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scheint erst spät im Frühjahre und dann niemals vor Eintritt der Dunkelheit. Am Tage hält sie sich in Mauerritzen, unter Dächern, in hohlen Bäu­men und zwischen Felsspalten auf. Nachts trifft man sie besonders auf dem Lande in der Nähe von großen Gebäuden, in Städten auf bepflanz­ten Plätzen, in Gärten und Anlagen. Sie fängt viele lästige Fliegen und schädliche Nachtschmetter­linge.

Als Insektenfresser sind die Fledermäuse um so nützlicher, als die von ihnen getöteten Insekten wei­ter fast gar keine Feinde haben. Sie fressen haupt­sächlich Nachtschmetterlinge, Eulenfalter und Spin­ner, welche im ausgewachsenen Zustande ihrer nächtlichen Lebensweise wegen nur noch vom Zie­genmelker (der Nachtschwalbe) gefangen werden. Mehrere Nachtschmetterlinge aber werden im Pup­pen- und Raupenzustande nur von ganz wenigen Tieren gefangen, weil sie tm erstgenannten Sta­dium in ein Gespinst eingeschlossen sind und im zweiten Zustande eine dichte Behaarung besitzen; denn es gibt unter den Vögeln nur sehr wenige (z. B. der Kuckuck), die stark behaarte Raupen fres­sen. Und so kann es vorkommen, daß in einer Ge­gend die Fledermäuse die einzige Kraft im Natur­haushalte sind, welche dem schädlichen Auftreten einer Jnsektenart vorbeugt.

Tote Tiere und Speck verschmähen die Fleder­mäuse gänzlich, und es ist ein alter Aberglaube, der sich auf dem-Lande hie und da bis heute noch erhalten hat, daß die Fledermaus im Schornstein den im Rauche hängenden Speck angreife und ihn zerfresse. Diese Beschuldigung ist nach den vielen Beobachtungen, Versuchen und Erfahrungen der be­rühmtesten Naturforscher ungerecht. Kein Tier hat mehr Anspruch auf Schonung und Hegung als die Fledermaus.

Die Fledermaus gehört auch zu unseren Früh­lingsboten, gleich dsr Schwalbe, dem Rotkehlchen und hundert anderen Tieren. Sie kommt mit den Frühlingslüften, den ersten sich öffnenden Baum­knospen, dem bunten Blumenheere, aber sie kommt nicht wie die vielen anderen im Hellen Tageslichte, ihr schmeichelt die lachende Sonne nicht, ihr jubeln die Menschen nicht entgegen, und damit ist ihr Schicksal, besiegelt; scheu, vorsichtig, flüchtig kommt sie im Dunkel der Dämmerung geflogen, scheu, vorsichtig, flüchtig geht ihr Leben dahin. Gr. Kreisbetriebszellenabteilung Gießen.

An alle Amtswalter der deutschen Arbeitsfront! Infolge der Volksabstimmung am 19. August 1934 findet das Landestresfen der deutschen Arbeitsfront an diesem Tage nicht statt. Der Zeitpunkt der Ver­anstaltung wird rechtzeitig bekanntgegeben. Da Sie dadurch mehr Zeit gewonnen haben, werden Sie angewiesen, die Abzeichen inzwischen zu vertreiben.

Heil Hitler!

Gez.: Hahn, stellv. Kreisbetriebszellenobmann.

Rundfunkprogramm des Reichssenders Berlin.

Dienstag, 8. August.

6 Uhr: Morgenruf. 6.15: Wetternachrichten: 6.20: Morgenmusik des Berliner Fansarenbläserchors. 7: In der Pause Nachrichten. 8 bis 10: Sendepause mit gedämpftem Pausenzeichen. 10: Wetter- und Tagesnachrichten. 10.10 bis 10.55: Sendepause mit gedämpftem Pausenzeichen. 11: Reichssendung von Königsberg: Trauerfeier der Reichs­regierung amTannenbergdenkmal. Die Übertragung desSiegfried" aus Bayreuth wird auf den 8. August verschoben.

Freimachung von Arbeitsplätzen und Jugendliche.

Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsver­mittlung und Arbeitslosenversicherung Dr. S y r u p, der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley, der Führer der Wirtschaft Graf von der Goltz und der Reichsjugendführer Baldur v. Schirach geben folgendes bekannt:

Bei der Freimachung von Arbeitsplätzen für ältere Arbeitslose sind in einer Reihe von Fällen auch junge Facharbeiter, die eben ihre Lehre be­endet hatten, ja, sogar Jugendliche, deren Lehrver­hältnis noch nicht abgeschlossen war, aufgefordert worden, den Arbeitsplatz zu verlassen und in den Arbeitsdienst oder in die Landhilfe einzutreten. Es wird nochmals daraus hingewiesen, daß die Aus­wechslung Jugendlicher gegen ältere und kinderreiche Erwerbslose keinesfalls unter Benachteiligung der Wirtschaft und unter Gefährdung des notwendigen Facharbeiternachwuchses vorgenommen werden darf.

Es herrscht heute schon in einer Reihe von Be­rufen Mangel an qualifizierten Facharbeitern und an Nachwuchs hierfür. Es liegt daher im Interesse der deutschen Volkswirtschaft und des organischen Aufbaues der werktätigen Bevölkerung, daß die berufliche Ausbildung.der Jugend in keiner Weise gestört wird. Der vorzeitigen Beendigung des Lehr­verhältnisses stehen schon die gesetzlichen Bestim­mungen der Gewerbeordnung entgegen. Besonders bei qualifizierten Berufen ist die Ausbildung zum Facharbeiter keineswegs mit der Lehre abgeschlossen. Zum brauchbaren Facharbeiter reift der Jugendliche erst in den ersten Gehilfenjahren heran. Seine vor­zeitige Auswechslung würde daher sein berufliches Fortkommen gefährden. Selbstverständlich ist die Teilnahme am Arbeitsdienst auch für ihn vaterlän­dische Pflicht, nur muß versucht werden, sie auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen.

Im übrigen weisen mir nochmals darauf hin, daß die Entscheidung für die Freimachung von Arbeits­plätzen, die bisher von Jugendlichen eingenommen wurden, in der Verantwortung des Führers des Betriebes liegt, der bei allen diesen Maßnahmen ausschließlich vorn Vertrauensrat beraten wird.

Einführung eines Landhelferbriefes.

Dem Appell der nationalsozialistischen Reichs- regierung an die arbeitslose Jugend, sich dem Lande zur Verfügung zu stellen und dem deutschen Bauern und Siedler bei der Feldbestellung und der Ernte als Landhelfer Dienste zu leisten, sind seit dem Frühjahr 1933 Hunderttausende von Jugendlichen gefolgt, trotzdem schwere und ungewohnte Arbeit von ihnen erwartet wurde. Als Nachweis ihrer Tätig­keit und zugleich als Anerkennung wird den Land- helfem künftig ein Landhelfer-Brief vom Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung ausgestellt werden. Den Landhelferbrief erhalten Jugendliche, die min­destens sechs Monate als Landhelfer beim Bauern gearbeitet haben. Er ist bei allen Bewerbungen um einen Arbeitsplatz besonders in der Landwirt­schaft bei der Anmeldung für landwirtschaftliche Schulen, bei der Bewerbung um Siedlerftellen und bei ähnlichen Anlässen vorzulegen. Auf seiner Vor­derseite trägt er das Symbol der Landhilfe: ein Aehrenbündel, zusammengehalten durch ein Haken­kreuz und einge?ahmt von den Buchstaben L und H. Es ist in Aussicht genommen, den Landhelfern die­ses Symbol auch in der Form einer Plakette als Bewährungsabzeichen zu verleihen.

OieTrauerfeierlichkeiien in Gießen

Die Kreisleitung Gießen der NSDAP, teilt mit:

3m Einvernehmen mit der Bürgermeisterei und dem Kreisamt Gießen sind aus Anlaß des Ablebens des Herrn Reichspräsidenten folgende Veranstaltun­gen vorgesehen:

Am Montag, 6. August, um 12 Ahr, Aeber- tragung der Trauerfeier der Reichsregierung

aus der Krolloper in Berlin auf dem Landgraf-Philipp-Plah.

Am Dienstag, 7. August, 10.30 Ahr vor­mittags, Trauerfeier in der Volkshalle.

Es ist eine geschlossene Beteiligung der Behörden und Betriebe vorgesehen. Die Trauerfeier wird, unter Mitwirkung des Stadttheaterorcheslers und einer Ansprache des Oberbürgermeisters und Kreis­leiters z. b. V. Ritter, mit der Aebertragung der Trauerfeierlichkeiten am Tannenbergdenkmal, durch­geführt werden.

Die näheren Anweisungen werden im Laufe des- Monkagvormittag an Behörden und Betriebe noch durchgegeben werden.

Die Bevölkerung wird aufgefordert, sich an den Veranstaltungen zu beteiligen.

Oie SA. bei der Gedenkfeier.

Am Dienstag, 7. August, vormittags 10.25 Uhr, treten sämtliche SA-Einheiten auf dem Landgraf- Philipp-Platz zum Abmarsch nach der Volkshalle an.

Marschstraßen: Senckenbergstraße, Moltkestraße, Kaiserallee, Trieb vor der Volkshalle.

Reihenfolge: SZ., MZ., Fahnengruppe sämtlicher Formationen, 2/116, 4/116, 20/116, Pi 23/116, Mo- tor-SA., Marinesturm, Reitersturm, Fliegersturm,

Sanitätssturm, SA.-Reserve, KWB., Techn. Nothilfe.

Marschstraßen des Rückmarsches mit der gleichen Reihenfolge: Trieb, Kaiserallee, Ludwigstraße, Bleichstraße, Hindenburgwall, Seltersweg, Kreuz­platz, Sonnenstraße, Landgraf-Philipp-Platz. Vor­beimarsch an dem Kriegerdenkmal vor dem Stand­ortältesten.

Anzug: Großer Dienstanzug (Braunhemd), Trauerflor am linken Arm. Orden und Ehrenzeichen sind anzulegen.

Gebührenfreie Rundfunkaufnahme der Trauerfeierlichkeiten.

Die Errichtung und der Betrieb von Rundfunk­empfangsanlagen zur Aufnahme der Trauerfeier­lichkeiten für den verstorbenen Herren Reichspräsi­denten am 6. und 7. August ist allen Volksgenossen ohne besondere Genehmigung gestattet. Gebühren werden von der Deutschen Reichspost nicht erhoben, wenn die Anlagen nach Beendigung der Ueber- tragungen der Trauerfeierlichkeiten sogleich abgebaut werden.

Vorübergehende Einschränkung des Postschalterdienstes am 6.und I.August.

Während der Rundfunkübertragungen der Trauer­feierlichkeiten für den verstorbenen Herrn Reichs­präsidenten am 6. und 7. August werden die Schal­ter der Postämter vorübergehend geschlossen. Für den Telegrammannahmedienst bleibt bei jeder Post­anstalt ein Schalter geöffnet. Auch im Fernsprech-, Luftpost- und Eilzustelldienst treten keine Ein­schränkungen ein. Die Postanstalten geben die vor­übergehende Schließung der Schalter durch Aus­hang bekannt. Bei den Postscheckämtern ruht eben­falls der Kassendienst.

Trauergottesdienste in Gießen.

Am gestrigen Sonntagvormittag sanden wie überall im Reiche auch in Gießen Trauer- gottesbienfte statt, die dem liebe- und ver­ehrungsvollen Gedenken an den verewigten Reichs­präsidenten Generalfeldmarschall von Hinden­burg galten.

Oie Stadtkirche

war im Hauptgottesdienst Überfüllt. Hier nahmen die Stürme der Gießener SA.-Reserve an dem Gottesdienst teil. Der oberste evangelische Seelsorger in Oberhessen, Propst Knodt, hielt die Gedenk­predigt auf Grund des Bibelwortes Johannis 14. Kapitel:Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Glaubet an Gott und glaubet an mich." Er schilderte Hindenburg als ein Wort Gottes an uns. Uns war in Deutschland wohl, weil wir wußten, daß der Mann da war, schon in der Zeit, wo noch keine feste Hand das Steuer des Reiches ergriffen hatte. Das Geheimnis des Wesens dieses großen Deutschen war nichts anderes als das Wort:Es war in ihm der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft". Dieser Friede Gottes war zusammen mit einer unendlichen Geborgenheit sei­nes Herzens im Glauben die tragende Grundlage im Leben und Wirken Hindenburgs. Hindenburg, der so große Kriegstaten vollbrachte, war im tief­sten Sinne ein Mensch des Friedens, er war die Verkörperung des Gottesfriedens. Seine natürlichen Anlagen waren im Feuer des Kreuzes Christi ge­läutert, an ihm vollzogen sich die "großen Verwand­lungen der im Menschen wohnenden guten Kräfte in der Glut der Gottesliebe in Jesu Christi. Das war ein Gottesgeschenk, eine göttliche Gnade, von chm bewußt empfangen und festgehalten. Daraus gewann er Christi Frieden, den Frieden des in Gott geborgenen Herzens mitten im tobenden Sturm. Hindenburg war niemals größer, als wenn er in den schlimmsten Verhältnissen ruhig und ge­borgen stand aus der allertiefsten gläubigen Ge­borgenheit seines Herzens heraus. Hindenburg war ein Mann von männlichster Art, und doch hatte er etwas unendlich Kindliches in der Art, rote er sei­nem Gottesglauben gelebt hat: unergründlich und unbezroeifelt, wie das Kind an der Hand seines Vaters dahingeht. Hindenburgs Worte an den Reichsbischof sollen wir uns als sein Vermächtnis alle merken:Sorgen Sie dafür, daß in Deutsch­land immer Christus verkündigt wird". Aus diesem Wort spricht nicht nur eine Mahnung Hindenburgs an uns, sondern auch sein tiefer Dank, daß fein Leben unter das Zeichen des Christuskreuzes ge­stellt war, und die Gewißheit, daß die Zukunft unseres neu erwachten deutschen Volkes immer ver­bunden sein wird mit dem Kreuz Jesus Christus. Wir wollen niemals vergessen, daß Hindenburg, der größte deutsche Kriegsmann, dieses Wort als Ver­mächtnis seines Lebens uns allen gesagt hat. Ein Großer ist in Hindenburg heimgeganqen. Er hatte eine Berufung, wie keiner von uns. Demgegenüber ist unsere Berufung klein und begrenzt, aber in einem können wir groß fein wie Hindenburg: im Gottesglauben wie er, als der tragende Grund und der Friede, der unser Leben trägt. Dazu sind wir alle berufen. Das ist es, das mir erbitten und er­sehnen als das Geschenk unseres Gottes in Gnaden.

Im Gebet stellte Probst Knodt den in die Ewig­keit Heimgegangenen Reichspräsidenten von Hin­denburg und unseren Führer und Volkskanzler Adolf Hitler mit inniger Fürbitte an Gott den Herrn in den Mittelpunkt.

3n der Iohanneskirche

fanden zwei Gottesdienste statt, in denen Pfarrer Bechtolsheimer predigte. Der Gottesdienst um 8 Uhr war hauptsächlich von aktiven SA.-Forma- tionen besucht, am Gottesdienst um 9.30 Uhr nah­men hauptsächlich Glieder der Lukas- und der Johannesgemeinde teil. Die Kirche war in beiden Gottesdiensten voll besetzt. Der Prediger hatte zum Text das Wort aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther aus dem 16. Kapitel ge­wählt:Wachet, stehet im Glauben, seid männlich und sind stark! Alle eure Dinge lasset in der Liebe geschehen!" Er erinnerte zunächst an die kirchlichen Geschehnisse in Gießen in den ersten Tagen des Weltkrieges, an die Abendmahlfeiern für die aus­marschierenden Gemeindeglieder und ihre Familien­angehörigen, sowie für Mannschaften des 116. Re­giments und an die Gottesdienste für die hier auf­gestellten, sich zur Front begebenden Truppenteile. Dann ging er dazu über, ein Charakterbild des dahingeschiedenen Reichspräsidenten von Hinden­burg zu entwerfen. Er schilderte hauptsächlich auf Grund der Lebenserinnerungen Hindenburgs dessen religiöse Grundanschauung. Der Feldherr und Staatsmann war ein überzeugter evangelischer Christ, in seiner Frömmigkeit schlicht und demütig; bis in feine letzten Tage hinein nahm er andächtig an den Gottesdiensten feiner Gemeinde teil. Im Wesentlichen war diese religiöse Eigenart eine Erb­masse von den Vorfahren her, ein neuer Beweis dafür, wie nützlich es ist, daß die Deutschen sich jetzt mehr als früher um ihre Vorfahren umtun. Der Mann, der so hohe Stellungen innehatte, war zugleich ein warm empfindender Mensch. Rührend ist die Art, wie er seiner Eltern, namentlich seiner Mutter gedenkt. Seinen Soldaten war er nicht nur der Vorgesetzte, sondern auch der Kamerad, seinem Herzen standen sie alle nahe. Aus feiner religiösen Gesinnung ging feine ethische Lebensführung her­vor, namentlich seine Pflichttreue. Er war eine ernst veranlagte Natur, die über wichtige Lebensfragen nicht leicht hinweggleiten konnte. In feiner langen Lebenszeit hat er an den wichtigsten Begebenheiten der neueren deutschen Geschichte banber-:b Anteil ge­nommen. Wie er das deutsche Heer im Kriege ge­führt hat, so hat er es auch nicht verlassen, als den deutschen Waffen der Erfolg versagt blieb. Eine ritterliche Natur, hat er auch dem Gegner nicht die Achtung versagt. In den Jahren, da er Reichspräsi­dent war, haben die Deutschen wie zu einem Vater zu ihm aufgesehen, er war das Gewissen der Deut­schen, unser getreue Ekkehart. Zuletzt verband ihn innige Freundschaft mit Adolf Hitler; so lag das Schicksal des deutschen Volkes in guten Händen. Lange durften wir von diesem frommen, tatkräfti­gen, sittlich so hochstehenden Manne Segen nehmen, nun hat Gott ihn zu sich gerufen; der alte Soldat ist zur großen Armee übergetreten, wie der für das Vaterland gefallene Mann feine weihevollste Ruhestätte da findet, wo er mit den Kameraden gekämpft hat, so wird nun dem Feldherrn die Rube- ftätte auf eine würdige Art im Tannenbergdenkmal bereitet. Das deutsche Volk wird feiner in Jahrhun­derten noch gedenken. Wir wollen nicht hoffnungs­los um ihn trauern, sondern seinem Beispiel nach­folgen, an dem die Mahnungen des Apostels, wach­sam zu sein, im Glauben zu ffeben, stark, männlich und liebevoll zu sein, so harmonisch zu Tage treten. Dann wird uns auch wieder nach schweren Jahren neue Blüte und neues Gedeihen beschieden sein.

Hausfrau und Obsttorte.

Der mehlige, weißkleistrige Ueberguß auf Obst­torten hat schon so manch schöne Frucht verdorben. Heute jedoch kann die Hausfrau in kaum fünf Minuten einen köstlichen, rein nach Frucht schmecken­den Ueberguß Herstellen. Man belegt den Torten­boden mit frischen, ungezuckerten Pflaumen, Pfir­sichen, Johannisbeeren oder anderen Früchten, evtl, gemischt, und verfährt wie folgt:

Rezept: Man bringt 7 Eßlöffel Wasser ober 7 Eßlöffel ungesüßten Fruchtsaft ober 8 Eßlöffel gesüßten Fruchtsaft mit einem Beutel Trocken- Dptefta unter Rühren zum Kochen unb läßt eine Ttinute braufenb durchkochen. Dann gibt man sechs gut gehäufte Eßlöffel Zucker hinzu keinesfalls weniger, läßt nochmals aufkochen und nimmt ben Topf vom Feuer. Nachdem sich die Kochbläs­chen verzogen haben, abschäumen und die heiße Masse eilig über die Früchte gießen ober mit einem Löffel barüber verteilen.

Bornotizen

Tageskalenber für Montag: Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Mensch ohne Namen".

Daten für Montag, 6. August.

1870: Schlacht bei Wörth unb Spichern. 1914: Kriegserklärung Oesterreich-Ungarns an Rußlanb unb Serbiens an Deutschland 1915 (bis 20. 8.): Belagerung von Moblin.

** Schulpersonalien. Nach einer Bekannt­machung bes Personalamtes ber Hessischen Staats­regierung würbe mit Wirkung vom 23. Mai 1934 der zur Zeit kommissarisch an der Aufbauschule zu Friedberg tätige Turnlehrer Georg Reinhard zum Turnoberlehrer an der Hochschule für Lehrer­bildung in Friedberg ernannt. Dem Lehrer Karl M ö b s zu Heldenbergen wurde eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Neu-Psenburg (Kreis Offen­bach) übertragen. Dem Oberreallehrer Wilhelm Stoll an der Realschule zu Vilbel, zur Zeit kom­missarisch an der Volksschule zu Vilbel (Kreis Fried­berg), wurde mit Wirkuna vom 1. August eine Lehrerstelle an dieser Schule übertragen.

** Sterbefälle in Gießen. In der Zeit vom 16. bis 31. Juli 1934 starben in unserer Stadt: 16. Juli: Will). Georg Ruhl, Kaufmann, 33 Jahre alt, Bahnhofstraße 15, Theodor Loos, Kaufmann, 56 Jahre alt, Kirchenplatz 13; 19.: Karoline Gör-

lach, geb. Weinet, Wroe., 63 Jahre alt, Weser- straße 3; 21.: Heinrich Prinz, ohne Beruf, 63 Jahre alt, Seltersweg 31; 22.: Wilhelm Hormann, Kauf­mann, 65 Jahre alt, Mäusburg 6; 25.: Käthe Hart­mann, geb. Winter, 40 Jahre alt, Leihgesterner Weg 16.

** Straßensperrungen. Wegen Vornahme von Gleisarbeiten wird die Provinzialstraße Hungen Rodheim unb HungenVillingen, Ortsdurchfahrt Hungen, am 9. August 1934 von 6 bis 16 Uhr für jeden Durchgangsverkehr gesperrt. Fußgänger unb Ortsfuhrwerke können den danebenliegenden schmä­leren Uebergang benutzen. Die Umleitung erfolgt über LangsdorfNonnenrothVillingen. Wegen der Instandsetzung der Fahrbahn wird die Weg­strecke von Niederbiel bis Leun im Zuge des Land­weges WetzlarWeilburg vom 13. August ab auf die Dauer von drei Wochen für den Krastfahrzeug- und Fuhrwerksverkehr polizeilich gesperrt. Die Um­leitung erfolgt über Braunfels oder Burgsolms.

** Verhängnisvoller Sturz. Die 55- jährige Ehefrau des Kaufmanns We i f e I, Wiß- marer Weg, glitt, als sie vom Garten aus das Haus betreten wollte, aus und stürzte fo unglücklich, daß sie einen Unterschenkelbruch erlitt und durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden mußte.

** Frühzeitige Beendigung des Wochenmarktes. Aus Anlaß der Trauerfeier am morgigen Dienstag wird der Wochenmarkt be­reits um 10.30 Uhr beendet. (Siehe heutige Be­kanntmachung!)

** Die Allgemeine Drtstrantenfaiffe für ben Kreis Gießen ist am morgigen Dienstag geschloffen. (Siehe heutige Anzeige!)

Oberheffen.

Landkreis (Yjefterr.

* Obenhaufen (Lumda), 6. Aug. In unserem Orte ereignete sich ein schwerer Unfall. Der 57 Jahre alte Landwirt Heinrich Bott von hier stürzte vom Scheunenboden und mußte durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen in die Chirurgische Klinik nach Gießen ge­bracht werden. Der bedauernswerte Mann hatte einen Schädelbruch und außerdem Bru-ft- quetschungen erlitten.

* Weickartshain, 6. Aug. Bei dem hiesigen Brauneisen st einwerk, Gewerkschaft Louise scheidet Bergwerksdirektor Karl Scheff - zick als Repräsentant aus. An seiner Stelle wurde ein Grubenvorstand, bestehend aus drei Mit­gliedern, gewählt. Der Grubenvorstand besteht aus Dr. Hermann Wenzel in Dortmund als Vor­sitzendem und den Herren Bergassessor Dr. Karl Bretz in Dortmund und Direktor Karl Scheff- z i cf in Nieder-Ohmen als Beiräten. Gesamtprokura haben die Herren Heinrich Theiß in Nieder- Ohmen und Ludwig Klinke! in Weickartshain erhalten.

* Bellersheim, 6. Aug. In der Nacht zum Samstag wurde in der hiesigen Poststelle zum dritten Male innerhalb zweier Mo­nate eingebrochen. Während dem Dieb das erste Mal zehn Mark und das zweite Mal 32 Mark in die Hände fielen, konnte er diesmal 36 Mark er­beuten. Das Geld wurde aus einem verschlossenen Behälter aestohlen. An der Straßenkreuzung HungenUtphe ereignete sich dieser Tage ein Un­fall. Ein Motorradfahrer fuhr zwei Radfahrer an, die beide von den Rädern geworfen wurden. Glücklicherweise erhielten sie keine ernsteren Ver­letzungen.

5 Rüddingshausen, 4. August. Ein be­dauernswerter Unfall ereignete sich hier beim Fruchtabladen. Frau Katharine Scholl stürzte dabei so unglücklich von einem Gerüst in Der Scheune, daß sie sich einen Armdruch zuzog und in die Klinik zu Gießen übergeführt werden mußte. Der Fall ist um so schwerer, als auch der Mann der Frau gegenwärtig an einer Hüftgelenk­entzündung im Krankenhaus liegt. Vor wenigen Tagen verunglückte Frau Elise Schäfer hier beim Fruchtmähen: sie fiel in eine Sense. Als sie sich erhob unb aus ber unglücklichen Lage befreien wollte, stürzte sie aus Schwäche von neuem in die Sense hinein und zog sich weitere tiefe Verletzungen zu. Die bedauernswerte Frau mußte in die Gießener Klinik gebracht werden.

Kreis Büdingen.

* Dauernheim, 6. Aug. Der 53 Jahre alte Landwirt Carl Wolf von hier hatte sich, an­scheinend durch einen Sturz, innere Ver­letzungen zugezogen und mußte in die Chirur­gische Klinik nach Gießen übergeführt werden.

Preußen.

Kreisfest

der evangelischen Mädchenvereine.

O Wetzlar, 3. Aug. Wenn der Wert eines Festes nach seinem Inhalt und nicht nach dem äußeren Glanz beurteilt werden muß, dann war sicher das Jugendfest vom Kreisverband des Jungmädchenbundes eins von denen, die durch Schlichtheit und religiösen Inhalt wert­voll sind unb den jungen Menschen Bleibendes für Geist und Seele boten.

Am Tag des Festes, gegen 14 Uhr, versammelte sich die Jugend. Da der Kreisdirigent, Lehrer G i r v l d st e i n , erkrankt war, so vertrat ihn die frühere Dirigentin Frau Pfarrer H e i d e r bei der Generalprobe der gemeinsam eingeübten Chöre. Als dieGlocke des Walddomes^ läutete, ver­sammelte sich die Schar unter den hohen Eichen und Buchen. Der Kreisleiter, Pfarrer Heid er, hielt die Liturgie. Sie wurde verschönt durch Lie­der des Mädchenchors. Eindrucksvoll war, wie die ganze Schar den Glauben bekannte und gemein­sam Luthers Erklärung zum 2. Artikel sprach. Die Jugendgemeinde sang dann sinngemäß:Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut." Pfarrer Essen, Volpertshausen, ber zu­gleich Jugenbpfarrer ber Synobe Wetzlar ist, hielt bie Festprebigt. Nach berselben sang roieber ber Mäbchenchor. Das Vaterunser würbe gemeinsam gebetet. Als Schlußoers klang bas erhebende: Mein Herze geht in Sprüngen".

Zu einer Kaffeepause gruppierte sich alles auf dem Rasen ober bei ben einfachen Bänken unb Tischen. Unterliessen hatten die Leiter und Leite­rinnen eine Konferenz und besprachen wichtige Fragen. Nach dem Kaffee begannen einzelne Dorf- schäften und Gruppen unaufgefordert Rasenspiele, Reigen ufrp. zu zeigen. Sie hatten dabei große Freude. Die Sonne stand schon ziemlich tief, als die Waldesdomglocke zur Schlußfeier rief. Nach dem Liede:Lobt froh ben Herrn, ihr jugenblichen Chöre", trug zunächst ber Verein Hochelheim einen gehaltvollen Sprechchor vor, Aßlar brachte ein Ge­dicht, Hochelheim fang:Wer ein sonnig Leben will". Im Anschluß baran sprach ber Kreisleiter über das Wort Jesu:Ich bin das Licht ber Welt",