nicht mehr sich selbst überlassen. Sie werden vielmehr derart gesteuert, daß ihre Be­wegung in ganz bestimmter Weise erfolgt. Sie verläuft nicht so, wie sie sich von selbst ergeben würde, sondern so, wie sie sich am günstigsten aus­wirken muß. Sie geht also im vorteilhaftesten Takt zur Schiffsbewegung vor sich. Um diesen Takt her­vorzubringen, ist ein kleiner Kreisel vorgesehen, der auf elektrischem Wege betrieben wird. Er wirkt derartig auf die Steuervorrichtung für die Wasser­massen des Tanks, daß ihre Bewegung genau im richtigen Augenblick erfolgt.

Außer diesem Kreisel ist aber noch ein Ge­bläse vorhanden. Dieses kann nach Bedarf gleich­falls verwendet werden, um die Wirkung der Wasserbewegung weiterhin zu verstärken. Der An­trieb dieses Gebläses erfolgt durch einen Elektro­motor. Schon durch die vom Kreisel beherrschte Wasserbewegung wird eine kräftige Beruhigungs­wirkung für das Schiff erzielt. Schaltet man aber noch das Gebläse hinzu, so kommt die beruhigende Wasserbewegung noch stärker zur Auswirkung.

Eine weitere Neuerung, die auf diesem Schiff eingebaut wurde, ist die Verwendung von zwei Rudern. Sie dient dazu, die Beweglichkeit und Lenkfähigkeit zu erhöhen. Das Schiff hat zwei Wellen. Die Ruder sind so gelegen, daß die Wir­kung jedes einzelnen durch den unmittelbar auf ihn treffenden Propellerstrom erheblich verstärkt wird. Der deutsche Schiffsbau hat also mit diesem Schiff verschiedentlich ganz neue Wege beschritten, die wesentliche Verbesserungen darstellen, und die weiterhin zur Erhöhung der Beliebtheit deutscher Schiffe beitragen werden.

Ob es sich bei den bisher gebräuchlichen Arten von Theatern um allerseits geschlossene Gebäude oder ob es sich um Freilichtbühnen handelte, jeden­falls standen bei beiden sowohl Bühne wie Zu­schauerraum auf festem Grund. Schauspieler und Besucher hatten Boden unter den Füßen. Es er­scheint nicht ausgeschlossen, daß in Zukunft noch eine dritte Art, das schwimmende Theater, hinzukommt. Bei ihm fallen der feste Grund und der Boden weg. Die ganze Theateranlage schwimmt auf dem Wasser. Aber nicht so, daß sie in ein Schiff eingebaut ist. Auch auf Schiffen kann man

Theater spielen oder Lichtspiele vorführen. Dazu wird dann irgendein gerade vorhandener Raum benutzt. Das Schiff ist Hauptsache. Ob man darin irgendwo etwas aufführt, Nebensache. Das schwim­mende Theater hingegen ist nur Theater, ist Selbst­zweck.

Wie ein solches Theater in technischer Hinsicht durchzubilden wäre, zeigt das wohl erste seiner Art in Chikago. Davon, wie es angelegt ist, wird man sich vielleicht am besten eine Vorstellung machen können, wenn man sich einen geöffneten Fächer oder ein in ähnlicher Weise geschnittenes Brett auf das Wasser gelegt denkt. Also ein Riesen- floß, dessen Schwimmfähigkeit noch durch darunter angebrachte Schwimmkästen erhöht werden kann. Der äußere Teil, der Bogen dieses Kreisausschnittes, enthält Aufbauten, in denen sich die Zugänge, die Kassen und sonstige Räumlichkeiten befinden. An der Seite, auf den beiden Halbmessern, erheben sich, etwa bis zu ihrer Mitte reichend, weitere Auf­bauten mit Erfrischungsräumen. Hier kann man sich während der Pausen auch unter freiem Him­mel ergehen. Zwischen diesen Aufbauten, und von ihnen hinten und seitlich eingeschlossen, erstreckt sich, nach hinten zu ansteigend, der Zujchauerraum. Er faßt 1700 Personen.

Vor ihm dehnt sich das Wasser. Die vorderste Reihe der Zuschauer ist nur durch einen schmalen Gang von ihm getrennt. An der Spitze des Kreis­ausschnitts, also da, wo die ausgebreiteten Blätter des Fächers zusammenlaufen, steht, von einem Dach überwölbt, die Bühne. Das Dach wirkt ähn­lich der Kuppel über einer im Freien stehenden Musikhalle, als Schallwerfer, der den Schall über das Wasser hinüber gegen den Zuschauerraum wirft.

Technisches Allerlei.

Sender werden müde.

Schon seit langem ist in Fachkreisen eine merk­würdige Erscheinung bekannt, die vorläufig noch keine Erklärung gefunden hat: das Ermüden, das Nachlassen drathloser Sendestationen. Wenige Wo­chen oder Monate nach der Inbetriebnahme neuer Stationen werden die Sendungen allmählich immer leiser und können oft überhaupt nicht mehr oder nur noch mit großen Schwierigkeiten empfangen werden. Man kennt dieses Phänomen seit mehr als zwanzig Jahren. Alle Stationen, ob Telegra­phen- oder Rundspruchsender, gleichgültig welcher Wellenlänge, werden von ihm ereilt. Es steht fest, daß die Empfangsstärke zur Eröffnungszeit eines Senders nach dem Ablauf einiger Monate nicht mehr zu erreichen ist, falls nicht irgendwelche Aen- derungen in der technischen Einrichtung des Sen­ders vorgenommen wurden.

Jeder Sender hat zwei schwache Seiten, die nicht ständiger Kontrolle unterliegen: die Oberflächen­verhältnisse des Sendedrahtes und der Zustand des Erdbodens. Die Veränderung der Sendedrähte ist das kleinere liebel Anders ist die Bodenbeschaffen­heit zu beurteilen. Gewöhnlicher Boden verträgt es kaum, daß ihm unablässig große Stromleistungen von vielen Kilowatt Sendeenergie eingepumpt wer­den. Schon nach wenigen Wochen einer solchen Be­handlung treten im Boden gewisse elektrolytische Vorgänge auf. Bis heute konnte noch nicht festge­stellt werden, in welcher Weise diese Umsetzungen in der Erde vor sich gehen oder wie sich die Eigen­schaften des Bodens in unmittelbarer Nähe der

Schwimmende Znfel oder Müerschiff als Stützpunkt für den lleberfeeflug?

Von Max Fischer.

(Nachdruck verboten!)

Das Fliegen von Europa nach Amerika oder um­gekehrt ist zwar in einzelnen Fällen gelungen, aber diese Flüge haben nur sportliche Bedeutung. Die Flugzeuge müssen eben zur Ueberwindung der gro­ßen Strecke so viel Brennstoff mitnehmen, daß sie keine Nutzlast mehr befördern können. Es ist des­halb schon frühzeitig der Gedanke aufgetaucht, auf dem Weltmeer große schwimmende Inseln etwa im Ab stand von 1500 Kilometer zu verankern, auf denen die Flugzeuge landen und von denen sie ab­fliegen können. Man dachte sich solche Inseln als große Plattformen, die von vielen so tief eintau­chenden Schwimmkörpern getragen werden, daß der Seegang keine erheblichen Schwankungen ver­ursacht. Zweifellos wäre das eine sehr gute Lösung, aber leider stehen ihrer Verwirklichung zwei triftige Gründe entgegen, nämlich die ungeheuren Kosten und die große Schwierigkeit ihrer sicheren Veranke­rung in den großen Meerestiefen.

Als deshalb die Deutsche Lufthansa einen lieber« seedienst von Deutschland nach Südamerika ein­richtete, hat sie einen anderen Weg gewählt: Sie befliegt die 3400 Kilometer lange Seestrecke mit Wasserflugzeugen und hat in der Mitte dieser Strecke den DampferWestfalen" aufgestellt, den sie als Mutterschiff eingerichtet hat. Es hat sich ge­zeigt, daß die Wasserflugzeuge vom Muster des Dornier-Wal auch bei starkem Seegang auf dem Wasser niedergehen können. DieWestfalen" fährt dann dem auf dem Wasser schwimmenden Flugzeug langsam voraus und schleppt dabei ein Segel im Wasser nach, aus das das Flugzeug auffährt. In­dem dann dieWestfalen" ihre Fahrt beschleunigt, wird das Segel samt dem Flugzeug durch den Fahrstrom bis aus die Wasseroberfläche gehoben und dann durch einen aus dem Heck derWestfalen" stehenden Kran auf eine Verschiebebahn auf dem Schiffsdeck gesetzt. Auf dieser Derschiebebahn wird es dann bis über die Schiffsmitte vorgeschoben und hierauf aus der Schleuderbahn mit einer Flugzeug­schleuder wieder abgeschleudert, nachdem es seinen Betriebsstoff ergänzt hat.

Da die Flugzeuge nachts nicht fliegen, wird der

Flugplan so eingerichtet, daß das Flugzeug abends bei derWestfalen" ankommt, die dann in der Nacht samt dem Flugzeug in der Richtung auf das Flug­ziel fährt. Wenn das auch nicht so schnell geht wie das Fliegen, so wird doch etwas an Zeit gewonnen und die Flugsicherheit durch die Vermeidung des Nachtfluges erhöht. Dieses Fahren des Schiffes mit dem Flugzeug ist natürlich ein Vorteil vor der schwimmenden Insel.

Zur Ablösung derWestfalen" hat die Deutsche Lufthansa neuerdings das MotorschiffSchwarzen­fels" gekauft, das zur Zeit zum Flugstützpunkt um­gebaut wird. Bei ihm schleudert die Flugzeugschleu­der das Flugzeug nach hinten ab, nachdem der Kran, der es aus dem Wasser herausgehoben hat, in das Schiff hinein versenkt worden ist. Man spart dann die Beförderung des Flugzeugs über das Deck hinweg, die sehr unbequem ist. Das Flugzeug muß nämlich zunächst mit seinem Schwanz voraus auf der seitlich liegenden Verschiebebahn gefahren wer­den. Ist dabei der rechte Flügel am Schiffsmast an- gefommen, so wird der Schwanz zwischen Mast und Schornstein hindurchgedreht und das Flugzeug wird so weit nach vorn verschoben, daß der linke Flügel nun unter ^Drehung vor den Schornstein kommt und das Flugzeug somit mit der Spitze nach vorn steht. Das ist zwar bisher ohne Unfall verlaufen, aber es ist doch bei Sturm und Seegang ein sehr unange­nehmes Verfahren.

Dank der ausgezeichneten Funkpeileinrichtung derWestfalen" und der Flugzeuge hat das Auf­finden derWestfalen" durch die Flugzeuge bisher keinerlei Schwierigkeiten gemacht und wird auch sicher weiterhin keine machen.

Diese Flugverbindung von Deutschland nach Süd­amerika mit Flugzeugen ist natürlich nur ein Vor­läufer eines Ueberseeverkehrs nach allen anderen Weltteilen. Man wird auf dieser Linie weiterhin Erfahrungen sammeln und diese Erfahrungen dem weiteren Ausbau des Ueberseeflugdienstes nutzbar machen. Durch diesen Ueberseeflugverkehr werden die Weltteile wieder einmal mehr aneinanderge­rückt, und die Erde wird ganz erheblich kleiner werden.

Erdungsplatten ändern. Für die Richtigkeit der hier vermuteten Zusammenhänge mag die Tatsache gelten, daß man während der jahrelangen draht­losen Verständigung mit seegehenden Schiffen noch nie bemerkt hat, daß die Empfangsstärke der Schiffsstationen nach den ersten Wochen oder Mo­naten der Inbetriebnahme nachließ. Und die gleich- bleibende Leistung der Schiffssender erklärt sich wahrscheinlich daraus, daß die Erdverbindung eines Schiffes ständig erneuert wird.H

Die sichere Gasmaske.

Die Verwendbarkeit der Gasmaske ist uns in den letzten Monaten vertraut geworden durch die Propagierung des Luftschutzes. Die Gasmaske ist aber nicht nur als Abwehrgerät gegen planmäßige Vergiftung der Luft anzusehen. Sie Hilst vielmehr im täglichen Arbeitskampf die Gesundheit des Werk­mannes schützen. Nach einer Arbeit von zwei Jahr­zehnten hat man jetzt eine neue Gasmaske fertig­gestellt, mit der zum Beispiel siegreich gegen die verheerende Bleivergiftung vorgeschritten werden kann. Wenn man bedenkt, daß vor Einführung dieses Hilfsmittels in die Betriebe drei Prozent der Belegschaft an Bleivergiftung zugrunde ging, kann man erst den Wert des Gerätes ganz ermessen. Von außen unterscheidet sich die neue Maske, die 5-Maske, von den bisher bekannten nur durch ihre größeren Filtereinsätze. Wegen des Filterwider­standes ist die Zweiwege-Atmung gewählt worden, d. h. man führt die Ein- und Ausatmung über ver­schiedene Wege. Das Filter absorbiert zuverlässig sowohl Gase wie auch Nebelstoffe, nur gegen Koh­lenoxyd kann es nichts ausrichten. Die Giftgase werden durch das Filter aufgesogen, Schwebestoffe, Rauch und giftige Nebel werden zurückgehalten, und so gelangt schließlich nur atembare Luft in die Lunge. Ein damit in Verbindung stehendes Gerät sorgt für Sauerstoffzufuhr, die durch die eigene Atmung des Menschen geregelt wird. Von einer Patrone wird die ausgeatmete Kohlensäure cif» genommen und ferngehalten, so daß die aue ge­atmete Luft immer wieder verbraucht werden kann, wobei jedesmal ein kleiner Schuß Sauerstoff neu hinzukommt. Die 8-Maske ist seit dem 1. April d. I. behördlich vorgeschrieben und hat sich bisher bestens bewährt.

Rund um die Schallplatte.

Viele akustische Störungen beim Sprechapparat sind auf die unzweckmäßige Lage der Nadel auf der Platte zurückzuführen. Eine Aenderung ist in den meisten Fällen sehr wohl möglich, wenn auch der Tonabnehmer unverrückbar am Haltearm be­festigt ist und sich der Arm selbst um einen festen Drehpunkt bewegt. Als normalen Neigungswinkel der Nadel gegen die Plattenoberfläche nimmt man 50 Grad an. Wird der Tonabnehmer über die Platte hinweggeschwenkt, dann soll die Nadelspitze ungefähr einen Zentimeter über den Drehzapfen des Tellers Hinwegragen. Bei der Wiedergabe der einzelnen Vertiefungen in der Tonrille bringt die Nadel nicht bis zum Grund der Rille, sondern berührt beide Seiten. Es ist nun festzustellen, ob sie tatsächlich auf beiden Rillenwänden gleichmäßig ruht. Berührt sie nur die eine Wand, dann wird diese durch das Gewicht schnell abgenutzt. Dieser Seitendruck muß natürlich vermieden werden. Er kann dadurch entstehen, daß der Tonabnehmer nicht winklig am Haltearm sitzt oder die Drehachse des Armes nicht parallel zur Tellerachse steht. Bei Kofferapparaten spricht auch die Lage der ganzen Maschine auf der Unterlage mit. Wird der Appa­rat zum Beispiel ins Freie mitgenommen, dann sucht man sich eine ganz horizontale Stelle am Bo­den aus. Treten bei Beachtung aller dieser Vor­schriften dennoch Fehler auf, so untersuche man die Führung der Nadel ganz genau. Zuerst wird sie mit Vorsicht auf den Außenrand der Platte und bann auf ben Jnnenranb gesetzt. Hat ber Arm bas Bestreben, nach außen gebrückt zu werben, bann legt man unter bas Ärmlager von rechts ober hinten her ein paar Streifen ober Keile aus Papier ober Pappe. Läuft ber Arm nach innen, dann schiebt man die Keile von links oder von vorn her unter das Armlager. Ist es nicht möglich, die Keile unter den Lagerfuß selbst zu bringen, so fin­det die Korrektur unter dem Sprechmaschinen­gehäuse statt.

photo-Iagd auf Tiere.

Von Walther Appell.

Die Photographie hat vieles sichtbar gemacht, was der Mensch vorher noch nicht wußte. Es sei nur an das Beispiel des galoppierenden Pferdes erinnert, dessen Bewegungen wir erst genau kennen, seit es eine Momentphotographie mit winzigsten Sekun­denbruchteilen gibt. Neuerdings haben die nächt­lichen Blitzlichtaufnahmen von Tieren, etwa den Bau verlassenden Hamstern, ein weiteres Feld erschlossen. Für den Liebhaber, der viel Zeit hat und ein gro­ßer Bastler auf allen möglichen Gebieten ist, kom­men auch solche schwierige Aufnahmen in Frage. Doch soll er zunächst lernen, Tageslichtaufnahmen so zu machen, daß jeder Naturkenner sie anerkennt.

Fast nie werden wir auf der Photo-Jagd nach Tieren erfolgreich zumSchuß" kommen, wenn wir mit aufnahmebereitem Apparat durchs Gelände pirschen und auf das 'Heraustteten des weißen Hirsches aus dem Walde warten. Wir müssen uns vielmehr die Listen des Jägers zu eigen machen. Vielleicht manchmal noch in höherem Maße. Denn wir wollen nicht ein totes Wild als Beute mit heim- bringen, sondern ein lebensgetreues Bild des leben- den Tieres. Dazu gehört aber, daß sich das Tier von uns in gar keiner Weise beobachtet oder gar von unserem Photo-Gerät bedroht gefühlt hat, als wir es knipsten. Der Naturphotograph wird also z u - nächst Naturfreund und -kenner sein müssen. Genau so, wie wir eine Blume dort photo­graphieren, wo sie ihren natürlichen Standort hat, und nicht dort, wo vielleicht ein Wind sie hintrug genau so soll das Tier in seinen Lebensgewohn­heiten belauscht werden. Dazu gehört nicht nur das Studium von Büchern, sondern dazu gehört ein Einfühlungsvermögen in die Dinge und Vorgänge der Natur. Und es gehört dazu ein großer Respekt. Selbst bei einfachen und scheinbar dummen Tieren (Reptilien zum Beispiel) kann es uns passieren, daß sie uns nie wieder an jener Stelle ein gutes Motiv bieten, wo wir sie einmal erschreckt und verscheucht haben. Zwei Photographen sehen in gewissem Ab­stand voneinander, jeder eine Eidechse, die sich auf einem flachen Steine sonnt mit uberhängenden

Farnwedeln ein schönes, naturhastes Bild, zudem von wissenschaftlichem Wert. Der eine reißt den Apparat aus der Tasche, schnappt ihn auf, zieht den Balgen aus, spannt den Verschluß, stellt die Blende, aber alles das, und das Einstellen auf der Mattscheibe wie das Einschieben der Kasette kann er sich ersparen. Die hastige Bewegung, als er nach dem Apparat langte, hat bereits das Tier verscheucht. Vielleicht kommt es auch andermal nicht wieder. Der zweite dagegen hat sich auf leisen Sohlen zurückgezogen, weit genug, um das Tier nicht zu stören, wenn er an seiner Kamera hantiert. Er hat auf eine bestimmte Entfernung eingestellt, etwa zwei Meter, die er abschätzen kann. Und ver­sucht dann, langsam auf diese Entfernung an das Tier heranzukommen. Gelingt es ihm, hat er es im Blickfeld des Suchers, dann wartet er, bis irgendwo ein Zweig knackt oder ein Wind pfeift, oder dürres Laub raschelt. In diese dem Tier geläufigen Ge­räusche hinein sucht er seinen Schuß anzubringen. Oft wird es ihm gelingen. Ist daß Tier aber doch vorher schon geflohen, so roirires bestimmt nicht so argwöhnisch und ängstlich geworden sein wie im anderen Falle, da es einen Angriff vermuten mußte. Es wird wiederkommen und wenn der Photo­graph andern Tages in Buschwerk versteckt sich einenAnstand" baute, ehe die Sonne jenen Stein traf und das Tier wieder heranlockte, kann er viel­leicht Bilder von einer Eidechsenmahlzeit ober dem Familienleben bei Eidechsens bekommen.

Dieses Beispiel läßt sich auf alles andere Getier der freien Flur anwenden. Wichtig ist vor allem, was schon erwähnt wurde: daß der Tier-Photograph lernen muß, auch bei Plattenkameras ohne Matt­scheibeneinstellung auszukommen. Die Notwendigkeit kürzester Belichtung bringt ihn oft in Widerspruch mit der anderen Forderung, farbige Tiere möglichst tonrichtig zu bekommen. Er wird aber doch nie ver­gessen dürfen, daß die flinken Bewegungen man­cher Tiere selbst für Vioo und gar V250 Sekunde zu rasch sind, um scharf erfaßt zu werden. Deshalb muß oft mit ganz offener Blende photographiert werden, um den Derlcingerungsfaktor der Gelbscheibe auszu­gleichen. Das zwingt erst recht zu haarscharf ge­nauem Einhalten der eingestellten Entfernung.

Oie Glockenspiele leben ans!

(Nachdruck verboten!)

In letzter Zeit haben sich viele Städte teilweise auf Kirchtürmen, zum Teil auch auf ihren Rat­häusern Glockenspiele eingerichtet. Die Glockenspiele waren immer volkstümlich und sind in letzter Zeit dadurch noch volkstümlicher geworden, daß das Glockenspiel auf der Potsdamer Garnisonkirche eine besondere Bedeutung erlangt hat; das Pausen­zeichen des Deutschlandsenders sorgt ja alltäglich Dafür, daß wir daran denken. Es ist in den Jahren 1721 bis 1734 gebaut worden und zählt 40 Glocken von zusammen 10 000 Kilogramm Gewicht. Das Spielwerk besteht aus einer Spielwalze aus Bronze von 1,85 Meter Durchmesser, in die Stifte eingesetzt sind, die die von innen gegen die Glocken schlagenden Hämmer bewegen. Auf dieser Walze sind zwei Lieder festgelegt, nämlichLobe den Herren", das zur vollen Stunde gespielt wird, undlieb immer Treu und Redlichkeit", das zur halben Stunde ertönt.

Das Spielen dieses Glockenspiels ist ziemlich an­strengend, weil der Spielende die Kraft zum An­schlägen der Klöppel selbst hergeben muh. Neuere Glockenspiele, wie sie z. B. 1925 auf dem Rathaus­turm in Stuttgart, 1926/27 auf dem alten Rathaus in Eßlingen und 1928/29 im Ehrenhofe des neuen Bochumer Rathauses eingerichtet worden sind, wer­den deshalb elektrisch betrieben. Eine Spielwalze aus Messing von 40 Zentimeter Durchmesser und 65 Zentimeter Länge trägt für jeden Ton Stifte, die im Zeitmaß der Tonfolge wie bet jeder Spiel- uhr auf den Trommelumfang verteilt sind. D»: Walze wird über ein Schneckengetriebe von einem kleinen Elektromotor langsam gedreht, wenn sie durch die Uhr eingeschaltet wird. Die Stifte bewegen dabei Stromschließhebel, deren Gegenstück eine große Kohlenwalze ist, die sich ebenfalls langsam dreht; dadurch kommen immer neue Berührungsstellen aufeinander, und sie reiben sich auch etwas bei der Berührung, so daß ein sehr guter Stromübergang gewährleistet ist. Die so ausgelösten Stromreize durchfließen die Spule eines Elektromagneten, wie er in jeder Glocke angebracht ist, der den Klöppel anschlägt.

Für jebe£ Stück muß sich die Spielwalze einmal ganz herumdrehen und bann stehenbleiben. Das ist so gemacht, baß bas Uhrwerk ben bas Spielwerk auslösenden Strom so lange geschlossen hält, bis bie Walze ein Stück weit angelaufen ist; bann hält eine Stromschliehe auf ber Walze ben Strom so lange geschlossen, bis sich bie Walze wieber in bie Nullstellung gebreht hat. Sollen gleich zwei Stücke hintereinanber gespielt werben, wie dies bei einigen Glockenspielen geschieht, so hält ber Stromschließer am Uhrwerk ben Motorstrom bis einige Zeit nach bem Beginn bes zweiten Stückes geschlossen, so baß bann bie Stromschließe an ber Walze biesen Stromschluß bis zum Ende bes zweiten Stückes aufrecht erhält.

Eine Walze kann ungefähr fünf Stücke enthalten. Die Stifte für jeben Ton bes zweiten Stückes sitzen babei immer unmittelbar in einer Reihe neben ben Stiften bes ersten Stückes usw. Wenn ein Stück gespielt ist, mürben bie Schließhebel im Ganzen um so viel seitwärts verschoben, baß sie nunmehr von ben Stiften bes nächsten Stückes be­wegt werben. Nach bem zweiten Stück werben sie abermals verschoben usw. Für einige Glockenspiele hat man mehrere Walzen, bie von Zeit zu Zeit ausgewechselt werben, so baß bie Uhr immer wieber anbere Stücke spielt. Außerbem haben alle biese Glockenspiele einen Spieltisch mit Klaoiertasten, mit benen man jeberzeit beliebige Stücke spielen rann. Diese Tasten gehen sehr leicht, ba sie ja nur elek­trische Berührungsstellen zu schließen haben.

Glockenspiele sind seit bem 15. Jahrhundert be­kannt. Bartolomäus K m e i k in Alost in Flandern soll das erste Glockenspiel erfunden haben. Der Ita­liener D a n 0 c c i 0 und der Franzose M e r s e n n e verbesserten das Glockenspiel. Der Holländer H e m 0 n y stellte im Jahre 1645 in Zütphen an ber Mel ein aus 26 Glocken bestehenbes Glocken­spiel her. Zu ben berühmtesten Glockenspielen in Deutschland zählt bas ber Danziger Marienkirche. Diese alten Glockenspiele sinb schon sehr schön, aber bie neuzeitlichen elektrischen stehen ihnen in keiner Weise nach. Sie bringen zahlreichen Menschen immer wieber Freube, und deshalb sollte man diesen alten Brauch, auf Kirchen und Rachäusern Glockenspiele anzubringen, mehr und mehr wieder aufleben lassen, wie es ja viele Städte bereits getan haben. M. F.