Ihre verschiedenen Organisationen, an der Spitze ein Spielmannszug, veranstalteten einen Umzug, der auf dem Marktplatze endete. Hier wurde die Ueber- tragung der Jugendkundgebung aus dem Lustgarten zu Berlin mit angshört. Der Nachmittag brachte den Festzug. Der Ortsgruppe waren die Zellen Lauter, Stockhausen und Weickartshain angeschlossen. Der Zug wies eine beträchtliche Länge auf und umfaßte folgende Hauptgruppen: 1. Betriebe und Arbeiter: 2. Handel, Handwerk und Gewerbe: 3. Landstanü: 4. Behörden: 5. Freie Berufe. Eingefügt waren Fahnenabordnungen der SA., HI., JV., NS.-Derbände und Vereine, eine Musikkapelle und der Spielmannszug des Jungvolkes sorgten für Marschmusik. Nach Schluß des Umzuges durch die Hauptstraßen der Stadt endete der Marsch auf dem Marktplatz, wo die Kapelle mit Platzkonzert aufwartete bis die Uebertragung des Staatsaktes vom Tempelhofer Felde folgte. Sämtliche Fahnen waren auf dem Podium aufgestellt, eine Abordnung SA. hatte davor Aufstellung genommen. Nach Schluß der Kundgebung begann in den einzelnen Gaststätten das Maifeiern.
eich.
Der Tag der nationalen Arbeit wurde auch in unserer Stadt zu einem machtvollen Bekenntnis zum schaffenden Menschen. In unermüdlicher Arbeit waren unter Leitung des Ortsgruvpenleiters Kuhn alle Vorbereitungen zum guten Gelingen des Festes getroffen worden. So war u. a. auf dem Hardtberg eine große, vollkommen mit Tannengrün geschmückte Tribüne, flankiert von zwei riesigen Hakenkreuzbannern, und eine gute Lautsprecheranlage errichtet worden. Reicher Grünschmuck und die zahlreichen Fahnen des Dritten Reiches gaben der Stadt bereits am Vortage ein festliches Gepräge, wie nie zuvor. Am Abend des Vortages fand in der Ma- rienstiftskirche Festgottesdienst statt. Pfarrer Draudt hielt die Festprediat, in der er auf den verbrüdernden Adel jeder Arbeit hinwies, die moralische und soziale Bedeutung der Arbeit erläuterte. Nach dem Festgottesdienst wurde durch die HI., SA. und SS. der Maibaum eingeholt, der auf dem Adlerplatz Aufstellung fand. Auch hierbei ergriff Schulungsleiter Pfarrer Draudt das Wort zu einer auf die symbolhafte Bedeutung des Maibaumes hinweisenden markanten Ansprache. Der Festtag wurde durch den Weckruf der HI. eingeleitet. Am Vormittag fand auf dem Hardtberg die Jugendkundgebung statt, an der außer den Jugendoerbänden eine große Anzahl Volksgenossen teilnahmen. Nach dieser Kundgebung erfolgte die Vereidigung der Betriebsvertrauensleute in ihren Betrieben. Um 13.15 Uhr erfolgte die Aufstellung des Festzuges, der sich unter Vorantritt des Spielmannszuges der HI. und der Kapelle der. freiwilligen Feuerwehr durch die dicht von Menschen umsäumten Straßen der Stadt bewegte. Nach dem Festmarsch fand auf dem Hardtberg eine große Kundgebung statt, in der Pfarrer Draudt den Versammelten die Bedeutung des 1. Mai klarlegte. Mit dem Horst-Wessel-Lied und der Uebertragung der Rede des Führers fand die machtvolle Kundgebung ihren Abschluß.
Hungen.
Der Tag der nationalen Arbeit wurde hier unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung würdig begangen. Nachdem am Vormittag nach der Uebertragung der Führerrede und der Rede des Reichspropagandaministers auf dem neuen Marktplatz ein Feldgottesdienst stattgefunden hatte, folgte am Nachmittag die Kundgebung auf dem neuen Marktplatz. Ein starker Zug der SA. und SS., Ehrenabteilungen der gesamten Jugend, der Vereine, der Stadtvertretung von Hungen, der einzelnen Belegschaften in ihren Arbeitskleidungen, sowie der gesamten Beamten-, Angestellten- und Arbeiterschaft, der behördlichen Betriebe und Handwerkszweige bewegte sich unter Vorantritt einer Musikkapelle und mehrerer Spielmannszüge durch die Straßen nach dem neuen Marktplatz. Hier eröffnete der Führer der NS.-Hago, Gg. Müller, die Kundgebung. Dann sprach Ortsgruppenleiter Kirch- Höfer, der in einer zündenden Ansprache auf die Bedeutung des 1. Mai hinwies. Umrahmt wurde die Kundgebung von Darbietungen der Gesangvereine „Eintracht" und „Liederkranz" sowie des BdM. Die durch Lautsprecher übertragene Rede des Führers bildete den Abschluß der Kundgebung. Am
Abend fand sich die Bevölkerung zu gemütlichem Beisammensein mit Tanz in den einzelnen Lokalen in froher Stimmung zusammen.
Laubach.
Der Tag der Arbeit wurde in unserem Städtchen besonders festlich begangen. Nach dem Dor- mittagsaottesdienst marschierten das Jungvolk, die Hitlerjugend sowie der BDM. auf den Festplatz, um die Uebertragung aus Dem Berliner Lustgarten anzuhören. Am Nachmittag bewegte sich ein großer Festzug durch die schön geschmückten Straßen der Stadt nach der „Helle", wo OG.-Leiter Braun die aus Ruppertsburg, Gonterskirchen, Wetterfeld und Laubach erschienenen Festtellneh- mer begrüßte und auf die Bedeutung des Tages der Arbeit hinwies. Im Anschluß hieran hörten die Versammelten die Uebertragung der Kundgebung vom Tempelhofer Feld. Die dann in den Lokalen der Stadt beginnenden Maifeiern nahmen einen würdigen Verlauf.
Krofdorf-Gleiberg.
Der Tag der nationalen Arbeit begann in unserem reich mit Fahnen und Grün geschmückten Orte mit einem Umzug der Hitlerjugend, des Jungvolkes und des BdM. unter Vorantritt der Musikkapelle. Diese Verbände versammelten sich dann im Verein mit der Schule im Garten der Moos-.
scheu Wirtschaft, wo durch einen großen Lautsprecher die Jugendkundgebung der Berliner Schulen im Lustgarten gehört wurde. Nach dem mittäglichen Gottesdienst, in dem Pfarrer Wiebel über das Psalmwort: „Wohl dem Volk, des Gott der Herr ist" predigte, stellte sich in der südlichen Hauptstraße der Festzug auf. Von Gleiberg trafen die Belegschaft der Rinn & Cloosschen Zigarrenfabrik und die anderen Arbeitsgruppen, gemeinsam mit dem gesamten Schulungslager der Burg ein. Die Größe des Zuges in Verbindung mit der Mannigfaltigkeit der Berufsvertreter unseres Ortes, sowie die starke Fahnengruppe und die Abordnungen der SA. und der anderen Formationen machte einen imposanten Eindruck. Nach dem Umzug fand sich die Bevölkerung in dem Hof und Garten der Wirtschaft Moos ein, um hier, dichtgedrängt, die Rundfunkübertragung des Staatsaktes vom Tempelhofer Feld anzuhören. Vorher ergriff Ortsgruppenleiter Schmidt das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er auf die Bedeutung des diesjährigen 1. Mai hinwies, der heute, wie in unserem Dorf, in Einmütigkeit ohne Unterschiede in Beruf und Stand von dem ganzen Volk gefeiert werde. Daß das alles so geworden, sei allein das Verdienst unseres großen Führers Adolf Hitler, dem die Menge das Sieg-Heil ausbrachte und anschließend das Horst- Wessel-Lied sang.
Aufruf.
Machtvoll ist bei allen Nachbarn Denkschlands die Flugzeugwaffe entwickelt. Erfindergeist und Technik wurden in den Dienst der hochgerüsteten Staaten gestellt. Angriff und Abwehr sind großartig organisiert. Ueberwältigend ist die Erziehung der ganzen Bevölkerung für den Ernstfall.
Und was tat Deutschland? Jahrelang sah es teilnahmslos zu. Die Aufklärung und Schulung des Volkes für die ihm drohenden Gefahren wurde unterlassen. Die aktive Abwehr wurde uns ohnedies gänzlich untersagt, jedoch nicht einmal das, was uns die ehemaligen Gegner zugestanden haben, wurde ausgenuht. Jnnerpolitisches Gezänk überwucherte die Interessen der Nation — bis die nationalsozialistische Revolution durch die deutschen Gaue brauste.
Des Reiches erster Luftfahrtminister, Hermann G o e r i n g, schuf vor einem Jahr gründlichen Wandel. Er gründete den Reichsluflschuh- b u n d und betraute ihn mit der Aufgabe, das deutsche Volk über die Gefahren eines zukünftigen Luftangriffs aufzuklären und den Selbstschutz der Bevölkerung bis ins kleinste zu organisieren. Aus der Erkenntnis der namenlosen Gefahren, die Deutschland drohen, muß jeder Deutsche sich willig in diese gigantische Arbeit des Reichsluftschuhbundes einfügen. Jedes deutsche Haus erhält seinen Luftschutzwart, der für alles Sorge trägt, was im Falle eines Luftangriffs eine
Katastrophe vermeiden soll. Jeder deutsche Volksgenosse, ob Mann, Frau oder Kind, wird im Ernstfälle wissen, wie gehandelt werden muß. Die gewaltige Aufklärungs- und Erziehungsarbeit übernimmt der Reichsluftschuhbund!
Nach dem Willen der Reichsregierung soll jeder Deutsche nunmehr Mitglied des R e i ch s l u f t s ch u h b u n d e s werden. Der Jahresmilgliedsbeitrag beträgt 1.— Mark. Dieses kleine Opfer find wir der Erhaltung unseres Volkes, der Heimat und des eigenen Lebens schuldig. Der Reichsluftschuhbund wird in der nächsten Zeit an jeden einzelnen heran- lreten und zur völligen Durchführung aller notwendigen Maßnahmen die Mitgliedschaft fordern. Nur so kann die große nationale Aufgabe des zivilen Luftschutzes in kürzester Zeit mit Erfolg durchgeführt werden.
Wir rufen alle verantwortungsbewußten Volksgenossen auf, unverzüglich die Mitgliedschaft im Reichsluftschuhbund zu erwerben und durch tätige Mithilfe dazu beizutragen, das gigantische Selbstschuhwerk des deutschen Volkes auszubauen. Interesselosigkeit am Luftschutz ist Landesverrat!
Frankfurt a. M.» 2.Mai 1934.
Oer Gauleiter der NSDAP, gez.: Sprenger.
Stadt und Land reichen sich die Hand!
Oie nächsten Aufgaben der NSV. - Kinder-Landverschickung. - 3m Gau Hessen-Nassau werden 20000 Kinder verschickt.
Mit dem Abschluß des Winterhilfswerks hat sich die segensreiche Tätigkeit der N S. - V o l k s w o h l - fahrt nicht erschöpft. Neue wichtige Aufgaben stehen ihr bevor, die nicht minder hohe Anforderungen und Einsatz aller Kräfte erfordern.
Im Rahmen der Sommeraktion „Mutter und Kind" ist zunächst, wie in einer Pressekonferenz der Gesamtleitung der NSV. mitgeteilt wurde, eine große Kinder-Landverschickung vorgesehen, die im Gau Hessen-Nassau im großen Rahmen durchgeführt werden soll.
Die Kinüer-Landverschickung liegt in den Händen des Jungbannführers Heini Steubing und soll
Kinder aus der Stadt hinaus aufs Land bringen und umgekehrt Kinder vom Land in die Stadt. Gerade im Gau Hessen-Nassau soll als Leitgedanke in den Vordergrund gestellt werden: „Stadt und Land reichen sich die Hand". Die Stadt- jungen sollen auf dem Lande die Lebensweise der Landjungen und den Volksgenossen kennenlernen, der mit der Scholle verwurzelt ist und in schwerer Arbeit dem Boden unser tägliches Brot abringt. Umgekehrt soll der Lanüjunge das Leben in der Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten kennenlernen. Auf diese Weise sollen besser als durch alle Propagandakünste die Fäden zwischen Stadt und Land enger geknüpft werden.
Im Gau Hessen-Nassau sollen 15 000 bis 20 000
Kinder verschickt werden, doch dürfte sich diese Zahl noch erhöhen, je nachdem Pflegestellen zur Verfügung gestellt werden. 3ebet Volksgenosse wird aufgefordert, zu prüfen, ob er einen Jungen oder ein Mädel für einige Zeit als Gast aufnehmen kann.
Die zuständigen Amtsleiter der NSV. nehmen Anmeldungen entgegen. Die Gauamtsleitung erwartet von der Bevölkerung, daß sie so viel Pflegestellen zur Verfügung stellt, daß unser Gau auch bei dieser Aktion wieder an der Spitze marschiert. Die Pflegestellen werden auf das genaueste auf ihren gesundheitlichen Zustand hin geprüft, anderseits werden nur gesunde Kinder verschickt, während für kranke Kinder eine anderweitige Regelung getroffen werden wird. Der Transport der Kinder
Keiner darf im Kampfe für die Zukunft unseres Volkes abseits stehen!
Werde Mitglied -er NSV.!
erfolgt nicht, wie sonst üblich, mit Lastautos, sondern er geschieht mit Sonderzügen der Reichsbahn. Nicht weniger als 35 bis 40 Sonderzüge werden in unserm Gau zu diesem Zweck zur Verfügung stehen. Das Begleitpersonal soll in jeder Beziehung pädagogisch geschult sein. Jungvolk- und BDM.- Führer, Junglehrer und Junglehrerinnen werden die Kinder betreuen und dafür sorgen, daß Zucht und Ordnung unter den Kindern herrscht. In einer Kartei wird über jeden Jungen und jedes Mädel über das Betragen Buch geführt. Wer sich nicht einwandfrei benimmt, kommt nicht mehr in Frage für irgendwelche Erholung.
Jedes Kind und jede Pflegestelle wird gegen alle möglichen Fälle der Haftpflicht versichert. Man hofft, einen Teil der Kinder nach Schlesien schicken zu können, doch wird der hauptleil im Gaugebiet untergebracht werden. Die Zeit der Verschickung beträgt in der Regel vier Wochen, und zwar während der großen Ferien, doch kann auf Wunsch die Dauer verlängert werden, in welchem Falle dann eine Umschulung vorgenommen werden müßte.
Die Eltern der Kinder haben einen kleinen Unkosten- beitrag zu entrichten. Die Vorbereitungen für die Kinderlandverschickung sind in vollem Gange. Es wird erwartet, daß die Anmeldungen von Pflegestellen aus dem ganzen Gau zahlreich eingehen. Ein entsprechendes Anmeldeformular wird in den nächsten Tagen in den Zeitungen veröffentlicht werden.
Schweres Motorradunglück.
Ein Toter und ein Schwerverletzter.
LPD. Darmstadt, 2. Mai. Am Montag hatten die Krankenpfleger Adam Strohhauer aus Crumstadt und Heinrich Wiegand aus Lorsch mit dem Motorrad einen Ausflug unternommen. Auf der Rückfahrt am Abend fuhren sie, da sie sich etwas verspätet hatten, mit sehr großem Tempo durch Biebesheim. In der Straßenkrümmung Rheinstraße verlor Strohhauer die Gewalt über seine Maschine und rannte in voller Fahrt auf die Wand eines Hauses auf. Dabei wurde das Fahrzeug gegen das Eisengitter eines benachbarten Gartens geschleudert. Strohhauer schlug mit dem Kopf gegen das Eisengitter und erlitt einen dreifachen Schädelbruch. Wiegand wurde bei dem Anprall von seinem Sitz geschleudert, blieb aber mit einem Fuß am Motorrad hängen und wurde mitgeschleift. Er erlitt eine erhebliche Beinverletzung, einen Unterkieferbruch sowie verschiedene leichtere Verletzungen. Beide Verletzte wurden in das Darmstädter Krankenhaus gebracht, wo dann in der Nacht Strohhauer seinen schweren Verletzungen erlag.
Erste Liebe.
Von Mar6 Stahl.
Die Fliederbüsche im Garten standen dicht vor der Blüte, und die Apfelbäume unterhalb der Terrasse schickten sich gerade an, aufzubrechen. Die Wäl- der am Horizont lagen in bläulichem Duft, und als die alte Dame auf die Terrasse trat, um die *'.an^üraDe hinabzuspähen, mußte sie die Hand über Die Augen legen, so blendete der flimmernde Sonnendunst über den Feldern.
Endlich kam der Wagen. Er fuhr im schlanken ^.rabe vor der Freitreppe vor, was den gutgefüt» u ®r?unen einige Schwierigkeit machte, und Ellsabeth sprang heraus und umarmte die Tante Sie alte Dame war erstaunt, schob das Mädchen auf Armeslänge fort, schüttelte den Kopf und zog Eli- beth wieder an sich, „Wie das heranwächst", murmelt sie, „kaum zu glauben."
Elisabeth lachte, sie fühlte sich noch etwas um ''ch" 'm Glanz ihrer- siebzehn Jahre. Sie wußte augenbllckllch nicht recht, ob sie sich aus Bequem- Iidjfeit zu den Kindern oder interessanterweise zu den Erwachsenen schlagen sollte. In diesen Ferien hatte sie sich vorgenommen, lieber zu den Kindern zu zahlen. Es barg Vorteile in sich, man konnte alles mitmachen, was man wollte. Durfte ohne Sattel reiten, auf Heuböden klettern, mit den Hunden um die Wette laufen, barfuß gehen und Kühe hüten. '
An Elisabeth lag es also nicht, sie hatte die besten Vorsätze. Aber da tauchte auf einmal Georg auf. Georg war Tantes Liebling, der Junge vom Nachbargut, wie Elisabeth ihn vor fünf Jahren genannt hatte. Aber jetzt auf einmal kam er in voller Gala angeritten, in tadellosem Neitrock, steifem Hut und langen, schwarzen Lackstiefeln. Er trug eine weiße Fliederblüte im Knopfloch und grüßte mit Der Reit- 9e.rte 3um Wohnzimmerfenster hinauf, hinter Dem Elisabeth stanD unb oerrounDert herabsah.
"Wer ist Denn bas?" fragte sie beunruhigt.
Die Tante blickte ihr über Die Schulter. „Aber bas ist Doch Georg!" rief sie entzückt. „Komm herauf, Georg, hast Du auch schon Ferien, willst Du Ußaffeln, was macht Die Mama?" Georg konnte so schnell nicht auf alle Fragen antworten. Er sprang mit Eleganz vom PferD, warf Die Zügel Dem perbeigeeilten Knecht zu unD begab sich unter leichtem Sporengeklirr Die Treppe hinauf.
Elisabeth ärgerte sich furchtbar, Daß sie heute ge- raDe ihr altes, blaues KattunkleiD trug, Das nur bis zum Knie ging. AußerDem waren ihre Arme unb Beine zerkratzt von ben Ranken ber Himbeer
sträucher, benn bie hatte Elisabeth heute mit Der Tante zusammen umgepflanzt. Sie fühlte mit stille ni Ingrimm, Daß sie rot gemorDen war. Dabei überlegte sie, ob sie ihre aufgesprungenen HänDe nicht lieber hinter Dem Rücken verbergen solle, aber leibet ging Das nicht. Sie machte Darum ihr eisigstes Gesicht unD reichte Georg Die HanD, Der sie ganz roiDer Erwarten zum MunDe führte.
Auch Die Tante war etwas perplex. Sie wollte sagen: „Aber Georg, Elisabeth ist Doch noch ein KmD". Aber Dann sah sie sich ganz zufällig Dieses KmD Elisabeth genauer an, schüttelte erstaunt Den Kopf unD betrachtete jetzt Die beiDen jungen Leute mit entschieden mehr Interesse.
„Also Die Waffeln", sagte sie, „entschulDige, Georg, ich will mal schnell Der Minna sagen. Daß sie ein paar mehr backt", und ging schmunzelnD hinaus.
„Bleiben gnäbiges Fräulein noch lange hier?" fragte Georg förmlich. „Noch ein paar Wochen", antwortete Elisabeth kurz, aber boch tief erfreut über bie Anrebe. „Gnäbiges Fräulein", patte bis jetzt noch niemanb zu ihr gesagt.
„Das ist ja großartig!" rief Georg, „Da kommen Sie Doch sicher zu Dem Picknick mit, Das Der Jagd- klub veranstalten wirb."
„Wenn Tante geht", sagte Elisabeth.
„Sie muß gehen , rief Georg enthusiastisch unb bann ließ er alle Würbe fahren unb verbreitete sich ausführlich über bie Höhepunkte dieses Picknicks, bie in Tontaubenschießen unb einem Tanzturnier bestehen würben.
Dann kam bie Tante mit einem Berg golbgelber xßaffeln, unb Georg vergaß alle Reserve noch gründlicher unb stürzte sich mit einer Art Jndianer- geheul auf Tantes gepriesene Spezialität.
Das Tontaubenschießen war um bie Kaffeezeit beendet und Georg hatte, wenn auch nicht gerade einen Preis gewonnen, so boch verhältnismäßig wenig Daneben geschossen, wie Elisabeth bemerkt yatte, die ganz in feiner Nähe ftanb.
öen Schüssen lehnte sich Georg mit mlene °uf seine Jagbflinte und machte fnnrHi* Vr115 imponierenben Einbruck in seinem hnm»n$e!l Elisabeth bemühte sich ebenfalls, damenhaft unb imponierenb auszusehen. Sie trug bas kurzgeschnittene, hellbraune Haar gewellt, bie AAuse aus Dem Dorf war sogar ihretwegen be- Uni! sie hatte über bie noch immer JTOHdlrf Ame lange weiße Hanbschuhe gezogen. ^.?^^^^°chtung sah sie auf die Zwölf- und Dreizehnjährigen, bie sich mit Gelächter auf bem Turnplatz herumbalgten, ber hinter Büschen ver
borgen lag. Man sah sie am Trapez burch bie Luft fliegen und Klimmzüge an ben Ringen machen.
Trotzbem sagte Elisabeth prahlerisch, als ob er bas zu bezweifeln versuchte: „Sehen Sie mal meine Muskeln", unb bewegte ben Arm, so baß ber Oberarmmuskel burch bas bünne Gewebe sichtbar würbe.
Georg äußerte unverhohlen seine Anerkennung. „Aber neun Klimmzüge im Streckhang", meinte er bebenklich, „bas ist wirklich allerhanb!"
„Ich werbe es Ihnen vormachen", rief Elisabeth gekränkt unb lief schon zum Turnplatz hinüber. Das lange Kleib flog aar nicht Damenhaft hinter ihr her, die Hanbschuhe streifte sie schon im Laufen ab, unb bie kleine weiße Kappe flog in hohem Bogen ins Gras.
„Platz, Platz für Fräulein Elisabeth", rief Georg unb Drängte bas Kroppzeug zur Seite. Elisabeth hing schon in ben Ringen. Sie ließ sich mit Vergnügen hin unb her schwingen. Die sechs ersten Klimmzüge absolvierte sie mit Leichtigkeit, Der siebente erforderte schon zusammengepreßte Zähne, beim achten Dachte sie, sie würDe es nie schaffen unD beim neunten war ihr so schwach zumute, Daß sie eben nur, weil Georg zusah, mit Aufbietung aller Kräfte in Die Höhe kam.
Georg klatschte in Die HänDe, als sie sich, an allen (BheDern zitternD, herabließ. Da gab sie sich einen Ruck, rief gepreßt: „Numero zehn!" unD kam noch einmal in Die Höhe. Aber Dann ließ sie so jäh Die Ringe fahren. Daß Georg zusprang unD sie auffing, als sie in Die Knie sank.
Er hob sie auf unD "hielt Die leichte Gestalt so unvermutet in Den Armen, Daß er ganz verwirrt war. Das Blut schoß ihm ins Gesicht, er hätte am liebsten Elisabeth sofort losgelassen, als habe er aluhenDes Eisen berührt. Aber sie atmete noch so lästig von Der Anstrengung unD war ganz blaß o Daß er ihr besorgt Die Haare aus Der Stirn trief). Die von ganz feinen, glitzernDen Tropfen be- Deckt war.
„Liebe, kleine Elisabeth", sagte er zärtlich, „hast du Dir wehgetan?" Sie unterDrückte Das heftige Atmen unD sah ihn lächelnD an. „Es ist schon gut", sagte sie, „ich hätte Den zehnten Klimmzug nicht mehr machen sollen." Keiner wagte sich aus Verlegenheit zu rühren. Zuletzt Jagte Elisabeth: „Jetzt kann ich schon wieDer gehen, und Geora ließ schnell Die Arme sinken.
BeiDe ftanDen unschlüssig Da unD blickten vor sich nieber auf ben Rasen, aus bem schüchtern kurz- ftielige, weiße Gänseblümchen schauten. Plötzlich hörte man von ber Walbschänke her Das Stimmen von Instrumenten. BeiDe hoben Die Köpfe wie auf
ein Signal. „Das Tanzturnier!" sagten beiDe erlöst wie aus einem MunDe.
„Darf ich Dich um Den ersten Tanz bitten?" fragte Georg schüchtern.
Elisabeth war Diesesmal über Das „Du" ebenso beglückt, wie Damals über Die AnreDe „GnäDiges Fräulein". UnD obwohl sie Durch Dieses seltsame Ereignis, wie es eine erste Liebe ist, sich hätte älter unD reifer fühlen müssen, kam sie sich kinDisch bumm unb ungeschickt vor, als sie mit etwas fpröber Stimme „Bitte sehr!" sagte.
Ihre ganze Erwachsenheit war wie mit einem Schlage fortgefegt. Sie gingen schweigenb unb sehr unsicher, unb ein paarmal stolperten sie, weil sie ben Weg vor ihren Füßen nicht genau sahen, so als wären sie geblenbet von Dem überirDischen Glanz, Der auf einmal über Der Welt lag.
Mit dem Regenschirm gegen Königsadler.
Ein Bauer namens Niccola, Dessen HerDe in Der Nähe von Manciano in Toskana weiDete, beobachtete unter seinen Schafen eine Panik unb de- merkte Dann zwei riesige flatternDe Flügel im be« nachbarten Dickicht. Als er Dorthin eilte, fanb er einen großen KönigsaDler, Der gerade ein Lamm zerrissen hatte und sich mit der in feinen Klauen befindlichen Beute in die Luft erheben wollte. Der Adler machte sofort einen wütenden Angriff auf den Bauern, der nichts als seinen Regenschirm zu seiner Verteidigung bei sich hatte. Er spannte diesen zum Schutz auf und hielt damit Den Dreimaligen Angriff Des wütenden Vogels aus, der den Schirm völlig zerstörte. Niccola packte Dann den Adler mit der einen Hand an einem seiner Flügel und hielt ihn mit der anderen am Hals fest. Das R-ingen zwischen Mensch und Vogel dauerte einige Zeit, und schon begann die Kraft des Bauern zu erlahmen, als ihm ein anderer zu Hilfe eilte. Beide fingen nuit den Adler lebend und brachten ihn im Triumph ins Dorf.
Sochfchulnachnchten.
Professor Dr. L. Ebert von der Universität Wurzburg ist zum ordentlichen Professor für physikalische Chemie an der Technischen Hochschule in Karlsruhe ernannt worden.
Professor Dr. B. Spiethoff, Ordinarius für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Univerfl- töt Jena, wurde zum Ordinarius an iber Universität Leipzig ernannt.


