Aus -er provinzialhauptsta-t
wir
K.
Lagerschluß auf dem Gleiberg
Nachdruck verboten!
31 Fortsetzung.
Die echte und die falsche Dor altes Roman von Anny von Panhuys.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (6.)
wir es auch Heuer halten.
Mir fällt beim Pflücken immer die alte Geschichte ein, die ich einst als Kind in einem Buche las. Als nämlich der liebe Gott die Blumen geschaffen hatte, da war der Wald leer ausgegangen, denn keine Blume wollte in dem Schatten wohnen. Darüber wurde der Wald traurig, und seine Bäume weinten. Die Vögel zogen auch aus. Sie wollten Blumen sehen. Das Maiglöckchen, das damals mitten auf einer Wiese stand, hatte Mitleid mit dem Wald und sprach zu seinen Gespielinnen: Ich ziehe in den Wald, wer kommt mit? Und siehe! eine ganze Anzahl von Blumen, die das Maiblümchen liebten und in seiner Gesellschaft bleiben wollten, zogen mit. Und nun kamen auch die Vögel wieder, und der Wald wurde so schön und so bunt wie die Wiesen, ja noch schöner ...
Das Maiblumensträußchen soll uns in unserm Zimmer vom Wald erzählen, sein Duft soll uns an
Am Tag der Nationalen Arbeit nahmen die Lagerteilnehmer des ersten Schulungslehrgangs auf dem Gleiberg an dem Festumzug in Gleiberg und Krofdorf teil. Vor der Rede des Führers und Reichskanzlers, die durch Lautsprecher übertragen wurde, sprach der Bürgermeister von Krofdorf zur Festversammlung.
Nach der Rede des Führers versammelten sich die Lehrgangsteilnehmer auf dem Turm der Burg, um die Fahne feierlich einzuholen. Der Führer des Gleibergvereins, Direktor M e n k e n (Kinzenbach), sprach zum Abschied an die Studenten einige ermahnende Worte. Er überbrachte die Grüße des Landrats von Wetzlar, der stets die Arbeit des Gleibergvereins unterstützt habe. Sodann wies Direktor Menken auf die Bedeutung eines Vereines im Dritten Reiche hin; ein Verein habe heute nur noch volle Gültigkeit, wenn er sich in die Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Revolution ganz einschalte. Dies habe der Gleibergverein getan, indem er einen Flügel der Burg als Schulungslager ausbaute. Trotzdem bleibe der Gleiberg nach wie vor der schönste Ausflugsort unserer engeren Heimat.
Hierauf richtete der Lagerleiter Schuster einige Abschiedsworte an seine Kameraden. Wenn das Lager mit dem heutigen Tage geschlossen werde, so hätten sie die Gewißheit, daß sie ein paar nette Tage auf einem schönen Fleckchen Heimaterde verbracht und dadurch um eine Erinnerung aus ihrer Studentenzeit reicher seien. Diel Neues und Schönes hätten sie hier gehört und gesehen; aber — so führte er weiter aus — während wir die Fahne wieder einziehen, wollen wir geloben, stets bestrebt zu sein, nach den Worten unseres Führers Adolf Hitler zu leben und weiter zu arbeiten: „Nichts für uns, alles für Deutschland".
Vogekgesang und Baumrauschen erinnern. Und fingen das alte Liedchen:
Die Luft ist blau, das Tal ist grün, die kleinen Maienglocken blühn und Schlüsselblumen drunter...
NE>.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude^.
schwarzem Rahmenbau, gelben Felgen mit schwarzen Streifen gestohlen.
Gießener Wochenrnarttpreise.
* Gießen, 3. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Landbutter, das Pfund 1,30 bis 1,35 Mark, Kochbutter 1,10 bis 1,15 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische, nach Gewichtsklassen) 8% bis 10%, Weißkraut, das Pfund 15, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 15, Rote Rüben 10, Spinat 10 bis 12, Spargel 30 bis 50, Unterkohlrabi 6 bis 8, Feldsalat 80 Pf. bis 1,— Mark, Zwiebeln 10 bis 12 Pf., Schwarzwurzeln 20, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln 3% Pf., der Zentner 3,— Mark, Aepfel, das Pfund 20 bis 25 Pf., Hähne 70 bis 75, Suppenhühner 70 bis 75, Tauben, das Stück 55, Salat 15 bis 20, Salatgurken 45 bis 60, Lauch 5 bis 10, Rettich 20, Sellerie 10 bis 35, Radieschen, das Bund 10 Pf.
BornoNzen.
— Tageskalender f ü r Donnerstag: Stadttheater, 20 bis gegen 23 Uhr, „Fiesco". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rakoczy-Marsch". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Eine Razzia in Paris" und „Endkampf".
— Stadttheater Gießen. Morgen, Freitagabend, zum ersten Male die Operette „Förster- christl" von Buchbinder und Jarno.
*
** Dienstjubiläum. Heute kann der Verwaltungs-Oberinspektor Heinrich Strack vom Versorgungsamt Gießen sein 40jähriges Dienstjubiläum begehen. Dem Jubilar wurde von dem stellv. Amtsleiter, Reg.-Rat Wecker, ein vom Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg eigenhändig unterschriebenes Glückwunschschreiben überreicht und ihm gleichzeitig für seine treugeleisteten Dienste der Dank des Herrn Reichspräsidenten und der vorgesetzten Dienststellen ausgesprochen.
** Sturz aus demFenster. In der gestrigen Nacht stürzte der Handlungsgehilfe Heinrich
das ist die erste Voraussetzung.
Es wurde dann der bisherige Führer des master- gültigen Fähnleins Normannen Helmut Schreiber als Führer des Stammes eingesetzt. Der Oberbannführer verabschiedete sodann den bisherigen Stammführer, der in der Aufbauarbeit Vorbildliches geleistet und den Beweis erbracht hat, auch an höherer Stelle verantwortungsbewußt arbeiten zu können. P-
Iührerversetzung.
Der frühere Führer des Gießener Jungbanns Karl Heinz Stroh wurde zum Jungbannführer in Starkenburg ernannt. Für das Gießener Jungvolk war seine Tätigkeit von besonderer Bedeutung, da Stroh in der verantwortungsreichen Zeit des An- schwellens aller nationalen Verbände unermüdlich gearbeitet hat. Durch das besondere Vertrauen des Oberjungbannführers wurde er zum stellvertretenden Oberjungbannführer ernannt. Durch die Veränderungen im Aufbau der HI. wurde ihm nun das Betätigungsfeld in Starkenburg zugewiesen.
^Regina' fühlte Unsicherheit in den Knien und einen starken Druck auf der Brust. Kaum atmen ^°Unte? dem fragenden Blick der Wirtschafterin aber riß sie sich zusammen und antwortete anschei- ne"sie t)atien mich angesteckt mit Jh^r Derdatte- runa. Wie kann man, emer Aehnllchkelt wegen, nur gleich so erschrocken sein! Aber uh glaubte eben« fall/vom Fenster aus Herrn Meerhold zu sehen.
Frau Malwine zog jetzt eine Visitenkarte aus der in ben kleinen S°l°n ge- führt." Sie warnte: „Sie werden auch noch mehr erschrecken, Fräulein Graven, wenn Sie bte AehnUch- ^Regina' zwang sich zum Lächeln und stieg die Treppe hinunter, unablässig von dem einen 0 3
ken gequält: Was wollte Peter Konstantin bei ihr Vielleicht hing fein Besuch mit ber <Mb|enbung zusammen, die sie kürzlich an Frau von Stabnitz hatte überweisen lassen.
Vor der Tür des kleinen Salons mußte sie emen Augenlick stehenbleiben, um Atem zu holen, so ganz tief9 Ruhig wollte und mußte sie Peter Konstantin
keine Lüge!"
Peter Konstantin lächelte:
„Ich weiß, ich eiferte zu stark gegen die Luge und trieb Sie damit aus dem Hause Stabmtz. Aber Sie sollten mir dafür dankbar sein, sonst hatten Sie vielleicht gar nicht das Glück hier gefunden/
Sein Blick haftete lange auf dem wunderschönen Gesicht, und er sagte leise:
„Ich werde mir Mühe geben, alles zwischen Ihnen und Frau von Stübnitz wieder einzurenken. Und die paar Leute, die Sie als Doralies Wolfram kennen, denen erklären wir das ganz einfach mit einer Wette. Es wäre doch hübsch, wenn Sie im Städnitzschen Hause wieder heimisch würden."
Regina stieg das Blut in die Wangen.
„Es wäre ja schamlos von mir, wenn ich das Haus je wieder beträte. Nie mehr machte ich das, nie mehr. Ich könnte der Frau nicht mehr die Hand geben, die mir mit der Polizei gedroht hat, und ich möchte auch nicht, daß man meinen damaligen falschen Namen mit einer Wette zu erklären versucht. Die Erklärung wäre ja wieder eine Lüge, noch dazu eine von Der Sorte, die Sie nicht gelten lassen. Ich wünsche keinerlei Beziehung zwischen Frau von Stübnitz und mir, und ich bin froh, daß alles schon weit hinter mir liegt. Ich denke, mit dem Geld habe ich mich vom letzten Druck befreit."
Er sah sie unablässig an, und in ihm war jetzt ein ganz tolles Verlangen, das schöne Mädchen an sich zu reißen.
Er stand noch immer da. Regina hatte ihm noch keinen Stuhl angeboten.
Er sagte sanft, betont:
„Aber wenn Frau von Stübnitz ausgeschaltet würde, könnten wir uns doch vielleicht wiedersehen — nicht wahr? Ich bitte recht sehr um die Erlaubnis, Sie gelegentlich hier besuchen zu dürfen."
Regina stockte der Atem. Das war deutlich. Peter Konstantin ließ deutlich merken, ihm lag an ihr. Sie empfand keine Freude darüber. Grau und häßlich stand zwischen ihm und ihr die Erinnerung an die Worte der Frau von Stübnitz, deren Schärfe
gegenübertreten. Sie hob die Hand, legte sie auf die Türklinke; aber es dauerte wieder ein paar Sekunden, bis sie Mut faßte, einzutreten.
Dann standen sie sich gegenüber.
Reginia grüßte, fragte scheinbar ruhig:
„Was führt Sie hierher, Herr Doktor?"
Er sah sie mit unoerhüllter Bewunderung an.
Wie schön sah sie aus in dem stumpfschwarzen Kleid! Wie leuchtete das goldrote Haar über Der Trauergewandung!
Er dachte: Warum trug das schöne Mädchen ein Trauerkleid? Weil Jobst Freese gestorben war? Sie empfing ihn im Hause des bekannten, vor kurzem verstorbenen Juristen und tat, als befände sie sich in iyrem eigenen Heim.
Er erklärte:
„Frau von Stäbnitz schickt mich her. Sie ließen ihr eine Summe übermitteln mit Ihrer vollen Adresse hier und schrieben, es wäre die Entschädigung für das, was Sie in ihrem Hause genossen und so weiter, und Sie wünschten, aus diese Weise von einer Schuld loszukommen und schlügen vor, das Geld für wohltätige Zwecke zu verwenden."
Regina neigte den Kopf:
Während der Worte des Lagerleiters wurde dis Fahne eingeholt. Cand. theol. Paul Seipp, der — wie bekannt — mit der Gesamtleitung dieses ersten Schulungslagers auf dem Gleiberg von der Deutschen Studentenschaft beauftragt war, knüpfte in seinem Schlußwort an die Ausführungen seines Kameraden S ch u st e r an und betonte, daß das Lager nicht deshalb allein jedem Teilnehmer so viel gegeben hätte, weil fast alle Probleme, die mit der Kameradschaftserziehung zusammenhängen, aufgegriffen und weitgehend geklärt worden feien, sondern weil dieses Lager selbst getragen worden sei von einer geradezu vorbildlichen Kameradschaft. Das Gelernte und Erarbeitete könne im Laufe der Zeit ja vergessen werden oder neuen Erkenntnissen Platz machen, das auf dem Gleiberg empfangene Erlebnis der Kameradschaft werde aber für alle Teilnehmer von dauerndem Wert bleiben. Das Erlebnis fei um so höher zu bewerten, als nicht nur Studenten der Hochschulen, sondern auch die Studenten der Fach- und Gewerbeschulen des gesamten Rhein-Main-Gebietes an dem Lager teilgenommen hätten. „Tragt die hier erlebte Kameradschaft und die hier gewonnenen Erkenntnisse hinaus in die Gemeinschaften eurer Universitäten und Schulen, und die euch zur Erziehung anvertrauten Kameraden werden euch durch Charakter und Leistung danken."
Das Deutschlandlied schloß das erste Schulungslager auf der Burg Gleiberg.
Das Lager, an dem annähernd 70 Studenten aus dem Rhein-Main-Gebiet teilnahmen, verlief in allen Teilen sehr harmonisch. Da nicht nur reine Vorträge gehalten wurden, sondern an die Referate sich immer eine lebhafte Aussprache anschloß, wurde nicht nur viel geboten, sondern tatsächliche Zusammenarbeit geleistet. Erwähnt sei noch, daß die Teilneh
Die Maienglocken blühn.
Der Wald ist wie ein hoher Saal, wie eine Kirche. Ueberall steigen die grauen, glatten Buchenstämme wie große Kerzen gen Himmel empor. Auch der bunte Teppich fehlt nicht. Auf Moos und weichen Tannennadeln wandeln nyr in feierlicher Stille. Da aber, wo die Sonnenstrahlen durchdringen können, da sprießen aus dem dürren Laub die schönsten Blumen hervor.
Der Frühling pochte an, zauberte aus den kahlen Bäumen die zarten Blättchen, die duftenden Blüten und lockte die Blumen aus der Erde hervor. Noch frierend erschienen Schneeglöckchen, Krokus und Gänseblümchen. Die Tage wurden Heller, der Him- mel blauer. Die Sonne sog frisches Grün aus den
Fluren.
Am Morgen bog sich das Gras unter dem schweren Tau, und von den Bäumen fielen große Tropfen. Ganz langsam, mit dem Wachsen des Lichtes waren die Nebel verschwunden, leises Dogelgezwit- scher tönte uns entgegen. Die Wiesen schmückten sich. Nun ist das Leben wirklich gekommen, der Winter ist vergessen. Der Wald hallt wider von Dogelgesang und Windesrauschen. Ueberall klettert der Efeu auf bemoosten Stämmen und kriecht von Strauch zu Strauch. In der Luft summt und brummt es von Fliegen und Insekten. Der Wald ist wie das Herz der Erde. Ueberall ein wohliger Geruch von Moos und frischem Holz. Von ferne ruft der Kuckuck ...
Und nun läuten auch die ersten Maiglöckchen. Schon vor einigen Wochen sahen wir die ersten Blättchen. Wie spitze Spieße stachen sie aus dem braunen Laub hervor. Sie entfalteten sich, und nun steigt, geschützt von zwei breiten Seitenblättern, der zarte Stengel mit den Glöckchen in die Höhe. Nur die untersten sind ganz erblüht. Bescheiden neigen sie ihre weißen Köpfchen, die oft leicht rosa angehaucht sind. Wir blicken in das Innere und sehen den fleischigen Fruchtknoten mit der Narbe, umgeben von gelbgrünen Staubbeuteln, die im Grunde aus einem violetten Kreise hervorwachsen. Nicht nur Das unschuldige Weiß der schönen Glöckchen gewinnt unser Herz, sondern vor allem der herrliche Duft, der ihnen entströmt. Wir lieben diesen Wohlgeruch, weil er uns ein Sinnbild des Waldes ist. Nicht süß und weichlich, sondern kräftig und stark wie die Bäume des Waldes strömt der Duft der Maiblumen aus den weißen Glöckchen.
Die Maiblumen lieben die Gesellschaft. Sie sind keine Einzelgänger, die irgendwo abseits ein stilles Leben führen. In emsiger Arbeit senden sie unter dem Laub und unter Der Erde ihre Seitentriebe, und da, wo vor Jahren noch wenige Pflänzchen standen, ist nun ein großer grüner Teppich erstanden.
Wir finden sie überall in deutschen Landen. Sie wachsen im Hochwald, unter den Büschen. Schon als Kinder haben wir die „guten" Plätzchen gekannt und uns Sträußchen gepflückt. So wollen
„Stimmt alles."
Es klang ein wenig fragend.
Peter Konstantins Augen nahmen das Bild des schönen Mädchens in sich auf, während er fortfuhr:
„Frau von Stäbnitz würde auf Ihren Vorschlag eingehen, aber es handelt sich um eine immerhin hohe Summe. Sie meint — sie ist der Ansicht — das heißt, sie wundert sich, daß Sie, die Sie vor kurzem noch stellungslos waren, über so viel Geld verfügen. Und sie möchte das Geld nicht weitergeben, ehe sie davon überzeugt ist, daß —"
Er stockte und empfand mit einem Male die ganze Peinlichkeit des Auftrags, den ihm Frau von Stäbnitz gegeben hatte.
Regina vollendete:
„Ehe sie davon überzeugt ist, daß ich auf rechtliche Weise in den Besitz des Geldes gekommen bin. Nicht wahr, so ist es doch?"
Er antwortete etwas verlegen:
„So schroff meinte Frau von Stäbnitz das natürlich nicht."
Sie erwiderte rasch: r, . .
,Za, so schroff meinte sie es! Diese anscheinend so gütige und verständnisvolle Frau, an die ich mich anschloß wie an eine Mutter, für die ich helle Begeisterung und Liebe empfand, ist nur gut und vornehm denkend zu ihresgleichen. Was sozial unter ihr steht, ist für sie minderwertig." Sie .hob lässig die Rechte. „Wie das alles zusammenhangt, daß ich mich zu der Torheit verleiten ließ, unter dem Namen Doralies Wolfram ihr Haus zu betreten, das hat Frau von Stäbnitz brieflich und persönlich schon von Herrn Wolfram und seiner Tochter gehört. Und auch Sie, Herr Doktor, werden darüber Bescheid wissen. Also davon will ich nicht mehr viel reden. Ich möchte nur noch sagen, wenn
das, was ich getan, auch noch so schlimm war in Den Augen Der Dame, so hat sie mich Doch hart genug Dafür bestraft, Denn Das Zusammentreffen im Warenhaufe vergesse ich wohl niemals im Leben. Sie weih genau, Daß ich nicht aus gemeinen Motiven zu ihr ins Haus gekommen bin, unD braucht mich nicht für eine Diebin zu halten. Ich fanD Stellung bei LanDgerichtsdirektor Dr. Freese, unD es gelang mir sehr rasch, seine ZufrieDenheit zu erwerben. Väterlich gut war er zu mir. Er starb ziemlich unvermittelt und setzte mich, da er keine Verwandten besaß, kurz vor seinem Tod zu seiner Erbin ein. Niemand aber hat sein Entschluß mehr überrascht als mich. Mir gehört jetzt dieses Haus und viel Geld." Sie richtete sich auf. „So, Herr Doktor, jetzt wissen Sie Bescheid, jetzt bringen Sie Frau von Stäbnitz die Auskunft, daß keine Schuld an dem Geld hängt. Für Sie füge ich hinzu: Auch
Polizeibericht.
Festnahmen.
Am 30. April wurden eine 36 Jahre alte Frau aus Wieseck wegen schwerer Kuppelei und Blutschande und ihr 64jähriger Schwiegervater wegen Blutschande durch die Kriminalpolizeistelle Gießen festgenommen und dem Amtsgericht zugeführt. Beide tarnen in Untersuchungshaft.
Fahrraddiebstahl.
Am 29. April wurde aus einem Hofe in der Eder- straße ein Damenfahrrad, Marke „Miele", mit
Mosbach aus dem Fenster feiner im 3m ei tert Stockwerk gelegenen Wohnung eines Hauses in der Steinstrahe auf die Straße. Der bedauernswerte junge Mann schlug mit Dem Körper so heftig auf das Straßenpflaster auf, daß er mit schweren Verletzungen liegen blieb. Einige Zeit Darauf wurde er aufgefunben unD der Chirurgischen Klinik zugeführt.
** Von einem Auto angefahren. Bei Dem starken Verkehr am Feiertag Der nationalen Arbeit in Gießen wurDe Der 60 Jahre alte Maurer Wilhelm Müller 3. aus Großen-Buseck hier von einem Auto angefahren. Der bedauernswerte Mann erlitt schwere Schädelverletzungen, Die seine Ueber- führung in Die Chirurgische Klinik notroenDig machten.
** Sturz mit Dem M 0 10 rraD. Der 27 Jahre alte Gutsverwalter Albert Becker von hier stürzte mit seinem MotorraD so unglücklich. Daß er schwere Verletzungen im Gesicht davontrug. Die Schwere der Verletzungen machte die Uebersührung des bedauernswerten Mannes in die Chirurgische Klinik notwendig.
** Derkehrsunsall in der Frankfur - ter Straße. Gestern gegen 17.30 Uhr stießen in der Frankfurter Straße Ecke Wilhelmstraße zwei Personenautos zusammen. Bei der Karambolage ; wurde das größere Auto, das aus Richtung Frankfurt kam, nur leicht beschädigt, während der kleinere Kraftwagen nach einer nahegelegenen Werkstätte abgeschleppt werden mußte.
** Oeffentliche Bücherhalle. Im April wurden 1111 Bände ausaeliehen. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 3, Zeitschriften 34, Gedichte und Dramen 2, Erzählende Literatur 738, Jugendschriften 114, Länder- und Völkerkunde 60, Kulturgeschichte 6, Geschichte und Biographien 73, Kunstgeschichte 1, Naturwissenschaft und Technologie 41, Heer- und Seewesen 5, Haus- und Landwirtschaft 1, Gesundheitslehre 4, Religion und Philosophie 10, Staatswissenschaft 15, Sport 1, Fremdsprachliches 3 Bände. Nach auswärts kam 1 Band.
und demütigende Bedeutung er nicht im mindesten zu entkräftigen versucht hatte.
Sie erwiderte nichts, sah ihn nur an. In dem Blick lag Vorwurf. Aber er mißverstand den Blick, glaubte Liebe darin zu lesen — eine Liebe, an Die ex glaubte, weil ja sein Urteil über Die Lüge sie aus Dem Hause Stäbnitz getrieben hatte, weil im Zusammenhang Damit so manches Darauf hin- geroiefen, er war ihr nicht gleichgültig geblieben.
Ihre Schönheit entflammte feine Sinne, und allerlei Gedanken jagten durch feinen Kopf. Er überlegte: Was wagte er denn, wenn er feiner (Eingebung folgte und zu Regina von feiner Liebe präche? Er gab sich klare Antwort: Er wagte viel. Er fetzte die Gunst der einflußreichen Frau von Stäbnitz aufs Spiel, in deren Heim er fast Sohnes- rechte genoß. Auch würde er damit zugleich das Wohlwollen ihres Mannes aufs Spiel fetzen und Die vielbeneidete Stellung als fein Teilhaber. Aber er konnte dafür eine schöne, anscheinend auch kluge und gebildete Frau eintauschen, die ihm Reichtum mitbrachte.
Man hatte sich letzthin, nach dem Tode des in juristischen Kreisen sehr bekannten Landgerichtsdirektors, darüber unterhalten, wer wohl sein Erbe wäre. Ein Notar hatte behauptet, Jobst Freese sei ehr reich gewesen. Peter Konstantin hatte das ruher schon mehrmals gehört, jetzt war ihm Gewißheit darüber geworden.
Der Reichtum käme also an ihn, wenn er Regina Graven gewänne. Blitzschnell zuckte das alles durch seinen Kops.
Er bat ganz demütig:
„Liebes Fräulein Graven — wollen wir vergessen, was vor dem Heute liegt? Nehmen wir an, wir lernten uns erst heute kennen. Vielleicht ist es Ihnen dann möglich, mir ein Wiedersehen zu bewilligen."
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich vermag mich nicht auf Den Standpunkt zu stellen, daß ich Sie erst heute fennenlernte, Herr Doktor! Immer, wenn ich Sie sehe, stände der Erfrischungsraum des Warenhauses wieder deutlich vor mir, und ich würde Frau von Stäbnitz sagen hören, daß sie mich dem erstbesten Schupo Übergabe, wenn sie mich noch einmal dabei ertappe, daß ich weiter unter falscher Flagge segle. Sie sprach zu mir wie zu einer Schwindlerin, die aus aller- 1 niedrigsten Motiven gehandelt hatte, wie zu einer Hochstaplerin. Und Sie, Herr Doktor Konstantin, fanden nicht das armseligste Wörtchen, um mir : Damit, in Dem Augenblick meiner tiefsten (Erniebri- 1 gung, zu Hilfe zu kommen!"
Er merkte, wie sie mit sich rang, ihm Das zu sagen. (Er begriff auch, daß sie ihm zürnte, weil : er sich damals nicht im geringsten ihrer angenom» . men hatte; aber er dachte, das müßte doch wohl gui - zu machen fein, weil er fest davon überzeugt war, 1 sie liebte ihn.
> (Fortsetzung folgt.)
Sie mußte lächeln. Doralies war schon die richtige Ratgeberin in solchen Dingen; aber sie war froh, weil Holm nun doch kam, noch ehe sie ihn gerufen hatte, um an die hinterlassene Arbeit Des Verstorbenen zu gehen.
Sie ging ziemlich schnell Die Treppe hinunter.
Frau Malwine kam ihr auf Dem Treppenabsatz entgegen. Mit allen Zeichen großer (Erregung blieb sie vor ihr stehen.
„Fräulein Graven, ein Herr mochte Sie sprechen!
Regina unterbrach sie lächelnd:
„Ein Herr? Das klingt, als ob Sie von einem Fremden redeten. Ich weiß, Herr Meerhold ist gekommen. Aber was ist Ihnen, liebe Frau Malwine?' Die frisch aussehende Frau faßte sich an die Stirn.
Ganz konfus bin ich, Fräulein Graven, denn Herr Meerhold ist heute nicht Herr Meerhold, wenn px auch so aussieht. Nein, von ganz nahe sieht er vielleicht doch ein klein bißchen anders aus Der gekommen ist, heißt Doktor Konstantin; aber so von weitem ist die Aehnlichkeit mit Herrn Doktor Meerhold unheimlich. Ich—"Sie unterbrach sich: „Nanu, was fehlt Ihnen denn, Fräulein Graven? Sle
Am Montag, 7. Mai, abends 8 Uhr, findet im Stadttheater im Rahmen Der NS.-Gemeinschaft „Kraft Durch FreuDe" Die Aufführung Des bekannten Lustspiels „SchneiDer Wibdel" statt. Der Eintrittspreis auf allen Plätzen beträgt 60 Pf. Karten sinD bis zum Freitagnachmittag auf Der Kreisbetriebszellenabteilung, Gießen, Schanzenstraße 18 abzuholen.
Heil Hitler!
gez.: Christ, Kreiswart der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude"
Neuernennung beim Deutschen Jungvolk Gießens.
Die Personalveränderung im Gebiet der Hitler- Jugend brachte es mit sich, daß Der Gebietsjung- oolkführer Rupprecht Hainer Den Führer des Stammes II Geusen Karl Thron zu feinem per- onlichen Adjutanten berief. Deshalb kamen Dieser Tage Der Oberbannführer BlumenröDer unD Der Oberjungbannführer Philippi, um Die Ernennung und Einführung Des neuernannten Stammesführers vorzunehmen.
Bei feiner Ansprache führte Der Oberbannführer etwa folgendes aus: Wir müssen mit größter Sorgfalt unsere Führerfrage behandeln. Einmischungen von irgendwelcher Seite finD völlig fruchtlos. Die Verantwortung unD Der Ernst Des Führertums verlangen mehr Straft, als man im Augenblick Der Ernennung je aufzubringen glaubt. Deswegen kommen für so maßgebliche Stellen der JugenDführung, wie es Stammesführungen Darftellen, nur Jungen in Frage, Die durch ihre Leistung bereits gezeigt haben, daß sie auch im großen fähig sein werden, ihre Stelle voll auszufüllen. Es kann hier nie nach Beliebtheit allein gehen. Der Führer muß das volle Vertrauen seiner vorgesetzten Dienststellen haben,


