Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 6. August
M.(8f Dritter Blatt
und
Aus der Provinzialhauptstadt
Umgang mit Einbrechern
Sie
Vom wahren Sinne der Jamilienforschung. Don Dr. Wilhelm Thöne.
zugar der
Sitten und Gebräuchen und den Taten der Ahnen, mit der Geschichte der Heimat wieder verwächst, der hat den wahren Sinn der Familienforschung erfaßt, und mit Gewißheit gilt von ihm das Dichterwort: „Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du!"
Flieger.
„Aber das liebste Blatt ist mir doch wohl das mit dem schönen Spruch von unserem Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg. Und so freundlich hat er mich empfangen — es war in Potsdam im Jahre 1923 — große Auffahrt war an Wagen, so viele Menschen warteten auf ihn. Aber er nahm sich doch Zeit für mich — zehn Minuten wurde mir vorher gesagt, aber dann ließ er sich viel länger von all meinen Kriegserlebnissen erzählen, und als er mir zum Schluß so freundschaftlich die Hand drückte — ich muß schon gestehen: da kamen mir vor Freude die Tränen."
„Rein, leicht war es sicherlich nicht, all diese Autogramme unserer Berühmtheiten zusammenzubekommen. Man muß sich halt immer von einem zum anderen weiter empfehlen lassen, und immer vorher antelefonieren oder schreiben. Sonst geht es einem so, wie mir bei einem Musikprofessor: ich ging hin — das Mädchen öffnete — ich ließ mein Anliegen ausrichten. Sie kam wieder und drückte mir vom Herrn Professor statt des gewünschten Namenszuges ... eine blanke Reichsmark in die Hand! Nun, der Irrtum ließ sich aufklären, und ich bekam mein Autogramm. Aber, bei einem anderen Herrn, da öffnete sich, als ich klingelte, „nur ein Guckfenster, und er fragte': „Sie wünschen? — „Ich habe da eine sehr interessante Autogramm- Sammlung" begann ich. „Danke. Ich kaufe nichts Schwupp war mein Guckfenster wieder zu. Und dabei habe ich noch niemals irgendein Geschäft mit meiner Sammlung gemacht! Die Staatsbibliothek interessiert sich dafür und will sie vielleicht einmal kaufen. Sie dort für immer aufbewahrt zu wissen, wäre mir ein lieber Gedanke." M a r e i n.
Autogramm-Sammlung fehlt. Nansen, Hedin, Filchner, Samoilowitsch und viele andere stehen auf dem „Forscherblatt" — obenan auf dem „Dichterblatt" prangt Gerhart Hauptmanns Name, gefolgt von Stehr, Halbe, Münchhausen, Bahr, Sudermann. Ricarda Huch, Isolde Kurz, Ina Seidel, Selma Lagerlöf und viele andere Dichterinnen und Dichter haben sich in Alois Jakob Blaschyks Buch eingetragen — Pfitzner, Reznicek, Siegfried Wagner, Kienzl, Richard Strauß, d'Albert, Weingartner, Mascagni, Respighi, Toscanini, Sinding, Sibelius und noch unaufzählbar viele Größen der Musikwelt sind vertreten. Ein Blatt zeigt Heerführer des Weltkrieges und unsere bekanntesten
Zeitgeschichte in Stammbuchblättem.
OaS Stammbuch, in bas auch Hindenburg sich eintrug. - Erinnerungen eines Rußland-Deutschen.
alleinberechtigte Sinn der Familienforschung, bev zwar „der Väter gern gedenkt und froh von ihren Taten, ihrer Größe den Hörer unterhält", aber sich immer wieder bewußt ist, daß nur eigene Let• stung wahren Adel schafft und erhält, nicht des Vaters großer Geldsack, auch nicht die dekadente Herkunft von mittelalterlichen „edlen und gestrengen Herren", während man dabei den schlichten Mann als den schlechten verachtet. So handelt auch der praktische Engländer, der den Titel eines Lord vom Ahn zum Enkel nur dann übergehen läßt, wenn dieser Enkel durch eigene Leistungen sich des großen Namens würdig zeigt. Denn die Taten unserer Ahnen sollen uns selbst ein Ansporn sein zu eigener tüchtiger Arbeit. Wer stets getreu seine Pflicht erfüllt, sei es als Arbeiter der Stirn oder der Faust, ganz einerlei auf welchen Posten er immer gestellt sein mag, stets daran denkend, daß er seiner Familie keine Schande bereiten darf, dem ist in Wahrheit der Sinn der Familienforschung aufgegangen. Von ihm und seinem Geschlechte wird es dereinst heißen: „Wackere werden nur von Wackeren und Guten geboren."
Die nützliche Fledermaus.
Tode ängstigen." „
„Meine Frau weiß von nichts. „
„Natürlich, Sie sind ein anständiger Kerl! „Frollein", fragte der Mann unsicher, „machen
Sie eigentlich sich über mich luftig?" „
„Gott bewahre", wehrte Teresa empört ab, „rote sollte ich wohl, der Fall ist gerade ernst genug, dächte ich."
Sie schwieg einen Augenblick.
„Versprechen Sie, daß Sie nie wieder durchs Fenster" forderte sie energisch.
„Aber Frollein, wie sollte ich denn sonst? „Ueberhaupt nicht!" verlangte Teresa. „ „Ich möchte wohl, aber es geht nicht.
„Warum nicht?" wollte sie wissen.
„Wir müssen doch leben!"
„Ja, gewiß, da haben Sie recht. Aber warten mal, ich habe da einen Bekannten, der lächerlich in mich verliebt ist, warum, ist nicht ganz raus.
Doch", sagte der Einbrecher, „weil Sie das Herz auf dem rechten Fleck haben. Das ist wohl Grund
Deutschland." r, ,
Sein Sammelbuch aber hat Herr Blaschyk nun in der alten Heimat so eifrig weiter geführt, daß es nicht nur ganz gefüllt ist, sondern sogar noch eine Erweiterung durch viele, sorgsam in Mappen geordnete lose Blätter erhalten hat. Da gibt es kaum einen bekannten Namen der Politik, Kunst
Wissenschaft, der in dieser hochinteressanten
Familienforschung tut not. Wie Flugsand sammengeweht aus aller Herren Ländern, hat mancher die Verbindung mit seiner Sippe und alten Heimat verloren und ist ein wurzelloser Nomade geworden. „In dunklen Gassen wachsen keine Lorbeeren", und in Mietskasernen keine Vaterlandsliebe. Da soll uns die Familienforschung zurückführen an die uralten Quellen unseres Daseins und unserer Kraft. Zurück zur Natur, zum fernen Vaterhause und zu unseren Blutsverwandten. Der Sinn für Zusammengehörigkeit wird wieder ge= weckt, wie es einstmals war, als die Sippe noch freundnachbarlich zusammen hauste, und die unsinnige Kluft, die sich zwischen Stadt und Land aufgetan hatte, verschwindet von selbst. Der Familienforscher hat den sozialen Aus gleich, um den man sich heutzutage so lebhaft muht, schon längst in seinen Kreisen hergestellt. Seit Jahrhunderten kennt man ja die enge Verbundenheit der Adeligen untereinander, die doch nur deshalb bestand, weil sie Verwandtschaft hochhielten, die viele Generationen alt war, und sich gegenseitig halsen, da sie sich als Glieder einer Sippe fühlten, ganz einerlei, ob der eine reicher, der andere armer war. Wer in diesem Sinne mit seiner Familie, mit den
gardisten weiter, und an eine Heimkehr auf dem direkten europäischen Wege war nicht zu denken.
„Bis nach Wladiw osto k bin ich Über Sibirien mit meiner Frau gekommen. Dort aber konnten wir mit unserem entwerteten Gelde nicht mehr weiter kommen, und so trat ich vorläufig einmal in ein russisches Büro als Buchhalter ein — und dann ging ich als Begleiter, der englisch und russisch sprechen konnte, nach Yokohama. Als Vertreter für Wein und Whisky mußte ich mich dort durchschlagen — Messer geschliffen habe ich bei einem deutschen Mechaniker — mit einer russischen Sängerin gab ich Zitherkonzerte, und dann ging sie mir mit dem eingenommenen Gelde durch! Aber drei interessante Albumblätter mit Malereien japanischer Künstler bekam ich in Yokohama und Tokio.
Ja, meine Irrfahrten währten zwar nicht ganz so lange, wie die des Odysseus, sechs Jahre nur — aber erlebt habe ich genug! Dreimal wurde ich ins Gefängnis geworfen, einmal zum Beispiel, weil ich trotz des bestehenden Verbotes deutsch zu sprechen einem Landsmann, der mich etwas fragte, in der Muttersprache antwortete! — und dreimal stand ich dicht vor dem angedrohten Tode durch Erschießen, — das eine Mal nur, weil ich keine richtigen Ausweispapiere hatte — da rettete mich das schwedische Rotkreuz — aber schließlich bin ich doch glücklich heimgekehrt: mit zwei deutschen Offizieren, die Liebesgaben vom deutschen Roten Kreuz auf einem dänischen Schiff nach Wladiwostok brachten, fuhr ich als Dolmetscher von Yokohama wieder nach Wladiwostok zurück und dafür bekamen meine Frau und ich Gratisheimfahrt über Amerika nach
Von Ellen Zechner. i
Als Teresa in der Nacht plötzlich erwachte, hatte sie das deutliche Gefühl, nicht allem irn Zimmer 1 zu fein, ja, es war wohl hauptsächlich das Empfinden das sie geweckt hatte.
Sie lag ganz still und versuchte die Schlaftrunkenheit abzuschütteln. Don ihrem Kleiderschrank her hörte sie leises Geräusch.
In dem Schein der Laterne, der durchs Fenster fiel, bemerkte sie einen Mann, der vor dem Schrank stand und darin wühlte. Er hatte ruhig etwas rücksichtsvoller dabei verfahren können, fand
Ein leichtes Rauschen und Knistern belehrte sie, daß eins ihrer langen seidenen Abendkleider vom Bügel geglitten sein mußte. ...
„Natürlich", dachte sie gereizt, „der Kerl kann sich ia nicht vorsehen!" , , . .
In dem lebhaften Merger, den sie empfand, gmg ihr Schreck vollkommen unter.
9 Bitte sehr", sagte sie mit ihrer Hellen Stimme, „wollen Sie vielleicht freundlichst aufhoren, m meinen Kleidern zu wühlen! Sie werden ste mir alle zerknüllen, und ich muß ste dann wiederglatten! Dazu habe ich aber weder Zeit noch Lust! Ich habe nämlich kein Mädchen", fugte ste erklärend ^",Jch vermute übrigens, daß es nicht weme Kleider sind, beretroegen Sie sich mitten m der Nacht herbemüht haben!"
Bei der unerwarteten Anrede fuhr der Mann herum unti starrte Teresa halb verblüfft, halb er- schreckt an. _ . , . .
Mechanisch tastete seine Hand nach der Rock- taft3d) vermute", sagte Teresa liebenswürdig, „daß Sie Ihren Revolver suchen. Ach bitte, bemühen Sie sich nicht, ich habe nämlich wie Sie bereits bemerkt haben dürften, nicht die Absicht zu schreien.
Der Einbrecher schwieg noch immer, aber seine Hand sank langsam herab.
„Vielleicht setzen Sie sich einen Augenblick schlug Teresa höflich vor, „wirklich. Sie sollten sich letten. Ich habe Sie erschreckt, fürchte ich.
Dem Mann verschlug es die Rede. Sowas war ihm denn doch noch nicht vorgekommen Er machte Miene, sich willenlos in den von Teresa bezeichneten ^^ch" ^sacste ^Teresa, „einen Augenblick, ich mochte Sie oorher um eine Gefälligkeit bitten. Es schien mir vorhin, als sei mein schönstes Abendkleid auf
in Petersburg" gewählt worden, leitete eine Sonntagsschule ... dies btaugolbene Ordensband hier in meinem Knopfloch, das ist das Zeichen für das „Große Goldene Kreuz für Förderung des Deutschtums im Ausland" — das überreichte mir unser Botschafter in Petersburg 1914 zwei Monate vor Kriegsausbruch." Und voller Stolz holt der alte Herr aus seiner schätzereichen Aktenmappe ein Pappschächtelchen hervor, in dem blankgeputzt aus Watte sein deutscher Orden ruht.
„Aber mit Kriegsausbruch waren für uns Deutsche in Rußland die schönen Zeiten vorüber. Alle wurden nach entfernten Gouvernements verbracht — ich durfte dank meiner guten Beziehungen zum Ministerium zuerst in Petersburg bleiben, wo ich bis 1915 interniert war — und dann ging es gar bis nach Ufa am Ural, wo ich vier Jahre verbrachte. Nun, dort gab es viel zu tun für einen hilfsbereiten Deutschen: ich richtete zunächst eine dreiklassige Schule für die Kinder ein — suchte mir geeignete Lehrkräfte zusammen und leitete das Ganze als Direktor. Aber da waren keinerlei Lehrmittel vorhanden, aus einer einzigen Fibel sollten all die kleinen ^.LG-Schützen lesen lernen! Also setzte ich mich hin und zeichnete auf Stein mit chemischer Tinte jedes einzelne Fibelblatt ab und stellte so 300 Abzugs-Exemplare her." Wieder greift Herr Blaschyk in seine inhaltsreiche Aktenmappe und zieht eine solche im fernen Ufa mühsam hergestellte Fibel hervor, deren mit sauber gezeichneten Bildchen und klaren, großformatigen Schriftzeichen bedeckte Seiten ich voll Bewunderung für den hingebungsvollen Eifer des selbstlos hilfreichen Herstellers beschaue. , , , , ...
Und mein Petersburger Gästebuch begleitete mich überall und war nun Zum Stammbuch ge- worden, in dos all die vielen Menschen d,e ich auf meinen Irrfahrten >m fremden Land trat mir ihre Namen fchrieben und Bilder malten. Sehen Sie, hier haben meine Schulkinder m Ufa mir eine schöne und liebe Erinnerungsseite gewidmet. Und auch die Erwachsenen trugen sich ein, denn sie waren dankbar dafür, daß ich mich um die Einrichtung von Gottesdiensten bemühte. Drei Jahre lang hatten sie ohne alle religiösen Einrichtungen gelebt — nicht einmal zu Beerdigungen fand eine kirchliche Zeremonie statt. Ich bin Katholik, aber ich habe katholische und evangelische Gottesdienste dort eingerichtet und auch beide selber abgehalten — einen Kirchenchor für beide Konfessionen ge- aründet und geleitet — man muß sich zu helfen wissen in der Not! Bei 40 Grad Kälte fuhren wir manchmal auf Schlitten zu Begräbnisfeiern — und ein schönes Harmonium gelang es uns anzuschaffen. Sehen Sie dies hübsche Albumblatt: das haben mir die Letten in Ufa gemalt und geschrieben! 9 Dann kam der Friedensschluß. In Rußland aber gingen die Kämpfe zwischen den Rot- und Weiß-
Selten hat man Gelegenheit, in einem zeitgeschichtlich so inhaltreich bedeutsamen Stammbuch zu blättern — selten bekommt man eine so abenteuerlich ungewöhnliche Lebensgeschichte und eine so interessante Entstehungschronik einer Sammlung zu hören, wie von Herrn Alois Jakob Blaich y k.
Mit liebevoller Behutsamkeit entnimmt iber stattliche, temperamentvoll frische Zweiundsechzigjährlge mit dem vollen grauen Haarschopf und i>en leb haftest blitzenden Blauaugen seiner dicken Aktenmappe bas sorgsam in ein weißes Tuch gehüllte rotlederne Sammelbuch.
„Ja, sehen Sie, begonnen wurde mein Album in Petersburg als Gästebuch. Dahin war ich im Jahre 1897 von Bismarckhütte in Oberschlesien als kaufmännischer Korrespondent gegangen — hatte mich dort recht gut eingelebt — wir Deutschen hielten eng zusammen: ich war zum Vorsitzenden des „Deutschen Theatervereins
sich händeringend bitten, Geld zu nehmen!"
Sie lachte amüsiert.
„Haben Sie? Na also, und nun addio."
Der Mann näherte sich von neuem der Balkon tür.
„Sie wollen doch nicht etwa dort hinaus , erkundigte sie sich drohend. „Muß ich Sie schon wie- der an Ihre Familie erinnern?"
„Aber wie sollte ich denn sonst —" fragte er hilflos.
„Mann Gottes, haben Sie denn noch niemals von der neuzeitlichen und überraschenden Erfindung des Hausschlüssels gehört? Also bitte, draußen auf dem Tischchen in der Diele liegt einer."
„Frollein", sagte der Mann, und seine Stimme war ein klein bißchen unsicher, „es soll Engel geben hier auf der Erde, wessen Herz die anrühren, der muß gut fein, ob er will oder nicht."
„Quatsch", entschied Teresa wohlwollend, „glauben Sie's nicht."
„Doch", sagte der Mann, „seit heute nacht.
Und er zog die Tür hastig hinter sich zu, als schäme er sich.
„Den Schlüssel muß ich aber bis morgen mittag wieder haben!" schrie ihm Teresa ungerührt nach.
6od)fchnlnadtrid)ten.
Der Lehrstuhl für Geburtshilfe und Gynäkologie an her Universität Köln ist bem ao. Professor Dr. Hans N a u j o k s, Oberarzt an der Frauenklinik in Marburg, angeboten worden.
Der bekannte Heidelberger Geograph Geh. Hofrat Professor Dr. Alfred Hettner wurde dieser Tage 7 5 Jahre alt.
Der o. Professor Dr. W. S ch a d e w a Id t an der Universität Freiburg i.Br. vft zum o. Professor der klassischen Wlologie an der Universität in Leip - z i g ernannt worden.
Zur Wiederbesetzung des ordentlichen Lehrstuhls für Finanzwissenschaft, Statistik und Nationalökonomie an der Universität München ist em Ruf an den o. Professor Dr. F. Terhalle an der Universität Hamburg ergangen.
Der ao. Professor und Oberarzt an der Kinder- flinif an der Breslauer Universität Dr. Joban- nes K n a u e r hat einen Ruf auf das Ordinariat der Kinderheilkunde an der Universität Bonn erhalten.
Auf den an der Universität B r e s l au neu errichteten ordentlichen Lehrstuhl für Vor- und Früh- geschichte ist der Direktor des Schlesischen Landesamtes für vorgeschichtliche Denkmalspflege, Privat- dozenl Dr. M. Jahn berufen worden.
Wir sitzen zu später Abendstunde nach einem heißen (Sommertage in kleiner Gesellschaft in der füllen Gartenhütte. Der süße Duft der Rosen und des Jasmins wirb durch die laue, frische Abendluft zu uns getragen. Da huschen gespensterhast in raschem Flug vogelartige Tiere durch die Luft, vom Wohnhaus her um das Gartenhaus, ubev die Gebüsche unter den Bäumen her und wieder auch 'durch die mit wildem Wein bewachsene Gartenhütte über unsere Köpfe hinweg. Es sind Fledermäuse, gewandte Flieger, die trotz der eingetretenen Dunkelheit nirgends im raschen Fluge anstoßen und die uns anfangs erschreckten.
Das ist ein absonderliches Völkchen, diese kleinen, finstern Nachtschwärmer! Die Tiere scheuen und meiden sie, und die Menschen kennen ste kaum und haben ihnen in Furcht und Haß allerlei dustere Märchen angedichtet. Häßliche Geschichten von Untaten und blutigen Greueln, die trotz aller Aufklärung heute noch spuken. Was Unvernunft Bosheit und Aberglaube an finsterem Frevel ersinnen konnte, wurde an diesen kleinen, scheuen Tieren verübt. Wo sich eine Fledermaus zeigte, wurde sie verfolgt und gequält, lebendig gefangen, wurde sie mit ausgebreiteten Flügeln als warnendes Beispiel für ihre Genossinnen ans Tor der Scheuer genagelt, die sie durch ihren Fleiß, durch ihre unermüdliche, nächtliche Jagd füllen half.
Scheu, flüchtig, angstvoll verbergen sich die Fledermäuse vor den Augen der Mitwelt und dem Lichte des Tages, und was sie in der Nacht zum Frommen und Segen der Erde vollbringen, wie tausende von schädlichen, nagenden Insekten ihnen zum Opfer fallen, wie Millionen von Blüten und Blättern durch sie dem Leben erhalten bleiben, davon weiß niemand zu erzählen, denn wenn der Morgen kommt, ist das dunkle, geschäftige Völkchen längst verschwunden und in seine einsame, düstere Schlafkammer geflüchtet.
Wir unterscheiden neunzehn deutsche Fieder- mausarten, die bei oberflächlicher Betrachtung alle einander gleich sehen, die gleiche Lebensweise fuhren und alle recht nützlich sind.
Die größte und häufigste der heimischen Arten ist die frühfliegende Fledermaus, auch große Speckmaus genannt. Sie ist gegen Kälte und rauhes Wetter wenig empfindlich und fliegt schon vor Sonnenuntergang im Walde, in Bäumgärten und Alleen umher. Wie nützlich sie ist, kann man daraus ersehen, daß ihre Nahrung aus Maikäfern, Nonnen-, Kiefer- und Prozessionsspinnern besteht, also aus den gefährlichsten Waldfeinden. Die kleinste einheimische Art, die Zwergfledermaus, ist ebenfalls gegen die Kälte wenig empfindlich, denn sie ist im Frühjahr die zuerst erscheinende und irn Herbst die letztbleibende Art. Sie ist für die Forst- wirtschaft und die Obstzucht gleich nützlich, weil ste Wickler und Motten fängt, in der Nahe unserer Wohnungen aber mehr Fliegen, Schnaken und Mücken erhascht. Die gemeine Ohrenfledermaus er-
f’1®er Mann bückte sich mortlos, als er sich wieder aUfS'Ä,«eincs Frollein", fragte er in-
einen Augenblick lang angestrengt nach.
„Sonderbarerweise nein", gestand sie dann zo- Ser$erAeihen Sie, wenn Sie bas verletzen sollte, -SSÄ K" »SiSi
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Sie ein Mensch &enfe es mir, nicht
glücklicher dazu, vermutlich. J^ ^ster fremder sehr komisch, nacht u ch roürbe/ offengesagt, Wohnungen einzusteigen j' b willkommen
d- ffedartt- sto^n daß mann^
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Passion betreiben, nehme ich an.
Der Mann schüttete ^en .q nu ^der recht!
„Ree, Frolteim o h schließlich leben, und wenn Aber der Mensch muß ^scho^^ er in Versuchung/' er keine ^rhcnt . öjtete Teresa, „das kann sich
Raffen ® te"anf morgen ändern. Gott sei Dank, alles von heute f - _an^e Leben liegt vor Sie finb "°Anb 6te eigentüd) von Beruf?" Ihnen Was s Jahre arbeitslos, und
„Autoschlosse, 3 eine vage Handbewegung.
^Lela^te^ernst und verständnisvoll.
„Haben Sie eme pau?’
"®?™nn fa9“ Xctefo Mißbilligend.
genug."
Teresa überhörte den Einwurf.
Also, besagter Mann hat eine Autovertretung, wenn ich Ihnen eine Empfehlung an ihn gäbe, so wäre es immerhin möglich —. Allerdings durften Sie ihm nicht sagen, woher wir uns kennen. Er würde es vielleicht nicht verstehen ober zum mindesten ungewöhnlich finden.
Nun paffen Sie mal auf: jetzt gebe ich Ihnen die bewußte Adresse, und morgen früh rufe ich dort an, damit man im Bilde ist, wenn Sie kommen! Einverstanden?" .....
Und sie streckte ihm die Hand hin, die er kräftig schüttelte.
Darauf näherte er sich der Balkontür.
„Hallo", rief sie, „das Geld."
„Welches Geld?"
„Nun, das Geld, das Sie intelligenterroetfe vorhin unter meinen Kleidern suchten."
Der Mann schüttelte den Kopf.
„Sie halten mich doch für ein Schwein , sagte er tra/9an3 und gar nicht", verteidigte sich Teresa, „aber denken Sie gefälligst an Ihre Kinder. Also bitte, machen Sie mal den Schub dort auf. too, und nun nehmen Sie sich fünf Mark, die kann ich 9^,ßos,eilo5'\ Ermunterte sie ihn, als er unschlüssig zauderte. „Und joroas will Einbrecher fein. Laßt
, die Erde gefallen; würden Sie die Güte haben,
“ f den Bügel zurückzuhängen? Der S off ist
nämlich so empfindlich", fügte ste entschuldigend
Wie mancher einfache Bürger hat sich in diesen Tagen, wo er von allen Seiten zur Familienforschung genötigt wird, gewiß schon gefragt: „Was hat denn das Ganze für mich eigentlich für einen Zweck? Mein Großvater war ein biederer Schneidermeister, kein Graf und kein General, in dessen Ruhmesglanze ich mich sonnen könnte, unb au besten Taten es sich gut ausruhen ließe. Nem, bieser Stanbpunkt, baß bie Familienforschung zu bem Zwecke getrieben wirb, um festzustellen, baß der Ahnherr ber Familie Meier, Müller ober Schmitz ein reicher Graf gewesen wäre, ist burch- aus falsch. Mtt Recht sagte jüngst einer ber Führer, wenn unsere Ahnen alle hohe Herren vom Abel gewesen wären, unb wir säßen heute als Schwerarbeiter in ber Stabt, bann wären wir ein arg herabgekommenes Geschlecht. Fragte einst em stolzer Junker einen Marschall bürgerlicher Herkunft, ob er sich mit ihm in ber Zahl ber Ahnen messen könnte, unb erhielt barauf bie schladfertige Antwort: „Nein, aber ich selbst bin ein Ahnherr, der Ahnherr meines Geschlechtes, unb Sie sinb nur ein kleiner Enkel großer Leute!" . .
Der Mann hatte recht. Das ist ber einzige unb
da steigen Sie nachts burch frembe Fenster! Wenn Sie nun fallen unb sich was brechen! Ganz abgesehen von allem anberen, was passieren kann. Ich, an Stelle Ihrer Frau, würbe mich jebesmal zu


