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M. 106"Drifte$ Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

Dienstag, 8. Mai (934

Aus der provinzialhauplsiabi

ür Dienstag. Stadt-

iesko". NS.-Frauen-

Nachdruck verboten!

1 Fortsetzung.

die Stirn legten. Da schloß er die Augen in einSNr Gefühl wundersamer Geborgenheit und träumte.

Wichtig, wie er sich immer vorkam, erschien Ernst Holm mit dem Arzt, der außer einer Prellung des rechten Oberschenkels nichts von Belang feststellen konnte.

Sie können das freundliche Angebot von Frau Ehlers ruhig annehmen und sich einen Tag hier schonen, wenn es Ihre Zeit erlaubt, Herr Rakenius!"

So hatte sich der Verletzte kurz vorgestellt.

Das geht leider nicht. Zeit schon. Doch die Mühen, Herr Doktor! Ich werde heimfahren. Viel­leicht ist ein Mietwagen aufzutreiben."

Ich rate es nicht, Herr Rakenius! Ich bin für unbedingte Ruhe."

Sie dürfen keine Rücksicht auf uns nehmen, Herr Rakenius! Hören Sie, keine Rücksicht!"

Der Verletzte lächelte dankbar. Ernst Holm aber warf einen stechenden Blick auf Ellen. Sollte ihr der Fremde nicht gleichgültig sein?

Unsinn!, redete er sich ein. Es wird die mütter­liche Sorge in diesem Mädchen sein. Oder Berech­nung? Erhofft sie dadurch einen Verdienst für ein Nachtlogis und Bedienung?

Es entsprach so ganz Ernst Holms Gedanken­gängen, Ellen Ehlers Tun solche Motive unter­zuschieben.

Er stand beiseite und beobachtete unablässig das eifrige Gesicht Ellens, das ihm viel zu denken gab.

Der Verletzte schien nicht gewillt, dem Arzt seine Personalien angeben zu wollen.

Aus welchem Grunde? Holm überlegte und kam zu dem Schluß, daß es mit diesem Fremden irgend­wie nicht geheuer war. Er verfügte auch über ziem­lich viel Geld, bezahlte den Arzt gleich für seine Bemühungen.

Rakenius", hatte sich der Verletzte einfach vor­gestellt.

Ernst Holm fand das mehr als merkwürdig. Er äußerte feine Bedenken ganz offen zu Frau Ehlers und Ellen, als der Arzt schon weg war.

Weiß nicht. Man sollte sich eigentlich hüten, einen wildfremden Menschen nachts unter seinem Dach zu beherbergen."

Sein eigentümliches Lächeln löste bei Frau Ehlers tiefste Besorgnis aus.

Es wäre doch aber aus vielem erklärlich...» ergriff Ellen impulsiv Partei.

Erklärlich wohl nur aus dem einen Grunde, nämlich, daß man gezwungen ist, seinen Namen nicht zu nennen. Scheint mir übrigens ein Reisender zu sein. Einer von jenen leichtsinnigen, die man in diesem Berufe nur allzuoft trifft. Wahrscheinlich hat er mit dem Geschäftswagen eine verbotene Spritz- tour gemacht, auf der ihm das passierte. Und damit nun Der Chef nichts merkt, verschweigt er seinen Namen."

Holm hängte seinen Worten ein eisigesGute Nacht!" an und zog sich mit vielwissendem Gesicht zurück. Fortsetzung folgt.

Tageskalender fi theater, 20 bis 23 Uhr:F

schäft Gießen-Ost, 20.15 Uhr,Schützenhaus", Orts­gruppenabend. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Kopfüber ins Glück". Oberhessischer Kunstver- ein, Turmhaus am Brand, 16 bis 17 Uhr, Aus­stellung.

Aus dem Stadttheaterbureau. Morgen Mittwoch, 19.30 Uhr die OperetteDie Försterchristl". (Siehe heutige Anzeige.)

haushalt fein. Sie haben die Aufgabe, die in der Praxis zu sammelnden Kenntnisse zu ver­tiefen und theoretisch zu ergänzen. Die (Brunb- lage der hauswirtschaftlichen Ausbildung muh

die Praxis den jungen Mädchen geben.

Wo aber könnten diese Grundlagen bisher er­worben werden? Entweder im elterlichen Haushalt oder im Haushalt fremder Familien, die das junge Mädchen als Haustochter oder als dienstbaren Geist beschäftigen. Die meisten Hausfrauen werden bestätigen, daß sie mit derHaustochter" nicht immer gute Erfahrungen gemacht haben. Das liegt vor allem wohl daran, daß die Haustochter ihren Pflichtenkreis nicht ernst genug nimmt und daß ihr diese Lehrzeit nicht genügend strenge Bindungen auferlegt. Bei der Hausangestellten ist es dagegen so, daß die gute hauswirtfchastliche Schulung hier mehr oder weniger dem Zufall anheimgegeben ist: ob sie eine tüchtige hauswirtschaftliche Kraft wird, das hängt davon ab, ob sie in einen gut ge­leiteten Haushalt kommt oder nicht. Meist ist Die erste Stelle dafür entscheidend. Je mehr aber die moderne Technik ihre Aufmerksamkeit dem Haus­halt zuwandte und die Haushaltführung an sich vereinfachte, um so stärker wurde auf der anderen Seite das Bedürfnis, die hauswirtschaftliche Tätig­keit auf eine ebenso solide Grundlage zu stellen, sie auf eine ebenso sichere Erziehungsarbeit zu grün­den, wie die handwerklichen, die kauf-

Oie hauswirtschastliche Lehre.

Don Berufsberaterin Or. I. Haussig, Gießen.

Vor etwa zehn Jahren wurde in verschiedenen Städten Deutschlands der Versuch gemacht, eine neue Form hauswirtschaftlicher Ausbildung, die häusliche Lehre zu schaffen. Es hatte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte, während den Mäd­chen und Frauen immer neue Berufe und Tätig­keiten erschlossen und sie im selben Maße dem Haushalt entfremdet wurden, ein wachsendes Be­dürfnis nach hauswirtschaftlicher Schulung heraus- geftellt. Die bereits bestehenden Haushaltungs­schulen konnten diesem Bedürfnis nicht in vollem Umfang Rechnung tragen, schon deshalb nicht, weil ihr Besuch nur den Töchtern bemittelter Eltern möglich war und auch heute noch ist. So blieb der größte Teil der Mädchen, die nicht in den Beruf der Hausangestellten eintraten, ungeschult. Ohne jede Vorbereitung im Haushalt traten die jungen Mäd­chen, die jahrelang in den Fabriken, in den Lager­und Büroräumen, in den Geschäfts- und Waren­häusern gearbeitet hatten, in die Ehe. Wohl wurde ein gewisser Ausgleich durch die Fortbildungs­schulen mit ihren hauswirtschaftlichen Klassen geschaffen. Aber diese Klassen erfassen ja nur die Mädchen, die entweder sowieso im Haus­halt arbeiten, oder die, die in keiner bestimmten Berufsausbildung stehen. Die anderen sind in den Fachabteilunqen der Berufsschulen, z. B. den kauf­männischen Fachklassen untergebracht.

Aber auch die hauswirtschaftlichen Klassen der Fortbildungsschule können nur eine Ergänzung zur eigentlichen praktischen Ausbildung im

** Zur Bekämpfung der Schnaken- plage. Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Nach § 3 der Polizeiverordnung über die Bekämp­fung der Schnakenplage vom 28. November 1911 hat jeder Grundstückseigentümer in den Monaten April dis September einschließlich mindestens einmal monatlich die auf seinem Grundstück befindlichen stehenden Gewässer, die den Schnaken zur Brut dienen (Wassertümpel, Regenfässer, Bas­sins, Wasserlachen, Jauchegruben, Abortgruben usw.), mit einem zur Vertilgung der Brut geeig­neten Mittel (Saprol, Petroleum usw.) zu übergie­ßen. Nichtbefolgung dieser Vorschrift wird bestraft.

** Die Eltern-Sprechstunde des Schularztes findet jeden Donnerstag im Hause Asterweg 25 von 14 bis 15 Uhr statt. Dort können die Eltern k o st e n l o s Rat erhalten. Man beachte die heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei.

** D i e Erneuerung der Lose zur Preu ß. - Süd d. Klassenlotterie muß bis zum 9. Mai erfolgt sein. (Siehe heutige Anzeige.)

** Der Großzirkus Busch plant für die nächste Zeit einen Besuch in Gießen. Durch eine An­zeige in unserem heutigen Blatte bemüht er sich um die Schaffung der wirtschaftlichen Grundlagen für sein hiesiges Gastspiel. Da es sich dabei um an­sehnliche Lieferungen und Arbeitsleistungen handelt, die vielen unserer Mitbürger Verdienstmöglichkeiten bieten, sei auf dieses Ausschreiben besonders hinge­wiesen.

** Freie Lehrer stellen. Erledigt sind di« Lehrerstellen für je einen evangelischen Lehrer an den Volksschulen in Schwabenrod, Deckenbach, Elbenrod, Udenhausen, Bernsburg, Zellbach, Wind­hausen und Eifa, ferner die Stelle für einen katho­lischen Lehrer an der Volksschule in Vockenrod, sämtlich im Kreise Alsfeld gelegen. Dienstwohnun­gen sind überall vorhanden. Weiter ist eine Lehrer­stelle für einen evangelischen Lehrer an der Volks­schule in Selters (Kreis Büdingen) frei; auch hier ist eine Dienstwohnung vorhanden und frei.

Hinein in die Arbeitsschlacht!

Gemeinsame Kundgebung der Deutschen Angestelltenschaft und der NS - HAGO. am Dienstag, 8. Mai, abends 8.15 Uhr, im Cafä Leib. Es sprechen Pag. Schimmel und Holländer. Zu dieser Kundgebung erwarten wir insbesondere die Frauen unserer Mitglieder, sowie die im Einzelhandel tätigen männlichen und weiblichen Angestellten. Darüber hinaus sind alle deutschen Hausfrauen herzlichst eingeladen!

Deutsche Angestelltenschaft, Unterbezirk Gießen:

W. B r a ck.

Gießener Wochonmnrttprcise

* Gießen, 8. Mai. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische) Klasse S 10%, Klasse A 10, Klasse B 9%, Klasse C 9, Klasse D 8%, Weißkraut, das Pfund 15, Rot­kraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 15, Rote Rüben 10, Spinat 8 bis 10, Spargel 30 bis 45, Unterkohlrabi 6 bis 8, Zwiebeln 10 bis 12, Schwarzwurzeln 20, Rhabarber 10, Kartoffeln, das Pfund 3% Pf., der Zentner 3 bis 3,30 Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Salat, das Stück 15 bis 20, Salatgurken 40 bis 50, Lauch 5 bis 10, Rettich 15 bis 20, Sellerie 10 bis 35, Radieschen, das Bündel 10 Pf.

BornoNzen.

Flieder und Kastanie.

Die Welt ist ein Blütenmeer. Wohin unser Blick sLlt, überall sehen wir die weißen, roten, gelben ir b blauen Sterne leuchten. Der Wald breitet sein giines Laubdach schützend über Tausende von Blu- NLN, die Ostbgärten grüßen und lassen uns auf eine ^künftige Ernte hoffen. Wiesen und Saatfelder hd wie ein glänzender Teppich. Alle Knospen (rben sich geöffnet, jeder Bodenfleck ist bunt be- sickt. Wie das lebt und webt! Dust liegt über dem 2 alb, über den Wiesen, verbindet Himmel und (:be.

Es blüht des Maien Schein". So ewig, herrlich s-ghaft ist der Mai, so wunderbar und unverwüst- Itij. Und mit unvermindertem Zauber packt er unser j.-rj, und seine Wunder locken uns stündlich hin- (ns in Wald und Feld. Schön ist es jetzt überall. Am herrlichsten blüht und duftet es aber drau- t-n beim alten Bahnwärterhaus. Das liegt so ganz dfam und verlassen mitten im Wald. Wie oft bin jc daran vorbeigefahren, bei Tag, bei Nacht, zu j()cr Stunde, und immer hatte ich einen Blick für d»ses Häuschen. Einmal sah ich die Kinder im freien spielen, dann wieder bauten sie einen Schneemann, im Herbst suchten sie Haselnüsse an bin Hecken, immer roar dort bei dem Häuschen eisTges Leben. Jetzt aber im Frühling leuchteten dis dem kleinen Gärtchen die ersten Schneeglöck- ftn, die roten Primeln, die dunklen Veilchen. Und Dir einiger Zeit muhte der Zug gerade dort im Salbe einige Minuten halten, weil auf der Bahn- süecke gearbeitet wurde. Da sah ich alles so nah irb so bunt vor mir, daß ich beschloß, recht bald liimal dorthin zu wandern und mich umzusehen.

Der schöne Maitag heute brachte mich ans Ziel, titer hohen Buchenstämmen schritten wir, dann Meder unter dunklen Tannen, Büsche und Farn- fäuter säumten unfern Weg. Da kam eine Lich- ing und dann der Schienenstrang. Rings um« «iben von hohen Kiefern liegt das Bahnwärter- hiuschen mit seinen kleinen Nebengebäuden. Die f-au des Bahnwärters zog gerade Wasser aus dem jehbrunnen.

Wir blieben und staunten den Garten an. Wie ms da die Farben der Blumen entgegenleuchteten! <ii beiden Seiten der Laube standen zwei Flieder- iische und dahinter in mächtiger Größe eine Ka- inie. Das Bild war es, das ich immer wieder D:m fahrenden Eisenbahnzug aus bewundert hatte. Üib nun standen wir hier und konnten uns nicht fort sehen an der Pracht dieser Blüten, konnten licht genug bekommen von dem herrlichen Duft, fer den Fliederbüschen entströmte. Aus den dunkel- münen, herzförmigen Blättern heben sich die vio- | fetten Blüten in großen Sträußen heraus, nicht Mlz und aufrecht, sondern bescheiden unbe wie von Itiner Last bedrückt nach unten. Ihr Duft aber lockt Tiusende und aber Tausende Insekten an, und Fwillig spenden die kleinen Blüten ihren Honig, der l titf in einer Röhre steckt. Wir nehmen ein kleines ,Wägelchen", denn im Dolksmund ist es der- gilchesbaum", und versuchen selber die süße Pflan- Pikost. Kein Wunder, daß immer mehr Hummeln UnD anbere Insekten anfliegen.

Stolz wie ein schützender Vater steht ein Roß- lliltanienbaum hinter den duftenden Fliederbüschen. llEeine Blüten wachsen aufrecht und kerzengerade. Ikieht er von weitem nicht aus wie ein riesenhafter IVeihnachtsbaum? Und doch ist er viel schöner, denn |f fein Schmuck ist lebendig, seine Blüten leuchten Tag lind Nacht. Und groß wie seine Blüten sind auch (eine Blätter, die wie breite Fächer mit ihren ste- b<n Einzelblättern den kühlen Schatten geben. Die Men bilden bunte Sträuße, die sich prächtig ab- hlden gegen das dunkelgrüne Laub. Sie stehen nur

| Ellen Ehlers warf die wenigen Worte so leicht, |o unüberlegt hin nur, um etwas zu sagen.

' Später saß er dem Mädchen auf her kleinen 4 Beranha gegenüber. Der trauliche Schein der Steh- 4mpe warf einen breiten Lichtschein zwischen d ILteiben jungen Menschen.

1 Dicht am Garten vorbei, her bis zurLandstraß I Nichte, sausten manchmal Kraftwagen in unheim- fidjer Geschwindigkeit. Das war das einzige Zeichen

I ton Leben in dieser Abgeschiedenheit.

Frau Ehlers hantierte noch draußen in der Küche, d war es Ellens Pflicht, fid) wenigstens em ge I Kit der Unterhaltung des Mieters zu widmen, ter für die bescheidenen zwei Zimmer einen ganz i Mehmbaren Preis bezahlte. rnrrf.ß

.Ich habe wirklich nicht zu träumen g wagt solche tienhe voller Glückseligkeit und Maulichkelt hier RIMSS."-Ä ", - Mie StuTfelner Zigarette S'E^Ä^erbaren Men" Halm? Wartete heimlich'berührtem Ä UnfUteV^fiadernöcs war in feinen. ®e sch, das sie irgendwie in der Wahl ihrer am fc?ÄeÄ W°rt°e der Mutter am Nach- I PS?9. h , m(>niaften5 freundlich und höflich gegen

I ich-» b3um'Men6 und"zur Erhaltung umferes himes gib*-" . 6i ( m Augenblick Ellen die | Äng andasGespU, und wieder zwang sie If. ein=m L°L'";<,°istifch gedacht non Ihnen, Ämr fcigte EUen in eine peinliche Minute

Liebe überhaupt egoistisch ist."

F^nst Holms Blicke saugten sich fest an dem r.ir-n Mädchengesicht, das sich m ,ahem Zorn ^'diesem Augenblick trat Frau Ehlers aus der

fc ± L -Äge &nb*u d°e/gr°ben

Holm sah wohl die Notwendigkeit ein. Es war ihm nicht gerade lieb, jetzt fort zu sollen. Aber er mußte..."

Schweigend warf er noch einen Blick auf den Verunglückten, der mit schmutzigem Gesicht und blutender Wange auf der Chaiselongue lag und in seiner tödlichen Blässe einen grauenhaften Anblick bot.

Ellen hatte die Schüssel mit Wasser neben sich und wusch und wusch. Langsam kam die Reinheit der Haut unter dem Schmutz zum Vorschein, und nun zeigten sich die Wunden in ihrer harmlosen Blutung.

Die überstürzten Fragen her Mutter fanden end­lich Antwort.

Ruhe, Muttchen Nur Ruhe! Ich kann ja auch nichts weiter machen. Ach Gott!, wenn Holm nur nicht lange bleibt."

Und dann nach einer Pause:

Ein Glück, die Augen sind durch die gesprunge­nen Gläser seiner Autobrille nicht verletzt. Vielleicht die Brust eingedrückt am Steuer?"

Schon tastete Ellen mit sicheren Griffen alles ab. Nichts.

Es wird nur eine Ohnmacht fein. Vielleicht war der Arme schon lange gefahren. Mein Gott, die Straße ist hier auch entsetzlich glatt. Der Sprüh­regen dazu..."

Da schlug der Ohnmächtige langsam die Augen auf, die staunend in die fremde Umgebung starrten.

Ellen Ehlers sah ein warmes, liebes Gesicht. Der schmale, bleiche Mund zuckte und formte sich zum Sprechen.

Habe ich jemand verletzt?" Es klang so rührend besorgt.

Lieber, edler Mensch, Sie...", entrang es sich Ellen.Sie sind doch verletzt und fraaen als erstes nach anderen? Nein! Sie haben niemand verletzt. Nur sich selbst. Dach ich habe zum Arzt geschickt. Er wird gleich kommen."

Und Sie? Es ist Nacht. Sie wollen schlafen. Ich mache Ihnen so viel Mühe. Lassen Sie mich selbst zum Arzt..."

Nein!" Die seine Mädchenstimme klang m diesem Augenblick eisenhart.

Ihr Wagen ist entzwei!" sagte Frau Ehlers dazwischen.

Das ist nebensächlich, Muttchen! rief Ellen, entsetzt über die Forderung des Fremden.

Sie sind in Gefahr, so lange der Arzt nicht erst das Gegenteil feststellt, und so lange Sie in Gefahr sind, habe ich die Pflicht, Sie zu schützen."

Heber das blasse Gesicht des Verunglückten huschte ein warmes, glückhaftes Leuchten. Er sah ein paar große, blaue Kinderaugen sorglich auf sich gerichtet, sah helle, blonde Haarsträhnen um ein süßes, seines Mädchengesicht.

Und schon wieder fühlte er das Streicheln der weichen Hände, die tym eine kalte Kompresse auf

außen und scheinen zu rufen: Kommt zu uns! Weiß find die Blütenblätter, aber schön geziert mit gelben Rieden, die später rot werden. Jede Einzelblüte ist wieder ein Sträußchen für sich, so bunt und ab­wechslungsreich, weiß und gelb, orange und rot, braun und grün!

Man merkt doch gleich, daß die Kastanie ein Kind des Südens ist. Auch der Flieder, der dort so duf­tet. Kaum einige Jahrhunderte sind sie in Deutsch­land heimisch. Aber sie haben unser Herz gewonnen. Ganze Straßenseiten sind mit hohen Kastanien be­pflanzt, freie Plätze werden bald von ihnen beschat­tet, der Flieder aber steht in jedem Garten.

Und immer wieder schauten wir hinaus zu dem Kastanienbaum, immer wieder freuten wir uns an den Fliederbüschen. Da kam der Bahnwärter in eigner Person und freute sich mit und sagte:Ich habe aber auch noch einen weißen Flieder, ganz dahinten, den habe ich selbst veredelt. Er duftet ja nicht sehr, ist aber sehr schön!" Und er hatte recht. Unberührt und rein wie frisch gefallener Schnee leuchteten diese weißen Wunderblumen. Unter dem Bäumchen.war noch eine kleine Bank. Wohl der Lieblingsplatz des Herrn.Hier sitze ich manchmal nachts", sagte er,denn drüben ist eine Nachtigall. Und wenn sie anfängt zu schlagen, ist der Frühling erst richtig da."

Ich beneidete den Mann, der da weit draußen im Walde wohnen darf, umgeben von blühenden Sträuchern und Bäumen. Mags auch oft einsam sein. Aber was gäbe ich für eine solche Maiennacht, wenn die Nachtigallen schlagen, hell und jauchzend, als müsse das Blühen und Sprossen umher aus­klingen in einem Jubellied, als könne Die Welt das Schweigen nicht länger ertragen und müsse fingen, lobfingen in her nächtlichen Stille ...! MC.

KOAI., BezirSieilung (Siesten.

Der Schulungsabend am morgigen Mitt­woch beginnt wie in Berichtigung unserer gestrigen Notiz besonders hervorgehoben sei nicht um 20,30 Uhr, sondern um 1 8,3 0 Uhr (6V2 Uhr nachmittags) und dauert bis etwa 20,30 Uhr. Die Veranstaltung findet im Cafe Ebel statt und bringt einen Vortrag von Stadtbaurat G r a vert und Architekt Völker überDie Aufgaben Der Architekten im nationalsozialistischen Staat, Arbeitsbeschaffung Durch SieDlung usw." Zu Dem Vortrag sind auch Gäste willkommen.

Der Bezirksleiter erinnert gleichzeitig an Die pünktliche Zahlung Der Beiträge. Es wirD Dabei hervorgehoben, Daß für Mai eine ©onDerumlage in Höhe eines halben Monatsbeitrags m i t Dem normalen Monatsbeitrag zusammen zu entrichten ist. Diejenigen Mitglieder, Die trotz wieDerholter Mahnungen' mit ihren Beiträgen im RückstanD bleiben, roerDen von Der Reichsleitung ausgeschlos­sen. Bei orDnungsmäßigem Austritt ist Der Bei­trag für Das laufenDe Jahr noch zu bezahlen, ebenso bei Ausschließung wegen rücfftänbiger Bei­tragsleistung. Die Zahlungen sinD an Die KDAJ.- Bezirksleitung, Gießen, Postscheckkonto 6469 Frank­furt a. M. zu leisten.

Kraft durch Freude."

Vurgenrundfahrl am himmelfahrlslag.

Alle gemelDeten Teilnehmer treffen sich morgens 8 Uhr am DsroalDgarten vor Der Unterführung am Omnibus. Das FahrgelD (pro Person 2.) ist mitzubringen. JeDer gemelDete Teilnehmer ist zur Zahlung verpflichtet, auch Dann, wenn er aus irgenD einem GrunDe Die Fahrt nicht mitmachen sollte. Ersatzleute können in einem solchen Falle natürlich teilnehmen.

gez. Christ

KreiswartKraft Durch FreuDe"

Holm pflichtete Frau Ehlers eifrig bei, doch seine Augen wandte er nicht von Ellens Gesicht. Hastig, nervös rauchte er an Diesem Abend eine Zigarette nach her anderen.

In Die geDämpfte Musik hinein flog Die Unter­haltung Der Drei Menschen, Die allerDings Ernst Holm fast allein bestritt.

Von weiten Reisen, von fernen ßänbern sprach er, in Denen er überall wie zu Hause zu sein schien. UnD immer roieDer klang Die Sicherheit hinDurch, Die Das GelD im Kampfe Des Lebens zu verleihen imftanDe ist. ,, , ,r

Gin Protz", Dachte Ellen geraDe, als mit leisem Trommeln ein sanfter Sprühregen auf Das Markisen­dach Der VeranDa fiel unD so Die Voraussage Holms schon bestätigte.

Sehen Sie, Frau Ehlers! Der Regen kommt, wie ich ihn ankünDigte. Prompt was?"

Man muß sich allerDings Daran gewöhnen, Ihre Meinung als unumstößlich richtig anzuerkennen", sagte Die Frau ernst unD warf einen Seitenblick auf ihre Tochter. I

Heber Dem Garten lag jetzt unDurchdringliche Dunkelheit, Durch Die nur manchmal Der blenDenDe Schein von Autolichtern stach.

Doch plötzlich... Singen eines Motors, ein Quietschen von gleitenöen Reifen, unD Dann schon ein ohrenbetäubenDer Knall, Der Die Drei Menschen erstarren ließ.

Holz splitterte mit grauenhaftem Krachen, über­tönte Die schmeichelnDe Musik Des Lautsprechers.

Wie eine Statue saß Ernst Holm Da. Da faßte sich Ellen Ehlers auch schon als erste. Sprang auf.

Da muß ein Unglütf geschehen sein. Dieser Wagen, Der eben Durchkam er fuhr zu schnell."

Schon war sie Die wenigen Stufen hinunter. Jetzt fühlte Holm sich stark roerDen. Er folgte. Lief schneller.

BalD stanD auch Frau Ehlers unten am Garten­zaun unD sah in Der Dunkelheit ein Etwas, aus Dem Holm unD Ellen jetzt einen Menschen heraus­zogen.

Frau Ehlers griff sich ans Herz.

Um Gottes willen!" Ihre Stimme klang entsetzt schrill.

Sie sah noch nicht, Daß Der halbe Gartenzaun eingerissen roar. Sie erkannte Den SchaDen noch nicht, Den Der Fahrer verursacht hatte. Sie wußte nur um Das LeiD eines Menschen unD roar zur Hilfe bereit. , m .

Mit einer Herzhaftigkeit, Die Der gefahrvolle Beruf einer Laborantin ihr gebracht hatte, behielt Ellen alle klaren GeDanken.

Schnell, ins Zimmer, Herr Holm! Wir müssen Den Armen flüchtig untersuchen. Er scheint berougt5 los zu sein. Lausen Sie Doch bitte schnell zum näch­sten Arzt. Ober besser... hier wohnt keiner, fahren Sie mit Ihrem Wagen, Sie haben es ja nicht weit ins Werk... in die Stadt..

Unb nun, Ellen?

Roman von Käthe Mehner.

llrheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.)