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Kr.M Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)8amstag,5.Mai 1934
Kamerun-Reise.
VIII.
Fahrt ins Kameruner Grasland.
Von Or. Paul Rohrbach.
Kaffeefarm Foumbot, Samum, März 1934.
Wo immer man ins eigentliche Afrika hinein will, überall findet man, daß die küstennahen Gebiete nicht soviel wert sind, wie die tiefer im Innern gelegenen. Wenn das Bild nicht zu kühn wäre, könnte man sagen: Afrika kehrt eine Stachelhaut nach außen. Das eine Mal, im Süden, ist es die Namib, die große Sand- und Felswüste, hinter der das gute Weideland liegt; das andere Mal, weiter nach Nord'en, ist es die Urwald- z 0 n e. Sie beginnt schon südlich der Kongomündung und begleitet «lle Küsten des Golfes von Guinea. Der Urwald mit all seiner Ueppigkeit ist eindrucksvoll, prächtig, wenn man ihn auf einer guten Straße im Auto oder von der Eisenbahn aus genießt. An sich ist er lebensfeindlich, besonders für den Menschen. Im afrikanischen Waldland leben die schwachen Stämme, die von stärkeren hineingedrängt wurden und nur Planten (Mehlbananen), Maniok und sonstiges Wurzelwerk, höchstens durch Palmöl verbessert, zur Nahrung haben. Hirse und Mais gedeihen erst auf dem inneren Hochland. Dort gibt es auch Vieh und reichlich Wild, im Urwald nur Affen, Vögel und Insekten. Der Elefant wird selten und ist kein leicht zu erlangender Braten. Auch an eßbaren Früchten ist Mangel. Der Weiße kann mit einer guten Büchse und vollem Patronengurt im Urwald doch Hunger leiden.
Die Eisenbahn von Duala nach Jaunbe durchzieht den hier etwa 300 Kilometer breiten Urwaldgürtel. Bei Jaunbe, das etwa 700 Meter hoch liegt, hört das zusammenhängende Waldkleid auf. Wir fuhren mit unserem Mercedes-Benz, der aber bald anfing Spuren feiner Altersschwäche zu zeigen, zunächst 70 Kilometer bis an den breit daherströmenden S a n a g a, den Hauptfluß von Kamerun. Die Gegend ist unglaublich reich an Oelpalmen. Eine Fähre, die aus vier zusammengebundenen Kanus, großen Einbäumen, ruht, kreuzt den Sanaga dicht unterhalb der Nachtigalschnellen. Schneeweiße Katarakte leuchten durch das Grün der bewaldeten Inseln, die hier den Flußlauf durchsetzen. Die Waldstücke werden immer seltener und hören allmählich auf. Wir kamen nicht bis ans vorgesetzte Ziel des ersten Tages, sondern mußten an einem Platz mit dem etwas schwierigen Namen N d i k i n i m 0 k i übernachten. Ein Rasthaus war hier nicht vorhanden, aber der französische Beamte war so liebenswürdig, uns ein großes leerstehendes Beamtenhaus als Quartier anzuweisen. Ein schwarzer Korporal und der eingeborene Hauswart wurden beordert, für Feuerholz und Wasser zu sorgen. Das sind immer die ersten Erfordernisse, wenn man in Afrika ins Quartier rückt. Unser Schwarzer Peter, Koch und Diener in einer Person, der schwarze Chauffeur mit seinem Gehilfen, der Korporal, die Wasser- und Holzträger bewegten sich mit ihren Laternen wie Glühwürmchen durch die stockfinstere Nacht. Unsere Feldbetten wurden aufgestellt, Würstchen, Brot, Bananen und Tee aus unserem kleinen Reisevorrat aufgetragen, und während wir aßen, machten wir uns unsere Gedanken darüber, wer wohl in diesem Riesenhaus mit umlaufender Veranda, so breit wie eine Reitbahn, gewohnt haben mochte. Die Franzosen bauen offenbar gut, aber sie reduzieren in ihrem Kameruner Mandatsanteil den anfangs überreichlichen und immer noch sehr hohen Beamtenbestand, um Geld zu sparen. Der Chef der Subdivision von Ndikinimoki war ein „Cafe au lait", das heißt ein heller Mischling irgendwoher aus Madagaskar oder Westindien, mit einem zutraulichen kleinen Töchterchen, auch niedlicher heller „Milchkaffee". Der Mann hatte gute Formen.
Ain nächsten Tag kam der hohe Aufstieg ins Grasland, wo kein Wald mehr wächst, sondern statt dessen Elefantengras, das so hoch ist, daß ein
Reiter darin verschwindet. Für den Anbau von Feldfrüchten wird es gerodet. Fast unsere ganze Tagesfahrt führte durch das dicht bevölkerte B a - milkeland, das im Durchschnitt 1400 Meter hoch liegt. Man stelle sich ein Stück Jnnerafrika vor, so gut wie restlos in kleine viereckige, von lebenden Zäunen eingefriedigte Ackerstücke geteilt. Zwischen Bananen und Kolabäumen sehen die hohen spitzen Grasdächer der viereckigen Hütten hervor; winzige Hühner, kleine schwarzbunte Schweine und schwarze Ziegen, auch nur Taschenformat, rennen beharrlich dicht vor dem Auto über den Weg; alte und junge Frauen tragen Wasser, schleppen Feuerholz und andere Lasten und sind bis auf eine dünne Perlenschnur um die Hüfte splitternackt. Die Männer tragen mindestens einen Lendenschurz, manche auch Hemd und Hose. Die Erklärung für die weibliche Unbekleidetheit ist etwas brutal. Der Mann kauft sich eine Frau ober auch mehrere, wenn er wohlhabend genug ist, im Durchschnitt für 200 Mark das Stück, in bar und in Sachen. Je mehr Frauen er hat, desto mehr kann er für sich arbeiten lassen, aber er denkt nicht daran, auch noch Geld zu Kleiderstoffen für fein Arbeitsvieh auszugeben. Erft wenn die Frau gestorben ist, wird sie in ein großes Stück Kattun gewickelt und darin begraben.
Don einer Ansiedlung Weißer auf diesem Teil des Kameruner Hochlandes zu sprechen, ist unmöglich. Das Klima ist gesund, der Boden frucht- bar, aber es gibt absolut keinen Platz. Mittags in einem Marktort namens Bafusam kamen wir durch eine Menge, die ich auf mindestens 3000 Köpfe schätze. Wir wollten etwas Eßbares kaufen, aber in drei schwarzen „Faktoreien" gab es nicht einmal eine Schachtel Sardinen. Hinter Bafusam senkte sich die Straße zum Nun, dem Grenzfluß gegen die Landschaft Samum. Eine Tafel mit der Aufschrift „descente rapide!" mahnte zum vorsichtigen Fahren. Die Straßen sind glänzend imstande. Vor jeder Brücke steht ein Signal, vor jeder Kurve ein Schild mit der Aufschrift „Tournant dangereux!"
Der Nunfluß war früher ein Flußpferdepara- dies, jetzt sollen nur noch Krokodile da sein. Es gibt sie in allen Kameruner Gewässern, aber man be- kommt sie schwer zu sehen. Nicht weit hinter der Nunsähre wußten wir unser Ziel, die Kaffeepflanzung Foumbot. Sie gehört einem Elsässer, Herrn Wilhelm, in dessen schönem Hause wir jetzt die afrikanische Gastfreundschaft genießen. Die ganze Gegend hier ist zukunftsreiches Kaffeeland, auch schon ziemlich stark bepflanzt. Das wäre nicht möglich, wenn die Eingeborenenbevölkerung hier ebenso dicht wäre, wie im Bamilkeland, aber wir sind gerade im Grenzland zwischen Bamilke und Samum, und bevor bie europäische Verwaltung herkam (um 1905 wurde die deutsche Autorität in Bamilke und Bamum aufgerichtet), gab es, wie in allen Grenzstrichen, ständigen Kriegszustand. Daher die Entvölkerung.
Die französische Verwaltung tut viel für den Kaffeebau in Kamerun. Für jedes Kilo gewährt sie eine Prämie von 75 Centimes, dazu in Frankreich eine starke Zollermäßigung gegenüber allem fremden Kaffee. Nach der Klassifizierung in Le Havre ist die Qualität der Kameruner Arabica-Bohne gleich Costarica Superior, also gleichwertig dem a m höch sten bewerteten Kaffee der Welt. Der Gewinn der Kameruner Kaffeepflanzer — meist Fran- zosen, aber auch einige Schweizer und Deutsche — von ihrem Produkt ist bedeutend größer, als der unserer deutschen Pflanzer in Dftafrifa, die weder eine Prämie bekommen, noch Zollerleichterungen genießen! Es ist aber nicht richtig, wenn die Franzosen glauben, sie hätten den Kaffeebau ins Land gebracht. Den elften Kaffee in Kamerun pflanzte bie deutsche Firma Lanz am Endpunkt der von ihr gebauten Kameruner Nordbahn in Nkong- famba. Die Lanzsche Pflanzung ist die Urgroßmutter aller heutigen Kaffeeplantagen in Kamerun. Der Betrieb bei unseren Gastfreunden ist viel versprechend, eine Aufbereitungsanlage eigener Erfindung ist im Bau. Herr Wilhelm hat sie uns selbst erklärt.
Eben erfreut er uns durch die Zusage, uns morgen nach (j umbau zu begleiten. Fumban ist die Landeshauptstadt, die Residenz des kürzlich verstorbenen berühmten Häuptlings N j 0 j a, den ich schon 1907 besuchte.
Neue Gemeindeleitee im Kreise Wehlar.
* Wetzlar, 4. Mal. Der Herr Landrat hat die nachstehenden Berufungen zu Leitern der Gemeinden (Bürgermeister) vörgenommen:
K a tz e n f u r t: Stützpunktleiter Willi Hagener, daselbst;
W e r d 0 r f: Stützpunktleiter Fritz Küster, daselbst;
Niederbiel: Stützpunktleiter Wilhelm Süß, daselbst;
Hörnsheim: Stützpunktleiter Heinrich Volk, daselbst;
Am Sonntag, 6. Mai, wird Reichsminister Dr. Goebbels auf einer gewaltigen Saar- kundgebung in Zweibrücken sprechen.
Unter den künstlich aufgeworfenen Problemen, die eine sogenannte Friedenskonferenz der Nachwelt zu dem ausgesprochenen Zwecke hinterlassen hatte, den Krieg mit anderen Mitteln gegen das blutende Deutschland fortzuführen, nimmt die selbst im Versailler Vertrag zeitlich begrenzte Trennung des deutschen Grenzgaues an der Saar vom Mutterlande eine besondere Stellung ein. Trotz des Märchens von den „150 000 Saarfranzosen", das Clemenceau erfunden, mit dem er den unwissenden Wilson übertölpelt und sogar den sonst so pfiffigen Waliser Lloyd George breitzuschlagen verstanden hatte, trotz der mehr oder minder unverhüllten bru-
Lützellinden: Beigeordneter Fr. E n g e l, daselbst;
Dutenhofen: Beigeordneter H. G e r l a ch , daselbst-
Den bisherigen Leitern dieser Gemeinden sprach der Herr Landrat seinen Dank für ihre Dienste aus.
Deutsche Arbeitsfront.
An alle Velriebszellenobmänner, Kreisbetriebs- zellenämter und an sämtliche Firmen!
Mitte Mai wird in Mainz die erste Ausstellung eröffnet, die sich mit der Schönheit und würdigen Ausgestaltung des Arbeitsplatzes befaßt. Es ergeht an alle obengenannten Stellen die Bitte, durch zur Verfügungstellen von geeignetem Material, Lichtbildern, Modellen usw. an der Ausstellung mitzuwirken.
taten Annexionsabsichten des damaligen Frankreichs, trotz der zahllosen Lügen, mit denen die deutschfeindliche Propaganda versucht hat, den deutscyen Charakter von Land und Volk an der Saar zu verfälschen, konnten selbst die Giftküche von Versailles die Wahrheit nicht hundertprozentig leugnen.
Wäre es nach dem „Tiger" gegangen, so hätte Frankreich damals das Saargebiet gewaltsam an sich gerissen. Wenn dieser Schlag vereitelt werden konnte, so war dies nicht zuletzt auf das Deutschdewußtsein der Bevölkerung zurückzuführen, deren heroischer Abwehrkampf gegenüber allen Oallifierungsbeftrebungen schon damals seine Schatten vorauswarf. Während Frankreich kein Mittel unversucht ließ, das deutsche Saarland seinen Grenzen einzuverleiben, während
DasneueVerlinerHauptgebäudederReichsbank.
Ein Modell des neuen Reichsbank-Gebäudes, zu dem am 5. Mai der Führer den Grundstein legen wird.
Eherne Krönt.
Gaardeutscher Witte zu Reich und Volkstum.
Von Joseph Breh.
Barockpalast über der Saar.
Von Dr. H. Reumeister.
Wie die Mosel sanfter,, zärtlicher, mehr voll warmer einfacher Hingabe ist, als die große unbestimmbare Weite der Rheinlandschaft, so ist noch einmal weicher, offener, süßer, gegenüber der Mosel die Landschaft der kleinen Saar. Hellrosa und golden hängt zu allen Tageszeiten der Sonnendunst über den leicht geschwungenen flachen Weinbergen der unteren Saar. Man reift über das malerisch um die Wasserfälle feines Leukbaches gestaffelte Saarburg, vorbei an der auf jähem Felssturz hoch über der Saar gegründeten „Klause". Bei Taben, Dorf und ehemaliger Propstei, welche im Stil eines behäbigen barocken Gutshofes mit ihrer Kapelle hoch über dem Fluß liegt, hört der Wein auf, tief bewaldete Berge rücken eng an den Fluß heran, wild zerklüftete Schieferabftürze bilden das Landschaftsdild der mittleren Saar. Später öffnet sich das Tal wieder ein wenig. Inzwischen hat man, ohne daß ein Wechsel der natürlichen oder der Kulturlandschaft dies glaubhaft machte, eine politische Grenze überschritten; in einer kleinen Breite des Flusses zwischen blühenden Qbstbäumen und im Weiten umkranzt von weichen Waldbergen liegt M e 111 a ch , es ist die erste Stadt des durch den Versailler Vertrag von Deutschland abqetfennten und unter Völkerbundsverwaltung gestellten „<5 a a r g e b i e t e s". Noch liegt der Siegel der Abstimmung von 1935, obgleich deren Ausgang bei einer reindeutschen Bevölkerung des Gebiets nicht Zweifelhaft sein kann, vor seiner Rückkehr in den Gesamtverband des deutschen Reiches.
Man muß wohl mit der P 0 l i t i k beginnen in diesem Grenzland, auch wenn man von der Kunst sprechen will. Denn die Politik für bie dieses kleine, an Bodenschätzen reiche Gebiet seit Jahrhunderten umkämpft ist, hat auch das Gesicht seiner Kultur entscheidend beeinflußt. Nicht zum Guten. Vieles, was der baufrohe Sinn früherer Jahrhunderte dort aus frommem Herzen, hier mit der Absicht glanzvoller fürstlicher Repräsentanz geschaffen hat, wurde zerstört und verfiel in Krieg und Gegenkrieg, durch Raub und Brand. Anderes, las blieb, wurde über dem politischen Kampf und ler dominierenden Rolle, welche im neunzehnten Jahrhundert die aufblühende Wirtschaft auch in liefern Gebiet übernahm, vergessen. Sehr Z" unrecht: noch zeugen große dunkle Kirchen und kleine helle Adelssitze auch hier allenthalben von dem großen Zug rheinisch-süddeutscher Bautradition, der auch die Kunst des Saargebiets in erster Lime g Aber Mettlach bestand und steht als großer
leidenschaftlicher Auftakt vor der Kunst des Saargebiets. Ländlich anspruchslos liegt das Städtchen um die leise offene Biegung der Saar, kleiner grauer, kaum wahrgenommener Trabant um den prunkvollen Mittelpunkt, die Abtei. Ja, es war wirklich eine Abtei. Kunst- und lebensfroh wie alle barocken Fürsten, auch die geistlichen, hat Kur- t r i e r im Beginn des achtzehnten Jahrhunderts mit dem Bau begonnen, fein Architekt war Christian Kretzschmar aus Sachsen. War es die auf den schweren gediegenen Prunk des Qstens aus- gerichtete Tradition dieses Baumeisters, war es das für jeden Bau in dieser Saar- und Mosel- Landschaft sich anbietende herrliche Material, zartrot — oder goldschimmernden Sandstein — es entstand ein Bauwerk, das freilich „eher einem Königspalast als der Wohnung welterstorbener Or- densgeistlscher" zu dienen bestimmt schien. So vermerkt schon eine alte Mettlacher Chronik und der Eindruck besteht noch heute.
Dicht an dem schimmernden Fluß, nur durch eine sanfte Brüstung von ihm getrennt, wölbt sich die schwungvoll bewegte vielfenstrige Palast-Fassade. Doch die große barocke Bewegung bricht nirgends zur Regellosigkeit aus, sie ist gedämmt und gebündelt durch den klaren Rhythmus der drei in weit vorgezogenen Pavillons mündenden Achsen. Auch die übergroße Frontlänge von 112 Meter erscheint durch sie gesammelt und gegliedert. Blühend und reich ist auch der Schmuck der drei Portale, besonders des mittleren: zart geschliffener Juwel aus hellgelbem Sandstein, der sich licht gegen das warmrote Gestein des Gesamtbaus absetzt. Die Fenster gemessen und regelmäßig gerahmt aber mit hellen, weich sich biegenden Bekrönungen und lustigen Schlußsteinen.
Von diesen verdient es besonders gesprochen zu werden. Denn nicht ein einfacher glatter Stein wie anderwärts oder ein leichtes Rokokozierrat hat dem Erbauer dieses fürstlichen Sitzes als Krone und Abschluß jeden Fensters genügt, sondern Köpfe verschiedenster Art: Fratzen von Kroaten, Negern, Bauern, Handwerkern beleben die symmetrische Flucht der Fenster. Und an den Fenstern zweier Hofflügel begibt sich folgende und für einen geistlichen Bau gewiß beachtliche Merkwürdigkeit: „Die Mitte der Fensterreihe des einen Flügels ist durch den behaglichen Kopf eines Paschas in den besten Jahren geziert, an welchen, über den zu beiden Seiten folgenden Fenstern, seine Dlalisfen bis zum Kindesalter abnehmend sich anschließen, während die Schlußsteine des anderen Flügels ähnlich belebt werden, jedoch mit dem Unterschiede, daß die Mitte ein kahler mit vier Hörnern besetzter alter Mannskopf einnimmt, von dem feine Frauen ab gewandt noch dem anderen Flügel hinüberschauen." (Zitat
nach Lohmeyer, Johannes Seiz). Heiterer weltoffener Sinn jener Zeit, der das Natürliche ohne Bruch in den Kreis auch des geistlichen Lebens mit ein- bezog.
Mit der Geduld der Alten baute das ganze achtzehnte Jahrhundert an der Vollendung der Abtei. Zuletzt ereilte sie das Geschick vieler barocker Kloster- und Kirchenbauten jener späten Zeit. Unversehens überkam sie die Welle der Säkularisierung und führte sie, bevor sie ganz vollendet war, einer andern Bestimmung zu. 1809 wurde hier die keramische Fabrik Villeroy & Doch begründet, an den rückwärtigen Flügeln entstand mancher An- und Umbau, und las Saartal füllen in die Breite heute viele kleine Arbeiterhäuser. Die schöne Palastfront über der Saar blieb aber erhalten.
Die Abtei ist nicht die einzige Merkwürdigkeit dieser entlegenen Stadt Mettlach. In ihrem einstigen Park steht, efeubewachsen, umflossen von dem verzaubernden Glanz tiefer Vergangenheit, der „alte Tur m". Es ist aber in Wirklichkeit kein Turm, sondern die Ruine einer uralten Kapelle, Zeuge der frühesten Anfänge dieser Abtei, die schon im siebenten Jahrhundert begründet wurde. Fern und zärtlich entrückt, erscheint die helle Landschaft durch das schöne Maßwerk der gotischen Bogen gesehen, die das Erdgeschoß tragen. Doch diese stammen aus späterer Zeit, weiter oben öffnet sich die strenge Rundung rhythmisch sich wiederholender früher romantischer Bogen, die las hohe Alter les kleinen Bauwerks verraten. Man steht auf dem niederen Umgang vor Rundbogen, Säulchen und Blattwerk und fühlt plötzlich sehr deutlich, die Verwandtschaft lief es malerischen Restes mit ler ebenso pracht- wie maßvollen großen romantischen Architektur des Nheinlandes überhaupt. Worms und Speyer und Aachen und Köln spiegeln sich schwach, doch ganz deutlich in diesem kleinen ländlich-abseitigen Kirchenbau an der Saar. Sie beziehen ihn wiederum ein in ihren Kreis — wie es die große deutsche Barockkunst für las spätere Abteigebäude tat. Der große deutsche Kulturstrom pulst eigenwillig und kräftig ebenso wie in diesen beiden Bauten in Mettlach in ler ganzen reichen uni reizvollen Baukunst des Saargebiets.
Die Frau, die im Auto einschlief...
Einem Londoner Taxi-Chauffeur erschien es nicht verwunderlich, als er gegen Mitternacht in ein Hotel in der Aldergate-Straße bestellt wurde, wo eine nervöse Dame seinen Wagen mietete, um nach Westend hinaus zu fahren. Sie gab ihm kein bestimmtes Ziel an, und als er an der Piccadilly noch einmal nach den Wünschen seines Fahrgastes fragte, bat sie, ihn solange weiterzufahren, bis sie ans
Fenster klopfe. Und sie lehnte sich müde zurück, während der Fahrer den Wagen langsam aus London hinauslenkte und durch die Vorstädte auf die stillen nächtlichen Landstraßen fuhr, auf denen außer dem rhythmischen Ticken des Taxameters kaum ein störender Laut zu vernehmen war. Erst als der Wagen nach Stunden in die Nähe von Oxford kam, machte sich die Dame bemerkbar, und nun erlebte der getreue Wagenführer eine sehr unangenehme Ueberraschung. Die naturliebende, von Schlaflosigkeit gepeinigte Dame gestand wütend ein, daß sie schon vor längerer Zeit eingeschlafen sei und machte ihm die heftigsten Vorwürfe, daß er sie nicht geweckt habe. Auf keinen Fall werde sie den hohen Fahrpreis bezahlen, der sich, als der Chauffeur sie wieder vor ihrem Hotel ablieferte, noch fünfstündiger Fahrt auf 45 Mark belief. Dem Fahrer blieb nichts anderes übrig, als feine Ansprüche auf den Fahrlohn vor Gericht geltend zu machen. „Ich dachte, daß die Dame so lange in der Frühlingsnacht herumfahren wolle, und wenn sie nicht geklopft hätte, hätte ich die Dame bis nach Nord- Wales gefahren", sagte er treuherzig. Das Gericht erkannte seine Forderung als zu Recht bestehend an. Die „Schlaflose" war sehr ungnädig darüber. Nun wird sie wohl wiederum Nacht für Nacht wachliegen und sich über die Fahrsumme grämen, statt dankbar zu sein, daß sich in jener Frühlingsnacht Morpheus, der sie sonst so hartnäckig flieht, einmal zu ihr neigte.
Zeitschriften.
— In her Mainummer von Westermanns Monatsheften verdient her Aufsatz von Prof. Dr. Konrad Hahm, hem Direktor der Staatlichen Sammlung für deutsche Volkskunde in Berlin, über „Uralte Sinnbilder in her heutschen Bauernkunst" Beachtung. Die vielen Abbilhungen sinh Beweise hafür, haß es sich bei triefen Volkskunstmotiven nicht um leeren Zierrat, sondern um inhaltvolle und gläubig bewahrte Zeichen und Formeln handelt. Interessant ist die Untersuchung: „War Lederstrumpf ein Deutscher?" Das Ehepaar Alfred und Anne Seeger schildert die Eroberung einer Seeräuberinsel in der Adria mit dem Faltboot, lieber „Das neue Gesicht des deutschen Arbeiters", wie es bie soziale Neuordnung durch bie Arbeitsfront, bie NSBQ., bie NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und vor allem bas Gesetz zur Orbnung der nationalen Arbeit herausgebildet hat unb weiter durchsormen wirb, spricht Oskar Krüger, her Propaganbaleiter bet NSBO. Es sei auch auf ben Beginn eines neuen Romans hingewiesen, bas erste Werk, bas aus eigener Erfahrung im Freiwilligen Arbeitsbienst entftanben ist.


